10. Spieltag – RWE – SC Verl

Jetzt ist es also passiert: RWE hat zum ersten Mal in der Saison ein Spiel verloren. Dass es irgendwann so kommen würde, war klar. Die Höhe der Niederlage ist jedoch frustrierend.

Die Voraussetzungen waren klar: RWE konnte heute mit einem Sieg gegen den „Bauernverein“ punktgleich mit dem SV Rödinghausen ziehen, dabei aber mit zwei Spielen weniger einen dicken Trumpf in der Hinterhand halten. Auch der punktgleiche SC Verl strebte die Egalisation des Vorsprungs an, hat jedoch nur ein Spiel weniger.

Bei der Startaufstellung gab es keine Überraschungen – Trainer Titz vertraute demselben Team, dass schon in den vergangenen beiden Partien in Lippstdt und gegen Bonn gewinnen konnte. Doch bevor RWE beginnen konnte, das gewohnte Pressing aufzuziehen, klingelte es bereits hinten. Nach einem Ballverlust geht es schnell, langer Ball hinter die Abwehr, Yildirim nimmt Maß – 0:1.

Doch RWE hat bereits mehrfach gezeigt, dass Rückstände nicht mehr wie in der Vergangenheit direkt eine Niederlage bedeuten müssen. Nachdem Endres und Kefkir die ersten zaghaften Chancen vergeben hatten, wurde bei einem Angriff Grote im Sechzehner gefoult, sodass der Unparteiische auf Strafstoß entschied, den Kefkir zum Ausgleich verwandelte.

Doch unmittelbar, nachdem Dorow und Grote eine Doppelchance nicht verwerten konnten, gab es den erneuten Rückstand: Nachdem Kehl-Gomez am Verler Sechzehner den Ball verliert, geht es über zwei, drei Stationen schnell – langer Ball, Zanjic kann auf den total blanken Hecker ablegen – 1:2.

Verl beschränkte sich nun zu einem großen Teil darauf, das Spieltempo immer wieder zu verschleppen und fiel vor allem durch einige üble Fouls auf, die Schiedsrichter Markus Wollenweber jedoch keineswegs dazu bewegte, mal mithilfe der einen oder anderen gelben Karte (oder auch nur mal einer energischen Ansprache) dazwischen zu gehen. Stattdessen pfiff er kleinlichst Vorteile weg, weil fernab des Spielgeschehens ein zweiter Ball aufs Spielfeld gerollt war, verweigerte einen weiteren klaren Elfmeter nach einem Halten gegen Dorow und machte seinem Ruf als „Nicht-RWE-Schiedsrichter“(remember Niederrhein-Pokal-Finale in Oberhausen) alle Ehre.

War es bis hierher schon einer der sprichwörtlichen gebrauchten Tage, so sollte es in der zweiten Hälfte zu einem „total aufgetragenen“ Tag. Zwar war RWE über weite Strecken dem Ausgleich näher als der SC dem 3:1 (15:2 Ecken bei Spielende!), aber der Treffer sollte weder Dorow gelingen, dessen Schuss nach knapp 60 Minuten per Fußreflex zur Ecke gelenkt wurde, noch hatte der Schiri seine Kontaktlinsen eingesetzt, als nicht Endres, sondern ein Verler den Ball im Sechzehner mit der Hand spielte – zwar mag die Handspielregel „entschuldigen“, wenn der Ball vom eigenen Körper an die Hand springt, aber ein Freistoß für Verl war in dieser Situation ebenfalls nicht korrekt.

Und dann wurde es schlimm: knapp 70 Minuten gespielt, als Grote den Ball zu Heber spielen will. Dieser denkt aber, dass der Ball zunächst zu Lenz geht, Yildirim sagt mit einem platzierten Roller aus knapp 30 Metern zum 1:3 „Danke“.

Doch damit nicht genug: Zehn Minuten vor Schluss kommt es im Essener Strafraum zu einem Gewühl, in dessen Folge Sauerland liegen bleibt: Da RWE zu diesem Zeitpunkt schon vierfach gewechselt hatte und Sauerland mit dem Verdacht auf eine Stauchung (kein Bruch / Bänderriss lt. PK) raus musste, spielte RWE fortan mit nur noch 10 Spielern. An dieser Stelle gute Besserung an David Sauerland.

Unmittelbar im Anschluss kann ein Ball zum rechts freistehenden Yildirim verlängert werden, Lenz zögert mit dem Herauslaufen (mein erster Eindruck war, den hätte er den kriegen können, wenn er nicht zurückgegangen wäre) und der 1:4-Endstand ist perfekt.

Insgesamt fehlte heute das letzte Quentchen, wurden zu wenig sogenannte „zweite Bälle“ erarbeitet und zu viele Zweikämpfe und Dribblings verloren, zu viel gestochert. Auch der nach stundenlangem Regen glitschige Boden tat seinen Teil dazu, doch die Verler haben es zugegebenermaßen auch sehr geschickt gespielt – hier hat vor allem die Abwehr Lehrgeld zahlen müssen, aber auch zu wenig große Chancen wurden erarbeitet.

Ich habe den Berichtsteil zu diesem Spiel etwas kürzer gefasst, da ich eher zur aktuellen Lage noch ein paar Worte loswerden will:

Vor der Saison sagten einige Leute (z.B. der Kollege vom Catenaccio 07), dass man Titz zehn Spieltage geben müsse, bevor man erkennen kann, ob Titz eine eigene Handschrift, eine klare Linie sichtbar machen kann. Wegen des spielfreien Tages sind wir nun an diesem Punkt und RWE hat sich bislang hervorragend geschlagen. Gegen Rödinghausen ein Unentschieden, heute gegen Verl eine Niederlage – alle anderen Spiele wurden gewonnen, dazu der KFC aus dem Pokal gekegelt. Man darf meiner Meinung nach daher durchaus von einem erfolgreichen Start sprechen.

Natürlich kommt es jetzt darauf an, am kommenden Donnerstag in Mönchengladbach wieder in die Erfolgsspur zu finden. Doch ich bin mir sicher, dass Titz die richtigen Schlüsse ziehen und die entsprechenden Rädchen drehen kann und wird. Die Art und Weise, wie RWE in der Saison bislang die Spiele gestaltet, ist beeindruckend. Selten habe ich eine dermaßen dominante Mannschaft in unseren Reihen gesehen – zuletzt vielleicht, als noch Kirschstein, Bonan und Goldbaek bei uns aufliefen.

Daher hat die Mannschaft sich auch meines Erachtens a) den Ruf eines Ligafavoriten zurecht erarbeitet und b) die volle Unterstützung verdient. Dass es Leute gibt, die das Spiel mit dem 1:3 verlassen, ist klar – nicht jeder trägt den Verein so sehr in den Adern wie manch einer, der auch in der letzten Saison regelmäßig vor Ort waren (diese Leute sollten sich auch nicht wundern, wenn sie „wir sind Essener und ihr nicht“ und ähnliches zu hören bekommen, aber sei’s drum). Dennoch zeigte die West nach dem Spiel mit „Wir halten zusammen RWE“ in ohrenbetäubender Lautstärke eindrucksvoll, dass sie hinter dem Team steht – und so muss es sein.

Rödinghausen und Verl spielen noch zweimal gegeneinander und werden sich gegenseitig noch Punkte abnehmen. Zudem haben wir die erwähnten Spiele Rückstand, sodass wir es weiterhin selbst in der Hand haben, diese Saison zu „der einen“ zu machen, von der wir noch in einigen Jahren reden werden. Lasst uns gemeinsam die Chance ergreifen!

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