9. Spieltag – RWE – Bonner SC

Man könnte sich echt dran gewöhnen: Freitag, Flutlicht, Heimspiel vor voller Hütte… Wenn dann noch die „Leistung“ der Schiedsrichter das einzige Kopfschütteln hervorruft, läuft irgendwas verdammt richtig.

Trainer Titz schickte erstmals (?) dieselbe Startelf wie im letzten Match ins Rennen, um gegen schlecht gestartete Bonner (sieben Punkte aus sieben Spielen) den nächsten Dreier einzufahren, während Platzek erneut nicht im Kader war.

Schon nach wenigen Minuten ergab sich die erste Chance für RWE, doch Condés Kopfball war zu unplatziert und stellte den Gästekeeper vor keine größere Aufgabe. Und beinahe im Minutentakt wurden weitere Chancen vergeben: Kefkir schoss knapp neben das Tor, nach einer kurzen Ecke brachte ein Essener (Endres?) den Ball per Fallrückzieher nicht auf den Kasten, und beide Akteure vergaben jeweils eine weitere Chance, bevor Bonn nach 20 Minuten den ersten Schuss auf den rot-weissen Kasten abgeben durfte.

Die Bonner fielen dabei besonders in der ersten Halbzeit durch viele Nickeligkeiten auf: kleine Fouls bei jeder Gelegenheit, Ball mitnehmen oder mal wegschießen – ich hätte mir ein deutlich früheres Eingreifen des Unparteiischen gewünscht.

Nach 30 Minuten belohnte sich das Team jedoch mit der Führung: Freistoß von der rechten Seite in den Strafraum, der Ball landet über eine weitere Station bei Hahn, der aus kurzer Distanz die Kugel unter die Latte knallte.

Der Jubel war noch nicht ganz verklungen, als der Schiedsrichter seinen ersten „echten“ Aussetzer hatte: über unsere linke Abwehrseite kommt der Ball in den Strafraum, Heber spielt diesen knapp vor seinem Gegenspieler, doch dieser hebt dankend ab – Elfmeter! Obwohl sich Lenz aufreizend viel Zeit ließ, konnte er den Ausgleich gegen den perfekt geschossenen Strafstoß nicht verhindern.

Mit diesem Spielstand ging es dann in die Pause, in der Trainer Titz seine Stellschrauben drehte: Für Grote, den einzigen Feldspieler, der bislang keine Ligaminute verpasst hatte, kam Selishta in die Partie. Nebeneffekt: Grote, dem bei einer gelben Karte die Gelbsperre gegen Verl drohte, kann im folgenden Spitzenspiel mit dabei sein.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff wurde Dorow im Bonner Sechzehner vom Keeper von den Beinen geholt, nachdem er den Ball vorbeigelegt hatte, doch zum Zorn der Anhänger blieb der Pfiff aus. In der nächsten Szene hatte Selishta gleich doppelt die Möglichkeit zur erneuten Führung, scheiterte jedoch beide Male am Keeper – Eckball.

Dieser Eckball wurde recht zügig ausgeführt: Kefkir – Heber am kurzen Pfosten verlängert – 2:1! Ausgerechnet Heber, der den Elfer „verschuldet“ hatte, bringt den Wagen zurück auf die Straße.

Bonn wehrte sich tapfer und brach noch einmal über rechts durch, der Schuss aus vollem Lauf klatschte an die Latte! Das sollte jedoch – bis auf einen von Lenz parierten Schlenzer – die einzig nennenswerte Chance der Gäste bleiben.

Nächster „Klopper“ vom Schiri: Ein Rückpass von Selishta gerät zu lang und wird zum Steilpass für einen Bonner Stürmer – das Gespann entscheidet auf Abseits. Eine mindestens diskussionswürdige Szene hatte dann Kefkir, als er im Sechzehner mit dem Keeper zusammenstieß. Der Schiedsrichter entschied auf Gelb für Kefkir, wobei einige auch den Keeper zu spät am Ball gesehen haben – hier bin ich auf die Wiederholung gespannt. Und als kleinen Bonus gewährte der Schiri Kefkir einen Einwurf, obwohl dieser beim langen Ball aus der eigenen Abwehr meilenweit im Abseits stand und kein Bonner auch nur die Chance hatte, diesen Ball überhaupt zu berühren. Wie gesagt: Nicht der beste Tag des Unparteiischen, dessen Assistent auch einen hektischen Winkearm zu haben schien, so oft, wie er gute Angriffe der Rot-Weissen per Abseits-Fahne zunichte machte.

Der geneigte RWE-Fan wartete natürlich noch auf den gewohnten Joker-Treffer. Auch dieser sollte erfolgen, als Selishta links herrlich freigespielt wurde und im Eins-gegen-Eins mit dem Torhüter eiskalt zum 3:1 lupfte.

Und was ist besser, als ein Joker-Tor? Richtig! ZWEI Joker-Tore: Der eingewechselte Adetula wurde nach einem herrlichen Solo von Condé von diesem vorbildlich bedient und behielt auch die Nerven, indem er mit einem Tunnel den 4:1-Endstand herstellte.

Es bleibt dabei: RWE bleibt ungeschlagen und Christian Titz hat ein schier unglaubliches Wechselhändchen. Schön zu sehen, dass unser Team sich noch immer nicht aus der Ruhe bringen lässt und sowohl per Standard als auch durch Konter Treffer erzielen kann, wenn es mal „aus dem Spiel heraus“ nicht so läuft. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können, wenn besagtes Schiri-Gespann nicht so unglücklich agiert hätte – aber bei einem 4:1 will ich da jetzt mal beide Augen zudrücken.

Besonders in den letzten 20 Minuten war schön zu sehen, wie viel mehr Kondition unser Team im Vergleich zum Gegner hatte. Beinahe jeder Ball konnte erlaufen werden, Condé mit seiner großartigen Technik und Übersicht steuerte das Spiel, während Heber und Hahn die Hütte hinten dicht machten.

RWE macht derzeit einfach wieder richtig Spaß! Es ist beinahe erschreckend, wie auf jedes Szenario eine Lösung gefunden wird. Ich bin zuversichtlich, dass uns auch die englische Woche der anderen Teams nicht aus dem Rhythmus bringen wird, denn die Partie gegen Königsblau wurde bekanntlich in den November verlegt. Dann haben wir möglicherweise auf Rödinghausen wieder Rückstand und auch unser kommender Gegner, der SC Verl, könnte an uns vorbeiziehen.

Aber im Ernst: WER SOLL UNS SCHLAGEN?

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