Abseits: Skisprung-Weltcup in Willingen

Was tut man nicht alles an spielfreien Wochenenden? Büroklammern sortieren, mal mit dem Hamster ins Kino gehen, die Zehnägel schneiden oder halt Weihnachtsgeschenke einlösen wie in diesem Fall.

Vorab eine kleine Entschuldigung meinerseits: ich habe zu Rödinghausen keinen Bericht geschrieben. Allerdings ist mir die Partie dermaßen aufs Gemüt geschlagen, dass ich mindestens bis mittwochs danach daran zu knacken hatte. Ich denke, die meisten hier können das nachvollziehen.

Jetzt muss der geneigte Leser wissen: ich bin mehr so der Mannschaftssport-Typ. Handball, Hockey, Volleyball und natürlich Fußball – ganz egal, kann ich prima mitfiebern. Im Winter haben wir am Wochenende meist ganztägig die öffentlich-rechtlichen Sender eingeschaltet, um dort beispielsweise Biathlon, Rodeln oder Bob zu verfolgen. Ebenfalls okay, kann ich nebenbei gut gucken. Was mich aber spätestens in der Ära nach Hannawald weder gepackt noch interessiert hat, war Skispringen. Ob es damals RTL übertrieben hat, ob es daran lag, dass andere Nationen die Deutschen aber sowas von abgehängt haben – ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich dabei gerne auch mal eingeschlafen bin.

Nun also zum ersten Mal live dabei. Leider hatte unser geplanter Babysitter nur zwei Tage vorher aus gesundheitlichen Gründen passen müssen, was dazu führte, dass wir nun niemanden hatten, der unsere Zwillinge hüten konnte. Also rief ich am Donnerstag beim Ausrichter, dem Ski-Club Willingen an, um sicherzustellen, dass wir die beiden auch mitnehmen können. Die gute Dame am anderen Ende der Leitung zeigte sich jedoch wenig kooperativ. Auch nach Rücksprache sagte sie mir, die beiden bräuchten selbstverständlich eine Eintrittskarte, allerdings sei das Springen ausverkauft und es sei ja schließlich auch schon wegen des Risikos (sic!) aufgrund der Sicherheitsvorgaben mal überhaupt nicht zulässig. Dass die beiden nur zwei Jahre alt seien und keinen eigenen Sitzplatz brauchen würden – egal. Sie könne mir da leider nicht helfen, leider müsste ich dann wohl auch darauf verzichten. Kleiner Spoiler an dieser Stelle: es hat NIEMANDEN auch nur ansatzweise irgendwie interessiert, ob die beiden ein Ticket haben. Ich hätte es auf eine Diskussion ankommen lassen und hatte insgeheim darauf spekuliert, dass man am Einlass schon die Ordner hätte überzeugen können.

Die Aussage, dass wir ein Ticket brauchen würden, halte ich angesichts der nicht erfolgten Kontrolle übrigens als Frechheit und versuchte Geldmacherei. Hätte ich jetzt tatsächlich für rund zweimal dreißig Euro ein Ticket gekauft – ich hätte mich ziemlich geärgert. Hier würde ich mir vom Ausrichter eine Anpassung der Bedingungen dahingehend wünschen, Kinder bis zu x Jahren kostenlos zuzulassen und dies auch so kundzutun. Die Randsportart Skispringen kann sicher jeden Zuschauer und Nachwuchs gebrauchen – das schafft man sicher nicht auf die gelebte Art.

Kurzer Schritt zurück: wir stiegen also in den Zug im Nachbarort, um vom extra eingerichteten „Weltcup-Bahnhof“ mit den Knirpsen auf den Schultern gute 2km bergauf, begleitet von unfassbar vielen polnischen Fans, die mir schon nach wenigen Minuten mit ihren Tröten auf den Zeiger gingen. Dort ist der Sport dank vieler erfolgreicher Athleten tatsächlich sehr populär. Da viele Menschen mit polnischen Wurzeln auch in Deutschland leben, z.B. im relativ nahen Pott, verwundert es eigentlich nicht wirklich, dass wohl deutlich mehr Polen als Deutsche im Stadion (heißt auch dort so) waren.

Der Anblick auf Schanze und den Sprunghügel ist schon beeindruckend. Ich selbst würde dort nicht einmal normal herunterfahren, geschweige denn dabei vom Boden abheben wollen. Aber jeder nach seiner Façon, sage ich ja immer.

Blick auf den Sprunghügel, rechts und links oben Stehplätze am Hang

Ich nutzte das Event, um meine neue „Erkennungsmarke“ auszuführen – ich bin jetzt stolzer Besitzer einer eigenen Fahne. Die Story, wie viele Nerven mich das Teil gekostet hat, wäre einen eigenen Blogbeitrag wert – ich erspare euch das aber. Nur soviel: nicht überall arbeiten Experten auf ihrem Gebiet. Wie dem auch sei, ich hoffe, das Ding wird auch im Stadion Essen und auswärts seinen Platz finden. Mehrfach dürfte es auch im TV zu sehen gewesen sein.

Da es am Vortag zu windig war, wurde der Samstag für die Athleten zur Belastungsprobe: neben dem Trainingssprung wurde zunächst die Qualifikation für das Hauptspringen durchgeführt, bevor es dann zum eigentlichen Springen kam. Da nicht jeder Sprung wie am TV mithilfe diverser Zeitlupen seziert wurde und die Pausen zwischen den einzelnen Sprüngen mit Musik der Marke „Ballermann/Après-Ski“ gefüllt wurden, war das Ganze doch recht kurzweilig. Dass Lokalmatador Stephan Leyhe (der einst beim SC Willingen aktiv war) die Quali gewann, trug zusätzlich zu einer gelassenen Stimmung auf den Tribünen bei.

Den vielen Sprüngen des Tages war es vermutlich auch zu verdanken, dass zwischen den Durchgängen nur knapp 20 Minuten zu überbrücken waren – bei Temperaturen knapp über 0 Grad ein willkommener Moment, um die eingefrorenen Körperteile in Bewegung zu versetzen, ein paar Schritte zu machen oder die Lebensmittel-Vorräte – der geneigte Skisprung-Ultra greift gerne auch zum Alkohol – aufzufüllen.

Leyhe musste sich im ersten Durchgang hinter dem Polen (ausgerechnet!) Kamil Stoch einordnen, hatte dabei aber nur einen knappen Rückstand auf selbigen. Da die Jury offenbar entschied, den Anlauf zu verlängern (sagte man mir), wurden die Sprünge im Finaldurchgang noch einmal spektakulärer, die Distanzen größer und die „Ziiiiiiiieh“s lauter.

Leyhes letzter Sprung des Tages ging entsetzlich weit herunter, hier war die letzte Weitenmarkierung gerade gut genug. Der Jubel auf den Tribünen – zumindest unter den deutschen Fans – fand jedoch seinen Höhepunkt, als Stoch seinen zweiten Sprung verpatzte, sodass „der von hier“ tatsächlich im 25. Weltcup in Willingen seinen ersten Weltcupsieg feiern konnte.

Die Tribünen leerten sich Minuten nach der Siegerehrung rasant, was zu A40-ähnlichen Verhältnissen auf den Abreisewegen führte. Wir erreichten den Shuttlebus nach einem weiteren Gewaltmarsch (Zwillinge, remember? und ließen den Tag im Hotel bei einem ausgedehnten Abendessen ausklingen.

Fazit: es war cool, diesen Sport mal live zu erleben. Für jede Woche wäre das für mich nichts, was aufgrund der Seltenheit hierzulande ja auch gar nicht möglich wäre. Trotzdem ist die Atmosphäre durchaus erlebenswert – hier gilt im Übrigen eher „alle feiern zusammen“, von Rivalität ist außer der Lautstärke beim jeweiligen Springer nichts zu merken. Aber das ist ja auch nicht immer das Schlimmste.

Sonntag kommender Woche kommt der RWO an die Hafenstraße. Da werde ich dann sicher auch wieder über RWE schreiben. Lasst uns das Team zu einem wichtigen Erfolg peitschen!

Abseits: Nullsieben auf der GamesCom 2019

Spätestens, seit der Commodore 64 die Wohn- und Kinderzimmer der Welt erobert hat, ist das Zocken diverser Spiele vom belächelten Hobby zur Passion vieler Generationen geworden. Und so lockt die GamesCom in Köln Gamer aus aller Welt herbei, um die neuesten Spiele auszuprobieren.

Da der Veranstalter die Gänge entlasten möchte, sind die Messehallen etwas lockerer besetzt. Dass Branchen-Gigant Blizzard in diesem Jahr auf den Auftritt in Deutschland verzichtet, um seine Entwicklungen rechtzeitig für die hauseigene „Blizzcon“ fertig zu bekommen, fällt daher nicht ganz so ins Gewicht wie zunächst befürchtet.

Electronic Arts zeigt in diesem Jahr mit Need For Speed Heat, Apex Legends und dem neuen Fifa 20 lediglich drei Titel. Der Fifa-Stand ist dabei deutlich kleiner als noch in den Vorjahren, obwohl dieser jedes Mal einen riesigen Andrang bewältigen musste. Auch fehlt offenbar eine Zeitbegrenzung, was sich dann tatsächlich auch am Fachbesuchertag in langen Wartezeiten niederschlägt. Zu Fifa selbst: Der Fußball-Klassiker glänzt wie üblich mit vielen Original-Teams, Namen und erstaunlich realistischen Gesichtern. Im Gameplay ist festzustellen, dass das Verteidigen an Schwierigkeit zugelegt hat. Mit mehr Übung ist dies aber sicher zu bewältigen. Aber warum ist der Schiri hell-grün gekleidet, wenn ein Team in gelb spielt? Der neue Volta-Modus (3 gegen 3 ohne Keeper im Käfig) erweist sich zumindest im Spiel gegen die KI als Reinfall: Auf dem „Semi-Pro“-Schwierigkeitsgrad gelingt dem Gegner auch bei leerem Tor kaum ein Treffer, während man bei eigenem Ballbesitz aus allen Lagen trifft. Ein 19:2 nach zweimal drei Minuten Echtzeit spricht Bände. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Feature im eSports bewähren kann.

Der große Konkurrent von Fifa ist seit jeher Konamis Pro Evolution Soccer. Und natürlich gibt es auch in diesem Jahr eine neue Version, die nicht nur mit aufpolierter Grafik und verbessertem Gameplay daherkommt (müde Spieler schleppen sich über den Platz, Pässe gelingen aus gewissen Bewegungen heraus nicht mehr so präzise…), es ist zudem gelungen, das komplette Team der „alten Dame“ Juventus Turin aus den Fängen von EA zu zerren. Auch die Allianz-Arena der Bayern ist originalgetreu nur in PES zu finden – mit 14 von 18 echten Stadien braucht sich aber auch Fifa nicht zu verstecken.

Im direkten Vergleich wird Fifa wahrscheinlich eher die Massen ansprechen, während der Realismus-Fan eher zu PES greifen wird. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, wenn sich in puncto Lizenzen nicht ein Wunder ereignet.

Den Raum von Blizzard nimmt in diesen Jahr Square Enix mit einem enormen Stand ein, an dem nicht nur Final Fantasy XIV (der aktuell wohl größte World of Warcraft-Rivale) gespielt werden kann, auch das lang ersehnte Remake von Final Fantasy VII ist erstmals anspielbar. Zudem erwartet denjenigen, der eine der langen Warteschlangen hinter sich bringt, eine erste spielbare Demo der Avengers-Umsetzung. In einer Art Tutorial darf man sich mit Thor, Iron Man, dem Hulk, Captain America und Natasha Romanov durch eine Horde Gegner schnetzeln und dabei allerhand Special Moves einsetzen. Das wirkt auf den ersten Eindruck sehr überfordernd, kommt aber optisch äußerst ansprechend daher. Für Fans sicher ein Muss.

Cyberpunk 2077 dürfte in diesem Jahr jedoch DER Kracher auf der GamesCom sein. Da sich allerdings bereits wenige Minuten nach Öffnung der Messe dort eine Schlange einmal um den Stand herum gebildet hatte, war mir die Zeit zu schade. CD Project Red hat mit der Witcher-Saga jedenfalls eine dermaßen gute Referenz vorgelegt, dass ein Erfolg quasi vorprogrammiert ist.

Kuriositäten gab es natürlich auch zu entdecken. Dort, wo am Stand ein Fast-Food-Riese eine Goldene Karte (entspricht lebenslangem (!) kostenlosen Essen) zum Erspielen mit dem Big-Bang-Theory-Klassiker „Stein, Papier, Schere, Echse, Spock“ andient, befindet sich auf der anderen Seite ein Mini-Fitness-Studio inklusive Personal Trainer einer großen Krankenkasse – darauf muss man auch erst mal kommen. Und am Stand des Landwirtschafts-Simulators (jetzt neu: mit Liga (sic!)) konnte man sogar stilecht auf Röhrenmonitor eine Umsetzung für den C64 spielen.

Volleyball in Biedenkopf

In meiner neuen Kategorie „Abseits“ werde ich in losen Abständen über Geschehnisse berichten, die mich fernab des (rot-weissen) Fußballs bewegen.

Als erstes Thema habe ich mir nichts weniger als die Deutschen Meisterschaften im Volleyball der U16 männlich (heißt tatsächlich so) ausgeguckt. Diese fanden an diesem Wochenende im hessischen Biedenkopf statt.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die folgende Schilderung ausdrücklich subjektiv ist und nicht im Namen des VV Humann Essen erfolgt oder dessen Meinung widerspiegeln muss.

Vorab zur Erklärung für alle Volleyball-Frischlinge: Die Teilnahmeberechtigung erhält man, indem man in den sogenannten „Regionalmeisterschaften“ das Finale erreicht (es gibt eine Ausnahme, die den Ausrichter mit ins Boot holt, aber das geht hier zu weit) – im Falle „unseres“ Team, der U16 des VV Humann Essen war dies gelungen, man hatte zudem den FC Junkersdorf aus Köln im Finale besiegt und konnte somit als Westdeutscher Meister nach Biedenkopf fahren.

Der Tross startete bereits Freitag und auch viele dazugehörige Eltern (nennen wir sie liebevoll „VVH Ultras“) konnten es einrichten, das Wochenende vor Ort in der Halle zu verbringen, sodass für entsprechende Atmosphäre ebenfalls gesorgt war. Auf dem Weg nach Hessen erfuhren wir, dass einer der beiden etatmäßigen Zuspieler umgeknickt war und wohl nicht zum Einsatz kommen können würde. So musste also bereits vor dem Turnier die erste Kaderumstellung erfolgen. Da wir exakt diese Situation quasi am eigenen Leib kurz vor der Westdeutschen Meisterschaft erlebt haben, kann ich nachempfinden, was dies zumindest bei den Eltern ausgelöst hat (die trotzdem natürlich mit ganzem Herzen dabei waren). Für den betroffenen Spieler eine absolute Katastrophe – an dieser Stelle nochmal alles Gute.

Im Vorfeld haben wir in einer Art „Undercover-Mission“ ein kleines Motivationsvideo zusammengestellt, das ich aufgrund diverser Screenshots mit Handynummern nicht hier einstellen kann und will. Dieses Video habe ich dann am späten Abend in unserer WhatsApp-Liveticker-Gruppe platziert, sodass es bei Trainern und Mannschaft ebenfalls ankam. An dieser Stelle nochmal: Ich hoffe, es hat seinen Zweck erfüllt.

Die Veranstaltung begann mit einer – im Vergleich zu den drei anderen Turnieren dieser Art, die ich bisher miterleben durfte – recht lieblos gestalteten Eröffnungsfeier. Bei Ankunft in der Halle war keine Musik zu hören, stattdessen nur das Gemurmel von den Rängen. Irgendwann ergriff dann jemand das Mikro, sagte „jetzt geht es los“ und die Mannschaften liefen zunächst ohne namentliche Nennung in die Halle ein und reihten sich jeweils hinter einem mit ihrem Vereinsnamen beschrifteten Eimer (!) mit Klatschpappen (!!!) auf. Erst nachdem alle Teams versammelt waren, wurden die Vereine heruntergerattert, bevor mit einer gefühlt 30sekündigen Rede die Spiele für eröffnet erklärt wurden. Hier wurde eine große Chance vertan, das Publikum „mitzunehmen“ und den Mannschaften die Aufmerksamkeit der Zuschauer zukommen zu lassen, die sie sich durch die Qualifikation verdient gehabt hätten. Dazu später mehr.

Also ging es nach knapp 10 Minuten nach nebenan in Halle Nummer zwei (die DM werden immer parallel in zwei Hallen gespielt). Zum System: Vier Vierergruppen, die Gruppenersten sind direkt im Viertelfinale, die Gruppenzweiten spielen gegen einen Gruppendritten eine Art Viertelfinale, während die Gruppenvierten „jeder gegen jeden“ Platz 13-16 ausspielen. Ein Spiel um Platz 3 findet aus Zeitgründen dabei nicht statt, während alle anderen Platzierungen ausgespielt werden.

Es ist kaum möglich, an dieser Stelle besondere Spielzüge zu erklären oder auf einzelne Ballwechsel einzugehen. Ich möchte jedoch festhalten, dass von Anfang an jeder Ball mit viel Leidenschaft und Einsatz gespielt wurde. Immer wieder wurden Bälle dem Gegner um die Ohren gehauen, zwischendurch mal eine Finte eingebaut, und jeder erzielte Punkt auf Feld, Bank und Tribüne frenetisch gefeiert. Da es im Volleyball kaum möglich ist, einen Satz zu null zu gewinnen, wurden auch Rückschläge routiniert weggesteckt.

Als erster Gegner in der Gruppenphase sollte der CV Mitteldeutschland (2. Nordost) auf unsere Truppe warten. Und das Team begann wie ein D-Zug: Mit 25:8 konnte der erste Satz gewonnen werden. Dabei besonders bemerkenswert: Alle gegnerischen Punkte wurden durch eigene Fehler verursacht. Der zweite Satz startete etwas zäher, aber auch dieser wurde deutlich (25:15) gewonnen und damit die Basis für das Erreichen des Turnierziels (mindestens Platz 9) gelegt.

In Partie Nummer zwei traf der VVH auf den TSV Schmiden (2. Süd). In einer mitreißenden , lange ausgeglichenen Partie konnte auch hier mit 25:20 / 25:16 der Sieg eingefahren werden, was aufgrund der jeweiligen Niederlagen von Schmiden und Mitteldeutschland mit dem sicheren Platz zwei in der Gruppe gleichzusetzen war. Somit war auch mindestens der 12. Platz für unser Team sicher.

Abschließend ging es dann gegen den VC Dresden (1. Ost) um den Gruppensieg. Die Dresdener landen regelmäßig in den überregionalen Turnieren vorne und galten daher als klarer Favorit in der Partie. Es schien zunächst, als sollte der VCD dieser Favoritenrolle auch gerecht werden, doch unsere Jungs hängten sich mit vollem Einsatz in die Partie und kämpften sich nach einem 7:11-Rückstand zu einer 16:15-Führung. Danach sollten jedoch nur noch drei Punkte aufs Essener Konto wandern, sodass dieser Satz mit 19:25 verloren ging. Den zweiten Satz konnten die Dresdener dann trotz guter Gegenwehr mit 18:25 ebenfalls nach Hause bringen, sodass unsere Jungs den Umweg über die Zwischenrunde nehmen mussten.

Da Trommeln beim Turnier per Hausordnung verboten waren, haben die Dresdener „Schlachtenbummler“ sich einen Trick ausgedacht. Man hatte nämlich genau aufgepasst, dass nur Trommeln verboten sind, aber von Eimern hatte wohl niemand was gesagt. Also funktionierte man den „Einmarsch-Eimer“ kurzerhand um und fand sich ganz toll dabei, sein Team „auch in den schlechten Zeiten zu unterstützen, nicht so wie die Schönwetterfans aus Essen – auch wenn es nicht so viele schlechte Phasen gab“. Hierzu ein herzliches Gäääähn in den Osten. Das passt zum Bild, das Team und Trainer abgeben. Vielleicht beim nächsten Mal beim Lästern besser aufpassen, wer daneben sitzt…

Gegner in der Zwischenrunde waren die Sportfreunde Harteck (2. Südost). Bereits beim Stand von 4:0 zog der gegnerische Trainer die erste der beiden pro Satz möglichen Auszeiten, um sein Team aufzurütteln – vergeblich: Über 8:1 und 16:5, einem per Kopf ins gegnerische Feld geblockten Ball und vier vergebene Satzbälle konnte der erste Satz mit 25:14 gewonnen werden. Der anstrengende Tag forderte aber zunehmends Tribut, und so bekam Harteck Oberwasser. Zwischenzeitlich liefen unsere Jungs einem 11:15-Rückstand hinterher, der Ausgleich konnte erst beim Stand von 17:17 bejubelt werden. Ein Netzaufschlag der Gegner zum 25:23 bedeutete jedoch den Einzug ins Viertelfinale und damit mindestens Platz 8 der Gesamtwertung – Ziel erreicht, ab hier ist alles Bonus!

Dieses Viertelfinale war dann das erste Spiel des heutigen Sonntags. Und dieses Spiel war einfach der Wahnsinn! Der Gegner vom TSC Berlin (Nordost 1) – seines Zeichens Volleyballinternat brachte Ball um Ball ins Spielfeld und zog schnell auf 3:9 davon. Die Jungs schafften jedoch eine tolle Aufschlagserie und kamen auf 8:9 heran und gingen später mit 17:13 (nach 10:13) in Führung. Doch dies reichte nicht ganz aus, die Berliner arbeiteten sich wieder heran und konnten den Satz doch noch mit 21:25 für sich entscheiden.

Ein solcher Rückschlag bedeutet gegen einen so übermächtig erscheinenden Gegner – Berlin hatte am Vortag in keinem Satz mehr als 18 Punkte abgegeben – oft die Vorentscheidung. So schien es dann auch, als in einer Art Blaupause des ersten Satzes ein schneller 3:8-Rückstand aufgelaufen war. Doch unser Team zeigte Kämpfertugenden und erzwang sich dank acht Punkten in Folge ein erneutes 17:13. Und dieses Mal reichte es zum Satzgewinn, mit 25:22 wurde der Tie-Break erzwungen. Dieser war an Dramatik kaum noch zu überbieten. Die Stimmbänder am Anschlag, die Hände wundgeklatscht, lag das Team zum finalen Seitenwechsel mit 5:8 zurück. War es das? Pustekuchen. Auch hier: Moral und Einsatz, Ausgleich zum 10:10, eine 13:11-Führung. Aber diese verdammten zwei Punkte sollten nicht mehr fallen, am Ende behielt der Favorit mit 13:15 die Oberhand und sicherte sich mit dem Einzug ins Halbfinale mindestens die Bronzemedaille, während unsere Jungs ob der knappen Niederlage am Boden zerstört waren. So nah dran an der Sensation, nun doch „nur“ in der Runde um Platz 5-8.

Aus dem Frust wurde schnell Trotz, als neues Ziel wurde nun Platz 5 ausgegeben. Gegner nun TuS Kriftel (Südwest 1). Erneut mussten wir auf der Tribüne alles geben, um das hohe Niveau der Jungs mittragen zu können. Und was bitteschön war das für eine Partie? Die Führung sprang hin und her, der Satz ging gar in die Verlängerung, und erst der sechste (!) Satzball konnte zum 29:27 verwandelt werden. Ganz ehrlich: Spannender kann auch ein WM-Endspiel-Elfmeterschießen nicht sein. Nichts für schwache Nerven.

Satz Nummer zwei hatte ebenso in sich. Zwar spielte unser Team nun mit der Führung im Rücken befreit auf und erarbeitete sich ein dickes Punktepolster, beim Stand von 21:13 machte ich jedoch den Fehler, den Ticker wissen zu lassen: „Das müsste schon seeehr schief gehen.“ Karma is a bitch! 21:14, 15, 16… Kriftel kam immer näher. 23:19. 23:20. 23:24!!! Satzball Kriftel. Nach DIESER Führung!? Erneuter Ausgleich. Matchball! Und JAAAAAAAA, 26:24, Platz 6 sicher!

Im Spiel um Platz 5 kam es somit zur Wiederholung des Finales um die Westdeutsche Meisterschaft gegen unsere „Freunde“ vom FC Junkersdorf Köln. Ein letztes Mal alles in die Waagschale werfen, einen weiteren Ausfall im Team kompensieren, alles geben! Im ersten Satz konnte der VVH bis auf das 0:1 und das 9:10 immer in Führung bleiben und mit 25:20 diesen für sich verbuchen. Im zweiten Satz machte sich der Ausfall des zusätzlichen Angreifers aber mehr und mehr bemerkbar, nach gutem Anfang hieß es zwischenzeitlich 12:18 und am Ende 17:25 – erneuter Tie-Break.

Im Finale der WDM konnten unsere Jungs diesen noch für sich entscheiden – doch diesmal sollte es einfach nicht sein. Nach gutem Anfang lag man beim Seitenwechsel erneut mit 5:8 hinten, dann hatte der FCJ beim Stand von 10:14 vier Matchbälle. Drei davon konnten erfolgreich abgewehrt werden, sodass der Kölner Trainer als letzte Maßnahme noch einmal eine Auszeit nahm. Leider wurde der folgende Ball vergeben, sodass der Satz mit 13:15 verloren ging. Egal: Den Titel „Westdeutscher Meister 2019“ nimmt dem VV Humann auch kein Spiel um die goldene Ananas mehr. 🙂

Im Finale gewann die TSV Grafing gegen die oben erwähnten Berliner, sodass als kleines Trostpflaster verbleibt, gegen einen Finalisten ausgeschieden zu sein.

Unter dem Strich steht somit ein sechster Platz bei den Deutschen Meisterschaften für den VVH. Sechster in einem Feld von Leistungsstützpunkten, Internaten, zusammengecasteten Teams, sechstbestes Team in ganz Deutschland. Und Team darf in diesem Fall auch wörtlich genommen werden. Hat man bei einigen Vereinen das Gefühl, dass es sich eher um Zweckgemeinschaften handelt, so war doch deutlich zu spüren, wie jeder für jeden arbeitet, wie man zusammen für den Erfolg arbeitet. Unsere kleine „Volleyball-AG“ hat sich im bundesweiten Vergleich hervorragend präsentiert und muss sich mit der gezeigten Leistung keineswegs verstecken. Ganz im Gegenteil: Ihr könnt stolz auf das Erreichte sein! Genauso sind wir stolz auf euch!

Nun noch die versprochenen Worte zum Turnier-Umfeld: Positiv zu bewerten sicherlich die Nähe der beiden Hallen, auch zu den unmittelbar nebenan liegenden Mannschaftsunterkünften in der Jugendherberge. Hervorragend auch der Einsatz an den üblichen Kaffee- und Kuchenständen, sehr fröhliches und freundliches „Personal“ dort! Absoluter Pluspunkt.

Aber: Wenn man sich damit rühmt, seit Neunzehnhundertdrölfig (Zahl vergessen) zum elften Mal schon eine Meisterschaft auszurichten, so empfinde ich es für völlig unverständlich, wie wenig emotional die Eröffnung gestaltet wurde. Hier haben andere es vorgemacht: Eine Art „olympischer Eid“ der Kapitäne, die Regeln und Gegner zu achten, oder zum Beispiel mal die Flaggen der Bundesländer aufhängen (sind die nicht sogar Verbandsvorgabe?). Ihr (TV Biedenkopf) habt eine große, relativ moderne Halle. Warum nutzt ihr nicht wenigstens im Finale die Anzeigetafel an der Decke? Euer orangefarbener Klebepunkt für die Stirn, Stichwort DSVGO – er mag rechtlich in Ordnung gehen, aber findet ihr das selbst nicht lächerlich? Wer guckt die Fotos denn durch, ob da nicht irgendwer mit so nem Punkt im Publikum sitzt?! Technik: Internet kennt ihr sicher. Warum nicht ein Monitor mit den Ergebnissen irgendwo? Oder mit nem Beamer auf die Wand geworfen? (Ich weiß nicht, wie es in der Haupthalle war, da wir unsere Spiele allesamt in der Grundschule bestreiten durften.) Ehrlich, das hatte Dorfclub-Feeling und war insgesamt einer DM nicht würdig.

Abschließend möchte ich Dank loswerden: Dank an die Jungs, die uns ein tolles Wochenende bereitet haben, Dank ans Trainerteam, das an den passenden Schrauben gedreht hat, Dank an alle, die vor Ort ihren Teil beigetragen haben und Dank an alle, die vor dem Liveticker die Daumen gedrückt haben. Und natürlich von Herzen ein dickes DANKE SCHÖN für das große Lob zu Video und Ticker – ICH HABE ES SEHR GERNE GEMACHT!

Nachdem wir nun alle wieder zu Hause sind, wird es nun in den kommenden Wochen etwas ruhiger. Ein paar Beachturniere stehen an, bevor es dann nach den Sommerferien in der U18 als jüngerer Jahrgang weitergeht. Ich freue mich schon jetzt darauf!