Alles auf Sieg!

Normalerweise bin ich „bekannt“ dafür, Spielberichte zu verfassen. Aus gegebenem Anlass heute jedoch mein Kommentar zu „Rödinggate“.

Der SV Rödinghausen verzichtet also (für mich doch überraschend) auf die Beantragung einer Lizenz für die Dritte Liga 2020/21.

Zum einen schlägt mein rot-weisses Herz direkt wieder zwei Schläge schneller, denn das bedeutet, dass wir einen dicken Konkurrenten weniger vor der Brust haben. Zudem ist der Verzicht rational sehr gut erklär- und nachvollziehbar. Auf der anderen Seite könnte ich jedoch kotzen.

Der SV Rödinghausen, jener „sympathische“ Dorfclub, der noch vor zwei Wochen unseren Verein bei den Kabinen-Feierlichkeiten durch das Singen von „Adiole“ ins Lächerliche gezogen hat, betreibt mit dieser Ansage eine unbeschreibliche Wettbewerbsverzerrung. Im Interview mit dem Reviersport erklärt Kapitän Flottmann: „Ich weiß nicht, ob wir am Samstag immer noch hundert Prozent unseres Leistungsvermögens abrufen können.“ Soso. Tolle Einstellung. So sehr ich das auch menschlich nachvollziehen kann, aber gegen RWO und den SC Verl erwarte ich von SVR nicht mehr und nicht weniger als eine ebenso dreckige, einsatzfreudige Partie wie die an der Hafenstraße. Ich erwarte, dass man sich den Arsch aufreißt, um diese Spiele nicht unter Preis abzugeben – wenn überhaupt! Für das Verhalten der Spieler und verantwortlichen habe ich hier nur ein „Karma is a bitch!“ übrig.

Sich nun darauf zu verlassen, dass der SC Verl auch auf die Beantragung einer Lizenz verzichtet, halte ich jedoch für grob fahrlässig. Die Stadt dort ist – wenn das, was ich so gelesen habe – eine der wohlhabendsten in ganz NRW und hat dem Verein schon entsprechende Signale für den Umbau des Stadions an der Poststraße gegeben, was das wohl größte Hindernis beseitigen würde. Und auch die ungeliebten Nachbarn aus Oberhausen werden im Fall der Fälle alles daran setzen, die Kohle für die nötige Infrastruktur irgendwie zusammenzubekommen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass das Gespann Uhlig/Nowak auch nur ansatzweise darauf spekuliert, dass auch Platz vier genügt.

Nein, was jetzt zählt, sind Punkte, liebe rot-weisse Freunde! Wir müssen diesen zweiten Platz erobern, und wir müssen und werden damit am Sonntag gegen RWO beginnen! (Natürlich – bevor hier kluggeschissen wird – sollte der SVR in der Tabelle abrutschen, holen wir uns Platz 1!)

Niemals aufgeben!

Grilling In The Name Of…

Premiere für mich gestern: Erstmals konnten mich weder Sofa, Schweinehund noch Wetter davon abhalten, mich zum alljährlichen Angrillen ins Stadion zu bewegen. Ich muss sagen, dass ich es als ein rundum gelungenes Event empfunden habe.

Neben Speis und Trank konnte man mit vielen Gleichgesinnten ins Gespräch kommen und ich hatte das Glück, mit Jakob Golz und Amara Condé gleich zwei Spieler länger in Zusammenarbeit mit meinem Sohn „in die Mangel“ nehmen zu können, später gesellten sich noch Jan Neuwirt, Erolind Krasniqi und für ein paar Augenblicke auch David Sauerland zu der Runde.

Die Jungs kommen äußerst authentisch rüber, nahmen sich Zeit für diverse Fotowünsche von allen Seiten (ja, Golz gehört auch dazu^^), flachsten über dies und jenes, konnten sich an meiner Schulter über Schiedsrichterleistungen und gegnerische Provokationen (Fortuna Köln…) ausheulen.

Die Spieler SIEZEN „Herrn Titz“ übrigens, der sie wiederum mit DU anspricht. War mir auch so nicht bewusst, ist aber irgendwie auch nachvollziehbar. Das Training bei ihm ist hart, bereitet aber doch eher Spaß. Dass es mal in der Ansprache härter wird, ist man allseits vermutlich gewohnt, wenn man diesem Job nachgeht.

Neuwirt und Condé sind sich im Stadion übrigens beim Bewerbungsgespräch begegnet, sie wussten beide nicht von der Wechselabsicht nach Essen des anderen. Wir haben beiden natürlich eine zügige Vertragsverlängerung empfohlen.

Schließlich konnte ich noch erfahren, dass wir einen „Freiberger“ in unseren Reihen haben (Condé stammt – wie er selbst sagt – unvermuteterweise aus dem Osten), bevor dann Sandy eine Handvoll Songs von der Theke gespielt hat – die Jungs waren sichtlich beeindruckt ob der geballten Abneigung gegenüber Königsblau. Ich glaube aber, dass die fünf eine dicke Portion Hafenstraße mitnehmen konnten.

Ruck-zuck waren knapp 2 1/2 Stunden rum und es ging mit einem wohligen, positiven Gefühl nach Hause.

Von mir aus kann es nächste Woche losgehen.

Veränderung

Die kommende Saison bringt nicht nur einen neuen Trainer und einen runderneuerten Kader mit sich, nein, auch die Fußballregeln werden in einem gewissen Maße angepasst. Dabei geht es u.a. auch um solche für uns nicht relevanten Dinge wie „wann darf der Videoschiedsrichter eingreifen“, aber es gibt auch einige gravierende Änderungen, die man als Zuschauer wissen sollte, um nicht gleich dem Schiri an den Kragen zu wollen, wenn er etwas nicht so entscheidet, wie man es seit Jahrzehnten kennt. Da diese Änderungen mit dem Start der Frauen-WM und der U21-EM nun erstmals relevant werden, habe ich die wichtigsten Dinge hier einmal aufgeführt.

1. Anstoß

Fangen wir mal ganz vorne an: Hier wird der geneigte Zuschauer möglicherweise aber keinen Unterschied bemerken: Der Gewinner des Münzwurfes darf nun nicht mehr ausschließlich die Seite auswählen. Er kann stattdessen auch bestimmen, dass sein Team den Anstoß ausführen soll und somit dem Gegner die Seitenwahl überlassen.

2. Freistoß, Teil 1

Die angreifende Mannschaft darf künftig keinen Spieler mehr in die Mauer stellen, wenn die Mauer aus drei oder mehr Abwehrspielern besteht. In diesem Fall ist ein Meter Abstand einzuhalten.

3. Freistoß, Teil 2

Das schnelle Ausführen eines Freistoßes ist – analog zum Vorgehen bei „Vorteil“ – zulässig, auch wenn der Schiedsrichter eine gelbe oder rote Karte zeigen will oder muss, um mögliche Torchancen nicht durch das berühmte, gelbpflichtige „taktische Foul“ zu unterbinden. Die Karte wird dann bei der nächsten Unterbrechung gezeigt.

4. Strafstoß

Der Torwart muss nicht mehr mit beiden Füßen auf der Linie stehen, sondern nur noch mit einem. Hier wird quasi der Keeper in Schutz genommen, wenn er sich wegen der in Mode gekommenen Variante des Abstoppens des Schützen (übrigens DARF der Anlauf unterbrochen werden, lediglich die SCHUSSBEWEGUNG, also das Schussbein nicht!) zu früh bewegt.

5. Abstoß

Durfte bislang der Ball vom annehmenden Spieler erst nach Verlassen des Sechzehners gespielt werden, so ist dies jetzt auch unmittelbar nach „eindeutiger Bewegung“ erlaubt. Es gibt also jetzt einen „kurzen Abstoß“. Somit wird unterbunden, dass zum Zwecke des Zeitspiels ein Verteidiger den Ball „aus Versehen“ bereits im Strafraum annimmt und der Abstoß wiederholt werden muss. Daraus ergibt sich aber auch, dass ein Stürmer den Ball abfangen kann, bevor dieser den Sechzehner verlassen hat.

6. Karten

Der Schiedsrichter bestraft nun auch Trainer und andere Offizielle mit gelben und roten Karten, um dies auch fürs Publikum transparenter zu gestalten. Wichtig: Kann z.B. wegen einer Spielstörung (zusätzlicher Ball absichtlich aufs Spielfeld geworfen o.ä.) kein Schuldiger festgestellt werden, so erhält immer der Cheftrainer die Karte.

7. Auswechslung

Meine Lieblingsänderung! Bei einer Auswechslung hat der auszuwechselnde Spieler das Spielfeld an der nächstgelegenen Auslinie zu verlassen. Hier bin ich auf die Umsetzung in der Praxis gespannt! Das berühmte Spielchen, dass der Spieler schon mal an die den Trainerbänken am weitesten entfernte Stelle geht, wird damit hoffentlich endlich entfallen. Dies wird umso wichtiger werden, als dass in der Regio West ab der kommenden Saison ein viertes Mal gewechselt werden darf.

8. Schiedsrichterball

Wird der Schiri angeschossen und es ergibt sich daraus ein Wechsel von Ballbesitz oder Spielrichtung, oder es fällt gar ein Tor daraus, so gibt es ab sofort Schiedsrichterball. Dabei bekommt automatisch die Mannschaft den Ball, die zuletzt im Ballbesitz war (also auch nicht mehr ein Verteidiger, der den Ball an den Gegner zurückspielt). Im Strafraum geht der Schiedsrichterball immer an den Torwart. Die somit in den Köpfen aller Fußballfans verwurzelte Grundregel „Schiri ist Luft“ entfällt damit!

9. Handspiel

Die wohl wichtigste, weil in der vergangenen Saison am meisten diskutierte Regel wird ebenfalls verändert. Das Handspiel. War es bisher so, dass eine gewisse Absicht unterstellt werden musste, um ein Handspiel zu pfeifen, so gilt nun primär das sog. „physische Ergebnis“, also ob der Ball z.B. eine Richtungsänderung unternimmt. Zusätzlich ist es grundsätzlich ein Handspiel, wenn sich der Arm über Schulterhöhe befindet. Sollte es infolge eines Handspiels (absichtlich oder nicht) zu einem Tor kommen oder gar der Ball von der Hand direkt ins Tor gehen – absichtlich oder nicht – so darf das Tor nicht gegeben werden. Umgekehrt gilt: Springt der Ball vom eigenen Körper an die Hand oder wird diese beim Abstützen infolge eines Sturzes oder bei einer Grätsche getroffen, läuft das Spiel im Normalfall weiter (Ausnahme hier: absichtliches Handspiel!)

Sollte also euer Tribünennachbar demnächst eskalieren, weil sich der Torwart zu früh bewegt hat, so könnt ihr ihn jetzt schön an meine kleine, feine Seite verweisen.

Falls ihr die Punkte vertiefen wollt, sei euch der Podcast „Collinas Erben“ (auch hier bei Twitter) sehr ans Herz gelegt, der auf ziemlich nerdische Art und Weise u.a. Szenen der Bundesliga aus Schiri-Sicht beleuchtet. In Folge 99 werden die obigen Änderungen ausführlich besprochen!

Aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n: Rot-Weiss Essen wird nie untergeh’n!