Die Sehnsucht nach dem Ende

Ich bin mittlerweile ja bekannt dafür, die Dinge rund um RWE eher optimistisch zu sehen und vielleicht das eine oder andere Mal zu positiv über Spiele zu berichten, die von anderen als Grottenkick bezeichnet werden. Gestern Abend traf RWE auf die Wattenscheider Nachbarn. Die Niederlage, die es mal wieder für unseren Herzensverein hagelte, lässt mich dabei erstaunlich kalt.

Ich weiß dabei nicht einmal, woran ich das festmachen soll. Wir bekommen aus dem ersten – einzigen – ernsthaften Angriff der SGW mit dem Halbzeitpfiff das 0:1 nach einem eklatanten Stellungsverhalten bei einer Flanke. Unmittelbar nach der Pause trifft Nico Lucas aus 18m unhaltbar in den Winkel. Das 1:2 war erneut schön herausgespielt von den Gästen, auch hier der einzige echte Torschuss in Halbzeit zwei, in einer Phase, in der gerade so etwas wie Schwung auf Essener Seite aufkam. Erwähnenswert jedoch nur noch der 30m-Knaller von Scepanik, den der Wattenscheider Keeper beinahe durch die Hände ins Tor flutschen ließ. RWE agierte nach dem erneuten Rückstand jedoch weitestgehend planlos, Baier und vor allem die beiden „Abgänger“ Scepanik und Brauer mit so etwas wie dem Versuch, nicht nur planlos nach vorne zu spielen. So viel zum Spiel.

Insgesamt jedoch war das von der Mannschaftsleistung einfach zu wenig. Wenn ich überlege, dass die Gäste wie jedes Jahr auch diese Saison wieder an allen Ecken und Enden sparen mussten, dass die Gehaltszahlungen dort mal mehr, mal weniger regelmäßig flossen, dass nur ein (zur Farce verkommenes) Crowdfunding das Überleben sicherte – vor diesem Hintergrund finde ich es jedes Mal aufs Neue bemerkenswert, wie forsch und motiviert man besonders an der Hafenstraße auftritt.

Die Suche nach dem „Warum“ auf rot-weisser Seite macht mich rat- und mittlerweile auch hoffnungslos. Es ist klar, dass viele Spieler uns verlassen werden (Brauer, Scepanik, Urban, Becker, aktuellen Gerüchten zufolge wohl auch Remmo und Hirschberger), doch die, die auch nächste Saison das RWE-Trikot tragen wollen, haben diese Saison bei weitem nicht bewiesen, dass sie dem Anspruch der Hafenstraße genügen. Das war auf allen Positionen gestern – wieder einmal – viel zu wenig, um den Anspruch an ein erneutes Arbeitspapier für die kommende Saison zu rechtfertigen. Ich will dabei jetzt noch nicht einmal Namen nennen, um dem wütenden Mob nicht weitere Mistgabeln in und Fackeln in die Hand zu geben. Nein, für mich hat „das Team“ als Gesamtheit nicht nur gestern, sondern über die gesamte Rückrunde versagt. Dass man in der Hinrunde gegen mutig aufspielende Lippstädter unterliegt oder gegen Straelen nur zu einem Remis kommt, so etwas passiert halt. Aber spätestens dem BVB-Kagawa-Spiel hangelt sich RWE von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Ein farbloser Auftritt in Bonn, eine Ohrfeige für alle Fans in Wuppertal. Ideenlosigkeit im Mittelfeld, im Jahr 2019 zusätzlich harmlos im Angriff (Lucas‘ Tor war der erste Treffer seit 467 (!) Pflichtspielminuten), dazu solche Abwehrschnitzer wie gestern beim 0:1, Hellers „Heimann-Gedächtnis-Dribbling“ gegen Uerdingen (jaja, war Foul…). Es gibt niemanden im Kader, der wirklich einen Großteil der Spiele fehlerfrei absolviert hätte.

So ertappte ich mich gestern dabei, wie ich die Niederlage gestern einfach nur noch zur Kenntnis nahm. Mich nicht einmal darüber aufregte, was da geschehen war. Auch viele andere Fans konnte ich dabei beobachten, wie sie vollkommen emotional unberührt das Stadion verließen. Und genau das ist das Schlimme: Es ist einfach mittlerweile egal. Die Saison ist erledigt, wir werden nicht aufsteigen (die Komik dieser Aussage ist mir bewusst), wir werden auch nicht absteigen (obwohl wir in den letzten Spielen wie ein Absteiger spielen). Es wurden ALLE Saisonziele verfehlt (es sei denn „möglichst lange oben dranbleiben“ bedeutet bis zum zehnten, elften Spieltag). Dreizehn Liga-Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Das Pokalfinale wurde gegen Uerdingen verfehlt, überhaupt ist es RWE noch nicht gelungen, in diesem Wettbewerb einen Drittligisten zu besiegen. Es bleibt noch ein kleines Ziel, ein Sieg in Oberhausen, um deren Aufstiegsträume zu beenden.

Dann werde ich jedoch nicht vor Ort sein. Erstens habe ich mir geschworen, dieses „Stadion“ nie mehr zu betreten, solange man dort wie Vieh behandelt wird (Stehtribünenbesucher können das sicher nachvollziehen), zweitens werde ich lieber dem Team meines Sohnes, der U16 des VV Humann Essen bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften in Biedenkopf/Hessen die Daumen drücken. Und mehr Kontrast zu RWE geht eigentlich kaum. Das Team tritt dort ohne die „ganz großen“ Ambitionen an, da klar ist, dass man dort auf Teams treffen wird, die aus Sportinternaten und Leistungsstützpunkten bestehen. Und trotzdem kann man sicher sein, dass die Jungs (auf und neben dem Feld) sich für ihr Team zerreißen. Da passt kein Löschblatt dazwischen! Und genau das erwarte ich von „meinem“ RWE in der nächsten Saison. Der Reviersport sprach gestern in seinem Kommentar („Ein Kommentar.“) von den berühmten alten Zöpfen, die abgeschnitten werden. Im Fall Brauer halte ich diese wortwahl für überzogen, da er sich immer zu 1907% mit RWE identifiziert hat und identifizieren wird. Menschlich schade, dieser Abgang, sportlich sicher auch diskutabel. Aber die Mannschaft braucht Leader auf dem Feld, braucht ein neues Gesicht. Da darf es keine Ressentiments geben, nur weil jemand lange im Verein und/oder Publikumsliebling ist. Wie heißt es so schön? „Der Verein ist größer als jeder Spieler.“

Der Umbruch kommt. Das ist sicher, das ist sicher auch gut so. Mir ist auch klar, dass das dann noch lange keine Garantie für sportlichen Erfolg ist. Die nächste Spielzeit wird sicher nicht leichter, sollten Fortuna Köln und/oder die Sportfreunde Lotte absteigen, der MSV ist auch noch in der Verlosung, was einen Nichterhalt der Drittligalizenz angeht. Seit der Insolvenz und dem Aufstieg in Liga 4 stehen wir auf der Stelle und scheitern regelmäßig an den eigenen Ansprüchen. Es wird Zeit – dringend Zeit – den nächsten Schritt zu machen und sich weiterzuentwickeln. Diese Weiterentwicklung liegt in der Verantwortung von Marcus Uhlig und Jörn Nowak.

Blasse Nullnummer

Fröhlichen Palmsonntag allerseits. Nachdem mich gestern die Kälte im Stadion so genervt hat, dass ich an akuter Couchitis erkrankt war, reiche ich hiermit meinen kleinen Bericht zur gestrigen Partie nach.

„Klein“ deshalb, weil es eine Partie ohne wirkliche Höhepunkte war. Im Fernsehen würde man vielleicht von einem taktischen Leckerbissen sprechen, für den geneigten Stadionbesucher war dies aber sicher kein Spiel, von dem man auch nur in einer Woche noch reden wird.

Die Vorzeichen ließen eigentlich nichts Gutes erwarten: RWE mit langer, langer Verletztenliste (u.a. Wegner und Zeiger mit Saisonaus, bei Freiberger noch unklar, Grund verletzt), immerhin konnte Scepanik mit rot-weisser „Badekappe“ spielen und auch Erwig-Drüppel nahm zunächst auf der Bank wieder Platz. Zudem hatte RWE im Hinspiel eine derbe 0:5-Packung (gegen Rode, Kagawa und Isak) bekommen, in der Winterpause kam ein 0:4 in einem Testspiel ohne Profi-Unterstützung hinzu).

Insgesamt war es von unserer Mannschaft gar nicht mal eine schlechte Partie. Die Abwehr um Korczowski, Becker und Heber strahlte eine absolute Souveränität aus und ließ während des gesamten Spiels nicht einen einzigen gefährlichen Schuss aufs Tor zu. Doch nach vorne fehlten jedoch die Akzente. Zu viele Zweikämpfe im Mittelfeld wurden verloren, und wenn nicht, dann landete der „zweite“ Ball in schöner Regelmäßigkeit doch wieder bei einem Borussen. Die Dortmunder hatten gefühlt etwa 75% Ballbesitz, der sich aber zu großen Teilen auf Torwart, Innen- und Außenverteidigern verteilte, wo der Ball immer wieder von links nach rechts und wieder zurück gespielt wurde. Offensivbemühungen sehen anders aus.

Kurz vor der Halbzeitpause dann aber DIE Gelegenheit für RWE: Ballverlust BVB, Platzek schaltet schnell und schickt Wirtz über rechts, der freie Bahn vor sich hat. Querpass auf Baier (vielleicht ein kleines bisschen zu steil), der in der Mitte von Konaté am Schuss wird. Elfmeterreif? Vielleicht – ich würde mich aber eher auf „nein“ festlegen.

In der zweiten Hälfte dann (leider) dasselbe Bild: BVB mit viel Rückpass-Geschwumse, RWE ohne den letzten Biss (okay, vermutlich wäre man ob der Dortmunder Ballsicherheit nur vergeblich hinterhergerannt). Torraumszenen? Weitestgehend Mangelware. Bis zur Nachspielzeit (!): Erneut ist Wirtz durch, spielt fast von der Grundlinie einen feinen Querpass auf den mittlerweile eingewechselten Erwig-Drüppel, der verdeckt aufs Tor schlenzt, in Oelschlägel jedoch seinen Meister findet. Der Abpraller landet bei Urban, der den Ball noch annehmen kann, den Nachschuss dann aber deutlich über den Kasten setzt – das wäre ein tolles Geburtstagsgeschenk gewesen.

So jedoch blieb es beim insgesamt gerechten (ich mag nicht vom „verdienten“ reden) Unentschieden. Gegen einen starken Gegner (alle BVB-Spieler haben für die Liga ein Top-Niveau, sonst würden sie ja in Wuppertal spielen) keinen Torschuss zugelassen, trotz deutlich weniger Ballbesitz die besseren Chancen erarbeitet – „immerhin nicht verloren“ (RevierSport) halte ich da für zu wenig. Es müsste eher „leider nicht gewonnen“ heißen.

Mann der Partie für mich Daniel Heber, der den Dortmunder Torjäger Boyamba völlig abgemeldet hat und sich in keiner Situation auf einen unnötigen Befreiungsschlag einließ.

Für RWE geht es nun am Ostersonntag zur Viktoria nach Köln. Mein Horrorszenario: Wir gewinnen in Köln, verlieren in Oberhausen und tragen so dazu bei, dass RWO… Nein! Darüber mag ich nicht nachdenken!

Pokal? Abgehakt.

Pokal, Halbfinale, Flutlicht. Es hätte so schön werden können.

RWE hatte heute eine Bärenaufgabe vor der Brust, denn trotz der Schwächeperiode der Gäste konnte der KFC natürlich seine von russischen Millionen subventionierte Alt-Star-Truppe um die Ex-Bundesliga-Spieler Lukimya, Aigner, Beister und Weltmeister Großkreutz aufbieten. Und obwohl unsere Roten zunächst den Weg Richtung Gästetor suchten, sollte schon nach nur sechs Minuten der erste Rückschlag erfolgen.

Zwar konnte sich Baier in der Mitte der eigenen Spielfeldhälfte den Ball erobern, spielte Brauer den Ball aber wegen eines Missverständnisses in den Rücken, sodass Uerdingen schnell reagieren konnte: Schuss Großkreutz, Heller pariert zwar noch, war aber gegen den Nachschuss aus gut 4m machtlos – 0:1.

Dennoch gehörten die besseren Aktionen RWE: Zunächst kann Scepanik einen verdeckten Schuss abfeuern, der gerade noch vom Keeper geklärt werden kann, die folgende Ecke wird verlängert und am langen Pfosten verpassen zwei Rote den Ball nur knapp.

Wenig später vertändelt Korczowski den Ball, aus fast identischer Situation wie beim Gegentor fliegt der Ball diesmal jedoch knapp über den Kasten. Bei einem weiteren Konter spitzelt Beister den Ball knapp am Kasten vorbei, dann konnte RWE die beste Chance des Spiels verbuchen. Nach einer erneut verlängerten Ecke landet der Ball erneut bei Korczowski, der den Ball stoppen kann, ihn dann aber an die Latte setzt.

Und als ob es nicht alles schon bitter genug ist, gibt unser Team eine Bewerbung für Zeiglers Kacktor des Monats ab: Rückpass Zeiger auf Heller, der will den anlaufenden Stürmer verladen, verliert dabei den Ball. Der Schuss landet am Pfosten und springt ins Feld zurück, wo aus unserem Team nur Heber und Brauer mitgelaufen sind, die den Treffer jedoch nicht mehr verhindern können. 0:2…

Dieses Tor, das mich auch ein wenig an Heimanns „Aubameyang-Trick“ erinnerte, es hätte meiner Meinung nach nicht gegeben werden dürfen. Wie die Fernsehbilder zeigen, stößt der Uerdinger Heller klar um, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, den Ball zu spielen. Aber seht selbst:

Wie dem auch sei: Dieser Treffer zeigte Wirkung. Bis zur Pause konnte RWE keine Aktion mehr herausspielen, Uerdingen verlegte sich aufs Verwalten.

Nach dem Wechsel war es das Team in rot, das das Spiel bestimmte. Uerdingen blieb ohne weitere Torchance und überließ unserer Mannschaft weitestgehend das Feld. Flanke um Flanke wurde – zumeist von rechts – geschlagen, leider fand RWE jedoch nicht die Mittel, die hochgewachsenen Innenverteidiger zu überflanken oder mal dazwischen durchzubrechen, um frei aufs Tor zuzugehen. Hinzu kam das immer offensichtlichere Zeitspiel, das in jeder Menge Bodenkontakt und „länger“ dauernden Abstößen mündete.

Neitzel brachte neben Wirtz und Platzek (zur Pause für Wegner gekommen) noch Freiberger als zusätzliche Spitze, schickte gegen Ende noch Zeiger mit nach vorne, um die langen Bälle von hinten weiterzuleiten, doch auch das sollte keine „echte“ Torgefahr für die Gäste bedeuten.

Symptomatisch für diese Phase kurz vor Schluss: Kurze Ecke Grund auf Baier. Diesem ist zunächst die Flanke versperrt, er zieht nach innen, wo er drei Mal den Schuss ansetzen, dann aber mangels freier Schussbahn weiterziehen muss. Am Ende steht er auf der anderen Seite des Sechzehners und spielt einen (okay, katastrophalen) Fehlpass…

Im Kreise „meiner Jungs“ wurde der ausgebliebene Pokalfight bemängelt. Ich möchte jedoch kurz erläutern, warum ich das eben nicht so sehe:

Ein Pokalfight im Sinne von Grätschen, von Kratzen und Beißen, kann meiner Meinung nach ja nur aufkommen, wenn der Gegner entsprechend dagegenhält, wenn es quasi hin und her geht auf dem Spielfeld. Bis auf wenige Situationen war dies aber nur bedingt der Fall: Einerseits verlegte sich der KFC in weiten Teilen darauf, per Langholz zu klären, andererseits stand unsere Verteidigung so sicher, dass der Ball schnell zurückerobert werden konnte. Baier und Brauer machten die Mitte bereits frühzeitig zu, während Korczowski und vor allem Heber (was für ein Pensum, Wahnsinn!) über außen nichts zuließen. Der Rest endete bei Zeiger, der in ein, zwei Situationen vielleicht ein wenig schwerfällig wirkte. Aber: Die Jungs wollten, die Jungs sind angerannt. Man darf aber auch eben die oben angeführten Unterschiede in Erfahrung und Marktwert nicht außer Acht lassen. Daher: Kein Vorwurf meinerseits!

Trotz des Ausscheidens finde ich es zu einfach, dies an Hellers Patzer (Zitat Reviersport, für mich Foul) oder an einem „schlechten Spieler XY“ festzumachen. Zu dicht das Bollwerk des KFC, zu harmlos unser eigenes Spiel.

Aber: auch wenn jetzt in obigem Blatt die Rede davon die Rede ist, dass RWE nun den Saisonhöhepunkt hinter sich habe – für mich findet dieser erst in unserer westlichen Nachbarstadt statt, wenn wir denen den Aufstieg vermiesen.

Darum: Kopf nicht hängen lassen, so bitter es ist. Der Gegner war höherklassig (vielleicht noch eine Klasse nominell dazu), und immer noch besser eine Niederlage im Finale gegen unsere „Freunde“ aus dem Tal.

Ziel muss es nun sein, die Liga mit Platz 5 oder besser abzuschließen, denn dann hätten wir immer noch eine recht erfolgreiche Saison gespielt, auf die es in der kommenden aufzubauen gilt – mit frischen Finanzmitteln, einem neuen sportlichen Leiter und mit einigen neuen Leuten auf dem Feld.

Nur der RWE!