Fallhöhe

Eigentlich wollte ich einen „kompletten“ Rückblick auf die Hinrunde schreiben. Angesichts des neuesten Blogposts von Im Schatten der Tribüne möchte ich die Idee aber aufgreifen und den virtuellen Redeball an mich nehmen.

Die typische (schlimm genug) Saison der Rot-Weissen verlief in den vergangenen Jahren so: Erstes Spiel okay, dann meist eine tolle Leistung gegen einen übermächtigen Gegner im Pokal, gefolgt von zwei, drei mauen Vorstellungen in der Liga und schwupps! war man hinter der berühmten Musik. So begannen schon im September die Rechnereien, ob und wie man denn wieder nach oben kommen und den Anschluss finden könne.

Nicht so dieses Jahr. Nach einem knappen 1:2 in Rödinghausen – 14-Sekunden-KO von Freiberger inklusive – berappelte sich die Mannschaft, blühte gegen Wuppertal geradezu auf und spielte sich danach in so etwas wie einen Rausch. Als Belohnung gab es die Tabellenführung, tolle Stimmung allüberall und der gemeine Fan begann zu träumen. Wer sollte RWE noch stoppen. Die Antwort hieß Lippstadt, doch man verzieh den Ausrutscher gegen einen erstaunlich offensiven Aufsteiger, den verschossenen Elfer kurz vor Schluss. Es sollte jedoch der Auftakt zu sechs sieglosen Spielen werden. Von Platz 1 ging es bis zum Ende der Hinrunde nun auf Platz 8 hinunter – Adieu, Aufstieg.

Der Einsatz stimmte bei mindestens 14 von 17 Partien. Das Spiel beim BVB sieht so mancher Fan zwiegespalten, ich sage, dass man einen Kagawa mit den Fähigkeiten unserer Spieler auch mit gröbster Härte kaum hätte stoppen können. Das Spiel in Verl war von beiden Seiten eher mäh geführt, und Düsseldorf war der bisherige Tiefpunkt der Saison, was das Engagement auf dem Platz angeht (habe ich mir sagen lassen, war selbst verhindert). Dass man gegen einen tiefstehenden Aufsteiger (Straelen) keine Lösung findet und nur unentschieden spielt, so etwas passiert halt. Nein, der Einsatz war ein Faktor, den man den Spielern nur schwerlich absprechen kann. Selbst wenn man einen oder mehrere Spieler kritisieren möchte, so haben selbst diese Spieler für ihre Verhältnisse alles in die Waagschale geworfen. Ob das für die Regionalliga genug ist, mögen andere beurteilen, aber ich war zufrieden mit der Art und Weise, wie RWE aufgetreten ist.

Die Fans haben – wenige Störfeuer in Form von Anfeindungen gegen eigene Spieler mal ausgenommen – auch weitestgehend die Mannschaft mitgetragen. In der Phase der sieglosen Partien gab es trotzdem aufmunternde Worte und Applaus von den Tribünen, weil man sah, dass die Mannschaft will. „Wir halten zusammen, RWE, RWE!“ galt endlich wieder.

Bleibt der Faktor des „Spielglücks“. wie es ja neuerdings im Fußballjargon heißt. Machen wir den verdammten Elfer gegen Lippstadt, oder eine der drei dicken Chancen vor der Gladbacher Führung, geht die Bogenlampe des BVB-Verteidigers in deren eigenen Kasten oder treffen wir dort nicht noch zweimal Alu – wer weiß, wo wir stünden. Natürlich kann man gegen Aachen verlieren, aber wenn man sieht, dass Aachen nur diese eine echte Torchance hat und wir vergeblich gegen deren Tor angelaufen sind, dann ist das schon bitter.

Ich will nicht sagen, dass die Mannschaft keine Schuld trägt. Natürlich darf man gewisse Fehler im Spiel so nicht machen. Einige Gegentore sind zu leicht gefallen. Die rote Karte von Pröger war unnötig, aber wohl einer gewissen Emotionalität geschuldet. Mal ist ein Spieler zu eigensinnig vor dem Kasten, mal zu „blöd“ (man beachte die Anführungszeichen), einen Pass an den Mann zu bringen. So ist dort natürlich auch ein Teil der Schuld anzusetzen. Trainer Neitzel nimmt vieles davon auf seine Kappe, trotzdem hat man das Gefühl, dass er deutlich weniger kritisiert wird wie noch seine letzten drölf bis mümzehn(TM)  Vorgänger. (Auch das tatsächlich ein positiver Aspekt, wie ich finde.)

So jedenfalls stehen wir nun auf Platz 8. Durch diesen freien Fall ist aus der totalen Euphorie nun eine tiefe Enttäuschung geworden, diesmal nicht schon im September, sondern erst ab Mitte Oktober.

Als ich neulich gefragt wurde, wie man als Blogger denn nun damit umgehen solle, antwortete ich in etwa, dass wir ja keine Wahl haben. Wir können nicht aus unserer Haut. Die meisten von uns Fans werden auch gegen Rödinghausen wieder vor Ort sein.

Die Mannschaft ist nun in der Pflicht, so abgedroschen das auch klingen mag. Die Saison in irgendeiner Form abzuschenken, so etwas darf es trotz allem nicht geben. Nach unten hin wird – allen Unkenrufen zum Trotz – nichts mehr passieren, die nötigen Punkte werden wir einfahren, da mache ich mir keinerlei Sorgen. Nach ganz oben muss man sich aber auch wohl nichts mehr vormachen. Trotzdem – in meinen Augen muss sich die Mannschaft an folgenden Punkten messen lassen:

  • weiterhin 1907% Einsatz auf dem Platz
  • einen 2-Punkte-Schnitt in der Rückrunde
  • Platz 5 als Minimum
  • optimalerweise noch vor RWO landen, um denen mal (sorry für die Ausdrucksweise) das Maul zu stopfen
  • Erreichen des Pokalfinales, besser noch Gewinn des Niederrheinpokales, um über den „großen“ Pokal weitere Mittel generieren zu können

Dies meine Gedanken zum Status Quo von RWE zum Ende der Hinrunde. Noch jemand, der sich dazu äußern mag?

Ohne Profis habt ihr keine Chance

Normalerweise versuche ich, kurz nach dem Spiel meine Gedanken hier zusammenzuschreiben. Gestern war es allerdings mal wieder soweit, dass ich das gerade Gesehene erst einmal sacken lassen musste. Was war passiert?

Nicht nur, dass RWE mit 0:5 eine derbe Packung bekommen hat. Nein, unsere Dortmunder „Freunde“ fühlten sich genötigt, den Regionalliga-Kader um schlappe 18 Millionen Euro aufzuwerten. Mit Kagawa und Isak (der zugegebenermaßen regelmäßig in der II. spielen „darf“) standen aktuelle Nationalspieler ihrer Länder auf dem Platz (und wir reden nicht von Nationen wie Malta oder Andorra), mit Rode ein weiterer millionenschwerer Rekonvaleszent. Und was mich so wütend macht: Die beiden Erstgenannten waren es, die das Spiel quasi im Alleingang entschieden.

Klar, beim 0:1 stand Isak viel zu frei. Klar, beim 0:2 konnte Kagawa sich sekundenlang frei im Mittelfeld bewegen und ohnehin war RWE im ganzen Spiel körperlich nicht sonderlich präsent. Trotzdem handelt es sich bei den Profis um hochgezüchtete Sportmaschinen, die mit Methoden und finanziellen Optionen aufgebaut und trainiert werden, die einem Verein wie Rot-Weiss Essen oder den anderen „normalen“ Clubs der Liga gar nicht zur Verfügung stünden. Das 0:3 fiel noch vor der Pause über ebenjene Achse. Das Bittere daran: RWE war nicht in dieser Höhe schlechter. Immer wieder tauchte RWE gefährlich vor dem Dortmunder Kasten auf, traf Pfosten, schoss Zentimeter daneben und hatte Pech, als ein BVB-Befreiungsschlag vom eigenen Mann geblockt zur Bogenlampe wurde, jedoch nur die Latte traf. Einige Chancen konnte Oelschlägel (3. Keeper der 1. Mannschaft…) auch im letzten Moment parieren. Wer weiß, was ein 1:3 bewirkt hätte.

Es kam jedoch nach der Pause noch schlimmer. Nach nicht geahndeter Abseitsposition (kann man nicht sehen, wenn man als Linienrichter der „Musik“ 10m hinterherläuft) schoss ein Dortmunder aus gut 20m, der Ball sprang auf, versprang, Raeder flog vorbei – 0:4. Nur zwei Umdrehungen der Uhr später das 0:5 (wieder Vorbereiter Kagawa) – Drops endgültig gelutscht. Trotzdem besaß RWE eine ordentliche Portion vom Spiel – traf jedoch einfach den Kasten nicht. Aus bester Position scheiterte erst Scepanik von Pröger in Szene gesetzt, wenig später Baier (gerade noch pariert, Nachschuss-Lupfer auf der Linie geklärt) und kurz vor Schluss nochmal Zeiger völlig blank mit einem zu schwachen Kopfball. Die meisten unter den anwesenden Zuschauern wussten dies durchaus zu honorieren, es hallte „wir halten zusammen RWE“ und ähnliches nach der Partie durch Stadion. Einige wenige verbale Ausfälle auf der Tribüne gab es dennoch, waren aber im Großen und Ganzen deplatziert.

Natürlich kann man nur spekulieren, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn die hochbezahlten Herren nicht mitgespielt hätten. Ich wage aber zu bezweifeln, dass RWE mit dem „Ersatz“ für Kagawa ähnliche Probleme gehabt hätte, denn der Japaner gehört trotz fortgeschrittenem Alter zu den besten Technikern, die der BVB in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Auch wenn einige das nicht lesen mögen – ein Zugriff auf den wendigen Japaner war einfach nicht möglich, da er nur in wenigen Fällen mal den Ball überhaupt geführt hat. Vieles lief einfach über den direkten Pass. Besondere Brisanz bekommt die Gesamtsituation, wenn man bedenkt, dass das Spiel nur verlegt wurde, weil die Dortmunder zum eigentlichen Termin Anfang Oktober Spieler abstellen mussten. Es wäre natürlich unfair gewesen, wenn der BVB dann geschwächt hätte antreten müssen!

In meinen Augen ist der DFB hier mehr als gefordert. Schön und gut, dass man Spielern „von oben“ die Möglichkeit bieten möchte, nach Verletzungen wieder ins Spiel zu finden. Dies darf aber nicht zulasten von Vereinen gehen, die Woche für Woche um ihre sportliche oder gar wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen. Zweitvertretungen von Profimannschaften gehören nicht in den normalen Spielbetrieb oder müssen außer Konkurrenz antreten! Auch wenn das Regelwerk den gestrigen Einsatz zugelassen hat, tritt diese Möglichkeit die sportliche Fairness mit Füßen, denn wir reden hier vom Amateurbereich.

Der Gedanke liegt nahe, dass diese Aufstellung nur zustande kam, weil der BVB befürchtete, den Anschluss an die Viktoria nach zuletzt ziemlich mauer Serie zu verlieren. Wenn es noch so etwas wie eine Fanfreundschaft mit dem BVB gab, gestern Abend hat dieses Tischtuch einen ziemlichen Riss bekommen.

Der Vergleich zu unserer ehemaligen Zwoten hinkt derweil: Auch wenn RWE unter Profibedingungen (die – nochmal – mit denen des BVB nicht vergleichbar sind) trainiert, war die Schere in diesem Bereich nicht annähernd so hoch. Gleiches gilt, wenn RuWa Dellwig I Spieler an RuWa Dellwig II ausleiht.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang den sehr guten Bericht von turus.net.

Kleines Fazit zum Spiel: Man kann gegen den BVB II durchaus verlieren. Man kann vielleicht auch bemängeln, dass besagte Spieler nicht genügend angegangen wurden. Allerdings ist wegen ebenjener Spieler das Ergebnis mindestens drei Tore zu hoch ausgefallen. Was bleibt ist ein ziemlich mieser Beigeschmack angesichts der immensen Wettbewerbsverzerrung, denn es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, dass die „Gäste“ auch in den Partien gegen die restlichen Vereine zum Einsatz kommen.

Derbytime an der Hafenstraße

Erneut muss sich RWE mit einem Unentschieden zufrieden geben, erneut war man nicht das schlechtere Team. Doch der Reihe nach.

Im Vorfeld der Partie schickte RWO markige Worte an die Hafenstraße, ein Sieg sei Pflicht, man wolle die Partie zu einem Heimspiel machen etc. Diesen Worten wollte man nun Taten folgen lassen, und so bot sich gleich von Beginn an eine Partie mit offenem Visier ohne viel Geplänkel im Mittelfeld. Mit der ersten (und wie sich herausstellen sollte einzigen) echten Torchance für Oberhausen klingelte es dann auch gleich: Heber ließ nach zehn Minuten seinen Gegenspieler laufen, bemerkte seinen Fehler zu spät und musste mit ansehen, wie der Ball durch die Beine von Raeder den Weg ins Tor fand.

Der erneute Rückstand erschwerte den echten Rot-Weissen das Spiel, da die Gäste nun das taten, was die meisten Mannschaften an der Hafenstraße tun: zurückziehen, einigeln, Räume dicht machen. RWE fand keinen Weg durch das Bollwerk. RWO versuchte zu kontern, wobei heute Becker zunächst zwei, drei Mal unglücklich aussah. Erst kurz vor dem Wechsel gab es eine nennenswerte Chance für RWE, als Zeiger einen Vorstoß wagte und die spätere Flanke nochmal ablegte, in der Mitte aber zwei Essener den Ball knapp verpassten. Doch diese Szene war so etwas wie der Wendepunkt des Spiels, denn wenig später war es Becker, der mal nach vorne zog, den Ball nach außen auf Bichler spielte. Dessen Schuss aus spitzem Winkel konnte der Oberhauser Keeper jedoch parieren. Der Befreiungsschlag landete bei Scepanik, der flach aus gut 18m abzog – Ausgleich!

Zur Pause kam Marcel Platzek für Nico Lucas ins Team. Und er sollte gleich zeigen, wie wichtig er für das Spiel von RWE derzeit ist. Immer wieder war er anspielbar, legte Bälle schnell nach außen ab oder sorgte für Unruhe im Sturmzentrum. Da RWO sich nun auch nicht mehr zurückziehen konnte, wurde das Spiel auch nun wieder etwas offener, die RWE-Defensive stand aber äußerst sicher. In der Offensive konnte sich Heber immer wieder mit einschalten, sodass Pröger und Bichler immer wieder zu Flanken kamen, die aber in gleich mehreren Situationen entweder geklärt wurden oder ohne Druck aufs Tor weitergeleitet wurden. Von Oberhausen war nach der Pause eigentlich nichts mehr zu sehen. Nach ca. 70 Minuten lief ein Spieler der Gäste auf das Essener Tor zu, Philipp Zeiger klärte in letzter Not unter Einsatz seines Körpers – RWO forderte Elfmeter. Im direkten Gegenangriff hatte der gerade eben gelbverwarnte Abwehrriese der Oberhausener seinen Ellenbogen in Platzeks Gesicht – es gab Freistoß für RWE. Der Schiedsrichter zückte außerdem die gelbe Karte erneut und rot gleich hinterher, zu unserer Verwunderung aber nicht für den „Übeltäter“, sondern für Tim Hermes, der sich wohl dazu hatte hinreißen lassen, den Ball wegzuschießen.

Den folgenden Freistoß köpfte Platzek knapp über das Tor – es hätte die verdiente Belohnung für eine engagierte Teamleistung in der zweiten Halbzeit werden können. So blieb es jedoch beim Unentschieden, das keinem der Teams weiterhilft. RWE bleibt im oberen Mittelfeld „hinter der Musik“, RWO konnte die Verfolgung der Kölner Viktoria nicht fortsetzen – es scheint, als sei die Meisterschaft und das Aufstiegsrennen an dieser Stelle bereits vorentschieden.

Besonders bitter ist der Nachgeschmack, dass sich Bichler bei einer Szene im Strafraum wohl am Sprunggelenk verletzt hat (wobei kein Foul zu erkennen war) und Baier vom Schiedsrichter mit Gelb bedacht wurde, als er beim Erlaufen eines langen Balles seinen Körper einsetzte und der Gegenspieler geradezu daran abprallte. An dieser Stelle gute Besserung an „Bichi“!

Brauer wird in meinen Augen immer mehr zu einem unverzichtbaren Bestandteil im Essener Spiel. Was der heute an Metern abgerissen hat, wie er seine Mitspieler motiviert hat – das hatte echte Leaderqualität. Zeiger noch positiv zu erwähnen wird ihm fast kaum noch gerecht. Er war in der Anfangsphase derjenige, der in den entscheidenden Momenten noch die Übersicht behalten hat und Becker die Nervosität nahm (der von Minute zu Minute abgebrühter wurde).

Der Oberhausener Trainer merkte in der anschließenden PK noch an, „wenn der Schiedsrichter mehr Fingerspitzengefühl zeigt, gibt er uns einen Elfmeter“. Ich lasse die Aussage unabhängig vom Betrachtungswinkel mal so stehen und unkommentiert. Ich fand sie jedoch erwähnenswert. (Interessant, dass beide Trainer einig waren, dass sie Hermes auf dem Platz gelassen hätten. Hier bin ich noch immer gebrandmarkt vom Platzverweis von Tim Erfen in Braunschweig vor Jahren aus demselben Grund – aus einem 1:0 wurde danach noch ein 1:2.)

Zum Oberhausener „Heimspiel“: Ich gebe zu, die erste halbe Stunde ging wohl an RWO. Hier hat die „West“ mit einem eher mauen Singsang eine Chance vergeben, zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Mit zunehmendem Druck verstummte aber auch die Gäste – pardon! – „Heim“kurve, bis auf ein, zwei „nur der RWO“s war nicht mehr viel von gegenüber zu vernehmen.

RWE hat nun gleich zwei Auswärtsspiele vor der Brust. Am Wochenende geht es nach Wiedenbrück, den folgenden Dienstag in die Rote Erde nach Dortmund, bevor sich zum Abschluss der Hinrunde die zweite Mannschaft der Düsseldorfer Fortuna an der Hafenstraße vorstellt.

The Winner Takes It All

Ich bin bedient. Und das sage ich als professioneller Optimist.

RWE hat heute nicht nur gegen die Kölner Viktoria verloren, nein, die Saison an im Hinblick auf einen eventuellen Aufstiegsanspruch wohl wieder einmal frühzeitig ad Acta gelegt werden.

Kämpferisch gab es erneut nicht viel zu meckern. Der Tabellenführer wurde permanent unter Druck gesetzt und zu Fehlern gezwungen, eigene Chancen wurden erarbeitet (und regelmäßig vergeben), es wurde gegrätscht, geackert, malocht, und trotzdem steht RWE erneut mit leeren Händen da, weil bereits in der 3. Minute ein Ball nach einer Freistoßflanke aus dem Mittelfeld im Essener Netz zappelte.

Viktoria hatte ein paar Chancen durch die vielen Eckbälle und war bei Kontern immer wieder gefährlich, RWE kontrollierte das Spiel in weiten Teilen. Kurz nach der Pause wurde dann der vermeintliche Ausgleich bejubelt, es soll jedoch Abseits gewesen sein – aus unserer Perspektive nicht aufzulösen.

Es lag auch sicher diesmal nicht am Schiri, der sich des Kölner Schmierentheaters, bei der kleinsten Berührung umzufallen, nicht weiter annahm. Es lag erst recht nicht an den Baiers, Lucas‘ oder Prögers dieses Team (letzterer deutlich belebend in der Offensive), wer gewinnen will, muss das Tor treffen. Noch vor ein paar Wochen wäre der Schuss kurz vor Spielende nicht auf der Linie geklärt worden, es wäre vermutlich eine der vier oder fünf Riesenchancen kurz nach Wiederanpfiff reingegangen. Nicht so heute. Haste Scheiße am Fuß…

Das einzig Positive des Tages waren die „Wir halten zusammen“-Gesänge, als sich die Mannschaft nach der Partie der Westkurve stellte. Ansonsten bleibt ein schaler Geschmack im Mund, das Gefühl, wieder einmal das bessere Team gewesen zu sein, sich davon aber nichts kaufen zu können. Viktoria lacht sich wahrscheinlich immer noch schlapp über die zeitgleiche Niederlage der Dortmunder in Lippstadt.

Für meinen Teil meide ich die Netzwerke in den kommenden Tagen, weil ich keine Lust habe auf diejenigen, die es eh schon alles immer besser wussten oder gemacht hätten. Würde mich nicht wundern, wenn auch der Kopf von Neitzel oder (Jürgen) Lucas von einigen Unverbesserlichen gefordert würde.

Das Aufstiegsrennen wird in dieser Saison über die Viktoria führen – nicht über RWE. Alles andere wäre mehr als nur ein Fußballwunder.

The Winner Takes It All.

Strömungsabriss

Heute bin ich echt bedient. RWE gegen Aachen stellte die erwartet schwere Partie dar, wobei für unsere Mannschaft nach zuletzt vier sieglosen Partien heute verlieren strengstens verboten war. Das Wetter lockte über 10.000 Zuschauer an die Hafenstraße, eine tolle Kulisse.

Im Vergleich zu den letzten Partien musste Nico Lucas auf der Bank Platz nehmen, für ihn spielte Robin Urban, Kevin Grund rückte in die Zentrale. Und RWE war von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft, schaffte es jedoch nicht, die gut postierte Aachener Abwehr zu überwinden und Torgefahr zu produzieren. Aachen kam nach 20 Minuten erstmals vor das Essener Tor, und wie: plötzlich stand der Gäste-Stürmer frei vor Raeder und konnte Ball im Tor unterbringen.

Es dauerte bis zur 37. Minute, bis Zeiger nach einer Freistoßflanke erstmals einen Ball aufs Aachener Tor brachte, der jedoch keinerlei Probleme für den Torwart darstellte. So ging es mit einem ereignislosen 0:1 in die Pause.

Nach dem Wechsel dann beinahe der Paukenschlag. Aus Aachener Anstoß gab es zwei Einwürfe für RWE und anschließend einen Freistoß fast an der Eckfahne. Grund flankte und am langen Pfosten kam ein Essener (Urban?) an den Ball, der gerade noch auf der Linie gehalten werden konnte.

Die nächste dicke Chance bot sich, als Bichler außen steil geschickt wurde und in der Mitte auf Urban flankte, unmittelbar vor ihm konnte ein Aachener den Ball Zentimeter übers eigene Tor klären. Die nachfolgende Ecke landete bei Brauer, der aus spitzem Winkel das Tor jedoch knapp verfehlte.

Keine fünf Minuten später war es erneut Bichler, der flanken konnte, doch der Volley von Wirtz klatschte gegen die Fäuste des Torwarts. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Ausgleich mehr als verdient gewesen.

Die Alemannia kam nur noch zu einer Doppelchance, als ein Spieler im Eins-gegen-eins an Raeder scheiterte und dieser den folgenden Nachschuss mit einer sehenswerten Parade aus dem Winkel fischte.

Ansonsten spielte nur RWE, Neitzel schickte nun verstärkt auch Zeiger mit nach vorne. Kevin Grund konnte noch einmal über links in den Strafraum ziehen, sein Pass aber vor den einschussbereiten Remmo und Scepanik geblockt werden.

Als in der Nachspielzeit Bichler im Strafraum fiel, forderten viele Elfmeter, aus meiner Perspektive zwar vertretbar, aber auch dankbar gefallen von Bichler.

Diese erneute 0:1-Niederlage bedeutet, dass RWE nicht mehr ohne Unterstützung Platz 1 erreichen kann. In der aktuellen Form ist jeder Gedanke daran aber ohnehin überflüssig. Erneut war zu sehen, dass Pröger von Wirtz nicht ersetzt werden kann. Dieser steht nächste Woche im Pokal wieder zur Verfügung, ich warne jedoch ausdrücklich davor, in ihm den „Heilsbringer“ zu sehen – an ihm alleine entscheiden sich die Spiele nicht alleine. Er wird aber die Abwehrspieler anders binden, was über außen für mehr Gefahr sorgen dürfte.

Faszinierend auch, was sich Gästespieler (der Aachener Keeper konkret) herausnehmen, weil sie sich durch einen Zaun vor den Heimfans geschützt wissen. Provozierender Jubel dieser Art ist höchst unsportlich und gehört bestraft!

Erwähnenswert: das Gegentor fiel ohne Lucas, der erst Mitte der zweiten Halbzeit ins Spiel kam und seine Sache sehr ordentlich machte. Ich bin gespannt, wer in den Netzwerken diesmal der große Sündenbock ist.

Für meinen Teil bin ich ob der hohen Fallhöhe erst mal bedient. Vor einigen Wochen noch ganz oben, jetzt irgendwo zwischen Hoffnung und Niemandsland. Nicht schön.

Im nächsten Ligaspiel treffen wir auf die Viktoria, die nach Stotterstart in die Spur zurückgefunden hat. Mit Sicherheit keine leichte Herausforderung, vielleicht aber zur rechten Zeit ein Gegner, der den Sieg nötiger benötigt als wir.

Nix zu holen bei den Fohlen

Ein weiser Mann* schrieb nach der heutigen Partie gegen die Zweitvertretung von Borussia Mönchengladbach:

„Immer wenn du denkst, dass du mit Rot-Weiss Essen das Licht am Ende des Tunnels siehst, steht da am Ausgang jemand und schaltet hämisch lachend das Licht aus.“

Tja, das beschreibt die Situation um unseren Lieblingsclub eigentlich sehr gut. Nach dem tollen Saisonstart und den durchwachsenen Ergebnissen der vergangenen drei Partien – die aus moralischer Sicht kaum zu kritisieren waren – war RWE gefordert: Viktoria und Dortmund hatten gestern ihre Spiele gewonnen und es galt, den Kontakt zu halten. Die Hoffnung, die Saison könnte mit dem Platz an der Sonne gekrönt werden, die wohl jeder RWE-Fan mehr oder weniger insgeheim hatte, diese Hoffnung zerfällt gerade ein wenig.

Vorweg: Die Partie heute durfte ich zudem als Co-Kommentator von Radio Hafenstraße mit übertragen und so eine völlig neue Perspektive erleben. Da sieht man mal, dass es nicht so leicht ist, die komplette Spielzeit dauerhaft mit Inhalt zu füllen. Trotzdem hat es sehr viel Spaß gemacht, die Ereignisse auf dem Platz zu schildern. Ich hoffe, ich habe meinen Job gut gemacht. Jederzeit gerne wieder!

Diesmal gab es eine Änderung in der Aufstellung: Für den zuletzt glücklosen Wirtz kam Urban von Beginn an zum Einsatz, Grund rückte dafür in die Zentrale, Baier gab die hängende Spitze.

Von Beginn an war das Spiel zunächst geprägt von viel „Klein-klein“ im Mittelfeld. Die Fohlen riegelten ihre Hälfte im „Mitteldrittel“ des Spielfeldes ab und zwangen RWE damit immer wieder zu Fehlpässen im Mittelfeld oder zu langen Bällen über außen, die aber nicht den notwendigen Druck aufbauen konnten, das Spiel weiter nach vorne zu verlagern. Und so dauerte es gut 20 Minuten, bis mal etwas wie Torgefahr aufkam: Heber setzt sich außen durch und schlägt einen scharfen Pass in die Mitte, der nur knapp von den Gladbachern geklärt werden kann.

Wenig später erkämpft sich Scepanik den Ball durch Anlaufen des Innenverteidigers, Baier nimmt den Ball auf, zieht in den Sechzehner – der Ball streicht Zentimeter am Kasten vorbei. Einen Moment später wird Bichler rechts geschickt, flankt halbhoch in die Mitte, wo Scepanik das Kunststück schafft, am Ball vorbeizutreten. Drei dicke Chancen, dreimal vergeben.

Chancen danach auch auf der anderen Seite. Zuerst kombinieren sich die Gladbacher in unseren Strafraum – Raeder klärt per Fußabwehr. Dann fliegt ein langer Ball über alle hinweg und landet im Sechzehner beim völlig blank stehenden Kraus, der den Ball noch in aller Seelenruhe annehmen kann – und dann daneben schießt. Dann jedoch das Tor des Abends: aus einer Körperdrehung wird ein Ball schnell hinter Zeiger und Becker durchgesteckt, Pisano kann sich die Ecke ausgucken – keine Chance für Raeder. Diese drei Szenen fanden innerhalb von nur drei Minuten statt…

Einerseits hatte sich RWE zu diesem Zeitpunkt gerade etwas Oberwasser herausgespielt, andererseits auch um das Tor gebettelt. Einfach unfassbar. Doch RWE hatte noch die Chance zum Ausgleich vor der Pause: Wieder über rechts eine Flanke in die Mitte, die Brauer aufs Tor verlängert – Pfosten. Der Abpraller von Baier wurde leider dann zur Ecke geblockt, die keine Gefahr einbrachte. Mit 0:1-Rückstand ging es also in die Pause.

Nach dem Wechsel verlegten sich die Gladbacher darauf, Zeit von der Uhr zu nehmen. Entlastungsangriffe gab es nur noch sporadisch und halbherzig. Stattdessen baute RWE mehr Druck auf, konnte jedoch auch hier zunächst nicht die gut organisierte Fohlen-Abwehr durchbrechen. Es dauerte bis etwa zur 60. Minute, bis RWE sich erstmals eine Chance herausarbeiten konnte. Kevin Grund kam im Sechzehner zum Abschluss, wurde aber dabei durch einen Abseitspfiff jäh unterbrochen – aus meiner Position leider nicht aufzulösen, ob der Schiri hier richtig lag.

Wenig später schraubte Karsten Neitzel das Risiko erneut hoch, nahm den soliden Urban vom Platz und brachte Enzo Wirtz für die Zentrale, während sich Grund wieder hinten links einsortierte. Doch auch in dieser Partie war es wieder ein Standard, der für Gefahr sorgen sollte: Freistoß aus dem Halbfeld von Baier, Zeiger verlängert – und der Pfosten rettet erneut. Der Ausgleich wäre zu diesem Zeitpunkt sicher verdient gewesen, denn hier dominierte nur RWE die Partie.

Der Alu-Treffer wirkte nochmal beflügelnd, doch mehr als ein paar Eckbälle kamen am Ende nicht heraus, auch wenn eine davon gerade noch auf der Linie geklärt werden konnte. Auch ein Schuss von Wirtz kullerte am Tor vorbei, so dass es bei dem 0:1 leider blieb.

Somit ist RWE nun seit vier Spielen ohne Sieg, hat nur zwei von zwölf Punkten geholt, was sicher angesichts des guten Saisonstarts zu wenig ist. Von der Moral her gesehen gibt es erneut kaum Grund zur Kritik, die Mannschaft hat sich unmittelbar nach dem Gegentreffer aufgerappelt und gegen die Niederlage gestemmt – man müsste nur mal das Tor auch irgendwann machen. Deutlich zu bemerken ist das Fehlen eines Unruhepols wie Pröger oder auch Platzek einer wären – hier ist zu wenig Unruhe im Zentrum. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es richtig war, nicht auf Teufel komm raus noch einen Spieler zu verpflichten und so die eigenen Spieler als „nicht gut genug“ zu brandmarken, was sicher Vertrauen gekostet hätte. Zu den Verletzten kam noch diese unsäglich dumme rote Karte, die sicher auch nicht in der Form einkalkuliert wurde. Natürlich gibt es auch genügend Argumente in die andere Richtung, aber das ist vielleicht mal ein Thema für einen späteren Beitrag.

Fakt ist jedoch: Der Kontakt zur Spitze ist erst mal weg, am Sonntag gegen Aachen muss gewonnen werden, komme, was wolle. Und damit haben wir wieder ziemlichen Druck auf der Mannschaft, die noch zu allem Überfluss auf eine wiedererstarkte Alemannia trifft. Auf die Spitze sind es (Dortmunder Nachholspiel-Sieg vorausgesetzt) sechs Punkte. Das ist viel, aber noch nicht zu viel, zumal ja beide Spiele gegen die Borussen auch noch anstehen. Wir sollten aber schleunigst die Kurve bekommen.

*Weiteres vom weisen Mann unter diesem Link.

Ein erster Blick auf die Tabelle

Die Samstagsspiele des 9. Spieltages der Regionalliga West 2018/19 sind beendet, damit ist ein Viertel der Saison vorbei. Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

Verlauf – so far

Nach der Auftaktniederlage hätten wohl nicht viele damit gerechnet, mit welch eindrucksvoller Vorstellung unsere Mannschaft unsere Freunde aus dem Tal bezwingen konnte. Es war der Auftakt einer Serie von fünf Siegen in Folge, die uns an die Spitze der Tabelle führte. Die Serie wurde jäh unterbrochen von engagierten Lippstädtern, bevor dann Unentschieden gegen Verl und gestern gegen Straelen folgen sollten. Durch die heutigen Ergebnisse bedeutet dies Platz 2 mit einem Punkt Rückstand auf die Kölner Viktoria. Fairerweise muss man dazu sagen, dass die mit uns punktgleiche Dortmunder Zweitvertretung noch ein Nachholspiel gegen Wattenscheid in der Hinterhand hat, was bei einem Sieg zu einem Essener Rückstand auf Platz 1 von drei Punkten führen würde.

Fakt ist jedoch: Der Kontakt zur Spitze ist vorhanden. Auch wenn Verl grausam anzusehen war und die gestrige Partie auch nur aufgrund einer tollen Moral noch ausgeglichen werden konnte, sind wir diesmal nicht in der Situation, dass wir den Kampf um den Thron nur aus der Ferne beobachten können. Stattdessen sind wir mittendrin, wie wir es uns alle schon seit Jahren wünschen.

Auf’m Platz

Und noch etwas ist anders: Von den zwei letzten Partien abgesehen durften wir von unserer Mannschaft einen tollen Fußball sehen. Druckvoll, torreich, begeisternd. Das Publikum – die Seele des Vereins – honoriert dies regelmäßig durch konstant hohe Zuschauerzahlen zu Hause (sowieso), aber auch auswärts, bis auf ein paar Bekloppte auch frei jeglicher Negativschlagzeilen. Und wenn es mit dem Sieg nicht klappt – der Mob spendet trotzdem den Applaus, den sich das Team mit Kampf und Leidenschaft redlich verdient.

Ausblick

Die von mir in einem der ersten Beiträge der Saison erwähnten „leichten“ Spiele sind nun vorüber. Es folgen noch Partien gegen Gladbach und Aachen, bevor es im Oktober gegen die derzeit direkten Konkurrenten Dortmund, Viktoria und Oberhausen geht. Hier muss es uns gelingen, mindestens 5 Punkte zu holen, da lege ich mich fest. Wenn es weniger werden, zieht einer davon. Holen wir alle 9, können sich die anderen unsere Rücklichter ansehen.

Jedoch: Zwischen Platz 1 und 5 liegen derzeit nur zwei Punkte – es gibt nicht diese Übermannschaft, wie der KFC Uerdingen letztes Jahr eine war. Viktoria macht ebenfalls mal wieder zu wenig aus den finanziellen Möglichkeiten und lässt rechts und links des Aufstiegs-Highways Punkte liegen.

Zusammenfassung

Wir haben es noch selbst in der Hand, unser aller großen Traum in dieser Saison zu verwirklichen. Schaut man auf die Resultate der anderen, so sollte auch dem letzten klar sein, dass es weder jemals so „einfach“ war wie diese Saison, noch dass es angemessen ist, die Mannschaft nach schlechteren Spielen wie gestern zu verfluchen. Es ist definitiv zu früh, die Köpfe hängen zu lassen.

Daher: Alle nach Gladbach, alle Sonntag ins Stadion gegen Aachen.

Die Mannschaft braucht uns! RWE braucht uns!