Ersteindruck

So, ganz kurz aufgemerkt.

Heute die Jungs in Action erlebt. Pröger pfeilschnell und mit tollen Aktionen, Die Flanke vor dem 2:1 war Zucker, wenn Bednarski den Ball auch nicht trifft.

Harenbrock ebenfalls mit feinem Fuß.

Lucas mit Mega-Grätsche gegen Schmelzer und anschließender Testosteron-Geste in dessen Richtung. Schön, dass du wieder da bist.

P.S. Aufm Handy war das Video im Querformat…

Die Jungs haben heute alles gegeben, man muss die Borussen auch erst mal dazu bringen, die Chancen zu versemmeln.

Das Spiel sollte man natürlich nicht überbewerten, aber auch nicht als selbstverständlich abtun. In der Liga hat man nur selten die Chance auf Konter, da stehen zwölf bis fuffzehn Mann im gegnerischen Sechzehner.

Schönen Abend noch. Papa geht heute glücklich ins Bett.

Auf in die neue Saison

Frohes Neues Jahr allerseits!

Für mich beginnt mit der Partie gegen den BVB gleichzeitig die neue Saison. Mehr als 10.000 verkaufte Tickets für dieses Spiel und mehr als 4.000 Dauerkarten senden ein deutliches Zeichen, dass erneut so etwas wie Euphorie in Essen besteht. Ich nehme ich dieses Spiel zum Anlass, mich wie schon in der vergangenen Saison mit den Sommertransfers auseinanderzusetzen.

Grundtenor der letzten Jahre war, dass man endlich mal von den Komplettumstellungen des Teams absehen und die berühmt-berüchtigten „punktuellen Verstärkungen“ holen soll. Dann wollen wir doch mal sehen…

1. Die Abgänge

Niclas Heimann
Beinahe schon traditionell ist das unverhältnismäßige Einprügeln auf Torhüter in Essen. Niclas Heimann reiht sich hier ein in die Reihe von Torhütern, die trotz meist guter Leistungen wegen einiger weniger Patzer in Ungnade gefallen sind und wohl auch mit einem gehaltenen Elfer in der Nachspielzeit des Pokalfinales gegen den FC Bayern niemals wieder rehabilitiert worden wären. Ihm wurde seinerzeit zum Verhängnis, im Testspiel gegen den BVB einen gewissen Pierre-Emerick Aubameyang austanzen zu wollen, was ihm leider misslang. Ich persönlich habe ihn immer für einen guten, wenn nicht sogar den besseren unserer Keeper gehalten, andere haben seine Versetzung hinter Heller geradezu gefeiert. Sein Weg zieht ihn nach Rödinghausen, ich hoffe, dass er uns da nicht zeigt, was er alles kann.
Fazit: Schade aus menschlicher Sicht, aber er hatte wohl auch keine Lust, wieder nur die Nummer zwei im Kasten zu sein.

Patrick Huckle
Ein Kämpfer vor dem Herrn, der eigentlich das darstellte, was an der Hafenstraße immer wieder gefordert wird – jemand, der sich über 90 Minuten den Arsch aufreißt und sich auch für eine Grätsche nicht zu schade ist. Hatte sicherlich den einen oder anderen schwächeren Moment, der zu gefährlichen Szenen für die Gegner führte, diese habe ich ihm jedoch eben wegen seines Einsatzes gern vergeben. Unvergessen sein wuchtiger Kopfball in die eigenen Maschen beim 9:1-Sieg über Erndtebrück. Huckle geht in seine Heimat im Südwesten zurück und spielt ab der kommenden Saison für den FSV Frankfurt.
Fazit: Hätte ich gerne noch eine Saison zumindest hier gesehen, ist aber auch nicht mehr der Jüngste, von daher wohl vertretbar.

Maksimilijan Milovanovic
Dritter Mann hinter Heller/Heimann. Mehr kann ich zu ihm nicht sagen. Wechselt zum 1. FC Bocholt, weil er dort Aussicht auf Einsatzzeit hat.
Fazit: nachvollziehbar, eher kein Verlust

Jeffrey Obst
Obst konnte sich wohl nur durch seine Undiszipliniertheit in Erinnerung bringen, die zu Beginn der vergangenen Saison zu einer roten Karte führte. War lange verletzt, geht zur SG Wattenscheid.
Fazit: eher kein Verlust

Kasim Rabihic
Der vermutlich beste Techniker im letztjährigen Kader hat aus meiner Sicht leider zu selten gezeigt, dass er auch mannschaftsdienlich spielen kann. Zu selten ein Auge für den besser postierten Nebenmann, zu ballverliebt. Vermutlich daher auch oft nur Reservist. Ziel unbekannt.
Fazit: absolut nachvollziehbar, seinen Vertrag nicht zu verlängern

Richard Weber
Weber war in der vorletzten Saison quasi neben Zeiger gesetzt, musste sich dann zunächst hinter Windmüller einreihen und landete nach dessen „Degradierung“ trotzdem nur auf die Bank, von wo er zusehen musste, dass ihn ein nomineller „Sechser“, Meier, vertrat. Das alles tat er, ohne in der öffentlichkeit darüber zu murren, was man ihm durchaus hoch anrechnen darf. Er schließt sich nun der Reserve der Blauen an und geht damit eine Liga nach unten. Allein das hat ihn für einige – für mich nicht rational nachvollziehbar – zur Zielscheibe gemacht. Dort dürfte er jedoch einer der erfahreneren Spieler sein und zu deutlich mehr Einsatzzeiten kommen, die er als junger Spieler sicherlich auch bevorzugen dürfte.
Fazit: Ebenfalls schade, aber nachvollziehbar aus Spielersicht. (Ihm Erfolg zu wünschen, geht bei mir aber auch zu weit…)

Gino Windmüller
Zwei Abwehrpatzer (im Pokal gegen die Arminia und in der Liga beim Heimspiel gegen die Viktoria) kosteten Windmüller den eigentlich relativ sicheren Startelf-Platz. Er arbeitete sich jedoch gegen Saisonende wieder auf selbigen zurück und konnte dort weitestgehend überzeugen. Wurde einige Male als hohe Anspielstation in der Schlussphase nach vorn berufen, konnte dort aber kaum Akzente setzen. Trotzdem in der zweiten Saisonhälfte mit souveränen Spielen neben Zeiger. Windmüller und RWE ließen lange offen, ob der Vertrag verlängert würde, ich weiß nicht, wer von beiden hier gezögert hat. Vermutlich eine Mischung aus Zögern des Vereins und neuem Angebot führten schließlich dazu, dass Windmüller nun für den WSV auflaufen wird.
Fazit: eine Verlängerung hätte uns vermutlich nicht wehgetan.

2. Die Zugänge

Daniel Engelbrecht
Engelbrechts Krankenakte ist hinlänglich bekannt. Medienberichten zufolge war er aber seit Inbetriebnahme des Defibrillators diesbezüglich beschwerdefrei, seine Verletzung in der abgelaufenen Saison für den KSV Steinbach rührte von einem groben Foulspiel her. Engelbrecht wurde nach besonders ausführlicher Untersuchung – unter Zuhilfenahme eines Herzspezialisten – für tauglich befunden und soll auch die besten Werte aller Spieler beim Leistungstest gehabt haben. Ich bin daher weit davon entfernt, den Verantwortlichen für diesen Neuzugang Fahrlässigkeit vorwerfen zu wollen. Nüchtern betrachtet kann man jedoch wohl froh sein, dass die Berufsgenossenschaft wohl mit der Gehaltszahlung einspringen wird. Wie durch den Bericht unseres Fanvertreters im Aufsichtsrat bekanntgeworden, werden wir für Engelbrecht noch mal eine Alternative auf dem Transfermarkt suchen. Daniel Engelbrecht wünsche ich alles Gute! Komm schnell auf die Beine.
Prognose: kann, wenn er fit wird, zumindest als Joker vielleicht noch wichtig werden. Alles Weitere ist allerdings Spekulation.

Cedric Harenbrock
Der 19jährige Harenbrock aus der U19 von Bayer Leverkusen ist einer dieser „Namenlosen“, die wohl die wenigsten von uns auf dem Schirm gehabt haben dürften. Ein Bericht der Sport-Bild klärt auf, dass er sich wohl durch alle Jugendjahrgänge hinweg immer einen Schritt vor den Gleichaltrigen bewegt hat (F-Jugend im Bambini-Alter, immer im Alt-Jahrgangskader seines jeweilgen Vereins…) Auch meine ersten Eindrücke (die ich zugegebenermaßen nur den verschiedenen Live-Tickern entnehmen konnte) sind durchaus positiv. Hier bin ich sehr gespannt, zumal er a) Zug zum Tor und b) Vorbereiterqualitäten zu haben scheint.
Prognose: Zumindest ein Bankplatz scheint sicher.

Stefan Jaschin
Torwart-Eigengewächs der U19, dürfte wohl eher nur auf der Bank landen, falls sich einer der beiden anderen Keeper verletzt.
Prognose: s.o.

Marcel Lenz
Der Ex-Reservekeeper des MSV dürfte Heller ziemlichen Druck bereiten, denn er ist als durchaus erfahrener Torhüter bestimmt nicht gekommen, um seine Zeit auf der Bank abzusitzen. Für Regionalliga-Verhältnisse ein sehr guter Transfer, der Heimann mindestens gleichwertig ersetzt.
Prognose: Könnte vermutlich über die Saison gesehen im Vergleich zu Heller die Nase vorn haben. Auf der Torhüter-Position sind wir grundsätzlich gut besetzt.

Kai Pröger
Bei seinem letzten Spiel für den BFC Dynamo konnte Pröger in der Schlussphase der Verlängerung noch einen Doppelpack erzielen und schaffte es mit einem der Treffer sogar ins „Tor des Monats“. Wenn man Lucas Glauben schenken darf, wird er unser Spiel durch seine Schnelligkeit auf der rechten Seite beleben und bringt zudem noch eine eigene Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor mit. Schon jetzt gefühlt ein Publikumsliebling, der unter diesem Druck hoffentlich nicht einbricht. Ist etwas gefülltere Stadien schon gewohnt, wenn auch nicht in Essener Ausmaßen.
Prognose: Scheint auf der rechten Sturmseite gesetzt.

Ismail Remmo, Simon Skuppin, Boris Tomiak
Ergänzungsspieler aus der U19. Sollen ans Team und den „Männerfußball“ herangeführt werden und die Integration von „Eigengewächsen“ in die erste Mannschaft wie zuletzt Nico Lucas fortführen.
Prognose: Dürften in den Spielberichten nur sehr selten auftauchen.

Robin Urban
Regensburger Innenverteidiger haben bei uns schon beinahe so lange Tradition wie unser Verbleib unterhalb der Dritten Liga. Nach Neunaber und Windmüller haben wir mit Urban nun schon den dritten De,. fensivspieler von der Donau. Schließt er sich an das solide Abwehrspiel der vorgenannten Kollegen an, sollten wir hinten die nötige Konstanz haben, um gesichert nach vorn spielen zu können.
Prognose: Nach dem Abgang von Windmüller und Weber wohl ebenfalls gesetzt.

3. Meine Aufstellung

So stelle ich mir im Großen und Ganzen die Stamm-Elf vor (Alternative in Klammer)

Tor: Heller
Abwehr: Grund (Cokkosan) / Urban / Zeiger / Malura
Mittelfeld: Baier / Meier (Lucas) / Brauer (Harenbrock)
Sturm: Bednarski / Platzek / Pröger (Ngankam)

4. Gesamtfazit

Beim Schreiben dieser Zeilen fiel mir auf, dass wir im Grunde keine „faulen Eier“ mehr im Kader haben. Dies dürfte hauptsächlich natürlich in der Abgangswelle der vergangenen Winterpause begründet liegen, ist aber auch in meinen Augen ein gutes Zeichen für solide Arbeit der sportlichen Verantwortlichen. Ältere, „verdientere“ Spieler wie Huckle und Windmüller sind nicht mehr im Kader, wobei für den Huckle-Abgang ja noch ein Ersatz gesucht wird. Hier sind wir aber mit Grund/Cokkosan auch handlungsfähig. Die Abgänge von Obst & Co. schmerzen nicht so sehr, als dass man sie nicht mit den neuen Spielern mindestens adäquat ersetzen könnte.

Der Stamm der Spieler, die die vergangene Saison mit Platz 5 abgeschlossen haben, wurde zu einem sehr großen Teil gehalten und ist quasi eingespielt.

Ich bin zuversichtlich, dass mit dem Kader mindestens die Vorjahres-Position wieder möglich ist – vorausgesetzt natürlich, wir bleiben von größeren Verletzungen verschont. Ein guter Start ist natürlich wichtig. Viel wichtiger ist es aber, konstant zu punkten. Und wenn wir es dann noch schaffen, das Lehrgeld der verdammten Unentschieden der letzten Saison in Siege umzumünzen, ist alles drin

Getz sindse völlig durchgeknallt…

Da wacht man morgens auf und denkt, der Postillon hätte sich einen neuen, vor Wahnwitz nur so sprühenden Artikel ausgedacht. Kurzer Blick auf die URL… Nee, das ist ja vom Kicker!

Die Regionalliga Südwest bekommt Zuwachs. Doch nicht etwa aus eigenen Reihen, sei es durch einen insolventen Zweit- oder Drittligisten oder einen zusätzlichen Aufsteiger aus einer der Oberligen, nein, man lädt eine Mannschaft aus China ein, an der Liga teilzunehmen. Nicht nur, dass uns China seit Jahrzehnten alles vor der Nase wegkopiert, was man sich vorstellen kann (zum Beispiel ganze Dörfer), nein, jetzt will man wohl auch im hintersten Asien die „Champions League des kleinen Mannes“ nachbauen. Und weil das am Besten geht, wenn man sich das mal ganz genau ansieht, schickt man ein Team, das – natürlich außer Konkurrenz – mitspielen soll.

Wo sich bisher das 19. Rad am Wagen sich mit spielfreien Wochenenden herumplagen musste (als Fan womöglich im Kreise der Familie – welch Horrorgedanke!!1!), darf man sich nun mit einem Team auf dem Niveau irgendwo zwischen Landes- und Verbandsliga messen – die „guten“ chinesischen Teams spielen sicherlich lieber um die eigene Meisterschaft mit statt um die goldene Ananas fernab der Heimat.

Um die Reisestrapazen so gering wie möglich zu halten, soll der Gast immer auswärts antreten, das heißt, man spielt als „normaler“ Regionalligist zweimal gegen dieses Team zu Hause. In einer Liga, in der viele Vereine ohnehin nicht wissen, wie sie 18 Heimspiele finanziell und organisatorisch gestemmt bekommen sollen, ist es natürlich sinnvoll, noch zwei Partien „on top“ geliefert zu bekommen. Da kann so manche Spielerfrau mal zeigen, was sie am Getränkestand kann! Einfach toll! Dafür gibt es ja auch einen Obulus von 15.000 € je Team. Da wird die Regio Südwest wohl bald die ersten internationalen Top-Transfers präsentieren, jetzt, wo der Rubel nur so

Damit nicht genug: Die Knochen mal schonen, mal eine Blessur auskurieren? Diese lästige Wettbewerbsverzerrung, weil der nächste, wichtige Gegner vergangene Woche spielfrei hatte und man selbst aber noch antreten musste? Diese Zeiten sind vorbei! Endlich kann man die körperliche Belastung mal konstant hochhalten! Und wenn der chinesische Libero Shu Zhu Eng in bester Augenthaler-Manier reihenweise die Stürmer der Gegner kaputttritt, kann das doch nur von Vorteil sein.

Mal im Ernst: Ich habe selten so eine tolle Idee Schnapsidee gehört. Das letzte Mal bei dem Vorschlag, RWE könne ja während des Stadionbaus in Oberhausen antreten. Ich hoffe ernsthaft, dass die Fanvertreter der betroffenen Vereine alle (legalen!) Register ziehen, um diese Entscheidung noch zu revidieren. Sollte es dennoch soweit kommen, hätte ich sogar Verständnis für die Boykottierung dieser Partien. Anstatt sich mal über die beschissene Aufstiegsregelung ordentliche Gedanken im Dialog mit den betroffenen Vereinen (nicht mit den Bundes- bis Drittligisten!) zu machen, denkt man sich so einen Blödsinn aus…

Obwohl: Ich finde, man könnte gleich noch ein Team aus Botswana, Fidschi, Liechtenstein und Nicaragua einladen. So könnte man quasi ganzjährig jedes Wochenende ein Spiel anbieten (bei 6 Wochen Sommer- und Winterpause). Das wäre doch toll.

Meine 50cent zur Ausgliederung…

Sonntag steht der vielleicht wichtigste Termin in der Nach-Insolvenz-Geschichte unseres Lieblingsvereins auf dem Programm: Die Jahreshauptversammlung mit der Abstimmung über die Anweisung an den Vereinsvorstand, eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben.

Ich schreiben bewusst nicht „Abstimmung über die Ausgliederung“, weil darüber bekanntermaßen in einem späteren Schritt noch zu entscheiden ist.

Über die Fakten und Szenarien ist an verschiedensten Stellen ja schon einiges geschrieben worden. An dieser Stelle findet ihr daher ausschließlich meine eigene, persönliche Meinung zu dem Thema.

Um es vorwegzunehmen: Ich bin absolut dafür, die Möglichkeiten einer Ausgliederung auszuloten. Dies ist – wenn nicht noch eine der Familien Albrecht oder Deichmann plötzlich eine Liebe zum Mäzenatentum im lokalen Fußball entdeckt – die einzige Möglichkeit, auf verhältnismäßig einfachem Wege an einen größeren Geldbetrag zu kommen. Natürlich ist dies mit allerhand Juristerei verbunden, aber um auf den selben Betrag nur mithilfe einfachen Sponsorings zu kommen, braucht man wohl mehrere Jahre. Mit einer dicken Finanzspritze wäre es der sportlichen Leitung möglich, einen (auf dem Papier) stärkeren Kader zusammenzustellen, weil eben die Spielräume größer würden. Ohne konkrete Zahlen zu kennen gehe ich zwar davon aus, dass man in Essen doch sehr gut bezahlt, allerdings können wir mit Mäzen-Vereinen wie Viktoria Köln oder anscheinend auch dem SV Rödinghausen beim allerbesten Willen nicht mithalten. Von den durch die Profis subventionierten Zweitvertretungen mal ganz zu schweigen. Man könnte also „bessere“ Spieler an die Hafenstraße locken, die die sportliche Lücke eher zu schließen in der Lage wären, als vielleicht der dritte Ersatzstürmer eines Oberliga-Aufsteigers. Tradition schießt leider keine Tore. Geld tut es zumeist – so sehr es auch in den Ohren mancher schmerzen mag. Allein unter rationalen Gesichtspunkten ist eine Ausgliederung um der lieben Moneten Willen ein wichtiger Schritt.

Zweitens: mit der angestrebten Lösung der KGaA (Wikipedia) erhält man sich den eigenen Einfluss, ohne potentiellen Investoren zu signalisieren, dass man sie eigentlich nur des Geldes wegen haben will. Ein einfacher Sponsor (oder „Mäzen“) hätte vielleicht noch als Gegenleistung einen gewissen Werbeeffekt und vielleicht eine Loge im Stadion, das war es aber auch. Aber eine Kooperation mit einem Investor soll natürlich beiden Seiten den größtmöglichen Erfolg bieten: Finanzspritze -> sportlicher Erfolg -> größerer Wert der Anteile, den der Investor dann gewinnbringend an einen neuen Investor (oder zurück an den Verein bzw. die Tochter-GmbH) veräußern könnte. Um sich abzusichern, dass das Geld nicht sinnlos aus dem Fenster geworfen wird, sondern tatsächlich in den sportlichen Erfolg investiert wird, dürfte der Investor also auch durchaus in der Hauptversammlung stimmberechtigt sein.

Womit wir bei der nächsten Angst vieler Fans wären: Der Verlust der eigenen Identität. Hier habe ich jedoch in die aktuelle Vereinsführung – insbesondere in Dr. Welling – absolutes Vertrauen, dass wir weder Vereinsfarben noch Logo wechseln werden. Wir werden uns weiterhin unserer Tradition besinnen, bald unseren 65. Jahrestag der Deutschen Meisterschaft feiern und die selben Lieder singen. Wir werden nicht zu „CC Essen“ (wobei das „CC“ wahlweise für „Calcio Club“ oder „Coca Cola“ steht), und wir werden auch nicht in Strukturen à la Leipzig mit nur 35 Mitgliedern abdriften. Allen anderslautenden Stimmen zum Trotz sind wir noch immer der „Asi-Club aus Essen“, das werden wir auch bleiben. Hier gibt es keine Lachshäppchen an Chiantischaum in der Loge, hier gibt es die gute Currywurst. Hat Welling auch so manches „Sperenzchen“ mitgemacht – ich erinnere beispielsweise an die launigen Videos zu den „Auf Asche“-Spielen – er hat nie daran Zweifel aufkommen lassen, dass besonders die Tradition eines der Trümpfe ist, mit denen RWE noch heute sticht.

Ich glaube auch, dass es der richtige Zeitpunkt ist, diesen Schritt zu planen. Je früher desto besser. Denn so gering das Nadelöhr Aufstieg auch sein mag – wenn es eine sinnvolle Möglichkeit gibt, das große Ziel zu erreichen, ohne sich in totale Abhängigkeit zu bringen oder total zu überschulden, sollte man es angehen. Vielleicht wäre es sogar sinnvoll gewesen, das Thema Ausgliederung noch vor oder zusammen mit der Hoch-3-Aktion anzugehen, um weiteren Schwung aufzunehmen. Vielleicht war die Planung einer Ausgliederung aber noch nicht weit genug gereift. Hier werden Gespräch im Hintergrund gelaufen sein, mit potentiellen Investoren genauso wie mit Juristen. Es ist aber auf keinen Fall zu früh, um sich über eine Ausgliederung Gedanken zu machen, denn erst einen eventuell nie eintreffenden Aufstieg abzuwarten, wäre schon beinahe fahrlässig.

Zum Abschluss meines kleinen Pamphlets: Ich habe das Gefühl, dass die meisten, die für „NEIN“ sind, eher ein Problem mit Welling haben. Hier werden die irrsinnigsten Dinge genannt, um ihm anzudichten, dass er irgendwas Düsteres im Schilde führt: Sein (von irgendjemandem mal kolportiertes) Salär von angeblich 20.000 €, die Erwähnung mehrerer Mitarbeiter als Direktoren auf der Homepage, sein sinistrer Plan, aus RWE ein „FC St. Pauli 2.0“ machen zu wollen (er setze dabei sogar Sandy (!) ein, um die „aktive Szene“ auszuspionieren – liebe Aluhut-Fraktion, Sandy ist länger RWE-Fan als ihr auf diesem Planeten weilt. Der gibt ALLES für seinen Verein.) oder seine vielzitierte Entspanntheit, die immer wieder auf alle Lebenslagen angewandt wird. Ich habe den Eindruck, viele dieser Leute leben in einer Welt ohne wirtschaftliche Zusammenhänge, wo die Zuschauereinnahmen direkt in neue Spieler investiert werden können, wo das Ausgeben von nicht vorhandenem Kapital (also die Aufnahme von Krediten) wichtiger als eine gesunde Bilanz ist (Stichwort: „RWE ist ein Fußballverein, keine Bank“). Diese Verbohrtheit macht mich einfach nur fassungslos. Ohne jetzt zu philosophisch sein zu wollen: Vielleicht liegt das einfach nur am Zeitalter der Social Media, dass viele Leute jeden Blödsinn einfach unreflektiert glauben und weiter verbreiten – steht ja schließlich im Internet. Weist man darauf hin, wird man natürlich angemacht, man solle endlich aufwachen, dann erkenne man die Wahrheit – danke, Welling!

Und um es nochmal klarzustellen: Welling hat sicherlich nicht alles richtig gemacht (Stichwort Harttgen, Siewer), aber eine ganze Menge besser. Er ist aber auch der allerletzte, der die Verantwortung von sich schiebt. Leider vergibt die rot-weisse Fan-Seele anscheinend aber nicht so schnell, wie sie Leute verdammt. Das war bei schon bei Karim Zaza so, bei Robert Wulnikowski und auch bei Niclas Heimann (warum ist eigentlich immer der Keeper der Gearschte?). Und by the way: Es steht jedem Mitglied frei, sich die nötigen Stimmen der anderen Stimmberechtigten zu erarbeiten, um ihm den Posten bei der JHV abzunehmen und selbst das Ruder zu übernehmen. Diesbezüglich bin ich aber froh, dass der Großteil der Mitglieder etwas weiter denkt als von der West bis zum Strafraum. Ich bin guter Dinge, dass sich dies auch am Sonntag wieder zeigt und ein sattes „JA“-Voting herauskommt.

Nochmal: Eine Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine KGaA ist keine Garantie auf einen Aufstieg. Die Arbeit auf dieses Ziel hin würde dadurch allerdings immens vereinfacht.

Daher: JA zur Ausgliederung.


Wer sich nochmal einen Überblick verschaffen möchte, dem lege ich diesen hervorragenden Beitrag von jawattdenn.de ans Herz.

Nemesis.

In meinem letzten Beitrag führte ich ja bereits aus, dass es für uns gegen den MSV in der jüngeren Vergangenheit nicht viel zu holen gab. Leider wurde diese Serie heute fortgesetzt. 

Dabei ließ sich das Spiel eigentlich ganz munter an, zwar gab es auf beiden Seiten keine ganz dicken Chancen, allerdings blieb auch das Abtasten, das man allzu häufig in solchen Partien liegt, in der Schublade. Gefühlt lag der Ballbesitz wohl etwa bei 50:50, beide Abwehrreihen solide. Nach einem Ballverlust von Grund ging es dann mal schnell nach vorne, von Zeiger sprang der eigentlich schon geklärte Ball zu einem Zebra zurück, und plötzlich stand es 0:1.

Dieser Treffer wirkte leider nach, denn der Rest der Halbzeit bestand zum Großteil aus Ballkontrolle auf Duisburger Seite, und so ging es pünktlich in die Pause. 

Unmittelbar nach Wiederanpfiff dann die üblichen unschönen Szenen mit Maskierten auf dem Zaun, Pyro und viel Qualm. Ich werde nie verstehen, wie man seinem Verein so schaden kann. Diese Leute scheinen jedoch in der aktiven Szene durchaus Rückhalt zu finden, anders kann ich mir die Fahnen als Sichtschutz einfach nicht erklären. Genauso kann ich nicht verstehen, wieso da von Seiten der Polizei nicht eingegriffen wird. Wenn es eine Straftat ist, dann müsste sie meiner Auffassung nach sogar zum Eingreifen verpflichtet sein. Stattdessen durften sich Vermummte mit Leuchtkugel-Stangen minutenlang auf dem Zaun selbst feiern. Ich finde, hier ist der Verein auch langsam mal gefordert, denn „gut zureden“ scheint nicht zu fruchten und die Strafen werden nicht geringer. 

Nach der Unterbrechung (übrigens hätten WIR den Fernsehbildern nach den Schiedsrichterball bekommen müssen) gab es dann unmittelbar zentral aus 20m direkten Freistoß. Die Situation war von der West nur schwer zu beurteilen, von meinem ersten Eindruck her war es nicht zwingend ein Foul. Wie auch immer, der Freistoß schraubte sich unhaltbar in die Maschen. 0:2, Drops quasi gelutscht. 

Das rot-weisse Team tat sich im Anschluss gegen zurückgezogene Duisburger schwer, trotzdem sprangen noch ein paar gute Szenen heraus. Zuerst köpfte Platzek nach einer Ecke das vermeintliche 1:2, stand dabei aber deutlich im Abseits. Baier und später auch der eingewechselte Rabihic verzogen aus guten Positionen knapp, Platzek kam an zwei etwas zu hohe Flanken nicht heran. Wenige Augenblicke vor dem Ende schoss Platzek aus spitzem Winkel, scheiterte aber am Keeper, der jedoch im Aus liegenblieb. Trotzdem konnte der MSV den Rückpass verhindern und den Torschuss blocken. Heller parierte kurz vor Schluss noch einmal gegen den eingewechselten Onuegbu, aber letztendlich tat der Gast heute nur das Nötigste. 

Alles in allem war dies wohl einer der Tage, an denen der Ball einfach nicht ins Tor will. Zum Glück stand aber dank des Aufstiegs der Zebras schon vorher fest, dass wir die erste Hauptrunde im Pokal erreichen werden, die Mitte Juni ausgelost und Mitte August gespielt wird. Vielleicht war dies auch der Grund, warum die letzten zwei, drei Prozent heute fehlten. 

Die Saison ist nun endgültig vorbei, und allen Unkenrufen zum Trotz bin ich recht zufrieden. Das ist aber ein Thema für einen anderen Beitrag. Jetzt ist „das Team hinter dem Team“ gefragt, die richtigen Strippen zu ziehen, noch den einen oder anderen Vertrag zu verlängern (Windmüller ist noch gut in Fahrt gekommen…) und die richtigen Leute zu verpflichten.

Nichtsdestotrotz bleibt der schale Geschmack einer Niederlage, die man am liebsten nicht kassiert hätte, weil einen im Freundeskreis und auf der Arbeit von den Zebra-Fans schon morgen wieder der Spott erwartet. 

Ich wünsche euch allen schon mal eine schöne Sommerpause. Danke für euer Interesse an meinem neuen Hobby, das ich leider aus verschiedensten Gründen nicht bei jedem Spiel ausleben kann. 

Von wegen „Goldene Ananas“!

Bald ist es also soweit: Das Finale der Champions League im Niederrhein-Pokal gegen die Zebras aus Duisburg.

Während einige dem Spiel wohl fernbleiben, weil ihnen die Mannschaft in der abgelaufenen Saison nicht den Aufstieg oder wenigstens den Meistertitel geschenkt haben, gibt es weitere Stimmen von Leuten, die das Spiel vor dem heimischen Fernseher in einer lieblos gestalteten Konferenzschaltung „genießen“. Der „echte“ Andrang auf die Tickets, der noch in den beiden letzten Jahren gegen Oberhausen und Wuppertal herrschte, blieb dem Vernehmen nach aus. Die West ist voll, klar, aber auf der „Rahn“ und auch im Gästebereich werden wohl eine ganze Reihe Plätze leer bleiben (oder vielleicht am Spieltag noch verkauft).

Doch ist dies wirklich nur ein Spiel, in dem es um nichts mehr geht? Klar, der MSV wäre lieber schon wieder auf Mallorca, um sich auf den Aufstieg in die zweite Liga schön die Kante zu geben, und RWE hat damit die erste Hauptrunde im DFB-Pokal ja ebenfalls schon erreicht.

Doch viel zu groß ist trotz der Ligaunterschiede die Rivalität, die sich wie im Pott üblich schon aus der räumlichen Nähe ergibt. Der MSV spielte zuletzt die „Nemesis“ der Rot-Weissen, denn sie sind der letzte Gegner, gegen den unsere Jungs in diesem Wettbewerb verloren. 1:4 nach Elfmeterschießen im Halbfinale 2013/14. Und auch der letzte Gegner in der zweiten Bundesliga war der MSV, das 0:3 an der Wedau besiegelte den Abstieg in die damalige Noch-Regionalliga, die wenig später zur 3. Liga werden sollte (ebenfalls ohne Essener Anwesenheit, die Story ist wohl bekannt). Geschichte am Rande: Baris Özbek, heute im Duisburger Kader, spielte damals noch für den RWE.

Das letzte Spiel RWE-MSV mit einem positiven Ausgang für unser Team, an das ich mich erinnern kann, liegt schon über 20 Jahre (sic!) zurück: DFB-Pokal-Achtelfinale 1993/94. Fehler Rollmann kurz nach Anpfiff, Harry Kügler schnappt ihm die Kugel weg und erzielt die frühe Führung. Rückkehrer Jürgen Wegmann (sein erstes (?) Spiel nach seiner Rückkehr an die Hafenstraße) macht wenige Minuten nach seiner Einwechslung den Deckel drauf und erzielt das 4:2. Der Rest: auch hier Geschichte. Jena, Tennis Borussia, Finale gegen Bremen. Tatsächlich gab es danach 2004/05 noch einen einzigen 1:0-Sieg  in der 2. Liga (Torschütze: Lintjens) gegen die Duisburger, alle anderen Spiele gingen verloren.

Aber selbst wenn der MSV auch statistisch mit 7:13 Siegen bei 10 Unentschieden die Nase vorne – hat an der Hafenstraße ist für uns alles möglich. Besonders weil nicht mehr allzuviel auf dem Spiel steht, haben wir nichts zu verlieren. Wir können befreit aufspielen, denn blamieren kann sich nur der Noch-Drittligist.

Ich freue mich wahnsinnig auf diese Partie und wünsche uns allen, dass uns peinliche Aktionen wie Platzstürme, Pyro-Selbstinszenierungen und Polizeiaufmärsche (jaja, die Essener wieder… Nicht wahr, Herr Jäger?!) erspart bleiben. Lasst uns einmal mehr TV-Fußball-Deutschland zeigen, dass der RWE noch lange nicht von der Bildfläche verschwunden ist. Neunzig, vielleicht 120 Minuten plus Elferschießen Vollgas, auf dem Rasen, auf der Tribüne. Denn wir können nur gewinnen!

NUR DER RWE!

Hinaus mit Applaus

Als letzter Gegner in der Liga durften sich die Nachbarn vom Kanal im Stadion Essen präsentieren. Die Voraussetzungen für die Partie waren quasi perfekt: strahlender Sonnenschein, mehr als 13.000 Zuschauer, nur sportlich ging es für beide Teams wohl nur darum, sich nicht zu verletzen. 

Und so plätscherte die Partie dann auch gute 15 Minuten vor sich hin, ohne dass ein Team eine Torchance herausspielen konnte. Dann schickte zunächst Baier mit einem feinen Pass auf die Reise, dieser versuchte jedoch, mit seinem schwachen Fuß quer zu spielen, was leider gründlich misslang. Wenig später machte es der Kapitän dann selbst vor: Er zog aus zentraler Position rechts in den Strafraum und vollendete zur Führung.

Der Jubel sollte aber nur von kurzer Dauer sein. Ecke RWO, Kopfball – Ausgleich. Wettkönig Kaya hatte wohl noch die Fußspitze dran, so dass Heller nicht mehr reagieren konnte. 

Der Rest der ersten Halbzeit plätscherte vor sich hin, wobei Oberhausen wohl etwas mehr Spielanteile hatte. 

Dafür sollte die zweite Hälfte mit einem Paukenschlag beginnen: feine Direktpass-Kombination über Windmüller, Bednarski, Malura und Platzek zum 2:1. Es schien nicht nur, als ob RWO nur den Start verpennt hätte, von da an gehörte das Spiel unserem Team. RWO schien plötzlich nervös, wieder und wieder landeten Pässe in den Füßen unserer Spieler. So auch, als sich der eingewechselte Rabihic mit Grund und Platzek in einer 3 gegen 2-Überzahl wiederfand und statt dem von allen erwarteten Pass nach außen selbst abzog, den Ball aber nicht ganz traf, damit jedoch den Keeper für einen Moment auf dem falschen Fuß erwischte – 3:1.

Wenig später gelang den Kleeblättern mit einem sehenswerten 18m-Schlenzer zwar noch der Anschluss, dann vergab Rabihic aus guter Position (er hatte wohl zu viel Zeit zum Nachdenken) das 4:2. Kurz vor Schluss geriet unser Kasten noch einmal unter arge Bedrängnis, mit vereinten Kräften konnte der erneute Ausgleich jedoch verhindert werden. Letztendlich durften die Hausherren aber zum Abschluss noch einmal einen Heimsieg bejubeln, der nach der zweiten Halbzeit wohl auch so in Ordnung ging. 

Auffällig war, dass die ordnende Hand von Baier nach dem 3:2 und dem resultierenden Oberhausener Druck fehlte. Dies war nicht zum ersten Mal diese Saison der Fall. Hier scheint also Handlungsbedarf zu herrschen. Bednarski zentral zu stellen, dafür Platzek nach außen, macht optisch auf mich einen besseren, weil gefährlicheren Eindruck. 

Eine kleine Anmerkung zum traditionellen Integrationstag: so schön es auch ist, das Stadion vollzumachen und Leute ins Stadion einzuladen, die sonst aus verschiedensten Gründen keine Möglichkeit zu einem Besuch haben – ob Spiele der Marke „Goldene Ananas“ mit entsprechender Stimmung dazu förderlich sind, Neulinge mit RWE-Fieber anzustecken – ich weiß nicht… vielleicht könnte man darüber nachdenken, dass ganze Richtung Saisonstart, vielleicht 2. Heimspiel oder so zu legen. 

Dieser Sieg gibt jedoch noch mal Selbstvertrauen, denn ein Team von „da oben“ konnte im Zaum gehalten und besiegt werden. Und das ist nicht ganz unwichtig, schliesslich gibt es abseits der Liga noch ein weiteres Heimspiel in dieser Saison. Und gegen diesen Gegner würden wir ja gerne besser aussehen als die Jungs vom Canale Grande im Halbfinale.