Englische Woche de Luxe

Seit meinem letzten Blogeintrag ist eine Menge geschehen: In gleich zwei Spielen konnte Rot-Weiss als Sieger vom Platz gehen, dennoch bestimmten größtenteils negative Nachrichten die Berichterstattung um die Mannen von der Hafenstraße. Doch von vorne:

Mit einer Menge Anspannung machte ich mich samt Sohnemann am Dienstag Nachmittag auf den Weg nach Münster. Dabei hatte ich leider die Sperrung der A40 in Bochum vollkommen aus den Augen verloren, was mich gegen Ende der Anfahrt unter ziemlichen Zeitdruck setzte: Der Gästeparkplatz belegt, man verwies mich an einen Parkplatz beim örtlichen Discounter/Elektrofachmarkt jenseits der berühmt-berüchtigten Tanke an der Hammer Str., zehn Minuten Fußweg inklusive.

Am Ende erreichten wir das Preußenstadion gut 10 Minuten vor dem Anpfiff. Zum Spiel selbst ist wohl alles inzwischen hinlänglich bekannt: zwei kapitale Abwehrschnitzer und eine „vercoachte“ Taktik sorgten nach gut 30 Minuten für eine derbe Ernüchterung, zur Pause herrschte eine gespentische Stille im gut gefüllten Gästeblock und nur die wenigsten glaubten wohl ernsthaft noch daran, dass da noch was gehen würde. Was ich aber auch wahrgenommen habe: Es gab kaum Unmutsbekundungen. Ja, es wurde mal geraunt, aber diese Eskalationen à la „mit Neidhart wird das wieder nix“, „Grote kann halt keine Mannschaft mitreißen“ oder „was der Young da heute wieder spielt… der gehört auf die Tribüne“ scheint ein Phänomen der Online-Plattformen zu sein, zumindest kam da nichts in gehäufter Form, was ich wahrgenommen hätte.

Was ich aber durchaus wahrgenommen habe, war die Einsatzbereitschaft unserer Mannschaft, die – angeführt von Grote – eine phantastische zweite Halbzeit präsentierte. Schon wenige Minute nach dem Wiederanpfiff landete ein weiter Einwurf von Heber auf der Rübe von Bastians und dem Schlappen von Young, sodass Holzweiler den Anschluss erzielen konnte, dann traf Young nach feiner Einzelleistung, und Minuten vor Schluss war es „ausgerechnet“ Engelmann, der einen weiteren Schuss von Young in bester Eishockey-Manier nur noch ins Netz abfälschte – jener Engelmann, der in den vergangenen Wochen gleich mehrfach die allerbesten Chancen liegen ließ.

Wenig später war das Match vorbei und eigentlich hätten wir alle von diesem Erfolg über die weiteren Tage zehren können, wären da die unsäglichen Szenen nach dem Abpfiff gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war die Mannschaft auf dem Weg in die Kabine und wir unterwegs zum Auto, durch den Pulk der Münsteraner, was mir angesichts der überall zu sehenden Blaulichter ein äußerst mulmiges Gefühl in der Magengegend bereitete. Auch uns versuchten zwei uns zunächst entgegenkommende, dann verfolgende Fans mit entsprechenden Geräuschen und Gesängen zu provozieren, einige Münsteraner „Normalos“ sorgten aber mit einem besonnenen „Ach kommt, lasst die, die haben verdient gewonnen, sowas darfste nach 2:0 nicht mehr aus der Hand geben“ schnell für Ruhe.

Etwas mehr Besonnenheit hätte ich mir auch von Seiten der Münsteraner Offiziellen gewünscht, die schon Minuten nach dem Abpfiff sämtliche Beteiligung der eigenen Fans quasi wegredete und die alleinige Schuld auf Seiten der Gäste verortete. Natürlich mögen es nicht die Heimfans gewesen sein, die die Tore durchbrochen haben, aber sowohl Augenzeugenberichte als auch die Pressemitteilung der Polizei nennen hier auch beteiligte „120 Problemfans der Heimmannschaft“. Um es klarzustellen: Ich will hier nichts relativieren, ich habe null Verständnis für derartige Ausschreitungen. Aber es ist nicht einfach „die“ oder „die“, es ist komplexer. Es riecht förmlich nach Absprache, siehe zeitgleiches Zünden von Pyro etc. Es waren Berichten zufolge auch Anhänger anderer Vereine beteiligt. All das wird aufzuklären sein. Auch, warum die anwesenden Polizeikräfte nicht schneller eingegriffen haben, sondern sich beispielsweise das – wie auf mindestens einem Video zu sehende – Aufbrechen des Tores mit gutem Abstand zunächst beobachtet haben.

All diese Szenen sorgten natürlich im Rot-Weissen Umfeld für unnötige Unruhe bezüglich der Freitagabend-Partie gegen die ungeliebte Zweitvertretung der Blauen. Glücklicherweise bewahrheiteten sich die Befürchtungen nicht, die „schweren Jungs“ aus Gelsenkirchen könnten nach dem eigenen Spiel an der Hafenstraße vorbeischauen, und so konnte es zumindest atmosphärisch ein Spiel auf Top-Niveau werden. Über 90 Minuten halfen die Tribünen unseren Jungs dabei, gegen überraschend druckvoll agierende Gäste zu keiner Zeit wirklich in Gefahr zu geraten, sie trugen das Team über die gesamte Spielzeit. Dennis Grote (wer sonst) holte einen weiteren Hammer der Marke „Tor des Monats“ aus der Schublade – es sollte der goldene Treffer des Tages sein.

Ein paar Sorgenfalten kann man vielleicht aktuell angesichts der Chancenverwertung bekommen. RWE lässt aktuell zu viele Chancen liegen, hätte auch gegen die Blauen vorzeitig für die Entscheidung und ein weiter wachsendes Torkonto sorgen können, ja müssen. Solange man trotzdem gewinnt, fällt das alles natürlich nicht weiter ins Gewicht. Vielleicht bietet sich aber ein Vergleich mit der vergangenen Saison an: Während RWE damals nach sieben Spielen 15 Punkte auf der Habenseite hatte, sind es heute schon derer 18. Damals waren es zudem lediglich 12 Treffer, während es jetzt „schon“ 14 sind. Also kein Grund, in Panik zu verfallen.

Erolind Krasniqi, der seit seiner Rückkehr zu RWE immer wieder unter Beweis stellen konnte, was für ein großartiger Techniker und Offensivspieler er ist, kam in den Schlussminuten noch einen Schritt zu spät und kassierte prompt die rote Karte nach einem üblen Treffer gegen seinen Gegenspieler. Keine Absicht, trotzdem wohl korrekt. Vielleicht kommt er mit der Mindeststrafe davon, da er noch nie in dieser Form aufgefallen ist und auch der Zweikampf um den Ball im Vordergrund stand. Er wird Christian Neidhart in den kommenden zwei – x Spielen natürlich dennoch fehlen, obschon natürlich Alternativen durchaus vorhanden sind.

RWE hat nun gegen die Mannschaften auf Platz 2, 3 und 5 gespielt und gewonnen. Damit stehen wir ganz oben in der Tabelle und haben bei einem Punkt Vorsprung sogar noch das Nachholspiel gegen Fortuna Düsseldorf II in der Hinterhand. Dies ist eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Saison. Doch klar ist auch, dass kein Gegner unterschätzt werden darf, so auch nicht der SV Lippstadt, der sich aktuell im Mittelfeld der Tabelle befindet. Dort gilt es, den nächsten Dreier einzufahren, bevor uns dann gegen RWO eine erneut (corona-)ausverkaufte Hütte zu Hause erwarten wird.

Vorher wird RWE am Mittwoch in Bottrop die erste Runde im Niederrheinpokal bestreiten – dort werden sicher einige Spieler auflaufen, die nicht zu den ersten 12-14 Spielern gehören, die wir ansonsten in der Startelf erleben. Etwas anderes als ein Weiterkommen wäre dennoch eine riesige Sensation.

Die Bank gewinnt

Bevor es morgen ins Münsterland geht, möchte ich nochmal einen kleinen Blick zurück auf den Freitagabend werfen, an dem der VfB Homberg zu Gast an der Hafenstraße war.

Anfangen möchte ich beim Offensichtlichen: Die 9000 Zuschauer auf den Rängen machen ordentlich Rabatz und machten die letzten anderthalb Jahre der atmosphärischen Tristesse schnell vergessen. Zu keinem Zeitpunkt kam auch nur der Hauch von Unruhe auf, auch nicht in der Phase zwischen Anpfiff der zweiten Halbzeit und dem 2:0, als der VfB frecher wurde und seine Chancen in der Flucht nach vorne suchte.

Das bringt uns gleich zu den Toren: Dreimal äußerst sehenswert konnte RWE einsetzen: Zunächst konnte Dürholtz den Gästekeeper per Lupfer aus der Distanz überwinden, nach einer von Neuzugang Bastians verlängerten Ecke stand Rios Alonso in bester Stürmermanier vor dem Tor und vollstreckte mit der Hacke, und dann zeigte RWE ein feines Direktpassspiel und Krasniqi schlenzte den Ball ins Tor.

Dieses 3:0 machte deutlich, wie wichtig die starke Besetzung der RWE-Bank tatsächlich ist: Bastians auf Krasniqi, der auf Kefkir, bekommt den Ball zurück – drin. Allesamt eingewechselt – Die Bank gewinnt! Das könnte in der Tat ein dickes Plus werden in dieser Saison: Wir haben Qualität auf der Bank, wie wir sie auch letzte Saison so nicht vielleicht nicht hatten. Gegen Fortuna Köln wirbelte Harenbrock die Abwehr der Gäste durcheinander, nun war Krasniqi nicht zu halten. Bastians war an zwei Treffern beteiligt und hatte mindestens zwei weitere Offensivaktionen. Und ich persönlich habe das Gefühl, dass auch Heim oder Voelcke, die sich bislang nur kurz zeigen konnten, oder auch ein Niemeyer, wenn er denn mal fit wird, durchaus keinen Leistungsverlust auf dem Platz bewirken würden. Einzig bei Langesberg, der zugegebenermaßen „auf dem Papier“ eine ordentliche Regionalligagröße ist, bin ich mir nicht so sicher, ob wir ihn so schnell nochmal im RWE-Trikot sehen werden, wenn sich niemand verletzt oder gesperrt ist. Aber: Nur ein Gefühl, kann ich nicht belegen.

Beeindruckend war das Spiel aber auch insgesamt: Im ersten Durchgang konnte Homberg keinen einzigen Torschuss auf den Kasten von Davari abgeben, in Halbzeit zwei traf ein einziger Ball den Außenpfosten und das war es schon mit der schwarz-gelben Herrlichkeit. Der Gegner wurde über 90 Minuten absolut dominiert und das ist genau das, was man im Stadion Essen auch erwarten kann.

„Man of the Match“ wohl einmal mehr Daniel Heber, der sämtliche Angriffsbemühungen mit dem gewohnten Stellungsspiel im Ansatz unterband, auch Grote und Dürholtz sehr auffällig. Simon Engelmann hat derzeit Kacke am Schuh, aber auch er wird wieder treffen. Dass ihm mindestens ein lupenreiner Treffer (wenn nicht sogar zwei) wegen einer Abseitsstellung aberkannt wurde, taucht in keiner Statistik mehr auf. Auch nicht der Lattentreffer, den er zuvor in Kooperation mit einem Abwehrspieler fabrizierte – schade für den Torjäger, der sich sicher am meisten ärgert, dass die Kugel einfach aktuell nicht ins Netz will.

Ein perfekter Zeitpunkt, den Knoten platzen zu lassen, würde sich ja morgen bereits bieten. In Münster kommt es zum Duell der beiden größten Aufstiegsfavoriten, wenn man den Einschätzungen der Fachpresse glauben darf. Nach einem blitzsauberen Start konnten die Preußen zuletzt gegen Rödinghausen und Ahlen nur zwei Punkte einfahren – bei allem Respekt für die genannten Teams hat man sich das an der Hammer Straße wohl anders vorgestellt. Trotzdem steht der SCP ganz oben in der Tabelle, hat aber im Vergleich zu den Verfolgern ein Spiel mehr absolviert und könnte somit „brutto“ noch überholt werden – auch von RWE.

Es ist sicher kein Finale, das über den Aufstieg in dieser frühen Phase eine Vorentscheidung darstellt, aber klar ist auch, dass beide Mannschaften auf gar keinen Fall verlieren wollen und sich auch nichts schenken werden.

800 Fans aus Essen werden vor Ort mit dabei sein, das ist etwas mehr als 10% des gesamten zulässigen Gesamtwerts von 7500 Zuschauern. Es wird also brennen auf den Rängen. Ich nehme auch gerne drei Punkte mit zurück in den Pott, ich bin sicher, die Mannschaft wird sich auch für dieses Ziel förmlich zerreißen.