Es muss sich etwas ändern – schnell!

Es ist eine Weile her, dass ich einen Blogbeitrag unmittelbar nach einem Spiel verfasst habe, ohne mindestens eine Nacht lang die Eindrücke zu verarbeiten. Heute, nach dem 1:4-Debakel gegen Viktoria Köln, brennt es mir in den Fingern.

Meine liebe Leserschaft, ihr wisst, dass ich ein absoluter Optimist bin, jemand, der immer das Positive sucht. Heute fällt mir das jedoch echt schwer. Ich bitte dennoch darum, den folgenden Text nicht als Verriss, als „Alles-in-Frage-stellen“ zu verstehen. Ich glaube fest daran, dass wir heute nicht drei Tore schlechter als Köln waren, aber wir waren in vielen Dingen zu naiv, zu ausrechenbar.

Dabei fing alles so gut an. Dabrowski hat offenbar den Wunschzettel der Medien genommen und die Mannschaft fleißig verändert: Herze raus, Römling rein. Sponsel für Plechaty, Eisfeld für Tarnat und Harenbrock für eine Doppelspitze Engelmann/Berlinski geopfert. Und unsere Mannschaft zeigte ein engagiertes Spiel und schaffte es in den ersten 20 Minuten, den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten. Eigene Torchancen blieben jedoch Mangelware, ich habe aus dieser Phase lediglich einen Distanzschuss von Eisfeld in Erinnerung, der den Kölner Keeper zum Einsatz zwang. Doch der Einsatz stimmte, Rother und Eisfeld liefen die Lücken im Mittelfeld weitestgehend zu, man stand im Defensivverbund dem Gegner auf den Socken und ließ nicht locker. Bis dahin alles tacko.

Dann jedoch kam aus heiterem Himmel ein kleiner Bruch ins Spiel, vielleicht weil die Kölner sich besser fingen, weil sie viele kleine Fouls zogen und so keinen Spielfluss aufkommen ließen. Plötzlich wurden auch die Pässe unserer Jungs ungenauer, die Ballannahmen… lassen wir das.

Römling spielt einen Traumpass auf einen Kölner, löscht dann aber selbst noch. Soweit, so gut. Dass aber nach dem folgenden Einwurf drei Spieler es nicht schaffen, den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen oder zumindest – wie gegen Elversberg – die Flanke zu unterbinden, darf nicht passieren. So kommt Heber einen Schritt zu spät und es steht 0:1.

Nach dem Tor passierte auf beiden Seiten nicht mehr viel, bis zur Elferszene. Im Stadion war ich sicher, dass Heber ausschließlich den Ball spielt, nach Sichtung der Szene muss ich sagen, dass der Ball das einzige ist, was Heber sicher nicht trifft. Klarer Elfer, Risse lässt sich das mit seiner Routine nicht nehmen.

Gut, denkste, nach dem Wechsel nochmal alles in die Waagschale werfen, vielleicht kommt man nochmal zurück. Pustekuchen. Unmittelbar, bevor Dabrowski Harenbrock und Kefkir bringen will, gibt es Ecke für die Gäste, Bastians verlängert die Kugel ins eigene Netz. Drops gelutscht.

Dass Dabrowski auf die Einwechslung verzichtet, bis der Ball nach dem Wiederanstoß das nächste Mal im Aus ist, ist zumindest erst einmal befremdlich, es mag jedoch Gründe dafür geben. Die beiden kamen dann schließlich für Römling / Umstellung auf Dreierkette bzw. Ennali. Und was soll ich sagen? Kefkir zeigte, dass er dritte Liga kann. Sofort präsent, immer wieder den Ball fordernd, eine ganze Reihe Flanken… Und siehe da, nach einer Kefkir-Hereingabe verlängert Heber den Ball vors Tor und Engelmann drückt ihn mit der Hüfte über die Linie. Zwar reklamiert Köln noch Handspiel, der Treffer zählt dennoch.

Jetzt stellte RWE nochmal um, Bastians blieb vorne, um lange Bälle festzumachen. Dürholtz für Berlinski, Eisfeld (!) runter (!!!) für Loubongo, schließlich noch Herze für Rother. Mit dem Abpfiff dann ein weiterer Konter, wo ich mir denke, dass man so einen Angreifer auch mal stören darf. Aber was weiß ich schon.

Ich bin jedenfalls angefressen. Ist das dieses „verlieren müssen wir lernen“, von dem viele, auch ich, vor der Saison gewarnt haben? Ich hätte nicht gedacht, dass es sich dabei um derartige Ohrfeigen handelt, die wir kassieren.

Aus meiner Sicht haben wir aktuell viele, viele Baustellen. Ich bitte nochmal darum, das Folgende nicht als „Alle raus!“ zu werten. Das gilt insbesondere für den Fall, dass das hier einer der Spieler liest. Der Einsatz war heute sicher nicht das Problem. Aber es sind diese Kleinigkeiten, die sich aufsummieren. Wo fängt man da an?

Unser aktuell meiner Meinung nach größtes Problem: Die Defensive. Mit Sponsel auf rechts waren wir heute weniger anfällig auf dieser Seite, das kann man sicher so lösen. Nach einem Ausflug nach vorne rennt er seinem Gegenspieler vergeblich hinterher, in der Folge muss Rother zum Foul greifen und sich den gelben Karton abholen. Auf links habe ich aber nichts gesehen, was Herzenbruch nicht ebenso gut hätte lösen können. Hatte Römling in Duisburg noch ein paar Szenen, die in Richtung Spieleröffnung positiv in die Waagschale fielen, so war davon heute recht wenig zu sehen. Dennoch ist Römling sicher keine Verschlechterung, auch hier gehe ich mit, dass man das so aufstellen kann.

Bastians mit seinem Kopfball-Eigentor natürlich ein Pechvogel. Er geht aber immerhin voran, was Körpersprache angeht. In der Schlussphase als Passempfänger vorne geparkt, dennoch werde ich den Gedanken nicht los, ob er nicht die bessere Option für die linke Außenverteidigerposition ist, da er zum einen recht gute Flanken schlägt und auf dieser Position auch immer mal gefährlich im Strafraum auftauchen könnte. Alternativen für die Innenverteidigung sind mit Herzenbruch und Rios Alonso jedenfalls vorhanden.

Leider müssen wir an dieser Stelle aber dann auch über Heber sprechen. Schon gegen Elversberg, da mit einer gelben Karte im Nacken, war er nicht der zuverlässige Innenverteidiger, wie wir ihn in der Regio erleben durften. Heute hat er mindestens bei zwei Treffern einen Anteil. Beim 0:1 ist er einen Schritt zu langsam, der Elfer geht auf seine Kappe. Dazu kommen immer wieder über die Schnittstelle Heber/Außenverteidiger die Anspiele in den Sechzehner an, die auch heute wieder mehrfach für Gefahr vor dem eigenen Kasten gesorgt haben. Vielleicht ist auch hier mal eine Pause hilfreich. Ich hatte heute den Eindruck, dass er auf die Pässe erst reagiert, anstatt sie vorherzusehen.

In der Zentrale waren Eisfeld und Rother weitestgehend solide, letzterer dabei aber eher unauffällig. Rother musste wie erwähnt Gelb ziehen, weil Sponsel sich vorne verzettelt hatte und ihm der Gegenspieler davonzueilen drohte, Eisfeld mit Gelb nach einer (ohne TV-Bilder) zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidung. Dennoch sind auch die beiden aufgeschmissen, wenn die von ihnen eroberten Bälle von den Mitspielern, in dem Fall meist Ennali und Young, unmittelbar wieder verloren gehen. Überhaupt: Young heute total indisponiert, scheint in der Liga noch verstehen zu müssen, dass er nicht durch drei Gegenspieler einfach durchlaufen kann. Ennali kann für sich vielleicht noch reklamieren, dass er mehrfach im 1-gegen-1 gescheitert ist, aber „nach hinten“ hat er auch keinen Ball wirklich gut angenommen und verteilt. Hier frage ich mich, warum der Trainer nicht früher auf Kefkir setzt, der Eindruck eines „Trainer-Bonus“ für Ennali macht sich bei mir etwas breit. Spätestens zur Pause wäre der Ötzi meines Erachtens die bessere Option gewesen, vielleicht eher für Young als für Ennali. Und insgesamt möchte ich Kefkir ab sofort in der Startelf sehen. Sein Einsatz war vorbildlich und über seine Seite strahlte sofort so etwas wie Gefahr aus.

Die Standards: Zuletzt in der Regio eine Waffe, heute unterirdisch. Zur Halbzeit 6:0 Ecken. Davon eine über Hüfthöhe. Das geht so nicht, nicht auf diesem Niveau. Auch die Freistöße aus dem Halbfeld müssen einfach in den gefährlichen Bereich und nicht in bester Holger-Karp-Manier auf den erstbesten Gegenspieler. Auch hier könnte die Antwort lauten: Kefkir. Aber auch Eisfeld kann das eigentlich besser.

Kommen wir zum Sturm. Nach dem Engelmann-Treffer in Duisburg, der das Unentschieden einleitete, setzte Dabrowski heute auf ihn im Zusammenspiel mit Berlinski. So leid es mir tut, dieses Experiment muss als gescheitert gewertet werden. Mir ist nicht klar, ob Engelmann hinter Berlinski die Bälle (welche eigentlich) verlängern sollte, ob beide in die Box als Ziele für Young und Ennali gehen sollten oder wie der Plan dahinter war. Beide zusammen sind für mich eher ein Ansatz für die Brechstangen-Phase. Berlinski, der nach Abpfiff sichtlich gerührt kaum fassen konnte, dass die Mannschaft noch Applaus bekam, lebt sicher von seiner Einsatzfreude, die vom Publikum in Essen IMMER honoriert wird. Aber das ist insgesamt eher brotlose Kunst. Der rennt sich die Lunge aus dem Leib, aber mit Effizienz hat das nicht viel zu tun, weil von fünfmal Anlaufen der Keeper den Ball einmal ins Aus drischt und sonst nur müde lächelt. Und überhaupt: Wenn beide spielen, wie will man in der Zentrale nochmal nachlegen? Zudem nimmt man der Mannschaft mit der Doppelspitze + Zange Ennali/Young eine Kreativ-Stelle der Marke Harenbrock.

Mit Ennali, Young, Engelmann und Berlinski hatten wir vorne vier Spieler in der Offensive. Da darf man sicher mehr erwarten als eine Handvoll halbgarer Torchancen. Die Fehler in der Defensive müssen abgestellt werden, und das nicht erst in ein paar Wochen. Hier ist vor allem der Trainer gefragt, der jetzt schon vom „Schalter umlegen“ spricht. Wenn der Bock umgestoßen werden soll, sollten alle Alarmglocken angehen. Nein, aus den drei kommenden Partien braucht Dabrowski mindestens 5 Punkte, sonst wird die Luft für ihn dünner und die vereinzelten Stimmen, die ihn schon jetzt in Frage stellen, deutlich mehr werden. Auch das Transferfenster ist noch offen, vielleicht findet sich ja noch der eine oder andere gestandene Mann, wobei dann vermutlich auch noch der eine oder andere Aufstiegsheld uns verlassen müsste.

Von den „alten Hasen“ erwarte ich, dass sie jetzt voran gehen. Bastians, Eisfeld, Rother und Kefkir, so er denn spielt, müssen die Mannschaft mitreißen. Sie haben die nötige Erfahrung für die Liga und müssen den „Frischlingen“ Feuer unter dem Hintern machen. Und auch hier muss doch ein Trainer erkennen, dass diese Figuren weder erst in der Schlussphase aufs Feld gehören, noch dass sie als erste raus müssen. Harenbrock, Tarnat und wie sie alle heißen – sie alle können was am Ball. Aber sie brauchen Spieler, an denen sie sich orientieren können, Leute, die sagen, wo es langgeht. Die auch mal deutliche Worte finden, wenn etwas nicht klappt.

Noch hat die Mannschaft Kredit bei den Fans, das bleibt sicher aber nicht ewig so. Wir sind aktuell die Schießbude der Liga, und wenn man genau hinhört, kann man hören, wie man sich in Münster, Oberhausen und Wuppertal über uns kaputtlacht. Ich mag nicht daran glauben, dass diese Mannschaft, die uns in weiten Teilen in der letzten Saison Freude bereitet hat, nicht die Qualität für die 3. Liga hat.

Nochmal: Wir waren heute nicht drei Tore schlechter. Ohne den Elfer, den man hätte vermeiden können, ohne das unglückliche Eigentor haben wir einen komplett anderen Spielverlauf und sind in meinen Augen sogar ebenbürtig. Aber wir dürfen uns solche Fehler eben nicht erlauben.

Es muss sich was ändern! Schnell! Bis Samstag!

Mentalität!

Als unsere Mannschaft am 14. Mai den lang ersehnten Aufstieg geschafft hatte, haben sich auf meinem Handy viele, viele Leute gemeldet, die mit Fußball im Allgemeinen oder auch RWE im Speziellen nichts am Hut haben. Der allererste war dabei ein alter Kumpel, der ehemalige Drummer unserer kleinen, aber erfolglosen Band „Going Nowhere“, seines Zeichens MSV-Fan durch und durch. Über die Jahre musste ich von ihm so manchen Spruch einstecken, er hatte aber immer betont, dass er mich zum Spiel „mit allem Zipp und Zapp“ einladen würde, sollte RWE nochmal den Sprung in dieselbe Liga schaffen wie die Zebras. Dieses Versprechen hat er am Freitag dann auch eingelöst.

Wir starteten in Mülheim und sammelten noch seinen sehbehinderten Kumpel ein, den er als Begleitperson betreut. Großer Vorteil: So konnten wir quasi unmittelbar am Stadion parken, keine 50m bis zu einem Seiteneingang neben dem MSV-Mannschaftsbus. Nachteil: Natürlich waren wir umgeben von Zebras allüberall, und ich lief in neutraler Kleidung auf, da ich ja ahnte, wo ich landen würde.

Über einen Aufzug kamen wir dann hinter unseren Block, direkt angrenzend zur Hintertortribüne auf Duisburger Seite. Zunächst einmal war alles wie auch an der Hafenstraße: Es wurde reichlich Bratwurst und Bier (Köpi *würg*) konsumiert und über das Spiel philosophiert, das einzige, was mich störte, war die blaue Farbe überall. Einer meiner Gedanken: „Als ob jemand an der Farbe am Fernseher rumgefummelt hat!“ Mein Kumpel bestellte also lautstark „zwei Stauder für mich und meinen Essener Kumpel“ und ich suchte prophylaktisch nach dem schnellsten Fluchtweg. Ich muss gestehen, dass mir nicht so ganz behaglich war. Und warum man KöPi einem Stauder vorziehen kann, erschließt sich mir auch nicht.

Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff gingen wir dann in den Block und stellten fest, dass die Dame, die sich bei der Tickethotline um mein Ticket kümmern sollte, mich auf der komplett anderen Seite verortet hatte. Also erst einmal nix mit zusammensitzen, was wir jedoch angesichts vieler freier Plätze im Bereich für Zuschauer mit Sehbehinderung zunächst dennoch taten. Erst als die Ordner unentspannter wurden, zogen wir gemeinsam in eine etwas leerere Reihe (etwa Höhe Torlinie vor der Duisburger Kurve) um, lauschten Zebratwist (leider beeindruckend laut) und Co. und warteten auf den Anpfiff.

In dem ganzen Trubel ist mir gar nicht aufgefallen, dass unsere Aufstellung mit der aus dem Elversberg-Spiel übereinstimmt. Meine Verwunderung / Aufregung darüber hielt sich also in Grenzen, ich kann im Nachgang aber die Erklärung des Trainers durchaus nachvollziehen.

Leider begann das Spiel alles andere als gut, nach einem ersten Abschluss über den Kasten und einer (ja, was war das eigentlich für eine) Aktion im Mittelfeld von Tarnat und Plechaty nach eigenem Standard dann der bekannte Eckball, nachdem Heber in höchster Not geklärt hatte. Plechaty meines Erachtens hier nicht mit dem notwendigen Stellungsspiel, auch Berlinski konnte den Kopfball nicht verhindern und der Ball senkte sich zum 0:1 in unseren Kasten.

Meine schlimmsten Befürchtungen, wir könnten erneut übel unter die Räder geraten, schienen sich zu bewahrheiten, auch weil der MSV das druckvollere Spiel präsentierte, doch diesmal konnte zumindest in der Innenverteidigung Schlimmeres abgewendet werden. Besonders über die Plechaty-Seite konnte der MSV sich aber immer wieder durchsetzen, das darf so auf Dauer nicht mehr passieren.

Nach Flanke von Rother und Ablage von Berlinski hatte Heber das 1:1 auf dem Schlappen, traf freistehend jedoch nur die Latte. Es wäre zu diesem Zeitpunkt durchaus ein überraschender Treffer gewesen – ich hätte ihn trotzdem genommen.

Momente vor dem Seitenwechsel dann eine kleine Unsicherheit bei Golz, dem Duisburger Senger fällt der Ball vor die Füße, er spielt die Kugel jedoch nicht ins Tor sondern parallel zur Torlinie – Glück für RWE. Fast im Gegenzug dann erneut die Chance zum Ausgleich, diesmal zieht Ennali seinem Bewacher davon, hat am Ende aber nicht mehr genug Tempo, um noch abzuschließen, sodass die Szene schließlich verpufft.

Als dann schließlich Pause ist, merke ich, wie angespannt ich bin. Inmitten sichtlich gut gelaunter Zebras stand ich da und ließ die vergangenen 45 Minuten Revue passieren. Nein, das war nicht der Kampf, den ich von meiner Mannschaft erwarte, aber es war doch besser als noch zwei Wochen zuvor. Aber da musste doch noch mehr gehen. Wo waren die eigenen Druckphasen? Wann bekommt man endlich mal zwei, drei Chancen kurz hintereinander? Oder ein paar Standards?

Dabrowski reagiert zur Halbzeit und bringt mit Sponsel für Plechaty mehr Stabilität hinten rechts, in der Zentrale löst Eisfeld Harenbrock ab und erzeugt so etwas mehr Robustheit im Spiel nach vorne. Die Pause an sich (samt an Peinlichkeit kaum zu übertreffendem Torplanenschießen) vergeht wie im Wind, und auch meine Hoffnung, irgendwie noch einen Punkt von der Wedau zu entführen, hält nicht länger. Ausgerechnet erneut nach einem eigenen Standard spielt der MSV einen mustergültigen Konter, Stoppelkamp lässt Young ins Leere laufen und vollendet leider ziemlich perfekt zum 0:2. Sein anschließender Jubel vor den ausrastenden Fans, mit dermaßen breiter Brust und der gefühlt selben Ablehnung gegenüber RWE ist dann leider auch imposant, und innerlich bereite ich mich auf die nächste Klatsche vor. Ich will weg von diesem Ort, der offenbar nach 2007 wieder einmal nur Häme und Demütigung für mich parat hält. Mein Kumpel hingegen genießt den Spielstand sichtlich, fügt aber an: „Warte mal ab, das ist der MSV. Das ist noch nicht durch!“

Dabrowski reagierte erneut, schickte Engelmann für den unauffälligen Tarnat und Römling für Herzenbruch auf den Platz. An diesem Freitag Abend stachen alle Wechsel, auch Römling erwischte einen guten Tag, setzte mit einer Grätsche direkt mal ein Zeichen und wirkte auch insgesamt sehr dynamisch. Überhaupt: An Einsatzwillen mangelt es der Mannschaft ganz gewiss nicht. Da wird um jeden Ball gefightet, auch wenn die Kugel beim MSV insgesamt etwas besser läuft. Und Engelmann? Der macht, was ein Engelmann halt so tut: Langer Ball in Richtung Ennali, vom Fuß eines Duisburger Verteidigers gelangt der Ball nach außen zu Berlinski, dessen Abschluss zunächst noch geblockt wird, doch dann hat er den Blick für den völlig freistehenden Engelmann, der aus 15 Metern Müller keine Chance lässt. Der Engelmann, den der Podbolzer-Podcast neulich noch als „keinen Drittligastürmer“ bezeichnet hat, den „Mai auffrisst“. Genugtuung.

Neben mir wird mein Kollege unruhig: „Drei Minuten habt ihr, um auszugleichen. Wenn wir die überstehen, gewinnen wir!“ Tja, der Mann kennt seinen Club wohl sehr gut. Eisfeld bekommt den Ball an der Mittellinie, wird nicht angegriffen und spielt einen perfekten Pass auf Ennali in den Sechzehner, der Mai, einen Baum von einem Mann, wie einen Maibaum einfach stehen lässt und volley ins lange Eck einschiebt. Ekstase hinter dem Tor, von mir nur ein verkniffenes „Jawoll“. Man kackt dem Gastgeber halt nicht aufs Buffet.

Zwanzig Minuten vor dem Ende also alles wieder ausgeglichen, und plötzlich schwang das Pendel auf die rot-weisse Seite, die Mannschaft zeigte Einsatzbereitschaft, Siegeswillen. Immer wieder zogen die Jungs Freistöße, der erfahrene Patrick Ittrich, einer der besten Schiris in diesem Lande, hatte dennoch keine Probleme mit der Spielleitung, nie wurde es komplett unfair oder einseitig entschieden.

Jedenfalls segelte nun Standard um Standard in den Duisburger Sechzehner und nur selten kam es noch zu wirklicher Entlastung für die Zebras. Die Hereinnahme von Kefkir letztlich verschärfte dies noch einmal, denn auch er brachte weiteren Druck über außen. Die dickste Szene gab es vor dem Schlusspfiff. Young passt auf, als dem MSV ein Abspielfehler unterläuft, bringt den Ball zu Engelmann. Der wird von Kefkir hinterlaufen und spielt ihm den Ball zu. Flanke an den langen Pfosten, Bastians per Flugkopfball – leider genau auf Müller, das hätte der Siegtreffer sein können.

So blieb es beim 2:2, das – so mein Eindruck – auf MSV-Seite wie eine Niederlage aufgenommen wurde. Auch hier kann ich bestätigen: Die Kommentare nach so einem Spiel sind identisch mit denen bei uns.

Der prominente MSV-Fan Joachim Llambi forderte vor dem Spiel einen Kantersieg (4:0) gegen ein Essen, dass „nicht mehr als Rödinghausen, Bocholt oder Düren“ sei, alles andere werde die Diskussionen nur anheizen. Schön, dass der Kollege auf den Boden zurückgeholt wurde. Dann darf ja jetzt fleißig diskutiert werden.

Diskussionen wird es sicher auch noch im Trainerteam um die Aufstellung für das Spiel morgen gegen Viktoria Köln geben, denn Eisfeld mag zwar im Anlaufen nicht so dynamisch sein wie Harenbrock, hat dem Spiel aber mehr Sicherheit und auch Zug nach vorne gegeben. Dass wir mit Kefkir einen der Top-Assistgeber der letzten Saison draußen lassen, ist sicher auch so ein Luxusproblem, Ennali dürfte hier durch seinen Treffer und seine zwei, drei guten Antritte noch die Nase vorn haben. Hinten rechts erwarte ich für morgen eher Sponsel. Ob Herzenbruch oder Römlich links beginnen, ist sicher eher die Antwort auf die Frage nach Tempo nach vorne oder Robustheit nach hinten. Auch das wird abzuwarten sein.

Dennoch: RWE hat Freitag Abend Mentalität bewiesen. Nach 0:2 gegen DIESE Fans auswärts nochmal zurückgekommen, das muss Rückenwind geben. Von „angekommen in der Liga“ möchte ich noch nicht sprechen, aber wir sind auf einem guten Weg. Und eins ist auch klar: Dieser Weg wird uns noch einiges an Geduld abverlangen. Nach dem West-Doppelpack Köln/Dortmund, in denen ich vier Punkte als realistisch ansehe, erwartet uns mit Ingolstadt der erste Brocken, und bis Aue und Osnabrück ist es auch nicht mehr so lange hin. Nicht all diese Spiele werden wir gewinnen, da muss man kein Prophet sein. Aber einen guten Kampf werden wir hoffentlich abliefern.