Nix zu holen bei den Fohlen

Ein weiser Mann* schrieb nach der heutigen Partie gegen die Zweitvertretung von Borussia Mönchengladbach:

„Immer wenn du denkst, dass du mit Rot-Weiss Essen das Licht am Ende des Tunnels siehst, steht da am Ausgang jemand und schaltet hämisch lachend das Licht aus.“

Tja, das beschreibt die Situation um unseren Lieblingsclub eigentlich sehr gut. Nach dem tollen Saisonstart und den durchwachsenen Ergebnissen der vergangenen drei Partien – die aus moralischer Sicht kaum zu kritisieren waren – war RWE gefordert: Viktoria und Dortmund hatten gestern ihre Spiele gewonnen und es galt, den Kontakt zu halten. Die Hoffnung, die Saison könnte mit dem Platz an der Sonne gekrönt werden, die wohl jeder RWE-Fan mehr oder weniger insgeheim hatte, diese Hoffnung zerfällt gerade ein wenig.

Vorweg: Die Partie heute durfte ich zudem als Co-Kommentator von Radio Hafenstraße mit übertragen und so eine völlig neue Perspektive erleben. Da sieht man mal, dass es nicht so leicht ist, die komplette Spielzeit dauerhaft mit Inhalt zu füllen. Trotzdem hat es sehr viel Spaß gemacht, die Ereignisse auf dem Platz zu schildern. Ich hoffe, ich habe meinen Job gut gemacht. Jederzeit gerne wieder!

Diesmal gab es eine Änderung in der Aufstellung: Für den zuletzt glücklosen Wirtz kam Urban von Beginn an zum Einsatz, Grund rückte dafür in die Zentrale, Baier gab die hängende Spitze.

Von Beginn an war das Spiel zunächst geprägt von viel „Klein-klein“ im Mittelfeld. Die Fohlen riegelten ihre Hälfte im „Mitteldrittel“ des Spielfeldes ab und zwangen RWE damit immer wieder zu Fehlpässen im Mittelfeld oder zu langen Bällen über außen, die aber nicht den notwendigen Druck aufbauen konnten, das Spiel weiter nach vorne zu verlagern. Und so dauerte es gut 20 Minuten, bis mal etwas wie Torgefahr aufkam: Heber setzt sich außen durch und schlägt einen scharfen Pass in die Mitte, der nur knapp von den Gladbachern geklärt werden kann.

Wenig später erkämpft sich Scepanik den Ball durch Anlaufen des Innenverteidigers, Baier nimmt den Ball auf, zieht in den Sechzehner – der Ball streicht Zentimeter am Kasten vorbei. Einen Moment später wird Bichler rechts geschickt, flankt halbhoch in die Mitte, wo Scepanik das Kunststück schafft, am Ball vorbeizutreten. Drei dicke Chancen, dreimal vergeben.

Chancen danach auch auf der anderen Seite. Zuerst kombinieren sich die Gladbacher in unseren Strafraum – Raeder klärt per Fußabwehr. Dann fliegt ein langer Ball über alle hinweg und landet im Sechzehner beim völlig blank stehenden Kraus, der den Ball noch in aller Seelenruhe annehmen kann – und dann daneben schießt. Dann jedoch das Tor des Abends: aus einer Körperdrehung wird ein Ball schnell hinter Zeiger und Becker durchgesteckt, Pisano kann sich die Ecke ausgucken – keine Chance für Raeder. Diese drei Szenen fanden innerhalb von nur drei Minuten statt…

Einerseits hatte sich RWE zu diesem Zeitpunkt gerade etwas Oberwasser herausgespielt, andererseits auch um das Tor gebettelt. Einfach unfassbar. Doch RWE hatte noch die Chance zum Ausgleich vor der Pause: Wieder über rechts eine Flanke in die Mitte, die Brauer aufs Tor verlängert – Pfosten. Der Abpraller von Baier wurde leider dann zur Ecke geblockt, die keine Gefahr einbrachte. Mit 0:1-Rückstand ging es also in die Pause.

Nach dem Wechsel verlegten sich die Gladbacher darauf, Zeit von der Uhr zu nehmen. Entlastungsangriffe gab es nur noch sporadisch und halbherzig. Stattdessen baute RWE mehr Druck auf, konnte jedoch auch hier zunächst nicht die gut organisierte Fohlen-Abwehr durchbrechen. Es dauerte bis etwa zur 60. Minute, bis RWE sich erstmals eine Chance herausarbeiten konnte. Kevin Grund kam im Sechzehner zum Abschluss, wurde aber dabei durch einen Abseitspfiff jäh unterbrochen – aus meiner Position leider nicht aufzulösen, ob der Schiri hier richtig lag.

Wenig später schraubte Karsten Neitzel das Risiko erneut hoch, nahm den soliden Urban vom Platz und brachte Enzo Wirtz für die Zentrale, während sich Grund wieder hinten links einsortierte. Doch auch in dieser Partie war es wieder ein Standard, der für Gefahr sorgen sollte: Freistoß aus dem Halbfeld von Baier, Zeiger verlängert – und der Pfosten rettet erneut. Der Ausgleich wäre zu diesem Zeitpunkt sicher verdient gewesen, denn hier dominierte nur RWE die Partie.

Der Alu-Treffer wirkte nochmal beflügelnd, doch mehr als ein paar Eckbälle kamen am Ende nicht heraus, auch wenn eine davon gerade noch auf der Linie geklärt werden konnte. Auch ein Schuss von Wirtz kullerte am Tor vorbei, so dass es bei dem 0:1 leider blieb.

Somit ist RWE nun seit vier Spielen ohne Sieg, hat nur zwei von zwölf Punkten geholt, was sicher angesichts des guten Saisonstarts zu wenig ist. Von der Moral her gesehen gibt es erneut kaum Grund zur Kritik, die Mannschaft hat sich unmittelbar nach dem Gegentreffer aufgerappelt und gegen die Niederlage gestemmt – man müsste nur mal das Tor auch irgendwann machen. Deutlich zu bemerken ist das Fehlen eines Unruhepols wie Pröger oder auch Platzek einer wären – hier ist zu wenig Unruhe im Zentrum. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es richtig war, nicht auf Teufel komm raus noch einen Spieler zu verpflichten und so die eigenen Spieler als „nicht gut genug“ zu brandmarken, was sicher Vertrauen gekostet hätte. Zu den Verletzten kam noch diese unsäglich dumme rote Karte, die sicher auch nicht in der Form einkalkuliert wurde. Natürlich gibt es auch genügend Argumente in die andere Richtung, aber das ist vielleicht mal ein Thema für einen späteren Beitrag.

Fakt ist jedoch: Der Kontakt zur Spitze ist erst mal weg, am Sonntag gegen Aachen muss gewonnen werden, komme, was wolle. Und damit haben wir wieder ziemlichen Druck auf der Mannschaft, die noch zu allem Überfluss auf eine wiedererstarkte Alemannia trifft. Auf die Spitze sind es (Dortmunder Nachholspiel-Sieg vorausgesetzt) sechs Punkte. Das ist viel, aber noch nicht zu viel, zumal ja beide Spiele gegen die Borussen auch noch anstehen. Wir sollten aber schleunigst die Kurve bekommen.

*Weiteres vom weisen Mann unter diesem Link.

Ein erster Blick auf die Tabelle

Die Samstagsspiele des 9. Spieltages der Regionalliga West 2018/19 sind beendet, damit ist ein Viertel der Saison vorbei. Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

Verlauf – so far

Nach der Auftaktniederlage hätten wohl nicht viele damit gerechnet, mit welch eindrucksvoller Vorstellung unsere Mannschaft unsere Freunde aus dem Tal bezwingen konnte. Es war der Auftakt einer Serie von fünf Siegen in Folge, die uns an die Spitze der Tabelle führte. Die Serie wurde jäh unterbrochen von engagierten Lippstädtern, bevor dann Unentschieden gegen Verl und gestern gegen Straelen folgen sollten. Durch die heutigen Ergebnisse bedeutet dies Platz 2 mit einem Punkt Rückstand auf die Kölner Viktoria. Fairerweise muss man dazu sagen, dass die mit uns punktgleiche Dortmunder Zweitvertretung noch ein Nachholspiel gegen Wattenscheid in der Hinterhand hat, was bei einem Sieg zu einem Essener Rückstand auf Platz 1 von drei Punkten führen würde.

Fakt ist jedoch: Der Kontakt zur Spitze ist vorhanden. Auch wenn Verl grausam anzusehen war und die gestrige Partie auch nur aufgrund einer tollen Moral noch ausgeglichen werden konnte, sind wir diesmal nicht in der Situation, dass wir den Kampf um den Thron nur aus der Ferne beobachten können. Stattdessen sind wir mittendrin, wie wir es uns alle schon seit Jahren wünschen.

Auf’m Platz

Und noch etwas ist anders: Von den zwei letzten Partien abgesehen durften wir von unserer Mannschaft einen tollen Fußball sehen. Druckvoll, torreich, begeisternd. Das Publikum – die Seele des Vereins – honoriert dies regelmäßig durch konstant hohe Zuschauerzahlen zu Hause (sowieso), aber auch auswärts, bis auf ein paar Bekloppte auch frei jeglicher Negativschlagzeilen. Und wenn es mit dem Sieg nicht klappt – der Mob spendet trotzdem den Applaus, den sich das Team mit Kampf und Leidenschaft redlich verdient.

Ausblick

Die von mir in einem der ersten Beiträge der Saison erwähnten „leichten“ Spiele sind nun vorüber. Es folgen noch Partien gegen Gladbach und Aachen, bevor es im Oktober gegen die derzeit direkten Konkurrenten Dortmund, Viktoria und Oberhausen geht. Hier muss es uns gelingen, mindestens 5 Punkte zu holen, da lege ich mich fest. Wenn es weniger werden, zieht einer davon. Holen wir alle 9, können sich die anderen unsere Rücklichter ansehen.

Jedoch: Zwischen Platz 1 und 5 liegen derzeit nur zwei Punkte – es gibt nicht diese Übermannschaft, wie der KFC Uerdingen letztes Jahr eine war. Viktoria macht ebenfalls mal wieder zu wenig aus den finanziellen Möglichkeiten und lässt rechts und links des Aufstiegs-Highways Punkte liegen.

Zusammenfassung

Wir haben es noch selbst in der Hand, unser aller großen Traum in dieser Saison zu verwirklichen. Schaut man auf die Resultate der anderen, so sollte auch dem letzten klar sein, dass es weder jemals so „einfach“ war wie diese Saison, noch dass es angemessen ist, die Mannschaft nach schlechteren Spielen wie gestern zu verfluchen. Es ist definitiv zu früh, die Köpfe hängen zu lassen.

Daher: Alle nach Gladbach, alle Sonntag ins Stadion gegen Aachen.

Die Mannschaft braucht uns! RWE braucht uns!

Voll verstraelt

War das nun ein Punktgewinn oder ein Punktverlust, was wir da heute im Spiel gegen den SV Straelen erlebt haben? Ich vermag es nicht wirklich zu entscheiden.

Der Aufsteiger rührte von Beginn an jede Menge Zement an. Mit zwei engen Abwehrketten ließ man unserer Mannschaft keinen Platz, die schnellen Spieler gefährlich in Szene zu setzen, während zwei Spieler jeweils Becker und Zeiger anliefen, um die Spieleröffnung von dort zu verhindern. Und so kam es, dass von RWE in der ersten Halbzeit kaum eine Situation sehenswert genug war, um sie an dieser Stelle überhaupt zu schildern. Zu oft blieben Bichler und Scepanik außen an den Verteidigern hängen oder es wurde zu lange mit dem Torabschluss gezögert, so dass der Ball geklärt werden konnte. Die Gäste hingegen kamen gleich mehrfach gefährlich vors Essener Tor. Nach nur acht Minuten fischte Raeder einen fein aufs lange Eck gezirkelten Freistoß aus dem Winkel – ein Freistoß, den der heute (vorsichtig gesagt) nicht immer glücklich aussehende Schiedsrichter gegen Zeiger nach einem eigentlich harmlosen Zweikampf verhängt hat. Einen weiteren Schuss wehrte unser Keeper ebenso sehenswert über die Latte ab. Trotzdem ging es mit einem – für RWE schmeichelhaften – 0:0 in die Pause.

Die zweite Hälfte begann dann (leider) mit einem Paukenschlag: Straelen spielt sich über die linke Abwehrseite bis zur Grundlinie durch, der Pass zurück kann nicht verhindert werden, aus dem vielzitierten Hintergrund fällt der Treffer zum 0:1. Ein Tor, wie wir es gefühlt diese Saison schon zum vierten, fünften Mal gesehen haben. Trotzreaktion auf Essener Seite? Eher Schockstarre. Als nur wenige Momente später Baier einen Ball eher halbherzig zurückspielt, spielt Straelen einen Konter, wie er sonst wohl nur auf der Playstation zu sehen ist: links raus, quer, steil, vor dem Torwart quer und ab in die Maschen – 0:2.

Wie schon gegen Lippstadt nun also ein Zwei-Tore-Rückstand. So enttäuschend der Spielverlauf bis zu diesem Moment war, umso beeindruckender der Wille, die Moral, sich in dieses Spiel nochmal zurückzukämpfen. Während Straelen nun jede Sekunde nutzte, um auf Zeit zu spielen (Liegenbleiben nach Allerweltsfouls, Abstöße, die dreißig Sekunden und länger dauerten…), kam RWE endlich zu eigenen Aktionen. Besonders über den nach der Pause bärenstarken Alaba Heber wurde der Druck nach vorne stärker, und als Neitzel Urban für den heute enttäuschenden Lucas brachte, konnte Grund ins Mittelfeld rotieren und von dort ebenfalls dafür sorgen, dass der Ball besser als zuvor verteilt wurde. Trotzdem hatte der Aufsteiger die endgültige Entscheidung auf dem Fuß, doch Raeder klärte mit einer Fußabwehr vor dem RWE-Ex Björn Kluft.

Es sollte bis eine Viertelstunde vor Schluss dauern, bis RWE zum Anschlusstreffer kam. Irgendwie bezeichnend für den Spielverlauf, dass der Treffer durch einen Standard fiel: Flanke Baier, Urban am langen Pfosten völlig blank köpft ein. Nur eine einzige Minute später gab es quasi dieselbe Szene erneut: Flanke Baier, erneut Urban, doch diesmal war der Gästekeeper zur Stelle und konnte zur Ecke klären. Noch während ich meinen Freunden im WhatsApp-Ticker dies schrieb, flog der Eckball auf den langen Pfosten und Becker traf zum Ausgleich – Wahnsinn!

Ab diesem Moment waren es quasi nur noch die Hausherren, die das Spiel beherrschten. Zwar kamen auch die Gäste angesichts der aufgerückten Essener Defensive noch zu Kontern, den Siegtreffer hatte jedoch Baier auf dem Fuß, als er nach einem schönen Steilpass am Torwart scheiterte.

Die Punkteteilung geht wohl nach dem Spielverlauf in Ordnung. Ärgerlich jedoch, dass zum zweiten Mal in Folge kein Sieg gegen einen Aufsteiger gelungen ist. Gerade mit dem erhofften Ziel „Aufstieg“ im Hinterkopf ist dies eigentlich eine Pflichtaufgabe. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Straelen sicher noch immer von der Aufstiegseuphorie zehrt, zumal man in der Tabelle relativ sicher platziert ist.

Aufgrund der ersten Halbzeit möchte ich mich diesmal nicht auf einen Spieler des Tages festlegen, denn hier wurde auf allen Positionen versäumt, das Spiel auf das Niveau zu bringen, das uns in den vergangenen Wochen so verwöhnt hat. Einen rabenschwarzen Tag hat sicherlich Nico Lucas heute erwischt. Er wirkte mit der harten Gangart und dem hohen Tempo der Konter der Gäste überfordert, ja verweigerte sogar mindestens zwei Zweikämpfe und ermöglichte damit Aktionen des Gegners. Auch er kann es besser, das hat er bewiesen.

Kritisch sehe ich derzeit unsere Defensivleistung. Zwar betont der Trainer, dass die Gefahr fürs eigene Tor der taktischen Grundausrichtung geschuldet ist, doch fallen mir die Gegentore „zu leicht“, was gerade defensive Teams dazu verleitet, sich mit Mann und Maus im eigenen Sechzehner  einzuschließen, um dann überfallartig bei Ballgewinn auszuschwärmen und uns einen Hieb zu versetzen. Ich bin aber guter Dinge, dass unser Trainer das Spiel seiner Neitzelmänner hier noch optimieren kann. Die kommenden Gegner sind zudem nicht dafür bekannt, sich hinten reinzustellen, was unserer Spielweise sicher entgegenkommen dürfte.

Man hat heute leider auch gesehen, warum Neitzel lieber Pröger in die Sturmzentrale stellt als Wirtz. Pröger reißt mit seiner Geschwindigkeit immer wieder Lücken und kann auch mal „in den Lauf“ angespielt werden, Wirtz ist dagegen eher der Spielertyp, dem man den Ball zum Torschuss auflegen muss. Das soll bitte nicht als Kritik an Wirtz selbst verstanden werden – er gehört halt nur zu einer anderen Art Stürmer. A propos Pröger: Wann wird eigentlich der Einspruch behandelt? Übernächste Woche? In meinen Augen auch reine Schikane!

Bleibt die Eingangsfrage zu klären: Klar, auf den ersten Blick ein Punktverlust – gegen einen frech aufspielenden Aufsteiger nach zwei Toren Rückstand aber sicher ein Punktgewinn – und ein weiterer Sieg für die Moral allemal – das bringt aber keine Punkte in der Tabelle. Hier können morgen Lippstadt (!) und Viktoria uns die vorübergehende Tabellenführung wieder abnehmen, zudem hat die zweite vom BVB noch ein Nachholspiel und könnte vorbeiziehen.

Mittwoch geht es für unsere Truppe bereits weiter mit der Partie bei der Zweitvertretung von Borussia Mönchengladbach. Dieses Spiel werde ich übrigens – PREMIERE – als Co-Kommentator bei Radio Hafenstraße kommentieren. Schaltet ein!

Lippstadt wird zum Spielverderber

Fünf Siege in der Liga – heute sollte Nummer sechs her. Es gibt nicht viele Serien, die ich lieber sehe. Es waren jedoch nur wenige Minuten gegen Lippstadt gespielt, als sich andeutete, dass das Drehbuch heute für uns so manche Überraschung parat haben sollte: Daniel Heber setzte sich auf den Rasen und zeigte an, dass es für ihn wohl nicht weitergehen würde.

Der für ihn eingewechselte Urban war es dann, der eine Flanke nicht verhindern konnte. Zwar sprangen alle Spieler unter dem Ball durch, doch Raeder konnte nur per Fußabwehr reagieren, den Einschlag des anschließenden Kopfballs aber nicht mehr verhindern – 0:1 für den Aufsteiger.

Lippstadt suchte von Beginn an sein Glück in der Offensive und setzte RWE bereits früh unter Druck. Dabei schafften sie es immer wieder, Pässe in den freien Raum anzubringen.

Einige Minuten nach der Führung wurde Pröger im Mittelfeld abgeräumt, eine Szene, wie wir sie schon im letzten Heimspiel erleben mussten. Der Schiedsrichter – übrigens ein komplettes luxemburger Gespann inkl. viertem Schiri – gab jedoch wie schon zuletzt keinen Freistoß sondern zeigte zum Unverständnis aller „Weiterspielen“ an.

Wer weiß, ob sich die folgende Szene dann auch so abgespielt hätte: Pröger und ein Lippstädter sprinten auf den Ball zu und grätschen beide – der Schiri zögert nicht lange und verweist Pröger des Feldes. Eine Entscheidung, die sogar der Trainer der Gäste für zu hart befand. Im darauffolgenden Trubel sieht zunächst Baier noch gelb, dann muss Neitzel auf die Tribüne.

Nach einigen Minuten Unterbrechung ging es dann mit Fußball weiter. Leider in die falsche Richtung: Eckball Lippstadt, am langen Pfosten trudelt der Ball über die Linie.

Ab da war es ein unangenehmes Spiel für alle, die es mit RWE halten: Lippstadt ließ Ball und Spieler laufen und versuchte nur noch selten, über schnelle Pass-Staffetten nach vorne zu spielen.

Es dauerte bis zur 44. Minute, bis RWE die erste Chance bekam, die aber auch nichts Zählbares brachte. So endete die erste Hälfte mit einem surrealen 0:2, einfach unwirklich, was sich da abspielte.

Nach dem Wechsel zunächst ein weiterer Schreckmoment, als ein Lippstädter frei aufs Essener Tor zulief, Raeder parierte jedoch.

Hoffnung keimte dann auf nach einer Szene, die für mich jetzt schon der Flankenlauf der Saison ist: Zeiger bekommt auf seiner Position den Ball, geht zunächst behutsam, dann mit viel Zug nach vorne, lässt dabei drei, vier Lippstädter Spieler stehen und flankt von der Grundlinie auf den langen Pfosten. Der mitgelaufene Scepanik kommt zum Kopfball, der noch abgefälscht wird, bevor er sich zum Anschluss ins Tor senkt.

Die Hoffnung währte jedoch nur 10 Minuten, bis Lippstadt per 16m-Strahl den alten Abstand wieder herstellen konnte.

Es gab Zeiten, da hätte man nun, knapp 30 Minuten vor Abpfiff getrost nach Hause gehen können, weil sich die Mannschaft nun ergeben würde. Diese Zeiten scheinen aber wohl zunächst Vergangenheit zu sein, dem RWE stemmte sich in Unterzahl weiterhin gegen die drohende Niederlage. Wütende Angriffe auf das Lippstädter Tor, doch immer wieder konnte RWE gestoppt werden. Eine gute Viertelstunde vor Schluss wurde Baier halbrechts gelegt. Den fälligen Freistoß verwandelte Kevin Grund, auch wenn der Ball noch abgefälscht wurde.

Von Lippstadt war nun nichts mehr zu sehen. Nun lief das Essener Spiel endlich, Bälle könnten schnell und aggressiv zurückerobert werden, häufig musste der Gast zum Langholz greifen. In der 88. Minute flankte Urban, der Ball senkte sich über den Innenverteidiger auf den Kopf von Scepanik, der ihn aber zu direkt auf den Torwart spielte. Als wenige Momente später Grund im Sechzehner zu Fall gebracht wurde und der Schiri auf Elfmeter entschied, schien das Happy End zum Greifen nah. Es passt jedoch ins Bild zum heutigen Spiel, dass Baier den Ball zwar hart, aber zu direkt auf den Torwart schoss und somit das Ende der verlustfreien Serie besiegelte.

Während in Halbzeit eins fast nichts zusammenlief, zeigte sich RWE nach dem Wechsel deutlich aggressiver und mit mehr Ballbesitz. Scepanik und Bichler sorgten über außen immer wieder für Gefahr, und hinten muss man neben dem gewohnt starken Zeiger Timo Becker loben, der sich toll weiterentwickelt hat. Dass Urban nicht die Geschwindigkeit von Heber bringen kann, hat man gesehen, dafür hat er seine Seite bis auf das 0:1 dichtgehalten.

Besonders erwähnenswert finde ich heute die West: Nur wenige Zuschauer gingen direkt nach Abpfiff, man honorierte noch den Einsatz und Willen. So und nicht anders muss es sein!

Zwar ist die schöne Serie gerissen, trotzdem bleiben wir dank Ausrutscher der Konkurrenz Tabellenführer. Trotzdem schade, dass diese nicht zum Aufbau eines Polsters genutzt werden konnten. Aber Lippstadt wird mir der heute gezeigten mutigen Spielweise auch für alle anderen Teams keine leichte Aufgabe.

Persönlich finde ich es als wahnwitzig, dass sich in unserer Liga Schiedsrichter austoben dürfen, der Land aus fußballerischer Sicht ein Entwicklungsland ist. Mehr als einmal musste der schwache Schiri seine noch schwächeren Assistenten korrigieren. Ich hatte das Gefühl, dass in Luxemburg dem Anschein nach auch das körperliche Spiel unbekannt ist. Unfassbar, dass dieses Team Gerüchten nach zufolge auch EuroLeague-Quali gepfiffen hat.

Bereits Freitag geht es in Verl weiter. Ein Sieg beim Langzeit-Ligamitbewohner würde die Konkurrenz natürlich unter Druck setzen. Es wäre der richtige Anlass Staffel zwei der Serie „Siege in rot und weiss“ zu starten.

ER – ER – ERWIN KOEN!

Im Jahre 2000 holte Rot-Weiss Essen einen Spieler ins Team, der wohl nach Lippens der zweitwichtigste Holländer werden sollte, der je an der Hafenstraße gespielt hat: Erwin Koen.

Zwar fiel „Nummer 21“ zunächst weniger durch seine vielen Tore auf – in den ersten drei Saisons waren es lt. Transfermarkt „nur“ derer 14 – nein, in Essen liebte man die Art und Weise, wie er Fußball spielte. Schnell über links, gerne auch mal körperlich robuster, bei Freistößen gefährlich und für seine „linke Klebe“ gefürchtet.

Tore von Erwin, die mir in Erinnerung geblieben sind? Da wäre zum einen der 40m-Lupfer über Oliver Adler von RWO (https://www.youtube.com/watch?v=XtRGL51Ucvo), oder aber das 1:0 beim 5:2-Sieg gegen Wuppertal kurz vor dem Aufstieg (https://www.youtube.com/watch?v=awRO5dR2uCw) – ein seltenes, da mit rechts! Und natürlich die vielen Drölfzig-Meter-Freistöße durch die Mauer, quasi sein Markenzeichen.

Legendär eine Szene, die er selbst in einem (sehr lesenswerten!) Interview bei jawattdenn.de schildert: ‚Irgendwann habe ich mit Sascha Wolf vor dem Spiel gesprochen, er sagte zu mir: „Erwin, wenn der Ball auf die Seite der Stehtribüne kommt, machen wir zuerst ein Foul. Wir grätschen einen um und tun so, als ob nichts gewesen wäre. Dann hast Du sofort die Fans hinter Dir und Du wirst gefeiert.“ ‚

Erwin hat bei RWE so ziemlich alles miterlebt: Den Münster-Abriss 2002, Aufstieg 2004 – in dieser Saison mit 18 Treffern, Abstiegskampf in Liga zwei und einen tragischen letzten Auftritt beim 1:3 in Ahlen, bei dem er vom Platz flog und wonach der Abstieg in die damals drittklassige Regionalliga feststand. Trotzdem – oder gerade deshalb? – ist er mit der Hafenstraße noch immer tief verbunden und häufig auch bei den Spielen im Stadion, wenn seine eigene Karriere als Trainer des VV Eldenia in den Niederlanden dies zulässt. Zudem schnürt er noch immer die Schuhe für die RWE-Traditionsmannschaft.

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„Abschied mit Legenden“ – Erwin Koen mit mir und Sohnemann

Nach seiner RWE-Zeit verlief seine Karriere bei Alemannia Aachen noch bis in die Bundesliga (ich erhielt die Nachricht seines Wechsels dorthin auf einer Hochzeit, am Tag bevor RWE gegen Aachen spielte, wenn ich mich richtig erinnere…) bevor er über Paderborn und Wehen-Wiesbaden und verschiedene holländische Teams seine Karriere beendete. Die meisten Spiele seiner Karriere jedoch, die machte Erwin für Rot-Weiss Essen.

Mein Gott, beim „Drüberlesen“ stelle ich fest – das klingt ja fast wie ein Nachruf. Soll es aber gar nicht sein, im Gegenteil: Lieber Erwin, alles Gute zum 40. Geburtstag und danke für all die schönen Momente, die du uns bereitet hast!

Und jetzt alle:
ER – ER – ERWIN KOEN! ER – ER – ERWIN KOEN! 

Links: Wikipedia – Transfermarkt

Oooooh, wie ist das schööööön…

Freitag, Flutlicht, Fußball. Rot-weisses Herz, was willst du mehr?

Der Trainer bot zum dritten Mal die gleiche Aufstellung auf, um den nächsten Heimsieg einzufahren. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt mit so wenig Rotation ausgekommen sind. Die Aufstellung wurde heute erstmals seit langem nicht von Walter Ruege vorgetragen, sondern auf eine frischere dynamischere Art. Das hat mir schon sehr gut gefallen und wird gegen die „dicken“ Gegner bestimmt noch das i-Tüpfelchen!

Schon nach wenigen Minuten hätte es klingeln können, als sich Baier aus 16m mit einem Schlenzer versuchte, der aber glänzend pariert wurde. Wenig später musste Bonn verletzungsbedingt wechseln, an dieser Stelle gute Besserung an den Spieler, das sah nicht gut aus… Die deutlichste Chance der ersten Hälfte hatte Kevin Grund, der einen direkten Freistoß aus halbrechter Position gefühlvoll an den Pfosten setzte. Da hätte der Keeper keine Chance mehr gehabt. Ansonsten bestand die erste Halbzeit aus vielen Pässen im Mittelfeld. Bonn ging ab der Mittellinie aggressiv auf den ballführenden Spieler und zog sich dann schnell zurück, um keine Lücken für die schnellen Außenspieler zu bieten. Lediglich Pröger konnte sich einmal in den Strafraum kämpfen. Sein Schuss wurde abgefälscht und zwang den Torwart zu einer erneuten Parade. Mit 0:0 ging es also in die Pause.

Nach dem Wechsel war es weiterhin RWE, das auf die Führung drängte. Nach gut 60 Minuten wuselte uch Scepanik durch die Mitte und erkämpfte den verlorenen Ball mit einer Grätsche zurück. Alle schienen auf den Pfiff zu warten, Baier schaltete am schnellsten und spielte auf Grund, der scharf in die Mitte spielte. Pröger konnte daraus leider aus guter Position 2m vor dem Tor nur eine Kerze machen.

Wenig später war es dann aber soweit. Ecke Lucas, verlängert von Becker. Am hinteren Strafraumeck kommt Pröger an den Ball, schießt, und Brauer steht richtig, um das Stadion zu erlösen.

Danach wurde das Spiel zunehmend hektischer. Mit Pröger, Bichler, Baier und dem eingewechselten Wirtz gab es mehrfach die Chance, den Sack zuzumachen. Die größte Chance hatte jedoch Scepanik kurz vor Ende der regulären Spielzeit, als er nach einer Körpertäuschung zentral völlig frei vor dem Torwart auftauchte, dann aber aus 10m übers Tor schoss.

Bonn drückte nun etwas mehr auf den Ausgleich, konnte aber immer wieder gestoppt werden. Lediglich bei einem Konter musste Raeder einschreiten.

In der Nachspielzeit dann nochmal Aufregung: Wirtz wird unmittelbar vor der rot-weissen Bank gelegt. Vatter Lucas und Heller springen auf, wobei der Ersatztorwart den Bonner Spieler klar umstößt. Hier hatte der nicht immer glückliche Schiri keine andere Wahl, als die rote Karte zu zeigen. Muss man auf der Bank auch erst mal schaffen. Resultat aus der Aktion war übrigens Freistoß für Bonn – völlig verkehrt also.

Wie dem auch sei, RWE „kann“ also auch Nachspielzeit. Es war so ein Spiel, das wir in der letzten Saison noch unentschieden beendet hätten. Diese Saison scheint dies alles etwas anders – dickes „Like“! Auch diesen Spieltag werden wir als Spitzenreiter abschließen!

Heute fällt es wieder schwer, Spieler herauszuheben. Pröger mit gewohnt unfassbaren Laufpensum, Baier stets voran, Zeiger / Becker absolut souverän. Bichler schwächer als zuletzt, trotzdem immer ein Unruhefaktor.

Zur Stimmung möchte ich gerne auf die Videos verweisen, die sicher bald kommen. Auch hier wieder: Gänsehaut pur. Kleine Bitte nur für die Zukunft: die Humba am Ende zog sich ein wenig zu lang… aber das ist derzeit Jammern auf hohem Niveau.

Mittwoch Pokal, Samstag stellt sich dann mit Lippstadt der nächste Aufsteiger vor. Bis dahin kann vielleicht schon mal jemand nachgucken, wann wir zuletzt sechs Spiele in Folge gewonnen haben.

Spitzenreiter!

Okay, okay, ich gebe zu: Spitzenreiter, weil unser Vertreter im DFB-Pokal vom Kanal (haha, 0:6… pruuuust) und die Betriebssportgemeinschaft von Häcker-Küchen eine Pause hatten, aber ich will darüber mal großzügig hinwegsehen.

Schon beim Einlauf der Teams gab es die erste Gänsepelle als das OOOOOOOH RWE heute deutlich lauter als viele Male zuvor erklang.

Unser Team, es spielte heute wie ein Spitzenreiter, und vor allem wie eine Heimmannschaft. Von Beginn an zeigte RWE, wer das Sagen hat: Langer Ball in den Kölner Sechzehner, leider war Kevin Grund (heute übrigens wieder hinten links) einen Schritt zu spät dran, um den Ball am herauseilenden Keeper vorbeizuspitzeln.

Und so verliefen die ersten 45 Minuten nach folgendem Schema: RWE hatte gefühlte 90% Ballbesitz, Köln wartete zwischen eigenem Strafraum und Mittellinie auf Konterchancen. RWE versuchte es immer wieder über Scepanik bzw. Bichler, kam aber kaum zu gefährlichen Anschlüssen. So kam es, dass die Kölner zweimal die Möglichkeit hatten, den Spielverlauf per Konter auf den Kopf zu stellen. Beide Male war jedoch Raeder zur Stelle.

Kurz vor dem Seitenwechsel gab es aber die Belohnung für RWE: Steilpass auf Grund, der direkt z Scepanik durchsteckt. Wie bei Bichler gelernt lässt er drei Kölner aussteigen, zieht in den Strafraum und schießt. Zwar kann der Keeper per Fußabwehr klären, ist jedoch machtlos beim Kopfball des herangeeilten Baier! Kollektives Ausrasten auf den Tribünen, RWE ist nach langer, langer Zeit auf Platz eins der Liga!

Köln musste nun natürlich mehr tun, um nicht mit leeren Händen nach Hause zu müssen, RWE schaltete einen halben Gang zurück. Die Abwehr um Zeiger und Becker leistete sich diesmal jedoch keinerlei Blöße, und wenn doch mal ein Angriff durchbrach, war immer jemand da, der den Ball ins Aus drosch. Schön zu beobachten: immer wieder wurde abgeklatscht, einander motiviert. Das sieht sehr nach Team aus.

Und so hatte ich nie das Gefühl, dass dieses Spiel noch aus der Hand gegeben werden könnte – der geneigte Fan kennt das ja durchaus auch anders. Zwanzig Minuten vor Schluss dann nochmal ein Angriff allererster Kajüte: Daniel Heber läuft aus der eigenen Hälfte über rechts, zieht in die Mitte und spielt auf Pröger. Dessen Schuss wird zwar gehalten, prallt aber ganz kurios an den Pfosten, Heber steht richtig und kann abstauben. Sack zu, 2:0. Der Rest ist Jubel und viel Applaus.

Ich suche immer noch nach dem entscheidenden Faktor, der den aktuellen RWE von dem der letzten Saison(s) unterscheidet. Alle Neuzugänge scheinen einzuschlagen (Wirtz noch schwierig zu beurteilen, man hat aber nicht den Eindruck, mit seiner Einwechslung ginge das Niveau in den Keller, Freiberger mal außen vor), Ausfälle (Platzek oder letzte Woche Scepanik) werden erfolgreich kompensiert, das Team tritt wie eines auf und das Publikum steht wie eine Wand hinter der Mannschaft. Ist das alles Zufall?

Heber heute wie schon in den vergangenen Spielen bärenstark (RWO muss ja da echt ne Granate haben, wenn sie den haben gehen lassen…), Baier mit viel Einsatz (und ein, zwei technischen Schwächen), Bichler, Scepanik und Pröger mit einem wahnsinnigen Laufpensum. Eine Szene war geradezu spiegelbildlich für den Einsatz der gesamten Mannschaft: Bichler wird steil geschickt, verliert den Ball kurz vor der Torlinie durch eine Grätsche, springt auf, beschwert sich beim Linienrichter, sprintet hinter dem Kölner her und erkämpft den Ball noch vor der Mittellinie zurück.

Zwar hatten wir heute nur ein paar wenige Chancen, aber diese wurden in ausreichender Anzahl genutzt. Ich will mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber solche Spiele muss man halt auch erst mal gewinnen. Und dann hat man auch zurecht den Anspruch, um den ganz großen Preis mitzuspielen. Die Art und Weise, dieser „Powerfußball“, das war heute schon beeindruckend.

So kann es gerne weitergehen. Ich sehe aktuell keinen Anlass, warum RWE den positiven Lauf nicht noch etwas fortsetzen sollte. Auf viele weitere Gänsepellen!