Fan-Umfrage: Wer soll in der kommenden Saison für RWE am Ball sein?

Ich habe irgendwo (RWE-Forum? Facebook?) gelesen, dass gemäß „sicherer Quelle“ rund 80% unseres Kaders gehen müssten den Verein verlassen. Das nahm ich zum Anlass, um in der oben verlinkten Facebook-Fangruppe mal ein Stimmungsbild abzufragen: Wenn die Community entscheiden dürfte, welche Spieler dürften bleiben.

Grundannahme: Unser Kader hat 25 Spieler, 20 % Rest ergibt fünf „Bleiberechte“. Zum Zeitpunkt der Umfrage waren Tomiak, Hirschberger und Remmo noch keine bestätigten Abgänge, daher sind sie noch mit aufgelistet.

Die Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ, aber bei mindestens 326 abgegebenen Stimmen (Platz 1) hat das Ganze schon eine gewisse Aussagekraft, wie „die Basis“ entscheiden würde.

Ich gehe im Folgenden nicht auf alle Namen ein. Das komplette Ergebnis findet ihr als Screenshots am Ende dieses Beitrages.

Daniel Heber hat das Rennen gewonnen. Der von unseren Oberhausener Nachbarn zu Saisonbeginn transferierte Rechtsverteidiger konnte eigentlich als einziger in allen Einsätzen überzeugen. Dieses Ergebnis kommt – zumindest für mich – nicht überraschend.

Florian Bichler so weit vorne zu sehen, freut mich sehr. Leider konnte er seine guten Leistungen von Saisonbeginn zuletzt immer wieder aus Verletzungsgründen nicht erneut abrufen. Dennoch scheint er bei einer großen Masse einen Stein im Brett zu haben.

Kevin Freiberger „lebt“ wohl von seinem Namen. Insgesamt keine 45 Minuten auf dem Platz, trotzdem mit einem größeren Abstand auf die beiden Führenden in den Top 3. Für mich unvorhergesehen, ich hätte ihn weiter hinten einsortiert (und trotzdem behalten).

Marcel Platzeks Platzierung hinter Freiberger, zudem mit rund 50 Stimmen Abstand, überrascht da schon mehr. Der „Fußball-Gott“ konnte – ebenfalls aus Verletzungsgründen – nicht an seine guten Trefferquoten anknüpfen.

Warum Jonas Erwig-Drüppel so weit oben steht, hat sich mir ebenfalls nicht erschlossen. Schließlich kam er erst zur Winterpause und hat auch einige Spiele wegen Verletzungen verpasst.

Stattdessen hätte ich Noah Korczowski in den Top 5 erwartet. Er hat sich schnell einen Stammplatz in der Verteidigung erarbeitet und spielt weitestgehend stabil. Gegen Wattenscheid hatte er leider zwei entscheidende Aussetzer.

Enzo Wirtz ist unser bester Torschütze diese Saison, wirkt aber häufig zu hektisch und nicht robust genug. Auch ihn hätte ich eher in den Top 5 erwartet.

Mit Kevin Grund und Philipp Zeiger stehen zwei „Altgediente“ eher im Mittelfeld und scheinen nicht mehr die volle Gunst der Fans zu haben.

Robin Heller ist der beste Torwart dieser Aufstellung, auch das nicht unerwartet.

Gespannt bin ich bei den Personalien Benjamin Baier und Nico Lucas. Beide sind derzeit so etwas wie die „Schuldigen“ bei vielen Fans, doch das ist mir zu einfach. Mal sehen, wie der Verein hier weiter entscheidet.

Lasst mich doch in den Kommentaren wissen, was ihr von dem Ergebnis haltet! Ich freue mich über jedes Feedback!

Allen, die an der Umfrage teilgenommen haben, ein herzliches „ich danke Sie!“

Egal, wie die Verantwortlichen den Kader zusammenstellen, es ist nur eines Wichtig: NUR DER RWE!

 

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Volleyball in Biedenkopf

In meiner neuen Kategorie „Abseits“ werde ich in losen Abständen über Geschehnisse berichten, die mich fernab des (rot-weissen) Fußballs bewegen.

Als erstes Thema habe ich mir nichts weniger als die Deutschen Meisterschaften im Volleyball der U16 männlich (heißt tatsächlich so) ausgeguckt. Diese fanden an diesem Wochenende im hessischen Biedenkopf statt.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die folgende Schilderung ausdrücklich subjektiv ist und nicht im Namen des VV Humann Essen erfolgt oder dessen Meinung widerspiegeln muss.

Vorab zur Erklärung für alle Volleyball-Frischlinge: Die Teilnahmeberechtigung erhält man, indem man in den sogenannten „Regionalmeisterschaften“ das Finale erreicht (es gibt eine Ausnahme, die den Ausrichter mit ins Boot holt, aber das geht hier zu weit) – im Falle „unseres“ Team, der U16 des VV Humann Essen war dies gelungen, man hatte zudem den FC Junkersdorf aus Köln im Finale besiegt und konnte somit als Westdeutscher Meister nach Biedenkopf fahren.

Der Tross startete bereits Freitag und auch viele dazugehörige Eltern (nennen wir sie liebevoll „VVH Ultras“) konnten es einrichten, das Wochenende vor Ort in der Halle zu verbringen, sodass für entsprechende Atmosphäre ebenfalls gesorgt war. Auf dem Weg nach Hessen erfuhren wir, dass einer der beiden etatmäßigen Zuspieler umgeknickt war und wohl nicht zum Einsatz kommen können würde. So musste also bereits vor dem Turnier die erste Kaderumstellung erfolgen. Da wir exakt diese Situation quasi am eigenen Leib kurz vor der Westdeutschen Meisterschaft erlebt haben, kann ich nachempfinden, was dies zumindest bei den Eltern ausgelöst hat (die trotzdem natürlich mit ganzem Herzen dabei waren). Für den betroffenen Spieler eine absolute Katastrophe – an dieser Stelle nochmal alles Gute.

Im Vorfeld haben wir in einer Art „Undercover-Mission“ ein kleines Motivationsvideo zusammengestellt, das ich aufgrund diverser Screenshots mit Handynummern nicht hier einstellen kann und will. Dieses Video habe ich dann am späten Abend in unserer WhatsApp-Liveticker-Gruppe platziert, sodass es bei Trainern und Mannschaft ebenfalls ankam. An dieser Stelle nochmal: Ich hoffe, es hat seinen Zweck erfüllt.

Die Veranstaltung begann mit einer – im Vergleich zu den drei anderen Turnieren dieser Art, die ich bisher miterleben durfte – recht lieblos gestalteten Eröffnungsfeier. Bei Ankunft in der Halle war keine Musik zu hören, stattdessen nur das Gemurmel von den Rängen. Irgendwann ergriff dann jemand das Mikro, sagte „jetzt geht es los“ und die Mannschaften liefen zunächst ohne namentliche Nennung in die Halle ein und reihten sich jeweils hinter einem mit ihrem Vereinsnamen beschrifteten Eimer (!) mit Klatschpappen (!!!) auf. Erst nachdem alle Teams versammelt waren, wurden die Vereine heruntergerattert, bevor mit einer gefühlt 30sekündigen Rede die Spiele für eröffnet erklärt wurden. Hier wurde eine große Chance vertan, das Publikum „mitzunehmen“ und den Mannschaften die Aufmerksamkeit der Zuschauer zukommen zu lassen, die sie sich durch die Qualifikation verdient gehabt hätten. Dazu später mehr.

Also ging es nach knapp 10 Minuten nach nebenan in Halle Nummer zwei (die DM werden immer parallel in zwei Hallen gespielt). Zum System: Vier Vierergruppen, die Gruppenersten sind direkt im Viertelfinale, die Gruppenzweiten spielen gegen einen Gruppendritten eine Art Viertelfinale, während die Gruppenvierten „jeder gegen jeden“ Platz 13-16 ausspielen. Ein Spiel um Platz 3 findet aus Zeitgründen dabei nicht statt, während alle anderen Platzierungen ausgespielt werden.

Es ist kaum möglich, an dieser Stelle besondere Spielzüge zu erklären oder auf einzelne Ballwechsel einzugehen. Ich möchte jedoch festhalten, dass von Anfang an jeder Ball mit viel Leidenschaft und Einsatz gespielt wurde. Immer wieder wurden Bälle dem Gegner um die Ohren gehauen, zwischendurch mal eine Finte eingebaut, und jeder erzielte Punkt auf Feld, Bank und Tribüne frenetisch gefeiert. Da es im Volleyball kaum möglich ist, einen Satz zu null zu gewinnen, wurden auch Rückschläge routiniert weggesteckt.

Als erster Gegner in der Gruppenphase sollte der CV Mitteldeutschland (2. Nordost) auf unsere Truppe warten. Und das Team begann wie ein D-Zug: Mit 25:8 konnte der erste Satz gewonnen werden. Dabei besonders bemerkenswert: Alle gegnerischen Punkte wurden durch eigene Fehler verursacht. Der zweite Satz startete etwas zäher, aber auch dieser wurde deutlich (25:15) gewonnen und damit die Basis für das Erreichen des Turnierziels (mindestens Platz 9) gelegt.

In Partie Nummer zwei traf der VVH auf den TSV Schmiden (2. Süd). In einer mitreißenden , lange ausgeglichenen Partie konnte auch hier mit 25:20 / 25:16 der Sieg eingefahren werden, was aufgrund der jeweiligen Niederlagen von Schmiden und Mitteldeutschland mit dem sicheren Platz zwei in der Gruppe gleichzusetzen war. Somit war auch mindestens der 12. Platz für unser Team sicher.

Abschließend ging es dann gegen den VC Dresden (1. Ost) um den Gruppensieg. Die Dresdener landen regelmäßig in den überregionalen Turnieren vorne und galten daher als klarer Favorit in der Partie. Es schien zunächst, als sollte der VCD dieser Favoritenrolle auch gerecht werden, doch unsere Jungs hängten sich mit vollem Einsatz in die Partie und kämpften sich nach einem 7:11-Rückstand zu einer 16:15-Führung. Danach sollten jedoch nur noch drei Punkte aufs Essener Konto wandern, sodass dieser Satz mit 19:25 verloren ging. Den zweiten Satz konnten die Dresdener dann trotz guter Gegenwehr mit 18:25 ebenfalls nach Hause bringen, sodass unsere Jungs den Umweg über die Zwischenrunde nehmen mussten.

Da Trommeln beim Turnier per Hausordnung verboten waren, haben die Dresdener „Schlachtenbummler“ sich einen Trick ausgedacht. Man hatte nämlich genau aufgepasst, dass nur Trommeln verboten sind, aber von Eimern hatte wohl niemand was gesagt. Also funktionierte man den „Einmarsch-Eimer“ kurzerhand um und fand sich ganz toll dabei, sein Team „auch in den schlechten Zeiten zu unterstützen, nicht so wie die Schönwetterfans aus Essen – auch wenn es nicht so viele schlechte Phasen gab“. Hierzu ein herzliches Gäääähn in den Osten. Das passt zum Bild, das Team und Trainer abgeben. Vielleicht beim nächsten Mal beim Lästern besser aufpassen, wer daneben sitzt…

Gegner in der Zwischenrunde waren die Sportfreunde Harteck (2. Südost). Bereits beim Stand von 4:0 zog der gegnerische Trainer die erste der beiden pro Satz möglichen Auszeiten, um sein Team aufzurütteln – vergeblich: Über 8:1 und 16:5, einem per Kopf ins gegnerische Feld geblockten Ball und vier vergebene Satzbälle konnte der erste Satz mit 25:14 gewonnen werden. Der anstrengende Tag forderte aber zunehmends Tribut, und so bekam Harteck Oberwasser. Zwischenzeitlich liefen unsere Jungs einem 11:15-Rückstand hinterher, der Ausgleich konnte erst beim Stand von 17:17 bejubelt werden. Ein Netzaufschlag der Gegner zum 25:23 bedeutete jedoch den Einzug ins Viertelfinale und damit mindestens Platz 8 der Gesamtwertung – Ziel erreicht, ab hier ist alles Bonus!

Dieses Viertelfinale war dann das erste Spiel des heutigen Sonntags. Und dieses Spiel war einfach der Wahnsinn! Der Gegner vom TSC Berlin (Nordost 1) – seines Zeichens Volleyballinternat brachte Ball um Ball ins Spielfeld und zog schnell auf 3:9 davon. Die Jungs schafften jedoch eine tolle Aufschlagserie und kamen auf 8:9 heran und gingen später mit 17:13 (nach 10:13) in Führung. Doch dies reichte nicht ganz aus, die Berliner arbeiteten sich wieder heran und konnten den Satz doch noch mit 21:25 für sich entscheiden.

Ein solcher Rückschlag bedeutet gegen einen so übermächtig erscheinenden Gegner – Berlin hatte am Vortag in keinem Satz mehr als 18 Punkte abgegeben – oft die Vorentscheidung. So schien es dann auch, als in einer Art Blaupause des ersten Satzes ein schneller 3:8-Rückstand aufgelaufen war. Doch unser Team zeigte Kämpfertugenden und erzwang sich dank acht Punkten in Folge ein erneutes 17:13. Und dieses Mal reichte es zum Satzgewinn, mit 25:22 wurde der Tie-Break erzwungen. Dieser war an Dramatik kaum noch zu überbieten. Die Stimmbänder am Anschlag, die Hände wundgeklatscht, lag das Team zum finalen Seitenwechsel mit 5:8 zurück. War es das? Pustekuchen. Auch hier: Moral und Einsatz, Ausgleich zum 10:10, eine 13:11-Führung. Aber diese verdammten zwei Punkte sollten nicht mehr fallen, am Ende behielt der Favorit mit 13:15 die Oberhand und sicherte sich mit dem Einzug ins Halbfinale mindestens die Bronzemedaille, während unsere Jungs ob der knappen Niederlage am Boden zerstört waren. So nah dran an der Sensation, nun doch „nur“ in der Runde um Platz 5-8.

Aus dem Frust wurde schnell Trotz, als neues Ziel wurde nun Platz 5 ausgegeben. Gegner nun TuS Kriftel (Südwest 1). Erneut mussten wir auf der Tribüne alles geben, um das hohe Niveau der Jungs mittragen zu können. Und was bitteschön war das für eine Partie? Die Führung sprang hin und her, der Satz ging gar in die Verlängerung, und erst der sechste (!) Satzball konnte zum 29:27 verwandelt werden. Ganz ehrlich: Spannender kann auch ein WM-Endspiel-Elfmeterschießen nicht sein. Nichts für schwache Nerven.

Satz Nummer zwei hatte ebenso in sich. Zwar spielte unser Team nun mit der Führung im Rücken befreit auf und erarbeitete sich ein dickes Punktepolster, beim Stand von 21:13 machte ich jedoch den Fehler, den Ticker wissen zu lassen: „Das müsste schon seeehr schief gehen.“ Karma is a bitch! 21:14, 15, 16… Kriftel kam immer näher. 23:19. 23:20. 23:24!!! Satzball Kriftel. Nach DIESER Führung!? Erneuter Ausgleich. Matchball! Und JAAAAAAAA, 26:24, Platz 6 sicher!

Im Spiel um Platz 5 kam es somit zur Wiederholung des Finales um die Westdeutsche Meisterschaft gegen unsere „Freunde“ vom FC Junkersdorf Köln. Ein letztes Mal alles in die Waagschale werfen, einen weiteren Ausfall im Team kompensieren, alles geben! Im ersten Satz konnte der VVH bis auf das 0:1 und das 9:10 immer in Führung bleiben und mit 25:20 diesen für sich verbuchen. Im zweiten Satz machte sich der Ausfall des zusätzlichen Angreifers aber mehr und mehr bemerkbar, nach gutem Anfang hieß es zwischenzeitlich 12:18 und am Ende 17:25 – erneuter Tie-Break.

Im Finale der WDM konnten unsere Jungs diesen noch für sich entscheiden – doch diesmal sollte es einfach nicht sein. Nach gutem Anfang lag man beim Seitenwechsel erneut mit 5:8 hinten, dann hatte der FCJ beim Stand von 10:14 vier Matchbälle. Drei davon konnten erfolgreich abgewehrt werden, sodass der Kölner Trainer als letzte Maßnahme noch einmal eine Auszeit nahm. Leider wurde der folgende Ball vergeben, sodass der Satz mit 13:15 verloren ging. Egal: Den Titel „Westdeutscher Meister 2019“ nimmt dem VV Humann auch kein Spiel um die goldene Ananas mehr. 🙂

Im Finale gewann die TSV Grafing gegen die oben erwähnten Berliner, sodass als kleines Trostpflaster verbleibt, gegen einen Finalisten ausgeschieden zu sein.

Unter dem Strich steht somit ein sechster Platz bei den Deutschen Meisterschaften für den VVH. Sechster in einem Feld von Leistungsstützpunkten, Internaten, zusammengecasteten Teams, sechstbestes Team in ganz Deutschland. Und Team darf in diesem Fall auch wörtlich genommen werden. Hat man bei einigen Vereinen das Gefühl, dass es sich eher um Zweckgemeinschaften handelt, so war doch deutlich zu spüren, wie jeder für jeden arbeitet, wie man zusammen für den Erfolg arbeitet. Unsere kleine „Volleyball-AG“ hat sich im bundesweiten Vergleich hervorragend präsentiert und muss sich mit der gezeigten Leistung keineswegs verstecken. Ganz im Gegenteil: Ihr könnt stolz auf das Erreichte sein! Genauso sind wir stolz auf euch!

Nun noch die versprochenen Worte zum Turnier-Umfeld: Positiv zu bewerten sicherlich die Nähe der beiden Hallen, auch zu den unmittelbar nebenan liegenden Mannschaftsunterkünften in der Jugendherberge. Hervorragend auch der Einsatz an den üblichen Kaffee- und Kuchenständen, sehr fröhliches und freundliches „Personal“ dort! Absoluter Pluspunkt.

Aber: Wenn man sich damit rühmt, seit Neunzehnhundertdrölfig (Zahl vergessen) zum elften Mal schon eine Meisterschaft auszurichten, so empfinde ich es für völlig unverständlich, wie wenig emotional die Eröffnung gestaltet wurde. Hier haben andere es vorgemacht: Eine Art „olympischer Eid“ der Kapitäne, die Regeln und Gegner zu achten, oder zum Beispiel mal die Flaggen der Bundesländer aufhängen (sind die nicht sogar Verbandsvorgabe?). Ihr (TV Biedenkopf) habt eine große, relativ moderne Halle. Warum nutzt ihr nicht wenigstens im Finale die Anzeigetafel an der Decke? Euer orangefarbener Klebepunkt für die Stirn, Stichwort DSVGO – er mag rechtlich in Ordnung gehen, aber findet ihr das selbst nicht lächerlich? Wer guckt die Fotos denn durch, ob da nicht irgendwer mit so nem Punkt im Publikum sitzt?! Technik: Internet kennt ihr sicher. Warum nicht ein Monitor mit den Ergebnissen irgendwo? Oder mit nem Beamer auf die Wand geworfen? (Ich weiß nicht, wie es in der Haupthalle war, da wir unsere Spiele allesamt in der Grundschule bestreiten durften.) Ehrlich, das hatte Dorfclub-Feeling und war insgesamt einer DM nicht würdig.

Abschließend möchte ich Dank loswerden: Dank an die Jungs, die uns ein tolles Wochenende bereitet haben, Dank ans Trainerteam, das an den passenden Schrauben gedreht hat, Dank an alle, die vor Ort ihren Teil beigetragen haben und Dank an alle, die vor dem Liveticker die Daumen gedrückt haben. Und natürlich von Herzen ein dickes DANKE SCHÖN für das große Lob zu Video und Ticker – ICH HABE ES SEHR GERNE GEMACHT!

Nachdem wir nun alle wieder zu Hause sind, wird es nun in den kommenden Wochen etwas ruhiger. Ein paar Beachturniere stehen an, bevor es dann nach den Sommerferien in der U18 als jüngerer Jahrgang weitergeht. Ich freue mich schon jetzt darauf!

Die Sehnsucht nach dem Ende

Ich bin mittlerweile ja bekannt dafür, die Dinge rund um RWE eher optimistisch zu sehen und vielleicht das eine oder andere Mal zu positiv über Spiele zu berichten, die von anderen als Grottenkick bezeichnet werden. Gestern Abend traf RWE auf die Wattenscheider Nachbarn. Die Niederlage, die es mal wieder für unseren Herzensverein hagelte, lässt mich dabei erstaunlich kalt.

Ich weiß dabei nicht einmal, woran ich das festmachen soll. Wir bekommen aus dem ersten – einzigen – ernsthaften Angriff der SGW mit dem Halbzeitpfiff das 0:1 nach einem eklatanten Stellungsverhalten bei einer Flanke. Unmittelbar nach der Pause trifft Nico Lucas aus 18m unhaltbar in den Winkel. Das 1:2 war erneut schön herausgespielt von den Gästen, auch hier der einzige echte Torschuss in Halbzeit zwei, in einer Phase, in der gerade so etwas wie Schwung auf Essener Seite aufkam. Erwähnenswert jedoch nur noch der 30m-Knaller von Scepanik, den der Wattenscheider Keeper beinahe durch die Hände ins Tor flutschen ließ. RWE agierte nach dem erneuten Rückstand jedoch weitestgehend planlos, Baier und vor allem die beiden „Abgänger“ Scepanik und Brauer mit so etwas wie dem Versuch, nicht nur planlos nach vorne zu spielen. So viel zum Spiel.

Insgesamt jedoch war das von der Mannschaftsleistung einfach zu wenig. Wenn ich überlege, dass die Gäste wie jedes Jahr auch diese Saison wieder an allen Ecken und Enden sparen mussten, dass die Gehaltszahlungen dort mal mehr, mal weniger regelmäßig flossen, dass nur ein (zur Farce verkommenes) Crowdfunding das Überleben sicherte – vor diesem Hintergrund finde ich es jedes Mal aufs Neue bemerkenswert, wie forsch und motiviert man besonders an der Hafenstraße auftritt.

Die Suche nach dem „Warum“ auf rot-weisser Seite macht mich rat- und mittlerweile auch hoffnungslos. Es ist klar, dass viele Spieler uns verlassen werden (Brauer, Scepanik, Urban, Becker, aktuellen Gerüchten zufolge wohl auch Remmo und Hirschberger), doch die, die auch nächste Saison das RWE-Trikot tragen wollen, haben diese Saison bei weitem nicht bewiesen, dass sie dem Anspruch der Hafenstraße genügen. Das war auf allen Positionen gestern – wieder einmal – viel zu wenig, um den Anspruch an ein erneutes Arbeitspapier für die kommende Saison zu rechtfertigen. Ich will dabei jetzt noch nicht einmal Namen nennen, um dem wütenden Mob nicht weitere Mistgabeln in und Fackeln in die Hand zu geben. Nein, für mich hat „das Team“ als Gesamtheit nicht nur gestern, sondern über die gesamte Rückrunde versagt. Dass man in der Hinrunde gegen mutig aufspielende Lippstädter unterliegt oder gegen Straelen nur zu einem Remis kommt, so etwas passiert halt. Aber spätestens dem BVB-Kagawa-Spiel hangelt sich RWE von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Ein farbloser Auftritt in Bonn, eine Ohrfeige für alle Fans in Wuppertal. Ideenlosigkeit im Mittelfeld, im Jahr 2019 zusätzlich harmlos im Angriff (Lucas‘ Tor war der erste Treffer seit 467 (!) Pflichtspielminuten), dazu solche Abwehrschnitzer wie gestern beim 0:1, Hellers „Heimann-Gedächtnis-Dribbling“ gegen Uerdingen (jaja, war Foul…). Es gibt niemanden im Kader, der wirklich einen Großteil der Spiele fehlerfrei absolviert hätte.

So ertappte ich mich gestern dabei, wie ich die Niederlage gestern einfach nur noch zur Kenntnis nahm. Mich nicht einmal darüber aufregte, was da geschehen war. Auch viele andere Fans konnte ich dabei beobachten, wie sie vollkommen emotional unberührt das Stadion verließen. Und genau das ist das Schlimme: Es ist einfach mittlerweile egal. Die Saison ist erledigt, wir werden nicht aufsteigen (die Komik dieser Aussage ist mir bewusst), wir werden auch nicht absteigen (obwohl wir in den letzten Spielen wie ein Absteiger spielen). Es wurden ALLE Saisonziele verfehlt (es sei denn „möglichst lange oben dranbleiben“ bedeutet bis zum zehnten, elften Spieltag). Dreizehn Liga-Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Das Pokalfinale wurde gegen Uerdingen verfehlt, überhaupt ist es RWE noch nicht gelungen, in diesem Wettbewerb einen Drittligisten zu besiegen. Es bleibt noch ein kleines Ziel, ein Sieg in Oberhausen, um deren Aufstiegsträume zu beenden.

Dann werde ich jedoch nicht vor Ort sein. Erstens habe ich mir geschworen, dieses „Stadion“ nie mehr zu betreten, solange man dort wie Vieh behandelt wird (Stehtribünenbesucher können das sicher nachvollziehen), zweitens werde ich lieber dem Team meines Sohnes, der U16 des VV Humann Essen bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften in Biedenkopf/Hessen die Daumen drücken. Und mehr Kontrast zu RWE geht eigentlich kaum. Das Team tritt dort ohne die „ganz großen“ Ambitionen an, da klar ist, dass man dort auf Teams treffen wird, die aus Sportinternaten und Leistungsstützpunkten bestehen. Und trotzdem kann man sicher sein, dass die Jungs (auf und neben dem Feld) sich für ihr Team zerreißen. Da passt kein Löschblatt dazwischen! Und genau das erwarte ich von „meinem“ RWE in der nächsten Saison. Der Reviersport sprach gestern in seinem Kommentar („Ein Kommentar.“) von den berühmten alten Zöpfen, die abgeschnitten werden. Im Fall Brauer halte ich diese wortwahl für überzogen, da er sich immer zu 1907% mit RWE identifiziert hat und identifizieren wird. Menschlich schade, dieser Abgang, sportlich sicher auch diskutabel. Aber die Mannschaft braucht Leader auf dem Feld, braucht ein neues Gesicht. Da darf es keine Ressentiments geben, nur weil jemand lange im Verein und/oder Publikumsliebling ist. Wie heißt es so schön? „Der Verein ist größer als jeder Spieler.“

Der Umbruch kommt. Das ist sicher, das ist sicher auch gut so. Mir ist auch klar, dass das dann noch lange keine Garantie für sportlichen Erfolg ist. Die nächste Spielzeit wird sicher nicht leichter, sollten Fortuna Köln und/oder die Sportfreunde Lotte absteigen, der MSV ist auch noch in der Verlosung, was einen Nichterhalt der Drittligalizenz angeht. Seit der Insolvenz und dem Aufstieg in Liga 4 stehen wir auf der Stelle und scheitern regelmäßig an den eigenen Ansprüchen. Es wird Zeit – dringend Zeit – den nächsten Schritt zu machen und sich weiterzuentwickeln. Diese Weiterentwicklung liegt in der Verantwortung von Marcus Uhlig und Jörn Nowak.