Da isser!

Da hatten die Vöglein gestern tatsächlich Recht: Unser neuer Trainer! Mit Karsten Neitzel kommt ein Mann an die Hafenstraße, der – wenn man seine beiden letzten eher unglücklichen Engagements außen vor lässt – einen durchaus beeindruckenden Lebenslauf vorweisen kann.

Nach seiner aktiven Karriere war er gut zwölf Jahre an der Seite des legendären Volker Finke beim SC Freiburg tätig und ließ sich nach dessen Abgang in die Verantwortung der 2. Mannschaft „zurückversetzen“. Dort führte er Spieler wie Aogo, Toprak oder auch Caligiuri an die Bundesliga heran, bevor er sich wiederum Finke bei dessen Engagement in Japan anschloss.

2013 wechselte er dann als Cheftrainer in die Dritte Liga zu Holstein Kiel, die er zunächst in der Liga hielt und später sogar in die Relegation zur 2. Bundesliga führte, wo man allerdings an 1860 scheiterte. 2016 wurde er dann nach unglücklichem Saisonstart freigestellt. In Kiel wurde die Entscheidung des Vereins jedoch nicht zwingend in der Fanszene mitgetragen.

Es folgte ein Intermezzo beim VfL Bochum, wo er vom Co-Trainer kurzzeitig zum Chef wurde, jedoch auch schnell wieder entlassen wurde. Ähnlich erging es ihm beim SV Elversberg, den er nach Meisterschaft in der Regio Südwest übernahm. im März aber nach einer sieglosen Serie von fünf Spielen auf Rang 5 liegend wurde er auch hier beurlaubt.


Ich selbst würde seiner Entlassung beim VfL nicht zu viel Gewicht beimessen, da sind schon ganz andere Trainer gescheitert. Platz 5 in Essen wäre derzeit ein Traum, weshalb ich auch hier nicht zu kritisch sein möchte.

Was ich bisher über Neitzel als Trainer gelesen habe, stimmt mich aber für den Moment ganz zuversichtlich. Jemand, der sich als Autoritätsperson sieht, der bestimmte Dinge von seinem Team fordert, allerdings auch weniger „Hurra-Fußball“ spielen lässt, dafür gerne mal destruktiv und auf Ergebnis. Ein wenig erinnert mich dies an Marc Fascher, immerhin der letzte Trainer, der uns auf den Platz an der Sonne führen konnte. Sollte Neitzel ohne Faschers Distanz zu den Fans und Hochnäsigkeit in den PKs auszukommen, könnte diese Verpflichtung ein echter Wechsel auf die Zukunft sein.

Daher meine Bitte: Lasst den Mann arbeiten. Es wird sicherlich nicht von heute auf morgen alles besser. Aber ein Konzept braucht Zeit. Neitzel kann noch bei der Kaderplanung ein Wörtchen mitreden und springt hier sicher nicht ins kalte Wasser. Ich denke, er kann sehr gut einschätzen, mit wem er weiterplanen möchte und wo er Verstärkungsbedarf sieht.

Zudem wäre dies der richtige Zeitpunkt, diesen beschissenen Stimmungsboykott aufzuheben und das Team am Mittwoch so richtig nach vorne zu peitschen. Denn nur gemeinsam kann bei RWE endlich Ruhe einkehren und der Blick hoffentlich auf mittelfristigen Erfolg gerichtet werden.

…und schon wieder keine Punkte, RWE…

Kerl… Ich bin ja wahrlich niemand, der gleich nach einer Niederlage das Ende der Welt herbeiredet. Heute jedoch fällt es mir schwer, am Spiel unseres Teams irgendetwas zu finden, dass mich für die kommende Saison zuversichtlich stimmen würde. Dabei waren die Voraussetzungen mit „sieben Punkten aus den letzten drei Partien“, wie Walter Ruege vor dem Spiel noch erwähnte, mit Wetter vom Allerfeinsten nun wirklich sowas wie optimal.

Und die ersten zehn, zwölf Minuten gehörten dann auch RWE. Unser Team hatte bereits nach wenigen Sekunden die erste von gefühlt fünfzig Ecken am heutigen Tag, und nach Ballverlusten wurde direkt nachgesetzt und Rödinghausen gar nicht erst ans Spielen gelassen. Nach dieser guten Phase, die jedoch auf keinerlei Torchance sah, flachte die Partie dann jedoch immer mehr ab, Rödinghausen wollte offenbar nicht nach vorne spielen, RWE fand zwar immer wieder die Außenspieler, doch alles, was in den Strafraum ging, waren dankbare Aufgaben für die Abwehr der Gäste. Auch mehrere Freistöße aus dem Halbfeld – meist Sache von Kevin Grund – landeten direkt in den Armen unseres Ex-Keepers Heimann.

Nach etwa 35 Minuten wurde dann der heute wieder sehr aktive Cedric Harenbrock einmal steil geschickt, mit zwei Haken ließ er die halbe Rödinghauser Abwehr stehen und passte flach in die Mitte, wo der Abschluss von Platzek in höchster Not noch geblockt und damit zum Kullerball wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war Rödinghausen noch nicht ein einziges Mal gefährlich vor dem Essener Kasten in Erscheinung getreten, Robin Heller bis dahin nur bei ein paar Rückpässen am Ball. Umso bitterer, was dann in der 42. Minute geschah. Becker, der bis in die gegnerische Hälfte aufgerückt war, verlor den Ball, ließ sich dann von einer Körpertäuschung verladen und rannte von dort seinem Gegenspieler ca. 2-3m hinterher. Der zur Hilfe eilende Meier konnte nicht verhindern, dass der Ball an ihm vorbeigelegt wurde, schließlich landete die Kugel dann aus ca. 10m für Heller unhaltbar im kurzen Eck. Mit 0:1 ging es somit in die Pause.

Unser (Immer-Noch-)Trainer entschied, dass Baier in der Kabine bleiben sollte und brachte stattdessen Jansen. Mich würde sehr interessieren, was dieser Wechsel bewirken sollte, denn fortan fehlte im Mittelfeld eine wichtige Anspielstation, wobei Baier auch in Halbzeit eins nicht durch besonderen Offensivdrang aufgefallen war. Erneut kam RWE besser in die Partie, aber mit fortschreitender Spieldauer wurden auch die Bemühungen um den Ausgleich weniger sorgfältig gespielt. Nach einem Freistoß von links brachte ein RWE-Spieler (Jansen? Konnte es nicht richtig sehen…) das Kunststück fertig, am langen Pfosten freistehend aus 3m übers Tor zu schießen.

In dieser Phase dachte sich Niclas Heimann dann wohl, dass er seinem Ex-Team etwas zurückgeben müsse: Nach einem Rückpass spielte Heimann – unter Druck durch den anlaufenden Pröger – einen zu schwachen Pass, den Harenbrock erlief. Der Ball landete erneut bei Pröger (gefühlt deutlich im Abseits, vielleicht kam der Ball vom Gegner?), der Heimann umkurvte und den Ball zum Ausgleich einschob.

Der Torjubel war noch nicht ganz verebbt, als Pröger den Ball an der gegnerischen Grundlinie eine Kerze zurückköpfte auf Malura. Dessen Direktschuss strich nur knapp am langen Pfosten und dem heranfliegenden Harenbrock vorbei.

Wer jetzt jedoch dachte, dies brächte neuen Schwung ins Essener Spiel, wurde leider getäuscht. Zwar hatte der Gast es nun wieder etwas eiliger, trotzdem bekam RWE kaum noch Torszenen zustande. Stattdessen kam es, wie es immer kommt… Rödinghausen spielte mit der linken Essener Abwehrseite Katz und Maus, Zeiger versucht noch, den Ball wegzuspitzeln, nimmt sich damit aber selbst aus der Szene, ein schneller Pass nach vorne und ein Schlenzer in den Winkel – hier war Heller in meinen Augen entweder klar falsch postiert oder er hat einfach nicht die Sprungkraft, die ein regionalliga-tauglicher Torhüter benötigt.

Der Rest der Partie bestand aus verzweifelten Versuchen, Jansen oder Platzek hektisch per hohem Ball anzuspielen. Keiner dieser Bälle kam jedoch an. Quasi mit dem Schlusspfiff hatte Rödinghausen noch die Chance aufs 3:1, als Heller nach einem Querpass die Variante „vorlegen“ statt „wegkloppen“ wählte und dann das Laufduell mit dem Rödinghauser vergeigte. Dessen Schuss gegen die Laufrichtung des Keepers, der außerhalb des Sechzehners unterwegs war, strich jedoch knapp am Pfosten vorbei.

Insgesamt war mir das heute viel zu wenig für ein Team, das die Saison noch möglichst positiv zu Ende spielen will. Zwar stimmte phasenweise der Einsatz, keine Frage, aber halt nicht über 90 Minuten. Wo war der unbedingte Wille, die Partie zu gewinnen?

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich das Ende der Saison herbeisehne. Es sind zwar nur noch ein paar wenige Spiele, und eigentlich kann auch nach unten nichts mehr anbrennen, aber die Art und Weise, wie „mein“ Verein zurzeit auf meinen Nerven herumtrampelt, ist kaum noch zu ertragen. Es bleibt noch die Hoffnung auf den Niederrheinpokal, doch selbigen samt DFB-Pokalspiel würde ich für eine Saison „obendrin“ jederzeit hergeben.

Die „aktive Szene“ übt sich derweil in Schweigen und dem Aufhängen von „Lösungen finden“-Transparenten. Den Sinn dahinter mögen einige wenige verstehen, in meinen Augen leistet man damit der Mannschaft einen Bärendienst, denn ich glaube, mit mehr Feuer auf der Tribüne wäre sicher mehr drin gewesen – so müßig es auch ist, darüber zu spekulieren. Die erste Lösung, nämlich die an der Seitenlinie, könnte morgen präsentiert werden, wenn das stimmt, was heute ein Vöglein gezwitschert hat. Ich bin gespannt.

Mittwoch geht es für die Mannschaft nach Wuppertal, eigentlich ein Höhepunkt der Saison, ich selbst verspüre derzeit aber keinerlei Wunsch, mir das Gebolze dort auch anzutun. Vermutlich wird es also einen Auswärtssieg geben, bevor es kommendes Wochenende zur Viktoria nach Köln geht.

Ich gehe jetzt ne Runde grillen und genieße dann das letzte Heimspiel der Volleyballer vom VV Humann samt Freibier und Grillwurst – die haben immerhin eine erfolgreiche Saison (so gut wie) hinter sich.

In diesem Sinne…

…NUR DER RWE!

Alter Verwalter,…

…meine Nerven! Muss das denn immer so ne enge Kiste sein?

Aber fangen wir vorne an. Bedingt durch einen privaten Termin war ich heute erst gute 10 Minuten nach Anpfiff auf meinem Westkurven-Stammplatz. Vorsichtig gesagt habe ich angesichts des weiteren Spielverlaufs in Halbzeit eins wohl nicht so viel verpasst.

Und weil es wohl nicht genügt, dass wir in der Liga nicht zu null spielen können und die Gegentore zudem zur Unzeit auch in der falschen Menge fallen, kassierten wir heute mal einen Treffer der kuriosen Art: Langer Einwurf in den Essener Strafraum, der Ball springt einmal, zweimal auf, und weil sich keiner der anwesenden Defensivspieler berufen fühlte, den Ball anzunehmen oder auch wegzudreschen, schob ihn ein Gladbacher einfach Lenz durch die Beine.

Sekunden nach Wiederanpfiff – Walter Ruege war gerade dabei, den Treffer zu verkünden, ich war noch nicht fertig damit, das Ergebnis an die Daheimgebliebenen zu tickern – nahm sich Bednarski ein Herz. Nach kurzem Sprint und Haken nach innen schickte er einen tollen Flachschuss auf die Reise, der im langen Eck einschlug. Postwendend der Ausgleich, keine Zeit für die „kleinen Fohlen“ (Hoppla, ein Pleonasmus!), den Schalter auf „mauern“ zu stellen.

Da ansonsten nichts, aber auch wirklich gar nichts außer ein paar seltsamen Schwächeanfällen bei den Gästen passierte, bekam das Spiel von mir zur Halbzeit das Prädikat „lauer Frühlingskick“.

Und so waren die Erwartungen, in der zweiten Halbzeit im „Hexenkessel Hafenstraße“ eine packende Begegnung zu erleben, nicht besonders hoch. Doch besonders RWE schien sich dann doch etwas vorgenommen zu haben. Nur wenige Augenblicke nach Wiederanpfiff setzte sich Pröger über rechts durch, lief parallel zur Grundlinie und versuchte, in der Mitte Platzek zu erreichen, doch der Ball wurde im letzten Moment zur Ecke geklärt. Nur wenige Minuten später hatte Bednarski die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber knapp am Gladbacher Keeper, der sich aus meiner Sicht völlig lächerlich minutenlang behandeln ließ, weil er sich vom Essener Stürmer getroffen fühlte. Ich persönlich halte Bednarski für so fair, dass er sich in dem Fall zumindest entschuldigt hätte, doch da er keine Anstalten machte, dies zu tun, gehe ich davon aus, dass da kein Kontakt gegeben war.

Bednarski war dann auch der Hauptdarsteller in der nächsten Szene: Flanke Platzek, schöner Kopfball aus vollem Lauf aus knapp 1m (!), doch der Gladbacher Keeper bekommt die Arme noch hoch und rettet zur Ecke. Wenig später schaffte es Zeiger aus noch kürzerer Distanz, eine Ecken-Verlängerung von Platzek am langen Pfosten neben den Kasten zu setzen – die Führung längst hochverdient. Es schien jedoch eines dieser Spiele zu werden, die man auch nach drei Stunden Spielzeit nicht gewinnt. Während die Gladbacher nun jede Chance nutzten, Zeit von der Uhr zu nehmen – jeder noch so kleine Schubser führte zum Aufmarsch der medizinischen Abteilung – fand RWE trotz der mittlerweile deutlichen Kontrolle über das Spiel nur schwerlich die Mittel, um das Tor der Gäste in Gefahr zu bringen. Ein weiterer Kopfball von Zeiger wurde noch mit einer Blitzreaktion über den Kasten gelenkt.

Als der schwache Schiedsrichter einen seiner umstrittenen Freistöße in zentraler Position vor dem rot-weissen Kasten gab, schwante so manch einem im Stadion sicher schon Böses. Der Freistoß senkte sich gefährlich über die Mauer, doch auch Lenz „kann“ Glanzparaden. Es ist müßig, an dieser Stelle zu diskutieren, ob Robin Heller auch so schnell abgetaucht wäre, doch in dieser Szene gehört der Dank ganz klar Lenz, der das Unentschieden zu diesem Zeitpunkt festhielt.

Wir hatten uns in unserem Eckchen in W3 schon mit dem erneuten Unentschieden abgefunden (zu sehr plätscherte das Spiel mittlerweile wieder dahin), als Pröger einen Pass schnell und steil auf Urban spielte, der die Nerven behielt und in der Mitte mit einer butterweichen Flanke Marcel Platzek bediente. Und endlich war der Ball da, wo er hingehört – im Netz des Gegners! Ein Tor, das wie eine Befreiung wirkte, denn ein Punktgewinn für die Gäste wäre heute alles andere als verdient gewesen.

Doch wir sind ja beim RWE, und so warfen die Gäste nun alles nach vorne, wo sie auch noch zwei Freistöße aus gefährlicher Position bekamen, die aber jeweils geklärt werden konnte. Interessant in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass Lenz noch gelb für Zeitspiel bekam, obwohl sein Kollege auf der anderen Seite in mindestens gleichem Umfang zuvor Sekunde um Sekunde bei jedem Abstoß ausgekostet hatte.

Am Ende war es dann aber tatsächlich soweit – erster Liga-Sieg in diesem Kalenderjahr für RWE, gegen einen Gegner, der schon früh deutlich machte, dass er eigentlich keine Lust auf eigene Angriffe hatte und immer wieder das Tempo aus dem Spiel nahm.

Auffälligster Spieler war heute sicherlich Kamil Bednarski, der in den letzten Partien immer besser in Erscheinung treten konnte. Obwohl er sicher nicht der schnellste und technisch versierteste (Ball“annahme“!!!) im Team ist, so ist er mit seiner Statur und Torgefährlichkeit mittlerweile mindestens so wertvoll wie Pröger auf der anderen Seite, der ja mehr durch Tempo und Einsatz sticht. Ich möchte mich gar soweit aus dem Fenster lehnen, dass die beiden bis zum Saisonende sicherlich den Vorzug von Jansen bekommen werden, so sie denn fit bleiben.

Zum Schiedsrichter habe ich ja schon einiges gesagt. Ich möchte trotzdem noch ergänzen, dass ich schon auffällig fand, wie oft winzigste Körperkontakte mit anschließender „Verletzungsunterbrechung“ tatsächlich abgepfiffen wurden. Ich meine, wenn er ein- oder zweimal darauf eingeht – okay. Aber irgendwann muss doch auch dem Schiedsrichter mal auffallen, dass das Verhältnis zwischen Foul und Behandlungsbedarf nicht stimmt. Lernt man sowas nicht in einem Schiri-Kurs? Das haben seine Kollegen in den letzten Spielen deutlich besser im Griff gehabt. Dass diese ständigen Unterbrechungen auch nicht dazu beitrugen, dass ein ordentliches Spiel zustande kommen konnte, ist wohl klar…

Ich jedenfalls war schon lange nicht mehr so nervös nach einer eigenen Führung in den Schlussminuten. Das ging beinahe so weit, dass ich die letzten Freistöße vor unserem Kasten am liebsten gar nicht mit ansehen konnte. Warum immer so spannend? Ich werd‘ zu alt für den Scheiß.

Für die Partie am kommenden Donnerstag wünsche ich mir einmal einen glatten, ungefährdeten 3:0-Sieg unserer Mannschaft. Einfach nur mal für den Blutdruck

Das Imperium schlägt zurück

Niederrheinpokal – Halbfinale gegen den TV Jahn Hiesfeld, der im Viertelfinale immerhin den Wuppertaler SV aus dem Turnier gekickt hat – RWE sollte gewarnt sein. Das Team bestückt mit einigen ehemaligen RWO-Akteuren, die öffentlich mit dem Sieg über RWE geliebäugelt haben. gab sich im Vorfeld kämpferisch. So hat man die berühmte Einleitung der Asterix-Comics umgetextet. Man sei gewillt, dem übermächtigen Gegner (nennen wir es einfach „Essener Imperium“) das Leben schwer zu machen.

Das gelang auch gute 20 Minuten recht ordentlich, zu zerfahren die Aktionen der Hausherren. Viele Stockfehler prägten das Spiel, und RWE hatte kaum Zeit, mal ein paar präzise Pässe am Stück zu spielen, weil Hiesfeld zu Beginn sein Heil in der Offensive suchte. Mit fortschreitender Spielzeit entwickelte sich dann aber doch in Hälfte eins ein Spiel im besten Handball-Stil, immer herum um den Dinslakener Strafraum. Wurde der Ball geklärt, so war umgehend ein rot-weisser Fuß zur Stelle, um den Ball wieder zu sichern. Leider dauerte es trotzdem bis zur 30. Minute, bis Timo Brauer per Geistesblitz Kai Pröger auf die Reise schickte, dieser aber am Keeper im Eins-gegen-Eins scheiterte. Gute 10 Minuten später musste der Hiesfelder Keeper sich strecken, als er vom eigenen Mann auf dem falschen Fuß erwischt wurde, und quasi mit dem Halbzeitpfiff nagelte Platzek einen Kopfball nur knapp neben den Kasten, und so musste man sich mit einem torlosen Unentschieden zum Pausentee (den wollte ich schon IMMER mal bringen) begeben.

Nach dem Seitenwechsel wurden die rot-weissen Angriffe dann deutlich zielstrebiger als zuvor. Wieder und wieder gelang es, hinter die Abwehrkette zu kommen, und immer wieder nutzen Baier und Brauer die sich bietenden Möglichkeiten, Malura / Pröger auf rechts bzw. Bednarski / Grund steil anzuspielen. Während nach knapp 50 Minuten ein Volleyschuss von Pröger aus 11m nach feiner Bednarski-Flanke noch knapp am Kasten vorbeistrich und wenig später ein Angriff wegen äußerst zweifelhaftem Abseits abgepfiffen wurde, war es dann in der 62. Minute endlich soweit: Eckball RWE, Baier spielt den unbeliebten kurzen Pass auf Grund, der sich um seinen Gegenspieler dreht und den Ball von der Grundlinie zurücklegt. Dort lässt Zeiger den Ball passieren und Meier hatte freie Schussbahn – 1:0.

Dieser Treffer belebte das Spiel, denn nun musste Hiesfeld endlich die Deckung öffnen. Nur drei Minuten nach der Führung gab es erneut Eckball, diesmal von der anderen Seite. Flanke Grund, Platzek verlängert, und am langen Pfosten drückt Malura den Ball aus einem knappen Meter flach ins Tor.

RWE nahm eine kurze schöpferische Pause, um die nun intensiver werdenden Bemühungen der Gäste abzufangen und nicht in Konter zu laufen. Stattdessen konnte zehn Minuten vor Schluss nachgelegt werden: Der heute wieder extrem laufstarke Platzek erobert einen hohen Ball an der Mittellinie, läuft über rechts, lässt Pröger kreuzen, zieht dann nach innen und flankt auf den völlig blank stehenden Bednarski, der den Ball annimmt und über den herauseilenden Keeper lupft. Zwar versucht noch ein Verteidiger, den Ball zu klären, kommt dabei aber zu spät 3:0 – Drops gelutscht!

Während ich einige Freunde noch per WhatsApp über den weiteren Treffer informierte, fiel dann nach einem erneuten schnellen Angriff über Pröger das 4:0, mit dem Schlusspfiff bereitete dann Timo Brauer mit einem Zuckerpass per Außenrist auf Bednarski das 5:0 vor.

Bemerkenswert, dass Hiesfeld im kompletten Spiel nicht einen einzigen gefährlichen Schuss aufs rot-weisse Tor abgegeben hat. In den paar Situationen, in denen Lenz Flanken vom Himmel pflücken musste, strahlte er dabei eine ungeheure Souveränität aus.

Erfolgsgaranten heute ganz klar Platzek mit seiner Laufarbeit, Grund mit zwei Vorbereitungen sowie Bednarski mit seinen Treffern. Bei letzterem würde ich mir wünschen, dass er seine körperliche Robustheit öfter einsetzen würde, um Bälle abzusichern und ordentlich anzunehmen, zu oft springen Bälle ungünstig von ihm weg oder werden ihm einfach abgelaufen. Baier versteckte sich für meinen Geschmack in Halbzeit eins zu sehr, nach dem Wechsel war er einfach überall zu finden – warum nicht früher so?

Noch ein Wort zur Stimmung: Während die Gästefans sich auch nach den Toren nicht vom Feiern abhalten ließen, handelte die aktive Szene heute mal wieder nach dem Motto „et is noch immer joot jejange“ und schwieg größtenteils. Ich finde es dennoch traurig, dass ohne besagte Jungs und Mädels einfach keinerlei Stimmung aufkommen wollte. Und ich behaupte, dass heute nur die ganz harten Fans im Stadion waren, mit Event-Erfolgs-Schönwetter-Fans hatte das jedenfalls nichts zu tun. Immerhin bot dies die Gelegenheit, auch dem Schiri / Assistenten mal lautstark mitzuteilen, was man von dessen Entscheidungen hält, und auch die launigen Gesänge der Gäste waren ordentlich zu vernehmen. Ich möchte an dieser Stelle noch kurz die letzte offene Frage („Warum seid ihr H***n so leise?“) beantworten: Für euch Spiel des Jahres, für uns nur ein lästiger Kick in einer Phase, die man durchaus als Krise bezeichnen könnte. Da haben die meisten hier wohl keine Lust zu feiern…

Ich hoffe auf ein packendes Finale mit hoffentlich besserem Ende für uns. Wie ich durchaus scherzhaft bereits bei Twitter/Facebook erwähnte, wäre ich einem Finale an einem neutralen Ort wie beispielsweise dem Niederrheinstadion (verstehste? Neutraler Ort?) nicht abgeneigt. Wenn ich richtig informiert bin, findet der diesjährige „Tag der Amateure“ am Pfingstmontag statt – freihalten, Leute!

Den durchaus tapferen Gästen möchte ich in bester römischer Tradition für die Heimreise in ihr kleines, unbeugsames Dorf mitgeben: „Assindia seu vicit cope!“

Mächtig in die Hose…

Endlich wieder Pflichtspielalltag, kein Pokalgeplänkel, keine unwichtigen Testspielereien, nein: Punktejagd.

Bei kühlem aber winterlich-schönem Wetter lockte also endlich wieder die heimische Hafenstraße, und ein latenter Optimismus lag in der Luft, dass heute gegen die Tabellenkeller-Kinder vom Bonner SC direkt der erste Heimsieg gelingen sollte. Und auch das Team schien sich der Verantwortung bewusst und erarbeitete sich nach nur wenigen Sekunden direkt die erste Ecke, die jedoch wirkungslos verpuffte. Was folgte, vermochte einem die Verwunderung ins Gesicht zu treiben: Um jeden Zentimeter wurde gekämpft und verlorene Bälle noch in der gegnerischen Hälfte zurückerobert. Der Bonner SC kam einfach nicht in die Partie, trotzdem gehörte ihm die erste „Chance“ des Spiels, als Pröger einen Ball in Höhe der Mittellinie nur knapp vor seinem Gegner erwischte und ihn per Pressschlag klären wollte. Damit überlistete er jedoch die eigene Abwehr und schickte einen Bonner auf die Reise, der aber den Ball ungefähr so verzog, wie Baier neulich seinen Elfer in Düsseldorf.

Unbeeindruckt rollte jedoch ein Angriff nach dem anderen auf das Bonner Tor. Gleich zweimal hatte Platzek die Führung auf dem Fuß, Pröger hätte in einer Situation nur noch ablegen müssen, entschied sich aber für den Torschuss, der pariert wurde. Malura flankte einige Male gut in die Mitte, sodass in höchster Not geklärt werden konnte, zudem fehlte es manchmal am Quentchen Glück beim entscheidenden Pass. Auf der anderen Seite musste Heller, der für den kurzfristig verletzten Lenz wieder im Kasten stand, ein einziges Mal nach einer tollen Einzelaktion eines Bonners reagieren, ansonsten brannte hinten dank dem erneut bärenstarken Philipp Zeiger mit seinen Compagneros Meier und Becker nichts an.

Leider jedoch wurde der enorme Einsatz nicht belohnt, und so ging es torlos in die Pause. Nach dem Wechsel bot sich ein ähnliches Bild, aber die Bonner begannen, die Essener Angriffsbemühungen immer wieder frühzeitig zu unterbinden, so dass es kaum noch Torszenen zu sehen gab. Gerade als Giannikis Brauer und Lucas (heute linkes Mittelfeld) gegen Harenbrock und Jansen getauscht hatte, geschah das Unfassbare: Eine eigentlich harmlose Flanke flog in hohem Bogen in den rot-weissen Strafraum, der ansonsten abgeklärte Timo Becker dachte wohl, Heller nähme sich des Balles an und zog den Kopf ein. Hinter ihm jedoch fiel der Ball einem Bonner Spieler vor die Füße, der trotz aller Überraschung die Nerven behielt und den Ball aus zwei Metern fast schon versehentlich im Tor unterbrachte.

Was folgte, waren erneute, mehr oder weniger wütende Angriffe der rot-weissen, doch Bonn tat jetzt das, was man erwartete: Sie igelten sich im eigenen Sechzehner ein und begannen mit einem Zeitspiel der fürchterlichsten Art: Bei gleich zwei Wechseln taten die Auszuwechselnden so, als ob sie gar nicht wüssten, dass sie gemeint seien, bei einer Ecke versuchte einer der Ersatzmänner, Baier an der Ausführung zu hindern und begann eine Diskussion mit dem Schiedsrichter, der ihm sogar schlussendlich die gelbe Karte zeigte. Gleichzeitig schlichen sich bei RWE immer mehr Ungenauigkeiten ins Passspiel ein, so dass ein ordentlicher Aufbau von Druck kaum noch möglich war.

Zu diesem Zeitspiel-Gedöns sei mir eine persönliche Anmerkung gegönnt: Ich bin der Auffassung, dass hier viel öfter und konsequenter von den Unparteiischen durchgegriffen werden müsste. Zeigt ein Spieler nicht deutlich, dass er an dem Wechsel seiner Mannschaft teilnehmen möchte, indem er den Platz zügig verlässt, so sollte der Schiedsrichter den Wechsel für den Moment ablehnen und ihn auf die nächste Unterbrechung verlegen. Für mich sind Szenen wie diese (oder der Eckball, für den sich am Ende niemand mehr zuständig fühlte) ein Plädoyer für das Anhalten der Uhr. By the way: Kann sich irgendwer an ein ähnliches Zeitspiel unserer Mannschaft erinnern – und ich meine nicht „mit dem Ball zur Eckfahne“?

In einer einzigen Szene lag der Torjubel schon den meisten Anwesenden auf der Zunge, aber der Ball wurde wohl tatsächlich vor der Linie geklärt, sodass es auch keinerlei Proteste der Spieler gab. Am Ende griff mal wieder die alte Weisheit „Machste se vorne nicht, kriegste hinten einen.“

Eines der besten Heimspiele seit langem – zumindest in Halbzeit eins – wurde durch einen einzigen individuellen Fehler total ad absurdum geführt. So wurde aus dem Bonnduell ein Abend, der mir persönlich noch schwer im Magen liegt und an dem ich noch ordentlich zu verdauen habe (man möge mir die Wortspielerei verzeihen).

Was mich allerdings positiv stimmt ist, dass der in Düsseldorf noch so schwache Baier heute wieder Präsenz und Einsatz zeigte. Einige wichtige Ballgewinne, Grätschen, ein zwei Haken am Sechzehner und das Auge für den Mitspieler – so wie man ihn sehen will. Pröger hingegen hat heute einen rabenschwarzen Tag erwischt. Nicht nur oben beschriebene Chance für Bonn, auch einige unnötige Ballverluste, der vergebene Torschuss statt dem Querpass zum sicheren 1:0 und ein Lauf auf die linke Seite, an dessen Ende er den Fall wegen des schwachen Fußes nicht mehr sinnvoll abspielen konnte. Nein, bei ihm lief es heute nicht rund.

Spielerisch war die erste Halbzeit toll anzusehen. Immer wieder wurden Pässe mit dem Rücken zum gegnerischen Tor angenommen und direkt auf die Außenspieler abgelegt. Hier gab es zwar auch einige Ausrutscher, aber nichts, woran man nicht arbeiten könnte.

Erwähnenswert auch, dass nicht die leiseste Note in Richtung des scheidenden (hihi, Scheide! *kicher*) Trainers zu hören war. Die Fans haben bislang anscheinend akzeptiert, dass er noch zu uns gehört. So muss das.

Zu den Choreos vor dem Spiel und nach der Halbzeit wird es bestimmt an anderer Stelle zu lesen und sehen geben. Danke an die Organisatoren, das war zweifache Gänsehaut!

Nachdem das Nachholspiel in Wuppertal abgesagt wurde, erwartet uns als nächstes der SC Wiedenbrück, von dem ich mit Schrecken vernommen habe, dass er auf Tabellenplatz 3 rangiert.

Ich hoffe, dass der Frust über die heutige unnötige Niederlage bis dahin aus den Köpfen der Spieler ist. In der aktuellen Situation jedoch reisen wir als Außenseiter an, und das muss ja nicht immer die schlechteste Voraussetzung sein. Vielleicht tut ein bisschen Demut uns auch mal ganz gut.

Das will ich auch!

Gott sei Dank ist bald die Winterpause vorbei, dann kann ich wieder über das aktuelle Geschehen schreiben und verfange mich nicht so sehr in der Vergangenheit… Fortuna Düsseldorf auf dem Spitzenplatz, Holzbein Kiel und der MSV (sic!) in den Verfolgerrollen. Nein, als RWE-Fan fällt es einem nicht leicht, auf die Tabelle der zweiten Liga zu gucken.

Verbindet uns mit Düsseldorf und Duisburg schon aufgrund der räumlichen Nähe eine besondere Rivalität, so habe ich die Kieler noch als Ligakonkurrenten Anfang der 2000er Jahre im Kopf. Auch bei Eintracht Braunschweig (die uns in letzter Sekunde den sicher geglaubten Platz in der Dritten Liga wegschnappten – remember Lübeck, dann über den „Umweg“ Bundesliga mittlerweile wieder in der 2. Liga landeten) oder gar dem FC Augsburg (parallel zu uns 2006 in die 2. Liga aufgestiegen, mittlerweile recht etabliertes Bundesliga-Mitglied) bekomme ich dieses „Was-wäre-gewesen-wenn“-Gefühl.

Was, wenn nicht die Braunschweiger, sondern wir in der neu gegründeten Liga geblieben wären? Was, wenn die Kickers Offenbach nicht an unserem letzten Zweitliga-Spieltag unentschieden gespielt hätten (dann wären wir dringeblieben und die Kickers abgestiegen)? Wieso können wir nicht statt Augsburg in der Bundesliga spielen?

Zweite Liga… Bei meinen Gedanken dazu stolpere ich über den „Gewaltroller“ des Burghauseners Ledgerwood, aus drölfzig Metern in der Nachspielzeit zum Ausgleich, die beiden (!) Paderborner Gegentreffer in der 90. Minute zum 2:2 (übrigens am 22. Oktober, ebenso wie (anderes Jahr…) die beiden Treffer von Podolski gegen uns, ebenfalls zum 2:2 kurz vor Schluss). Ein Lavric-Kopfball in der Nachspielzeit bedeutet den Sieg für den MSV statt eines Punktes. Es zerreißt mir das rot-weisse Herz. Das wären fünf Punkte mehr – das wäre der sichere Klassenerhalt gewesen…

Eine Saison später in der Regio Nord, in der Quali zur neuen Dritten Liga: In Braunschweig fliegt Tim Erfen mit Gelb-Rot wegen „Ballwegschlagens“ (hier sehr schön zu sehen) vom Platz – bis heute für mich eine nicht nachvollziehbare Entscheidung, wenn man so manch anderes, ungeahntes Verhalten sieht – das Spiel endet nach Doppelpack in der 84. und 86. Minute mit 1:2. In Wuppertal kassieren wir in der 87. Minute mal wieder einen Ausgleich, und Lübeck… na ja, unsere Stürmer waren da wohl gedanklich schon in Paderborn. sechs Punkte, von denen uns lediglich zwei (bzw. einer, holt man in BS ein Unentschieden) zum Klassenerhalt fehlen.

Natürlich ist es höchst müßig darüber zu spekulieren, ob uns im Falle eines Klassenerhaltes ebenso gelungen wäre, finanziell wieder auf sichere Beine zu gelangen. Vielleicht hätte das Vabanquespiel in der Führungsriege weiterhin auf (zu) großem Fuß gelebt und das Geld von übermorgen bereits ausgegeben.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Ich frage mich, was die Augsburger, Duisburger, Kieler und Düsseldorfer abgesehen vom Sportlichen anders gemacht haben. Okay, in Düsseldorf gibt es genug potente Unternehmen, eine gesunde Stadtkasse und auch das Stadion war frühzeitig als Grundlage für sportlichen Erfolg vorhanden. Aber Duisburg ist dem Insolvenzverwalter gerade noch von der Schippe gesprungen. Kiel kann auch nicht gerade mit Großsponsoren wuchern. Gibt es da mehr „Ruhe“, um zu arbeiten? Sind die Spieler dort wirklich so gut, um auch als Aufsteiger oben mitzuspielen? Oder ist es einfach nur der berühmte Lauf, wenn man mal ein paar Spiele in Folge gewinnt? Was immer es ist – ich will es auch!

Ich will nicht mehr von einigen Duisburger Freunden belächelt werden, wenn mein Team am Wochenende gegen Wegberg-Beeck (bei allem Respekt) ein Unentschieden holt. Oder montags das Gespräch der Kollegen hören, die sich darüber auslassen, dass das Spiel der Fortuna mal wieder geil war. Ich will nicht mehr hören: „Rot-Weiss Essen? Das sind doch die, die vor der Saison immer große Fresse haben und dann schön regelmäßig verkacken!“

Es muss ja auch nicht gleich der „große Wurf“ sein. Ich will aber wenigstens wieder ein Team wie in den Jahren 2002 bis 2004 mit Namen wie Wolf, Lintjens, Haeldermans, Bilgin, Calik, den Lorenz-Brüdern oder Boskovic. Das zwar auch zweimal knapp den Aufschwung verpasst hat, aber uns bis zum Ende der Saison etwas zum Dran-Glauben gab. Das uns auch am letzten Spieltag noch in Horden nach Münster, Bremen und Wattenscheid lockte. Das uns jubeln ließ, das uns auch trotz Niederlagen stolz machte.

Ich fürchte jedoch, dass unabhängig von den Personen, die das Team zusammenstellen, einfach alles passen muss: man benötigt das richtige Händchen bei den Charakteren, man braucht auch mal einen dreckigen Sieg kurz vor Schluss (Homberg – Fallrückzieher Thamm!), Ausrutscher der Konkurrenten beim Tabellenschlusslicht. Aber man braucht vor allem Kontinuität. Diese hatten wir nun lange Jahre endlich mal wieder (und hoffentlich auch in Zukunft wieder) im Präsidium, was fehlt, ist die Konstanz auf dem Trainerposten. Mit einem jährlichen Wechsel, unterschiedlichen Spielphilosophien und einer unendlich großen Spielerfluktuation ist dieses Ziel kaum erreichbar. Und – siehe wieder Duisburg – dafür braucht es nicht mal die berühmten Königstransfers. Es braucht ein Team, das zusammenhält, sich den Allerwertesten aufreißt und sich mit gesundem Selbstvertrauen jedem Gegner entgegen- und ihn vor spielerische Probleme stellt. Ein Team, dass die Hafenstraße bis zum letzten Schweißtropfen verteidigt. Daher glaube ich auch nicht, dass es zwingend notwendig ist, viel Geld in die Hand zu nehmen. Mit Altstars auf Farewell-Tour haben wir ohnehin in der Vergangenheit nicht die besten Erfahrungen gemacht. (Markus) Kurth, Knappmann, Löbe. Großartige Spieler – in ihrer Zeit vor uns. Oder kann mir noch jemand die großen Höhepunkte eines Chitsulo, van der Ven oder Teixeira aufzählen

Heiteres Kandidaten-Raten

Da meine Meinung zum Abgang bereits hervorragend von Im Schatten der Tribüne und Catennaccio 07 eingefangen wurde und ich nicht noch zum dritten Mal darauf herumreiten will, habe ich mir verschiedene Trainerkandidaten, die in Foren und Netzwerken herumgeistern, näher angesehen. Natürlich besteht hier weder Anspruch auf Vollständigkeit und das Ganze gibt zum Teil nur mein Bauchgefühl wieder. Über allen Namen hängt zudem das Banner „finanziell machbar?“.

In alphabetischer Reihenfolge (für die Doofies: nach Nachnamen!):

Ismail Atalan schaffte das „Wunder von Lotte“, ging dann völlig überraschend zum VfL Bochum, anstatt erstmal die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Hatte dort nur zehn Gastauftritte. Wird in meinen Augen etwas überschätzt. Weiß zwar, wie Aufstieg geht, hatte in Lotte aber auch satte vier Jahre (in Worten: einhundertundzehn Spiele) Zeit. Zeit gibt es in Essen erfahrungsgemäß selten für einen Trainer. Wenn es in eventuellen Gesprächen knistert – warum nicht.

Karsten Baumann (auch bekannt als „der falsche Karsten Baumann“) spielte beim Wuppertaler SV, als zeitgleich der „richtige Carsten Baumann“ für uns auflief. Hat auf Regionalliga-Ebene aus seiner aktiven Zeit bestimmt jede Menge (gute?) Kontakte. Gilt als (was ist eigentlich das Gegenteil von „Saubermann“…) jemand mit Ecken und Kanten. Hat keine gute Vorgeschichte mit RWE – Finger weg, wäre schon vor seinem ersten Spiel „unten durch“.

Andreas Crom – Essener Urgewächs, Rot-Weisser durch und durch. Kennt die Spieler alle bereits mit Rückennummer und Vornamen. Gelang das Kunststück, dreimal in Folge die Champions League – mit dem VfL Osnabrück und anschließend zweimal mit RWE (Anstoß 3) – zu gewinnen. Sehr emotional, vor allem bei Niederlagen in Fifa. Stünde ablösefrei zur Verfügung, könnte aber nur abends und am Wochenende. Vorausgesetzt, der Abwasch ist erledigt und der Hund war gassi.

Peter Hyballa hatte schon bei RWE unterschrieben, bevor die Insolvenz das Papier für nichtig erklärte. Kurzes Gastspiel in Holland, aber dort auch schon wieder weg vom Fenster. Steht im Ruf, „ein Guten“ zu sein. Wäre in meinen Augen aber ein weiteres, gewagtes Experiment.

Lorenz-Günther Köstner war unser letzter Trainer in der zweiten Liga und ist mittlerweile 65. Hat nach seinem Abgang hier satte sechs Jahre die 2. Mannschaft des VfL Wolfsburg trainiert. Allerdings ist er auch schon seit 2014 ohne Job. Ich denke, er hat genug vom Trainerdasein und genießt sein Altenteil. Abgesehen davon kann ich nicht verstehen, was einige an ihm gefressen haben. Hat damals allerdings mit der groben Kelle aufgeräumt, das muss man ihm lassen. Allerdings sehe ich in unserem Team keine Quertreiber, die diesen Ansatz rechtfertigen würden.

Stefan Krämer kennt Marcus Uhlig aus Bielefelder Zeiten, zuletzt schon bei RWE (dem falschen im Osten). Hat noch nicht viel an Erfolgen vorzuweisen, wäre andererseits auch nicht vorbelastet.

Norbert Meier dürfte wohl deutlich zu teuer sein, außerdem nicht die Art Trainer, die sich in die Arbeit reinreden lässt – schon gar nicht aus finanziellen Gründen. Macht, was er will, geht im Zweifel über Leichen.

Farat Toku oft genannt, macht einen hervorragenden Job in Wattenscheid mit den engen Grenzen, die er dort hat. Genau das dürfte auch das Problem sein. Bis dass der Tod euch scheidet…

Peter Vollmann ist derzeit noch für den neuen Giannikis-Club VfR Aalen tätig und trennt sich, wie es scheint, im Guten. Dürfte den Westen gut kennen, war ja lange in Münster und Wattenscheid „unterwegs“. Hat im Großen und Ganzen in Kiel, Wehen und Aalen gute, solide Arbeit geleistet, „kann“ Dritte Liga. Die Frage dürfte sein: „Will“ er auch vierte Liga? Mein persönlicher Favorit, vermutlich aber Träumerei.

Stefan Vollmerhausen ist derzeit beim Wuppertaler SV im Amt. „Wieder im Amt“ müsste man eigentlich sagen, denn er war nach dem überraschenden Abgang von Marco Antwerpen von Viktoria zu Preußen Münster schon eigentlich sicher in Köln auf der Bank, hat sich dann aber noch umentschieden. Warum – das bleibt Spekulation. Trotzdem – wäre zwar möglicherweise ein Top-Mann für uns, aber wer bei laufendem Vertrag so öffentlich bei anderen Vereinen vorstellig wird… Nee, lass ma‘.

Maik Walpurgis – Hassobjekt Nummer eins bei den Partien gegen die Sportfreunde Lotte. Nach seinem Fast-Aufstieg später sogar in Liga 1 gelandet. Hat sicher höhere Ambitionen, als sich hier nochmal beschimpfen zu lassen.

Carsten Wolters ist bereis im Verein und hat in der U19 „bewiesen“, was er kann. Seitdem nur noch in der Funktion als zweiter Mann an der Seitenlinie. In meinen Augen keine gute Lösung bei der Vorgeschichte.

Andreas Zimmermann hat ebenfalls eine RWE-Vorgeschichte. Stieg mit dem legendären Kader um Bonan und Goldbaek auf, schloss sich danach aber dem SC Paderborn an (nein, VOR Lübeck!). War lange Trainer in Oberhausen und – soweit ich das mitbekommen habe – dort auch für seine Arbeit sehr geschätzt. Habe ihn in Erinnerung (als Trainer), dass er sein Team auf der emotionalen Schiene packen kann. Wäre bei uns sicher nicht verkehrt.

Vielleicht wird es einer von denen, vielleicht auch nicht. Welche Vorschläge hättet ihr?

[Youtuber-Stimme]
„Haut sie in den Kommis raus, macht’s gut, bis zum nächsten Mal!“

Egal, wer es wird. Ich wünsche mir a) keine erneuten leeren Phrasen und b) eine faire Chance ohne Rücksicht auf vergangene Erfolge oder Misserfolge. Denn eines kann der Giannikis-Nachfolger als einziger Mensch für sich reklamieren: Er ist Trainer beim geilsten Verein der Welt!

NUR DER RWE!