Ein Kommentar.

 

Der Reviersport nennt exklusiv zwei Spieler, die bei uns auf dem Zettel stehen sollen, der Verein erteilt eine klare Absage. In der WAZ versucht die Funke-Gruppe derweil, Unruhe zu stiften. „Ein Kommentar.“

Als der Reviersport im Februar sich berufen fühlte, Termine für Vertragsabschlüsse zu diktieren (hier), indem man erklärte, „bis März sollten die Essener einen Lucas-Nachfolger gefunden haben“, ließ man sich in der RWE-Führungsetage dadurch nicht aus der Ruhe bringen, sondern führte die Gespräche hinter verschlossenen Türen. Nur ganz wenige Eingeweihte wissen bis dato, wer der neue sportliche Leiter wird, der laut Marcus Uhlig intensiv in die Kaderplanung involviert ist.

Als ich heute Morgen völlig „oldschool“ die Printausgabe der WAZ aufschlug, stolperte ich über folgenden Kommentar (sorry für die Grafiklänge):

img_8302(Übrigens: „Vorgänger“ muss man in diesem Zusammenhang nicht in Anführungszeichen setzen, denn er ist de facto der Vorgänger.)

Es wird geradezu die Verzweiflung deutlich, dass einfach NICHTS durchsickert. Was macht man also? Man versenkt die ersten Haken, an denen man sich später hochziehen kann, man versucht, Jürgen Lucas in die Schussbahn zu stellen, indem man ihm jetzt bereits Entscheidungen bei den Transfers unterzujubeln droht. Doch Lucas handelt nicht, er ist im Grunde nur der „Bote“, ein Erfüllungsgehilfe, die lange Hand des neuen Sportvorstands. Ich bin sicher, dass er – der Mann, dessen Blut vor rot-weissen Blutkörperchen nur so schäumt – nicht ohne Absprachen tätig wird. Das Thema rund um Nico Lucas ist zudem so sehr ausgelutscht, dass es sich kaum noch lohnt, darauf einzugehen. Trainer kamen und gingen, Nico Lucas blieb im Kader. Irgendwas werden die Verantwortlichen wohl in ihm gesehen haben. Die Behauptung, der Vater habe irgendetwas mit der Aufstellung des Sohnes zu tun, ist schlicht abstrus. Warum hier noch immer unterschwellig Öl ins Feuer mancher Fans gegossen wird, ist mir offen gesagt ein Rätsel.

Abschließend geht der gute Rolf Hantel nochmals auf die zwei „Kracher“ ein, die nicht verpflichtet werden. Es wäre nur richtiger gewesen zu erwähnen, dass es Kollegen des eigenen Verlags waren, die diese Namen ins Spiel brachten: Vergangenen Dienstag vermeldete der Reviersport (hier): „RevierSport kennt zwei weitere Namen von Spielern, die auf der RWE-Wunschliste stehen. […] Wie RevierSport erfuhr, stehen Sebastian Neumann (28, MSV Duisburg) und Dominik Ernst (28, Fortuna Köln) auf der Essener Wunschliste.“

Nach dem deutlichen Dementi des Vereins darf man wohl sagen: Nein. Kennt ihr nicht. Aber wenn man nur oft genug Namen in den Ring wirft, ist vielleicht mal ein Treffer dabei. Ganz exklusiv – versteht sich. (Kleiner Tipp am Rande: Nicht jeder, der im RWE-Forum etwas schreibt, hat Insider-Informationen…)

Doch was war die Folge? Neumann spielt mit Defibrillator, bei uns Fans kommen da gleich Erinnerungen an Daniel Engelbrecht hoch, der im Training der Vorbereitung zusammenbrach und operiert werden musste, schlussendlich keine einzige Partie für RWE absolvierte und sich damit in die Reihe gescheiterter Hoffnungsträger einreihte. Die Stimmung in sozialen Medien und Foren pegelte sich umgehend zwischen Zorn, Zynismus und Spott ein. Und obwohl diese Spieler wohl überhaupt kein Thema an der Hafenstraße sind, wird irgendwo bei einigen Leuten ein fader Geschmack übriggeblieben sein. Muss das wirklich sein?

Ich bleibe dabei: Das Team um Marcus Uhlig leistet eine tolle Arbeit. Wer das anders sieht, sollte einfach mal einen Blick nach Wuppertal werfen. Dieses Chaos, das dort herrscht, scheint für uns so unfassbar weit weg, und das ist auch gut so. Ich bin mir sicher, wir werden hier noch einige Namen hören, die sich hier noch vor ein paar Wochen niemand hätte vorstellen können. Mein Appell: Lasst die Leute in Ruhe arbeiten!

Anstatt ständig Strohfeuer zu legen und Gerüchte zu verbreiten, würde ich mir zudem von Seiten der professionellen Autoren etwas mehr Raison wünschen. Es wäre ein weiterer Baustein, der dem großen Ziel „sportlicher Erfolg“ beitragen könnte.

Blasse Nullnummer

Fröhlichen Palmsonntag allerseits. Nachdem mich gestern die Kälte im Stadion so genervt hat, dass ich an akuter Couchitis erkrankt war, reiche ich hiermit meinen kleinen Bericht zur gestrigen Partie nach.

„Klein“ deshalb, weil es eine Partie ohne wirkliche Höhepunkte war. Im Fernsehen würde man vielleicht von einem taktischen Leckerbissen sprechen, für den geneigten Stadionbesucher war dies aber sicher kein Spiel, von dem man auch nur in einer Woche noch reden wird.

Die Vorzeichen ließen eigentlich nichts Gutes erwarten: RWE mit langer, langer Verletztenliste (u.a. Wegner und Zeiger mit Saisonaus, bei Freiberger noch unklar, Grund verletzt), immerhin konnte Scepanik mit rot-weisser „Badekappe“ spielen und auch Erwig-Drüppel nahm zunächst auf der Bank wieder Platz. Zudem hatte RWE im Hinspiel eine derbe 0:5-Packung (gegen Rode, Kagawa und Isak) bekommen, in der Winterpause kam ein 0:4 in einem Testspiel ohne Profi-Unterstützung hinzu).

Insgesamt war es von unserer Mannschaft gar nicht mal eine schlechte Partie. Die Abwehr um Korczowski, Becker und Heber strahlte eine absolute Souveränität aus und ließ während des gesamten Spiels nicht einen einzigen gefährlichen Schuss aufs Tor zu. Doch nach vorne fehlten jedoch die Akzente. Zu viele Zweikämpfe im Mittelfeld wurden verloren, und wenn nicht, dann landete der „zweite“ Ball in schöner Regelmäßigkeit doch wieder bei einem Borussen. Die Dortmunder hatten gefühlt etwa 75% Ballbesitz, der sich aber zu großen Teilen auf Torwart, Innen- und Außenverteidigern verteilte, wo der Ball immer wieder von links nach rechts und wieder zurück gespielt wurde. Offensivbemühungen sehen anders aus.

Kurz vor der Halbzeitpause dann aber DIE Gelegenheit für RWE: Ballverlust BVB, Platzek schaltet schnell und schickt Wirtz über rechts, der freie Bahn vor sich hat. Querpass auf Baier (vielleicht ein kleines bisschen zu steil), der in der Mitte von Konaté am Schuss wird. Elfmeterreif? Vielleicht – ich würde mich aber eher auf „nein“ festlegen.

In der zweiten Hälfte dann (leider) dasselbe Bild: BVB mit viel Rückpass-Geschwumse, RWE ohne den letzten Biss (okay, vermutlich wäre man ob der Dortmunder Ballsicherheit nur vergeblich hinterhergerannt). Torraumszenen? Weitestgehend Mangelware. Bis zur Nachspielzeit (!): Erneut ist Wirtz durch, spielt fast von der Grundlinie einen feinen Querpass auf den mittlerweile eingewechselten Erwig-Drüppel, der verdeckt aufs Tor schlenzt, in Oelschlägel jedoch seinen Meister findet. Der Abpraller landet bei Urban, der den Ball noch annehmen kann, den Nachschuss dann aber deutlich über den Kasten setzt – das wäre ein tolles Geburtstagsgeschenk gewesen.

So jedoch blieb es beim insgesamt gerechten (ich mag nicht vom „verdienten“ reden) Unentschieden. Gegen einen starken Gegner (alle BVB-Spieler haben für die Liga ein Top-Niveau, sonst würden sie ja in Wuppertal spielen) keinen Torschuss zugelassen, trotz deutlich weniger Ballbesitz die besseren Chancen erarbeitet – „immerhin nicht verloren“ (RevierSport) halte ich da für zu wenig. Es müsste eher „leider nicht gewonnen“ heißen.

Mann der Partie für mich Daniel Heber, der den Dortmunder Torjäger Boyamba völlig abgemeldet hat und sich in keiner Situation auf einen unnötigen Befreiungsschlag einließ.

Für RWE geht es nun am Ostersonntag zur Viktoria nach Köln. Mein Horrorszenario: Wir gewinnen in Köln, verlieren in Oberhausen und tragen so dazu bei, dass RWO… Nein! Darüber mag ich nicht nachdenken!

Pokal? Abgehakt.

Pokal, Halbfinale, Flutlicht. Es hätte so schön werden können.

RWE hatte heute eine Bärenaufgabe vor der Brust, denn trotz der Schwächeperiode der Gäste konnte der KFC natürlich seine von russischen Millionen subventionierte Alt-Star-Truppe um die Ex-Bundesliga-Spieler Lukimya, Aigner, Beister und Weltmeister Großkreutz aufbieten. Und obwohl unsere Roten zunächst den Weg Richtung Gästetor suchten, sollte schon nach nur sechs Minuten der erste Rückschlag erfolgen.

Zwar konnte sich Baier in der Mitte der eigenen Spielfeldhälfte den Ball erobern, spielte Brauer den Ball aber wegen eines Missverständnisses in den Rücken, sodass Uerdingen schnell reagieren konnte: Schuss Großkreutz, Heller pariert zwar noch, war aber gegen den Nachschuss aus gut 4m machtlos – 0:1.

Dennoch gehörten die besseren Aktionen RWE: Zunächst kann Scepanik einen verdeckten Schuss abfeuern, der gerade noch vom Keeper geklärt werden kann, die folgende Ecke wird verlängert und am langen Pfosten verpassen zwei Rote den Ball nur knapp.

Wenig später vertändelt Korczowski den Ball, aus fast identischer Situation wie beim Gegentor fliegt der Ball diesmal jedoch knapp über den Kasten. Bei einem weiteren Konter spitzelt Beister den Ball knapp am Kasten vorbei, dann konnte RWE die beste Chance des Spiels verbuchen. Nach einer erneut verlängerten Ecke landet der Ball erneut bei Korczowski, der den Ball stoppen kann, ihn dann aber an die Latte setzt.

Und als ob es nicht alles schon bitter genug ist, gibt unser Team eine Bewerbung für Zeiglers Kacktor des Monats ab: Rückpass Zeiger auf Heller, der will den anlaufenden Stürmer verladen, verliert dabei den Ball. Der Schuss landet am Pfosten und springt ins Feld zurück, wo aus unserem Team nur Heber und Brauer mitgelaufen sind, die den Treffer jedoch nicht mehr verhindern können. 0:2…

Dieses Tor, das mich auch ein wenig an Heimanns „Aubameyang-Trick“ erinnerte, es hätte meiner Meinung nach nicht gegeben werden dürfen. Wie die Fernsehbilder zeigen, stößt der Uerdinger Heller klar um, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, den Ball zu spielen. Aber seht selbst:

Wie dem auch sei: Dieser Treffer zeigte Wirkung. Bis zur Pause konnte RWE keine Aktion mehr herausspielen, Uerdingen verlegte sich aufs Verwalten.

Nach dem Wechsel war es das Team in rot, das das Spiel bestimmte. Uerdingen blieb ohne weitere Torchance und überließ unserer Mannschaft weitestgehend das Feld. Flanke um Flanke wurde – zumeist von rechts – geschlagen, leider fand RWE jedoch nicht die Mittel, die hochgewachsenen Innenverteidiger zu überflanken oder mal dazwischen durchzubrechen, um frei aufs Tor zuzugehen. Hinzu kam das immer offensichtlichere Zeitspiel, das in jeder Menge Bodenkontakt und „länger“ dauernden Abstößen mündete.

Neitzel brachte neben Wirtz und Platzek (zur Pause für Wegner gekommen) noch Freiberger als zusätzliche Spitze, schickte gegen Ende noch Zeiger mit nach vorne, um die langen Bälle von hinten weiterzuleiten, doch auch das sollte keine „echte“ Torgefahr für die Gäste bedeuten.

Symptomatisch für diese Phase kurz vor Schluss: Kurze Ecke Grund auf Baier. Diesem ist zunächst die Flanke versperrt, er zieht nach innen, wo er drei Mal den Schuss ansetzen, dann aber mangels freier Schussbahn weiterziehen muss. Am Ende steht er auf der anderen Seite des Sechzehners und spielt einen (okay, katastrophalen) Fehlpass…

Im Kreise „meiner Jungs“ wurde der ausgebliebene Pokalfight bemängelt. Ich möchte jedoch kurz erläutern, warum ich das eben nicht so sehe:

Ein Pokalfight im Sinne von Grätschen, von Kratzen und Beißen, kann meiner Meinung nach ja nur aufkommen, wenn der Gegner entsprechend dagegenhält, wenn es quasi hin und her geht auf dem Spielfeld. Bis auf wenige Situationen war dies aber nur bedingt der Fall: Einerseits verlegte sich der KFC in weiten Teilen darauf, per Langholz zu klären, andererseits stand unsere Verteidigung so sicher, dass der Ball schnell zurückerobert werden konnte. Baier und Brauer machten die Mitte bereits frühzeitig zu, während Korczowski und vor allem Heber (was für ein Pensum, Wahnsinn!) über außen nichts zuließen. Der Rest endete bei Zeiger, der in ein, zwei Situationen vielleicht ein wenig schwerfällig wirkte. Aber: Die Jungs wollten, die Jungs sind angerannt. Man darf aber auch eben die oben angeführten Unterschiede in Erfahrung und Marktwert nicht außer Acht lassen. Daher: Kein Vorwurf meinerseits!

Trotz des Ausscheidens finde ich es zu einfach, dies an Hellers Patzer (Zitat Reviersport, für mich Foul) oder an einem „schlechten Spieler XY“ festzumachen. Zu dicht das Bollwerk des KFC, zu harmlos unser eigenes Spiel.

Aber: auch wenn jetzt in obigem Blatt die Rede davon die Rede ist, dass RWE nun den Saisonhöhepunkt hinter sich habe – für mich findet dieser erst in unserer westlichen Nachbarstadt statt, wenn wir denen den Aufstieg vermiesen.

Darum: Kopf nicht hängen lassen, so bitter es ist. Der Gegner war höherklassig (vielleicht noch eine Klasse nominell dazu), und immer noch besser eine Niederlage im Finale gegen unsere „Freunde“ aus dem Tal.

Ziel muss es nun sein, die Liga mit Platz 5 oder besser abzuschließen, denn dann hätten wir immer noch eine recht erfolgreiche Saison gespielt, auf die es in der kommenden aufzubauen gilt – mit frischen Finanzmitteln, einem neuen sportlichen Leiter und mit einigen neuen Leuten auf dem Feld.

Nur der RWE!

Wie gewonnen, so zerronnen

Nach dem beeindruckenden Auftritt gegen Lippstadt bin ich heute durchaus zuversichtlich zur Hafenstraße gefahren, um die Partie gegen den SC Verl zu verfolgen. Meine Erwartung war, dass die Rot-Weissen die hohe Dynamik und das tolle Zweikampfverhalten erneut aufziehen würden, um dem Dauer-Rivalen aus Ostwestfalen schnell die Zähne zu ziehen. Weit gefehlt, wie sich herausstellen sollte.

In Halbzeit eins konnte man zumindest behaupten, dass RWE das Spiel unter Kontrolle hat. Ein Distanzschuss von Verl, das war’s. Leider aber auch auf unserer Seite keinerlei Torgefahr, dafür mehr Ballbesitz, der sich aber im Wesentlichen auf die eigene Abwehr beschränkte. Zwischen Korczowski – heute erstmals für RWE im Einsatz, Tomiak, Zeiger und Heller rotierte der Ball nach Belieben, nach vorne lief insofern nicht viel zusammen, als dass die Gäste geschickt die Laufwege zustellten und vor allem das Dreigestirn Grund, Baier, Brauer aggressiv anliefen. Das Fehlen von Bichler (im Abschlusstraining verletzt) konnte weitestgehend von Heber kompensiert werden, doch so richtiger Druck auf das Tor der Verler sollte nicht entstehen. Also ging es nach einer ereignislosen ersten Halbzeit ohne Nachspielzeit pünktlich in die Pause.

Nach dem Wechsel blieb Baier in der Kabine (keine Ahnung, warum, das kann eigentlich leider nur verletzungsbedingt sein), für ihn kam Lucas. Am Spiel sollte sich zunächst aber nicht viel ändern. Weiterhin war die Partie von beiden Teams von Fehlpässen und Bällen ins Aus geprägt. In der 71. Minute kam es dann, wie es kommen musste: Ecke Verl, kurz ausgeführt, Flanke – drin. 0:1, quasi aus dem Nichts.

Im direkten Gegenzug konnte RWE zunächst eine Ecke und kurz danach einen Freistoß (beide ohne Torgefahr) herausholen. Und als Trainer Neitzel dann auch noch Platzek aufs Feld brachte, waren die Signale endgültig auf totale Offensive gestellt.

Knapp 10 Minuten vor dem Spielende fiel der ansonsten unauffällige Schiedsrichter jedoch auf eine in meinen Augen ziemlich dreiste Verler Schwalbe herein: der Spieler legt sich den Ball viel zu weit vor, Korczowski bleibt sogar stehen, trotzdem fällt der Gegner – Elfmeter! Zwar war Heller noch in der richtigen Ecke, den Einschlag konnte er jedoch nicht verhindern.

Trotz einem angedeuteten Aufbäumen konnte RWE den Anschluss nicht mehr herstellen, so bleibt also wieder mal die Frage: Warum nicht immer so wie in Lippstadt? Das war heute quer durch alle Mannschaftsteile nichts. Ich will keinen Spieler negativ herausstellen, aber weder die Abwehr (unendlich viele Fehlpässe oder unbedrängtes Klären ins Aus, kein Spielaufbau), Mittelfeld (zu wenig Balleroberungen (Bemühen durchaus da, aber da muss mehr kommen), kaum Pässe in die Spitze), noch der Angriff (Torchancen quasi nicht vorhanden, oft zu hektisch) konnten mich heute ansatzweise begeistern.

Trotzdem möchte ich Korczowski für seine gute Leistung loben. Gerne öfter – am Elfer war er meiner Meinung nach unschuldig (s.o., machste nix).

Die Pfiffe von der West, die sich die Mannschaft nach Abpfiff eingefangen hat, kann ich nur zum Teil nachvollziehen. Ja, das Spiel war Mist. Und ja, das war nicht das erste schlechte Match dieser Saison. Aber zum Einen haben wir noch letzte Saison gesehen, wie es auch gehen kann, zum Anderen hat man auch gemerkt, dass heute einfach nichts zusammenlief. Solche Tage gibt es halt. Und dann ist da ja auch noch ein Gegner auf dem Platz.

Es bleibt also dabei, dass der SC Verl einer dieser Gegner bleibt, gegen die ich noch nie ein gutes Spiel gesehen habe. Woran es heute wirklich lag, müssen andere letztendlich analysieren. Ich hoffe nur, dass Bichler nicht längerfristig ausfällt, denn uns gehen schon wieder die Alternativen aus. Sollte sich auch Baier ernsthaft verletzt haben, so stehen wir bei der kommenden Partie in Straelen durchaus vor einer größeren Aufgabe, als uns Recht sein kann.

Warum nicht immer so?

Eines vorweg: Ich bin froh, die Rückfahrt durch übelste Sturmwehen, Starkregen und Hagel, vorbei an umgestürzten Bäumen und verunfallten PKWs problemlos überstanden zu haben und hoffe, alle, die heute den Weg nach OWL auf sich genommen haben, sind ebenso unbeschadet zurück.

Die Strapazen heute wurden jedoch durch ein überragendes Spiel unserer Mannschaft belohnt. Selten gab es so wenig zu meckern und gleichzeitig so viel zu bejubeln wie heute.

Trainer Neitzel stellte mit Tomiak für den gesperrten Zeiger einen Youngster in die Innenverteidigung, zog Scepanik für den verletzten Erwig-Drüppel nach vorne (dafür Urban links hinten), Bichler durfte rechts wieder ran und Kevin Grund durfte seine Qualitäten als Spielmacher beweisen. Und diese Maßnahmen sollten früh Wirkung zeigen: Nach einer zu kurz geklärten Ecke landete der Ball im Lauf von Baier, der stramm unten rechts einnetzte! Die frühe Führung nach nur sieben Minuten.

Wo man beim letzten Auftritt in Bonn nach eigener Führung begann, sich zurückzuziehen, zeigte RWE nun die volle Qualität, die in diesem Team eigentlich steckt: Bei gegnerischem Ballbesitz wurde der ballführende Spieler umgehend angelaufen und die Passwege so zugestellt, dass lediglich Quer- oder Rückpässe in der Abwehr möglich waren oder mit Langholz gearbeitet werden musste. So erzwang man immer wieder Fehlpässe oder erlief Bälle, um dann selbst in den Angriff zu gelangen. Das war Pressing vom Allerfeinsten. Der heute (im positiven Sinne) ungewohnt aggressiv spielende Grund konnte dabei immer wieder mit gutem Auge Pässe in die Spitze (bzw. auf außen) spielen und gefährliche Situationen einleiten. Wegner erzwang immer wieder Ballverluste im gegnerischen Aufbau und auch Wirtz konnte immer wieder gut angespielt werden, bekam dabei aber auffällig oft auf die Knochen, ohne dass dies vom Schiedsrichter geahndet worden wäre. Baier heute mega-präsent, immer wieder mit gutem Körpereinsatz im Bereich des Erlaubten.

RWE war also in allen Belangen überlegen und erkämpfte sich eine große Anzahl an Eckbällen. Eine eigentlich verunglückte Ecke von Baier landete dank Luftloch kurz vor der Pause bei Tomiak, der sich selbst mit dem 2:0 für die souveräne Gesamtleistung heute belohnte. Mit dieser Führung ging es dann auch in die Pause, die gleichzeitig auch den Startschuss für ein aufziehendes Unwetter darstellte. Hagel, starke Böen, prasselnder Regen – das volle Programm. Doch das sollte nichts am Spiel unserer Mannschaft ändern. Weiterhin wurde der Gegner aktiv angegangen, das Aufbauspiel unterbunden und immer wieder gute Situationen herausgespielt.

Kurz nach dem Wechsel flankte dann Grund von rechts auf Scepanik, dessen Volleyschuss am Pfosten landete und dann parallel zur Linie rollte, wo am anderen Ende Enzo Wirtz keine Mühe hatte, den Ball über selbige zu drücken und den 3:0-Endstand herzustellen. Der Rest des Spieles war „Ertragen des Wetters“ bei weiterhin kontrollierter Offensive – so ließ es sich dann doch ertragen. Kurz vor Schluss nagelte Scepanik noch einen Freistoß an die Querlatte, den Nachschuss von Tomiak, der möglicherweise eingeschlagen wäre, lenkte der im Abseits stehende Platzek ins Tor, so dass diesem die Anerkennung zurecht verwehrt wurde.

Spieler des Tages heute für mich Kevin Grund, der auf der Spielmacherposition einfach eine Bombe ist. Der Rest des Teams knapp dahinter, da es quasi keine Ausfälle gab. Lediglich Lucas konnte nach seiner Einwechslung Grund nicht ansatzweise ersetzen (bitte nicht als Bashing verstehen, es fehlte aber die oben erwähnte Aggressivität). Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt heute, dann vielleicht, dass aus „gefühlt 35 Ecken“ (Zitat D. Berlinski) nur zwei Tore gelungen sind. Das ist aber ob der Gesamtleistung eher Jammern auf hohem Niveau.

Getrübt wurde das Spiel jedoch durch die verletzungsbedingte Auswechslung von Urban in der ersten Halbzeit. Ich wünsche an dieser Stelle gute Besserung!

Ich würde mir wünschen, dieses Gesicht der Rot-Weissen deutlich öfter zu sehen. Da wurde einander angespornt, dem Gegner ein paar „nette“ Worte auf den Weg gegeben, da wurde gedoppelt, wo es nötig war, da war das Auge für den besser platzierten Nebenmann (okay, ein, zwei Situationen hätte man da durchaus besser lösen können).

Zudem hoffe ich, dass meine Premiere als „echtes“ Mitglied im Kommentatorenteam von Radio Hafenstraße gut bei euch angekommen ist. Wir hatten leider (mal wieder) technische Probleme, die vermutlich durch ein defektes Kabel bedingt sind. Das werde ich kurzfristig testen und dann hoffentlich dauerhaft lösen können. Anregungen und Kritik zum Kommentar nehme ich gerne entgegen. Beim nächsten dicken Schauer nehmen wir dann aber doch die Mehrfach-Steckdose (die der SVL kurzfristig aus dem VIP nach außen gelegt hat) aus der Pfütze. Bereits kommenden Freitag werde ich wieder kommentieren, Gegner an der Hafenstraße ist dann der SC Verl.

Solider Auftakt ins Jahr 2019

Frühlingswetter mit Sonnenschein und endlich wieder Fußball, was könnte es Schöneres geben? Ganz klar, einen Heimsieg.

Die Vorzeichen vor dem Spiel gegen den TV Herkenrath, Aufsteiger und Tabellenletzter, waren klar. Während der Gast gleich 17 Spieler abgegeben hat, konnte RWE das Team mit drei Neuzugängen (bei Abgang von Pröger) noch aufwerten. Alles andere als ein Sieg wäre eine deutliche Überraschung.

Die erste Hälfte war zäh anzusehen, der TVH zog sich zurück und überließ RWE weitestgehend Ball und Spielkontrolle, konnte aber kein einziges Mal einen gefährlichen Konter ansetzen, da die Verteidigung mit Zeiger, Becker, Heber und dem immer wieder rückwärts arbeitenden Scepanik hervorragende Arbeit leistete. Da der Gast sich aber immer wieder mit dem kompletten Team am eigenen Strafraum versammelte, ergaben sich leider für RWE kaum Chancen, selbst offensive Aktionen anzusetzen. Trotzdem ergaben sich für Wegner gleich drei Kopfballchancen, bei denen er den Ball jedoch jeweils am langen Pfosten vorbeisetzte. Die beste Chance hatte in Halbzeit eins Florian Bichler, dessen Kopfball in letzter Sekunde noch zur Ecke abgefälscht wurde. Das Team wurde jedoch mit einem relativ heftigen Pfeifkonzert in die Pause verabschiedet.

Nach dem Wechsel ein ähnliches Bild: RWE hatte Ball und Spiel im Griff, der Unterschied jedoch war, dass man nun versuchte, mehr Körperlichkeit ins Spiel zu bringen und den Gegner bei dessen Ballbesitz unter Druck zu setzen, was mehr und mehr gelang. Nach etwas mehr als einer Stunde wurde das größere Engagement dann endlich belohnt: Scepanik flankt von außen, Wirtz haut sich in bester Stürmer-Manier per Flugkopfball hinein und vollstreckt ins lange Eck.

Nun hätte man erwarten sollen, dass Herkenrath, um noch etwas von der Hafenstraße mitzunehmen, endlich etwas offensiver agiert. Doch Offensivaktionen der Gäste blieben quasi aus. Stattdessen gab es gute zehn Minuten vor dem Schluss die Vorentscheidung: Max Wegner erahnt einen zu kurzen Rückpass, läuft alleine auf den Keeper zu und netzt bei seiner Premiere zum insgesamt verdienten 2:0-Endstand.

Spieler des Spiels für mich Scepanik als permanenter Aktivposten, sowie Nico Lucas, der nicht nur ein paar feine Pässe spielte, sondern auch permanent im Mittelfeld seine Mitspieler koordinierte und ihnen auch mal deutlich machte, was er von einigen misslungenen Aktionen hielt.

Ein Traum natürlich, dass Wegner direkt im ersten Spiel trifft, das wird ihm hoffentlich gut tun. Wegner ist, soviel sei gesagt, eine Art „Platzeck als Kante“, bisschen breiter und vom Eindruck her auch größer, kann körperlich in so mancher Situation sicherlich eher mal dagegen halten. Auffällig auch, dass er sich immer wieder hinter das Sturmzentrum fallen ließ, um sich dort Bälle abzuholen und diese weiterzuverteilen. Er könnte ein wichtiger Spieler werden.

Zudem wurde heute die angekündigte Nostalgie-Anzeigetafel eingeweiht, die mir ehrlich gesagt ziemlich gut gefällt.

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Am Ende bleibt also ein verdienter Sieg in einem nicht guten Spiel, der unseren geschundenen rot-weissen Seelen aber sicher gut tun wird. Bereits kommenden Freitag geht es für RWE nach Bonn, dort gilt es, zu einer neuen Serie anzusetzen.

Ausgeprögert

Ich weiß es noch ganz genau: Es war der 30.07.2017 (okay, DAS habe ich nachgeguckt), die Sonne brannte, in der benachbarten Westfalenhalle fand der Bundeskongress der Zeugen Jehovas statt. Im Stadion Rote Erde in Dortmund jedoch sollte ein Spieler sich mit seinem ersten Pflichtspiel tief in die Herzen vieler RWE-Fans spielen: Kai Pröger.

Dies soll kein Nachruf werden, schließlich ist niemand gestorben. Und doch, weil Pröger für mich und viele andere bis zu seinem Abgang heute ein besonderer RWE-Kicker war, möchte ich ihm diesen Beitrag widmen.

In der Sommerpause vom BFC Dynamo nach Essen gewechselt erfreute der Blondschopf auf der rechten Außenbahn die Anhänger mit seinen Tempoläufen, seinen Zwei- (bzw. oft Drei-/Vier-)kämpfen und sorgte dafür, dass man in Essen wieder Grund zu lächeln nach der mauen Vorsaison hatte.

Kai Pröger verkörperte in den meisten seiner Auftritte das, was an der Hafenstraße gefordert wird. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Immer ein bisschen mit dem Kopf durch die Wand, respektlos (im Sinne von „keine Angst“) den Verteidigern gegenüber. Emotional bei Treffern (Stichwort Handstandüberschlag) und geradezu sinnbildlich für de aktuelle Saison, war es doch seine rote Karte nach einem dummen Einsteigen gegen den SV Lippstadt, das quasi den Beginn des rot-weissen Abwärtstrends darstellen sollte.

Trotzdem: War Pröger auf dem Platz, setzte er zu seinen Sprints an, so hatte man meist das Gefühl: Da geht was. Gerade das machte ihn schnell zum Publikumsliebling.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten: Zwar konnte er (wenn dieses Internetz mich nicht anschwindelt) in 60 Pflichtspielen 18 Treffer erzielen, doch viel zu oft rannte er sich in aussichtslosen Situationen fest. Zudem habe ich manchmal den Blick für den deutlich besseren Mitspieler vermisst, was sich auch in lediglich acht Torvorlagen widerspiegelt.

Nun soll es also der SC Paderborn sein. Jener Club, für den schon RWE-Legende Erwin Koen auflief. Der Verein, der „damals“ mit Brandy, Guie-Mien und Güvenisik vor unserem letzten Spiel (Stichwort Lübeck…) unsere komplette Offensive bereits unter Vertrag genommen hatte, so dass diese sich in Befürchtung eines Fortbestehens ihrer Verträge nicht mehr berufen fühlte, aufs Tor zu schießen. Musste es ausgerechnet Paderborn sein, „Prögi“? Ausgerechnet Paderborn?

Einschub: A propos „Prögi“: Ich finde diese Verniedlichungen ätzend. „Prögi“? Euer Ernst? Davor soll ein Gegner Angst haben? Warum nicht gleich „Pupsimaus“? Das klingt ja fast so gefährlich wie „Wuppi“!

Wie dem auch sei: Über die Transfermodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart. Das lokale Sport-Fachmagazin kolportiert eine Summe von 25.000 Euro, die ich unter Berücksichtigung der restlichen Vertragslaufzeit für okay halte. Nicht sehr viel, aber sicher auch nicht zu wenig. Und hey, let’s face it: Im Sommer wäre er komplett für lau weg gewesen. Also: Kohle einpacken, danke schön.

Grund zu trauern gibt es indes nicht: Prögers Position dürfte Jonas Erwig-Drüppel sein, der aufgrund der prekären Finanzlage den Wuppertaler SV ablösefrei verlassen durfte. Der Mann, der beim 0:3 am Zoo ein Tor vorbereitete und einen weiteren Treffer selbst erzielte. Ich habe ihn aus der Partie als eine Art „Aggressive Leader“ in Erinnerung, etwas, das wir gut gebrauchen können. Ich sehe ihn – auch aufgrund seiner Erfahrungen im Kader des damaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig (inkl. sechs Einsätzen) – daher um mehr als nur eine Nasenlänge vorne.

Doch zurück zum Star dieses Beitrags:

Lieber Kai, ich wünsche dir viel Erfolg in der zweiten Liga, vor allem Gesundheit. Nimm zwischendurch mal den Kopf hoch und guck nach links, dann kannst du ein ganz Großer werden. Im Zweifel kann ich dir den Kontakt zu Erwin herstellen – der weiß wie das geht!