Pflichtsieg

Puh, durchatmen.

Der geneigte RWE-Fan neigt immer auch ein wenig zum Fatalismus, und so waren es nicht wenige, die in den diversen Foren und Facebook-Gruppen schon das nächste Unentschieden, wenn nicht sogar die nächste Niederlage für unser Team vorhersagten. Dank einer soliden, wenn auch nicht überragenden Leistung konnte dies aber verhindert werden – auch, weil Kai Pröger endlich mal seine Leistung krönen konnte.

Westfalia Rhynern versteckte sich nicht und konnte in den ersten Minuten direkt die eine oder andere Szene herausarbeiten. Diese Angriffe konnten jedoch zumeist im Keim erstickt oder zumindest zu Ecken geklärt werden (die man gegen stärkere Gegner vielleicht besser vermeidet?). Nach einer dieser Situationen spielte Zeiger einen langen Ball auf die linke Seite, wo Platzek seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler stellte und dann den Sprint anzog. In letzter Sekunde gelang es ihm, den Ball auf den rechts mitgelaufenen Pröger zu verlängern, der in den Strafraum zog und aus spitzem Winkel das tat, was sich einer der Diskussionspartner von Welling nach dem Wegberg-Spiel (s. Youtube-Video) wünschte: „Es muss doch mal einer die Eier in die Hand nehmen und einfach draufwichsen!“ – 1:0! Da war es endlich, das erste Tor für den zu Saisonbeginn begeisternden Neuzugang, der im Schatten der vergangenen Partien aber immer weniger Selbstvertrauen ausstrahlte.

Nur etwa fünf Minuten später war es der heute unglücklich agierende Unzola, der Rhynern ins Spiel zurückbrachte. Der Ex-Bundesligaprofi Gambino zog in den RWE-Strafraum und nahm Unzolas im Weg stehendes Bein dankend an – Elfmeter. Diesen verwandelte Rhynern unhaltbar ins linke obere Eck (vom Schützen aus) – ob Heller noch dran war, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenig später war ein Stürmer der Gäste Zeiger davongelaufen, doch im letzten Moment konnte der Rückstand verhindert werden. Der sonst nach Gegentoren so deutliche Bruch im Essener Spiel blieb jedoch aus und das Team knüpfte schnell an die ordentliche Leistung der ersten Minuten wieder an.

Dann war es erneut die Achse Platzek – Pröger, die zum Erfolg führte. Platzek setzte sich auf der rechten Seite durch, zog parallel zur Torauslinie Richtung Tor und spielte einen Flachpass, den ein Rhynerner Verteidiger über den eigenen Keeper hinweg aufs lange Eck abfälschte, wo Pröger sich mit aller Wucht in den Ball und das Tor warf – 2:1! Sekundenlang blieb er vor der „West“ jubelnd im Netz liegen. Mit dieser Führung ging es dann in die Pause, nach der Unzola durch Urban ersetzt wurde. Zu Unzola liegt mir etwas am Herzen: Klar, er hat heute in drei oder vier Szenen den Ball über die Seitenauslinie gestolpert. Ihn dafür aber mit höhnischem Applaus zu bedenken oder ein Raunen durchs Stadion gehen zu lassen, wenn er nur in die Nähe des Balles kommt, führt wohl kaum dazu, dass dem Spieler der Rücken gestärkt wurde (Höhepunkt dabei für mich der „Senior“, der nach einem Knochenpass von Zeiger auf Unzola aus dem Fluchen kaum noch herauskam…)

Gute zehn Minuten nach Wiederanpfiff dann Teil 3 der Pröger-Show: Flanke von links, in der Mitte springt Platzek unter dem Ball durch, dieser springt auf und landet vor den Füßen unseres Blondschopfes, der seinen dritten Treffer mit einem Handstandüberschlag (@Reviersport: Ihr als Sportmagazin solltet das von einem Doppel-Salto unterscheiden können!) feiert. So wollen wir ihn sehen!

Was dann folgte, würde ich unter „Verwaltung“ verbuchen. Leider verpasste es RWE in dieser Phase, das Ergebnis trotz bester Chancen noch weiter auszubauen. Bednarski verfehlte das leere Tor aus gut 5m nach feiner Vorarbeit vom heute hervorragenden Platzek, und ebendieser scheiterte mit einem Kopfball nach präziser Flanke seines Sturmkollegen an einem Reflex des Gästekeepers.

Eine gute Viertelstunde vor Schluss blühte dann eine verschollen geglaubte Tradition aus besseren Zeiten auf: Da auf der West so etwas wie Grabesstimmung vorherrschte (man hörte zeitweise sogar die zwanzig Männekes auf der Gästetribüne!), entschied sich ein Trüppchen, die Gäste bei jedem Ballbesitz auszupfeifen und -buhen, bei RWE-Pässen folgten analog dazu „HEY!“-Rufe. In dieser Phase kombinierte sich RWE Stück für Stück nach vorne, erneut passte Pröger in die Mitte, wo diesmal ein Rhynerner so freundlich war, den Ball im Netz unterzubringen. 4:1, auch in dieser Höhe durchaus verdient.

Rhynern war an diesem Abend einfach zu „lieb“, zu wenig aggressiv, um RWE ernsthaft unter Druck zu setzen. Trotzdem schaffte es das Team immer wieder, sich in Richtung RWE-Strafraum durchzuspielen. Gegen stärkere Gegner muss dies unbedingt wieder in den Griff bekommen werden, ebenso die hohe Zahl der zugelassenen Eckbälle aufs eigene Tor.

Mir persönlich taten die Gästefans leid, die sicher eine bessere Hafenstraßen-Atmosphäre verdient gehabt hätten. Leider scheint dies in der aktuellen Lage nicht realistisch. Trotzdem schien das Trüppchen sich selbst und sein Team ordentlich zu feiern (inklusive Handy-Licht-„Pyroshow“) und sparte dabei nicht an einer gehörigen Portion Selbstironie – Transparent „Hurra, das ganze Dorf ist da“ und „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“-Gesänge inklusive. Irgendwo zwischen „sympathisch“ und „anbiedernd“ mutete dabei der Gruß „Das Dorf grüßt den Deutschen Meister 55“ an, das unter anderen Vorzeichen und bei entsprechender Präsentation in bester VfL Herzlake-Art für Applaus auch aus den rot-weissen Blöcken gesorgt hätte.

Mann des Abends mit drei Treffern und einer Vorbereitung natürlich Kai Pröger. Ich hoffe, dass er diese Dynamik auch in den kommenden Spielen wieder zeigen und den einen oder anderen Treffer nachlegen kann. Platzek mit einem wahnsinnigen Laufpensum, aber auch Grund mit einer ganzen Reihe guter Flankenläufe. Auffällig aber in dieser Partie auch, dass Baier wieder deutlich präsenter auf dem Platz war als noch gegen Wiedenbrück und Wegberg.

Dieser Sieg war natürlich Pflichtprogramm, ob er auch für Sven Demandt in puncto Arbeitsverhältnis für Entspannung sorgt, bleibt jedoch abzuwarten. Für RWE geht es auf jeden Fall kommenden Samstag in Mönchengladbach darum, auch auswärts endlich mal zu gewinnen. Mit einer seriösen Leistung wie heute scheint dies nicht unmöglich, wenn die Aufgabe dort auch ungleich schwieriger erscheint.

Der Gegenwind wird stärker.

FC Wegberg-Beeck. Dieses Mal fiel es mir – man kann es an der Dauer von Abpfiff bis Veröffentlichung dieses Beitrages erkennen – mehr als schwer, dem Spiel angemessene Worte zu finden.

Zwar begann die Partie mit einem Lattenknaller-Freistoß von Grund, wir gingen durch Bednarski nach Pröger-Ecke in Führung und auch mit dieser in die Pause, doch trafen die Gäste kurz nach jener mit einem 20m-Flachschuss, bei dem Heller mangels Sicht keine Chance hatte. Heller war es auch, der uns dieses Mal mit zwei, drei Glanztaten den Punkt sicherte, denn Wegberg hatte den Sieg mehr verdient, die entsprechenden Chancen dazu, nur halt nicht das bisschen Glück, den Ball dann auch zu versenken. RWE hingegen hatte in der gesamten zweiten Hälfte nur zwei gute Situationen: In der ersten setzt sich Platzek im Sprintduell durch und legt vor dem herauseilenden Keeper quer auf Bednarski, doch obwohl dieser sich klar hinter dem Ball befand zählte der Treffer wegen angeblichem Abseits nicht, in der Schlussminute konnte Grund an die Strafraumkante flanken, die Kopfballverlängerung von Jansen fand Pröger, der mit feinem Fuß den Ball für Platzek erneut flankte, doch dessen Kopfball wurde quasi auf der Linie geblockt.

Und so blieb es also bei einem trostlosen Unentschieden gegen einen (bei allem sportlich gebotenen Respekt) Anwärter auf die diesjährigen Abstiegsplätze, schlechte Laune und Verweigerung (a)sozialer Medien inklusive. Ich ertrage derzeit echt nicht, wenn angebliche Anhänger unseres Teams sich in Spott und Häme suhlen, von „Pennerverein“, Punktgewinnen im heimischen Stadion sprechen oder sich in Sprüchen wie „wir sind ein Fußballverein, keine Bank, Welling go home!!!!elf!“ verewigen. Das hat mich beispielsweise auch dazu bewogen, die wohl größte und ansonsten tolle Facebookgruppe „Rot Weiss Essen für immer“ zu verlassen. Man möge mich als Heulsuse, Sensibelchen oder Weichei abstempeln, aber ich ziehe meinen Seelenfrieden dem Stumpfsinn einiger weniger, die dafür um so lauter brüllen, vor.

Ich will und werde mich auch nicht einreihen in die Schimpftiraden derer, die auf teilst unflätigste Art Kopf von wahlweise Präsident, Trainer, Kapitän, Spielern oder einer beliebigen Kombination derer fordern. Was ich aber sehe, ist, dass es derzeit irgendwie der Mannschaft nicht möglich scheint, das vom Verein gelehrte Selbstverständnis vom großen Club in entsprechende Dominanz und Resultate auf dem Platz umzuwandeln. Dabei glaube ich nicht einmal, dass es ein Problem der Einstellung ist: Gewinnen wollen die alle. Die Jungs lassen sich lieber Woche für Woche nach einem Sieg feiern, als nach unglücklichen Unentschieden (damit meine ich ausdrücklich nicht die gestrige Partie) wie ein Hund in die Kabine gewünscht zu werden. Aber wenn du ohnehin verunsichert bist, dann hast du halt auch Bammel vor dem Gegentor, dass deine eigenen Fans gegen dich aufbringt. Das lähmt die Beine, das nimmt den Mut, einfach auch mal Dinge zu probieren. Andererseits gibt diese Angst dem Gegner genau dies: Der Ball läuft, die frechsten Kombinationen funktionieren, wie Wegberg zum Teil eindrucksvoll vorgemacht hat.

Dementsprechend glaube ich auch nicht, dass ein Trainerwechsel das wäre, was unserem Verein jetzt gut tun würde. Ob Siewert, Fascher oder Demandt, das Problem war eigentlich immer das Selbe: Die Spieler konnten dem Erwartungsdruck an der Hafenstraße nicht gerecht werden. Zudem waren wir wahlweise zu offensiv, zu defensiv, hatten zu frühe / späte / falsche Auswechselungen oder schlicht nur Flaschen im Kader.

Nach der Partie jedenfalls hatte die Mannschaft noch ein mehrminütiges Meeting mit der Kurve, wenn ich das richtig gesehen habe, ist sogar einer der Vorsänger unten gewesen und hat ein paar direkte Worte ans Team gerichtet. Allein dies zeigt, dass zumindest die „aktive Szene“ trotz allem „Wir ham die Schnauze voll“ noch zur Kommunikation bereit ist und die Hand reicht, gemeinsam die nächsten sicher schwierigen Aufgaben anzugehen. Was mir weniger gefiel war das Verhalten des Cheftrainers, der (wie nach jedem Spiel!) nicht den Weg zur Kurve suchte, sondern erst nach vehementen „Demant raus!“-Rufen den Weg dorthin antrat. In dieser aufgehitzten Situation mit den Händen in der Tasche dorthin zu gehen und sich dann mit verschränkten Armen und mit den Schultern zuckend dort aufzubauen… Diese Gestik trug nicht zur Deeskalation bei, sondern signalisierte eher, dass er die Kritik nicht nachvollziehen konnte oder wollte. Ich hoffe, dass ich mich in diesem Punkt irre.

Lösungsansätze für unsere derzeitige Misere habe ich aber auch keine. Klar, früher oder später werden auch hier die berühmt-berüchtigten Mechanismen greifen, vielleicht gibt es aber noch Optionen jenseits arbeitsrechtlicher Dinge. Christoph Daum ließ neulich die rumänische Nationalmannschaft den Mannschaftsbus ziehen, um das Team zusammenzuschweißen. Vielleicht sollte man sowas in der Art hier auch mal machen. Für sie ist RWE vielleicht nur ein Job. Ist ihr Engagement hier beendet, gehen sie nach Dingenskirchen oder Weißdergeiersdorf. Für die meisten von uns ist er die Liebe des Lebens, der wir in irgendeiner perfiden Art und Weise hörig geworden sind, so dass wir nicht mehr von ihr lassen können. Wenn die Spieler das verstehen, wenn sie dasselbe Feuer dafür entfachen können, dann werden wir auch wieder Fußballriesen wie Westfalia Rhynern oder die TuS Erndtebrück nur noch als sportliche Randnotiz und nicht mehr als Gefahr für unsere Punkte wahrnehmen.

Abschließend möchte ich die folgende etwa halbstündige „Trilogie“ (Teil 2 und 3 dann unter dem Link) ans Herz legen, in der Doc Welling einigen Fans nach dem Spiel Rede und Antwort stand. Für mich klingt das alles nachvollziehbar, absolut authentisch und mit der gebotenen Emotionalität, ohne die Sachlichkeit zu verlieren. Der Doc geht in dem Video unter anderem auf die Vorwürfe ein, das Team wolle mit Demandt nicht mehr zusammenarbeiten, man hätte Kleve abschießen müssen oder auch zum Vorwurf, man würde nicht genügend trainieren. Ich würde mich freuen, dazu in den Kommentaren zu diesem Blog eure Meinungen zu lesen. Lasst auch bitte dem Video-Eigentümer ein „Like“ auf dessen Youtube-Channel da 😉

Elf Minuten am Glück vorbei

Puh, das musste ich jetzt erst mal sacken lassen, das gerade erlebte verarbeiten. Wie mittlerweile allenthalben bekannt sein dürfte, hat unser RWE die erste Qualifikationsrunde zur Europaleague 2018/19 gegen die favorisierte Borussia aus Mönchengladbach nach aufopferungsvollem Kampf mit 1:2 verloren.

Sven Demandt vertraute im Großen und Ganzen der Stammelf, lediglich Cokkosan wurde durch den anfangs nervösen, aber dennoch abgeklärt verteidigenden Unzola ersetzt, für Urban rückte Meier in die Innenverteidigung und Brauer durfte das Spiel im Mittelfeld ordnen.

Die Gladbacher zeigten von Beginn an ihr dominantes Gesicht und ließen geduldig Ball und Gegenspieler laufen. Erst nach gut 10 Minuten gelang es RWE, den Ball mal kontrolliert für ein paar Stationen zu halten, doch Angriffe sollten daraus noch nicht resultieren. Und so hatte der Bundesligist auch die ersten Chancen im Spiel, die aber alle mehr oder weniger dilettantisch vergeben wurden.

Nach gut 25 Minuten fiel ein Borusse im Strafraum (wie die TV-Crew mir mitteilte wohl klarer Elfer…), der Schiri gab jedoch Abstoß (obwohl dies eine glasklare Ecke hätte sein müssen). Und so kam es, wie es kommen musste: nach einer guten halben Stunde gelang es Platzek, den Ball irgendwie nach außen auf Pröger durchzustecken, der jedoch mangels Anspielstation in der Mitte warten musste und auf Malura zurücklegte. Dessen Flanke landete auf dem Kopf (!) von Benny Baier und von dort zum 1:0 für unsere Mannschaft in den Maschen – die Hafenstraße verwandelte sich vom Hexenkessel in ein Tollhaus! Mir wurde für einen Moment schwarz vor Augen, die Beine ganz weich! Danke, Adrenalin!

Diese Führung stellte das Spiel natürlich auf den Kopf. Die Gladbacher wurden plötzlich hektischer, einige technische Fehler schlichen sich bei ihnen ein, bejubelt vom Essener Publikum. Trotz guten 70% Ballbesitz für Gladbach ging es mit der Führung in die Pause. Von „verdient“ zu sprechen wäre vielleicht zu viel des Guten.

Das Bild sollte sich auch in der zweiten Hälfte nicht sonderlich ändern. Borussia drückte, RWE verteidigte mit Mann und Maus und verlagerte sich aufs Kontern. Zwei, drei Gladbacher Schüsse strichen nur knapp an Hellers Kasten vorbei, auf der Gegenseite verhinderte der Schweizer Nationalkeeper Sommer bei einem Schuss von Pröger, dass die Führung ausgebaut werden konnte. Und mit jeder vergebenen Chance wuchs der Jubel auf den Rängen weiter an. In der 70. Minute dann die Situation, die Baier wohl zurecht zum „Man of the Match“ machte: Nachdem Heller schon geschlagen war, kratzte unser Kapitän den Ball noch irgendwie von der Linie und wurde dafür von seinen Jungs bejubelt, als hätte er erneut getroffen.

Dieser Ball – ich hatte ihn schon im Kasten gesehen. Ein Blick nach rechts und links zu meinen Kumpels: geballte Fäuste, „jawoll“ und „jetzt erst recht“ im Gesicht. Sollte es das gewesen sein? Unser Kasten vernagelt? „Du kommst hier heute nicht durch“? Ich gebe zu, in diesem Moment habe ich tatsächlich erstmals daran geglaubt, dass wir heute hier in die zweite Runde einziehen konnten. Vielleicht habe ich für einen Moment vergessen, welchem Verein ich die Daumen drücke. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Elf Minuten vor dem Spielende sorgte einer dieser „Vertikalpässe“ in den 16er dafür, dass Jonas Hofmann allein vor Heller auftauchte. Grund hatte (kein Vorwurf) das Abseits aufgehoben, da er aus einem Zweikampf auf Höhe des 5ers kam. Dann lief alles wie in Zeitlupe: Hofmann schoss – Heller parierte. Leider erneut vor die Füße von Hofmann (ebenfalls kein Vorwurf), der sich dieses Geschenk diesmal nicht nehmen ließ.

„Na ja. Dann eben in der Verlängerung irgendwie noch einen reinknickern oder ins Elferschießen retten“, dachte ich mir. Weit gefehlt. Zeiger wurde an der Grundlinie ausgetanzt, Malura kam nicht an die Flanke heran, wurde von hinten angeköpft und sein Gegenspieler spitzelte den Ball vorbei am herauseilenden Heller zum bis dahin quasi abgemeldeten Raffael, der die Sensation damit verhinderte.

Danach beschränkten sich die Gäste darauf, den Ball in den eigenen Reihen hin- und herzupassen, die letzten Verzweiflungstaten unserer Pokalfighter verpufften leider erfolglos.

Von unseren Jungs sind einige klar herauszustellen:
Baier – Torschütze und -verhinderer, unermüdlicher Motor im Mittelfeld und Anpeitscher des Teams
Pröger – immer wieder diese pfeilschnellen Läufe, immer wieder frei anspielbar, in ein, zwei Situationen vielleicht zu eigensinnig, aber dennoch gefährlich
Zeiger – Turm in der Innenverteidigung, hatte nur ein einziges Mal, bei der Flanke zum 1:2 das Nachsehen
Heller – auch von mir oft gescholten, hielt, was zu halten war (und das war nicht wenig)
Malura – herzerfrischend offensiv, warum nicht immer so.

Aber auch der Rest des Teams zeigte eine tolle Präsenz auf dem Platz. Mehr davon, bitte.

Dass die Mannschaft nach der Partie noch vor der West „gefeiert“ wurde und dabei auch selbst ein kleines bisschen mitgemacht hat, lässt mich hoffen, dass es erneut zu einer Art Schulterschluss, zum Zusammenwachsen kommen könnte. Denn genau das werden wir im grauen Liga-Alltag demnächst auch wieder brauchen, wenn es mal nicht so läuft – auch wenn ich hoffe, dass Wuppertal ein böser, böser Ausrutscher war.

Nur die kühnsten Träumer unter uns hätten wohl damit gerechnet, keine deutliche Niederlage zu kassieren. Klar, an der Hafenstraße, zudem freitags unter Flutlicht, da ist alles möglich. Es sind diese Spiele, in denen Helden geboren werden, an die man sich auch noch in zehn oder zwanzig Jahren vielleicht zurückerinnert. Wie man beinahe einen Bundesligisten aus dem DFB-Pokal geworfen hatte. Leider sollte es an diesem Abend nicht gelingen, als Sieger vom Platz zu gehen. Allerdings war dies der vielbeschworene „Hafenstraßen-Fußball“, der Kampfgeist auf dem Platz und die Atmosphäre auf den Rängen, die mich und vermutlich auch viele andere seinerzeit zum RWE-Fan gemacht haben. Umso schöner, dass das Spiel trotz TV-Präsenz ohne Pyro & Co. oder Ausschreitungen ausgekommen – ja, man lieferte sich mit dem Gladbacher Anhang gar einen „Scheiß DFB-Wechselgesang“.

Trotz Niederlage und leichter Depression mit einem Lächeln nach Hause, das hatte es bei mir lange nicht mehr gegeben. Ich kann es verwinden, da natürlich dieser Wettbewerb eigentlich nicht unsere Kragenweite hat. Dies war ein Bonusspiel, das zu gewinnen sicher schön gewesen wäre.

Die Respektzollungen in den sozialen Medien auch von Gladbacher Seite taten sicher nicht nur dem Team gut, auch wenn man das als Verlierer natürlich eigentlich nicht hören möchte. Und da stören auch ein paar Internet-Trolle wie der kleine Leon oder sein Homie Alex nicht, die sicher heute noch von den allerersten beiden V+ Energy ihres Lebens noch einen Kater haben. Vielleicht lernen sie auch eines Tages noch, wie man als Gewinner Größe zeigt und die Leistung des Unterlegenen anerkennt.

Unfassbar dennoch, dass sich immer noch Leute finden, die nicht zufrieden sind und noch etwas zu meckern finden. Auch das ist vermutlich einfach Rot-Weiss Essen.

Und wenn es sich eines Tages noch bis in die Redaktion von n-tv herumspricht, wer der echte RWE war, ist und sein wird, dann wird auch alles gut…

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Endlich wieder Fußball

Die Sommerpause ist zu Ende. Bei herrlichstem Sommerwetter hieß der erste Gegner heute Borussia Dortmund, die zweite.

Auch der Kongress der Zeugen Jehovas in der Westfalenhalle nebenan konnte nicht verhindern, dass mehr als 5.900 Zuschauer zum Spiel kamen (hallo, RWO) und für eine tolle Atmosphäre sorgten.

Und die Mannschaften wollten da ebenfalls nicht geizig sein und zeigten eine tolle Partie, in der vor allem in der zweiten Hälfte eine Torchance die nächste jagte.

Den besseren Start erwischten allerdings unsere Jungs. Nach gut 10 Minuten setzte sich Pröger auf rechts durch und zog in den Strafraum, wo seine Flanke ein kleines Stück zu hoch für Platzek war. Weitere 10 Minuten später dann eine Dreifach-Chance, in der der Dortmunder Keeper gerade noch die Essener Führung verhindern konnte.

Nicht so in der 27.: eine Ecke fliegt zunächst zu weit, über Pröger und einen weiteren Rot-Weissen landet der Ball an der Strafraumkante bei Zeiger, dessen Schuss geblockt wird. Der erste Nachschuss wird ebenfalls noch pariert, dann schiebt Malura den Ball zur verdienten Führung ein.

Als der BVB nach etwa 35 Minuten erstmalig in den Essener Strafraum kommt, pfeift der in einigen Szenen unsicher wirkende Schiri plötzlich Elfmeter. Urban hatte jedoch ganz eindeutig den Ball gespielt. Es sollte jedoch nicht das einzige mal bleiben, dass die Borussen mit der extremen Schwerkraft Probleme hatten. Der Elfer wurde leider souverän verwandelt. Es folgten einige ruppige Szenen, Spielfluss kam keiner mehr auf.

Nach der Pause meldete sich der BVB mit einem Strich von einem Schuss in den Essener Winkel zurück. Grund hatte in einem Konter einen Querpass zu Platzek nicht an den Mann gebracht, die Abwehr war aufgerückt und konnte das Traumtor nicht verhindern.

Wenige Minuten später machte Grund seinen Fehler wieder gut: Schöner Pass von Baier in den Lauf von Grund, dieser dreht kurz im Sechzehner ab und schickt Cokkosan steil. Dessen Querpass landet vom Dortmunder Keeper in den Füßen von Baier, der in aller Ruhe einschießen kann.

Es folgte die wohl beste Phase der Rot-Weissen. Platzek bekam den Ball freistehend am Elfmeterpunkt – knapp geklärt. Direkter Freistoß von Baier Zentimeter neben das Tor. Flache Hereingaben von Malura und Grund jeweils in letzter Sekunde gerettet. Die Führung wäre zu diesem Zeitpunkt hochverdient gewesen. Leider kostete dieses Anrennen sehr viel Kraft, so dass in den letzten 15 Minuten der Partie nach vorne nicht mehr viel zusammenlief, wohl auch, weil Jansen zwar ein echter Schrank ist, Platzek auf Außen aber nicht mehr für die entsprechenden Impulse sorgen konnte. Außer ein paar semi- gefährlichen Standards für Dortmund sprang aber nichts mehr heraus (okay, ein Kopfball an den Pfosten).

Unter dem Strich ein eher unglückliches Unentschieden, mit dem ich persönlich aber gut leben kann.

Besonders beeindruckend fand ich heute, mit welcher Leidenschaft Pröger sich in jeden Ball wirft. Er konnte sich einige Male gegen gleich mehrere Gegenspieler durchsetzen und war nur mit einem Foul zu bremsen. Ganz klar für mich der Mann des Spiels.

Positiv ebenfalls, dass wir die anscheinende Schwäche bei gegnerischen Standards heute nicht gezeigt haben. Trotz vieler Freistoßflanken und Ecken entstand daraus zumeist keine Gefahr, der Rest fällt unter die Gauß’sche Normalverteilung.

Die unterirdische Leistung des Schiedsrichters lasse ich besser unkommentiert. Mindestens zwei klare Handspiele übersehen, dazu eine horrende Zahl von gelben Karten…

Kommenden Sonntag geht es weiter zu Hause gegen den WSV. Ich würde mich über 10.000+x Zuschauer nicht wundern. So Gott will.

Auf in die neue Saison

Frohes Neues Jahr allerseits!

Für mich beginnt mit der Partie gegen den BVB gleichzeitig die neue Saison. Mehr als 10.000 verkaufte Tickets für dieses Spiel und mehr als 4.000 Dauerkarten senden ein deutliches Zeichen, dass erneut so etwas wie Euphorie in Essen besteht. Ich nehme ich dieses Spiel zum Anlass, mich wie schon in der vergangenen Saison mit den Sommertransfers auseinanderzusetzen.

Grundtenor der letzten Jahre war, dass man endlich mal von den Komplettumstellungen des Teams absehen und die berühmt-berüchtigten „punktuellen Verstärkungen“ holen soll. Dann wollen wir doch mal sehen…

1. Die Abgänge

Niclas Heimann
Beinahe schon traditionell ist das unverhältnismäßige Einprügeln auf Torhüter in Essen. Niclas Heimann reiht sich hier ein in die Reihe von Torhütern, die trotz meist guter Leistungen wegen einiger weniger Patzer in Ungnade gefallen sind und wohl auch mit einem gehaltenen Elfer in der Nachspielzeit des Pokalfinales gegen den FC Bayern niemals wieder rehabilitiert worden wären. Ihm wurde seinerzeit zum Verhängnis, im Testspiel gegen den BVB einen gewissen Pierre-Emerick Aubameyang austanzen zu wollen, was ihm leider misslang. Ich persönlich habe ihn immer für einen guten, wenn nicht sogar den besseren unserer Keeper gehalten, andere haben seine Versetzung hinter Heller geradezu gefeiert. Sein Weg zieht ihn nach Rödinghausen, ich hoffe, dass er uns da nicht zeigt, was er alles kann.
Fazit: Schade aus menschlicher Sicht, aber er hatte wohl auch keine Lust, wieder nur die Nummer zwei im Kasten zu sein.

Patrick Huckle
Ein Kämpfer vor dem Herrn, der eigentlich das darstellte, was an der Hafenstraße immer wieder gefordert wird – jemand, der sich über 90 Minuten den Arsch aufreißt und sich auch für eine Grätsche nicht zu schade ist. Hatte sicherlich den einen oder anderen schwächeren Moment, der zu gefährlichen Szenen für die Gegner führte, diese habe ich ihm jedoch eben wegen seines Einsatzes gern vergeben. Unvergessen sein wuchtiger Kopfball in die eigenen Maschen beim 9:1-Sieg über Erndtebrück. Huckle geht in seine Heimat im Südwesten zurück und spielt ab der kommenden Saison für den FSV Frankfurt.
Fazit: Hätte ich gerne noch eine Saison zumindest hier gesehen, ist aber auch nicht mehr der Jüngste, von daher wohl vertretbar.

Maksimilijan Milovanovic
Dritter Mann hinter Heller/Heimann. Mehr kann ich zu ihm nicht sagen. Wechselt zum 1. FC Bocholt, weil er dort Aussicht auf Einsatzzeit hat.
Fazit: nachvollziehbar, eher kein Verlust

Jeffrey Obst
Obst konnte sich wohl nur durch seine Undiszipliniertheit in Erinnerung bringen, die zu Beginn der vergangenen Saison zu einer roten Karte führte. War lange verletzt, geht zur SG Wattenscheid.
Fazit: eher kein Verlust

Kasim Rabihic
Der vermutlich beste Techniker im letztjährigen Kader hat aus meiner Sicht leider zu selten gezeigt, dass er auch mannschaftsdienlich spielen kann. Zu selten ein Auge für den besser postierten Nebenmann, zu ballverliebt. Vermutlich daher auch oft nur Reservist. Ziel unbekannt.
Fazit: absolut nachvollziehbar, seinen Vertrag nicht zu verlängern

Richard Weber
Weber war in der vorletzten Saison quasi neben Zeiger gesetzt, musste sich dann zunächst hinter Windmüller einreihen und landete nach dessen „Degradierung“ trotzdem nur auf die Bank, von wo er zusehen musste, dass ihn ein nomineller „Sechser“, Meier, vertrat. Das alles tat er, ohne in der öffentlichkeit darüber zu murren, was man ihm durchaus hoch anrechnen darf. Er schließt sich nun der Reserve der Blauen an und geht damit eine Liga nach unten. Allein das hat ihn für einige – für mich nicht rational nachvollziehbar – zur Zielscheibe gemacht. Dort dürfte er jedoch einer der erfahreneren Spieler sein und zu deutlich mehr Einsatzzeiten kommen, die er als junger Spieler sicherlich auch bevorzugen dürfte.
Fazit: Ebenfalls schade, aber nachvollziehbar aus Spielersicht. (Ihm Erfolg zu wünschen, geht bei mir aber auch zu weit…)

Gino Windmüller
Zwei Abwehrpatzer (im Pokal gegen die Arminia und in der Liga beim Heimspiel gegen die Viktoria) kosteten Windmüller den eigentlich relativ sicheren Startelf-Platz. Er arbeitete sich jedoch gegen Saisonende wieder auf selbigen zurück und konnte dort weitestgehend überzeugen. Wurde einige Male als hohe Anspielstation in der Schlussphase nach vorn berufen, konnte dort aber kaum Akzente setzen. Trotzdem in der zweiten Saisonhälfte mit souveränen Spielen neben Zeiger. Windmüller und RWE ließen lange offen, ob der Vertrag verlängert würde, ich weiß nicht, wer von beiden hier gezögert hat. Vermutlich eine Mischung aus Zögern des Vereins und neuem Angebot führten schließlich dazu, dass Windmüller nun für den WSV auflaufen wird.
Fazit: eine Verlängerung hätte uns vermutlich nicht wehgetan.

2. Die Zugänge

Daniel Engelbrecht
Engelbrechts Krankenakte ist hinlänglich bekannt. Medienberichten zufolge war er aber seit Inbetriebnahme des Defibrillators diesbezüglich beschwerdefrei, seine Verletzung in der abgelaufenen Saison für den KSV Steinbach rührte von einem groben Foulspiel her. Engelbrecht wurde nach besonders ausführlicher Untersuchung – unter Zuhilfenahme eines Herzspezialisten – für tauglich befunden und soll auch die besten Werte aller Spieler beim Leistungstest gehabt haben. Ich bin daher weit davon entfernt, den Verantwortlichen für diesen Neuzugang Fahrlässigkeit vorwerfen zu wollen. Nüchtern betrachtet kann man jedoch wohl froh sein, dass die Berufsgenossenschaft wohl mit der Gehaltszahlung einspringen wird. Wie durch den Bericht unseres Fanvertreters im Aufsichtsrat bekanntgeworden, werden wir für Engelbrecht noch mal eine Alternative auf dem Transfermarkt suchen. Daniel Engelbrecht wünsche ich alles Gute! Komm schnell auf die Beine.
Prognose: kann, wenn er fit wird, zumindest als Joker vielleicht noch wichtig werden. Alles Weitere ist allerdings Spekulation.

Cedric Harenbrock
Der 19jährige Harenbrock aus der U19 von Bayer Leverkusen ist einer dieser „Namenlosen“, die wohl die wenigsten von uns auf dem Schirm gehabt haben dürften. Ein Bericht der Sport-Bild klärt auf, dass er sich wohl durch alle Jugendjahrgänge hinweg immer einen Schritt vor den Gleichaltrigen bewegt hat (F-Jugend im Bambini-Alter, immer im Alt-Jahrgangskader seines jeweilgen Vereins…) Auch meine ersten Eindrücke (die ich zugegebenermaßen nur den verschiedenen Live-Tickern entnehmen konnte) sind durchaus positiv. Hier bin ich sehr gespannt, zumal er a) Zug zum Tor und b) Vorbereiterqualitäten zu haben scheint.
Prognose: Zumindest ein Bankplatz scheint sicher.

Stefan Jaschin
Torwart-Eigengewächs der U19, dürfte wohl eher nur auf der Bank landen, falls sich einer der beiden anderen Keeper verletzt.
Prognose: s.o.

Marcel Lenz
Der Ex-Reservekeeper des MSV dürfte Heller ziemlichen Druck bereiten, denn er ist als durchaus erfahrener Torhüter bestimmt nicht gekommen, um seine Zeit auf der Bank abzusitzen. Für Regionalliga-Verhältnisse ein sehr guter Transfer, der Heimann mindestens gleichwertig ersetzt.
Prognose: Könnte vermutlich über die Saison gesehen im Vergleich zu Heller die Nase vorn haben. Auf der Torhüter-Position sind wir grundsätzlich gut besetzt.

Kai Pröger
Bei seinem letzten Spiel für den BFC Dynamo konnte Pröger in der Schlussphase der Verlängerung noch einen Doppelpack erzielen und schaffte es mit einem der Treffer sogar ins „Tor des Monats“. Wenn man Lucas Glauben schenken darf, wird er unser Spiel durch seine Schnelligkeit auf der rechten Seite beleben und bringt zudem noch eine eigene Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor mit. Schon jetzt gefühlt ein Publikumsliebling, der unter diesem Druck hoffentlich nicht einbricht. Ist etwas gefülltere Stadien schon gewohnt, wenn auch nicht in Essener Ausmaßen.
Prognose: Scheint auf der rechten Sturmseite gesetzt.

Ismail Remmo, Simon Skuppin, Boris Tomiak
Ergänzungsspieler aus der U19. Sollen ans Team und den „Männerfußball“ herangeführt werden und die Integration von „Eigengewächsen“ in die erste Mannschaft wie zuletzt Nico Lucas fortführen.
Prognose: Dürften in den Spielberichten nur sehr selten auftauchen.

Robin Urban
Regensburger Innenverteidiger haben bei uns schon beinahe so lange Tradition wie unser Verbleib unterhalb der Dritten Liga. Nach Neunaber und Windmüller haben wir mit Urban nun schon den dritten De,. fensivspieler von der Donau. Schließt er sich an das solide Abwehrspiel der vorgenannten Kollegen an, sollten wir hinten die nötige Konstanz haben, um gesichert nach vorn spielen zu können.
Prognose: Nach dem Abgang von Windmüller und Weber wohl ebenfalls gesetzt.

3. Meine Aufstellung

So stelle ich mir im Großen und Ganzen die Stamm-Elf vor (Alternative in Klammer)

Tor: Heller
Abwehr: Grund (Cokkosan) / Urban / Zeiger / Malura
Mittelfeld: Baier / Meier (Lucas) / Brauer (Harenbrock)
Sturm: Bednarski / Platzek / Pröger (Ngankam)

4. Gesamtfazit

Beim Schreiben dieser Zeilen fiel mir auf, dass wir im Grunde keine „faulen Eier“ mehr im Kader haben. Dies dürfte hauptsächlich natürlich in der Abgangswelle der vergangenen Winterpause begründet liegen, ist aber auch in meinen Augen ein gutes Zeichen für solide Arbeit der sportlichen Verantwortlichen. Ältere, „verdientere“ Spieler wie Huckle und Windmüller sind nicht mehr im Kader, wobei für den Huckle-Abgang ja noch ein Ersatz gesucht wird. Hier sind wir aber mit Grund/Cokkosan auch handlungsfähig. Die Abgänge von Obst & Co. schmerzen nicht so sehr, als dass man sie nicht mit den neuen Spielern mindestens adäquat ersetzen könnte.

Der Stamm der Spieler, die die vergangene Saison mit Platz 5 abgeschlossen haben, wurde zu einem sehr großen Teil gehalten und ist quasi eingespielt.

Ich bin zuversichtlich, dass mit dem Kader mindestens die Vorjahres-Position wieder möglich ist – vorausgesetzt natürlich, wir bleiben von größeren Verletzungen verschont. Ein guter Start ist natürlich wichtig. Viel wichtiger ist es aber, konstant zu punkten. Und wenn wir es dann noch schaffen, das Lehrgeld der verdammten Unentschieden der letzten Saison in Siege umzumünzen, ist alles drin

Getz sindse völlig durchgeknallt…

Da wacht man morgens auf und denkt, der Postillon hätte sich einen neuen, vor Wahnwitz nur so sprühenden Artikel ausgedacht. Kurzer Blick auf die URL… Nee, das ist ja vom Kicker!

Die Regionalliga Südwest bekommt Zuwachs. Doch nicht etwa aus eigenen Reihen, sei es durch einen insolventen Zweit- oder Drittligisten oder einen zusätzlichen Aufsteiger aus einer der Oberligen, nein, man lädt eine Mannschaft aus China ein, an der Liga teilzunehmen. Nicht nur, dass uns China seit Jahrzehnten alles vor der Nase wegkopiert, was man sich vorstellen kann (zum Beispiel ganze Dörfer), nein, jetzt will man wohl auch im hintersten Asien die „Champions League des kleinen Mannes“ nachbauen. Und weil das am Besten geht, wenn man sich das mal ganz genau ansieht, schickt man ein Team, das – natürlich außer Konkurrenz – mitspielen soll.

Wo sich bisher das 19. Rad am Wagen sich mit spielfreien Wochenenden herumplagen musste (als Fan womöglich im Kreise der Familie – welch Horrorgedanke!!1!), darf man sich nun mit einem Team auf dem Niveau irgendwo zwischen Landes- und Verbandsliga messen – die „guten“ chinesischen Teams spielen sicherlich lieber um die eigene Meisterschaft mit statt um die goldene Ananas fernab der Heimat.

Um die Reisestrapazen so gering wie möglich zu halten, soll der Gast immer auswärts antreten, das heißt, man spielt als „normaler“ Regionalligist zweimal gegen dieses Team zu Hause. In einer Liga, in der viele Vereine ohnehin nicht wissen, wie sie 18 Heimspiele finanziell und organisatorisch gestemmt bekommen sollen, ist es natürlich sinnvoll, noch zwei Partien „on top“ geliefert zu bekommen. Da kann so manche Spielerfrau mal zeigen, was sie am Getränkestand kann! Einfach toll! Dafür gibt es ja auch einen Obulus von 15.000 € je Team. Da wird die Regio Südwest wohl bald die ersten internationalen Top-Transfers präsentieren, jetzt, wo der Rubel nur so

Damit nicht genug: Die Knochen mal schonen, mal eine Blessur auskurieren? Diese lästige Wettbewerbsverzerrung, weil der nächste, wichtige Gegner vergangene Woche spielfrei hatte und man selbst aber noch antreten musste? Diese Zeiten sind vorbei! Endlich kann man die körperliche Belastung mal konstant hochhalten! Und wenn der chinesische Libero Shu Zhu Eng in bester Augenthaler-Manier reihenweise die Stürmer der Gegner kaputttritt, kann das doch nur von Vorteil sein.

Mal im Ernst: Ich habe selten so eine tolle Idee Schnapsidee gehört. Das letzte Mal bei dem Vorschlag, RWE könne ja während des Stadionbaus in Oberhausen antreten. Ich hoffe ernsthaft, dass die Fanvertreter der betroffenen Vereine alle (legalen!) Register ziehen, um diese Entscheidung noch zu revidieren. Sollte es dennoch soweit kommen, hätte ich sogar Verständnis für die Boykottierung dieser Partien. Anstatt sich mal über die beschissene Aufstiegsregelung ordentliche Gedanken im Dialog mit den betroffenen Vereinen (nicht mit den Bundes- bis Drittligisten!) zu machen, denkt man sich so einen Blödsinn aus…

Obwohl: Ich finde, man könnte gleich noch ein Team aus Botswana, Fidschi, Liechtenstein und Nicaragua einladen. So könnte man quasi ganzjährig jedes Wochenende ein Spiel anbieten (bei 6 Wochen Sommer- und Winterpause). Das wäre doch toll.

Nemesis.

In meinem letzten Beitrag führte ich ja bereits aus, dass es für uns gegen den MSV in der jüngeren Vergangenheit nicht viel zu holen gab. Leider wurde diese Serie heute fortgesetzt. 

Dabei ließ sich das Spiel eigentlich ganz munter an, zwar gab es auf beiden Seiten keine ganz dicken Chancen, allerdings blieb auch das Abtasten, das man allzu häufig in solchen Partien liegt, in der Schublade. Gefühlt lag der Ballbesitz wohl etwa bei 50:50, beide Abwehrreihen solide. Nach einem Ballverlust von Grund ging es dann mal schnell nach vorne, von Zeiger sprang der eigentlich schon geklärte Ball zu einem Zebra zurück, und plötzlich stand es 0:1.

Dieser Treffer wirkte leider nach, denn der Rest der Halbzeit bestand zum Großteil aus Ballkontrolle auf Duisburger Seite, und so ging es pünktlich in die Pause. 

Unmittelbar nach Wiederanpfiff dann die üblichen unschönen Szenen mit Maskierten auf dem Zaun, Pyro und viel Qualm. Ich werde nie verstehen, wie man seinem Verein so schaden kann. Diese Leute scheinen jedoch in der aktiven Szene durchaus Rückhalt zu finden, anders kann ich mir die Fahnen als Sichtschutz einfach nicht erklären. Genauso kann ich nicht verstehen, wieso da von Seiten der Polizei nicht eingegriffen wird. Wenn es eine Straftat ist, dann müsste sie meiner Auffassung nach sogar zum Eingreifen verpflichtet sein. Stattdessen durften sich Vermummte mit Leuchtkugel-Stangen minutenlang auf dem Zaun selbst feiern. Ich finde, hier ist der Verein auch langsam mal gefordert, denn „gut zureden“ scheint nicht zu fruchten und die Strafen werden nicht geringer. 

Nach der Unterbrechung (übrigens hätten WIR den Fernsehbildern nach den Schiedsrichterball bekommen müssen) gab es dann unmittelbar zentral aus 20m direkten Freistoß. Die Situation war von der West nur schwer zu beurteilen, von meinem ersten Eindruck her war es nicht zwingend ein Foul. Wie auch immer, der Freistoß schraubte sich unhaltbar in die Maschen. 0:2, Drops quasi gelutscht. 

Das rot-weisse Team tat sich im Anschluss gegen zurückgezogene Duisburger schwer, trotzdem sprangen noch ein paar gute Szenen heraus. Zuerst köpfte Platzek nach einer Ecke das vermeintliche 1:2, stand dabei aber deutlich im Abseits. Baier und später auch der eingewechselte Rabihic verzogen aus guten Positionen knapp, Platzek kam an zwei etwas zu hohe Flanken nicht heran. Wenige Augenblicke vor dem Ende schoss Platzek aus spitzem Winkel, scheiterte aber am Keeper, der jedoch im Aus liegenblieb. Trotzdem konnte der MSV den Rückpass verhindern und den Torschuss blocken. Heller parierte kurz vor Schluss noch einmal gegen den eingewechselten Onuegbu, aber letztendlich tat der Gast heute nur das Nötigste. 

Alles in allem war dies wohl einer der Tage, an denen der Ball einfach nicht ins Tor will. Zum Glück stand aber dank des Aufstiegs der Zebras schon vorher fest, dass wir die erste Hauptrunde im Pokal erreichen werden, die Mitte Juni ausgelost und Mitte August gespielt wird. Vielleicht war dies auch der Grund, warum die letzten zwei, drei Prozent heute fehlten. 

Die Saison ist nun endgültig vorbei, und allen Unkenrufen zum Trotz bin ich recht zufrieden. Das ist aber ein Thema für einen anderen Beitrag. Jetzt ist „das Team hinter dem Team“ gefragt, die richtigen Strippen zu ziehen, noch den einen oder anderen Vertrag zu verlängern (Windmüller ist noch gut in Fahrt gekommen…) und die richtigen Leute zu verpflichten.

Nichtsdestotrotz bleibt der schale Geschmack einer Niederlage, die man am liebsten nicht kassiert hätte, weil einen im Freundeskreis und auf der Arbeit von den Zebra-Fans schon morgen wieder der Spott erwartet. 

Ich wünsche euch allen schon mal eine schöne Sommerpause. Danke für euer Interesse an meinem neuen Hobby, das ich leider aus verschiedensten Gründen nicht bei jedem Spiel ausleben kann.