Little Big Adventure

Am morgigen Samstag startet die Regionalliga für RWE mit dem Heimspiel gegen den SC Wiedenbrück. Für mich wird es der vorläufige Höhepunkt meiner Reise als Blogger werden.

Was mit einem ausführlichen Halbzeit- und Schlussfazit über Whatsapp an ein paar Kumpels begann, wurde 2016 zu diesem schmucken Blog hier. Mehrere hundert Follower über die verschiedenen Netzwerke mit den entsprechenden Zugriffszahlen zeigen mir, dass ich zumindest auf einem guten Kurs bin und zumindest mit meiner Sichtweise nicht komplett daneben liege.

Über diesen Blog bekam ich zudem die Gelegenheit, mich in den letzten anderthalb, zwei Jahren für Radio Hafenstraße zu engagieren und die rot-weissen Spiele auch live zu kommentieren. Dafür bin ich Alessandro, Schmiddy, Picke und Christopher auch sehr dankbar. Höhepunkte dabei waren sicher letzte Saison die Last-Minute-Siege gegen Dortmund oder Köln, aber auch das 3:0 an der Emscher. Nicht so schön war es, dem Verl und Rödinghausen bei der Demontage unserer Mannschaft zuzusehen (wobei ich immer noch behaupte, dass wir gegen Verl dem Ausgleich näher waren als die dem 1:3).

Dass Corona uns allen in die Aufstiegssuppe spucken würde, konnte sicher niemand in der Form noch im März sagen. Kurz vor dem möglichen entscheidenden Spiel gegen Verl wurde die Saison bekanntermaßen unter- und später komplett abgebrochen. Um die genervte Stimmung – auch meine eigene – etwas aufzumuntern, verfasste ich einen Liveticker zu einer Partie, die niemals stattfand. Dieser fand bei Fans und Verein tollen Anklang und ich bekam ein bis dahin unbekanntes Feedback auf allen Kanälen. Es folgten einige weitere virtuelle Ticker im Rahmen der Kampagne von RWE inklusive kurzen Gastauftritten in Beiträgen der Sportschau (DER SPORTSCHAU!!!1!) aber das ist natürlich alles kein Vergleich zu echten Partien. Der Rest ist bekannt, Verl spielt nun in der dritten Liga, wir müssen einen neuen Anlauf nehmen. Personell bestens gewappnet, dank Sascha Peljhan wirtschaftlich deutlich besser abgesichert als die meisten Konkurrenten.

Jetzt geht es also endlich wieder „in echt“ um Punkte in der Liga. RWE hat sich entschieden, eine hochwertige Livestream-Produktion der Heimspiele anzubieten. Ich fühle mich sehr geehrt, Teil des mit „reichlich emotionaler Subjektivität“ ausgestatteten Kommentatoren-Duos zusammen mit Christian Ruthenbeck – vielen bekannt als „Aufstellungs-Ansager“ auf dem Rasen – zu werden.

Nun weiß ich ja, wie kritisch Dinge rund um RWE bei vielen Fans beäugt werden, vielleicht kritischer als bei jedem anderen Verein dieser Welt. Jeder kleine Fehler wird zu einem großen Ballon aufgebläht, jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und in allem böse Absicht gesehen (blaue Schuhe jemand?). Bitte seid versichert: Wir alle geben unser Bestes, um den Verein auf bestmögliche Art und weise zu unterstützen. Aber: Wir sind halt auch alle nur Menschen. Ob nun Kommentatoren, Regie, Kameraleute, whatever…

Ich bin mir relativ sicher, dass trotz erfolgreicher Tests unter der Woche noch nicht alles so verlaufen wird, wie es vorher durchgespielt wurde. Da fällt hier eine Kamera aus, da stolpert jemand über ein Kabel, jemand verwechselt einen Spielernamen und so weiter, und so weiter. Bitte seht uns das nach, übt gerne Kritik – gerne über Social Media, aber verzichtet auf Shitstorms und bleibt sachlich. Ja, andere Clubs kriegen dies und das besser und vielleicht auch günstiger hin, aber dafür kriegt man dort halt auch nicht RWE geboten. *Zwinkersmiley*

Wir werden uns nach dem ersten Spiel zusammensetzen und darüber sprechen, wie die Premiere verlaufen ist und welche Schrauben gedreht werden können. Auch deshalb ist euer Feedback immens wichtig. Wir – das „Stream-Team“ – haben weitere Ideen, wie das Angebot erweitert werden kann, aber das primäre Ziel, die möglichst störungsfreie Übertragung der Partien, hat erst einmal Vorrang.

Wie einleitend erwähnt: Es ist für mich der vorläufige Höhepunkt, mein persönliches kleines Abenteuer. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn dieses Abenteuer schnell zu einem Ende käme, denn das würde bedeuten, dass ihr alle wieder neben mir im Stadion stehen, sitzen, hüpfen, klatschen und gröhlen könntet. Fußball ohne Fans ist halt nicht dasselbe.

Der richtige Zeitpunkt

FIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINAAALE!!!

Nach einer makellosen Vorbereitung, die mir schon ne Menge Lust auf mehr gemacht hat, hieß es gestern endlich wieder „Pflichtspiel“. Nachdem die Stadt Velbert mit einer äußerst restriktiven Entscheidung nur wenige Zuschauer vor Ort zugelassen hat, war ich wie so viele dazu verdammt, die Partie am Stream zu verfolgen. Ich gehe nur auf wenige Szenen ein, denn mir geht es um eine andere Aussage.

Die erste Halbzeit empfand ich gelinde gesagt als „schwierig“. Zu selten gelang es RWE, die Abwehr der tapfer kämpfenden Velberter zu durchbrechen, und die wenigen Chancen waren nicht wirklich dazu geeignet, so etwas wie Torgefahr heraufzubeschwören. Die TVD hatte ein paar gute Einschussmöglichkeiten, die oft aus Ballverlusten im Mittelfeld resultierten, doch die Schüsse waren jeweils zu platziert, als dass sie eine Gefahr für Jakob Golz im Essener Kasten dargestellt hätten. Die größte Chance für RWE hatte Endres, als er in der Schlussminute der ersten Halbzeit in bester Raheem-Sterling-Manier eine schöne Ablage von Kefkir aus einem Meter übers Tor setzte. Der Schiri erlöste beide Teams (RWE in Velbert, uns vor dem Stream) dann recht pünktlich.

Gleich zu Beginn des zweiten Abschnittes machte es Endres dann deutlich besser, als er nach einer schönen Ballstafette nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff frei vor dem gegnerischen Kasten auftauchte und zur Führung einschieben konnte. Ab diesem Zeitpunkt schien der Bann gebrochen, RWE schaffte es nun, Tempo ins Spiel zu bekommen und sich einige schöne Situationen herausspielen. Kurz vor Schluss machte dann Simon Engelmann mit seinem ersten Pflichtspieltreffer nach schöner Vorarbeit von Plechaty und Platzek den Deckel auf die Partie, und hätte Adetula wenig später nicht in einer Zwei-gegen-Eins-Situation noch Engelmann überholt und sich ins Abseits begeben, hätte der Sieg höher ausfallen können.

Doch frei nach Mertesacker 2014: „Wollen Sie ein erfolgreiches Turnier oder sollen wir lieber ausscheiden und haben schön gespielt?“ Fußball ist ein Ergebnissport. #Isso

Besonders gut hat mir nach Platzeks Einwechslung in der 60. Minute das Zusammenspiel Engelmann/Platzek gefallen. Hier haben wir eine großartige Option hinzugewonnen, mit zwei torgefährlichen Spielern zu agieren, die die gegnerische Abwehr beschäftigen und damit Lücken für den jeweils anderen reißen können.

Positiv ist mir auch Herzenbruch aufgefallen, der nach seiner Rückkehr eine gute Alternative zu Grund zu sein scheint. Wo Grund mit Technik glänzt, ist „Herze“ ein wenig robuster.

In Halbzeit eins konnte man jedoch erneut erkennen, was uns in der Saison erwarten wird: Wo in der Vorbereitung Gegner standen, denen das Ergebnis „egal“ sein konnte, werden viele Teams auf das übliche Wir-stellen-uns-hinten-rein-und-warten-auf-den-Konter zurückgreifen. An dieser Stelle wird sich zeigen, ob die Mannschaft aus den Fehlern des letzten Jahres lernen bzw. die Schwächen abgestellt werden konnten.

Und damit zur eigentlichen Aussage dieses Textes. Ohne die Euphorie der Vorbereitung zunichte machen zu wollen: Dieses „nur 2:0“ ist vielleicht der Schuss vor den Bug, den einige (vielleicht sogar ich selbst) gebraucht haben. Angesichts hoher Vorbereitungssiege gegen ebenso unterklassige Gegner wie gestern die TVD Velbert konnte man halt schnell ins Schwärmen geraten. Wer sollte uns aufhalten? Daher kam dieses knappe Ergebnis gerade zur rechten Zeit. Die wichtigen Punkte auf dem Weg zum erhofften Aufstieg müssen halt noch geholt werden. Es gilt also, alle Partien mit der gebotenen Ernsthaftigkeit anzugehen und keinen Gegner zu unterschätzen, unabhängig von der Position der Tabelle, der letzten x Spiele oder der eigenen Stärke. Gleichzeitig muss jedoch klar sein: Die Punkte gehören RWE!

Es geht wieder los!

Huch! Da ist mein letzter Eintrag schon mehr als sechs Wochen alt. Berücksichtigt man dazu, dass das letzte RWE-Pflichtspiel am 08.03. (!) stattgefunden hat, sind wir mittlerweile über fünf Monate ohne Stoff für unsere Sucht nach Pflichtspielen. Das kann kein virtuelles Heimspiel, kein Kräftemessen an der Konsole und auch kein Testspiel bieten: Dieses Kribbeln schon Tage vorher, die Anspannung auf dem Weg zum Stadion (auf die wir wohl noch eine Weile warten müssen), das Mitgröhlen, wenn „Adiole“ zum Einlauf der Teams gespielt wird…

Dienstag Abend ist es dann also soweit – wenn in diesen Tagen alles so bleibt wie geplant: in Velbert spielt RWE dann beim ortsansässigen TVD um den Einzug ins Finale des Niederrheinpokals, das unabhängig von den teilnehmenden Mannschaften im Stadion Essen stattfinden wird. Und sind wir mal ehrlich: Wir alle erwarten bei allem Respekt für die anderen drei Teams nicht nur den Finaleinzug, sondern auch den Pokalsieg, der wiederum mit der Teilnahme am „großen“ DFB-Pokal, dann gegen die Arminia Bielefeld, verbunden ist.

RWE hat mit den Neuverpflichtungen die Ambitionen auf den Aufstieg untermauert. So kamen Tormaschine Simon Engelmann und Spielmacher Felix Backszat vom letzten Meister SV Rödinghausen, hier ist der Begriff „Kracher“ sicher angebracht. Hinzu kommt mit Jonas Behounek (vorher: Großaspach) ein Spieler mit Drittliga-Erfahrung, Felix Schlüsselburg (BVB II) und Sandro Plechaty (Königsblau 04-II) komplettieren die externen Zugänge. Zudem kommt mit Felix Herzenbruch ein Top-Spieler aus seiner Leihe nach Oberhausen zurück, Cedric Harenbrock scheint sich von seinen Kreuzbandrissen ebenfalls gut erholt zu haben und Maximilian Pronichevs Vertrag, der nur für ein halbes Jahr gültig war, wurde ebenfalls verlängert. Ein breiter Kader, der uns über die (hoffentlich) lange Saison tragen soll. Trainer möchte man bei dieser Auswahl nicht sein…

A propos Trainer: Auch hier gab es den (nicht mehr ganz zu überraschenden) Wechsel im Sommer, für Titz kam Neidhardt, ein Mann mit Aufstiegs- und Drittliga-Erfahrung, der nach sieben Jahren in Meppen eine neue Herausforderung gesucht und sie in RWE gefunden hat. Bislang macht der Mann einen sehr guten Eindruck auf mich, die Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche“ scheint allem Vernehmen nach auch ganz gut anzukommen.

Zurück zur TVD Velbert: als 13. der letzten Oberliga-Saison ist der Gastgeber natürlich krasser Außenseiter. Bringt RWE auch nur ansatzweise eine Dominanz wie in der Vorbereitung auf den Platz, gibt es für die TVD nichts zu gewinnen. Man möchte jedoch nicht auf den „Heimvorteil“ verzichten (wie auch immer der aussehen mag), was aufgrund der Corona-Auflagen zu einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit führt. So sind also nicht einmal die berühmten 300 Zuschauer zugelassen. Das führt u.a. dazu, dass auch mein Akkreditierungsantrag abgelehnt wurde – na ja, machste nix. Dann bleibt wohl nur der Stream. Auch wenn der nur mit einer automatischen Kamera, gerüchteweise aber moderiert sein soll.

Aber so ist das: Wenn man süchtig und auf Entzug ist, nimmt man, was man kriegen kann. Dafür hoffentlich dann nächste Woche Samstag das Finale live „inne Heimat“.