RESET!

Wilde Zeiten an der Hafenstraße. Man weiß ja schon gar nicht mehr, worüber man alles schreiben soll… Ohne Anspruch auf zeitliche Genauigkeit:

Erst wird bekanntgegeben, dass Publikumsliebling und Bürgermeister von Bergeborbeck Timo Brauer keinen neuen Vertrag erhält, dann erfolgt einige Tage nach Saisonende die Meldung, dass man auch mit Benni Baier nicht mehr plane bzw. dessen Vertrag vorzeitig aufgelöst wurde.

Nach der offiziellen Einführung von Jörn Nowak als Sportlichem Leiter hagelt es dann Bekanntgaben von Spielerverpflichtungen für die kommende Saison: Alexander Hahn, Jan-Lucas Dorow und Felix Herzenbruch sind Neuzugänge drei bis fünf, nachdem bereits im Vorfeld mit Dennis Grote und Mario Kehl-Gomez zwei schwerstens tätowierte, frisch gebackene Landespokal-Gewinner präsentiert worden waren.

Gestern gab der Verein dann durchaus überraschend bekannt, dass man sich mit sofortiger Wirkung von Karsten Neitzel trenne und „zeitnah“ (mein Lieblingswort!) einen Nachfolger bekanntgeben werde. Das saß!

Klar, die Ergebnisse der letzten Spieltage waren wirklich bescheiden. Viel erschreckender vielleicht aber war noch die Art und Weise, wie die Spiele gestaltet wurden. Es hat sogar mir (sic!) die Laune dermaßen verhagelt, dass ich über die letzte Heimpartie nicht mal mehr die Muße verspürte, einen Bericht zu verfassen. Selbst das Auswärtsspiel bei Fortuna II habe ich „geschwänzt“ (sowohl live als auch in Ticker/Stream), da ich viel besorgter war, unsere Oberhauser „Freunde“ könnten tatsächlich den Aufstieg passen (davon abgesehen hatte ich Besuch zwecks gemeinsamer Grillung, ich sag euch, das war ein Stress…). Ich war einfach froh, dass das Kapitel „Regionalliga West 2018/19“ ein Ende genommen hatte.

Nichtsdestotrotz gab es keine Anzeichen für eine Entlassung von Neitzel. Kein „Kaputtschreiben“ durch die Journaille, keine Gerüchte, keine kolportierten Insiderinfos. Einfach gar nichts. Doch anscheinend (Überraschung!) wird bei RWE auch gearbeitet, wenn man keine tägliche Zusammenfassung erhält. Hinter den Kulissen dreht das Team hinter Uhlig und Nowak jeden Stein um, stellt offensichtlich alles in Frage (gut so!) und scheut sich auch nicht, Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen, wenn man entsprechende Potentiale erkennt – wie im Falle des Trainers.

Vorweg: Es liegt mir fern, gegen Karsten Neitzel nachzutreten. Doch objektiv gesehen war seine Bilanz in der Rückrunde nicht die eines Spitzenteams, das in der Hinrunde eine Negativphase hatte. Nein, es war vielmehr die Bilanz eines Absteigers. Lediglich 22 Punkte gab es in der Rückrunde – Absteiger Kaan-Marienborn brachte es sogar auf 23. Die Offensive, die noch zu Saisonbeginn so sehr aufdrehte, konnte im gesamten Saisonverlauf lediglich 42 Tore erzielen – nur Straelen, Lippstadt und Herkenrath trafen seltener! Da muss man kein Taktikfuchs sein, um festzustellen, dass es natürlich in die Verantwortung eines Trainers fällt, das Team so vorzubereiten, dass es die Torchancen zunächst einmal überhaupt herausspielen kann und dann natürlich auch nutzt. Man sieht – erwartbar war die Trennung also allemal.

Nun also Titz. Ein Mann mit einer vorzeigbaren Vita, schaffte er doch mit der zweiten Mannschaft des HSV den Sprung an die Tabellenspitze der Regio Nord, bevor er zum Chef der „Ersten“ wurde, die er beinahe mit Ballbesitzfußball noch in der Bundesliga gehalten hätte. Er wurde schließlich entlassen, als der HSV erstmals die zuvor gezeigte Dominanz in der Zweiten Liga vermissen ließ. Die ersten englischsprachigen Herrenwitze ließen auch nicht lange auf sich warten, weitere werden folgen! I LOVE TITZ!

Titz gilt als Tüftler, als Perfektionist. Wirft man einen Blick auf seinen Instagram-Account, so findet man dort nicht nur die übliche Posen, sondern auch immer wieder Taktik-Skizzen und Verweise auf seine Schulungen und E-Books, die er zu dem Thema veröffentlicht hat. Auf Youtube gibt es außerdem ein Video mit dem hübschen Untertitel „Christian Titz – Spielphilosophie“ – das ist aber mehr „Special Interest“, quasi Arte für Fußball-Nerds.

Zudem ist angekündigt, auf der diesjährigen JHV eine Satzungsänderung zur Abstimmung zu bringen, die kurz gesagt quasi die Installation eines zweiten Vorstandspostens beinhaltet. Auch hier darf man sicher noch auf eine Personalie gespannt sein, denn einen solchen Aufwand betreibt man sicher nicht grundlos.

Die Aussage, man wolle jetzt „noch sieben, acht, vielleicht sogar neun neue Spieler“ (Reviersport) holen, irritiert mich dann aber doch. Bei derzeit 13 Leuten im Kader wären wir damit schlechter ausgestattet als in der abgelaufenen Saison. Und wir alle haben gesehen, wohin das führt. So vierzehn, fünfzehn weitere dürften es dann schon gerne noch werden. Entweder hat man also mit einigen bislang nicht namentlich genannten Leuten schon verlängert oder die genannte Zahl war „aus dem Lameng“ gesprochen.

Wie dem auch sei, an der Hafenstraße scheint sich etwas zu bewegen, noch dazu in einem zumindest mir nicht bekannten Ausmaß. Für mich sieht das sehr nach „Reset-Knopf“ aus (ich erspare euch alle Floskeln rund um alte Zöpfe). Die alten Konzepte haben nicht gegriffen, waren aber sicher auch teilweise aus der Not geboren, finanziell nur wenig Spielraum zu haben. Dank der Zuwendungen von Mr. Naketano ist dieser Spielraum offenbar nun groß genug, um einen komplett anderen Weg zu gehen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber von mir aus könnte es am Wochenende losgehen… Wobei – da ist erst mal Rock Hard Festival…

Berlin, Berlin…

Am heutigen 14. Mai ist es 25 Jahre her, dass RWE im Berliner Pokalfinale stand. Drüben bei Catenaccio 07 und Im Schatten der Tribüne gibt es bereits hervorragende Berichte dazu, außerdem sei natürlich das Special bei Jawattdenn jedem RWE-Sympathisanten ans Herz gelegt.

Und auch ich möchte nicht versäumen, meine Erinnerungen zu teilen. Es war die Zeit, in der ich RWE für mich entdeckte. RWE hatte in der Aufstiegsrunde gegen Herzlake, Trier und Münster den Aufstieg in die Zweite Liga perfekt gemacht und ich besuchte mehr oder weniger regelmäßig die Heimspiele. So geschah es dann auch, dass ich erst miterleben durfte, wie RWE nach 0:2-Rückstand und „Berlin, Berlin, wir scheißen auf Berlin“ einen 3:2-Erfolg mit Anpassung des Sprechchores machte und in der nächsten Runde auf den MSV Duisburg traf. Hier erinnere ich mich insbesondere an das frühe 1:0, als Harry Kügler dem Zebra-Torwart Rollmann den Ball wegspitzelte, und an das 4:2 durch die eingewechselte Kobra Wegmann, wenn ich mich richtig erinnere in seinem ersten Spiel nach seiner Rückkehr.

Nachdem dann (so sagte man mir, dieses Internetz gab es ja damals noch nicht) auch Jena bezwungen wurde, traf man im Halbfinale auf TeBe Berlin. Dieses Spiel habe ich damals mit meinem besten Kumpel und dessen Familie vor deren Fernseher verfolgt, ich kann mich leider kaum an dieses Spiel erinnern, wohl aber daran, dass am nächsten Tag überall über den Finaleinzug gesprochen wurde. Abends hieß es dann für mich und meinen Kumpel „Grugahalle“, Manowar sollten die Bude zum Beben bringen, bevor wir im Anschluss erfuhren, dass Werder Bremen unser Gegner in Berlin sein würde.

Und so begab es sich dann, dass ich in Begleitung zweier meiner Onkel – einer davon zum damaligen Zeitpunkt Ordner bei RWE, derjenige, der das Metalltor zum Spielertunnel geöffnet und geschlossen hat, der andere hat mir heute nochmal bestätigt, dass er bis Hannover keine einzige Partie Skat verloren hat – und vielen anderen Fans (darunter der damalige Bundesliga-Schiri Weber) am 14.05.1994 per Sonderzug von Essen nach Berlin fahren durfte.

In Berlin angekommen, mussten wir noch zu „Tante Emmi“ ins „schöne“ Wedding, einer doch ziemlich schrulligen Großtante, die ich davor nur eine Handvoll mal gesehen habe. Dort konnten wir immerhin kostenlos nächtigen, also nur kurz das Gepäck abgestellt und dann ab ins Stadtleben. Ich kann mich erinnern, dass an allen zentralen Punkten, die wir auf dem Weg ins Stadion passieren mussten, eine friedliche rot-weiss-grüne Party im Gange war. Nichts zu spüren von Rivalität, keinerlei Überheblichkeit auf Seiten der Bremer, die natürlich als klarer Favorit in die Partie gehen würden, befanden sie sich doch gerade in der wohl stärksten Phase der Vereinsgeschichte und trafen auf die wegen Lizenzentzuges abgestiegenen Zweitligisten. Nein, man vernahm Respekt, dass die Mannschaft sich trotz aller Widrigkeiten ins Finale gekämpft hatte.

Und dann war es soweit: Wir betraten das Olympiastadion zu Berlin als Teil von mehr als 60.000 Fans, um mit unserem Team um einen Titel zu kämpfen. Ein Gefühl, dass man kaum jemandem vermitteln kann, dessen maximale Erfahrung das Niederrhein-Pokalfinale war. Rot und Weiss wohin man blickte. Das ganze Spiel hindurch eine Mischung zwischen Anfeuerungsrufen und „Scheiß DFB“ (natürlich wurden Mikros vor der RWE-Kurve im Gegensatz zur Bremer Kurve gar nicht erst aufgestellt). Zum Spiel selbst ist wohl alles schon geschrieben worden, die Bremer Führung, das 0:2 – das alles ging so schnell, es ist so viel, was da auf mich einprasselte. In der Halbzeitpause bekam ich eine Bratwurst spendiert, und ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Onkel meinte, dass mit dem Halbzeitstand alle Chancen auf das Wunder abgehakt werden könnten.

Was jedoch auf dem Platz folgen sollte, war aus rot-weisser Sicht der helle Wahnsinn. Anschlusstreffer von Bangoura, und schon spielte nur noch das Team aus dem Pott. Angriff um Angriff rollte auf das Bremer Tor, doch dieser verdammte Ball wollte einfach nicht in den Kasten. Dann überspielte man die Schmähgesänge plötzlich mit Musik vom Band, um nicht im TV Ziel der Kritik zu werden. Doch das spornte uns nur an, noch lauter, noch energischer zu brüllen. Kurz vor Schluss wurde Frankie Kurth dann noch überlupft und auf der Linie rettete ein rot-weisser Spieler per Hand – Elfmeter und Rot (ich meine, hier musste der falsche Spieler vom Platz). Diese Chance ließ sich Rufer nicht entgehen, er stellte den 3:1-Endstand her.

Die Siegerehrung wurde dann einmal mehr zur Bühne für RWE-Protest. Noch während die Bremer den Pokal in die Höhe streckten, vernahm man am TV die „Scheiß DFB“-Rufe. Ich weiß noch, dass wir noch eine ganze Weile der Ehrenrunde der Bremer beiwohnten, während sich die Ränge langsam leerten. Die Hoffnung auf den Ausgleich, die so jäh zerstört worden war, hatte doch viel Kraft gekostet

Auf dem Weg zur Bahn wurden wir von vielen Bremer Fans angesprochen, immer wieder Respekt in der Stimme, immer wieder aufmunternde Worte. Einfach toll. An diesem Abend wurde bekanntermaßen die noch heute bestehende Freundschaft mit dem SV Werder begründet, man feierte gemeinsam noch bis in den frühen Morgen. Für mich war es mehr als das. An diesem Abend stand für mich fest, dass RWE mein Verein ist und bleiben wird. Aus „ein paar“ Spielen je Saison wurde ein regelmäßiger Besuch, ich konnte ja nicht wissen, auf was ich mich da einlassen würde…

Da ich mich leider meinem Onkel anschließen musste, konnten wir den vielen Feierlichkeiten nicht lange beiwohnen, doch wir beschlossen den Abend mit einem Bierchen irgendwo in Wedding, bevor es ins Bett und am nächsten Morgen per Zug zurück gehen sollte.

Das komplette Finale findet man übrigens hier: https://www.youtube.com/watch?v=Q0XlUX9_Q6Q

Zusammenfassung / Höhepunkte unter: https://www.youtube.com/watch?v=YnM95Fz-Ohk

Die Sehnsucht nach dem Ende

Ich bin mittlerweile ja bekannt dafür, die Dinge rund um RWE eher optimistisch zu sehen und vielleicht das eine oder andere Mal zu positiv über Spiele zu berichten, die von anderen als Grottenkick bezeichnet werden. Gestern Abend traf RWE auf die Wattenscheider Nachbarn. Die Niederlage, die es mal wieder für unseren Herzensverein hagelte, lässt mich dabei erstaunlich kalt.

Ich weiß dabei nicht einmal, woran ich das festmachen soll. Wir bekommen aus dem ersten – einzigen – ernsthaften Angriff der SGW mit dem Halbzeitpfiff das 0:1 nach einem eklatanten Stellungsverhalten bei einer Flanke. Unmittelbar nach der Pause trifft Nico Lucas aus 18m unhaltbar in den Winkel. Das 1:2 war erneut schön herausgespielt von den Gästen, auch hier der einzige echte Torschuss in Halbzeit zwei, in einer Phase, in der gerade so etwas wie Schwung auf Essener Seite aufkam. Erwähnenswert jedoch nur noch der 30m-Knaller von Scepanik, den der Wattenscheider Keeper beinahe durch die Hände ins Tor flutschen ließ. RWE agierte nach dem erneuten Rückstand jedoch weitestgehend planlos, Baier und vor allem die beiden „Abgänger“ Scepanik und Brauer mit so etwas wie dem Versuch, nicht nur planlos nach vorne zu spielen. So viel zum Spiel.

Insgesamt jedoch war das von der Mannschaftsleistung einfach zu wenig. Wenn ich überlege, dass die Gäste wie jedes Jahr auch diese Saison wieder an allen Ecken und Enden sparen mussten, dass die Gehaltszahlungen dort mal mehr, mal weniger regelmäßig flossen, dass nur ein (zur Farce verkommenes) Crowdfunding das Überleben sicherte – vor diesem Hintergrund finde ich es jedes Mal aufs Neue bemerkenswert, wie forsch und motiviert man besonders an der Hafenstraße auftritt.

Die Suche nach dem „Warum“ auf rot-weisser Seite macht mich rat- und mittlerweile auch hoffnungslos. Es ist klar, dass viele Spieler uns verlassen werden (Brauer, Scepanik, Urban, Becker, aktuellen Gerüchten zufolge wohl auch Remmo und Hirschberger), doch die, die auch nächste Saison das RWE-Trikot tragen wollen, haben diese Saison bei weitem nicht bewiesen, dass sie dem Anspruch der Hafenstraße genügen. Das war auf allen Positionen gestern – wieder einmal – viel zu wenig, um den Anspruch an ein erneutes Arbeitspapier für die kommende Saison zu rechtfertigen. Ich will dabei jetzt noch nicht einmal Namen nennen, um dem wütenden Mob nicht weitere Mistgabeln in und Fackeln in die Hand zu geben. Nein, für mich hat „das Team“ als Gesamtheit nicht nur gestern, sondern über die gesamte Rückrunde versagt. Dass man in der Hinrunde gegen mutig aufspielende Lippstädter unterliegt oder gegen Straelen nur zu einem Remis kommt, so etwas passiert halt. Aber spätestens dem BVB-Kagawa-Spiel hangelt sich RWE von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Ein farbloser Auftritt in Bonn, eine Ohrfeige für alle Fans in Wuppertal. Ideenlosigkeit im Mittelfeld, im Jahr 2019 zusätzlich harmlos im Angriff (Lucas‘ Tor war der erste Treffer seit 467 (!) Pflichtspielminuten), dazu solche Abwehrschnitzer wie gestern beim 0:1, Hellers „Heimann-Gedächtnis-Dribbling“ gegen Uerdingen (jaja, war Foul…). Es gibt niemanden im Kader, der wirklich einen Großteil der Spiele fehlerfrei absolviert hätte.

So ertappte ich mich gestern dabei, wie ich die Niederlage gestern einfach nur noch zur Kenntnis nahm. Mich nicht einmal darüber aufregte, was da geschehen war. Auch viele andere Fans konnte ich dabei beobachten, wie sie vollkommen emotional unberührt das Stadion verließen. Und genau das ist das Schlimme: Es ist einfach mittlerweile egal. Die Saison ist erledigt, wir werden nicht aufsteigen (die Komik dieser Aussage ist mir bewusst), wir werden auch nicht absteigen (obwohl wir in den letzten Spielen wie ein Absteiger spielen). Es wurden ALLE Saisonziele verfehlt (es sei denn „möglichst lange oben dranbleiben“ bedeutet bis zum zehnten, elften Spieltag). Dreizehn Liga-Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Das Pokalfinale wurde gegen Uerdingen verfehlt, überhaupt ist es RWE noch nicht gelungen, in diesem Wettbewerb einen Drittligisten zu besiegen. Es bleibt noch ein kleines Ziel, ein Sieg in Oberhausen, um deren Aufstiegsträume zu beenden.

Dann werde ich jedoch nicht vor Ort sein. Erstens habe ich mir geschworen, dieses „Stadion“ nie mehr zu betreten, solange man dort wie Vieh behandelt wird (Stehtribünenbesucher können das sicher nachvollziehen), zweitens werde ich lieber dem Team meines Sohnes, der U16 des VV Humann Essen bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften in Biedenkopf/Hessen die Daumen drücken. Und mehr Kontrast zu RWE geht eigentlich kaum. Das Team tritt dort ohne die „ganz großen“ Ambitionen an, da klar ist, dass man dort auf Teams treffen wird, die aus Sportinternaten und Leistungsstützpunkten bestehen. Und trotzdem kann man sicher sein, dass die Jungs (auf und neben dem Feld) sich für ihr Team zerreißen. Da passt kein Löschblatt dazwischen! Und genau das erwarte ich von „meinem“ RWE in der nächsten Saison. Der Reviersport sprach gestern in seinem Kommentar („Ein Kommentar.“) von den berühmten alten Zöpfen, die abgeschnitten werden. Im Fall Brauer halte ich diese wortwahl für überzogen, da er sich immer zu 1907% mit RWE identifiziert hat und identifizieren wird. Menschlich schade, dieser Abgang, sportlich sicher auch diskutabel. Aber die Mannschaft braucht Leader auf dem Feld, braucht ein neues Gesicht. Da darf es keine Ressentiments geben, nur weil jemand lange im Verein und/oder Publikumsliebling ist. Wie heißt es so schön? „Der Verein ist größer als jeder Spieler.“

Der Umbruch kommt. Das ist sicher, das ist sicher auch gut so. Mir ist auch klar, dass das dann noch lange keine Garantie für sportlichen Erfolg ist. Die nächste Spielzeit wird sicher nicht leichter, sollten Fortuna Köln und/oder die Sportfreunde Lotte absteigen, der MSV ist auch noch in der Verlosung, was einen Nichterhalt der Drittligalizenz angeht. Seit der Insolvenz und dem Aufstieg in Liga 4 stehen wir auf der Stelle und scheitern regelmäßig an den eigenen Ansprüchen. Es wird Zeit – dringend Zeit – den nächsten Schritt zu machen und sich weiterzuentwickeln. Diese Weiterentwicklung liegt in der Verantwortung von Marcus Uhlig und Jörn Nowak.