Pflichtsieg

Puh, durchatmen.

Der geneigte RWE-Fan neigt immer auch ein wenig zum Fatalismus, und so waren es nicht wenige, die in den diversen Foren und Facebook-Gruppen schon das nächste Unentschieden, wenn nicht sogar die nächste Niederlage für unser Team vorhersagten. Dank einer soliden, wenn auch nicht überragenden Leistung konnte dies aber verhindert werden – auch, weil Kai Pröger endlich mal seine Leistung krönen konnte.

Westfalia Rhynern versteckte sich nicht und konnte in den ersten Minuten direkt die eine oder andere Szene herausarbeiten. Diese Angriffe konnten jedoch zumeist im Keim erstickt oder zumindest zu Ecken geklärt werden (die man gegen stärkere Gegner vielleicht besser vermeidet?). Nach einer dieser Situationen spielte Zeiger einen langen Ball auf die linke Seite, wo Platzek seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler stellte und dann den Sprint anzog. In letzter Sekunde gelang es ihm, den Ball auf den rechts mitgelaufenen Pröger zu verlängern, der in den Strafraum zog und aus spitzem Winkel das tat, was sich einer der Diskussionspartner von Welling nach dem Wegberg-Spiel (s. Youtube-Video) wünschte: „Es muss doch mal einer die Eier in die Hand nehmen und einfach draufwichsen!“ – 1:0! Da war es endlich, das erste Tor für den zu Saisonbeginn begeisternden Neuzugang, der im Schatten der vergangenen Partien aber immer weniger Selbstvertrauen ausstrahlte.

Nur etwa fünf Minuten später war es der heute unglücklich agierende Unzola, der Rhynern ins Spiel zurückbrachte. Der Ex-Bundesligaprofi Gambino zog in den RWE-Strafraum und nahm Unzolas im Weg stehendes Bein dankend an – Elfmeter. Diesen verwandelte Rhynern unhaltbar ins linke obere Eck (vom Schützen aus) – ob Heller noch dran war, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenig später war ein Stürmer der Gäste Zeiger davongelaufen, doch im letzten Moment konnte der Rückstand verhindert werden. Der sonst nach Gegentoren so deutliche Bruch im Essener Spiel blieb jedoch aus und das Team knüpfte schnell an die ordentliche Leistung der ersten Minuten wieder an.

Dann war es erneut die Achse Platzek – Pröger, die zum Erfolg führte. Platzek setzte sich auf der rechten Seite durch, zog parallel zur Torauslinie Richtung Tor und spielte einen Flachpass, den ein Rhynerner Verteidiger über den eigenen Keeper hinweg aufs lange Eck abfälschte, wo Pröger sich mit aller Wucht in den Ball und das Tor warf – 2:1! Sekundenlang blieb er vor der „West“ jubelnd im Netz liegen. Mit dieser Führung ging es dann in die Pause, nach der Unzola durch Urban ersetzt wurde. Zu Unzola liegt mir etwas am Herzen: Klar, er hat heute in drei oder vier Szenen den Ball über die Seitenauslinie gestolpert. Ihn dafür aber mit höhnischem Applaus zu bedenken oder ein Raunen durchs Stadion gehen zu lassen, wenn er nur in die Nähe des Balles kommt, führt wohl kaum dazu, dass dem Spieler der Rücken gestärkt wurde (Höhepunkt dabei für mich der „Senior“, der nach einem Knochenpass von Zeiger auf Unzola aus dem Fluchen kaum noch herauskam…)

Gute zehn Minuten nach Wiederanpfiff dann Teil 3 der Pröger-Show: Flanke von links, in der Mitte springt Platzek unter dem Ball durch, dieser springt auf und landet vor den Füßen unseres Blondschopfes, der seinen dritten Treffer mit einem Handstandüberschlag (@Reviersport: Ihr als Sportmagazin solltet das von einem Doppel-Salto unterscheiden können!) feiert. So wollen wir ihn sehen!

Was dann folgte, würde ich unter „Verwaltung“ verbuchen. Leider verpasste es RWE in dieser Phase, das Ergebnis trotz bester Chancen noch weiter auszubauen. Bednarski verfehlte das leere Tor aus gut 5m nach feiner Vorarbeit vom heute hervorragenden Platzek, und ebendieser scheiterte mit einem Kopfball nach präziser Flanke seines Sturmkollegen an einem Reflex des Gästekeepers.

Eine gute Viertelstunde vor Schluss blühte dann eine verschollen geglaubte Tradition aus besseren Zeiten auf: Da auf der West so etwas wie Grabesstimmung vorherrschte (man hörte zeitweise sogar die zwanzig Männekes auf der Gästetribüne!), entschied sich ein Trüppchen, die Gäste bei jedem Ballbesitz auszupfeifen und -buhen, bei RWE-Pässen folgten analog dazu „HEY!“-Rufe. In dieser Phase kombinierte sich RWE Stück für Stück nach vorne, erneut passte Pröger in die Mitte, wo diesmal ein Rhynerner so freundlich war, den Ball im Netz unterzubringen. 4:1, auch in dieser Höhe durchaus verdient.

Rhynern war an diesem Abend einfach zu „lieb“, zu wenig aggressiv, um RWE ernsthaft unter Druck zu setzen. Trotzdem schaffte es das Team immer wieder, sich in Richtung RWE-Strafraum durchzuspielen. Gegen stärkere Gegner muss dies unbedingt wieder in den Griff bekommen werden, ebenso die hohe Zahl der zugelassenen Eckbälle aufs eigene Tor.

Mir persönlich taten die Gästefans leid, die sicher eine bessere Hafenstraßen-Atmosphäre verdient gehabt hätten. Leider scheint dies in der aktuellen Lage nicht realistisch. Trotzdem schien das Trüppchen sich selbst und sein Team ordentlich zu feiern (inklusive Handy-Licht-„Pyroshow“) und sparte dabei nicht an einer gehörigen Portion Selbstironie – Transparent „Hurra, das ganze Dorf ist da“ und „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“-Gesänge inklusive. Irgendwo zwischen „sympathisch“ und „anbiedernd“ mutete dabei der Gruß „Das Dorf grüßt den Deutschen Meister 55“ an, das unter anderen Vorzeichen und bei entsprechender Präsentation in bester VfL Herzlake-Art für Applaus auch aus den rot-weissen Blöcken gesorgt hätte.

Mann des Abends mit drei Treffern und einer Vorbereitung natürlich Kai Pröger. Ich hoffe, dass er diese Dynamik auch in den kommenden Spielen wieder zeigen und den einen oder anderen Treffer nachlegen kann. Platzek mit einem wahnsinnigen Laufpensum, aber auch Grund mit einer ganzen Reihe guter Flankenläufe. Auffällig aber in dieser Partie auch, dass Baier wieder deutlich präsenter auf dem Platz war als noch gegen Wiedenbrück und Wegberg.

Dieser Sieg war natürlich Pflichtprogramm, ob er auch für Sven Demandt in puncto Arbeitsverhältnis für Entspannung sorgt, bleibt jedoch abzuwarten. Für RWE geht es auf jeden Fall kommenden Samstag in Mönchengladbach darum, auch auswärts endlich mal zu gewinnen. Mit einer seriösen Leistung wie heute scheint dies nicht unmöglich, wenn die Aufgabe dort auch ungleich schwieriger erscheint.

Der Gegenwind wird stärker.

FC Wegberg-Beeck. Dieses Mal fiel es mir – man kann es an der Dauer von Abpfiff bis Veröffentlichung dieses Beitrages erkennen – mehr als schwer, dem Spiel angemessene Worte zu finden.

Zwar begann die Partie mit einem Lattenknaller-Freistoß von Grund, wir gingen durch Bednarski nach Pröger-Ecke in Führung und auch mit dieser in die Pause, doch trafen die Gäste kurz nach jener mit einem 20m-Flachschuss, bei dem Heller mangels Sicht keine Chance hatte. Heller war es auch, der uns dieses Mal mit zwei, drei Glanztaten den Punkt sicherte, denn Wegberg hatte den Sieg mehr verdient, die entsprechenden Chancen dazu, nur halt nicht das bisschen Glück, den Ball dann auch zu versenken. RWE hingegen hatte in der gesamten zweiten Hälfte nur zwei gute Situationen: In der ersten setzt sich Platzek im Sprintduell durch und legt vor dem herauseilenden Keeper quer auf Bednarski, doch obwohl dieser sich klar hinter dem Ball befand zählte der Treffer wegen angeblichem Abseits nicht, in der Schlussminute konnte Grund an die Strafraumkante flanken, die Kopfballverlängerung von Jansen fand Pröger, der mit feinem Fuß den Ball für Platzek erneut flankte, doch dessen Kopfball wurde quasi auf der Linie geblockt.

Und so blieb es also bei einem trostlosen Unentschieden gegen einen (bei allem sportlich gebotenen Respekt) Anwärter auf die diesjährigen Abstiegsplätze, schlechte Laune und Verweigerung (a)sozialer Medien inklusive. Ich ertrage derzeit echt nicht, wenn angebliche Anhänger unseres Teams sich in Spott und Häme suhlen, von „Pennerverein“, Punktgewinnen im heimischen Stadion sprechen oder sich in Sprüchen wie „wir sind ein Fußballverein, keine Bank, Welling go home!!!!elf!“ verewigen. Das hat mich beispielsweise auch dazu bewogen, die wohl größte und ansonsten tolle Facebookgruppe „Rot Weiss Essen für immer“ zu verlassen. Man möge mich als Heulsuse, Sensibelchen oder Weichei abstempeln, aber ich ziehe meinen Seelenfrieden dem Stumpfsinn einiger weniger, die dafür um so lauter brüllen, vor.

Ich will und werde mich auch nicht einreihen in die Schimpftiraden derer, die auf teilst unflätigste Art Kopf von wahlweise Präsident, Trainer, Kapitän, Spielern oder einer beliebigen Kombination derer fordern. Was ich aber sehe, ist, dass es derzeit irgendwie der Mannschaft nicht möglich scheint, das vom Verein gelehrte Selbstverständnis vom großen Club in entsprechende Dominanz und Resultate auf dem Platz umzuwandeln. Dabei glaube ich nicht einmal, dass es ein Problem der Einstellung ist: Gewinnen wollen die alle. Die Jungs lassen sich lieber Woche für Woche nach einem Sieg feiern, als nach unglücklichen Unentschieden (damit meine ich ausdrücklich nicht die gestrige Partie) wie ein Hund in die Kabine gewünscht zu werden. Aber wenn du ohnehin verunsichert bist, dann hast du halt auch Bammel vor dem Gegentor, dass deine eigenen Fans gegen dich aufbringt. Das lähmt die Beine, das nimmt den Mut, einfach auch mal Dinge zu probieren. Andererseits gibt diese Angst dem Gegner genau dies: Der Ball läuft, die frechsten Kombinationen funktionieren, wie Wegberg zum Teil eindrucksvoll vorgemacht hat.

Dementsprechend glaube ich auch nicht, dass ein Trainerwechsel das wäre, was unserem Verein jetzt gut tun würde. Ob Siewert, Fascher oder Demandt, das Problem war eigentlich immer das Selbe: Die Spieler konnten dem Erwartungsdruck an der Hafenstraße nicht gerecht werden. Zudem waren wir wahlweise zu offensiv, zu defensiv, hatten zu frühe / späte / falsche Auswechselungen oder schlicht nur Flaschen im Kader.

Nach der Partie jedenfalls hatte die Mannschaft noch ein mehrminütiges Meeting mit der Kurve, wenn ich das richtig gesehen habe, ist sogar einer der Vorsänger unten gewesen und hat ein paar direkte Worte ans Team gerichtet. Allein dies zeigt, dass zumindest die „aktive Szene“ trotz allem „Wir ham die Schnauze voll“ noch zur Kommunikation bereit ist und die Hand reicht, gemeinsam die nächsten sicher schwierigen Aufgaben anzugehen. Was mir weniger gefiel war das Verhalten des Cheftrainers, der (wie nach jedem Spiel!) nicht den Weg zur Kurve suchte, sondern erst nach vehementen „Demant raus!“-Rufen den Weg dorthin antrat. In dieser aufgehitzten Situation mit den Händen in der Tasche dorthin zu gehen und sich dann mit verschränkten Armen und mit den Schultern zuckend dort aufzubauen… Diese Gestik trug nicht zur Deeskalation bei, sondern signalisierte eher, dass er die Kritik nicht nachvollziehen konnte oder wollte. Ich hoffe, dass ich mich in diesem Punkt irre.

Lösungsansätze für unsere derzeitige Misere habe ich aber auch keine. Klar, früher oder später werden auch hier die berühmt-berüchtigten Mechanismen greifen, vielleicht gibt es aber noch Optionen jenseits arbeitsrechtlicher Dinge. Christoph Daum ließ neulich die rumänische Nationalmannschaft den Mannschaftsbus ziehen, um das Team zusammenzuschweißen. Vielleicht sollte man sowas in der Art hier auch mal machen. Für sie ist RWE vielleicht nur ein Job. Ist ihr Engagement hier beendet, gehen sie nach Dingenskirchen oder Weißdergeiersdorf. Für die meisten von uns ist er die Liebe des Lebens, der wir in irgendeiner perfiden Art und Weise hörig geworden sind, so dass wir nicht mehr von ihr lassen können. Wenn die Spieler das verstehen, wenn sie dasselbe Feuer dafür entfachen können, dann werden wir auch wieder Fußballriesen wie Westfalia Rhynern oder die TuS Erndtebrück nur noch als sportliche Randnotiz und nicht mehr als Gefahr für unsere Punkte wahrnehmen.

Abschließend möchte ich die folgende etwa halbstündige „Trilogie“ (Teil 2 und 3 dann unter dem Link) ans Herz legen, in der Doc Welling einigen Fans nach dem Spiel Rede und Antwort stand. Für mich klingt das alles nachvollziehbar, absolut authentisch und mit der gebotenen Emotionalität, ohne die Sachlichkeit zu verlieren. Der Doc geht in dem Video unter anderem auf die Vorwürfe ein, das Team wolle mit Demandt nicht mehr zusammenarbeiten, man hätte Kleve abschießen müssen oder auch zum Vorwurf, man würde nicht genügend trainieren. Ich würde mich freuen, dazu in den Kommentaren zu diesem Blog eure Meinungen zu lesen. Lasst auch bitte dem Video-Eigentümer ein „Like“ auf dessen Youtube-Channel da 😉

Eingeworfen

Liebes RWE-Team,

morgen spielt ihr, so der Wettergott will, eure Regionalliga-Partie gegen die Fußball-Macht des FC Wegberg-Beeck.

Was wir als Fans von euch dabei erwarten, ist im erster Linie nichts anderes als ein Sieg. Ihr seid ROT-WEISS ESSEN.

Wir (zumindest die meisten von uns) erwarten kein 8:0, aber eine souveräne, ungefährdete Partie mit drei Punkten für uns.

Wir erwarten, dass ihr dem Gegner Respekt einflößt. Die wollen nicht nur Kabinen und Rasen betrachten, die wollen UNSERE Punkte? Nix da! Grätscht, läuft, holt dieses kleine bisschen mehr aus euch heraus, dass euch der Support von den Tribünen zur Verfügung stellt. Pflügt den Rasen um, auf dass die Waschmaschine etwas zu tun bekommt.

Und wenn es nicht so läuft? Dann macht es, wie es der Legende nach Sascha Wolf seinerzeit Erwin Koen empfahl: Haut einfach mal einen Gegenspieler weg – die gelbe Karte verzeihen wir gerne. Denn ihr spielt in unserem Team. Die stehen euch auf den Füßen? Lasst sie dafür bezahlen! Ihr seid ROT-WEISS ESSEN!

Der Schiri entscheidet nicht für euch? Egal! Nicht lamentieren, sondern sorgt dafür, dass er nicht anders kann als für euch zu entscheiden. Nehmt Rempler dankbar an! Wenn er zehn Mal nicht pfeift, macht er es beim elften Mal. Und dann nutzt die Standards! Ihr habt schon bewiesen, dass ihr es könnt! Seid mutig! Ihr seid ROT-WEISS ESSEN!

Spielt einfach, direkt und geradlinig nach vorne. Nicht zum wiederholten Male quer, sondern mal steil in den Sechzehner. Nicht schön, aber effektiv! Ihr seid ROT-WEISS ESSEN!

Wer nicht aufs Tor schießt, kann es auch nicht treffen. Selbstvertrauen! Brust raus! Ihr seid ROT-WEISS ESSEN!

Euer Stadion – euer Spiel!

Ihr seid ROT-WEISS ESSEN!

Lethargie.

Nein, es fühlt sich auch am Tag danach noch nicht besser an. Hatte ich das Wuppertal-Spiel noch als Ausrutscher erhofft, so bin ich gestern eines Besseren belehrt worden. Das gestern war keine Niederlage, es war eine Vorführung.

Bereits nach 9 Minuten unterlief Meier ein folgenschwerer Fehler, als er, sein Team im Vorwärtsgang, einen Pass in die Füße eines Wiedenbrückers spielte. Brauer grätschte zwar noch, der Gegner blieb jedoch am Ball. Meier ließ ihn noch übers Bein springen, konnte damit aber nicht mehr den Pass auf den mitgelaufenen Gegenspieler verhindern, der frei vor Heller kein Problem hatte, den Ball ins lange Eck zu schieben.

Was nun folgte, war für das rot-weisse Fan-Dasein eine Qual. Wiedenbrück presste, wie schon die Jungs aus dem Tal, bereits in der Essener Hälfte und machte damit jegliches Angriffspiel zunichte. Cokkosan verlor ein ums andere Mal den Ball in der Vorwärtsbewegung (oder konnte ihn gar nicht erst ordentlich annehmen), und der auf dem Papier vielversprechende Angriffsblock mit Grund, Platzek, Jansen und Pröger blieb ohne Chance. So ging es schließlich ohne weitere Höhepunkte unter einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause. Cokkosan durfte dann – sorry Tolga – völlig zurecht den Rest der Partie von draußen betrachten.

Unmittelbar nach dem Wechsel keimte dann bei mir (ich Idiot!) und vielen anderen ein Funke Hoffnung auf: langer Einwurf von Pröger, verlängert, der eingewechselte Bednarski hält die Rübe hinein – 1:1! Noch während Walter Ruege dem Sponsor für 50 Euro für die Jugendkasse dankte, klingelte es im Gegenzug leider wieder im Essener Gehäuse. Ohne größere Gegenwehr spielten die Wiedenbrücker sich in dieser Situation den Ball mehrfach zu, bis einer aus gut 17m flach ins linke Eck einschob.

Eine gute Viertelstunde später gab es dann nach einer Vorteilssituation nach einem Foul einen weiteren Konter über die rechte Abwehr-Seite (die von Urban bearbeitet wurde), in der Mitte stolperte Meier den Ball an Heller zum 1:3 vorbei.

Dass der ansonsten absolut unauffällige („unglücklich“ wäre gelogen) Jansen nach einer tollen Einzelleistung von Platzek noch das 2:3 erzielte und danach in den letzten 10 Minuten nochmal so etwas wie Druck aufkam, dass Wiedenbrück noch per Foulelfmeter in der Nachspielzeit auf 2:4 erhöhte – geschenkt.

Dass der Unparteiische gestern auch mit Sicherheit nicht seinen besten Tag hatte, sei nur am Rande bemerkt. Er entschied zwar in einigen Situationen merkwürdig (mehrfaches Nachtreten ist meines Wissens nach rot…), ging aber auch konsequent mit gelben Karten gegen Zeitspiel in jeglicher Form vor (Weiterspielen nach Pfiff, Ball mitnehmen, Abstoß…). Spielentscheidend waren seine Pfiffe jedoch nicht, auch wenn wir auf der Tribüne noch schwadronierten, dass einem wohl keiner glaubt, wenn wir immer sagen, wie viel Pech wir mit den Schiris haben.

Was mich so genervt hat, war jedoch, dass keiner der Akteure auf dem Feld ansatzweise so zum Zuge kam, wie es zuletzt noch gegen Köln zu Hause oder bei den beiden kurz vor Schluss unentschieden geendeten Partien war. Baier war zwar „stets bemüht“, konnte aber alleine auch nicht ständig den Ball erkämpfen, und wenn, waren seine Mitspieler meist so gut abgedeckt, dass Pässe in die Spitze unmöglich waren. Querpässe im Mittelfeld die Folge. Etwas mehr Schwung kam tatsächlich mit der Auswechslung von Cokkosan zur Pause. Urban mag ein guter Innenverteidiger sein, ihm fehlen aber ganz eindeutig die Qualitäten eines Malura, der sich auch ins Angriffsspiel mit (mehr oder weniger gelungenen) Flankenläufen einschaltet. Urbans Weg führte meist zurück zu Zeiger, der auch diesmal wieder gerettet hat, was ging. Erst als Wiedenbrück in der Schlussphase dem hohen Tempo und ständigem Pressing Tribut zollen musste, kamen auch Spieler wie Grund oder Brauer wieder besser zur Geltung.

Was muss jetzt geschehen? Ich halte es für völlig absurd, jetzt den Kopf des Trainers zu fordern, wie es einige tun. Klar, Demandt hätte Jansen herausnehmen und zum Beispiel Ngankam bringen können. Schlechter hätte es nicht werden können. Aber dem Trainer kann man weder die beiden späten Gegentreffer gegen Bonn und Uerdingen ankreiden, noch die Schlafmützigkeit, die unsere Truppe beim 0:1 und 1:2 demonstriert hat. Beim 1:3 und 2:4 war die Abwehr schon quasi aufgelöst. Wellings Kopf wird naürlich von den üblichen Verdächtigen nun umso mehr gefordert, in den sozialen Medien trieft es nur so vor Spott und Zynismus, die den aktuellen sportlichen Misserfolg in sinnlose Zusammenhänge mit Winklers Gerichtsprozess, der Ausgliederung oder der Kündigung des Marketingleiters in Zusammenhang bringen. Ich frage mich ernsthaft, warum sich diese Leute überhaupt noch unseren Club antun.

Meiner Meinung nach braucht es jetzt mehr denn je Ruhe. Im Verein nach außen (im Innenverhältnis sollte der Trainer ein Machtwort sprechen!), der Presse (hallo, Reviersport!) und auf den Tribünen. Die „unser ganzes Leben“-Gesänge nach dem 1:3 gestern waren vielleicht ein Schritt in diese Richtung. Dieses Team hat bereits bewiesen, dass nicht so schlecht ist, wie das Spiel gestern Glauben macht. Wir müssen hoffen, dass wir die kommende englische Woche mit dem Pokalspiel in Kleve (das auf keinen Fall verloren werden darf!) und dem Match in Wegberg mit zwei Siegen abschließen, damit das Selbstbewusstsein wieder zurückkehrt, ohne dass wir weder in Bonn noch in Uerdingen überhaupt diese zwei Pünktchen hätten holen können.

Der Versuch, gestern mit Jansen und Platzek eine Doppelspitze aufzubieten, ist krachend gescheitert. Jansen konnte in den vorigen Partien nach seinen Einwechslungen noch für sich reklamieren, dass ihm da womöglich die vielgenannte Bindung zum Spiel gefehlt haben mag. Gestern jedoch war er  in der Startelf und hat sogar durchgespielt. Eine Empfehltung für weitere Startelfeinsätze konnte ich jedoch nicht erkennen. Dementsprechend würde ich hier zunächst bei dem bewährten Konzept mit Platzek als Spitze bleiben. Urban konnte auf seiner Seite auch nicht überzeugen (s.o.), Malura dürfte hier also demnächst wieder gesetzt sein. Der letzte Schritt, den ich zumindest in Erwägung ziehen würde, wäre ein Torwartwechsel. Zwar mag der Keeper in 1-zu-1-Situationen häufig alt aussehen, doch zu positiver Körpersprache und Selbstvertrauen dürfte auch hier nicht führen, wenn man keine einzige bislang für sich entscheiden konnte. Sei es gegen Bonn oder gestern gleich doppelt (beim zweiten Mal mit dem Foul zum Elfer).

Dass ein guter Freund, seines Zeichens MSV-Anhänger, mir gestern mit Abpfiff nur „Alter!“ schrieb und mir sein Mitleid aussprach, spricht für mich Bände. Und ich habe bis zum Anpfiff tatsächlich gehofft, wir könnten aus den kommenden 4 Ligaspielen 12 Punkte holen. Nochmal: Ich Idiot! Was bleibt, ist die Hoffnung, dass ja irgendwann der sagenumwobene Bock platzt und der Knoten umgeworfen werden kann. Ein Sieg an einem Freitagabend kann einem das Wochenende so schön versüßen, eine Niederlage in der Form wie gestern macht es komplett zunichte.

Trotzdem werde ich auch beim nächsten Heimspiel meinen Platz wieder einnehmen. Anders als einige, die gestern Zeuge dieser Schmach wurden.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung

Nein, man darf den heutigen Sieg gegen die kleinen Geißböcke natürlich nicht überbewerten. Aber die Art, wie er zustande gekommen ist, gibt Hoffnung, dass Wuppertal nur ein böser Alptraum war.

Die Startelf bot direkt mal eine Überraschung auf: vorne links durfte Bednarski ran, den ich noch gar nicht wieder fit erwartet hätte. Dafür ging Grund nach hinten, Meier ersetzte den verletzten Unzola.

Wie schon im letzten Heimspiel legte RWE schwungvoll los: 7. Minute – langer Pass auf Pröger, dieser setzt sich im Laufduell gegen seinen Gegenspieler durch und legt den Ball scharf flach in die Mitte, wo Platzo „Danke“ sagt und seinen ersten Saisontreffer erzielte. Knapp zwei Minuten später spielt Pröger diesmal auf der linken Seite einen schnellen Doppelpass mit Bednarski, dieser flankt auf Platzek, der erneut traf. 2:0 nach nicht mal 10 Minuten – das gab Sicherheit.

Wo zuletzt aber der Schlendrian Einzug hielt, konnte unser Team dieses mal durchaus überzeugen. Bis auf wenige ungefährliche Angriffe der Kölner wurde alles abgeräumt, verlorene Bälle schnell zurückgeholt und weitere Chancen herausgespielt. Bednarski hatte das 3:0 auf dem Fuß, ein Querpass auf Platzek hätte dies wohl auch zur Folge gehabt. Bei diesem Spielstand verzeihe ich ihm aber den Eigensinn eines Stürmers, der nach Verletzung zurückgekehrt ist, gerne. Baier hatte noch einen schönen „gedrückten“ Flachschuss im Angebot, Platzek scheiterte mit einem Schuss den Keeper und Malura schoss volley übers Tor, bevor es zur Pause ging.

Nach dem Wechsel wurden die Kölner etwas frecher und schafften es gute 10 Minuten, unsere Truppe mal hinten reinzudrücken, bevor die Partie wieder unter unsere Kontrolle gelangte. Und so konnte schließlich Platzek rechts außen durchbrechen und in aller Ruhe nach innen passen, wo Bednarski zwar den Ball mit der Hacke nicht voll, aber den Keeper auf dem falschen Fuß erwischte – 3:0!

Platzek hatte aus spitzem Winkel noch die Chance zum 4:0, scheiterte aber erneut an einem Reflex des Torwarts.

Die Szene des Spiels jedoch eine eher unschöne: etwa 15 Minuten vor Schluss kommt Pröger erneut außen durch, über Platzek gelangt der Ball zu Baier, der beim Abschluss meiner Meinung nach gefoult wurde – der ansonsten gute Schiri gab Freistoß für Köln. Dass Baier, der nun wirklich nicht als Fallobst bekannt ist, minutenlang auf dem Platz behandelt und sogar direkt ausgewechselt wurde, spricht für mich eher für eine Fehlentscheidung. Ich hoffe, dass es sich höchstens um einen dicken Bluterguss handelt. Das sah auf jeden Fall nicht gut aus.

Danach wurde die Kölner Nummer 12 mit „alle auf die 12“-Gesängen und bei jedem Ballkontakt mit Pfeifkonzert (lange nicht erlebt übrigens) bedacht. Diese Szene brachte einen dicken Riss ins Essener Spiel, offensive Szenen blieben quasi aus. Und so erfolgte der Abpfiff auch ohne nennenswerte Nachspielzeit.

Mann des Spieles (ich bin geneigt zu sagen „mal wieder“) Pröger, der an zwei Toren unmittelbar beteiligt war. Es wurde heute schon rege über seine zu erwartende Ablösesumme diskutiert, die der FC Barcelona in der nächsten Sommerpause überweisen darf. Aber auch Baier, der immer wieder das Spiel verlagerte und Angriffe damit schnell einleitete, war heute für unser Spiel wertvoll. Die Abwehr war erschreckend wenig beschäftigt, Meier und Zeiger hatten mit ihren Aufgaben nur wenig Mühe. Der eingewechselte Jansen hingegen hat bislang noch nicht andeuten können, warum er als „Königstransfer“ bezeichnet wurde. Torgefahr konnte ich bei ihm noch nicht erkennen.

So gilt es nun, am kommenden Wochenende bei den stärker einzuschätzenden Bonnern nachzulegen und die heute gestartete Siegesserie 😉 auszubauen. Ich persönlich bin guter Dinge, dass dies mit einer Leistung wie heute auch gelingen wird.

Elf Minuten am Glück vorbei

Puh, das musste ich jetzt erst mal sacken lassen, das gerade erlebte verarbeiten. Wie mittlerweile allenthalben bekannt sein dürfte, hat unser RWE die erste Qualifikationsrunde zur Europaleague 2018/19 gegen die favorisierte Borussia aus Mönchengladbach nach aufopferungsvollem Kampf mit 1:2 verloren.

Sven Demandt vertraute im Großen und Ganzen der Stammelf, lediglich Cokkosan wurde durch den anfangs nervösen, aber dennoch abgeklärt verteidigenden Unzola ersetzt, für Urban rückte Meier in die Innenverteidigung und Brauer durfte das Spiel im Mittelfeld ordnen.

Die Gladbacher zeigten von Beginn an ihr dominantes Gesicht und ließen geduldig Ball und Gegenspieler laufen. Erst nach gut 10 Minuten gelang es RWE, den Ball mal kontrolliert für ein paar Stationen zu halten, doch Angriffe sollten daraus noch nicht resultieren. Und so hatte der Bundesligist auch die ersten Chancen im Spiel, die aber alle mehr oder weniger dilettantisch vergeben wurden.

Nach gut 25 Minuten fiel ein Borusse im Strafraum (wie die TV-Crew mir mitteilte wohl klarer Elfer…), der Schiri gab jedoch Abstoß (obwohl dies eine glasklare Ecke hätte sein müssen). Und so kam es, wie es kommen musste: nach einer guten halben Stunde gelang es Platzek, den Ball irgendwie nach außen auf Pröger durchzustecken, der jedoch mangels Anspielstation in der Mitte warten musste und auf Malura zurücklegte. Dessen Flanke landete auf dem Kopf (!) von Benny Baier und von dort zum 1:0 für unsere Mannschaft in den Maschen – die Hafenstraße verwandelte sich vom Hexenkessel in ein Tollhaus! Mir wurde für einen Moment schwarz vor Augen, die Beine ganz weich! Danke, Adrenalin!

Diese Führung stellte das Spiel natürlich auf den Kopf. Die Gladbacher wurden plötzlich hektischer, einige technische Fehler schlichen sich bei ihnen ein, bejubelt vom Essener Publikum. Trotz guten 70% Ballbesitz für Gladbach ging es mit der Führung in die Pause. Von „verdient“ zu sprechen wäre vielleicht zu viel des Guten.

Das Bild sollte sich auch in der zweiten Hälfte nicht sonderlich ändern. Borussia drückte, RWE verteidigte mit Mann und Maus und verlagerte sich aufs Kontern. Zwei, drei Gladbacher Schüsse strichen nur knapp an Hellers Kasten vorbei, auf der Gegenseite verhinderte der Schweizer Nationalkeeper Sommer bei einem Schuss von Pröger, dass die Führung ausgebaut werden konnte. Und mit jeder vergebenen Chance wuchs der Jubel auf den Rängen weiter an. In der 70. Minute dann die Situation, die Baier wohl zurecht zum „Man of the Match“ machte: Nachdem Heller schon geschlagen war, kratzte unser Kapitän den Ball noch irgendwie von der Linie und wurde dafür von seinen Jungs bejubelt, als hätte er erneut getroffen.

Dieser Ball – ich hatte ihn schon im Kasten gesehen. Ein Blick nach rechts und links zu meinen Kumpels: geballte Fäuste, „jawoll“ und „jetzt erst recht“ im Gesicht. Sollte es das gewesen sein? Unser Kasten vernagelt? „Du kommst hier heute nicht durch“? Ich gebe zu, in diesem Moment habe ich tatsächlich erstmals daran geglaubt, dass wir heute hier in die zweite Runde einziehen konnten. Vielleicht habe ich für einen Moment vergessen, welchem Verein ich die Daumen drücke. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Elf Minuten vor dem Spielende sorgte einer dieser „Vertikalpässe“ in den 16er dafür, dass Jonas Hofmann allein vor Heller auftauchte. Grund hatte (kein Vorwurf) das Abseits aufgehoben, da er aus einem Zweikampf auf Höhe des 5ers kam. Dann lief alles wie in Zeitlupe: Hofmann schoss – Heller parierte. Leider erneut vor die Füße von Hofmann (ebenfalls kein Vorwurf), der sich dieses Geschenk diesmal nicht nehmen ließ.

„Na ja. Dann eben in der Verlängerung irgendwie noch einen reinknickern oder ins Elferschießen retten“, dachte ich mir. Weit gefehlt. Zeiger wurde an der Grundlinie ausgetanzt, Malura kam nicht an die Flanke heran, wurde von hinten angeköpft und sein Gegenspieler spitzelte den Ball vorbei am herauseilenden Heller zum bis dahin quasi abgemeldeten Raffael, der die Sensation damit verhinderte.

Danach beschränkten sich die Gäste darauf, den Ball in den eigenen Reihen hin- und herzupassen, die letzten Verzweiflungstaten unserer Pokalfighter verpufften leider erfolglos.

Von unseren Jungs sind einige klar herauszustellen:
Baier – Torschütze und -verhinderer, unermüdlicher Motor im Mittelfeld und Anpeitscher des Teams
Pröger – immer wieder diese pfeilschnellen Läufe, immer wieder frei anspielbar, in ein, zwei Situationen vielleicht zu eigensinnig, aber dennoch gefährlich
Zeiger – Turm in der Innenverteidigung, hatte nur ein einziges Mal, bei der Flanke zum 1:2 das Nachsehen
Heller – auch von mir oft gescholten, hielt, was zu halten war (und das war nicht wenig)
Malura – herzerfrischend offensiv, warum nicht immer so.

Aber auch der Rest des Teams zeigte eine tolle Präsenz auf dem Platz. Mehr davon, bitte.

Dass die Mannschaft nach der Partie noch vor der West „gefeiert“ wurde und dabei auch selbst ein kleines bisschen mitgemacht hat, lässt mich hoffen, dass es erneut zu einer Art Schulterschluss, zum Zusammenwachsen kommen könnte. Denn genau das werden wir im grauen Liga-Alltag demnächst auch wieder brauchen, wenn es mal nicht so läuft – auch wenn ich hoffe, dass Wuppertal ein böser, böser Ausrutscher war.

Nur die kühnsten Träumer unter uns hätten wohl damit gerechnet, keine deutliche Niederlage zu kassieren. Klar, an der Hafenstraße, zudem freitags unter Flutlicht, da ist alles möglich. Es sind diese Spiele, in denen Helden geboren werden, an die man sich auch noch in zehn oder zwanzig Jahren vielleicht zurückerinnert. Wie man beinahe einen Bundesligisten aus dem DFB-Pokal geworfen hatte. Leider sollte es an diesem Abend nicht gelingen, als Sieger vom Platz zu gehen. Allerdings war dies der vielbeschworene „Hafenstraßen-Fußball“, der Kampfgeist auf dem Platz und die Atmosphäre auf den Rängen, die mich und vermutlich auch viele andere seinerzeit zum RWE-Fan gemacht haben. Umso schöner, dass das Spiel trotz TV-Präsenz ohne Pyro & Co. oder Ausschreitungen ausgekommen – ja, man lieferte sich mit dem Gladbacher Anhang gar einen „Scheiß DFB-Wechselgesang“.

Trotz Niederlage und leichter Depression mit einem Lächeln nach Hause, das hatte es bei mir lange nicht mehr gegeben. Ich kann es verwinden, da natürlich dieser Wettbewerb eigentlich nicht unsere Kragenweite hat. Dies war ein Bonusspiel, das zu gewinnen sicher schön gewesen wäre.

Die Respektzollungen in den sozialen Medien auch von Gladbacher Seite taten sicher nicht nur dem Team gut, auch wenn man das als Verlierer natürlich eigentlich nicht hören möchte. Und da stören auch ein paar Internet-Trolle wie der kleine Leon oder sein Homie Alex nicht, die sicher heute noch von den allerersten beiden V+ Energy ihres Lebens noch einen Kater haben. Vielleicht lernen sie auch eines Tages noch, wie man als Gewinner Größe zeigt und die Leistung des Unterlegenen anerkennt.

Unfassbar dennoch, dass sich immer noch Leute finden, die nicht zufrieden sind und noch etwas zu meckern finden. Auch das ist vermutlich einfach Rot-Weiss Essen.

Und wenn es sich eines Tages noch bis in die Redaktion von n-tv herumspricht, wer der echte RWE war, ist und sein wird, dann wird auch alles gut…

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…und am Ende bist du nur noch bedient.

Wenn der Durchschnitts-Hindu stirbt, wird er seinem Glauben zufolge wiedergeboren. Als Kuh oder mit viel Pech als Schalker. Soweit so gut. Was bitte muss man aber verbrochen haben, um RWE-Fan zu werden?

Um es vorwegzunehmen: Heute lief nichts, aber auch gar nichts zusammen. All das, was gegen Dortmund noch so gut klappte, was endlich wieder für so etwas wie Euphorie im Umfeld sorgte, all das sollte heute schmerzhaft vermisst werden.

Zwar gelang Kevin Grund ein früher Führungstreffer mit der einzigen nennenswerten RWE-Chance in Halbzeit 1, das Spiel, insbesondere die erste Hälfte, gehörte aber den Gästen aus dem Tal. RWE permanent in der Defensive, zarte Konteransätze wurden frühzeitig unterbunden. Gewonnene Bälle landeten entweder direkt im Aus oder wieder beim Gegner. Das tolle Pressing der letzten Woche? Fehlanzeige. Torchancen am Fließband ebenso. Im Gegenteil: Gleich zweimal verhinderte die Latte, dass schon vor der Pause der bereits hochverdiente Ausgleich fiel.

Leider sollte der Treffer für die Gäste nach der Halbzeit schon früh fallen. Nach einer Ecke stimmte die berühmte Zuordnung im Essener Strafraum nicht, ein Wuppertaler konnte am langen Pfosten einköpfen. Gute 10 Minuten später erhöhte „RWE-Schreck“ Hagemann nach einem Konter auf 1:2. An dieser Stelle: Es ist eine bodenlose Frechheit, die gegnerischen Fans auf seine Art und Weise beim Torjubel zu provozieren. Das ist bei ihm auch nicht das erste Mal…

Danach tat Wuppertal nur noch das notwendigste, RWE kam zwar besser aus der eigenen Hälfte, konnte aber trotz offensiver Wechsel keine gefährlichen Szenen erarbeiten. Heller hielt noch einen Konter, bei der vier Wuppertaler aufs Tor zuliefen, doch in der Nachspielzeit, als RWE die Abwehr quasi aufgelöst hatte und Brauer als einziger Mann hinten blieb, kullerte der Ball dann nach einem weiteren Angriff über außen und kurzen Slalomlauf im Strafraum doch noch zum 1:3 in den rot-weissen Kasten.

Wuppertal war heute – das muss man leider zugeben – in allen Belangen überlegen. Laufbereitschaft, Aggressivität, Präzision und Tempo im Pass-Spiel und ja, auch auf den Tribünen. Der komplette Gästeblock hat über volle 90 Minuten Vollgas gegeben, die West mit den beinahe schon üblichen Ruhepausen. Die Böller von der Gästetribüne – geschenkt. Ein paar Spinner gibt es halt immer.

Was mir echte Sorgen bereitet: Ist es wirklich so einfach, das RWE-Spiel so komplett zu sabotieren? Pröger und Grund außen total abgemeldet, Baier kaum zu sehen. Damit schon kein Offensivdruck mehr? Jansen – mehr als unglücklich, bekam aber auch quasi keine Bälle. Ich hoffe, das heute war ein Versehen. Hier wird Demandt aber bestimmt den richtigen Lösungsansatz finden, so viel Vertrauen habe ich dann doch.

Es ist mir zu einfach, das am in vielen Situationen unglücklich agierenden Schiedsrichter festzumachen. Acht gelbe Karten (3:5) zeugen in meinen Augen nicht davon, dass er das Spiel wirklich im Griff hatte. Windmüller, der wohl noch eine Rechnung mit Grund offen hatte, grätschte ebendiesen an der RWE-Grundlinie ohne sichtbaren Sinn von hinten um, hier wird es wohl ewig das Geheimnis des Schiedsrichters bleiben, warum es nur gelb und nicht glatt rot gezeigt hat. Der Ball war jedenfalls weit weg. Ein ähnliches Schicksal hätte allerdings auch Marcel Platzek treffen müssen, so fair muss man bleiben.

Unter dem Strich bleibt eine in meinen Augen total überflüssige Niederlage, die gegen ausgerechnet diesen Gegner umso bitterer ist. Irgendwie ist es halt immer so – wenn es um etwas geht (heute hätte man theoretisch mal Tabellenführer werden können), wird man halt bei Rot-Weiss eines Besseren belehrt. Es sind diese Tage, an denen ich mir wünschte, ich wäre passionierter Angler geworden, oder Modelleisenbahnfahrer oder Hobbygärtner. Aber nein, ich muss mir ja DIESEN Verein aussuchen. Na ja, hm…

Nach dem Spiel habe ich noch eine gute halbe Stunde an und in meinem brütend heißen Auto verbracht – man sollte halt auch das Licht ausschalten, wenn man aussteigt. Danke an den edlen Retter (ein Anwohner), der mir die Karre fremdgestartet hat. In Kombination mit der Niederlage bin ich ziemlich bedient, daher bitte ich, diesen spärlichen Bericht heute zu entschuldigen.

Ach, noch was: Die Saison jetzt schon wieder abzuschreiben, schon wieder den Kopf von Trainer (ja, tatsächlich – „Angsthasenfußball“ war noch einer der harmloseren Begriffe) und natürlich Präsidenten fordern, grenzt schon an Schizophrenie. Aber manchen Leuten kann man es vermutlich niemals recht machen. Auffällig, dass immer die selben aus ihren Löchern kommen, wenn es mal nicht läuft. Aber so ist das nunmal: Haste dich im letzten Leben nicht ordentlich verhalten, wirste halt als RWE-Fan wiedergeboren.

Trotzdem: NUR DER RWE!