Solider Auftakt ins Jahr 2019

Frühlingswetter mit Sonnenschein und endlich wieder Fußball, was könnte es Schöneres geben? Ganz klar, einen Heimsieg.

Die Vorzeichen vor dem Spiel gegen den TV Herkenrath, Aufsteiger und Tabellenletzter, waren klar. Während der Gast gleich 17 Spieler abgegeben hat, konnte RWE das Team mit drei Neuzugängen (bei Abgang von Pröger) noch aufwerten. Alles andere als ein Sieg wäre eine deutliche Überraschung.

Die erste Hälfte war zäh anzusehen, der TVH zog sich zurück und überließ RWE weitestgehend Ball und Spielkontrolle, konnte aber kein einziges Mal einen gefährlichen Konter ansetzen, da die Verteidigung mit Zeiger, Becker, Heber und dem immer wieder rückwärts arbeitenden Scepanik hervorragende Arbeit leistete. Da der Gast sich aber immer wieder mit dem kompletten Team am eigenen Strafraum versammelte, ergaben sich leider für RWE kaum Chancen, selbst offensive Aktionen anzusetzen. Trotzdem ergaben sich für Wegner gleich drei Kopfballchancen, bei denen er den Ball jedoch jeweils am langen Pfosten vorbeisetzte. Die beste Chance hatte in Halbzeit eins Florian Bichler, dessen Kopfball in letzter Sekunde noch zur Ecke abgefälscht wurde. Das Team wurde jedoch mit einem relativ heftigen Pfeifkonzert in die Pause verabschiedet.

Nach dem Wechsel ein ähnliches Bild: RWE hatte Ball und Spiel im Griff, der Unterschied jedoch war, dass man nun versuchte, mehr Körperlichkeit ins Spiel zu bringen und den Gegner bei dessen Ballbesitz unter Druck zu setzen, was mehr und mehr gelang. Nach etwas mehr als einer Stunde wurde das größere Engagement dann endlich belohnt: Scepanik flankt von außen, Wirtz haut sich in bester Stürmer-Manier per Flugkopfball hinein und vollstreckt ins lange Eck.

Nun hätte man erwarten sollen, dass Herkenrath, um noch etwas von der Hafenstraße mitzunehmen, endlich etwas offensiver agiert. Doch Offensivaktionen der Gäste blieben quasi aus. Stattdessen gab es gute zehn Minuten vor dem Schluss die Vorentscheidung: Max Wegner erahnt einen zu kurzen Rückpass, läuft alleine auf den Keeper zu und netzt bei seiner Premiere zum insgesamt verdienten 2:0-Endstand.

Spieler des Spiels für mich Scepanik als permanenter Aktivposten, sowie Nico Lucas, der nicht nur ein paar feine Pässe spielte, sondern auch permanent im Mittelfeld seine Mitspieler koordinierte und ihnen auch mal deutlich machte, was er von einigen misslungenen Aktionen hielt.

Ein Traum natürlich, dass Wegner direkt im ersten Spiel trifft, das wird ihm hoffentlich gut tun. Wegner ist, soviel sei gesagt, eine Art „Platzeck als Kante“, bisschen breiter und vom Eindruck her auch größer, kann körperlich in so mancher Situation sicherlich eher mal dagegen halten. Auffällig auch, dass er sich immer wieder hinter das Sturmzentrum fallen ließ, um sich dort Bälle abzuholen und diese weiterzuverteilen. Er könnte ein wichtiger Spieler werden.

Zudem wurde heute die angekündigte Nostalgie-Anzeigetafel eingeweiht, die mir ehrlich gesagt ziemlich gut gefällt.

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Am Ende bleibt also ein verdienter Sieg in einem nicht guten Spiel, der unseren geschundenen rot-weissen Seelen aber sicher gut tun wird. Bereits kommenden Freitag geht es für RWE nach Bonn, dort gilt es, zu einer neuen Serie anzusetzen.

Ausgeprögert

Ich weiß es noch ganz genau: Es war der 30.07.2017 (okay, DAS habe ich nachgeguckt), die Sonne brannte, in der benachbarten Westfalenhalle fand der Bundeskongress der Zeugen Jehovas statt. Im Stadion Rote Erde in Dortmund jedoch sollte ein Spieler sich mit seinem ersten Pflichtspiel tief in die Herzen vieler RWE-Fans spielen: Kai Pröger.

Dies soll kein Nachruf werden, schließlich ist niemand gestorben. Und doch, weil Pröger für mich und viele andere bis zu seinem Abgang heute ein besonderer RWE-Kicker war, möchte ich ihm diesen Beitrag widmen.

In der Sommerpause vom BFC Dynamo nach Essen gewechselt erfreute der Blondschopf auf der rechten Außenbahn die Anhänger mit seinen Tempoläufen, seinen Zwei- (bzw. oft Drei-/Vier-)kämpfen und sorgte dafür, dass man in Essen wieder Grund zu lächeln nach der mauen Vorsaison hatte.

Kai Pröger verkörperte in den meisten seiner Auftritte das, was an der Hafenstraße gefordert wird. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Immer ein bisschen mit dem Kopf durch die Wand, respektlos (im Sinne von „keine Angst“) den Verteidigern gegenüber. Emotional bei Treffern (Stichwort Handstandüberschlag) und geradezu sinnbildlich für de aktuelle Saison, war es doch seine rote Karte nach einem dummen Einsteigen gegen den SV Lippstadt, das quasi den Beginn des rot-weissen Abwärtstrends darstellen sollte.

Trotzdem: War Pröger auf dem Platz, setzte er zu seinen Sprints an, so hatte man meist das Gefühl: Da geht was. Gerade das machte ihn schnell zum Publikumsliebling.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten: Zwar konnte er (wenn dieses Internetz mich nicht anschwindelt) in 60 Pflichtspielen 18 Treffer erzielen, doch viel zu oft rannte er sich in aussichtslosen Situationen fest. Zudem habe ich manchmal den Blick für den deutlich besseren Mitspieler vermisst, was sich auch in lediglich acht Torvorlagen widerspiegelt.

Nun soll es also der SC Paderborn sein. Jener Club, für den schon RWE-Legende Erwin Koen auflief. Der Verein, der „damals“ mit Brandy, Guie-Mien und Güvenisik vor unserem letzten Spiel (Stichwort Lübeck…) unsere komplette Offensive bereits unter Vertrag genommen hatte, so dass diese sich in Befürchtung eines Fortbestehens ihrer Verträge nicht mehr berufen fühlte, aufs Tor zu schießen. Musste es ausgerechnet Paderborn sein, „Prögi“? Ausgerechnet Paderborn?

Einschub: A propos „Prögi“: Ich finde diese Verniedlichungen ätzend. „Prögi“? Euer Ernst? Davor soll ein Gegner Angst haben? Warum nicht gleich „Pupsimaus“? Das klingt ja fast so gefährlich wie „Wuppi“!

Wie dem auch sei: Über die Transfermodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart. Das lokale Sport-Fachmagazin kolportiert eine Summe von 25.000 Euro, die ich unter Berücksichtigung der restlichen Vertragslaufzeit für okay halte. Nicht sehr viel, aber sicher auch nicht zu wenig. Und hey, let’s face it: Im Sommer wäre er komplett für lau weg gewesen. Also: Kohle einpacken, danke schön.

Grund zu trauern gibt es indes nicht: Prögers Position dürfte Jonas Erwig-Drüppel sein, der aufgrund der prekären Finanzlage den Wuppertaler SV ablösefrei verlassen durfte. Der Mann, der beim 0:3 am Zoo ein Tor vorbereitete und einen weiteren Treffer selbst erzielte. Ich habe ihn aus der Partie als eine Art „Aggressive Leader“ in Erinnerung, etwas, das wir gut gebrauchen können. Ich sehe ihn – auch aufgrund seiner Erfahrungen im Kader des damaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig (inkl. sechs Einsätzen) – daher um mehr als nur eine Nasenlänge vorne.

Doch zurück zum Star dieses Beitrags:

Lieber Kai, ich wünsche dir viel Erfolg in der zweiten Liga, vor allem Gesundheit. Nimm zwischendurch mal den Kopf hoch und guck nach links, dann kannst du ein ganz Großer werden. Im Zweifel kann ich dir den Kontakt zu Erwin herstellen – der weiß wie das geht!

Die Woche der Wahrheit

War das eine Bombe, die die Verantwortlichen in Wuppertal – kolportiert vom lokalen Sportblättchen – platzen ließen? (Fast) alle Spieler der ersten Mannschaft dürfen noch in dieser Wechselperiode, also bis Ende Januar den Verein ablösefrei verlassen.

Wie der WSV nun auf seiner Homepage mitteilte, müsse man aufgrund des strikten Insolvenzrechts bis Montag, 14. Januar die schicke Summe von 260.000 Euro auftreiben bzw. einsparen, um nicht den Gang zum Amtsgericht antreten zu müssen. In dem Statement (hier nachzulesen) bescheinigt man sich selbst eine geradezu hanebüchene Kalkulation auf Basis einer erhofften Euphorie durch eine ansprechende Saison, schiebt aber den Schwarzen Peter gleichzeitig auch auf den Spielplan der „viele attraktive Spiele in einer unattraktiven Jahreszeit vorgesehen hat“. Will meinen: Wäre beispielsweise das Spiel gegen RWE nicht zuerst auswärts an der Hafenstraße, dafür aber am Zoo ausgetragen worden, hätte man mindestens die doppelte Zuschauerzahl gehabt wie im verregneten Spätherbst, als wir RWE-Fans eh schon wieder die Schnauze voll hatten. HALLO!? Was ist denn das für eine unseriöse Kalkulation? Wo ist die gebotene kaufmännische Sorgfalt? Welcher Steuerberater prüft sowas (ich gehe davon aus, dass entsprechende Testate bei den Lizenzunterlagen vorliegen müssen) (Anmerkung: Ich wurde belehrt, man muss wohl nur eine Bürgschaft vorweisen.)?

Dass man sich auch bei den Transfers verzockt hat, als man mit Malura, Bednarski und Meier gleich drei Essener „Besserverdiener“ angelte und noch dazu Erwig-Drüppel (ebenfalls sicherlich kein finanzielles Leichtgewicht) aus Wattenscheid angelte, liegt zudem auf der Hand, wenn man betrachtet, dass Bednarski und Meier kaum zum Einsatz gekommen sind und das Team insgesamt ebenso weit weg von der Spitze ist wie unser geliebter RWE (bei einem Spiel weniger natürlich).

Ob die Wirtschaft in Wuppertal gewillt ist, einem Verein mit derart desaströsem Finanzgebaren unter die Arme zu greifen, bleibt abzuwarten. Zieht man den Bayer-Konzern ab, bleibt außer Vorwerk kaum ein nennenswertes Unternehmen. Aber vielleicht gilt ja hier, dass viele kleine Beträge einen großen erbringen können.

Doch wie soll es dann weitergehen? Soweit ich es verstehe, sind die 260.000 Euro notwendig, um den Etat dieser Saison zu decken. Für die kommende Saison wird man deutlich kleinere Brötchen backen müssen, und ob Top-Mann Christopher Kramer seinen zum Sommer auslaufenden Vertrag verlängern wird, scheint unter den gegebenen Umständen mehr als fraglich. Es wird also ein ziemlich großer Umbruch, den der WSV dem Vernehmen nach auch mithilfe der eigenen Jugendarbeit vollziehen will und muss. Ex-Mäzen Runge hat zudem im RS angekündigt, für keine weitere Geldspritze zur Verfügung zu stehen.

Sollte das Geld nicht zusammenkommen, wird man wohl auch nicht umhin kommen, Spielern betriebsbedingt zu kündigen. Spannend wird sein, auf wen die Wahl dann fällt. Denn man kann ja auch nicht davon ausgehen, dass alle Spieler a) einen neuen Verein finden oder b) zu reduzierten Bezügen weiter für den WSV spielen. Es werden sicher einige dabei sein, die den Gang vors Arbeitsgericht nicht scheuen werden, um den Vertrag auszusitzen. Ob die Gehälter dafür oder eine bei Kündigung eventuell fällige Abfindung aber überhaupt bezahlbar wären, steht auf einem anderen Blatt.

Meine Vermutung ist im Falle des WSV, dass man die Kurve irgendwie noch kriegt und die Saison mit einer besseren Jugendmannschaft zu Ende spielt.

Während das Schicksal des WSV mich emotional aber eher kalt lässt – vielleicht zuschauermäßig größter Rivale, mehr Hass geht kaum noch auf den Rängen, darüber hinaus mir aber total egal – verbinde ich mit dem zweiten Sorgenkind der Liga durchaus einige nennenswerte – wenn auch nicht immer positive Momente.

Die SG Wattenscheid braucht – ebenfalls bis zum 14. Januar – die stolze Summe von 350.000 Euro und hat dafür ein Crowdfunding ins Leben gerufen, dem aber Stand jetzt rund 234.000 Euro zum Ziel bei noch 6 Resttagen fehlen. Das sieht ganz und gar nicht gut aus.

Sei es die bittere 0:4-Pleite an der Hafenstraße gegen die beiden Altintops, die uns beinahe im Alleingang zerlegten, sei es das umstrittene 2:2, als gegen uns ein Handelfer in der Nachspielzeit gepfiffen wurde, obwohl der Wattenscheider selbst mit der Hand am Ball war, oder das bittere 2:3 der letzten Saison, als gleich zwei Gegentore in der Nachspielzeit fielen, sei es das 4:0 mit Wolf-Dreierpack (Renno und Lintjens bei der SG) oder das 6:0 nach 1:0 zur Halbzeit, diesmal Dreierpack von Kreyer, oder – irgendwie ja auch mit der SG verbunden – der Aufstieg in der Lohrheide gegen die zweite Mannschaft der Blauen – hier ist für mich eine ganz andere Schwingung in der Luft, wenn ich an den Verein denke, der zwar klein und unscheinbar wirkt, aber irgendwie auch immer so eine Art Rivale darstellte. Oder halt Zünglein an der Waage – Stichwort Münster 2002.

Doch dieser Verein glänzt seit dem Rückzug der Familie Steilmann Jahr für Jahr immer wieder mit der Nachricht, dass mal wieder Spielergehälter nicht rechtzeitig gezahlt wurden, dass es hier und da knapp werde, dass dies und das improvisiert werden müsse, weil der Verein blank ist. Und dann macht man sich von einem Unternehmen abhängig, dass das blaue vom Himmel verspricht und mit dem Geldkoffer wedelnd aus der SG den digitalisiertesten Club Deutschlands machen. Auch hier mag ich nicht eine gewisse Blauäugigkeit absprechen, sich dermaßen abhängig zu machen, dass man wie beim jüngst erfolgten Rückzug des Investors vor dem Aus steht.

Ich persönlich halte es für ausgeschlossen, dass es der SG gelingt, die Summe komplett aufzubringen. Selbst wenn noch ein paar dicke Fische mit einsteigen (man munkelt, es sei ein Ersatzgeldgeber für das zurückgezogene 100.000 Euro-Investment gefunden), wird es wohl nicht mal knapp. Wie die Konsequenzen aussehen, vermag ich nicht zu sagen. Ich fürchte jedoch, dass hier eine Insolvenz samt Zwangsabstieg und Rückzug der Mannschaft ins Haus steht. Meiner Meinung nach ist dies aber auch ein lange überfälliger Schritt, da die aktuellen Verhältnisse für Spieler, Fans und Mitarbeiter alles andere als tragbar sind.

Nicht unerwähnt möchte ich an dieser Stelle noch den TV Herkenrath lassen, seines Zeichens Aufsteiger, aber auch derzeitiger Tabellenletzter, der sich ebenfalls finanziell übernommen zu haben scheint. Da der Verein insgesamt nicht so im Rampenlicht steht wie die beiden vorgenannten Clubs, fehlt mir hier der weitere Einblick. Ich habe aber heute gelesen, dass man sich bereits in dieser Wechselperiode von 16 (!) Spielern getrennt habe. Für die TV Herkenrath ist die Regio daher ein Abenteuer, das teuer bezahlt wurde.

Ob der große DFB sich der Problematik der quasi unstemmbaren Finanzen annimmt, wage ich zu bezweifeln. Zu hoch das Ross, auf dem man in Frankfurt sitzt, um ernshaft wahrzunehmen, was „die da unten“ für Probleme haben. Spitz gesagt: „Selber Schuld, haltet eure Kohle zusammen.“ So oder so ähnlich kann man wohl formulieren, wie die Oberen des Verbandes auf die Stiefkinder in der „Champions League der Amateure“ herunterschauen. Und mag daran auch ein wenig Wahrheit sein, so sollte man nicht vergessen, dass diese „Kleinen“ die Basis für die „Großen“ sind, die die wertvollen Talente erst ans Licht der Öffentlichkeit (der Scouts) bringen. Gehen diese Vereine verloren, so gehen damit auch Möglichkeiten für die Kinder verloren, Fußball zu spielen, sie weichen auf andere Sportarten oder Hobbys aus und werden vielleicht nie „Germanys Next Top-Mario“. Eine Reform der Ligen (Zweitvertretungen von Proficlubs raus, zwei- oder dreigleisige Regio) ist meines Erachtens unverzichtbar. Doch das nur am Rande.

Abschließend möchte ich den Blick nochmal auf den RWE lenken. Was haben die Kritiker nicht alle gelästert, von „wir sind ein Sportverein, keine Bank“ bis zu „wenn man die Kohle nicht raushaut, steigen wir nie auf“. Man sieht nun, dass der von Welling begonnene und von Uhlig fortgeführte Kurs der konservativen Haushaltsplanung der absolut richtige, weil einzig nachhaltige ist, wenn man nicht wie Viktoria oder der SV Rödinghausen auf potente Geldgeber zurückgreifen kann. Dass wir sportlich nicht da stehen, wo wir alle den Verein gerne sehen möchten, das ist außer Frage. Dieses Ziel darf aber nicht zulasten einer stabilen Finanzierung angestrebt werden. Vielmehr muss das Ziel heißen, die vorhandenen und sicher nicht geringen Mittel besser einzusetzen, d.h. Spieler zu verpflichten, die sich nicht auf der Bank / Tribüne wundsitzen, sondern die wirklich weiterhelfen. Ich nenne bewusst an dieser Stelle keine Namen aus dem aktuellen Kader, da ich den Spielern auch keine Absicht unterstellen will. Aber wer erinnert sich denn an die besten Spiele eines Henrik Gulden, eines Stefan Thelen oder eines Iyad Al-Khalaf? Solche Leute gehören nicht in den Kader. Punkt.

Jürgen Lucas ist nun sicher gefragt, gutes Personal aus Wuppertal und vielleicht auch Wattenscheid zur Hafenstraße zu lotsen. Aus Wuppertal wäre der genannte Erwig-Drüppel für mich so ein Kandidat, ebenso der defensive Mittelfeldmann Kühnel, Adrian Schneider ist in Wattenscheid zu einem echten Leader gereift. Kramer aus Wuppertal wäre wohl ein Traum, aber aufgrund seiner grandiosen Leistungen und der Auflage einer Ablöse utopisch. Da werden auch ganz andere Portemonnaies gezückt als unsere, ganz sicher. Ich halte übrigens nichts von Rückholaktionen aus Wuppertal *zwinker, zwinker*

Wie dem auch sei, ich bin froh, dass RWE auf wirtschaftlich stabilen Beinen steht. Auch wenn Uhlig angekündigt hat, für die kommende Saison an einem Spitzenteam zu arbeiten (was im Übrigen auch schon wieder aufs zynischste in den Facebook-Gruppen ausgeschlachtet wurde), so wird er sicher nicht das Risiko eingehen, den Verein finanziell aufs Drahtseil zu führen. Und darum bin ich mehr als nur froh, denn solche Tage und Nächte, wie sie den Anhängern in Wattenscheid und Wuppertal bis kommenden Montag bevorstehen, möchte ich nicht mehr erleben müssen.

In einer Woche wissen wir mehr.

Winterpause. Endlich.

Das Schreiben dieser Zeilen fällt mir nicht leicht. Ja, ich habe sogar darüber nachgedacht, ob ich überhaupt etwas schreiben soll, weil mir RWE derzeit richtig wehtut. Erschrocken hat mich insbesondere, dass Uwe Strootmann vom Im Schatten der Tribüne, eigentlich ein äußerst positiv denkender Mensch, bei Twitter von einer charakterlosen Mannschaft gesprochen hat. Hier also meine Sicht der Dinge:

Das Fortuna-Spiel stellte wohl den negativen Höhepunkt (zu diesem Zeitpunkt) dar. Ein wichtiger privater Termin verhinderte, dass ich das mit ansehen musste. Durch den Sieg gegen Rödinghausen wähnte ich unser Team wieder auf einem guten Weg.

Dann kam Wuppertal. Ausgestattet mit einer Akkreditierung verbrachte ich das Spiel auf der Haupttribüne und musste ansehen, wie RWE in einer demütigenden Art und Weise von Wuppertal vorgeführt und zerlegt wurde. Ich kann mich nicht wirklich an einen Torschuss unserer Mannschaft erinnern. Und das, obwohl im Vorfeld von allen Seiten betont wurde, wie sehr man wisse, dass besonders dieses Spiel in Fankreisen hohen Stellenwert besitzt. Dass sich hinter uns zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Mob der „körperlichen“ Fraktion Wuppertals einfand und übelste Schimpftiraden in Richtung RWE-Stehblock losließ, die weit über das normale Maß hinausgingen, setzte dem ganzen die Krone auf. Die Ordner schienen zudem belustigt, als Daniel Heber wiederholt rassistisch beschimpft wurde (Anmerkung dazu: wenn es möglich gewesen wäre, das irgendwie zu melden, ohne dass meine eigene Gesundheit gefährdet gewesen wäre, hätte ich dies getan. Der Wuppertaler SV hat sich auf meine Anfrage über Twitter dazu nicht geäußert).

Das Spiel gegen Kaan-Marienborn habe ich aus persönlichen Gründen nicht im Stadion verfolgen können, wohl aber mit Fan-Radio im Ohr. Aus dem, was ich dort gehört habe und dem, was mir meine Kumpels erzählt haben, habe ich entnommen, dass die Partie ebenfalls nicht sonderlich gut gewesen sein soll. Na ja, tief stehender Gegner, dachte ich, da tut sich RWE seit Generationen schwer. Immerhin gewonnen, dachte ich. Und hoffe noch immer darauf, dass es der sehenswerte Treffer von Wirtz in die Auswahl zum Tor des Monats der Sportschau schafft.

Zum Jahresabschluss also gestern Köln. Die kleinen Geißböcke. Ohne Heimsieg bisher, Vorletzter der Tabelle. Ich schwer erkältet, zudem „Kinderdienst“ – kein Auswärtsspiel für mich. Die erste Überraschung kam dann mit der Aufstellung: Kein Heber, kein Brauer. Raeder erneut nicht im Tor – was ist da los?

Ich habe den Stream von Sporttotal etwas länger als eine Halbzeit verfolgen können und musste kurz vor dem 0:1 leider los. Und obwohl ich sonst versuche, jeden Moment aufzusaugen, war es mir gestern nach der enttäuschenden ersten Halbzeit egal. Einfach egal. Kein Aufbäumen, keine Kreativität, Durchschlagskraft schon gar nicht. Torchancen? Fehlanzeige. Ich meine – hallo!? Ist das der Anspruch, den die Mannschaft an die eigene Leistung hat? Bereits in Halbzeit 1 musste Heller in mindestens zwei Situationen glänzend parieren, Köln spielte, wie ich es mir von meinem Team erwartet hätte: Schnell in die Spitze, Direktpässe. Bei RWE nichts davon zu sehen. Nahm das Team Tempo nach vorne auf, drehte irgendein Spieler sicher wieder nach hinten ab oder spielte quer. Niemand, der Verantwortung übernahm, das Spiel an sich riss. So kam Köln also zum ersten Heimsieg der Saison.

Und das ist, was mich derzeit so nervt: RWE hat sich zum Ziel gesetzt, zu den Top-Teams der Liga zu gehören, scheitert aber seit Jahren daran. Ich will jetzt nicht wieder das Beispiel RWO herauskramen, die regelmäßig vor uns landen. Was machen die anders? Was macht eine SG Wattenscheid anders, wo die Spieler ständig ihrer Kohle hinterherlaufen, sich aber trotzdem den Arsch dermaßen aufreißen, dass der übermächtige Spitzenreiter mit 3:0 besiegt wird?

Viktoria wird hoffentlich das Aufstiegsrennen machen. Ab der kommenden Saison wären dann die finanzstärksten Teams erst mal weg, wenn man von den Zweitvertretungen und evtl. Rödinghausen absieht. Dann wird die Liga vielleicht ausgeglichener. Ob Relegation oder nicht – „nie war es so leicht aufzusteigen“ ist meiner Meinung nach ohnehin überzogen. Wer hoch will, schlägt auch einen direkten Rivalen. Punkt.

Doch wie soll man dieses Unterfangen endlich mal seriös angehen, ohne eine neue „Hoch-3“-Aktion zu starten? Ich möchte an dieser Stelle „Dinge, die ein Rot-Weiss Essen-Fan nicht sagt“ zitieren:

Ich habe auch kein Patentrezept, aber fürchte, wir kommen um einen erneuten Umbau der Mannschaft nicht herum. Typen müssen her, die uns auf dem Platz weiterbringen. Fürs Protokoll: Die letzten Transfers haben zunächst ziemlich gut eingeschlagen, die Wirkung scheint aber fürs Erste verpufft zu sein. Trotzdem ging das schon in die richtige Richtung. Wir brauchen Spieler, die den „aggressive Leader“ geben. Deren Brust so breit ist, dass die Gegenspieler schon vom Hingucken Respekt haben. Die sich nicht in Schönspielerei und dem x-ten Querpass verlieren. Kerle, die bei eingeigelten Gegnern wissen, wie sie trotzdem Lücken reißen können. Die mal einen Platzverweis für den Gegner provozieren. Von mir aus auch mal im Strafraum nen Elfer schinden. Wir sind derzeit zu lieb für meinen Geschmack. Mal ein Foul ziehen, warum nicht?

Das Problem an der Geschichte dürften die lieben Finanzen sein. Ohne Moos nix los, daher muss auch an dieser Front etwas geschehen, um monetäre Spielräume zu gewinnen. Und ich finde, hier darf man auch nicht davor zurückscheuen, sich von „gestandeneren“ Leuten zu trennen. Und man muss – bei allem Respekt – alles und jeden hinterfragen. Ist Platzek der richtige Mittelstürmer, oder sind wir mit ihm zu leicht auszurechnen? Ist Zeiger der richtige Koordinator in der Abwehr oder laufen ihm die gegnerischen Stürmer zu oft weg? Dies sollen nur Beispiele sein, bitte nicht als konkrete Kritik an diesen Spielern werten! Aber ich denke, meine Aussage wird damit besser untermauert.

Was aber auf Fanseite kurzfristig unterbleiben sollte, sind Generalschelten wie „so lange der Sohnemann auf dem Platz steht, haben wir eh keine Chance“ oder „Baier hat x Jahre über seinen Möglichkeiten gespielt“. So etwas ist nicht nur unfair den Spielern gegenüber, sondern zudem kontraproduktiv. Wer würde sich noch für seinen Arbeitgeber aufreißen, wenn er auf dem Flur mitbekommt, wie sein Personalchef zu einem Kunden sagt, dass man nur seinen Posten hat, weil es keine Alternative gibt. Das Ganze nimmt in den Netzwerken zum Teil Züge einer Verschwörungstheorie an.

Die Zeit des Beschwerens müssen vorbei sein, es muss nun heißen zu handeln und Möglichkeiten zum eigenen Ertrag positiv zu nutzen. Die Tabellensituation ist mit Platz 7 (evtl. 8, Nachholspiel der Alemannia) noch im einstelligen Bereich. Ein paar Plätze nach oben sollte es diese Saison noch gehen, um die Fanbasis bis zum Saisonende noch milde zu stimmen. Der Pokal steht auch noch an, vielleicht kriegen wir ja Monheim zugelost, um im Finale auf einen möglichen Zweitliga-Aufsteiger aus Uerdingen zu treffen. Ebenso vorbei sein müssen die Zeiten, in den Spieler sich öffentlich für schlechte Spiele entschuldigen und versprechen, beim nächsten Mal werde alles besser. Das haben wir alles schon zu oft gehört in den letzten Jahren, um zu wissen, dass das nicht stimmt. Es wird nicht besser.

In jedem Fall bin ich froh, dass ich jetzt ein paar Wochen rot-weiss-freie Zeit habe. Die haben wir alle uns verdient, die wir noch vor ein paar Wochen vom großen Wurf träumten, dann aber sprichwörtlich auf die Fresse bekamen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solchen Sturz von „Glanz und Gloria“ bis in die tiefste Tristesse mit gemacht zu haben. Und ich möchte so etwas auch nicht mehr mitmachen müssen.

Ich wünsche an dieser Stelle allen meinen Lesern und Freunden schon jetzt ein besinnliches Weihnachtsfest und eine guten Rutsch ins Jahr 2019. Vielen Dank für rund 500 Leser je Beitrag, Alexa hat rund 3.500 Leute erfreut 🙂

Vielleicht sieht man sich beim Angrillen, so ich denn dann Zeit habe.

Jetzt ist guter Start teuer.

…so oder so ähnlich musste die Devise zum Auftakt in die Rückrunde lauten, nachdem der Tabellenführer aus Köln mal wieder Punkte hatte liegen lassen und die Stimmung an der Hafenstraße gerade nach der Niederlage gegen Düsseldorf zumindest knapp vor dem Kippen zu sein schien.

Ich muss vor meinen Ausführungen anmerken, dass ich aus privaten Gründen erst etwa zur 30. Minute im Stadion sein konnte. Ich gebe zu, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, mir das Spiel zu klemmen, da klar war, dass ich es niemals pünktlich zum Anstoß schaffen würde. Aber was will man machen, wenn das Wetter auch noch mitspielt.

Angekommen im Stadion sah ich also die Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit, die aber wohl wie der Rest des Durchgangs zwar engagiert, aber auf beiden Seiten ohne zwingende Chancen zu Ende ging.

Halbzeit zwei hatte dann nach rund 60 gespielten Minuten den ersten rot-weißen Höhepunkt zu bieten: Rödinghausen bekommt den Ball nicht geklärt, Pröger schickt rechts Scepanik, der sich an der Torauslinie durchsetzen kann und flach nach innen spielt, wo Wirtz seinen ersten Treffer an der Hafenstraße erzielen konnte.

Das Tor befreite das RWE Spiel zusehends, Rödinghausen musste aufmachen und bot Platz für Läufe über die Flügel. Die Essener Abwehr hatte aber keine nennenswerten Probleme, die Angriffe abzuwehren. Nur fünf Minuten nach der Führung dann ein Freistoß in der eigenen Hälfte, von Kevin Grund hoch in Richtung Wirtz gespielt, der sich für ein Missverständnis der beiden Innenverteidiger mit einem Tunnel gegen Heimann zum 2:0 bedankte.

Damit war die Partie im Grunde entschieden, denn es kam nur noch einmal Gefahr für den Kasten von Raeder auf, aber der Abschluss flog dann deutlich drüber.

Warum einige Vollhorsts meinen, dass man einen eigenen Spieler in der 88. Minute bei seiner Einwechslung auspfeiffen muss – es wird sich mir nicht erschließen. Nico Lucas hingegen zeigte sich unbeeindruckt und sprintete nochmal knappe 50 Meter über außen mit dem Ball, legte zurück auf Urban, der für Pröger auflegte, dessen Schuss aber knapp am Tor vorbeiging.

So blieb es beim 2:0, Mannschaft und die verbliebenen rund 5000 Fans (ganze 10 Rödinghausener anwesend, ganz groß) durften erstmals seit August (!) wieder gemeinsam feiern.

Der Sieg war umso süßer, weil neben dem oben erwähnten Viktoria-Patzer auch der BVB (0:2 in Bonn) und RWO (0:1 in Straelen) verloren. Somit geht (und ich verdamme mich selbst dafür) schon wieder diese elende Rechnerei wieder los. 12 Punkte auf den Platz ganz oben. Viktoria vielleicht jetzt mal mit ner Krise? Nach Wuppertal in gut 14 Tagen kommt wieder die Runde mit den „leichteren“ Gegnern. Wenn da diesmal auch Lippstadt und Straelen besiegt werden, wenn die anderen auch wie zu Saisonbeginn wieder für uns spielen… Wenn, wenn, wenn. Ich mag mich noch nicht geschlagen geben, zumal uns ja auch die Partie bei Viktoria erwartet. Ich hoffe, diese Gedankenspiele sind nach Wuppertal nicht schon wieder irrelevant.

Mission 51 Punkte läuft! #MEGA

Fallhöhe

Eigentlich wollte ich einen „kompletten“ Rückblick auf die Hinrunde schreiben. Angesichts des neuesten Blogposts von Im Schatten der Tribüne möchte ich die Idee aber aufgreifen und den virtuellen Redeball an mich nehmen.

Die typische (schlimm genug) Saison der Rot-Weissen verlief in den vergangenen Jahren so: Erstes Spiel okay, dann meist eine tolle Leistung gegen einen übermächtigen Gegner im Pokal, gefolgt von zwei, drei mauen Vorstellungen in der Liga und schwupps! war man hinter der berühmten Musik. So begannen schon im September die Rechnereien, ob und wie man denn wieder nach oben kommen und den Anschluss finden könne.

Nicht so dieses Jahr. Nach einem knappen 1:2 in Rödinghausen – 14-Sekunden-KO von Freiberger inklusive – berappelte sich die Mannschaft, blühte gegen Wuppertal geradezu auf und spielte sich danach in so etwas wie einen Rausch. Als Belohnung gab es die Tabellenführung, tolle Stimmung allüberall und der gemeine Fan begann zu träumen. Wer sollte RWE noch stoppen. Die Antwort hieß Lippstadt, doch man verzieh den Ausrutscher gegen einen erstaunlich offensiven Aufsteiger, den verschossenen Elfer kurz vor Schluss. Es sollte jedoch der Auftakt zu sechs sieglosen Spielen werden. Von Platz 1 ging es bis zum Ende der Hinrunde nun auf Platz 8 hinunter – Adieu, Aufstieg.

Der Einsatz stimmte bei mindestens 14 von 17 Partien. Das Spiel beim BVB sieht so mancher Fan zwiegespalten, ich sage, dass man einen Kagawa mit den Fähigkeiten unserer Spieler auch mit gröbster Härte kaum hätte stoppen können. Das Spiel in Verl war von beiden Seiten eher mäh geführt, und Düsseldorf war der bisherige Tiefpunkt der Saison, was das Engagement auf dem Platz angeht (habe ich mir sagen lassen, war selbst verhindert). Dass man gegen einen tiefstehenden Aufsteiger (Straelen) keine Lösung findet und nur unentschieden spielt, so etwas passiert halt. Nein, der Einsatz war ein Faktor, den man den Spielern nur schwerlich absprechen kann. Selbst wenn man einen oder mehrere Spieler kritisieren möchte, so haben selbst diese Spieler für ihre Verhältnisse alles in die Waagschale geworfen. Ob das für die Regionalliga genug ist, mögen andere beurteilen, aber ich war zufrieden mit der Art und Weise, wie RWE aufgetreten ist.

Die Fans haben – wenige Störfeuer in Form von Anfeindungen gegen eigene Spieler mal ausgenommen – auch weitestgehend die Mannschaft mitgetragen. In der Phase der sieglosen Partien gab es trotzdem aufmunternde Worte und Applaus von den Tribünen, weil man sah, dass die Mannschaft will. „Wir halten zusammen, RWE, RWE!“ galt endlich wieder.

Bleibt der Faktor des „Spielglücks“. wie es ja neuerdings im Fußballjargon heißt. Machen wir den verdammten Elfer gegen Lippstadt, oder eine der drei dicken Chancen vor der Gladbacher Führung, geht die Bogenlampe des BVB-Verteidigers in deren eigenen Kasten oder treffen wir dort nicht noch zweimal Alu – wer weiß, wo wir stünden. Natürlich kann man gegen Aachen verlieren, aber wenn man sieht, dass Aachen nur diese eine echte Torchance hat und wir vergeblich gegen deren Tor angelaufen sind, dann ist das schon bitter.

Ich will nicht sagen, dass die Mannschaft keine Schuld trägt. Natürlich darf man gewisse Fehler im Spiel so nicht machen. Einige Gegentore sind zu leicht gefallen. Die rote Karte von Pröger war unnötig, aber wohl einer gewissen Emotionalität geschuldet. Mal ist ein Spieler zu eigensinnig vor dem Kasten, mal zu „blöd“ (man beachte die Anführungszeichen), einen Pass an den Mann zu bringen. So ist dort natürlich auch ein Teil der Schuld anzusetzen. Trainer Neitzel nimmt vieles davon auf seine Kappe, trotzdem hat man das Gefühl, dass er deutlich weniger kritisiert wird wie noch seine letzten drölf bis mümzehn(TM)  Vorgänger. (Auch das tatsächlich ein positiver Aspekt, wie ich finde.)

So jedenfalls stehen wir nun auf Platz 8. Durch diesen freien Fall ist aus der totalen Euphorie nun eine tiefe Enttäuschung geworden, diesmal nicht schon im September, sondern erst ab Mitte Oktober.

Als ich neulich gefragt wurde, wie man als Blogger denn nun damit umgehen solle, antwortete ich in etwa, dass wir ja keine Wahl haben. Wir können nicht aus unserer Haut. Die meisten von uns Fans werden auch gegen Rödinghausen wieder vor Ort sein.

Die Mannschaft ist nun in der Pflicht, so abgedroschen das auch klingen mag. Die Saison in irgendeiner Form abzuschenken, so etwas darf es trotz allem nicht geben. Nach unten hin wird – allen Unkenrufen zum Trotz – nichts mehr passieren, die nötigen Punkte werden wir einfahren, da mache ich mir keinerlei Sorgen. Nach ganz oben muss man sich aber auch wohl nichts mehr vormachen. Trotzdem – in meinen Augen muss sich die Mannschaft an folgenden Punkten messen lassen:

  • weiterhin 1907% Einsatz auf dem Platz
  • einen 2-Punkte-Schnitt in der Rückrunde
  • Platz 5 als Minimum
  • optimalerweise noch vor RWO landen, um denen mal (sorry für die Ausdrucksweise) das Maul zu stopfen
  • Erreichen des Pokalfinales, besser noch Gewinn des Niederrheinpokales, um über den „großen“ Pokal weitere Mittel generieren zu können

Dies meine Gedanken zum Status Quo von RWE zum Ende der Hinrunde. Noch jemand, der sich dazu äußern mag?

Ohne Profis habt ihr keine Chance

Normalerweise versuche ich, kurz nach dem Spiel meine Gedanken hier zusammenzuschreiben. Gestern war es allerdings mal wieder soweit, dass ich das gerade Gesehene erst einmal sacken lassen musste. Was war passiert?

Nicht nur, dass RWE mit 0:5 eine derbe Packung bekommen hat. Nein, unsere Dortmunder „Freunde“ fühlten sich genötigt, den Regionalliga-Kader um schlappe 18 Millionen Euro aufzuwerten. Mit Kagawa und Isak (der zugegebenermaßen regelmäßig in der II. spielen „darf“) standen aktuelle Nationalspieler ihrer Länder auf dem Platz (und wir reden nicht von Nationen wie Malta oder Andorra), mit Rode ein weiterer millionenschwerer Rekonvaleszent. Und was mich so wütend macht: Die beiden Erstgenannten waren es, die das Spiel quasi im Alleingang entschieden.

Klar, beim 0:1 stand Isak viel zu frei. Klar, beim 0:2 konnte Kagawa sich sekundenlang frei im Mittelfeld bewegen und ohnehin war RWE im ganzen Spiel körperlich nicht sonderlich präsent. Trotzdem handelt es sich bei den Profis um hochgezüchtete Sportmaschinen, die mit Methoden und finanziellen Optionen aufgebaut und trainiert werden, die einem Verein wie Rot-Weiss Essen oder den anderen „normalen“ Clubs der Liga gar nicht zur Verfügung stünden. Das 0:3 fiel noch vor der Pause über ebenjene Achse. Das Bittere daran: RWE war nicht in dieser Höhe schlechter. Immer wieder tauchte RWE gefährlich vor dem Dortmunder Kasten auf, traf Pfosten, schoss Zentimeter daneben und hatte Pech, als ein BVB-Befreiungsschlag vom eigenen Mann geblockt zur Bogenlampe wurde, jedoch nur die Latte traf. Einige Chancen konnte Oelschlägel (3. Keeper der 1. Mannschaft…) auch im letzten Moment parieren. Wer weiß, was ein 1:3 bewirkt hätte.

Es kam jedoch nach der Pause noch schlimmer. Nach nicht geahndeter Abseitsposition (kann man nicht sehen, wenn man als Linienrichter der „Musik“ 10m hinterherläuft) schoss ein Dortmunder aus gut 20m, der Ball sprang auf, versprang, Raeder flog vorbei – 0:4. Nur zwei Umdrehungen der Uhr später das 0:5 (wieder Vorbereiter Kagawa) – Drops endgültig gelutscht. Trotzdem besaß RWE eine ordentliche Portion vom Spiel – traf jedoch einfach den Kasten nicht. Aus bester Position scheiterte erst Scepanik von Pröger in Szene gesetzt, wenig später Baier (gerade noch pariert, Nachschuss-Lupfer auf der Linie geklärt) und kurz vor Schluss nochmal Zeiger völlig blank mit einem zu schwachen Kopfball. Die meisten unter den anwesenden Zuschauern wussten dies durchaus zu honorieren, es hallte „wir halten zusammen RWE“ und ähnliches nach der Partie durch Stadion. Einige wenige verbale Ausfälle auf der Tribüne gab es dennoch, waren aber im Großen und Ganzen deplatziert.

Natürlich kann man nur spekulieren, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn die hochbezahlten Herren nicht mitgespielt hätten. Ich wage aber zu bezweifeln, dass RWE mit dem „Ersatz“ für Kagawa ähnliche Probleme gehabt hätte, denn der Japaner gehört trotz fortgeschrittenem Alter zu den besten Technikern, die der BVB in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Auch wenn einige das nicht lesen mögen – ein Zugriff auf den wendigen Japaner war einfach nicht möglich, da er nur in wenigen Fällen mal den Ball überhaupt geführt hat. Vieles lief einfach über den direkten Pass. Besondere Brisanz bekommt die Gesamtsituation, wenn man bedenkt, dass das Spiel nur verlegt wurde, weil die Dortmunder zum eigentlichen Termin Anfang Oktober Spieler abstellen mussten. Es wäre natürlich unfair gewesen, wenn der BVB dann geschwächt hätte antreten müssen!

In meinen Augen ist der DFB hier mehr als gefordert. Schön und gut, dass man Spielern „von oben“ die Möglichkeit bieten möchte, nach Verletzungen wieder ins Spiel zu finden. Dies darf aber nicht zulasten von Vereinen gehen, die Woche für Woche um ihre sportliche oder gar wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen. Zweitvertretungen von Profimannschaften gehören nicht in den normalen Spielbetrieb oder müssen außer Konkurrenz antreten! Auch wenn das Regelwerk den gestrigen Einsatz zugelassen hat, tritt diese Möglichkeit die sportliche Fairness mit Füßen, denn wir reden hier vom Amateurbereich.

Der Gedanke liegt nahe, dass diese Aufstellung nur zustande kam, weil der BVB befürchtete, den Anschluss an die Viktoria nach zuletzt ziemlich mauer Serie zu verlieren. Wenn es noch so etwas wie eine Fanfreundschaft mit dem BVB gab, gestern Abend hat dieses Tischtuch einen ziemlichen Riss bekommen.

Der Vergleich zu unserer ehemaligen Zwoten hinkt derweil: Auch wenn RWE unter Profibedingungen (die – nochmal – mit denen des BVB nicht vergleichbar sind) trainiert, war die Schere in diesem Bereich nicht annähernd so hoch. Gleiches gilt, wenn RuWa Dellwig I Spieler an RuWa Dellwig II ausleiht.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang den sehr guten Bericht von turus.net.

Kleines Fazit zum Spiel: Man kann gegen den BVB II durchaus verlieren. Man kann vielleicht auch bemängeln, dass besagte Spieler nicht genügend angegangen wurden. Allerdings ist wegen ebenjener Spieler das Ergebnis mindestens drei Tore zu hoch ausgefallen. Was bleibt ist ein ziemlich mieser Beigeschmack angesichts der immensen Wettbewerbsverzerrung, denn es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, dass die „Gäste“ auch in den Partien gegen die restlichen Vereine zum Einsatz kommen.