Auf in die neue Saison

Frohes Neues Jahr allerseits!

Für mich beginnt mit der Partie gegen den BVB gleichzeitig die neue Saison. Mehr als 10.000 verkaufte Tickets für dieses Spiel und mehr als 4.000 Dauerkarten senden ein deutliches Zeichen, dass erneut so etwas wie Euphorie in Essen besteht. Ich nehme ich dieses Spiel zum Anlass, mich wie schon in der vergangenen Saison mit den Sommertransfers auseinanderzusetzen.

Grundtenor der letzten Jahre war, dass man endlich mal von den Komplettumstellungen des Teams absehen und die berühmt-berüchtigten „punktuellen Verstärkungen“ holen soll. Dann wollen wir doch mal sehen…

1. Die Abgänge

Niclas Heimann
Beinahe schon traditionell ist das unverhältnismäßige Einprügeln auf Torhüter in Essen. Niclas Heimann reiht sich hier ein in die Reihe von Torhütern, die trotz meist guter Leistungen wegen einiger weniger Patzer in Ungnade gefallen sind und wohl auch mit einem gehaltenen Elfer in der Nachspielzeit des Pokalfinales gegen den FC Bayern niemals wieder rehabilitiert worden wären. Ihm wurde seinerzeit zum Verhängnis, im Testspiel gegen den BVB einen gewissen Pierre-Emerick Aubameyang austanzen zu wollen, was ihm leider misslang. Ich persönlich habe ihn immer für einen guten, wenn nicht sogar den besseren unserer Keeper gehalten, andere haben seine Versetzung hinter Heller geradezu gefeiert. Sein Weg zieht ihn nach Rödinghausen, ich hoffe, dass er uns da nicht zeigt, was er alles kann.
Fazit: Schade aus menschlicher Sicht, aber er hatte wohl auch keine Lust, wieder nur die Nummer zwei im Kasten zu sein.

Patrick Huckle
Ein Kämpfer vor dem Herrn, der eigentlich das darstellte, was an der Hafenstraße immer wieder gefordert wird – jemand, der sich über 90 Minuten den Arsch aufreißt und sich auch für eine Grätsche nicht zu schade ist. Hatte sicherlich den einen oder anderen schwächeren Moment, der zu gefährlichen Szenen für die Gegner führte, diese habe ich ihm jedoch eben wegen seines Einsatzes gern vergeben. Unvergessen sein wuchtiger Kopfball in die eigenen Maschen beim 9:1-Sieg über Erndtebrück. Huckle geht in seine Heimat im Südwesten zurück und spielt ab der kommenden Saison für den FSV Frankfurt.
Fazit: Hätte ich gerne noch eine Saison zumindest hier gesehen, ist aber auch nicht mehr der Jüngste, von daher wohl vertretbar.

Maksimilijan Milovanovic
Dritter Mann hinter Heller/Heimann. Mehr kann ich zu ihm nicht sagen. Wechselt zum 1. FC Bocholt, weil er dort Aussicht auf Einsatzzeit hat.
Fazit: nachvollziehbar, eher kein Verlust

Jeffrey Obst
Obst konnte sich wohl nur durch seine Undiszipliniertheit in Erinnerung bringen, die zu Beginn der vergangenen Saison zu einer roten Karte führte. War lange verletzt, geht zur SG Wattenscheid.
Fazit: eher kein Verlust

Kasim Rabihic
Der vermutlich beste Techniker im letztjährigen Kader hat aus meiner Sicht leider zu selten gezeigt, dass er auch mannschaftsdienlich spielen kann. Zu selten ein Auge für den besser postierten Nebenmann, zu ballverliebt. Vermutlich daher auch oft nur Reservist. Ziel unbekannt.
Fazit: absolut nachvollziehbar, seinen Vertrag nicht zu verlängern

Richard Weber
Weber war in der vorletzten Saison quasi neben Zeiger gesetzt, musste sich dann zunächst hinter Windmüller einreihen und landete nach dessen „Degradierung“ trotzdem nur auf die Bank, von wo er zusehen musste, dass ihn ein nomineller „Sechser“, Meier, vertrat. Das alles tat er, ohne in der öffentlichkeit darüber zu murren, was man ihm durchaus hoch anrechnen darf. Er schließt sich nun der Reserve der Blauen an und geht damit eine Liga nach unten. Allein das hat ihn für einige – für mich nicht rational nachvollziehbar – zur Zielscheibe gemacht. Dort dürfte er jedoch einer der erfahreneren Spieler sein und zu deutlich mehr Einsatzzeiten kommen, die er als junger Spieler sicherlich auch bevorzugen dürfte.
Fazit: Ebenfalls schade, aber nachvollziehbar aus Spielersicht. (Ihm Erfolg zu wünschen, geht bei mir aber auch zu weit…)

Gino Windmüller
Zwei Abwehrpatzer (im Pokal gegen die Arminia und in der Liga beim Heimspiel gegen die Viktoria) kosteten Windmüller den eigentlich relativ sicheren Startelf-Platz. Er arbeitete sich jedoch gegen Saisonende wieder auf selbigen zurück und konnte dort weitestgehend überzeugen. Wurde einige Male als hohe Anspielstation in der Schlussphase nach vorn berufen, konnte dort aber kaum Akzente setzen. Trotzdem in der zweiten Saisonhälfte mit souveränen Spielen neben Zeiger. Windmüller und RWE ließen lange offen, ob der Vertrag verlängert würde, ich weiß nicht, wer von beiden hier gezögert hat. Vermutlich eine Mischung aus Zögern des Vereins und neuem Angebot führten schließlich dazu, dass Windmüller nun für den WSV auflaufen wird.
Fazit: eine Verlängerung hätte uns vermutlich nicht wehgetan.

2. Die Zugänge

Daniel Engelbrecht
Engelbrechts Krankenakte ist hinlänglich bekannt. Medienberichten zufolge war er aber seit Inbetriebnahme des Defibrillators diesbezüglich beschwerdefrei, seine Verletzung in der abgelaufenen Saison für den KSV Steinbach rührte von einem groben Foulspiel her. Engelbrecht wurde nach besonders ausführlicher Untersuchung – unter Zuhilfenahme eines Herzspezialisten – für tauglich befunden und soll auch die besten Werte aller Spieler beim Leistungstest gehabt haben. Ich bin daher weit davon entfernt, den Verantwortlichen für diesen Neuzugang Fahrlässigkeit vorwerfen zu wollen. Nüchtern betrachtet kann man jedoch wohl froh sein, dass die Berufsgenossenschaft wohl mit der Gehaltszahlung einspringen wird. Wie durch den Bericht unseres Fanvertreters im Aufsichtsrat bekanntgeworden, werden wir für Engelbrecht noch mal eine Alternative auf dem Transfermarkt suchen. Daniel Engelbrecht wünsche ich alles Gute! Komm schnell auf die Beine.
Prognose: kann, wenn er fit wird, zumindest als Joker vielleicht noch wichtig werden. Alles Weitere ist allerdings Spekulation.

Cedric Harenbrock
Der 19jährige Harenbrock aus der U19 von Bayer Leverkusen ist einer dieser „Namenlosen“, die wohl die wenigsten von uns auf dem Schirm gehabt haben dürften. Ein Bericht der Sport-Bild klärt auf, dass er sich wohl durch alle Jugendjahrgänge hinweg immer einen Schritt vor den Gleichaltrigen bewegt hat (F-Jugend im Bambini-Alter, immer im Alt-Jahrgangskader seines jeweilgen Vereins…) Auch meine ersten Eindrücke (die ich zugegebenermaßen nur den verschiedenen Live-Tickern entnehmen konnte) sind durchaus positiv. Hier bin ich sehr gespannt, zumal er a) Zug zum Tor und b) Vorbereiterqualitäten zu haben scheint.
Prognose: Zumindest ein Bankplatz scheint sicher.

Stefan Jaschin
Torwart-Eigengewächs der U19, dürfte wohl eher nur auf der Bank landen, falls sich einer der beiden anderen Keeper verletzt.
Prognose: s.o.

Marcel Lenz
Der Ex-Reservekeeper des MSV dürfte Heller ziemlichen Druck bereiten, denn er ist als durchaus erfahrener Torhüter bestimmt nicht gekommen, um seine Zeit auf der Bank abzusitzen. Für Regionalliga-Verhältnisse ein sehr guter Transfer, der Heimann mindestens gleichwertig ersetzt.
Prognose: Könnte vermutlich über die Saison gesehen im Vergleich zu Heller die Nase vorn haben. Auf der Torhüter-Position sind wir grundsätzlich gut besetzt.

Kai Pröger
Bei seinem letzten Spiel für den BFC Dynamo konnte Pröger in der Schlussphase der Verlängerung noch einen Doppelpack erzielen und schaffte es mit einem der Treffer sogar ins „Tor des Monats“. Wenn man Lucas Glauben schenken darf, wird er unser Spiel durch seine Schnelligkeit auf der rechten Seite beleben und bringt zudem noch eine eigene Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor mit. Schon jetzt gefühlt ein Publikumsliebling, der unter diesem Druck hoffentlich nicht einbricht. Ist etwas gefülltere Stadien schon gewohnt, wenn auch nicht in Essener Ausmaßen.
Prognose: Scheint auf der rechten Sturmseite gesetzt.

Ismail Remmo, Simon Skuppin, Boris Tomiak
Ergänzungsspieler aus der U19. Sollen ans Team und den „Männerfußball“ herangeführt werden und die Integration von „Eigengewächsen“ in die erste Mannschaft wie zuletzt Nico Lucas fortführen.
Prognose: Dürften in den Spielberichten nur sehr selten auftauchen.

Robin Urban
Regensburger Innenverteidiger haben bei uns schon beinahe so lange Tradition wie unser Verbleib unterhalb der Dritten Liga. Nach Neunaber und Windmüller haben wir mit Urban nun schon den dritten De,. fensivspieler von der Donau. Schließt er sich an das solide Abwehrspiel der vorgenannten Kollegen an, sollten wir hinten die nötige Konstanz haben, um gesichert nach vorn spielen zu können.
Prognose: Nach dem Abgang von Windmüller und Weber wohl ebenfalls gesetzt.

3. Meine Aufstellung

So stelle ich mir im Großen und Ganzen die Stamm-Elf vor (Alternative in Klammer)

Tor: Heller
Abwehr: Grund (Cokkosan) / Urban / Zeiger / Malura
Mittelfeld: Baier / Meier (Lucas) / Brauer (Harenbrock)
Sturm: Bednarski / Platzek / Pröger (Ngankam)

4. Gesamtfazit

Beim Schreiben dieser Zeilen fiel mir auf, dass wir im Grunde keine „faulen Eier“ mehr im Kader haben. Dies dürfte hauptsächlich natürlich in der Abgangswelle der vergangenen Winterpause begründet liegen, ist aber auch in meinen Augen ein gutes Zeichen für solide Arbeit der sportlichen Verantwortlichen. Ältere, „verdientere“ Spieler wie Huckle und Windmüller sind nicht mehr im Kader, wobei für den Huckle-Abgang ja noch ein Ersatz gesucht wird. Hier sind wir aber mit Grund/Cokkosan auch handlungsfähig. Die Abgänge von Obst & Co. schmerzen nicht so sehr, als dass man sie nicht mit den neuen Spielern mindestens adäquat ersetzen könnte.

Der Stamm der Spieler, die die vergangene Saison mit Platz 5 abgeschlossen haben, wurde zu einem sehr großen Teil gehalten und ist quasi eingespielt.

Ich bin zuversichtlich, dass mit dem Kader mindestens die Vorjahres-Position wieder möglich ist – vorausgesetzt natürlich, wir bleiben von größeren Verletzungen verschont. Ein guter Start ist natürlich wichtig. Viel wichtiger ist es aber, konstant zu punkten. Und wenn wir es dann noch schaffen, das Lehrgeld der verdammten Unentschieden der letzten Saison in Siege umzumünzen, ist alles drin

Getz sindse völlig durchgeknallt…

Da wacht man morgens auf und denkt, der Postillon hätte sich einen neuen, vor Wahnwitz nur so sprühenden Artikel ausgedacht. Kurzer Blick auf die URL… Nee, das ist ja vom Kicker!

Die Regionalliga Südwest bekommt Zuwachs. Doch nicht etwa aus eigenen Reihen, sei es durch einen insolventen Zweit- oder Drittligisten oder einen zusätzlichen Aufsteiger aus einer der Oberligen, nein, man lädt eine Mannschaft aus China ein, an der Liga teilzunehmen. Nicht nur, dass uns China seit Jahrzehnten alles vor der Nase wegkopiert, was man sich vorstellen kann (zum Beispiel ganze Dörfer), nein, jetzt will man wohl auch im hintersten Asien die „Champions League des kleinen Mannes“ nachbauen. Und weil das am Besten geht, wenn man sich das mal ganz genau ansieht, schickt man ein Team, das – natürlich außer Konkurrenz – mitspielen soll.

Wo sich bisher das 19. Rad am Wagen sich mit spielfreien Wochenenden herumplagen musste (als Fan womöglich im Kreise der Familie – welch Horrorgedanke!!1!), darf man sich nun mit einem Team auf dem Niveau irgendwo zwischen Landes- und Verbandsliga messen – die „guten“ chinesischen Teams spielen sicherlich lieber um die eigene Meisterschaft mit statt um die goldene Ananas fernab der Heimat.

Um die Reisestrapazen so gering wie möglich zu halten, soll der Gast immer auswärts antreten, das heißt, man spielt als „normaler“ Regionalligist zweimal gegen dieses Team zu Hause. In einer Liga, in der viele Vereine ohnehin nicht wissen, wie sie 18 Heimspiele finanziell und organisatorisch gestemmt bekommen sollen, ist es natürlich sinnvoll, noch zwei Partien „on top“ geliefert zu bekommen. Da kann so manche Spielerfrau mal zeigen, was sie am Getränkestand kann! Einfach toll! Dafür gibt es ja auch einen Obulus von 15.000 € je Team. Da wird die Regio Südwest wohl bald die ersten internationalen Top-Transfers präsentieren, jetzt, wo der Rubel nur so

Damit nicht genug: Die Knochen mal schonen, mal eine Blessur auskurieren? Diese lästige Wettbewerbsverzerrung, weil der nächste, wichtige Gegner vergangene Woche spielfrei hatte und man selbst aber noch antreten musste? Diese Zeiten sind vorbei! Endlich kann man die körperliche Belastung mal konstant hochhalten! Und wenn der chinesische Libero Shu Zhu Eng in bester Augenthaler-Manier reihenweise die Stürmer der Gegner kaputttritt, kann das doch nur von Vorteil sein.

Mal im Ernst: Ich habe selten so eine tolle Idee Schnapsidee gehört. Das letzte Mal bei dem Vorschlag, RWE könne ja während des Stadionbaus in Oberhausen antreten. Ich hoffe ernsthaft, dass die Fanvertreter der betroffenen Vereine alle (legalen!) Register ziehen, um diese Entscheidung noch zu revidieren. Sollte es dennoch soweit kommen, hätte ich sogar Verständnis für die Boykottierung dieser Partien. Anstatt sich mal über die beschissene Aufstiegsregelung ordentliche Gedanken im Dialog mit den betroffenen Vereinen (nicht mit den Bundes- bis Drittligisten!) zu machen, denkt man sich so einen Blödsinn aus…

Obwohl: Ich finde, man könnte gleich noch ein Team aus Botswana, Fidschi, Liechtenstein und Nicaragua einladen. So könnte man quasi ganzjährig jedes Wochenende ein Spiel anbieten (bei 6 Wochen Sommer- und Winterpause). Das wäre doch toll.

Hinaus mit Applaus

Als letzter Gegner in der Liga durften sich die Nachbarn vom Kanal im Stadion Essen präsentieren. Die Voraussetzungen für die Partie waren quasi perfekt: strahlender Sonnenschein, mehr als 13.000 Zuschauer, nur sportlich ging es für beide Teams wohl nur darum, sich nicht zu verletzen. 

Und so plätscherte die Partie dann auch gute 15 Minuten vor sich hin, ohne dass ein Team eine Torchance herausspielen konnte. Dann schickte zunächst Baier mit einem feinen Pass auf die Reise, dieser versuchte jedoch, mit seinem schwachen Fuß quer zu spielen, was leider gründlich misslang. Wenig später machte es der Kapitän dann selbst vor: Er zog aus zentraler Position rechts in den Strafraum und vollendete zur Führung.

Der Jubel sollte aber nur von kurzer Dauer sein. Ecke RWO, Kopfball – Ausgleich. Wettkönig Kaya hatte wohl noch die Fußspitze dran, so dass Heller nicht mehr reagieren konnte. 

Der Rest der ersten Halbzeit plätscherte vor sich hin, wobei Oberhausen wohl etwas mehr Spielanteile hatte. 

Dafür sollte die zweite Hälfte mit einem Paukenschlag beginnen: feine Direktpass-Kombination über Windmüller, Bednarski, Malura und Platzek zum 2:1. Es schien nicht nur, als ob RWO nur den Start verpennt hätte, von da an gehörte das Spiel unserem Team. RWO schien plötzlich nervös, wieder und wieder landeten Pässe in den Füßen unserer Spieler. So auch, als sich der eingewechselte Rabihic mit Grund und Platzek in einer 3 gegen 2-Überzahl wiederfand und statt dem von allen erwarteten Pass nach außen selbst abzog, den Ball aber nicht ganz traf, damit jedoch den Keeper für einen Moment auf dem falschen Fuß erwischte – 3:1.

Wenig später gelang den Kleeblättern mit einem sehenswerten 18m-Schlenzer zwar noch der Anschluss, dann vergab Rabihic aus guter Position (er hatte wohl zu viel Zeit zum Nachdenken) das 4:2. Kurz vor Schluss geriet unser Kasten noch einmal unter arge Bedrängnis, mit vereinten Kräften konnte der erneute Ausgleich jedoch verhindert werden. Letztendlich durften die Hausherren aber zum Abschluss noch einmal einen Heimsieg bejubeln, der nach der zweiten Halbzeit wohl auch so in Ordnung ging. 

Auffällig war, dass die ordnende Hand von Baier nach dem 3:2 und dem resultierenden Oberhausener Druck fehlte. Dies war nicht zum ersten Mal diese Saison der Fall. Hier scheint also Handlungsbedarf zu herrschen. Bednarski zentral zu stellen, dafür Platzek nach außen, macht optisch auf mich einen besseren, weil gefährlicheren Eindruck. 

Eine kleine Anmerkung zum traditionellen Integrationstag: so schön es auch ist, das Stadion vollzumachen und Leute ins Stadion einzuladen, die sonst aus verschiedensten Gründen keine Möglichkeit zu einem Besuch haben – ob Spiele der Marke „Goldene Ananas“ mit entsprechender Stimmung dazu förderlich sind, Neulinge mit RWE-Fieber anzustecken – ich weiß nicht… vielleicht könnte man darüber nachdenken, dass ganze Richtung Saisonstart, vielleicht 2. Heimspiel oder so zu legen. 

Dieser Sieg gibt jedoch noch mal Selbstvertrauen, denn ein Team von „da oben“ konnte im Zaum gehalten und besiegt werden. Und das ist nicht ganz unwichtig, schliesslich gibt es abseits der Liga noch ein weiteres Heimspiel in dieser Saison. Und gegen diesen Gegner würden wir ja gerne besser aussehen als die Jungs vom Canale Grande im Halbfinale.  

„Döp Döp Döp DödöDöp Döp – ROT-WEISS-ESSEN!“

Es gibt Spiele, die sind legendär. Das 2:0 gegen die Blauen im Pokal, oder das Finale um die Deutsche Meisterschaft 1955. Dann gibt es Spiele, an die erinnert sich keine Sau mehr. Und dann gibt es Spiele, die würden eigentlich in die letztere Kategorie fallen, dann aber durch ihre eigenen Anekdoten vielleicht zumindest unter die Kategorie „weiße noch damals, gegen wen war datt noch?“ fallen. Die Partie gegen die Sportfreunde aus Siegen hat Potential zu ebenjenem.

Die Details rund ums Spiel sind an sich schnell geklärt. Das gesamte Spiel fand im Grunde immer in der Siegener Spielfeldhälfte statt. In der ersten Halbzeit erstocherte sich ein Rot-Weißer einen Querpass, scheiterte dann frei vor dem Keeper beim Versuch, den Ball auf Bednarksi querzulegen. Wenig später lenkte der Siegener Keeper einen Flachschuss von Baier/Rabihic (?) gerade noch an den Pfosten, nach einer kurz ausgeführten Ecke zwang Zeiger den Schlussmann ebenfalls zu einem guten Reflex. Auf der anderen Seite lief ein Siegener nach einem Ausrutscher im Mittelfeld von Lucas alleine auf Heller zu, der den Ball aber parieren konnte, etwa 10 Minuten vor der Halbzeit fiel dann der schmeichelhafte Führungstreffer für die Gäste nach einem Angriff über unsere linke Seite mit dem zweiten Torschuss. RWE musste sich zu diesem Zeitpunkt ankreiden lassen, die eigenen Chancen mal wieder nicht genutzt zu haben, ansonsten hatte man den Gegner eigentlich im Griff.

In der Halbzeitpause gab es dann ein Wiedersehen mit den letzten Helden, die wir hier bejubeln durften: Thamm, Lamczyk und große Teile des 2011er-Aufstiegsteams ließen sich auf dem Feld noch einmal bejubeln und erinnerten an eine „bessere“ Zeit, als die Hafenstraße auf ihre besondere Art bisher zum letzten Mal eine schier uneinnehmbare Festung darstellte.

In Halbzeit zwei ein ähnliches Bild, bis zum Sechzehner überließen die Gäste RWE den Ball, allerdings konnte unser Team über weite Strecken keine weiteren Chancen herausspielen. Es wirkte alles zu lieb, zu harmlos. Ich hatte den Eindruck, dass ein wenig mehr Emotion, etwas mehr Aggressivität auf dem Platz nicht geschadet hätte. Lediglich Malura lieferte sich ein kleineres Scharmützel in mehreren Akten mit einem Siegener, allerdings lag der Schiri hier mit seinen Entscheidungen wohl richtig. In dieser Phase komme ich auf meine Einleitung zurück, denn dieses Spiel wäre wohl nur eines von vielen gewesen, wäre da nicht die englische Groundhopper-Truppe in W3 gewesen, die mit Gesängen à la „Essen’s on fire, your defense is terrified“ (haha, wie zynisch) und „Don’t take me home… I want to stay here and drink all the beer“ zunächst ihre eigene Party feierte, dann aber mit Depeche Modes „I just can’t get enough“ einen respektablen Teil des Block zum Mitsingen (Text siehe Überschrift) animieren konnte. Meine bescheidene Meinung dazu: Das hat Potential, dauerhaft ins Repertoire „unserer“ Ecke und auch darüber hinaus aufgenommen zu werden.

Auf dem Platz gab es dann aber auch noch zwei Höhepunkte: Nach einer Ecke von Lucas wurde der Ball am kurzen Pfosten verlängert und fand den Kopf von Philipp Zeiger, der einmal wieder einen großartigen Tag erwischte und den Ball zum Ausgleich über die Linie drückte, ein paar Minuten später gab es einen feinen Pass vom mal wieder zu ballverliebten Rabihic Richtung Elferpunkt, ein Essener (Windmüller?) täuschte eine Ballannahme an, ließ den Ball aber durch, so dass Bednarski in aller Ruhe annehmen und zum 2:1 einnetzen konnte.

Der Rest des Spiels war eher Ergebnisverwaltung als Spiel auf das 3:1. Warum das so war, das kann wohl niemand ernsthaft beantworten. Wollte man endlich zum ersten Mal diese Saison den dritten Sieg in Folge holen, oder fand man einfach keine Mittel? Insgesamt war mir das rot-weisse Spiel heute zu sehr mit dem Prädikat „FSK 12“ versehen, alles viel zu harmlos. Hier und da mal eine Grätsche oder ein Rempler mehr, um auch die Ränge mitzunehmen und hinter sich zu bringen, dem Gegner auf den Füßen stehen, so etwas hätte ich mir gegen eine sportlich abstiegsgefährdete Truppe, die in den vergangenen Wochen in schöner Regelmäßigkeit die Hucke voll bekommen hat, doch sehr gewünscht.

Wie schon erwähnt Zeiger wie immer das Licht im Dunkel, Baier heute blass. Rabihic muss endlich mal lernen, den Ball rechtzeitig auf den mitgelaufenen Spieler zu spielen, anstatt siebzehn Haken zu schlagen, technisch gesehen kann er das alles doch viel besser.

Am Ende war es also der befürchtete Frühlingskick um die goldene Ananas, das gute, mollige Gefühl, gewonnen zu haben, bleibt. Ich höre mir jetzt nochmal die Best of von Depeche Mode an, vielleicht ist da noch eine andere musikalische Perle dabei.

NUR DER RWE!

Kleine Farbenlehre

„An Gründonnerstag treffen die Blauen auf Rot-Weiss Essen“, so kündigte Stadionsprecher-Legende Walter Ruege das gestrige Spiel gegen den nördlichen Nachbarn an. Ich nehme es vorweg: Obwohl wir ins Schwarze getroffen und gewonnen haben, war es trotzdem nicht das Gelbe vom Ei. Auch nicht mit rosaroter Brille. 

Nach kurzem Abtasten in den ersten fünf Minuten kam RWE besser ins Spiel und dominierte die ersten gut 20 Minuten. Königsblau kam kaum in Ballbesitz, und wenn doch, eroberte ein Essener Fuß selbigen umgehend zurück. Nach etwa 20 Minuten dann aber doch ein seltsamer Bruch im Spiel, die Gäste wurden frecher und kamen zu ersten eigenen Chancen, die aber ebenso ungefährlich verpufften wie die unseren. 
Drei Szenen waren vor der Pause noch nennenswert: erst wird Cokkosan in einer Kontersituation zentral steil geschickt, „vergisst“ aber in der 3 gegen 3 Situation kurz hinter der Mittellinie den Ball, später lässt sich Heller bei einem Rückpass so viel Zeit, dass sein Abschlag geblockt wird. Der Stürmer behielt hier zum Glück nicht die Nerven und traf nur das Außennetz. Die kurioseste Szene aber nach gut 30 Minuten: ein hoher Rückpass senkt sich gefährlich Richtung Torwinkel, so dass der Gästekeeper ihn lieber fängt – indirekter Freistoß aus 5m! Mir persönlich war die Ausführung zu unkreativ. Brauer tippte für Bednarski an, dessen Schuss aber geblockt wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass sich vielleicht ein Roter zwischen die Verteidiger gestellt hätte oder mehrere Schützen gleichzeitig angelaufen wären (z.B. für eine Vorlage per Hacke), um das Verteidigen zu erschweren. Auch zurücklegen wäre möglicherweise besser gewesen, um die vielbeinige Abwehr final zu überwinden. So aber ging es mit 0:0 in die Pause. 

Nach dem Seitenwechsel plätscherte das Spiel zunächst weiter vor sich hin, bis am Elfmeterpunkt ein Blauer den Ball zunächst in aller Seelenruhe annehmen konnte, aus der Drehung dann aber an einem tollen Reflex von Heller scheiterte. Im Gegenzug lief der zur Pause für Cokkosan eingewechselte Malura seinem Gegenspieler davon und flankte. Der Ball war deutlich zu hoch, doch Bednarski erlief ihn, setzte sich durch und spielte von der Grundlinie auf Ngankam, dessen Kopfball gehalten wurde. Den Abpraller drückte Fußballgott Platzek zur ein wenig glücklichen Führung über die Linie. 

Ab diesem Zeitpunkt lief es bei Rot-Weiss zunächst besser, plötzlich hatte der Gast Mühe, an den Ball zu kommen. In dieser Phase kann man RWE nur vorwerfen, keine weiteren Chancen herausgespielt zu haben. Daher war es extrem unnötig, dass Königsblau die letzte Viertelstunde wieder zu Chancen kam und das Zittern um den ersten Heimsieg 2017 wieder beginnen musste. In der Schlussminute stockte dann vielen Zuschauern der Atem, als Heller eine Flanke durch die Hände glitt, er den Nachschuss aber wieder prima parierte. Wenig später war dann Schluss, ein wenig Jubel hier, Applaus dort, doch die große Fröhlichkeit blieb aus, wie auch die Stimmung das ganze Spiel über eher auf Stufe „mau“ blieb. 

Man hat gestern gemerkt, wie wichtig Baier für das Team ist. Im Mittelfeld arbeiteten Brauer und Lucas zwar solide, aber es fehlte doch die ordnende Hand, jemand, der mal eine Grätsche auspackt, um die Mannschaft zu wecken. Heller muss dringend seine Aussetzer abstellen, auch wenn es gestern noch mal gut gegangen ist. Philipp Zeiger sollte mal Jogi Löw kontaktieren, falls Hummels längerfristig ausfällt – das war wieder Verteidigen auf höchstem Niveau. Trotzdem frage ich mich, warum wir unsere auf dem Papier vorhandene Offensivkraft nicht auf den Platz bekommen. 

Am Ende zählt jedoch nur das Ergebnis, und da haben wir endlich mal wieder die Nase vorn. Und wie heißt es so schön? Lieber viermal 1:0 als einmal 4:0.

Nur der RWE!

Mannmannmann…

Freitag Abend, trocken, Champions League, Flutlicht, voller Gästeblock! 

Beste Voraussetzungen also für einen guten Start ins Wochenende. Nach dem grandiosen Einzug ins Pokalfinale ging es gut gelaunt ins heimische Stadion, wo heute die Aachener Alemannia ihre Visitenkarte abgeben sollte (diese Formulierung wollte ich schon immer mal benutzen).

Die erste Hälfte war wie so oft ein Abnutzungskrieg, man neutralisierte sich im Mittelfeld weitestgehend. Platzek hatte die einzig nennenswerte Chance in Hälfte eins, schoss aber aus gut 16m knapp drüber. 

Nichtsdestotrotz hatte das Team unseres Herzens ganz leichte Feldvorteile, auf den Rängen hatte die Alemannia in der ersten Viertelstunde das sagen, dann kam auch die West langsam in Stimmung. 

RWE kam mit viel Schwung aus der Kabine und versuchte, die Aachener Halbprofis hinten einzuschnüren. Doch wie so oft, kaum denkt man, es könnte was gehen, trifft der Gegner. Im Mittelfeld wird nur halbherzig angegriffen, zwei mal steil gespielt, Schuss gehalten, aber von einer Essener Wade vor die Füße von Gödde – den hätte meine Omma auch gemacht. 

Direkt nach dem Anstoß: Ngankam wird steil geschickt, der Schuss zur Ecke geklärt. Diese wird ebenfalls abgewehrt, der Ball kommt zu Baier, der wieder viel Zeit hat, guckt und die Kugel über den Keeper ins Aachener Netz befördert. 1:1 – Déjà-Vu. Dies waren dann die gefühlt einzigen 30 Sekunden, in denen im Gästeblock Stille herrschte. 

RWE wollte nun die Entscheidung, man merkte jedoch auch, dass der Dienstag viel Kraft gekostet hat. Je näher der Abpfiff rückte, desto mehr freundete ich mich mit dem drölften Unentschieden der Saison an. Ich hätte es besser wissen sollen. 

85. Minute, langer Pass auf einen Aachener, der im 16er ungeschickt angegangen wird und fällt. Elfmeter Aachen, ausgerechnet Propheter. 1:2. Danach noch wildes Anrennen, zwei Aachener Konter, aber nichts Nennenswertes mehr. 

Ich mag mich darüber irgendwie trotzdem nicht aufregen. Die Saison ist durch, ich hoffe nur, dass die Zebras die Kanalratten besiegen und uns vorzeitig in den echten Pokal bringen. Das einzige, was mich heute richtig genervt hat, war die Aachener 8. Springt über eine Grätsche von Lucas, wälzt sich aber am Boden, als ob man ihm beide Beine gebrochen hätte. Ein paar Minuten später gewinnt Meier ein Laufduell gegen ihn auf absolut faire (!) Art, der Spinner hält sich das Gesicht. Fair Play geht anders, ein herrliches Plädoyer für den von Hecking geforderten Ehrenkodex. 

Bester Mann heute wieder Gandalf Zeiger, an dem seit Wochen kein Vorbeikommen ist. Heimann im Kasten bei beiden Toren machtlos und bis auf diese ätzenden Abstöße ins Aus auch mit solider Leistung. 

Die Atmosphäre heute sensationell, daran hatten beide Lager ihren Anteil. Wie immer also in der Champions League. Mehr als 10.000 Zuschauer vor Ort – die nächsten 8 Saisons damit finanziell gesichert – was will man mehr. 

Nächste Woche geht es gegen die kleine Borussia aus Dortmund. Ich finde es äußerst skurril, dass ausgerechnet wir einen weiteren Big Point für unsere spezielle Freundin Viktoria beisteuern könnten. Eigentlich ist so langsam mal wieder ein Sieg fällig. 

Bis dahin schau ich mir noch mal die Zusammenfassung von Dienstag an. Das Wochenende lasse ich mir nicht vermiesen.

An dieser Stelle möchte ich auch ausdrücklich nochmal auf den hervorragenden offenen Brief von Doc Welling hinweisen. Wer in meinem Beitrag Anspielungen auf Herrn Koch findet, darf sie behalten. 

Nur der RWE!

Kommentar zum Reviersport-Artikel zum Thema Begeisterung

Die Presse der Funke-Gruppe, insbesondere die Freunde von Reviersport, schrieben heute, RWE brauche „ein Team, das Begeisterung weckt“. Doch ist das wirklich so?

Den Faktor „Begeisterung“ zu messen, ist nicht so einfach, da nur wenige objektive Parameter zur Verfügung stehen. Einer dieser Parameter ist sicherlich der Zuschauerzuspruch. Fangen wir also damit an:

– Beim ersten Saisonspiel mussten wir diesmal aufwärts antreten. Den Sieg in Wiedenbrück sagen rd. 2.300 Zuschauer, darunter mit Sicherheit die Hälfte aus Essen. 

– Es folgte ein Sieg gegen Bonn zu Hause vor stattlichen 9.500 Zuschauern.

– Angespornt von zwei Siegen in Folge konnte Wuppertal mehr als 11.000 Zuschauer gegen uns verbuchen. Dieses Spiel endete nur 0:0, war relativ ereignislos und wurde wohl nur aufgrund einer Fehlentscheidung in der Nachspielzeit nicht gewonnen. 

– Es folgte das Spiel gegen Viktoria. Fürs Protokoll: vor der Partie hatten wir 7 von 9 Punkten geholt und traten nun gegen den vielleicht ärgsten Rivalen (emotional) der letzten Jahre an. Trotzdem lockte das Match nur knapp 8.100 Zuschauer ins Stadion. Resultat: 0:4. Dass das Spiel in meinen Augen besser war, als das Resultat vermuten lässt, lasse ich mal außen vor.

– das Spiel gegen Gladbach sagen danach nur noch es. 6.100 Zuschauer…

An dieser Stelle kommt bei mir bereits dritte Frage auf, ob nicht vielleicht zu wenig verziehen wird, die Ansprüche zu hoch angesiedelt sind (Stichwort „wir müssen jeden Gegner weghauen, sonst ist alles Mist!“). Zumindest bei einem signifikanten Anteil scheint dies durchaus der Fall zu sein. Im Übrigen ist dies auch immer an den Kommentaren bei Facebook und Co. abzulesen, hier wird deutlich mehr geschimpft und kaputtgeschrieben als gelobt. 

Was macht ein begeisterndes Team sonst noch aus? Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich begeistert bin, wenn die Mannschaft um jeden cm kämpft. Die langen Wege gegangen werden, wenn die Beine auch schwerer werden. Auch in diesem Punkt bin ich aber eigentlich zufrieden: an mangelndem Einsatz hat es in meinen Augen vielleicht in einer oder zwei Partien gemangelt (Fortuna auswärts z.B.), ansonsten finde ich nicht, dass man dem Team diesbezüglich viel vorwerfen kann. Klar, viele Chancen würden leichtfertig oder zu hektisch vergeben, manchmal fehlte es auch an der zündenden Idee, um ein Abwehrbollwerk zu knacken, dass Engagement war aber durchaus vorhanden. 

Typen! Ein anderer Punkt, der Begeisterung wecken kann. Jemand, der mal einen Gegner „wegflext“. Der dadurch Mitspieler und Fans wieder auf Temperatur bringt, wenn man auf dem besten Wege ist, in einen Schlummerzustand zu verfallen. Solche Typen haben wir. Baier sei hier zu nennen, Huckle, der leider im Moment etwas hinten ansteht. Auch Malura ist einer dieser fiesen Kerle, die ich in anderen Teams so hasse. Eine weitere Identifikationsfigur wäre wohl Zeiger, der aber wilde Grätschen und ruppiges Spiel wegen seines Stellungsspiels einfach nicht nötig hat. Spieler wie Grund oder Platzek identifizieren und bekennen sich seit Jahren voll zum Verein, andere könnten hier folgen. Generell sehe ich in puncto „Typen“ aber durchaus Luft nach oben. 

Der letzte Punkt, der mir spontan eingefallen ist, ist der natürlichste Grund für Begeisterung: Erfolg. Ein Team, das von Woche erfolgreich durch die Liga zieht und Sieg um Sieg erringt, erweckt Begeisterung ohne Ende. So gesehen in der legendären Saison 03/04, in der wir nach zwei knapp verpassten Aufstiegen in Folge auf bestem Wege waren, hieraus einen Dreierpack zu schnüren, dann aber nach der Winterpause kein Spiel mehr verloren (nur zwei Unentschieden?). Mit dem anhaltenden Erfolg wuchs die Hoffnung, es doch noch packen zu können, von Mal zu Mal wurde es voller im GMS, und am Ende lagen wir uns alle in den Armen. Ich behaupte, dass zwischen Begeisterung und Erfolg besteht eine Wechselwirkung. Das Eine braucht das Andere, und wenn eines von beiden ausbleibt, bricht auch das andere schnell weg. Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage ob den nun das Huhn oder das Ei, pardon, der Erfolg oder die Begeisterung zuerst da sein müsse, würde ich sagen, dass zu Beginn jeder Saison ein gewisser Vorschuss an Begeisterung durchaus gegeben ist. Quasi als Starthilfe für das rot-weisse Perpetuum Mobile. Leider sind es diese verdammten Niederlagen, die viel zu schnell Sand ins Getriebe bringen. 

Die Kunst ist es, die Stimmung rund um den Verein mit entsprechenden Erfolgen hochzuhalten. Leider hat das Essener Publikum eine Tendenz zum Fatalismus, hier herrscht schon beinahe traditionell statt „Jetzt erst recht“ eher „das wird wieder nix“. Ob dies ausreicht, dem Team die Begeisterungsfähigkeit abzusprechen, muss jeder für sich entscheiden. Einem Blatt, dass sich wie die Fahne im Wind immer wieder dreht, traue ich persönlich aber kein objektives Urteil dazu zu.

(Besucherzahlen lt. Reviersport)