Willkommen in Absurdistan

Noch ist es ein unbestätigtes Gerücht, aber die Vorzeichen scheinen ja gegeben zu sein, dass man verbandsseitig nun die Saison zu einem vorzeitigen Ende bringen will. Verl soll also hoch, aber keine Mannschaft absteigen. Geht’s noch?

Dass der sonst eher besonnene Marcus Uhlig in einem ziemlich harten Ton bei Facebook öffentlich Stellung zu einem eigentlich internen, aber offenbar von irgendwoher nach außen gebrachten Thema bezieht, zeigt, wie groß die Enttäuschung über die Vorgehensweise des Verbandes ist. Da werden am Tage vor einer Telefonkonferenz alle Vereine abtelefoniert, um ein Stimmungsbild zur Option Saisonabbruch zu bekommen – warum fragt man das nicht in der Telko ab? Ich kenne das so, dass man die Punkte einer solchen Zusammenkunft vorab als Agenda an alle Teilnehmer schickt, sodass diese sich über ihren Standpunkt intern beratschlagen können.

Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass der Verband – ob mit oder ohne Abstimmung – „entscheiden“ darf, wer austeigt – hier hat sicher auch der NO-Verband noch ein Mitspracherecht: Wer fordert, dass Verl für die bisher gespielten Spiele belohnt werden soll, muss im Gegenzug auch dafür sorgen, dass die Absteiger mit der selben Konsequenz behandelt werden. Lippstadt, Homberg, Bergisch Gladbach und Wattenscheid haben dann den Weg in die Oberliga anzutreten. Punkt!

Stichwort Wattenscheid: Sollte die SG tatsächlich nicht zwangsabgestiegen werden, so müssten konsequenterweise auch diese Spiele wieder gewertet werden. Dann – hoppla – stünde RWE plötzlich vor dem SC Verl, denn RWE hat bekanntlich das Heimspiel gegen die Nachbarn gewonnen, Verl dort die einzige Saisonniederlage bisher kassiert.

Zudem spielt der Spielplan Verl in die Karten, muss man doch noch gegen die drei „auf dem Papier“ stärksten Teams aus Oberhausen, Rödinghausen und eben unseren RWE ran. Soll es da etwa fair sein, die bereits gespielten Partien zu werten, die offenen aber außen vor zu lassen? Was, wenn Verl da keine Punkte mehr holt, die genannten Kontrahenten (ohne Rödinghausen natürlich) aber jeweils dreifach punktet?

Die Farce rund um die Verler Partie gegen Rödinghausen, die „plötzlich“ (nochmal hoppla) wegen Unbespielbarkeit des Platzes verschoben werden musste, bekommt hiermit ebenfalls einen miesen Beigeschmack. Vermutlich noch mieser als der in den Mündern der Verler Spieler nach dem DFB-Pokalspiel kurz vorher, den sie dann – sicher ohne Alkohol *zwinkerzwinker* – gefeiert haben.

Übrigens: Bezüglich der Platzsperrung empfehle ich auch den Beitrag von Jawattdenn: https://www.jawattdenn.de/jawattdenn/ich-sach-ma/platzbesichtigung-verl.html

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Ein Abbruch der Saison bleibt unfair, wenn man nicht allen Teams, die a) rechnerisch noch eine Möglichkeit haben und b) die Lizenz für die Dritte Liga auch beantragt haben durch Aufstockung der Liga den Aufstieg ermöglichen würde.

Natürlich wird RWE es nicht einfach haben, sich mit einem noch unbekannten Partner gegen 16 andere Teams durchzusetzen – falls das überhaupt möglich ist. Ich behaupte aber, dass alle juristisch denkbaren Optionen gezogen werden, sollte es zu dem angekündigten Beschluss kommen. Vermutlich wissen wir alle am späten Nachmittag mehr.

28. Spieltag – Bonner SC – RWE

Nur wenige Tage nach dem schlimmen Match bei der TuS Haltern musste RWE erneut ran und hatte die Chance, die Leistung vergessen zu lassen.

Christian Titz wirbelte die Startaufstellung ziemlich durcheinander: Grund und Heber waren wieder gesund und konnten auflaufen, ausserdem starteten Dahmani als Mittelstürmer, Futkeu rechts aussen und Pronichev mit Condé auf der “8“. Dorow, Platzek, Erwig-Drüppel, Neuwirt und Kefkir mussten auf die Bank, Zeiger war gar nicht erst im Kader.

Das rot-weisse Team versuchte von Anfang ab, das Spiel an sich zu reißen, was aufgrund der widrigen Platzverhältnisse – irgendwas zwischen Sumpf und gerade noch bespielbar – gar nicht einfach war. Zu häufig sprang der Ball unmittelbar vor dem Pass noch einmal seltsam hoch oder der Pass geriet unerreichbar, weil er nach dem Aussetzen “wegglitschte“. Dadurch spielte sich das Geschehen größtenteils im Mittelfeld ab, wo Condé und auch Pronichev immer wieder versuchten, per Doppelpass oder kurze Dribblings Räume zu schaffen.

Nach gut zwanzig Minuten war dann ein langer Pass aus der Essener Abwehr, der die erste richtige Chance des Spiels einleitete: Missverständnis zwischen Bonner Innenverteidiger und Torwart, Dahmani hatte darauf spekuliert und ist mit der Fußspitze am Ball, kann zurücklegen auf Endres, der wiederum das Auge für den mitgelaufenen Futkeu hat, und der Siebzehnjährige hat kein Problem, den Ball völlig freistehend zu seinem ersten Treffer in der Regionalliga einzuschieben.

Bonn schüttelte sich kurz und kam nur wenige Momente später selbst zur ersten Chance, der ohnehin im Abseits befindliche Stürmer Kino konnte die Flanke auf den langen Pfosten jedoch knapp nicht erreichen. Es sollte die einzige Bonner Chance ersten Hälfte bleiben, zu stabil stand RWE in der Verteidigung. Mit der knappen, aber nicht unverdienten Führung ging es in die Pause.

Es kam, wie es irgendwie auch kommen musste: Obwohl von Bonner Seite kein einziger Schuss gefährlich aufs Tor gebracht wurde, konnte kurz nach dem Wechsel ein Eckball per Bogenlampe ins Tor zum schmeichelhaften Ausgleich verlängert werden. Dieser Treffer gab den Gastgebern etwas Rückenwind. Golz konnte sich nach einem 30m-Strahl mir einer Glanzparade auszeichnen und breites damit einmal mehr, dass er zurecht aktuell die Nummer eins im Essener Kasten ist.

Titz reagierte nun und brachte Kefkir für Futkeu, der für viel Wirbel auf seiner Seite gesorgt hatte. Wie wichtig dieser Wechsel war, sollte sich nur wenige Momente später zeigen.

Kefkir war an der Seitenlinie gefoult worden und brachte den selbst herein. Ob Kehl-Gomez den Kopfball am langen Pfosten nicht richtig getroffen hat oder ob er den Ball Hahn ablegen wollte, kann ich nicht sagen, letzterer traf die Kugel jedoch aus gut sechs Metern satt und stellte damit die Führung wieder her.

Titz brachte nun – zugegebenermaßen zu meiner Überraschung – den vor einigen Wochen als aussortiert geltenden Erwig-Drüppel für Endres. Man sieht, dass Titz seine Aussage, man werde jeden Spieler noch brauchen, genau so auch gemeint hat.

Dann der nächste Auftritt von Kefkir: erneuter Freistoß aus dem Halbfeld, diesmal wirft sich Heber im die Flugbahn und köpft zum vorentscheidenden 3:1 ein.

Damit war die Messe natürlich gelesen. RWE konnte zwar noch ein paar kleinere Chancen herausspielen, konnte diese aber nicht mehr nutzen.

Somit stehen sieben Punkte aus der englischen Woche zu Buche. Eigentlich ordentlich, angesichts des Auftritts in der Lohrheide aber ärgerlich, es hören gut neun Punkte sein können.

In dieser Partie habe ich wie bereits erwähnt Pronichev und Condé sehr stark gesehen, Dahmani strahlt derzeit Selbstvertrauen aus und wirkt körperlich stärker als Platzek, der kurz vor Schluss eingewechselt wurde und beinahe noch einen Treffer erzielt hätte. Man hat zudem gesehen, dass am Verbund Heber, Hahn, Grund kein Weg vorbeiführt. Auch Kehl-Gomez gewohnt aktiv.

Aufgrund der erneuten Absage in Verl ist RWE auf zwei Punkte herangerückt, hat aber auch zwei Spiele mehr absolviert. Positiv jedoch: da das Saisonende immer näher rückt, werden für Verl einige englische Wochen anstehen, beginnend nach dem kommenden Wochenende, wenn man zu Hause erst gegen RWO, dann gegen RWE antreten muss. Es bleibt abzuwarten, ob die Partien bei dem Wetter überhaupt stattfinden können, und ob dann auch Zuschauer dabei sein dürfen, steht auf einem anderen Blatt – Corona lässt grüßen.

RWO hat unter der Woche das Pokalaus hinnehmen müssen und konnte auch gegen Aachen nicht gewinnen. Hier wird sich zeigen, ob die Nachbarn nochmal eingreifen können.

Ob das Spiel gegen Königsblau am kommenden Samstag vielleicht auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden muss, wird wohl ebenfalls bald entschieden. Aber egal, ob mit oder ohne Zuschauer: der Traum lebt weiter!

NIEMALS AUFGEBEN!

Nur der RWE!

19. Spieltag – TuS Haltern – RWE

Es könnte alles so schön sein: RWE spielt gegen einen Gegner im Abstiegskampf, dominiert diesen über 90+x Minuten nach Belieben und fährt einen hochverdienten, ungefährdeten Sieg ein. Aber nein. Stattdessen darf ich immer wieder mich über vergebene Chancen – tabellarisch! – hier auslassen.

Zum Spiel selbst ist genug geschrieben worden in den letzten Tagen. Daher führe ich hier nicht mehr die einzelnen Szenen auf, die das Spiel geprägt haben.

Was mich aber total wurmt, ist die Frage nach dem WARUM. Warum konnte die Mannschaft nicht mal ansatzweise (na ja, bis auf die letzten 10 Minuten, als Haltern platt war) diese Dominanz aufziehen, die sie gegen Lippstadt noch in der zweiten Hälfte zeigte? Die Gründe dafür sind meiner Meinung nach relativ leicht zu identifizieren.

1. Die Aufstellung

Aufgrund der krankheits- und verletzungsbedingten Ausfälle von Heber, Sauerland und Grund wurde die Abwehr ziemlich durcheinander gewirbelt. Dass Neuwirt für Grund gestartet ist, kann ich angesichts seiner guten Performance bei der gleichzeitig durchwachsenen Leistung von Matuwila gegen Lippstadt noch ziemlich gut nachvollziehen. Warum aber nicht Matuwila statt Zeiger. So sympathisch Philipp Zeiger mir immer war, gegen Haltern konnte man aber sehr gut erkennen, warum er nicht (mehr) zur ersten Reihe gehört: mangelnde Schnelligkeit, Fehler im Stellungsspiel (mindestens zweimal per Defensiv-Kopfball den Ball zum Stürmer verlängert), unpräzises Passspiel nach vorne. Seine Auswechslung zur Pause war dringend notwendig, um hinten wieder stabiler zu werden. Hinzu Erwig-Drüppel, der erstmals diese Saison in der Liga zum Einsatz kam, seine Sache zwar ordentlich, aber nicht mit der Dynamik eines Sauerland erfüllte. Dadurch war die rechte Defensivseite in der ersten Halbzeit immer wieder der Hebel, den Haltern zum Kontern ansetzte.

2. Die Konteranfälligkeit

Auch nach dem Seitenwechsel war RWE immer wieder konteranfällig. In gleich zwei Situationen konnte Haltern bei Freistoß RWE vor dem gegnerischen Sechzehner (sic!) innerhalb weniger Sekunden das Spielfeld komplett überqueren, beide Male war Golz zur Stelle (einmal tropfte dabei der Ball auf die Latte), ein weiterer Pfostentreffer sowie ein zurückgenommener Elfer für Haltern nach schnellen Kontern zeigen, dass hier deutlicher Verbesserungsbedarf besteht. Auch in den vergangenen Spielen konnte der Gegner immer wieder Treffer nach Kontern erzielen.

3. Die mangelhafte Chancenverwertung

Ja, der Gegner steht oft mit acht, neun, zehn Mann im eigenen Sechzehner, wir haben demnach nicht viele Chancen. Aber dann muss die bitteschön auch mal jemand nutzen. Dahmani gehörte zwar in meinen Augen gegen Haltern zu den Lichtblicken, aber aus sechs Metern den Ball ins Seitenaus schießen, ist schon ein Kunststück. Ich erwarte, dass in solchen Positionen wenigstens in höchster Not geklärt werden kann, dass der Keeper sich strecken muss oder sonstwas. Aber so ein Ball MUSS aufs Tor gehen. Pronichev macht in dieser Beziehung gerade vieles richtig, indem er auch mal draufhält und sich so halt auch sein Glück erarbeitet.

4. Der Gegner

Haltern hat sich über die Zeit gerettet. Spätestens ab der 70. Minute ging man auf dem Zahnfleisch und hat mit allen Mitteln (Balljungs dazu anhalten, die Bälle langsamer herauszugeben, Foulspiel unter Inkaufnahme einer gelben Karte bei Gegenstößen) gearbeitet. Kann man gut finden oder auch nicht, ist aber so. Mehrfach gehört: „gegen so nen Dorfverein wie Haltern holen wir nur einen Punkt!“ Ja, stimmt. Aber leider können die auch kicken und haben ein paar Routiniers in ihren Reihen.

5. Die eigene Nervosität

Nach dem Rückstand ging bei unserer Mannschaft nicht mehr viel. Viele Fehlpässe oder Zuspiele, die aufgrund ihrer Schärfe einige Meter vom Empfänger abprallten, Missverständnisse in Laufwegen (vermutlich teils der Aufstellung geschuldet)… In der ersten Stunde konnte man nur Golz, Hahn und Kehl-Gomez so etwas wie Normalform attestieren, das war ansonsten zu wenig für ein Team mit Ambitionen nach oben.

Den Schiri kann man diesmal wirklich nicht kritisieren. Hat er zu Beginn noch einiges durchgehen lassen, so griff er im weiteren Spielverlauf ordentlich durch, zeigte Gelb für eine Schwalbe eines Halterners im Sechzehner, Gelb für zwei, drei Mal Zeitspiel und war sich nicht zu fein, sich bei seiner Elfmeter-Entscheidung vom Assistenten überstimmen zu lassen – letzteres gibt es nicht allzu oft.

Was bleibt nun an positiven Dingen mitzunehmen? Wir haben nicht verloren und uns den Punkt (hart) erarbeitet. Futkeu ein absoluter Lichtblick vorne rechts, war nach seiner Einwechslung einer der stärksten Essener, vielleicht etwas unglücklich mit dem letzten Pass. Dahmani hat endlich Präsenz auf dem Platz, vielleicht tat ihm der Treffer gegen Lippstadt wirklich gut. Viel mehr fällt mir momentan leider nicht ein.

Abschließen möchte ich meine kurze Analyse mit einer Bemerkung zur Organisation: Die Kommunikation mit der Mitarbeiterin der TuS war wirklich sehr angenehm und unbürokratisch, daher hat mich überrascht, welches Sicherheitsaufgebot und welche Maßnahmen vor Ort getroffen wurden. Dass mir – trotz Presseakkreditierung und Mail mit deren Bestätigung nicht gestattet wurde, von der Haupttribüne zum Pressebereich zu gehen („Wo ist denn dein Presseausweis?“ – „Hab ich nicht, ich bin als Blogger akkreditiert!“ – „Dann gibt es hier kein Durchkommen, dann musst du aus dem Stadion raus und außen rum!“), empfinde ich als eine Frechheit – für die der Verein freilich nichts kann. Die Spitzen der Offiziellen (nach der beinahe „verunglückten“ Auswechslung drehte sich der junge Mann mit der Auswechslungs-Anzeigetafel auffällig deutlich Richtung Essener Block, Durchsage nach dem Spiel, man habe eine großartige Partie beider Mannschaften gesehen) hätte man sich aber sparen können. Da nützt auch „Adiole“ vor dem Spiel nichts, sorry. Ich denke aber, die TuS Haltern kann auch organisatorisch hier noch einiges lernen.

Leider sind hier zwei Punkte meiner Prognose ausgeblieben. Der Puffer wird kleiner, die Spiele weniger. Es bleibt zu hoffen, dass der SC Verl tatsächlich noch eine Schwächeperiode hinlegt, die wir dann nutzen können. Das Spiel gegen die Kölner Fortuna heute Abend ist abgesagt, vermutlich damit eine weitere englische Woche für die Ostwestfalen. Wir müssen (!!!) in Bonn gewinnen, alles andere kann man wohl nicht mehr verkaufen. In Oberhausen rechnet man schon wieder, ob man wie immer vor RWE landen wird – wenn man sonst nichts (z.B. die nächste Pokalrunde) hat…

Für uns zählt noch immer dasselbe Motto wie zu Saisonbeginn:

NIEMALS AUFGEBEN!

Hier noch ein paar Fotos, aus technischen Gründen ist die Ausbeute etwas mager ausgefallen: