Blasse Nullnummer

Fröhlichen Palmsonntag allerseits. Nachdem mich gestern die Kälte im Stadion so genervt hat, dass ich an akuter Couchitis erkrankt war, reiche ich hiermit meinen kleinen Bericht zur gestrigen Partie nach.

„Klein“ deshalb, weil es eine Partie ohne wirkliche Höhepunkte war. Im Fernsehen würde man vielleicht von einem taktischen Leckerbissen sprechen, für den geneigten Stadionbesucher war dies aber sicher kein Spiel, von dem man auch nur in einer Woche noch reden wird.

Die Vorzeichen ließen eigentlich nichts Gutes erwarten: RWE mit langer, langer Verletztenliste (u.a. Wegner und Zeiger mit Saisonaus, bei Freiberger noch unklar, Grund verletzt), immerhin konnte Scepanik mit rot-weisser „Badekappe“ spielen und auch Erwig-Drüppel nahm zunächst auf der Bank wieder Platz. Zudem hatte RWE im Hinspiel eine derbe 0:5-Packung (gegen Rode, Kagawa und Isak) bekommen, in der Winterpause kam ein 0:4 in einem Testspiel ohne Profi-Unterstützung hinzu).

Insgesamt war es von unserer Mannschaft gar nicht mal eine schlechte Partie. Die Abwehr um Korczowski, Becker und Heber strahlte eine absolute Souveränität aus und ließ während des gesamten Spiels nicht einen einzigen gefährlichen Schuss aufs Tor zu. Doch nach vorne fehlten jedoch die Akzente. Zu viele Zweikämpfe im Mittelfeld wurden verloren, und wenn nicht, dann landete der „zweite“ Ball in schöner Regelmäßigkeit doch wieder bei einem Borussen. Die Dortmunder hatten gefühlt etwa 75% Ballbesitz, der sich aber zu großen Teilen auf Torwart, Innen- und Außenverteidigern verteilte, wo der Ball immer wieder von links nach rechts und wieder zurück gespielt wurde. Offensivbemühungen sehen anders aus.

Kurz vor der Halbzeitpause dann aber DIE Gelegenheit für RWE: Ballverlust BVB, Platzek schaltet schnell und schickt Wirtz über rechts, der freie Bahn vor sich hat. Querpass auf Baier (vielleicht ein kleines bisschen zu steil), der in der Mitte von Konaté am Schuss wird. Elfmeterreif? Vielleicht – ich würde mich aber eher auf „nein“ festlegen.

In der zweiten Hälfte dann (leider) dasselbe Bild: BVB mit viel Rückpass-Geschwumse, RWE ohne den letzten Biss (okay, vermutlich wäre man ob der Dortmunder Ballsicherheit nur vergeblich hinterhergerannt). Torraumszenen? Weitestgehend Mangelware. Bis zur Nachspielzeit (!): Erneut ist Wirtz durch, spielt fast von der Grundlinie einen feinen Querpass auf den mittlerweile eingewechselten Erwig-Drüppel, der verdeckt aufs Tor schlenzt, in Oelschlägel jedoch seinen Meister findet. Der Abpraller landet bei Urban, der den Ball noch annehmen kann, den Nachschuss dann aber deutlich über den Kasten setzt – das wäre ein tolles Geburtstagsgeschenk gewesen.

So jedoch blieb es beim insgesamt gerechten (ich mag nicht vom „verdienten“ reden) Unentschieden. Gegen einen starken Gegner (alle BVB-Spieler haben für die Liga ein Top-Niveau, sonst würden sie ja in Wuppertal spielen) keinen Torschuss zugelassen, trotz deutlich weniger Ballbesitz die besseren Chancen erarbeitet – „immerhin nicht verloren“ (RevierSport) halte ich da für zu wenig. Es müsste eher „leider nicht gewonnen“ heißen.

Mann der Partie für mich Daniel Heber, der den Dortmunder Torjäger Boyamba völlig abgemeldet hat und sich in keiner Situation auf einen unnötigen Befreiungsschlag einließ.

Für RWE geht es nun am Ostersonntag zur Viktoria nach Köln. Mein Horrorszenario: Wir gewinnen in Köln, verlieren in Oberhausen und tragen so dazu bei, dass RWO… Nein! Darüber mag ich nicht nachdenken!

Wie gewonnen, so zerronnen

Nach dem beeindruckenden Auftritt gegen Lippstadt bin ich heute durchaus zuversichtlich zur Hafenstraße gefahren, um die Partie gegen den SC Verl zu verfolgen. Meine Erwartung war, dass die Rot-Weissen die hohe Dynamik und das tolle Zweikampfverhalten erneut aufziehen würden, um dem Dauer-Rivalen aus Ostwestfalen schnell die Zähne zu ziehen. Weit gefehlt, wie sich herausstellen sollte.

In Halbzeit eins konnte man zumindest behaupten, dass RWE das Spiel unter Kontrolle hat. Ein Distanzschuss von Verl, das war’s. Leider aber auch auf unserer Seite keinerlei Torgefahr, dafür mehr Ballbesitz, der sich aber im Wesentlichen auf die eigene Abwehr beschränkte. Zwischen Korczowski – heute erstmals für RWE im Einsatz, Tomiak, Zeiger und Heller rotierte der Ball nach Belieben, nach vorne lief insofern nicht viel zusammen, als dass die Gäste geschickt die Laufwege zustellten und vor allem das Dreigestirn Grund, Baier, Brauer aggressiv anliefen. Das Fehlen von Bichler (im Abschlusstraining verletzt) konnte weitestgehend von Heber kompensiert werden, doch so richtiger Druck auf das Tor der Verler sollte nicht entstehen. Also ging es nach einer ereignislosen ersten Halbzeit ohne Nachspielzeit pünktlich in die Pause.

Nach dem Wechsel blieb Baier in der Kabine (keine Ahnung, warum, das kann eigentlich leider nur verletzungsbedingt sein), für ihn kam Lucas. Am Spiel sollte sich zunächst aber nicht viel ändern. Weiterhin war die Partie von beiden Teams von Fehlpässen und Bällen ins Aus geprägt. In der 71. Minute kam es dann, wie es kommen musste: Ecke Verl, kurz ausgeführt, Flanke – drin. 0:1, quasi aus dem Nichts.

Im direkten Gegenzug konnte RWE zunächst eine Ecke und kurz danach einen Freistoß (beide ohne Torgefahr) herausholen. Und als Trainer Neitzel dann auch noch Platzek aufs Feld brachte, waren die Signale endgültig auf totale Offensive gestellt.

Knapp 10 Minuten vor dem Spielende fiel der ansonsten unauffällige Schiedsrichter jedoch auf eine in meinen Augen ziemlich dreiste Verler Schwalbe herein: der Spieler legt sich den Ball viel zu weit vor, Korczowski bleibt sogar stehen, trotzdem fällt der Gegner – Elfmeter! Zwar war Heller noch in der richtigen Ecke, den Einschlag konnte er jedoch nicht verhindern.

Trotz einem angedeuteten Aufbäumen konnte RWE den Anschluss nicht mehr herstellen, so bleibt also wieder mal die Frage: Warum nicht immer so wie in Lippstadt? Das war heute quer durch alle Mannschaftsteile nichts. Ich will keinen Spieler negativ herausstellen, aber weder die Abwehr (unendlich viele Fehlpässe oder unbedrängtes Klären ins Aus, kein Spielaufbau), Mittelfeld (zu wenig Balleroberungen (Bemühen durchaus da, aber da muss mehr kommen), kaum Pässe in die Spitze), noch der Angriff (Torchancen quasi nicht vorhanden, oft zu hektisch) konnten mich heute ansatzweise begeistern.

Trotzdem möchte ich Korczowski für seine gute Leistung loben. Gerne öfter – am Elfer war er meiner Meinung nach unschuldig (s.o., machste nix).

Die Pfiffe von der West, die sich die Mannschaft nach Abpfiff eingefangen hat, kann ich nur zum Teil nachvollziehen. Ja, das Spiel war Mist. Und ja, das war nicht das erste schlechte Match dieser Saison. Aber zum Einen haben wir noch letzte Saison gesehen, wie es auch gehen kann, zum Anderen hat man auch gemerkt, dass heute einfach nichts zusammenlief. Solche Tage gibt es halt. Und dann ist da ja auch noch ein Gegner auf dem Platz.

Es bleibt also dabei, dass der SC Verl einer dieser Gegner bleibt, gegen die ich noch nie ein gutes Spiel gesehen habe. Woran es heute wirklich lag, müssen andere letztendlich analysieren. Ich hoffe nur, dass Bichler nicht längerfristig ausfällt, denn uns gehen schon wieder die Alternativen aus. Sollte sich auch Baier ernsthaft verletzt haben, so stehen wir bei der kommenden Partie in Straelen durchaus vor einer größeren Aufgabe, als uns Recht sein kann.

Warum nicht immer so?

Eines vorweg: Ich bin froh, die Rückfahrt durch übelste Sturmwehen, Starkregen und Hagel, vorbei an umgestürzten Bäumen und verunfallten PKWs problemlos überstanden zu haben und hoffe, alle, die heute den Weg nach OWL auf sich genommen haben, sind ebenso unbeschadet zurück.

Die Strapazen heute wurden jedoch durch ein überragendes Spiel unserer Mannschaft belohnt. Selten gab es so wenig zu meckern und gleichzeitig so viel zu bejubeln wie heute.

Trainer Neitzel stellte mit Tomiak für den gesperrten Zeiger einen Youngster in die Innenverteidigung, zog Scepanik für den verletzten Erwig-Drüppel nach vorne (dafür Urban links hinten), Bichler durfte rechts wieder ran und Kevin Grund durfte seine Qualitäten als Spielmacher beweisen. Und diese Maßnahmen sollten früh Wirkung zeigen: Nach einer zu kurz geklärten Ecke landete der Ball im Lauf von Baier, der stramm unten rechts einnetzte! Die frühe Führung nach nur sieben Minuten.

Wo man beim letzten Auftritt in Bonn nach eigener Führung begann, sich zurückzuziehen, zeigte RWE nun die volle Qualität, die in diesem Team eigentlich steckt: Bei gegnerischem Ballbesitz wurde der ballführende Spieler umgehend angelaufen und die Passwege so zugestellt, dass lediglich Quer- oder Rückpässe in der Abwehr möglich waren oder mit Langholz gearbeitet werden musste. So erzwang man immer wieder Fehlpässe oder erlief Bälle, um dann selbst in den Angriff zu gelangen. Das war Pressing vom Allerfeinsten. Der heute (im positiven Sinne) ungewohnt aggressiv spielende Grund konnte dabei immer wieder mit gutem Auge Pässe in die Spitze (bzw. auf außen) spielen und gefährliche Situationen einleiten. Wegner erzwang immer wieder Ballverluste im gegnerischen Aufbau und auch Wirtz konnte immer wieder gut angespielt werden, bekam dabei aber auffällig oft auf die Knochen, ohne dass dies vom Schiedsrichter geahndet worden wäre. Baier heute mega-präsent, immer wieder mit gutem Körpereinsatz im Bereich des Erlaubten.

RWE war also in allen Belangen überlegen und erkämpfte sich eine große Anzahl an Eckbällen. Eine eigentlich verunglückte Ecke von Baier landete dank Luftloch kurz vor der Pause bei Tomiak, der sich selbst mit dem 2:0 für die souveräne Gesamtleistung heute belohnte. Mit dieser Führung ging es dann auch in die Pause, die gleichzeitig auch den Startschuss für ein aufziehendes Unwetter darstellte. Hagel, starke Böen, prasselnder Regen – das volle Programm. Doch das sollte nichts am Spiel unserer Mannschaft ändern. Weiterhin wurde der Gegner aktiv angegangen, das Aufbauspiel unterbunden und immer wieder gute Situationen herausgespielt.

Kurz nach dem Wechsel flankte dann Grund von rechts auf Scepanik, dessen Volleyschuss am Pfosten landete und dann parallel zur Linie rollte, wo am anderen Ende Enzo Wirtz keine Mühe hatte, den Ball über selbige zu drücken und den 3:0-Endstand herzustellen. Der Rest des Spieles war „Ertragen des Wetters“ bei weiterhin kontrollierter Offensive – so ließ es sich dann doch ertragen. Kurz vor Schluss nagelte Scepanik noch einen Freistoß an die Querlatte, den Nachschuss von Tomiak, der möglicherweise eingeschlagen wäre, lenkte der im Abseits stehende Platzek ins Tor, so dass diesem die Anerkennung zurecht verwehrt wurde.

Spieler des Tages heute für mich Kevin Grund, der auf der Spielmacherposition einfach eine Bombe ist. Der Rest des Teams knapp dahinter, da es quasi keine Ausfälle gab. Lediglich Lucas konnte nach seiner Einwechslung Grund nicht ansatzweise ersetzen (bitte nicht als Bashing verstehen, es fehlte aber die oben erwähnte Aggressivität). Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt heute, dann vielleicht, dass aus „gefühlt 35 Ecken“ (Zitat D. Berlinski) nur zwei Tore gelungen sind. Das ist aber ob der Gesamtleistung eher Jammern auf hohem Niveau.

Getrübt wurde das Spiel jedoch durch die verletzungsbedingte Auswechslung von Urban in der ersten Halbzeit. Ich wünsche an dieser Stelle gute Besserung!

Ich würde mir wünschen, dieses Gesicht der Rot-Weissen deutlich öfter zu sehen. Da wurde einander angespornt, dem Gegner ein paar „nette“ Worte auf den Weg gegeben, da wurde gedoppelt, wo es nötig war, da war das Auge für den besser platzierten Nebenmann (okay, ein, zwei Situationen hätte man da durchaus besser lösen können).

Zudem hoffe ich, dass meine Premiere als „echtes“ Mitglied im Kommentatorenteam von Radio Hafenstraße gut bei euch angekommen ist. Wir hatten leider (mal wieder) technische Probleme, die vermutlich durch ein defektes Kabel bedingt sind. Das werde ich kurzfristig testen und dann hoffentlich dauerhaft lösen können. Anregungen und Kritik zum Kommentar nehme ich gerne entgegen. Beim nächsten dicken Schauer nehmen wir dann aber doch die Mehrfach-Steckdose (die der SVL kurzfristig aus dem VIP nach außen gelegt hat) aus der Pfütze. Bereits kommenden Freitag werde ich wieder kommentieren, Gegner an der Hafenstraße ist dann der SC Verl.

Solider Auftakt ins Jahr 2019

Frühlingswetter mit Sonnenschein und endlich wieder Fußball, was könnte es Schöneres geben? Ganz klar, einen Heimsieg.

Die Vorzeichen vor dem Spiel gegen den TV Herkenrath, Aufsteiger und Tabellenletzter, waren klar. Während der Gast gleich 17 Spieler abgegeben hat, konnte RWE das Team mit drei Neuzugängen (bei Abgang von Pröger) noch aufwerten. Alles andere als ein Sieg wäre eine deutliche Überraschung.

Die erste Hälfte war zäh anzusehen, der TVH zog sich zurück und überließ RWE weitestgehend Ball und Spielkontrolle, konnte aber kein einziges Mal einen gefährlichen Konter ansetzen, da die Verteidigung mit Zeiger, Becker, Heber und dem immer wieder rückwärts arbeitenden Scepanik hervorragende Arbeit leistete. Da der Gast sich aber immer wieder mit dem kompletten Team am eigenen Strafraum versammelte, ergaben sich leider für RWE kaum Chancen, selbst offensive Aktionen anzusetzen. Trotzdem ergaben sich für Wegner gleich drei Kopfballchancen, bei denen er den Ball jedoch jeweils am langen Pfosten vorbeisetzte. Die beste Chance hatte in Halbzeit eins Florian Bichler, dessen Kopfball in letzter Sekunde noch zur Ecke abgefälscht wurde. Das Team wurde jedoch mit einem relativ heftigen Pfeifkonzert in die Pause verabschiedet.

Nach dem Wechsel ein ähnliches Bild: RWE hatte Ball und Spiel im Griff, der Unterschied jedoch war, dass man nun versuchte, mehr Körperlichkeit ins Spiel zu bringen und den Gegner bei dessen Ballbesitz unter Druck zu setzen, was mehr und mehr gelang. Nach etwas mehr als einer Stunde wurde das größere Engagement dann endlich belohnt: Scepanik flankt von außen, Wirtz haut sich in bester Stürmer-Manier per Flugkopfball hinein und vollstreckt ins lange Eck.

Nun hätte man erwarten sollen, dass Herkenrath, um noch etwas von der Hafenstraße mitzunehmen, endlich etwas offensiver agiert. Doch Offensivaktionen der Gäste blieben quasi aus. Stattdessen gab es gute zehn Minuten vor dem Schluss die Vorentscheidung: Max Wegner erahnt einen zu kurzen Rückpass, läuft alleine auf den Keeper zu und netzt bei seiner Premiere zum insgesamt verdienten 2:0-Endstand.

Spieler des Spiels für mich Scepanik als permanenter Aktivposten, sowie Nico Lucas, der nicht nur ein paar feine Pässe spielte, sondern auch permanent im Mittelfeld seine Mitspieler koordinierte und ihnen auch mal deutlich machte, was er von einigen misslungenen Aktionen hielt.

Ein Traum natürlich, dass Wegner direkt im ersten Spiel trifft, das wird ihm hoffentlich gut tun. Wegner ist, soviel sei gesagt, eine Art „Platzeck als Kante“, bisschen breiter und vom Eindruck her auch größer, kann körperlich in so mancher Situation sicherlich eher mal dagegen halten. Auffällig auch, dass er sich immer wieder hinter das Sturmzentrum fallen ließ, um sich dort Bälle abzuholen und diese weiterzuverteilen. Er könnte ein wichtiger Spieler werden.

Zudem wurde heute die angekündigte Nostalgie-Anzeigetafel eingeweiht, die mir ehrlich gesagt ziemlich gut gefällt.

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Am Ende bleibt also ein verdienter Sieg in einem nicht guten Spiel, der unseren geschundenen rot-weissen Seelen aber sicher gut tun wird. Bereits kommenden Freitag geht es für RWE nach Bonn, dort gilt es, zu einer neuen Serie anzusetzen.

Ausgeprögert

Ich weiß es noch ganz genau: Es war der 30.07.2017 (okay, DAS habe ich nachgeguckt), die Sonne brannte, in der benachbarten Westfalenhalle fand der Bundeskongress der Zeugen Jehovas statt. Im Stadion Rote Erde in Dortmund jedoch sollte ein Spieler sich mit seinem ersten Pflichtspiel tief in die Herzen vieler RWE-Fans spielen: Kai Pröger.

Dies soll kein Nachruf werden, schließlich ist niemand gestorben. Und doch, weil Pröger für mich und viele andere bis zu seinem Abgang heute ein besonderer RWE-Kicker war, möchte ich ihm diesen Beitrag widmen.

In der Sommerpause vom BFC Dynamo nach Essen gewechselt erfreute der Blondschopf auf der rechten Außenbahn die Anhänger mit seinen Tempoläufen, seinen Zwei- (bzw. oft Drei-/Vier-)kämpfen und sorgte dafür, dass man in Essen wieder Grund zu lächeln nach der mauen Vorsaison hatte.

Kai Pröger verkörperte in den meisten seiner Auftritte das, was an der Hafenstraße gefordert wird. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Immer ein bisschen mit dem Kopf durch die Wand, respektlos (im Sinne von „keine Angst“) den Verteidigern gegenüber. Emotional bei Treffern (Stichwort Handstandüberschlag) und geradezu sinnbildlich für de aktuelle Saison, war es doch seine rote Karte nach einem dummen Einsteigen gegen den SV Lippstadt, das quasi den Beginn des rot-weissen Abwärtstrends darstellen sollte.

Trotzdem: War Pröger auf dem Platz, setzte er zu seinen Sprints an, so hatte man meist das Gefühl: Da geht was. Gerade das machte ihn schnell zum Publikumsliebling.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten: Zwar konnte er (wenn dieses Internetz mich nicht anschwindelt) in 60 Pflichtspielen 18 Treffer erzielen, doch viel zu oft rannte er sich in aussichtslosen Situationen fest. Zudem habe ich manchmal den Blick für den deutlich besseren Mitspieler vermisst, was sich auch in lediglich acht Torvorlagen widerspiegelt.

Nun soll es also der SC Paderborn sein. Jener Club, für den schon RWE-Legende Erwin Koen auflief. Der Verein, der „damals“ mit Brandy, Guie-Mien und Güvenisik vor unserem letzten Spiel (Stichwort Lübeck…) unsere komplette Offensive bereits unter Vertrag genommen hatte, so dass diese sich in Befürchtung eines Fortbestehens ihrer Verträge nicht mehr berufen fühlte, aufs Tor zu schießen. Musste es ausgerechnet Paderborn sein, „Prögi“? Ausgerechnet Paderborn?

Einschub: A propos „Prögi“: Ich finde diese Verniedlichungen ätzend. „Prögi“? Euer Ernst? Davor soll ein Gegner Angst haben? Warum nicht gleich „Pupsimaus“? Das klingt ja fast so gefährlich wie „Wuppi“!

Wie dem auch sei: Über die Transfermodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart. Das lokale Sport-Fachmagazin kolportiert eine Summe von 25.000 Euro, die ich unter Berücksichtigung der restlichen Vertragslaufzeit für okay halte. Nicht sehr viel, aber sicher auch nicht zu wenig. Und hey, let’s face it: Im Sommer wäre er komplett für lau weg gewesen. Also: Kohle einpacken, danke schön.

Grund zu trauern gibt es indes nicht: Prögers Position dürfte Jonas Erwig-Drüppel sein, der aufgrund der prekären Finanzlage den Wuppertaler SV ablösefrei verlassen durfte. Der Mann, der beim 0:3 am Zoo ein Tor vorbereitete und einen weiteren Treffer selbst erzielte. Ich habe ihn aus der Partie als eine Art „Aggressive Leader“ in Erinnerung, etwas, das wir gut gebrauchen können. Ich sehe ihn – auch aufgrund seiner Erfahrungen im Kader des damaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig (inkl. sechs Einsätzen) – daher um mehr als nur eine Nasenlänge vorne.

Doch zurück zum Star dieses Beitrags:

Lieber Kai, ich wünsche dir viel Erfolg in der zweiten Liga, vor allem Gesundheit. Nimm zwischendurch mal den Kopf hoch und guck nach links, dann kannst du ein ganz Großer werden. Im Zweifel kann ich dir den Kontakt zu Erwin herstellen – der weiß wie das geht!

Die Woche der Wahrheit

War das eine Bombe, die die Verantwortlichen in Wuppertal – kolportiert vom lokalen Sportblättchen – platzen ließen? (Fast) alle Spieler der ersten Mannschaft dürfen noch in dieser Wechselperiode, also bis Ende Januar den Verein ablösefrei verlassen.

Wie der WSV nun auf seiner Homepage mitteilte, müsse man aufgrund des strikten Insolvenzrechts bis Montag, 14. Januar die schicke Summe von 260.000 Euro auftreiben bzw. einsparen, um nicht den Gang zum Amtsgericht antreten zu müssen. In dem Statement (hier nachzulesen) bescheinigt man sich selbst eine geradezu hanebüchene Kalkulation auf Basis einer erhofften Euphorie durch eine ansprechende Saison, schiebt aber den Schwarzen Peter gleichzeitig auch auf den Spielplan der „viele attraktive Spiele in einer unattraktiven Jahreszeit vorgesehen hat“. Will meinen: Wäre beispielsweise das Spiel gegen RWE nicht zuerst auswärts an der Hafenstraße, dafür aber am Zoo ausgetragen worden, hätte man mindestens die doppelte Zuschauerzahl gehabt wie im verregneten Spätherbst, als wir RWE-Fans eh schon wieder die Schnauze voll hatten. HALLO!? Was ist denn das für eine unseriöse Kalkulation? Wo ist die gebotene kaufmännische Sorgfalt? Welcher Steuerberater prüft sowas (ich gehe davon aus, dass entsprechende Testate bei den Lizenzunterlagen vorliegen müssen) (Anmerkung: Ich wurde belehrt, man muss wohl nur eine Bürgschaft vorweisen.)?

Dass man sich auch bei den Transfers verzockt hat, als man mit Malura, Bednarski und Meier gleich drei Essener „Besserverdiener“ angelte und noch dazu Erwig-Drüppel (ebenfalls sicherlich kein finanzielles Leichtgewicht) aus Wattenscheid angelte, liegt zudem auf der Hand, wenn man betrachtet, dass Bednarski und Meier kaum zum Einsatz gekommen sind und das Team insgesamt ebenso weit weg von der Spitze ist wie unser geliebter RWE (bei einem Spiel weniger natürlich).

Ob die Wirtschaft in Wuppertal gewillt ist, einem Verein mit derart desaströsem Finanzgebaren unter die Arme zu greifen, bleibt abzuwarten. Zieht man den Bayer-Konzern ab, bleibt außer Vorwerk kaum ein nennenswertes Unternehmen. Aber vielleicht gilt ja hier, dass viele kleine Beträge einen großen erbringen können.

Doch wie soll es dann weitergehen? Soweit ich es verstehe, sind die 260.000 Euro notwendig, um den Etat dieser Saison zu decken. Für die kommende Saison wird man deutlich kleinere Brötchen backen müssen, und ob Top-Mann Christopher Kramer seinen zum Sommer auslaufenden Vertrag verlängern wird, scheint unter den gegebenen Umständen mehr als fraglich. Es wird also ein ziemlich großer Umbruch, den der WSV dem Vernehmen nach auch mithilfe der eigenen Jugendarbeit vollziehen will und muss. Ex-Mäzen Runge hat zudem im RS angekündigt, für keine weitere Geldspritze zur Verfügung zu stehen.

Sollte das Geld nicht zusammenkommen, wird man wohl auch nicht umhin kommen, Spielern betriebsbedingt zu kündigen. Spannend wird sein, auf wen die Wahl dann fällt. Denn man kann ja auch nicht davon ausgehen, dass alle Spieler a) einen neuen Verein finden oder b) zu reduzierten Bezügen weiter für den WSV spielen. Es werden sicher einige dabei sein, die den Gang vors Arbeitsgericht nicht scheuen werden, um den Vertrag auszusitzen. Ob die Gehälter dafür oder eine bei Kündigung eventuell fällige Abfindung aber überhaupt bezahlbar wären, steht auf einem anderen Blatt.

Meine Vermutung ist im Falle des WSV, dass man die Kurve irgendwie noch kriegt und die Saison mit einer besseren Jugendmannschaft zu Ende spielt.

Während das Schicksal des WSV mich emotional aber eher kalt lässt – vielleicht zuschauermäßig größter Rivale, mehr Hass geht kaum noch auf den Rängen, darüber hinaus mir aber total egal – verbinde ich mit dem zweiten Sorgenkind der Liga durchaus einige nennenswerte – wenn auch nicht immer positive Momente.

Die SG Wattenscheid braucht – ebenfalls bis zum 14. Januar – die stolze Summe von 350.000 Euro und hat dafür ein Crowdfunding ins Leben gerufen, dem aber Stand jetzt rund 234.000 Euro zum Ziel bei noch 6 Resttagen fehlen. Das sieht ganz und gar nicht gut aus.

Sei es die bittere 0:4-Pleite an der Hafenstraße gegen die beiden Altintops, die uns beinahe im Alleingang zerlegten, sei es das umstrittene 2:2, als gegen uns ein Handelfer in der Nachspielzeit gepfiffen wurde, obwohl der Wattenscheider selbst mit der Hand am Ball war, oder das bittere 2:3 der letzten Saison, als gleich zwei Gegentore in der Nachspielzeit fielen, sei es das 4:0 mit Wolf-Dreierpack (Renno und Lintjens bei der SG) oder das 6:0 nach 1:0 zur Halbzeit, diesmal Dreierpack von Kreyer, oder – irgendwie ja auch mit der SG verbunden – der Aufstieg in der Lohrheide gegen die zweite Mannschaft der Blauen – hier ist für mich eine ganz andere Schwingung in der Luft, wenn ich an den Verein denke, der zwar klein und unscheinbar wirkt, aber irgendwie auch immer so eine Art Rivale darstellte. Oder halt Zünglein an der Waage – Stichwort Münster 2002.

Doch dieser Verein glänzt seit dem Rückzug der Familie Steilmann Jahr für Jahr immer wieder mit der Nachricht, dass mal wieder Spielergehälter nicht rechtzeitig gezahlt wurden, dass es hier und da knapp werde, dass dies und das improvisiert werden müsse, weil der Verein blank ist. Und dann macht man sich von einem Unternehmen abhängig, dass das blaue vom Himmel verspricht und mit dem Geldkoffer wedelnd aus der SG den digitalisiertesten Club Deutschlands machen. Auch hier mag ich nicht eine gewisse Blauäugigkeit absprechen, sich dermaßen abhängig zu machen, dass man wie beim jüngst erfolgten Rückzug des Investors vor dem Aus steht.

Ich persönlich halte es für ausgeschlossen, dass es der SG gelingt, die Summe komplett aufzubringen. Selbst wenn noch ein paar dicke Fische mit einsteigen (man munkelt, es sei ein Ersatzgeldgeber für das zurückgezogene 100.000 Euro-Investment gefunden), wird es wohl nicht mal knapp. Wie die Konsequenzen aussehen, vermag ich nicht zu sagen. Ich fürchte jedoch, dass hier eine Insolvenz samt Zwangsabstieg und Rückzug der Mannschaft ins Haus steht. Meiner Meinung nach ist dies aber auch ein lange überfälliger Schritt, da die aktuellen Verhältnisse für Spieler, Fans und Mitarbeiter alles andere als tragbar sind.

Nicht unerwähnt möchte ich an dieser Stelle noch den TV Herkenrath lassen, seines Zeichens Aufsteiger, aber auch derzeitiger Tabellenletzter, der sich ebenfalls finanziell übernommen zu haben scheint. Da der Verein insgesamt nicht so im Rampenlicht steht wie die beiden vorgenannten Clubs, fehlt mir hier der weitere Einblick. Ich habe aber heute gelesen, dass man sich bereits in dieser Wechselperiode von 16 (!) Spielern getrennt habe. Für die TV Herkenrath ist die Regio daher ein Abenteuer, das teuer bezahlt wurde.

Ob der große DFB sich der Problematik der quasi unstemmbaren Finanzen annimmt, wage ich zu bezweifeln. Zu hoch das Ross, auf dem man in Frankfurt sitzt, um ernshaft wahrzunehmen, was „die da unten“ für Probleme haben. Spitz gesagt: „Selber Schuld, haltet eure Kohle zusammen.“ So oder so ähnlich kann man wohl formulieren, wie die Oberen des Verbandes auf die Stiefkinder in der „Champions League der Amateure“ herunterschauen. Und mag daran auch ein wenig Wahrheit sein, so sollte man nicht vergessen, dass diese „Kleinen“ die Basis für die „Großen“ sind, die die wertvollen Talente erst ans Licht der Öffentlichkeit (der Scouts) bringen. Gehen diese Vereine verloren, so gehen damit auch Möglichkeiten für die Kinder verloren, Fußball zu spielen, sie weichen auf andere Sportarten oder Hobbys aus und werden vielleicht nie „Germanys Next Top-Mario“. Eine Reform der Ligen (Zweitvertretungen von Proficlubs raus, zwei- oder dreigleisige Regio) ist meines Erachtens unverzichtbar. Doch das nur am Rande.

Abschließend möchte ich den Blick nochmal auf den RWE lenken. Was haben die Kritiker nicht alle gelästert, von „wir sind ein Sportverein, keine Bank“ bis zu „wenn man die Kohle nicht raushaut, steigen wir nie auf“. Man sieht nun, dass der von Welling begonnene und von Uhlig fortgeführte Kurs der konservativen Haushaltsplanung der absolut richtige, weil einzig nachhaltige ist, wenn man nicht wie Viktoria oder der SV Rödinghausen auf potente Geldgeber zurückgreifen kann. Dass wir sportlich nicht da stehen, wo wir alle den Verein gerne sehen möchten, das ist außer Frage. Dieses Ziel darf aber nicht zulasten einer stabilen Finanzierung angestrebt werden. Vielmehr muss das Ziel heißen, die vorhandenen und sicher nicht geringen Mittel besser einzusetzen, d.h. Spieler zu verpflichten, die sich nicht auf der Bank / Tribüne wundsitzen, sondern die wirklich weiterhelfen. Ich nenne bewusst an dieser Stelle keine Namen aus dem aktuellen Kader, da ich den Spielern auch keine Absicht unterstellen will. Aber wer erinnert sich denn an die besten Spiele eines Henrik Gulden, eines Stefan Thelen oder eines Iyad Al-Khalaf? Solche Leute gehören nicht in den Kader. Punkt.

Jürgen Lucas ist nun sicher gefragt, gutes Personal aus Wuppertal und vielleicht auch Wattenscheid zur Hafenstraße zu lotsen. Aus Wuppertal wäre der genannte Erwig-Drüppel für mich so ein Kandidat, ebenso der defensive Mittelfeldmann Kühnel, Adrian Schneider ist in Wattenscheid zu einem echten Leader gereift. Kramer aus Wuppertal wäre wohl ein Traum, aber aufgrund seiner grandiosen Leistungen und der Auflage einer Ablöse utopisch. Da werden auch ganz andere Portemonnaies gezückt als unsere, ganz sicher. Ich halte übrigens nichts von Rückholaktionen aus Wuppertal *zwinker, zwinker*

Wie dem auch sei, ich bin froh, dass RWE auf wirtschaftlich stabilen Beinen steht. Auch wenn Uhlig angekündigt hat, für die kommende Saison an einem Spitzenteam zu arbeiten (was im Übrigen auch schon wieder aufs zynischste in den Facebook-Gruppen ausgeschlachtet wurde), so wird er sicher nicht das Risiko eingehen, den Verein finanziell aufs Drahtseil zu führen. Und darum bin ich mehr als nur froh, denn solche Tage und Nächte, wie sie den Anhängern in Wattenscheid und Wuppertal bis kommenden Montag bevorstehen, möchte ich nicht mehr erleben müssen.

In einer Woche wissen wir mehr.

Winterpause. Endlich.

Das Schreiben dieser Zeilen fällt mir nicht leicht. Ja, ich habe sogar darüber nachgedacht, ob ich überhaupt etwas schreiben soll, weil mir RWE derzeit richtig wehtut. Erschrocken hat mich insbesondere, dass Uwe Strootmann vom Im Schatten der Tribüne, eigentlich ein äußerst positiv denkender Mensch, bei Twitter von einer charakterlosen Mannschaft gesprochen hat. Hier also meine Sicht der Dinge:

Das Fortuna-Spiel stellte wohl den negativen Höhepunkt (zu diesem Zeitpunkt) dar. Ein wichtiger privater Termin verhinderte, dass ich das mit ansehen musste. Durch den Sieg gegen Rödinghausen wähnte ich unser Team wieder auf einem guten Weg.

Dann kam Wuppertal. Ausgestattet mit einer Akkreditierung verbrachte ich das Spiel auf der Haupttribüne und musste ansehen, wie RWE in einer demütigenden Art und Weise von Wuppertal vorgeführt und zerlegt wurde. Ich kann mich nicht wirklich an einen Torschuss unserer Mannschaft erinnern. Und das, obwohl im Vorfeld von allen Seiten betont wurde, wie sehr man wisse, dass besonders dieses Spiel in Fankreisen hohen Stellenwert besitzt. Dass sich hinter uns zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Mob der „körperlichen“ Fraktion Wuppertals einfand und übelste Schimpftiraden in Richtung RWE-Stehblock losließ, die weit über das normale Maß hinausgingen, setzte dem ganzen die Krone auf. Die Ordner schienen zudem belustigt, als Daniel Heber wiederholt rassistisch beschimpft wurde (Anmerkung dazu: wenn es möglich gewesen wäre, das irgendwie zu melden, ohne dass meine eigene Gesundheit gefährdet gewesen wäre, hätte ich dies getan. Der Wuppertaler SV hat sich auf meine Anfrage über Twitter dazu nicht geäußert).

Das Spiel gegen Kaan-Marienborn habe ich aus persönlichen Gründen nicht im Stadion verfolgen können, wohl aber mit Fan-Radio im Ohr. Aus dem, was ich dort gehört habe und dem, was mir meine Kumpels erzählt haben, habe ich entnommen, dass die Partie ebenfalls nicht sonderlich gut gewesen sein soll. Na ja, tief stehender Gegner, dachte ich, da tut sich RWE seit Generationen schwer. Immerhin gewonnen, dachte ich. Und hoffe noch immer darauf, dass es der sehenswerte Treffer von Wirtz in die Auswahl zum Tor des Monats der Sportschau schafft.

Zum Jahresabschluss also gestern Köln. Die kleinen Geißböcke. Ohne Heimsieg bisher, Vorletzter der Tabelle. Ich schwer erkältet, zudem „Kinderdienst“ – kein Auswärtsspiel für mich. Die erste Überraschung kam dann mit der Aufstellung: Kein Heber, kein Brauer. Raeder erneut nicht im Tor – was ist da los?

Ich habe den Stream von Sporttotal etwas länger als eine Halbzeit verfolgen können und musste kurz vor dem 0:1 leider los. Und obwohl ich sonst versuche, jeden Moment aufzusaugen, war es mir gestern nach der enttäuschenden ersten Halbzeit egal. Einfach egal. Kein Aufbäumen, keine Kreativität, Durchschlagskraft schon gar nicht. Torchancen? Fehlanzeige. Ich meine – hallo!? Ist das der Anspruch, den die Mannschaft an die eigene Leistung hat? Bereits in Halbzeit 1 musste Heller in mindestens zwei Situationen glänzend parieren, Köln spielte, wie ich es mir von meinem Team erwartet hätte: Schnell in die Spitze, Direktpässe. Bei RWE nichts davon zu sehen. Nahm das Team Tempo nach vorne auf, drehte irgendein Spieler sicher wieder nach hinten ab oder spielte quer. Niemand, der Verantwortung übernahm, das Spiel an sich riss. So kam Köln also zum ersten Heimsieg der Saison.

Und das ist, was mich derzeit so nervt: RWE hat sich zum Ziel gesetzt, zu den Top-Teams der Liga zu gehören, scheitert aber seit Jahren daran. Ich will jetzt nicht wieder das Beispiel RWO herauskramen, die regelmäßig vor uns landen. Was machen die anders? Was macht eine SG Wattenscheid anders, wo die Spieler ständig ihrer Kohle hinterherlaufen, sich aber trotzdem den Arsch dermaßen aufreißen, dass der übermächtige Spitzenreiter mit 3:0 besiegt wird?

Viktoria wird hoffentlich das Aufstiegsrennen machen. Ab der kommenden Saison wären dann die finanzstärksten Teams erst mal weg, wenn man von den Zweitvertretungen und evtl. Rödinghausen absieht. Dann wird die Liga vielleicht ausgeglichener. Ob Relegation oder nicht – „nie war es so leicht aufzusteigen“ ist meiner Meinung nach ohnehin überzogen. Wer hoch will, schlägt auch einen direkten Rivalen. Punkt.

Doch wie soll man dieses Unterfangen endlich mal seriös angehen, ohne eine neue „Hoch-3“-Aktion zu starten? Ich möchte an dieser Stelle „Dinge, die ein Rot-Weiss Essen-Fan nicht sagt“ zitieren:

Ich habe auch kein Patentrezept, aber fürchte, wir kommen um einen erneuten Umbau der Mannschaft nicht herum. Typen müssen her, die uns auf dem Platz weiterbringen. Fürs Protokoll: Die letzten Transfers haben zunächst ziemlich gut eingeschlagen, die Wirkung scheint aber fürs Erste verpufft zu sein. Trotzdem ging das schon in die richtige Richtung. Wir brauchen Spieler, die den „aggressive Leader“ geben. Deren Brust so breit ist, dass die Gegenspieler schon vom Hingucken Respekt haben. Die sich nicht in Schönspielerei und dem x-ten Querpass verlieren. Kerle, die bei eingeigelten Gegnern wissen, wie sie trotzdem Lücken reißen können. Die mal einen Platzverweis für den Gegner provozieren. Von mir aus auch mal im Strafraum nen Elfer schinden. Wir sind derzeit zu lieb für meinen Geschmack. Mal ein Foul ziehen, warum nicht?

Das Problem an der Geschichte dürften die lieben Finanzen sein. Ohne Moos nix los, daher muss auch an dieser Front etwas geschehen, um monetäre Spielräume zu gewinnen. Und ich finde, hier darf man auch nicht davor zurückscheuen, sich von „gestandeneren“ Leuten zu trennen. Und man muss – bei allem Respekt – alles und jeden hinterfragen. Ist Platzek der richtige Mittelstürmer, oder sind wir mit ihm zu leicht auszurechnen? Ist Zeiger der richtige Koordinator in der Abwehr oder laufen ihm die gegnerischen Stürmer zu oft weg? Dies sollen nur Beispiele sein, bitte nicht als konkrete Kritik an diesen Spielern werten! Aber ich denke, meine Aussage wird damit besser untermauert.

Was aber auf Fanseite kurzfristig unterbleiben sollte, sind Generalschelten wie „so lange der Sohnemann auf dem Platz steht, haben wir eh keine Chance“ oder „Baier hat x Jahre über seinen Möglichkeiten gespielt“. So etwas ist nicht nur unfair den Spielern gegenüber, sondern zudem kontraproduktiv. Wer würde sich noch für seinen Arbeitgeber aufreißen, wenn er auf dem Flur mitbekommt, wie sein Personalchef zu einem Kunden sagt, dass man nur seinen Posten hat, weil es keine Alternative gibt. Das Ganze nimmt in den Netzwerken zum Teil Züge einer Verschwörungstheorie an.

Die Zeit des Beschwerens müssen vorbei sein, es muss nun heißen zu handeln und Möglichkeiten zum eigenen Ertrag positiv zu nutzen. Die Tabellensituation ist mit Platz 7 (evtl. 8, Nachholspiel der Alemannia) noch im einstelligen Bereich. Ein paar Plätze nach oben sollte es diese Saison noch gehen, um die Fanbasis bis zum Saisonende noch milde zu stimmen. Der Pokal steht auch noch an, vielleicht kriegen wir ja Monheim zugelost, um im Finale auf einen möglichen Zweitliga-Aufsteiger aus Uerdingen zu treffen. Ebenso vorbei sein müssen die Zeiten, in den Spieler sich öffentlich für schlechte Spiele entschuldigen und versprechen, beim nächsten Mal werde alles besser. Das haben wir alles schon zu oft gehört in den letzten Jahren, um zu wissen, dass das nicht stimmt. Es wird nicht besser.

In jedem Fall bin ich froh, dass ich jetzt ein paar Wochen rot-weiss-freie Zeit habe. Die haben wir alle uns verdient, die wir noch vor ein paar Wochen vom großen Wurf träumten, dann aber sprichwörtlich auf die Fresse bekamen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solchen Sturz von „Glanz und Gloria“ bis in die tiefste Tristesse mit gemacht zu haben. Und ich möchte so etwas auch nicht mehr mitmachen müssen.

Ich wünsche an dieser Stelle allen meinen Lesern und Freunden schon jetzt ein besinnliches Weihnachtsfest und eine guten Rutsch ins Jahr 2019. Vielen Dank für rund 500 Leser je Beitrag, Alexa hat rund 3.500 Leute erfreut 🙂

Vielleicht sieht man sich beim Angrillen, so ich denn dann Zeit habe.