28. Spieltag – Bonner SC – RWE

Nur wenige Tage nach dem schlimmen Match bei der TuS Haltern musste RWE erneut ran und hatte die Chance, die Leistung vergessen zu lassen.

Christian Titz wirbelte die Startaufstellung ziemlich durcheinander: Grund und Heber waren wieder gesund und konnten auflaufen, ausserdem starteten Dahmani als Mittelstürmer, Futkeu rechts aussen und Pronichev mit Condé auf der “8“. Dorow, Platzek, Erwig-Drüppel, Neuwirt und Kefkir mussten auf die Bank, Zeiger war gar nicht erst im Kader.

Das rot-weisse Team versuchte von Anfang ab, das Spiel an sich zu reißen, was aufgrund der widrigen Platzverhältnisse – irgendwas zwischen Sumpf und gerade noch bespielbar – gar nicht einfach war. Zu häufig sprang der Ball unmittelbar vor dem Pass noch einmal seltsam hoch oder der Pass geriet unerreichbar, weil er nach dem Aussetzen “wegglitschte“. Dadurch spielte sich das Geschehen größtenteils im Mittelfeld ab, wo Condé und auch Pronichev immer wieder versuchten, per Doppelpass oder kurze Dribblings Räume zu schaffen.

Nach gut zwanzig Minuten war dann ein langer Pass aus der Essener Abwehr, der die erste richtige Chance des Spiels einleitete: Missverständnis zwischen Bonner Innenverteidiger und Torwart, Dahmani hatte darauf spekuliert und ist mit der Fußspitze am Ball, kann zurücklegen auf Endres, der wiederum das Auge für den mitgelaufenen Futkeu hat, und der Siebzehnjährige hat kein Problem, den Ball völlig freistehend zu seinem ersten Treffer in der Regionalliga einzuschieben.

Bonn schüttelte sich kurz und kam nur wenige Momente später selbst zur ersten Chance, der ohnehin im Abseits befindliche Stürmer Kino konnte die Flanke auf den langen Pfosten jedoch knapp nicht erreichen. Es sollte die einzige Bonner Chance ersten Hälfte bleiben, zu stabil stand RWE in der Verteidigung. Mit der knappen, aber nicht unverdienten Führung ging es in die Pause.

Es kam, wie es irgendwie auch kommen musste: Obwohl von Bonner Seite kein einziger Schuss gefährlich aufs Tor gebracht wurde, konnte kurz nach dem Wechsel ein Eckball per Bogenlampe ins Tor zum schmeichelhaften Ausgleich verlängert werden. Dieser Treffer gab den Gastgebern etwas Rückenwind. Golz konnte sich nach einem 30m-Strahl mir einer Glanzparade auszeichnen und breites damit einmal mehr, dass er zurecht aktuell die Nummer eins im Essener Kasten ist.

Titz reagierte nun und brachte Kefkir für Futkeu, der für viel Wirbel auf seiner Seite gesorgt hatte. Wie wichtig dieser Wechsel war, sollte sich nur wenige Momente später zeigen.

Kefkir war an der Seitenlinie gefoult worden und brachte den selbst herein. Ob Kehl-Gomez den Kopfball am langen Pfosten nicht richtig getroffen hat oder ob er den Ball Hahn ablegen wollte, kann ich nicht sagen, letzterer traf die Kugel jedoch aus gut sechs Metern satt und stellte damit die Führung wieder her.

Titz brachte nun – zugegebenermaßen zu meiner Überraschung – den vor einigen Wochen als aussortiert geltenden Erwig-Drüppel für Endres. Man sieht, dass Titz seine Aussage, man werde jeden Spieler noch brauchen, genau so auch gemeint hat.

Dann der nächste Auftritt von Kefkir: erneuter Freistoß aus dem Halbfeld, diesmal wirft sich Heber im die Flugbahn und köpft zum vorentscheidenden 3:1 ein.

Damit war die Messe natürlich gelesen. RWE konnte zwar noch ein paar kleinere Chancen herausspielen, konnte diese aber nicht mehr nutzen.

Somit stehen sieben Punkte aus der englischen Woche zu Buche. Eigentlich ordentlich, angesichts des Auftritts in der Lohrheide aber ärgerlich, es hören gut neun Punkte sein können.

In dieser Partie habe ich wie bereits erwähnt Pronichev und Condé sehr stark gesehen, Dahmani strahlt derzeit Selbstvertrauen aus und wirkt körperlich stärker als Platzek, der kurz vor Schluss eingewechselt wurde und beinahe noch einen Treffer erzielt hätte. Man hat zudem gesehen, dass am Verbund Heber, Hahn, Grund kein Weg vorbeiführt. Auch Kehl-Gomez gewohnt aktiv.

Aufgrund der erneuten Absage in Verl ist RWE auf zwei Punkte herangerückt, hat aber auch zwei Spiele mehr absolviert. Positiv jedoch: da das Saisonende immer näher rückt, werden für Verl einige englische Wochen anstehen, beginnend nach dem kommenden Wochenende, wenn man zu Hause erst gegen RWO, dann gegen RWE antreten muss. Es bleibt abzuwarten, ob die Partien bei dem Wetter überhaupt stattfinden können, und ob dann auch Zuschauer dabei sein dürfen, steht auf einem anderen Blatt – Corona lässt grüßen.

RWO hat unter der Woche das Pokalaus hinnehmen müssen und konnte auch gegen Aachen nicht gewinnen. Hier wird sich zeigen, ob die Nachbarn nochmal eingreifen können.

Ob das Spiel gegen Königsblau am kommenden Samstag vielleicht auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden muss, wird wohl ebenfalls bald entschieden. Aber egal, ob mit oder ohne Zuschauer: der Traum lebt weiter!

NIEMALS AUFGEBEN!

Nur der RWE!

19. Spieltag – TuS Haltern – RWE

Es könnte alles so schön sein: RWE spielt gegen einen Gegner im Abstiegskampf, dominiert diesen über 90+x Minuten nach Belieben und fährt einen hochverdienten, ungefährdeten Sieg ein. Aber nein. Stattdessen darf ich immer wieder mich über vergebene Chancen – tabellarisch! – hier auslassen.

Zum Spiel selbst ist genug geschrieben worden in den letzten Tagen. Daher führe ich hier nicht mehr die einzelnen Szenen auf, die das Spiel geprägt haben.

Was mich aber total wurmt, ist die Frage nach dem WARUM. Warum konnte die Mannschaft nicht mal ansatzweise (na ja, bis auf die letzten 10 Minuten, als Haltern platt war) diese Dominanz aufziehen, die sie gegen Lippstadt noch in der zweiten Hälfte zeigte? Die Gründe dafür sind meiner Meinung nach relativ leicht zu identifizieren.

1. Die Aufstellung

Aufgrund der krankheits- und verletzungsbedingten Ausfälle von Heber, Sauerland und Grund wurde die Abwehr ziemlich durcheinander gewirbelt. Dass Neuwirt für Grund gestartet ist, kann ich angesichts seiner guten Performance bei der gleichzeitig durchwachsenen Leistung von Matuwila gegen Lippstadt noch ziemlich gut nachvollziehen. Warum aber nicht Matuwila statt Zeiger. So sympathisch Philipp Zeiger mir immer war, gegen Haltern konnte man aber sehr gut erkennen, warum er nicht (mehr) zur ersten Reihe gehört: mangelnde Schnelligkeit, Fehler im Stellungsspiel (mindestens zweimal per Defensiv-Kopfball den Ball zum Stürmer verlängert), unpräzises Passspiel nach vorne. Seine Auswechslung zur Pause war dringend notwendig, um hinten wieder stabiler zu werden. Hinzu Erwig-Drüppel, der erstmals diese Saison in der Liga zum Einsatz kam, seine Sache zwar ordentlich, aber nicht mit der Dynamik eines Sauerland erfüllte. Dadurch war die rechte Defensivseite in der ersten Halbzeit immer wieder der Hebel, den Haltern zum Kontern ansetzte.

2. Die Konteranfälligkeit

Auch nach dem Seitenwechsel war RWE immer wieder konteranfällig. In gleich zwei Situationen konnte Haltern bei Freistoß RWE vor dem gegnerischen Sechzehner (sic!) innerhalb weniger Sekunden das Spielfeld komplett überqueren, beide Male war Golz zur Stelle (einmal tropfte dabei der Ball auf die Latte), ein weiterer Pfostentreffer sowie ein zurückgenommener Elfer für Haltern nach schnellen Kontern zeigen, dass hier deutlicher Verbesserungsbedarf besteht. Auch in den vergangenen Spielen konnte der Gegner immer wieder Treffer nach Kontern erzielen.

3. Die mangelhafte Chancenverwertung

Ja, der Gegner steht oft mit acht, neun, zehn Mann im eigenen Sechzehner, wir haben demnach nicht viele Chancen. Aber dann muss die bitteschön auch mal jemand nutzen. Dahmani gehörte zwar in meinen Augen gegen Haltern zu den Lichtblicken, aber aus sechs Metern den Ball ins Seitenaus schießen, ist schon ein Kunststück. Ich erwarte, dass in solchen Positionen wenigstens in höchster Not geklärt werden kann, dass der Keeper sich strecken muss oder sonstwas. Aber so ein Ball MUSS aufs Tor gehen. Pronichev macht in dieser Beziehung gerade vieles richtig, indem er auch mal draufhält und sich so halt auch sein Glück erarbeitet.

4. Der Gegner

Haltern hat sich über die Zeit gerettet. Spätestens ab der 70. Minute ging man auf dem Zahnfleisch und hat mit allen Mitteln (Balljungs dazu anhalten, die Bälle langsamer herauszugeben, Foulspiel unter Inkaufnahme einer gelben Karte bei Gegenstößen) gearbeitet. Kann man gut finden oder auch nicht, ist aber so. Mehrfach gehört: „gegen so nen Dorfverein wie Haltern holen wir nur einen Punkt!“ Ja, stimmt. Aber leider können die auch kicken und haben ein paar Routiniers in ihren Reihen.

5. Die eigene Nervosität

Nach dem Rückstand ging bei unserer Mannschaft nicht mehr viel. Viele Fehlpässe oder Zuspiele, die aufgrund ihrer Schärfe einige Meter vom Empfänger abprallten, Missverständnisse in Laufwegen (vermutlich teils der Aufstellung geschuldet)… In der ersten Stunde konnte man nur Golz, Hahn und Kehl-Gomez so etwas wie Normalform attestieren, das war ansonsten zu wenig für ein Team mit Ambitionen nach oben.

Den Schiri kann man diesmal wirklich nicht kritisieren. Hat er zu Beginn noch einiges durchgehen lassen, so griff er im weiteren Spielverlauf ordentlich durch, zeigte Gelb für eine Schwalbe eines Halterners im Sechzehner, Gelb für zwei, drei Mal Zeitspiel und war sich nicht zu fein, sich bei seiner Elfmeter-Entscheidung vom Assistenten überstimmen zu lassen – letzteres gibt es nicht allzu oft.

Was bleibt nun an positiven Dingen mitzunehmen? Wir haben nicht verloren und uns den Punkt (hart) erarbeitet. Futkeu ein absoluter Lichtblick vorne rechts, war nach seiner Einwechslung einer der stärksten Essener, vielleicht etwas unglücklich mit dem letzten Pass. Dahmani hat endlich Präsenz auf dem Platz, vielleicht tat ihm der Treffer gegen Lippstadt wirklich gut. Viel mehr fällt mir momentan leider nicht ein.

Abschließen möchte ich meine kurze Analyse mit einer Bemerkung zur Organisation: Die Kommunikation mit der Mitarbeiterin der TuS war wirklich sehr angenehm und unbürokratisch, daher hat mich überrascht, welches Sicherheitsaufgebot und welche Maßnahmen vor Ort getroffen wurden. Dass mir – trotz Presseakkreditierung und Mail mit deren Bestätigung nicht gestattet wurde, von der Haupttribüne zum Pressebereich zu gehen („Wo ist denn dein Presseausweis?“ – „Hab ich nicht, ich bin als Blogger akkreditiert!“ – „Dann gibt es hier kein Durchkommen, dann musst du aus dem Stadion raus und außen rum!“), empfinde ich als eine Frechheit – für die der Verein freilich nichts kann. Die Spitzen der Offiziellen (nach der beinahe „verunglückten“ Auswechslung drehte sich der junge Mann mit der Auswechslungs-Anzeigetafel auffällig deutlich Richtung Essener Block, Durchsage nach dem Spiel, man habe eine großartige Partie beider Mannschaften gesehen) hätte man sich aber sparen können. Da nützt auch „Adiole“ vor dem Spiel nichts, sorry. Ich denke aber, die TuS Haltern kann auch organisatorisch hier noch einiges lernen.

Leider sind hier zwei Punkte meiner Prognose ausgeblieben. Der Puffer wird kleiner, die Spiele weniger. Es bleibt zu hoffen, dass der SC Verl tatsächlich noch eine Schwächeperiode hinlegt, die wir dann nutzen können. Das Spiel gegen die Kölner Fortuna heute Abend ist abgesagt, vermutlich damit eine weitere englische Woche für die Ostwestfalen. Wir müssen (!!!) in Bonn gewinnen, alles andere kann man wohl nicht mehr verkaufen. In Oberhausen rechnet man schon wieder, ob man wie immer vor RWE landen wird – wenn man sonst nichts (z.B. die nächste Pokalrunde) hat…

Für uns zählt noch immer dasselbe Motto wie zu Saisonbeginn:

NIEMALS AUFGEBEN!

Hier noch ein paar Fotos, aus technischen Gründen ist die Ausbeute etwas mager ausgefallen:

27. Spieltag – RWE – SV Lippstadt

RWE hält den Anschluss zur Spitze. Mit einem hochverdienten 3:1 nach einer schwachen ersten Hälfte geht es in die englische Woche.

Nachdem bereits Mittwoch bekannt war, dass Dennis Grote und Kevin Grund verletzt würden passen müssen, gesellte sich kurz vor dem Anpfiff der bislang in allen Spielen quasi gesetzte Daniel Heber zu den Spielern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mit auflaufen konnten. Laut PK nach dem Spiel klagte er schon am Treffpunkt über Schwindelgefühle, die sich beim Warmmachen intensivierten, sodass für ihn Dorow in die Startelf rückte und Hildebrandt zusammen mit dem wieder spielberechtigten Hahn die Innenverteidigung bildete. Matuwila rückte auf links, Endres durfte wieder von Beginn an ran.

Die Bedingungen waren alles andere als einladend: Kalter, teils heftiger Wind, dazu eine ordentliche Portion Regen. Dass trotzdem mehr als 8.600 Zuschauer den Weg an die Hafenstraße fanden, zeigt einmal mehr das beeindruckende Fanpotential unseres Vereins!

Von Anfang an spielte sich das Geschehen weitestgehend in der Lippstädter Hälfte ab, wobei sich die Gäste bei jeder Gelegenheit viel Zeit ließen, um Abstöße und Einwürfe auszuführen. Eine Taktik, mit der schon der VfB Homberg und auch der SV Rödinghausen Erfolg an der Hafenstraße hatte, zumal ihnen in beiden Partien auch noch frühe Treffer gelungen waren.

Diesmal tat RWE eigentlich alles dafür, dass der Spielverlauf ein anderer sein würde. Nach gut fünf Minuten setzte Kefkir einen sehenswerten Fallrückzieher aus 16m knapp neben das Tor, bevor eine Reihe von Eckbällen in den Lippstädter Strafraum segelte – leider ohne wirkliche Torgefahr, lediglich ein Eckball wurde vermeintlich per Hand geklärt – ich möchte mich da nicht festlegen.

Dann jedoch der erste Angriff für den Gast: Nach einem Fehlpass von Matuwila kommt der Ball schnell auf die andere Seite, wo Sauerland das Laufduell nicht gewinnt. Querpass – 0:1 in der 14. Minute, ein Treffer, der den Spielverlauf auf den Kopf stellte.

RWE verlor jedoch nicht die Ruhe, schaffte es allerdings auch nicht, wirkliche Torgefahr zu entwickeln. Mal entschied man sich für den falschen Pass, oft kamen Flanken nicht hoch genug – vor allem aber die vielen Eckbälle waren vollkommen harmlos. So sehr sich Kefkir bei deren Ausführung auch bemühte, ich hatte den Eindruck, dass der Ball „zu schwer“ war, sodass er meist viel zu früh wieder herunterfiel.

Nachdem Lippstadt bei einem Konter das 0:2 auf dem Fuß hatte (Hahn konnte gerade noch blocken), hatte Dorow nach einer präzisen Flanke den Ausgleich auf dem Kopf, der Ball strich aber knapp am Pfosten vorbei.

Der Rest der ersten Hälfte war geprägt von vielen Fehlpässen auf beiden Seiten. In dieser Phase hätte ich mir von unserem Team etwas mehr Pressing gewünscht, viel zu lang durfte sich Lippstadt hinten den Ball in aller Seelenruhe zuschieben. Kehl-Gomez, Hahn und Sauerland waren in dieser Phase die einzigen Spieler, die den Weg nach vorne deutlich suchten. Kurz nachdem Platzek kurz vor der Halbzeit eine große Chance zum übers Tor setzte, pfiff der weitestgehend angenehm unauffällige Schiedsrichter zur Halbzeit, die Mannschaft wurde mit vereinzelten Pfiffen in die Pause verabschiedet – ich kann das nicht nachvollziehen, sorry.

In der Pause entschied sich Christian Titz zu einem Doppelwechsel: für den gegen Oberhausen so starken Matuwila, der heute eher träge und reaktionsschwach wirkte kam Jan Neuwirt, Adetula ersetzte Kefkir.

Ich weiß nicht, was Titz in der Pause mit der Mannschaft veranstaltet hat, die auch schon deutlich früher wieder auf dem Platz stand als der SV Lippstadt, aber die zweite Hälfte war. Es sollte jedoch seinen Effekt nicht verfehlen.

Adetula brachte über außen deutlich mehr Schwung in die Partie (wobei ich Kefkir sein Engagement nicht absprechen will), immer wieder konnten er und auf der anderen Seite Endres nun Räume nutzen, die Flanken blieben aber zunächst ähnlich harmlos wie in Hälfte eins. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass der Gast unter der Dauerbelastung langsam Kräfte ließ, nach vorne ging von Lippstadt nun erst mal nichts mehr. Entweder wurden lange Befreiungsschläge gespielt oder unpräzise Pässe landeten spätestens bei Hahn und Hildebrandt.

Condé hatte eine gute Einschusschance aus gut 18m, versuchte es aber mit einem Schlenzer, der kein Problem für den Lippstädter Torhüter darstellte. Wenig später war es Dorow, der im Strafraum zum Schuss ansetzte, den Ball aber nicht richtig traf und eine weitere Chance vergab.

Für Condé kam nun Pronichev ins Spiel, der auf mich einen ziemlich guten Eindruck gemacht hat. Er ist einer dieser Spieler, die mit dem Rücken zum Tor auch mal angespielt werden können, um den Ball abzulegen, die aber auch im Vorwärtsgang das Auge für den besser postierten Mitspieler haben.

Ein langer Ball von Hahn in den Sechzehner konnte von Dorow angenommen werden, dabei wurde er aber vom Keeper – meines Erachtens nach fair – abgeräumt. Die Proteste blieben auch im Rahmen, doch aus der Situation resultierte eine weitere Ecke für RWE. Neuwirt brachte den Ball herein, die Gäste schienen noch nicht so richtig sortiert, und Marcel Platzek konnte endlich mal wieder einen Treffer erzielen. Der hochverdiente Ausgleich!

Platzo wurde unmittelbar danach zur Überraschung vieler Zuschauer gegen Dahmani ausgewechselt. Dahmani, vielversprechender Transfer mit Drittliga-Erfahrung, der bislang allen Erwartungen hinterher gelaufen ist. Wie sollte er diesem Spiel zu einem glücklichen Ende verhelfen?

Die Unkenrufe schienen nach nur wenigen Sekunden bestätigt, als er aus 20m etwas übermotiviert den Ball etwa 5m neben das Tor setzte, anstatt auf die besser postierten Dorow oder Pronichev durchzustecken. Zwei Minuten später dann aber ein langer Ball, der von der Lippstädter Abwehr scheinbar problemlos geklärt werden konnte. Dahmani, Brust, Volley – drin das Ding! 2:1, eine dicke Jubeltraube samt Reservespielern auf dem Platz. Man gönnt Dahmani dieses Tor offenbar sehr. Eine Tatsache, die viel über die Chemie in der Mannschaft aussagt – es stimmt einfach!

Die Gäste mussten nun natürlich wieder aktiver werden, wenn sie noch Punkte mit nach Hause nehmen wollten. Zwar konnte die Abwehr die schnellen Pass-Stafetten immer wieder abfangen, RWE schaffte es aber seltsamerweise kaum noch, selbst über eine längere Phase nochmal Druck auszuüben. Dass sich Sauerland bei einer Grätsche einen Muskelfaser- oder vielleicht einen Muskelbündelriss (Titz auf der PK) zuzog, sorgte natürlich nicht für Entlastung. Da RWE schon vier Wechsel vollzogen hatte, biss er auf die Zähne, wurde aber in die Nähe der Mittellinie beordert. Seine zwei verbleibenden Aktionen – ein „Sprint“ zum Zustellen eines Passwegs sowie ein Doppelpass mit Pronichev – wurden durch eine Portion Extra-Applaus von den Tribünen honoriert. Einsatzwille bis zum Schluss – das will man an der Hafenstraße sehen. Gute Besserung, David!

Zum Matchwinner wurde für mich jedoch Jakob Golz. Die Nachspielzeit war gerade angezeigt worden, als die Gäste noch einmal über den Flügel durchbrechen konnten, erneut ein Querpass, der Stürmer steht einschussbereit am langen Pfosten, doch Golz – keine Ahnung, wie – bekommt eine Hand an den Ball und lenkt ihn an die Latte. Sein Jubelschrei danach spricht Bände.

Den Schlusspunkt setzte jedoch dann nochmal Pronichev: RWE befreit sich aus einer weiteren, kritischen Situation, Pronichev setzt gegen den „letzten Mann“ nach und erobert den Ball. Im Gleichschritt mit Dahmani, aber nicht mehr verfolgt von einem Gegenspieler geht es im lockeren Trab (immer schön mit Schulterblick) in Richtung Kasten, der Keeper entscheidet sich spekuliert auf den Querpass, Pronichev nicht, stattdessen schiebt er nach einem kurzen Schlenker nach außen zum 3:1-Endstand ein.

Was kann man nun aus dieser Partie mitnehmen? Klar, die erste Halbzeit war nicht berauschend, in Halbzeit zwei war über weite Strecken eine klare Dominanz zu erkennen. Zudem macht sich bezahlt, dass man beim Aufbau des Kaders auf eine hohe Flexibilität geachtet hat. Die Mentalität des Teams ist beeindruckend. Es ist zwar müßig, darüber zu sinnieren, aber ich glaube nicht, dass wir mit einem der Kader der letzten Jahre dieses Spiel gedreht hätten.

Man of the Match? Golz. Der hat das Ding heute festgehalten, ganz klar. Ansonsten: Kehl-Gomez, der immer wieder das Spiel in der zweiten Hälfte angekurbelt und koordiniert hat.

Zudem war dieser Erfolg auch psychologisch nicht unwichtig: der SC Verl hat mit Gladbach sicher keine einfache Aufgabe vor der Brust, RWO muss gar pausieren, da in Wuppertal mal wieder Winter ist. Ein Sieg am Mittwoch gegen Haltern, und die Oberhauser sind schon wieder fünf Punkte zurück und damit mächtig unter Druck. Und wer weiß, ob in Ostwestfalen am Montag nicht noch der zweite Lizenzverzicht bekanntgemacht wird. Die Gerüchteküche brodelt jedenfalls heftig.

Das alles soll uns jedoch nicht davon abhalten, das Wochenende zu genießen. Wie viele Jahre mussten wir Ende Februar nun schon den anderen dabei zugucken, wie sie sich um den Platz an der Spitze streiten – diesmal sind wir mittendrin!