Auftaktsieg

„Boh, watt war datt wichtig!“

So einer meiner ersten Gedanken nach dem heutigen Auswärtssieg beim Bonner SC. Aber von vorne: Nach gut anderthalbstündiger Anreise – Staus inklusive – am Ort des Geschehens eingetroffen, musste ich erst einmal die noch etwas unbeholfen organisierte Einlass-Schlange hinter mich bringen. Ich werde es vermutlich nie nachvollziehen können, warum man erst damit beginnt, die benötigten Dokumente herauszuholen, wenn man an der Reihe ist. Ein wenig Proaktivität hätte hier sicher Abhilfe geschaffen, aber es hat ja dann doch dank Verschiebung um 15 Minuten alles noch irgendwie funktioniert.

Die Ausgangslage war ja klar definiert, ein Sieg zum Start sollte, ja beinahe musste es schon sein. Christian Neidhart ging keine Experimente ein und setzte auf die zu erwartende Startelf mit Holzweiler rechts, Young links, Engelmann in der Spitze und Dürholtz und Harenbrock als Strippenzieher im Hintergrund. Grote gab die notwendige Stabilität dahinter und Plechaty, Heber, Langesberg und Herzenbruch sorgten dafür, dass Davari bis auf ein, zwei Situationen einen arbeits-armen Tag verleben konnte.

Die Bonner hatten offenbar genau hingesehen, wie RWE in der Vorbereitung zu seinen Treffern gekommen war und setzte erstaunlich offensiv dagegen, sodass unsere Mannschaft kaum Tempo aufnehmen konnte. So benötigte RWE Einzelaktionen, um so etwas wie Torgefahr zu erspielen. Wie nach einer guten Viertelstunde: Holzweiler kann auf rechts in den Sechzehner ziehen und findet Grote im Rückraum, dessen Schuss nur knapp über den Kasten fliegt.

Quasi im Gegenzug die erste Chance für den BSC, Davari muss sich strecken, um den Ball aus dem Toreck zu kratzen. Das war es dann aber auch mit größeren Chancen für die Hausherren.

Doch immer wieder wurde der Versuch von RWE, hinter die Bonner Abwehr zu kommen, im Ansatz unterbrochen, zur Not mit vielen kleineren Fouls. Dann halt mal ohne Mittelfeld: Heber mit einem 50m-Pass auf Holzweiler, der steckt direkt durch auf Engelmann, der Goalgetter zieht an Keeper Birk vorbei und schiebt in den leeren Kasten ein. Eine plötzliche, aber nicht ganz unverdiente Führung.

Das brachte deutlich mehr Ruhe ins Essener Spiel. Und dann war ja da auch noch Young, der immer wieder zu Sololäufen ansetzte. Wie kurz vor dem Wechsel, als er an der Mittellinie startet und schließlich an der Grundlinie noch das Auge für Harenbrock hat, der aber in Birk seinen Meister findet. So ging es also mit einem knappen Vorsprung in die Pause, in der mich mein Bonner Sitznachbar fragte, welches Saisonziel wir denn so hätten. Na ja, mich interessiert ja auch nicht, welches der BSC so hat, von daher wohl eine berechtigte Frage.

Zur Pause kam dann Janjic für Holzweiler, der kurz vor dem Wechsel bei einem Laufduell einen Arm in Gesicht bekommen hatte. Janjic bezog seinen Posten hinter Engelmann, Harenbrock nahm die Position von Holzweiler rechts ein (das von einem Fachblatt erkannte 4-4-2 kann ich nicht bestätigen, gespielt wurde wie zuvor in einer Dreierkette…). Janjic war es dann, der gute zehn Minuten nach dem Wechsel den Ball nach einer Ecke über die Linie drücken konnte, da der Assistent dabei eine Abseitsposition erkannt haben will, blieb es jedoch beim 1:0. Wieder war es dann Young, der nach feiner Einzelleistung aus spitzem Winkel nicht selbst abschloss, sondern den Blick für den Mitspieler bewies – Plechaty fehlten nur Zentimeter, um seinen Kopfball wirklich aufs Tor drücken zu können.

Dann nochmal der BSC: Steilpass in die Spitze, Monteiro kommt gegen Herzenbruch zu Fall, der Schiedsrichter deutet aber sofort auf Weiterspielen. In der Folge ein kurz ausgeführter Abstoß, Langesberg auf Grote, der aus der Drehung heraus den Ball in den Lauf von Young schlägt. Erneut gewinnt dieser das Laufduell und tanzt noch den Keeper aus, bevor er den Ball aus 11m an mehreren Verteidigern vorbei im Netz unterbringt – what a goal!

Ab diesem Zeitpunkt brachen bei den Gastgebern quasi alle Dämme, Angriff um Angriff rollte aufs Bonner Tor zu. Mit Erfolg: Abstoß Davari auf Harenbrock tief in der Bonner Hälfte, gut getimter Steilpass auf Janjic, abgezockt am Keeper vorbeigelegt – 3:0, Messe gelesen.

Dass Grote noch per Kopf die Latte traf und der eingewechselte Krasniqi gleich zwei- oder dreimal stark abschloss, dass Herze nach einer Ecke aus spitzem Winkel den Keeper zu einer Glanztat zwang, all das zeigt, dass Bonn nun mit dem Ergebnis bestens bedient war.

RWE startet also mit einem ruckeligen, am Ende aber hochverdienten und souveränen Auswärtssieg in die Saison und setzt einen Fingerzeig in Richtung Rest der Liga!

Spieler des Tages natürlich Young, der nicht nur der auffälligste Spieler auf Essener Seite war, sondern mit diesen Leistungen auch Kefkir das Leben schwer machen dürfte. Am Ende durfte er sich mit „Isy Isy Young“ (Baby Give It Up)-Gesängen zurecht feiern lassen. Aber auch Janjic ist eine echte Bereicherung in der Offensive. Tempo, Ballbehandlung, Übersicht – der Mann hat einfach alles.

Am Ende war es eines dieser typischen Neidhart-Spiele: Am Anfang ist Geduld gefragt, irgendwie schafft die Mannschaft es aber, den Riegel zu knacken. Sobald der Gegner dann aufmacht, wird es deutlich(er) und die RWE-Walze kommt ins Rollen.

So hoffentlich auch kommenden Freitag, wenn der SV Straelen zum ersten Heimspiel der Saison an die Hafenstraße kommt. 6600 Zuschauer dürfen dann im besten Falle miterleben, wie die Rechnung aus dem Niederrheinpokal-Halbfinale beglichen wird.

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