Winterpause. Endlich.

Das Schreiben dieser Zeilen fällt mir nicht leicht. Ja, ich habe sogar darüber nachgedacht, ob ich überhaupt etwas schreiben soll, weil mir RWE derzeit richtig wehtut. Erschrocken hat mich insbesondere, dass Uwe Strootmann vom Im Schatten der Tribüne, eigentlich ein äußerst positiv denkender Mensch, bei Twitter von einer charakterlosen Mannschaft gesprochen hat. Hier also meine Sicht der Dinge:

Das Fortuna-Spiel stellte wohl den negativen Höhepunkt (zu diesem Zeitpunkt) dar. Ein wichtiger privater Termin verhinderte, dass ich das mit ansehen musste. Durch den Sieg gegen Rödinghausen wähnte ich unser Team wieder auf einem guten Weg.

Dann kam Wuppertal. Ausgestattet mit einer Akkreditierung verbrachte ich das Spiel auf der Haupttribüne und musste ansehen, wie RWE in einer demütigenden Art und Weise von Wuppertal vorgeführt und zerlegt wurde. Ich kann mich nicht wirklich an einen Torschuss unserer Mannschaft erinnern. Und das, obwohl im Vorfeld von allen Seiten betont wurde, wie sehr man wisse, dass besonders dieses Spiel in Fankreisen hohen Stellenwert besitzt. Dass sich hinter uns zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Mob der „körperlichen“ Fraktion Wuppertals einfand und übelste Schimpftiraden in Richtung RWE-Stehblock losließ, die weit über das normale Maß hinausgingen, setzte dem ganzen die Krone auf. Die Ordner schienen zudem belustigt, als Daniel Heber wiederholt rassistisch beschimpft wurde (Anmerkung dazu: wenn es möglich gewesen wäre, das irgendwie zu melden, ohne dass meine eigene Gesundheit gefährdet gewesen wäre, hätte ich dies getan. Der Wuppertaler SV hat sich auf meine Anfrage über Twitter dazu nicht geäußert).

Das Spiel gegen Kaan-Marienborn habe ich aus persönlichen Gründen nicht im Stadion verfolgen können, wohl aber mit Fan-Radio im Ohr. Aus dem, was ich dort gehört habe und dem, was mir meine Kumpels erzählt haben, habe ich entnommen, dass die Partie ebenfalls nicht sonderlich gut gewesen sein soll. Na ja, tief stehender Gegner, dachte ich, da tut sich RWE seit Generationen schwer. Immerhin gewonnen, dachte ich. Und hoffe noch immer darauf, dass es der sehenswerte Treffer von Wirtz in die Auswahl zum Tor des Monats der Sportschau schafft.

Zum Jahresabschluss also gestern Köln. Die kleinen Geißböcke. Ohne Heimsieg bisher, Vorletzter der Tabelle. Ich schwer erkältet, zudem „Kinderdienst“ – kein Auswärtsspiel für mich. Die erste Überraschung kam dann mit der Aufstellung: Kein Heber, kein Brauer. Raeder erneut nicht im Tor – was ist da los?

Ich habe den Stream von Sporttotal etwas länger als eine Halbzeit verfolgen können und musste kurz vor dem 0:1 leider los. Und obwohl ich sonst versuche, jeden Moment aufzusaugen, war es mir gestern nach der enttäuschenden ersten Halbzeit egal. Einfach egal. Kein Aufbäumen, keine Kreativität, Durchschlagskraft schon gar nicht. Torchancen? Fehlanzeige. Ich meine – hallo!? Ist das der Anspruch, den die Mannschaft an die eigene Leistung hat? Bereits in Halbzeit 1 musste Heller in mindestens zwei Situationen glänzend parieren, Köln spielte, wie ich es mir von meinem Team erwartet hätte: Schnell in die Spitze, Direktpässe. Bei RWE nichts davon zu sehen. Nahm das Team Tempo nach vorne auf, drehte irgendein Spieler sicher wieder nach hinten ab oder spielte quer. Niemand, der Verantwortung übernahm, das Spiel an sich riss. So kam Köln also zum ersten Heimsieg der Saison.

Und das ist, was mich derzeit so nervt: RWE hat sich zum Ziel gesetzt, zu den Top-Teams der Liga zu gehören, scheitert aber seit Jahren daran. Ich will jetzt nicht wieder das Beispiel RWO herauskramen, die regelmäßig vor uns landen. Was machen die anders? Was macht eine SG Wattenscheid anders, wo die Spieler ständig ihrer Kohle hinterherlaufen, sich aber trotzdem den Arsch dermaßen aufreißen, dass der übermächtige Spitzenreiter mit 3:0 besiegt wird?

Viktoria wird hoffentlich das Aufstiegsrennen machen. Ab der kommenden Saison wären dann die finanzstärksten Teams erst mal weg, wenn man von den Zweitvertretungen und evtl. Rödinghausen absieht. Dann wird die Liga vielleicht ausgeglichener. Ob Relegation oder nicht – „nie war es so leicht aufzusteigen“ ist meiner Meinung nach ohnehin überzogen. Wer hoch will, schlägt auch einen direkten Rivalen. Punkt.

Doch wie soll man dieses Unterfangen endlich mal seriös angehen, ohne eine neue „Hoch-3“-Aktion zu starten? Ich möchte an dieser Stelle „Dinge, die ein Rot-Weiss Essen-Fan nicht sagt“ zitieren:

Ich habe auch kein Patentrezept, aber fürchte, wir kommen um einen erneuten Umbau der Mannschaft nicht herum. Typen müssen her, die uns auf dem Platz weiterbringen. Fürs Protokoll: Die letzten Transfers haben zunächst ziemlich gut eingeschlagen, die Wirkung scheint aber fürs Erste verpufft zu sein. Trotzdem ging das schon in die richtige Richtung. Wir brauchen Spieler, die den „aggressive Leader“ geben. Deren Brust so breit ist, dass die Gegenspieler schon vom Hingucken Respekt haben. Die sich nicht in Schönspielerei und dem x-ten Querpass verlieren. Kerle, die bei eingeigelten Gegnern wissen, wie sie trotzdem Lücken reißen können. Die mal einen Platzverweis für den Gegner provozieren. Von mir aus auch mal im Strafraum nen Elfer schinden. Wir sind derzeit zu lieb für meinen Geschmack. Mal ein Foul ziehen, warum nicht?

Das Problem an der Geschichte dürften die lieben Finanzen sein. Ohne Moos nix los, daher muss auch an dieser Front etwas geschehen, um monetäre Spielräume zu gewinnen. Und ich finde, hier darf man auch nicht davor zurückscheuen, sich von „gestandeneren“ Leuten zu trennen. Und man muss – bei allem Respekt – alles und jeden hinterfragen. Ist Platzek der richtige Mittelstürmer, oder sind wir mit ihm zu leicht auszurechnen? Ist Zeiger der richtige Koordinator in der Abwehr oder laufen ihm die gegnerischen Stürmer zu oft weg? Dies sollen nur Beispiele sein, bitte nicht als konkrete Kritik an diesen Spielern werten! Aber ich denke, meine Aussage wird damit besser untermauert.

Was aber auf Fanseite kurzfristig unterbleiben sollte, sind Generalschelten wie „so lange der Sohnemann auf dem Platz steht, haben wir eh keine Chance“ oder „Baier hat x Jahre über seinen Möglichkeiten gespielt“. So etwas ist nicht nur unfair den Spielern gegenüber, sondern zudem kontraproduktiv. Wer würde sich noch für seinen Arbeitgeber aufreißen, wenn er auf dem Flur mitbekommt, wie sein Personalchef zu einem Kunden sagt, dass man nur seinen Posten hat, weil es keine Alternative gibt. Das Ganze nimmt in den Netzwerken zum Teil Züge einer Verschwörungstheorie an.

Die Zeit des Beschwerens müssen vorbei sein, es muss nun heißen zu handeln und Möglichkeiten zum eigenen Ertrag positiv zu nutzen. Die Tabellensituation ist mit Platz 7 (evtl. 8, Nachholspiel der Alemannia) noch im einstelligen Bereich. Ein paar Plätze nach oben sollte es diese Saison noch gehen, um die Fanbasis bis zum Saisonende noch milde zu stimmen. Der Pokal steht auch noch an, vielleicht kriegen wir ja Monheim zugelost, um im Finale auf einen möglichen Zweitliga-Aufsteiger aus Uerdingen zu treffen. Ebenso vorbei sein müssen die Zeiten, in den Spieler sich öffentlich für schlechte Spiele entschuldigen und versprechen, beim nächsten Mal werde alles besser. Das haben wir alles schon zu oft gehört in den letzten Jahren, um zu wissen, dass das nicht stimmt. Es wird nicht besser.

In jedem Fall bin ich froh, dass ich jetzt ein paar Wochen rot-weiss-freie Zeit habe. Die haben wir alle uns verdient, die wir noch vor ein paar Wochen vom großen Wurf träumten, dann aber sprichwörtlich auf die Fresse bekamen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solchen Sturz von „Glanz und Gloria“ bis in die tiefste Tristesse mit gemacht zu haben. Und ich möchte so etwas auch nicht mehr mitmachen müssen.

Ich wünsche an dieser Stelle allen meinen Lesern und Freunden schon jetzt ein besinnliches Weihnachtsfest und eine guten Rutsch ins Jahr 2019. Vielen Dank für rund 500 Leser je Beitrag, Alexa hat rund 3.500 Leute erfreut 🙂

Vielleicht sieht man sich beim Angrillen, so ich denn dann Zeit habe.

Ein Gedanke zu „Winterpause. Endlich.“

  1. Ich denke, man muß vor allem kommunizieren, was man will.
    Dann kriegt man es auch „verkauft“, wenn man sich möglichst im Winter von Leuten trennt, die die Gehaltsliste nur belasten. Der Rest des Kaders sollte ausdrücklich auf Bewährung spielen, vielleicht sich einspielen und dann – entsprechendes Scouting vorausgesetzt – gezielt verstärkt werden. Gerade wenn Du vom Nachbarn schreibst: da geht Scouting auch jenseits des Platzes weiter, bevor einer verpflichtet wird. Vielleicht gar nicht schlecht….

    Gefällt 1 Person

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