Gedanken zur Zeit

Es ist Zeit für ein kleines Lebenszeichen. Zugegebenermaßen ist es ruhig geworden hier in meinem Blog, seit auch die virtuellen Spiele „durch“ sind und wir alle nur noch darauf warten, dass der Westdeutsche Fußballverband in einer Melange aus Weisheit und tollen Ideen den SC Verl als „Relegationsspiel-Teilnehmer“ für die Regio West benennt. Ein paar Gedanken zu den Geschehnissen rund um RWE.

Zur Meister-Farce ist eigentlich ja schon alles auf den verschiedenen Kanälen geschrieben worden. Der SC Verl wollte übrigens „in den nächsten Tagen das Stadion präsentieren, wo die Schwarz-Weißen dann im Fall der Fälle ihre Drittliga-Spiele austragen würden“ (Reviersport, 23.05.20). „In den nächsten Tagen“ schließt offenbar mehrere Wochen ein und sofort ist sie wieder da, diese Hoffnung, dass es vielleicht doch noch für den großen Traum in rot und weiss reichen könnte, doch die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es am Ende doch schon irgendeine skurrile Lösung für jedes Problem gibt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch die Tatsache, dass es in der Konkurrenz-Liga, im Nordosten, erstaunlich viele Parallelen gibt. Drei Teams eng beieinander, mit unterschiedlichen Spielen, der designierte „Meister“ aber mit erstinstanzlich abgelehnter Lizenz. Die beiden Rivalen haben hier auch ein Mini-Turnier vorgeschlagen und auch schon rechtliche Schritte angekündigt, sollte Lok Leipzig das Team der Stunde sein. Es bleibt insgesamt also „spannend“ – obwohl das Ende vermutlich absehbar ist. Am 20.06. soll ja über den Abbruch entschieden werden, die Lizenzfrist endet am 30.06. (soweit ich derzeit informiert bin).

Zum Thema „Dauerkarten-Verzicht“ konnte RWE die beeindruckende Zahl von 95% melden, also nur 5% wollen ihr Geld für die nicht oder nicht vor Zuschauern stattfindenden Spiele zurück – Wahnsinn. Für mich aber nachvollziehbar aus zwei Gründen. Erstens: Man entscheidet sich bewusst für die Dauerkarte, weil man Fan dieses Vereins ist. Weil man mit ihm fiebern, mit ihm leiden und mit ihm jubeln will. Das macht man nicht als einfacher „Sympathisant“. Der geht nämlich nur für eine Handvoll Spiele ins Stadion und kauft auch nur dann ein Ticket. Zweitens: Die Kohle ist eh schon weg, tut also aktuell nicht mehr weh, wenn sie nicht im Portemonnaie ist. Das kann man dann also auch meist gut verkraften. Zur Klarstellung: Natürlich kann ich es total verstehen, wenn jemand – vielleicht durch Corona bedingt – seinen Job verloren hat oder aktuell mit Kurzarbeitergeld klar kommen muss. Niemand muss sich schämen, wenn er das Geld zurückfordert. Umso mehr Respekt, dass so jemand sich eine Dauerkarte „von der Leber abspart“, wie es in einer unserer Stadionhymnen so schön heißt, wenn man es eh nicht so dicke hat.

Unter anderem zu diesem Thema durfte ich vor etwa drei Wochen einige Fragen für ein Interview der ARD-Sportschau (sic!) beantworten und zudem lecker Currywurst ausm Hafengrill auf Kosten des Gebührenzahlers genießen. Aus den gut anderthalb Stunden Gespräch und Dreharbeiten sind in dem Beitrag leider nur knapp 15 Sekunden übrig geblieben. Aber was tut man nicht alles für den Club. Den Beitrag gibt es hier.

Marc Schlömer – wenn du das liest: Ich erwarte eine Entschuldigung 🙂

Vor gut zwei Wochen hat RWE dann „mein“ Schätzchen, die unter dem Einsatz zahlreicher Fans unseres Vereins entstandene Opa-Luscheskowski-Version auf den üblichen Kanälen veröffentlicht. Solltet ihr es verpasst haben:

Auch hier nochmal ein dickes Dankeschön an alle, die dabei mitgemacht haben!

Zu den ersten Transfers:
Simon Engelmann wechselt an die Hafenstraße! Für mich mehr als nur ein dickes Ausrufezeichen. Der Mann, der seit Jahren eine hervorragende Trefferquote vorweist, nie sonderlich verletzt war und sowas wie das Schreckgespenst der Liga ist, spielt also ab kommender Saison für RWE! Ich vermute, dass hier der „Fallschirm“ in Form von Sascha Peljhan den finanziellen Spielraum gewährt hat, wo andere Teams ihre Leistungsträger coronabedingt abgeben müssen.

Zweites Ausrufezeichen: Gestern wurde die Verlängerung des Vertrags von Kevin Grund vermeldet – ich freue mich total darüber. Ein echter Vorzeigespieler, der sich unter jedem Trainer der letzten zehn Jahre Berücksichtigung erarbeitet und sie dann auch bekommen hat und ist absoluter Rekord-Vorbereiter der Regio West.

Zudem wurde heute verkündet, dass sechs weitere Spieler die Hafenstraße zum 30.06. verlassen werden: Philipp Zeiger, Robin Heller, Marcel Lenz, Hedon Selishta, Jonas Erwig-Drüppel sowie 1. FCK-Leihgabe José-Junior Matuwila. Dass Enzo Wirtz in der kommenden Saison Küchen montieren für den SV Rödinghausen auflaufen wird, war ja schon ein paar Tage länger bekannt.

Philipp Zeiger wurde durch seine Stoffwechselerkrankung leider entscheidend zurückgeworfen und hat den Anschluss ans Team leider nicht mehr gefunden. Er wird mir als hochsympathischer Leuchtturm in der Abwehr in Erinnerung bleiben, wie auch sein Sololauf gegen Lippstadt. Ich hoffe, er schaut trotzdem nochmal bei dem einen oder anderen Spiel vorbei.

Mit Robin Heller bin ich nie so richtig warm geworden, dabei kann ich das noch nicht einmal so richtig belegen. Mir hat er einfach bei einigen Gegentreffern kurz vor Abpfiff einige Male zu oft seinen Namen in den Hut geworfen. Aber wie heißt es so schön: Wenn du nichts Gutes über jemanden sagen kannst – sag nix!

Marcel Lenz… vom MSV (?) gekommen, oft und dann auch lange verletzt, trotzdem bei seinen Einsätzen solide. Ich denke, hier hat Golz aufgrund seines geringeren Alters einfach die bessere Perspektive, sodass man den Platz des „gestandenen“ Schlussmannes einem anderen Spieler anbietet. Lenz will sicher nicht auf die Bank.

Hedon Selishta kam auch als große Torhoffnung zu RWE, hat diese auch in ein paar Spielen zeigen können. Zwei Buden in Lippstadt, ein toller Lupfer gegen Bonn, dazu natürlich der Siegtreffer in Wuppertal – schade. Ich hätte ihn gerne weiter hier gesehen, er hätte es aber mit Engelmann schwerer gehabt, auf Einsatzzeiten zu kommen.

Erwig-Drüppel. Hm. Hat mich nie von seiner Stärke wirklich überzeugen können.

Matuwila war bärenstark gegen RWO, das muss man ihm lassen. Aber in den Spielen danach – als Linksverteidiger, wenn ich mich nicht täusche – hat er sich gerne mal überrennen lassen. Hier endet aber die Leihe, sodass auch hier die Trennung nachvollziehbar ist.

Bei Enzo Wirtz kann ich die Begeisterung für ihn bei der breiten Masse nicht nachvollziehen. Klar, auch er weiß, wo das Tor steht, wirkte in vielen seiner Aktionen aber eher staksig, unpräzise, manchmal auch zu langsam, stand dafür aber halt auch schon mal da, wo ein Stürmer stehen muss. Seine beiden Buden in Oberhausen haben nicht gereicht, ihn häufiger auf den Platz zu befördern. Ob er in Rödinghausen – die ja „auf Jahre“ nicht aufsteigen wollen und derzeit einen ziemlichen Aderlass erleiden – in die Fußstapfen von Engelmann treten kann, wage ich zu bezweifeln. Insgesamt vermute ich ohnehin, dass wir den SVR in der kommenden Saison irgendwo zwischen Platz 5 und 9 wiedersehen werden.

Bleibt zu hoffen, dass es uns gelingt, ein starkes Team zu formen, dass am Ende der Saison 2020/21 von ganz oben grüßt und zum Abschied leise „servus“ sagt.

Ich werde sicher noch so etwas wie einen Saisonrückblick verfassen. Aber so lange nicht endgültig Schluss ist… 🙂

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