17. Spieltag – Wuppertaler SV – RWE

Zwei große läuferische Leistungen gab es heute an der Wupper zu beobachten. Die eine vollbrachte der Autor dieser Zeilen höchstselbst, als er samt Sohnemann um 13:55 sein geparktes Auto verließ, zur Hauptkasse „sprintete“ und rechtzeitig zum Anpfiff das Stadion betrat. Die andere… aber dazu kommen wir später.

Bei RWE rückte Neuwirt für den gelbgesperrten Grote in die Startelf, ansonsten vertraute Titz demselben Team, das auch gegen Lotte gestartet war.

Synchronität der Ereignisse, man hat sich beinahe schon dran gewöhnt: Die Rot-Weissen beginnen ordentlich (und hatten in Person von Kehl-Gomez die erste Halbchance), man ist geneigt, sich einigermaßen entspannt zurückzulehnen, da schlägt der Gegner mit der ersten Chance eiskalt zu: Marzullo wird halbrechts nur begleitet, er zieht ab, der Ball schlägt für Golz unhaltbar am langen Pfosten ein. 0:1, der Zoo ein Tollhaus.

Stichwort „Stadion am Zoo“: Ich habe ja mittlerweile auch das eine oder andere Auswärtsspiel unseres Vereins mitverfolgen dürfen, doch nirgendwo habe ich auf der Haupttribüne, also fernab des „gemeinen Pöbels“, so viel blanken Hass uns gegen über wahrgenommen wie dort. Und das seit Jahren. Paradox, dass ausgerechnet das Heimspiel gegen uns ein wichtiger Baustein in der wirtschaftlichen Planung des WSV ist.

Zurück zur Partie, zum gewohnten Bild: Der Gegner in Führung stellt sich hinten rein, RWE irgendwo zwischen „geduldig und ohne Hast“ und „das wirkt planlos“. Viele Ballkontakte von Hahn zu Golz, zu Heber und zurück, wenig Langholz, dafür aber sehr bedächtiger Aufbau, der den nervösen Fan auf der Tribüne gerne auch mal verzweifeln lässt. In dieser Phase waren Kehl-Gomez immer wieder Sauerland und Krasniqi noch die Spieler mit dem größten Zug nach vorne. Dennoch hatte der Coach nach etwas mehr als einer halben Stunde genug gesehen, er nahm Grund vom Feld, stellte Neuwirt auf dessen Position und brachte Endres, der wiederum für Krasniqi nach außen rückte. Zählbares sollte durch diese Maßnahme jedoch in Halbzeit eins nicht herausspringen, lediglich ein Distanzschuss von Kefkir drehte sich auf den Kasten, wurde aber von WSV-Keeper Lübcke (war das nicht der Assistent von Danger Mouse?) mit einer tollen Parade aus dem Winkel geholt.

Nach dem Wechsel verlagerte sich das Spielgeschehen immer mehr vor den Wuppertaler Kasten. Titz brachte Dahmani für Krasniqi, der zwar viel unterwegs, aber meist auch glücklos war. Wenige Umdrehungen auf der Uhr startete Kefkir einen Vorstoß, wurde jedoch zum Eckball abgeblockt. Dieser Eckball landete bei Fußballgott Platzek, der ihn volley im Kasten zum Ausgleich unterbringen konnte. Endlich!

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Zwar kam RWE daraufhin besser ins Spiel, weil Wuppertal sichtlich verunsichert war, doch der WSV hatte auf jeden Angriff eine Lösung parat und kämpfte – zugegebenermaßen – leidenschaftlich gegen die drohende Niederlage und konnte sich auch den einen oder anderen Standard vor dem Essener Tor erarbeiten. Und beinahe wäre es so gekommen, wie man es als RWE-Fan ja fast schon gewohnt ist: Einer der wenigen Angriffe der Wuppertaler kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit, Distanzschuss vom linken Strafraumeck – Außenpfosten. Dorow hatte zu diesem Zeitpunkt Platzek ersetzt, Selishta war für Condé nur Momente zuvor eingewechselt worden.

Der WSV seit zwölf Partien ohne Sieg und im Tabellenkeller, RWE oben dran – ein Unentschieden wirkte da zu wenig. Als der Schiedsrichter eine Nachspielzeit von fünf Minuten anzeigte (es gab u.a. eine längere Verletztungspause des Wuppertaler Keepers), verlagerte sich RWE dann auch auf das berühmte Langholz. Endres und Dahmani hatten den Siegtreffer auf dem Fuß, konnten ihre Chancen aber nicht nutzen. Dann jedoch die 96. Minute: Freistoß von Heber von der Mittelline, der Abpraller landet über Dorow und Kefkir bei Sauerland, der noch einmal durchstarte und von der Torlinie zurücklegte. Dorow traf den Ball nicht richtig, verlängerte dadurch aber unfreiwillig zu Selishta, der ihn nur noch ins leere Tor musste.

Was folgte, war der zweite großartige Sprint des Tages: Das komplette Team inklusive Ersatzspielern rannte angeführt von Selishta einmal quer über den Platz zum Gästeblock, um den Treffer zu feiern – eine schöne Geste für alle, die trotz des Boykotts einiger Teile der „aktiven Szene“ den Weg an die Wupper gefunden hatten.

Die Reklamationen der Wuppertaler auf Abseits wurden nicht gehört – zurecht, wie hier gut zu sehen ist:

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=UDac-vObFJU

Selishta dachte wohl, das Spiel sei vorbei – war es aber nicht. Eine gelbe Karte (wegen „Kletterns auf den Zaun“) und einen letzten, verzweifelten Angriff der Gastgeber später jedoch durften aber die mitgereisten Essener den ersten Sieg seit mehr als 30 Jahren gegen den WSV am Zoo bejubeln.

Es war ein verdammt wichtiger Sieg, wenn man nun mal einen Blick auf die Tabelle wirft. Nach dem Patzer der Verler in Homberg konnte RWE die Distanz auf die Ostwestfalen auf zwei Zähler reduzieren und bleibt in Schlagdistanz zu Rödinghausen, das noch immer ein Spiel mehr (und eine deutlich bessere Tordifferenz) aufzuweisen hat. Wie oft haben wir darauf in der Vergangenheit gehofft, wurden dann aber doch enttäuscht?

Einen Spieler des Tages festzulegen fällt mir heute nicht schwer. Marco Kehl-Gomez ist momentan nicht wegzudenken aus dem Team, er ist einfach überall auf dem Platz zu finden und hat seine Rolle als „6er bis 8er“ so sehr angenommen, dass er in der Innenverteidigung kaum wegzudenken wäre.

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Einen ganz besonderen Dank muss ich aber noch loswerden, dazu hole ich ein bisschen weiter aus: Mein Sohn hatte das große Glück, für das heutige Spiel eine Foto-Akkreditierung zu erhalten, sodass er mit seiner Kamera an den Spielfeldrand durfte. Doch wenige Momente, nachdem er mich auf meinem Tribünenplatz abgeliefert hatte, stand er völlig niedergeschlagen vor mir – er hatte seine Speicherkarte nicht in die Kamera eingelegt. Hier war Markus Endberg – seines Zeichens Profi-Fotograf und u.a. für jawattdenn im Einsatz – so freundlich, ihm eine Ersatzkarte zu leihen. Du hast einem Jungen den Tag gerettet, auch hier nochmal vielen Dank dafür! So stelle ich mir rot-weissen Zusammenhalt vor! Einen Auszug der Ergebnisse könnt ihr hier im Blog sehen. (Man munkelt, er sei beim Siegtreffer der Mannschaft hinterhergesprintet… Ich gönn’s ihm!)

Kommende Woche stellt sich die Aachener Alemannia an der Hafenstraße vor, noch so ein unangenehmer Gegner. Aber ich bin sicher: wenn die Alemannia in Führung geht, gewinnen wir die Partie! Ansonsten auch!

Der Moment, wenn der Ball im gegnerischen Kasten einschlägt. 

Darum liebe ich den Fußball mit all seinen Emotionen. Und genauso liebe ich für solche Spiele unseren Verein. Wuppertal – Essen. Für die einen das Spiel der Spiele, dass im Vorfeld mit Hassparolen, bunten Plakaten und allerhand Verzierungen entlang der S9 angeheizt wurde, für die anderen die große Chance, eine mal wieder verkorkste Saison vielleicht zu einem kleinen Happy End zu bringen.

Der ganze Abend ging dabei total ätzend los: geschlagene 75 Minuten am Einlass, Polizei und Andrang sei Dank. Den Anpfiff erlebte ich unten an der Treppe zur Stehtribüne, aber in den wenigen Sekunden habe ich wohl nichts verpasst.

Die erste Hälfte war mal wieder das, was man „taktisch umkämpft“ nennt. Die Gastgeber versuchten es schwungvoll, Rot-Weiss schien mehr mit dem Platz zu kämpfen als mit dem Gegner. Echte Chancen gab es daher auf beiden Seiten nicht. Nach vorne ging es bei uns zu selten präzise genug, hinten sorgte Zeiger mal wieder für Ordnung und kochte den Wuppertaler Wuschelkopf (keine Ahnung, wie der hieß) immer wieder aufs Neue ab. Wichtigste Szene daher leider, als sich Malura bei einer Klärungsaktion wohl das Knie verdrehte. Der Betreuer signalisierte zunächst „Auswechslung“, wenig später kam Malura zunächst humpelnd und beeinträchtigt wieder aufs Feld. Er hielt die komplette Partie über durch, Chapeau! Das nenne ich Einsatz!

Mit 0:0 ging es in die Kabine. Mein Eindruck bis dahin war, dass wir dieses Spiel höchstens mit einem Tor aus dem Nichts gewinnen könnten, zu verfahren das Spiel nach vorne.

Halbzeit zwei dann relativ schnell mit einem bösen Dämpfer: erst wird der Ball nicht ordentlich geklärt, ein Wuppertaler zieht von halblinks ab – rechter Pfosten. Auf der rechten Seite kommt ein Wuppertaler an den Ball und kann sich die Ecke aussuchen – 0:1!

Das war’s! Wie sollten wir da nochmal zurück ins Spiel kommen? So: Bednarski setzt sich gegen zwei Mann durch, spielt zurück auf Platzek, der nochmal auf Baier. Dieser hat die Nerven, sich den Ball noch zurechtzulegen und dann aus 10m dem Keeper durch die Beine zu schießen! Stille auf den Heimtribünen, Ekstase bei den RWE-Anhängern.

Wenig später: Ngankam kommt mal mit Schwung über rechts, lässt zwei Verteidiger stehen und schickt Platzek, der den Ball von der Grundlinie auf den langen Pfosten bringt, wo Brauer ihn über die Linie nickt – Führung. Als dann Platzek im 16er fällt, der Pfiff aber ausblieb, reagierte Ngankam als Erster und legte ab in die Mitte, wo wieder Baier aus 18m den Ball in die Maschen jagt – 3:1, beruhigende Führung!

Die Chance zum 4:1 war auch noch ein paar Mal da, aber es kann ja nicht jeder Ball reingehen. Bis zum 3:1 war auf beiden Seiten jeder Schuss aufs Tor drin.

Doch RWE wäre nicht RWE, wenn es nicht nochmal spannend würde: Ngankam blieb im 16er liegen, die Essener bitten darum, den Ball ins Aus zu spielen. Als sie merken, dass dies wohl nicht passieren würde, läuft der Stürmer bereits an allen vorbei, in der Mitte einer seiner Kollegen, nur noch 3:2.

Unser Trainer brachte mit Meier und Weber nochmal Personal für die Defensive und könnte damit die große Gefahr verhindern. Zwei Minuten vor Schluss dann nochmal eine dicke Chance für Platzek, der den Ball aus der Drehung an die Latte schoss.

In der Nachspielzeit fand dann das große Zittern ein Ende: am eigenen 16er wird Malura umgemäht, Gelb-Rot für den Wuppertaler, Abpfiff!

Das war heute ein Erfolg der Mannschaft auf und neben dem Platz. Wo es in der ersten Halbzeit gehakt hat, wurde in der zweiten Halbzeit um jeden Ball gekämpft. Baier, Brauer und Platzek mit einem immensen Laufpensum. Zeiger hat wohl keinen einzigen Zweikampf verloren. Becker nach seiner Einwechslung ebenfalls stark und mit guten Aktionen nach vorne. Endlich wurde am Ende mal dreckig hinten rausgepöhlt, abgewichst Zeit geschunden, wie man es sonst nur von den Gegnern kennt und das Ergebnis über die Zeit gebracht.

Natürlich war heute nicht alles Gold, was glänzt. Verdient war der Sieg aber allemal.

Die Pyroshow zu Beginn der zweiten Halbzeit wird uns wohl nun das angedrohte Geisterspiel bringen. Meine Meinung zu diesem Thema sollte bekannt sein.

Die meisten Rot-Weissen dürften jetzt am 02. Mai den Zebras die Daumen drücken, die den erhofften Aufstieg vermutlich schaffen werden. Ich persönlich gönne ihnen Platz 4 – nach einem Sieg an der Emscher natürlich.

Diesen Blog habe ich zu etwa 90% am Bahnhof Sonnborn geschrieben, wo ich erneut 45 Minuten warten musste. Mit der Pünktlichkeit hat man es nicht so im Tal. Aber egal:

Wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus und ihr bleibt hier…

NUR DER RWE!