Wieder nix.

Da ist es also passiert: Zum ersten Mal habe ich nach einem Spiel so eine Art Schreib-Blockade. Was haben wir da gestern erlebt? War es trotz der Niederlage eine ordentliche Partie unseres Teams? Oder war es nur so ein enges Spiel, weil die Viktoria zu arrogant agierte? Die Antwort auf diese Fragen fehlt mir leider noch immer, trotzdem werde ich versuchen, das gestern Erlebte in Worte zu fassen.

Zunächst wären da diese unsagbaren Transparente auf der West zu nennen, die aus allen Rohren verbal in Richtung Michael Welling feuerte. Dem Vernehmen nach ging es dabei (ausnahmsweise einmal) nicht um die sportliche Situation des Vereins, sondern darum, dass ein „Fan“ für den Wurf von Feuerzeugen zum Regress für die von Verband verhängte Strafe herangezogen wurde. Dies zeigt einmal mehr das Selbstverständnis, das auf der „West“ zu herrschen scheint. Der Verband reagiere willkürlich und außerhalb jedweder Rechtsprechung (obwohl alle im Ligabetrieb teilnehmenden Vereine sich eben dieser Sportgerichtsbarkeit (siehe auch Vereinsautonomie im Grundgesetz!) unterworfen haben), und vor diesem Hintergrund meint man anscheinend, man könne sich solche Dinge erlauben. Das gehöre eben dazu, früher war alles noch schlimmer, und überhaupt. Parallelen zur Pyrodiskussion sind hier deutlich zu erkennen. Meiner bescheidenen Meinung nach muss man sich bewusst sein, dass man für verursachte Schäden aller Art halt haftbar ist. Da ist es auch nicht von Bedeutung, dass Vereine halt mehr Geld „parat“ haben als Otto Normalzuschauer. Wenn ich auf der Autobahn mit nem Twingo in nen Rolls Royce knalle, hafte ich auch nicht nur bis zum Wert meiner Karre. Als Ehrenrettung sei gesagt, dass auch deutliche Pfiffe gegen die Plakataktion zu hören waren. Zum Thema Michael Welling lege ich dem geneigten Leser gerne den hervorragenden Beitrag der Kollegen von jawattdenn.de nahe.

Zum Spiel: In der ersten Halbzeit war unser Team darauf bedacht, nach hinten nicht viel zuzulassen, während die Kölner von Beginn an das Heft in die Hand nahmen und RWE nicht aus der eigenen Hälfte hinaus ließen. Angriff um Angriff wurde aufgebaut, scheiterte jedoch an der im Großen und Ganzen sicher stehenden Defensive.

Als RWE dann die ersten eigenen zaghaften Aktionen aufzuziehen begann, traf Viktoria mit dem ersten echten Angriff. Ein Freistoß wurde nach schnell nach vorne gespielt, Brauer rannte seinem Gegenspieler nur hinterher, dieser spielte steil in den Strafraum, wo ein Kölner Becker abschüttelte und durch die Beine von Heller vollendete. Aus meiner Sicht muss Heller hier ein, zwei Schritte auf den Schützen zumachen, anstatt im kurzen Eck auf den Beinschuss zu warten.

Nach dem Tor versuchte die Viktoria in meinen Augen, mit einer Mischung aus Hochnäsigkeit und Arroganz über Schönspielerei vor das Essener Tor zu gelangen und vergab dadurch die Gelegenheit, weitere Treffer nachzulegen. Der Rest der ersten Halbzeit war gezeichnet von am Boden liegenden Kölnern, die Probleme mit der Schwerkraft zu haben schienen und bei jedem Kontakt direkt zu Boden gingen. Weitere Chancen gab es für beide Teams also nicht, so dass es mit dem Stand von 0:1 bei einigen wenigen Pfiffen in die Pause ging.

Eine grobe Viertelstunde nach Wiederanpfiff räumte Malura in höchster Not (Steilpass in den Rücken der aufgerückten Becker und Zeiger) einen Kölner vor dem Sechzehner per Bodycheck ab, Freistoß an der Strafraumgrenze und Platzverweis waren die Folge. Malura hatte bis dahin einen starken Eindruck auf der rechten Abwehrseite hinterlassen, wenn seine Flankenläufe auch nicht im Ansatz von Erfolg gekrönt waren. Eben dieser Offensivdrang ist das, was ich bei Urban beispielsweise in den letzten Spielen vermisst habe.

Nichtsdestotrotz steckte unser Team nicht auf und schaffte es sogar zeitweise, die Gäste zurückzudrängen. In der Phase von der 60. bis zur 80. Minute war RWE dem Ausgleich in Unterzahl näher, Viktorias Konterversuche konnten frühzeitig unterbunden werden. In zwei Situationen reagierte Heller in höchster Not glänzend und konnte eine vorzeitige Entscheidung verhindern. Allerdings fiel mir in dieser Phase zum wiederholten Male die technische Begrenztheit im Spiel von David Jansen auf, der – oft lang und hoch angespielt – kaum einen Ball festmachen konnte. Marcel Platzek wurde jedoch ausgewechselt – dies führte zu weiteren Pfiffen in Richtung Trainerbank, da für den Außenstehenden natürlich nicht zu erkennen war, dass er sichaufgrund eines Schlages gegen den Kopf vermutlich eine Gehirnerschütterung zugezogen hat – und so durfte Jansen bis zum Spielende „wirken“. Der Transfer von Jansen, zu Saisonbeginn in der Journaille als „Königstransfer“ gefeiert, ist bislang ein echter Rohrkrepierer. Der später eingewechselte Bednarski wirkte direkt engagierter und auch gefährlicher in seinen Aktionen.

Sekunden vor Spielende hatte ein Großteil der Zuschauer schon den Jubelschrei auf den Lippen. Pröger erlief einen Rückpass auf den Kölner Keeper und konnte dessen Abschlag blocken, allerdings sprang der Ball zu weit hoch und nach außen, so dass er aus spitzem Winkel am zurückeilenden Torwart scheiterte.

Dass mit der letzten Aktion dann gegen die komplett aufgerückte Defensive noch das 0:2 fiel, ist schon beinahe eine Randnotiz. Erneut verloren, Wegberg besiegt zeitgleich überraschenderweise Rödinghausen – damit ist der Abstiegskampf nun greifbar geworden, zumal bei Siegen von Bonn und Verl, die nach dem Spieltag auf jeden Fall auch noch ein Spiel weniger haben, auch auf dem Papier ein Platz auf den Abstiegsrängen droht.

Nichtsdestotrotz glaube ich noch fest daran, dass wir frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Ich kann einfach diese Bandbreite in der Qualität unserer Spiele nicht verstehen. Und überhaupt: Warum sieht es eigentlich derzeit bei unseren Gegnern immer so leicht aus, wenn diese ihre Angriffe vortragen? Zwei, drei schnelle Pässe und man steht blank vor unserer Kiste. Warum nicht umgekehrt?

Ich will doch gar nicht viel. Nur mal wieder ein paar Punkte. Vielleicht tat Baier die Denkpause mal gut, vielleicht hat auch der neue Trainer schon eine Idee, wie er mit einer Systemänderung (?) schnell wieder Erfolge erzielen kann. Generell fehlte mir auch eine gewisse Grundaggressivität, mal ’nem Ball hinterhergrätschen…

Das aktuelle Spiel des Jahres findet aber zunächst am Mittwoch am Uhlenkrug statt. In der aktuellen Lage scheint es wichtiger denn je, den Niederrheinpokal zurück an die Hafenstraße zu holen.

Rechenspiele – Ein Bericht zur Lage in der Liga

Das erste Pflichtspiel des Jahres ist Geschichte, bekanntermaßen hat unser Herzensclub bei Viktoria Köln unglücklich mit 1:2 verloren. Dazu ist schon einiges geschrieben worden, so dass ich dies an dieser Stelle nicht nochmal aufrollen möchte, zumal ich aus verschiedenen Gründen nicht selbst vor Ort war. Am Radio mitzufiebern ist echt die Hölle…

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag auch schon vor der Partie geschrieben haben, aber wie das halt immer so ist mit der Zeit.

Bekanntermaßen bin ich ein kleiner Zahlenfreak, und als solcher habe ich mir schon Gedanken zum restlichen Saisonverlauf gemacht. Alles Folgende bezieht sich allerdings auf den Stand jetzt, also nach dem Viktoria-Match. Natürlich sind da auch noch die Kollegen aus dem Tal, aber ich gehe davon aus, dass diese im Fall der Fälle erst Recht kein Problem darstellen würden.

Derzeit beträgt unser Rückstand auf Platz 1 satte 13 Punkte, somit ist der Aufstieg wohl auch für die kühnsten Träumer unter uns außer jeglicher Reichweite. Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass der BVB noch zwei Spiele „in petto“ hat, bei Siegen würde unser Rückstand gar auf 14 Punkte anwachsen. Das bedeutet, dass wir satte 5 Spiele mehr gewinnen müssen als beide Borussen-Teams und Viktoria – bei gerade mal 13 verbleibenden Partien.

Sollte uns dieses Kunststück in einem Falle oder gar zweien schaffen, so ist die Chance, dies in allen drei Fällen zu schaffen, wohl verschwindend gering. Ich halte es im Durchschnitt für möglich, einen Punkt pro Spieltag noch aufholen zu können. Dies basiert hauptsächlich auf Rechnereien der letzten paar Saisons, in denen ich gegen Ende immer mal wieder unter Zuhilfename von Excel durchgerechnet habe, wie denn unsere Chancen auf Aufstieg / Klassenerhalt noch so stehen. Und ihr merkt vielleicht: 13 Punkte – 13 Spiele: das dürfte es gewesen sein, sollte nicht noch Unglaubliches passieren.

Auf der anderen Seite beträgt aber auch unser Vorsprung auf die Abstiegsplätze ebenso 13 Punkte, was bedeutet, dass auch diese Wahrscheinlichkeit gegen Null tendiert. Das sollte beruhigend genug auf die Mannschaft wirken, um den Rest der Saison auf solidem Level weiterzuspielen und zumindest Platz 4-5 zu sichern. Dies könnte dazu führen, dass das Team von Spiel zu Spiel weiter zusammenwächst, um dann in der kommenden Saison das nötige Quäntchen mehr mit auf die Waage zu bringen, um solche Partien wie Samstag zu den eigenen Gunsten zu entscheiden.

Denn – und da wiederhole ich mich gerne – in meinen Augen haben wir häufiger nicht gewonnen als schlecht gespielt. Wir haben beispielsweise nur zwei Spiele mehr verloren als Viktoria, aber satte drei Unentschieden mehr. Dies gilt es zu optimieren.

Genau aus diesem Grunde ist es meines Erachtens nach wichtig, die Saison trotz eventuell bald eintretender Spiele um die berühmte goldene Ananas noch nicht abzuhaken, sondern das Team weiter in gewohnter Form zu unterstützen. Besonders, weil die Zuschauerzahl in Abhängigkeit zur Spannung sinken wird.

Und überhaupt: So lange rechnerisch noch was geht, muss eh weiter dran gezogen werden, basta!

In diesem Sinne: Lasst uns Samstag Düsseldorf weghauen und denen den Karneval verderben. An Aschermittwoch dann bitte Wuppertal als Pokal-Los!

NUR DER RWE!