Heiteres Kandidaten-Raten

Da meine Meinung zum Abgang bereits hervorragend von Im Schatten der Tribüne und Catennaccio 07 eingefangen wurde und ich nicht noch zum dritten Mal darauf herumreiten will, habe ich mir verschiedene Trainerkandidaten, die in Foren und Netzwerken herumgeistern, näher angesehen. Natürlich besteht hier weder Anspruch auf Vollständigkeit und das Ganze gibt zum Teil nur mein Bauchgefühl wieder. Über allen Namen hängt zudem das Banner „finanziell machbar?“.

In alphabetischer Reihenfolge (für die Doofies: nach Nachnamen!):

Ismail Atalan schaffte das „Wunder von Lotte“, ging dann völlig überraschend zum VfL Bochum, anstatt erstmal die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Hatte dort nur zehn Gastauftritte. Wird in meinen Augen etwas überschätzt. Weiß zwar, wie Aufstieg geht, hatte in Lotte aber auch satte vier Jahre (in Worten: einhundertundzehn Spiele) Zeit. Zeit gibt es in Essen erfahrungsgemäß selten für einen Trainer. Wenn es in eventuellen Gesprächen knistert – warum nicht.

Karsten Baumann (auch bekannt als „der falsche Karsten Baumann“) spielte beim Wuppertaler SV, als zeitgleich der „richtige Carsten Baumann“ für uns auflief. Hat auf Regionalliga-Ebene aus seiner aktiven Zeit bestimmt jede Menge (gute?) Kontakte. Gilt als (was ist eigentlich das Gegenteil von „Saubermann“…) jemand mit Ecken und Kanten. Hat keine gute Vorgeschichte mit RWE – Finger weg, wäre schon vor seinem ersten Spiel „unten durch“.

Andreas Crom – Essener Urgewächs, Rot-Weisser durch und durch. Kennt die Spieler alle bereits mit Rückennummer und Vornamen. Gelang das Kunststück, dreimal in Folge die Champions League – mit dem VfL Osnabrück und anschließend zweimal mit RWE (Anstoß 3) – zu gewinnen. Sehr emotional, vor allem bei Niederlagen in Fifa. Stünde ablösefrei zur Verfügung, könnte aber nur abends und am Wochenende. Vorausgesetzt, der Abwasch ist erledigt und der Hund war gassi.

Peter Hyballa hatte schon bei RWE unterschrieben, bevor die Insolvenz das Papier für nichtig erklärte. Kurzes Gastspiel in Holland, aber dort auch schon wieder weg vom Fenster. Steht im Ruf, „ein Guten“ zu sein. Wäre in meinen Augen aber ein weiteres, gewagtes Experiment.

Lorenz-Günther Köstner war unser letzter Trainer in der zweiten Liga und ist mittlerweile 65. Hat nach seinem Abgang hier satte sechs Jahre die 2. Mannschaft des VfL Wolfsburg trainiert. Allerdings ist er auch schon seit 2014 ohne Job. Ich denke, er hat genug vom Trainerdasein und genießt sein Altenteil. Abgesehen davon kann ich nicht verstehen, was einige an ihm gefressen haben. Hat damals allerdings mit der groben Kelle aufgeräumt, das muss man ihm lassen. Allerdings sehe ich in unserem Team keine Quertreiber, die diesen Ansatz rechtfertigen würden.

Stefan Krämer kennt Marcus Uhlig aus Bielefelder Zeiten, zuletzt schon bei RWE (dem falschen im Osten). Hat noch nicht viel an Erfolgen vorzuweisen, wäre andererseits auch nicht vorbelastet.

Norbert Meier dürfte wohl deutlich zu teuer sein, außerdem nicht die Art Trainer, die sich in die Arbeit reinreden lässt – schon gar nicht aus finanziellen Gründen. Macht, was er will, geht im Zweifel über Leichen.

Farat Toku oft genannt, macht einen hervorragenden Job in Wattenscheid mit den engen Grenzen, die er dort hat. Genau das dürfte auch das Problem sein. Bis dass der Tod euch scheidet…

Peter Vollmann ist derzeit noch für den neuen Giannikis-Club VfR Aalen tätig und trennt sich, wie es scheint, im Guten. Dürfte den Westen gut kennen, war ja lange in Münster und Wattenscheid „unterwegs“. Hat im Großen und Ganzen in Kiel, Wehen und Aalen gute, solide Arbeit geleistet, „kann“ Dritte Liga. Die Frage dürfte sein: „Will“ er auch vierte Liga? Mein persönlicher Favorit, vermutlich aber Träumerei.

Stefan Vollmerhausen ist derzeit beim Wuppertaler SV im Amt. „Wieder im Amt“ müsste man eigentlich sagen, denn er war nach dem überraschenden Abgang von Marco Antwerpen von Viktoria zu Preußen Münster schon eigentlich sicher in Köln auf der Bank, hat sich dann aber noch umentschieden. Warum – das bleibt Spekulation. Trotzdem – wäre zwar möglicherweise ein Top-Mann für uns, aber wer bei laufendem Vertrag so öffentlich bei anderen Vereinen vorstellig wird… Nee, lass ma‘.

Maik Walpurgis – Hassobjekt Nummer eins bei den Partien gegen die Sportfreunde Lotte. Nach seinem Fast-Aufstieg später sogar in Liga 1 gelandet. Hat sicher höhere Ambitionen, als sich hier nochmal beschimpfen zu lassen.

Carsten Wolters ist bereis im Verein und hat in der U19 „bewiesen“, was er kann. Seitdem nur noch in der Funktion als zweiter Mann an der Seitenlinie. In meinen Augen keine gute Lösung bei der Vorgeschichte.

Andreas Zimmermann hat ebenfalls eine RWE-Vorgeschichte. Stieg mit dem legendären Kader um Bonan und Goldbaek auf, schloss sich danach aber dem SC Paderborn an (nein, VOR Lübeck!). War lange Trainer in Oberhausen und – soweit ich das mitbekommen habe – dort auch für seine Arbeit sehr geschätzt. Habe ihn in Erinnerung (als Trainer), dass er sein Team auf der emotionalen Schiene packen kann. Wäre bei uns sicher nicht verkehrt.

Vielleicht wird es einer von denen, vielleicht auch nicht. Welche Vorschläge hättet ihr?

[Youtuber-Stimme]
„Haut sie in den Kommis raus, macht’s gut, bis zum nächsten Mal!“

Egal, wer es wird. Ich wünsche mir a) keine erneuten leeren Phrasen und b) eine faire Chance ohne Rücksicht auf vergangene Erfolge oder Misserfolge. Denn eines kann der Giannikis-Nachfolger als einziger Mensch für sich reklamieren: Er ist Trainer beim geilsten Verein der Welt!

NUR DER RWE!

Beim Zeus! Wir haben einen neuen Trainer!

RWE hat einen neuen Cheftrainer. Argirios Giannikis übernimmt zunächst bis zum Saisonende unser aller Lieblingsteam. Ich persönlich habe diesen Namen zuvor nie gehört, allerdings gilt er wohl in der „Szene“ als Taktikfuchs. Wollen wir hoffen, dass es ihm gelingt, seine Spielphilosphie auf unser Team zu übertragen und ihm endlich wieder Stabilität zu verleihen. Eine faire Chance hat er auf jeden Fall verdient. Selbst die Kritiker von Lucas/Welling sollten einsehen, dass ER am wenigsten dafür kann, dass die Wahl auf ihn gefallen ist.

Alles Gute, Agi! Auf eine erfolgreiche Arbeit bei RWE; auf dass wir nachher nicht sagen, dass griechisch einfach nur für’n Arsch ist. Wie heißt eigentlich der griechische Gott des Fußballs?

„Mein Sohn bleibt Grieche!“ – Elena Sarikakis, Lindenstraße

Nachschlag

Nachdem unser aller Lieblingsverein nun nochmal auf dem Transfermarkt tätig war, „schulde“ ich euch noch ein kleines Update zu den beiden noch fehlenden Neuzugängen (hier nochmal mein erster Beitrag):

Hervenogi Unzola
Dieser Spieler dürfte den wenigsten bekannt gewesen sein, obwohl er bei den Jugendmannschaften von Leverkusen, der Kölner Viktoria und auch dem BVB ausgebildet wurde, in Dortmund auch in der 2. Mannschaft zum Einsatz kam und dann über Lotte nach Verl ging, wo er in den vergangenen zwei Saisons mit 32 bzw. 29 Spielen durchaus Stammpersonal war. Seine Position ist der linke Verteidiger, womit er eine Alternative zu Cokkosan bildet. Somit sind die Zeiten der „Notlösung“ Grund in der Verteidigung wohl vorbei.
Prognose:  dürfte sich trotzdem erstmal hinter Cokkosan anstellen

David Jansen
Vermutlich letzter Transfer dieses Sommers ist der ehemalige Oberhausener und zuletzt bei Viktoria angestellte Jansen. Obwohl er während aller Spiele gegen RWE, an die ich mich so erinnern kann, alles dafür getan hat, vom Essener Publikum gehasst zu werden, hat seine Verpflichtung kurioserweise eher Beifall und Erstaunen in den sozialen Netzwerken hervorgerufen. Mit 42 Toren aus 124 Partien, also einem Treffer in durchschnittlich jedem dritten Spiel hat er auch eine Top-Bilanz, wenn er auch in der vergangenen Saison nur noch 3 Treffer erzielte. Hier spielte aber sicherlich eine Rolle, dass z.B. ein Kreyer plötzlich das Tor wieder gefunden hat und er zuletzt auch mit dem Trainer dem Hörensagen nach nicht mehr so gut zurecht kam. Jansen bringt das mit, was meiner Meinung nach noch ein wenig im Sturm fehlte: Er ist ein klassischer Mittelstürmer, der auch mal das Dreckschwein raushängen lässt. Jemand, der einfach mit seiner Wucht in den Strafraum ziehen und sich auch gegen zwei Gegenspieler mal durchsetzen kann.
Prognose: Nach Engelbrechts Ausfall und der derzeitigen Verletzung von Bednarski ist es durchaus im Bereich des Denkbaren, dass in der Spitze direkt neben Platzek spielt.

Damit haben wir nun im Angriff so etwas wie ein Luxusproblem, denn Bednarski und Pröger sind eigentlich auch zu schade für die Bank, Grund ist momentan der einzige linke Mittelfeldspieler im Kader, der dort sinnvoll agiert.

Meine Startelf gegen Dortmund:

Angriff:                              Platzek / Jansen
Off. Mittelfeld:              Grund / Baier / Pröger
Def. Mittelfeld:                     Meier (Lucas)
Verteidigung:      Cokkosan / Urban / Zeiger / Malura
Tor:                                           Heller (Lenz)