25. Spieltag – RWE – RWO

War das wichtig! RWE bezwingt die rot-weißen Nachbarn in einer spannenden Partie mit nur wenigen Torszenen. Hochverdient, wie ich meine.

Besucher des gestrigen Abschlusstrainings dürften von der Aufstellung nur wenig überrascht gewesen sein. Titz vertraute dem „Club der alten Männer“ und brachte mit Grote und Kefkir zwei der „gestandeneren“ Spieler, Hildebrandt und Endres mussten zunächst auf der Bank Platz nehmen. Für den gesperrten Hahn durfte Neuzugang Matuwila auflaufen und lieferte auch gleich eine astreine Partie ohne großartige Wackler ab.

RWE begann die Partie mit aggressivem Pressing und ließ den Gästen kaum Luft zum Atmen. Profit daraus konnte man nicht wirklich schlagen, lediglich ein paar Ecken sprangen in der Anfangsphase heraus.

Die erste Offensivaktion wurde dann von Heber eingeleitet, als dieser den Ball zu Golz spielen wollte, allerdings zu viel „Wumms“ hinter den Ball brachte und so aus 35m die erste Ecke für RWO produzierte, die jedoch völlig ungefährlich blieb.

Überhaupt war in der ersten Hälfte von RWO nach vorne nichts zu sehen. Pässe ins Nichts, unerreichbare Flanken – für die RWE-Abwehr eine dankbare Aufgabe. Doch nach vorne gab es auch nicht viel zu bewundern. Zwar versuchten es Grund/Kefkir links und Sauerland/Dorow rechts, doch auch hier landeten die Flanken eher im Seitenaus, was zum Teil sicher (auf beiden Seiten) am intensiven Wind lag, der heute durchs Stadion blies.

Die größte Chance im ersten Durchgang hatte Dorow, doch sein Kopfball aus aussichtsreicher Position ging deutlich über den Kasten. Eine scharfe Hereingabe von Sauerland verfehlte Freund und Feind, mit 0:0 ging es in die Pause.

Nach dem Wechsel wurden die Angriffe von Oberhausen intensiver, doch besonders Heber räumte alles ab, was ihm vor die Füße fiel. RWE hatte dadurch immer wieder auf der linken Seite Platz, den Grund und Kefkir immer wieder gut nutzen konnten, um hinter die Abwehr zu gelangen. Leider blieben die Zuspiele in die Mitte zu unpräzise oder landeten bei 3m-Mann Löhden, der in der Luft nicht zu überwinden war.

Titz reagierte, brachte Endres für Dorow und später Hildebrandt für den in der ersten Hälfte omnipräsenten Grote. Ein Bruch im Essener Spiel war dadurch nicht zu bemerken.

Eine dicke Chance hatte Kefkir nach gut 70 Minuten. Nach einem verunglückten Pass steht er plötzlich blitzblank im Oberhauser Strafraum und schießt aufs lange Eck, sein Ball verpasst dabei sowohl das Tor als auch die Fußspitze des heraneilenden Platzek nur knapp. Das hätte, das musste eigentlich die Führung sein.

Pronichev kam nun für Platzek. Wenig später gab es Freistoß aus halbrechter Position. Erneut versuchte sich Kefkir, sein Ball landete jedoch auf dem RWO-Kasten. Aus meiner Perspektive wäre der Keeper da chancenlos gewesen.

Pronichev war dann der nächste, der die Führung auf dem Fuß hatte. Von Endres geschickt, kann er sich im Strafraum gegen seinen Gegenspieler durchsetzen, versetzt den Oberhauser Keeper, zieht zum Elferpunkt – und gibt damit der Oberhauser Abwehr leider die Chance, aufzurücken und seinen Schuss zu blocken. Der Nachschuss von Sauerland aus 18m konnte von der Linie gekratzt werden.

Dem geneigten Zuschauer schwirrte zu diesem Zeitpunkt sicher schon ein „wenn sich das nicht mal rächt“ durch den Kopf, doch RWE dachte im Traum nicht daran, RWO das Spiel zu überlassen. Stattdessen die Erlösung. Über rechts kann Kehl-Gomez den Ball in die Mitte spielen, wo Endres diesen direkt auf Pronichev weiterleitet. Der Ball gerät jedoch in dessen Rücken, wodurch er ins Straucheln gerät. Kefkir schaltet am Schnellsten und vollendet zum erlösenden 1:0! Beeindruckend: auch die komplette Ersatzbank eilte zum Jubel herbei – es stimmt einfach in der Truppe.

„Opfer“ der Führung war Adetula, der zum Zeitpunkt des Treffers bereits einwechselfertig an der Seitenlinie stand. Titz entschied sich kurzfristig anderweitig und brachte als defensive Variante Philipp Zeiger, da nun natürlich vermehrt mit Langholz auf Löhden gerechnet werden musste.

Die verbliebenen 10 Minuten warf RWO in der Tat alles nach vorne und konnte noch einige weite Einwürfe durch „Saison-Versauerer“ Hermes sowie einige Eckbälle herausholen. Bei einer dieser Ecken für RWO sprang Golz unter dem Ball durch – erneut verhinderte Heber, dass die Gäste erfolgreich abschließen konnten.

Schließlich erlöste der souveräne Schiri die gut 10.000 Essener unter den mehr als 13.000 Zuschauern (offenbar finden es auch die Gäste in Essen schöner als zu Hause) und pfiff die Partie ab. Der Schiri – das sei an dieser Stelle einmal lobend erwähnt – ließ sich weder von der Atmosphäre anstecken noch pfiff er zu kleinlich. Es war ein angenehmes Gleichgewicht zwischen zugelassener und abgepfiffener Härte. Zudem zog er auch konsequent zwei- oder dreimal „Gelb“ gegen Oberhauser wegen Reklamierens.

Auf Essener Seite war schön zu sehen, wie wichtig auch ein bereits abgeschriebener (zwinker) Grote sein kann, er hat dem Spiel so viel Stabilität verliehen, dass Kehl-Gomez sich offensiv mit einschalten konnte. Platzek mit einem immensen Laufpensum im Anlaufen der Gegner. Etwas unglücklich das Duo Dorow/Sauerland in Durchgang eins, da wurden einige spielerische Fehlentscheidungen getroffen.

Eine Szene möchte ich noch hervorheben: Condé hatte sich in der gegnerischen Hälfte festgespielt und damit einen Oberhauser Angriff ermöglicht, der in einer Ecke resultierte. Sofort waren mehrere Mitspieler, darunter Matuwila zur Stelle, um ihm Mut zuzusprechen. Prima!

Dieser Sieg war verdammt wichtig. Klar, es folgen noch eine ganze Reihe Partien und damit Chancen, dass auch die Teams vor uns Punkte lassen. Bis wir die eingeholt haben, dürfen wir uns jedoch keine Blöße mehr geben. Darauf spekulieren, dass Verl und eben RWO keine Lizenz erhalten, wäre ein fataler Fehler.

Der Vollhorst hinter mir, der nach gut 60 Minuten „Fußball sehen“ wollte und immer wieder „Mein Gott, ist der Kefkir ne Wust“ von sich gab, ist eigentlich keine Erwähnung wert. Da aber ausgerechnet die Wurst den Siegtreffer erzielt hat, mache ich es trotzdem.

Schließlich möchte ich mich bei den Ordnern bedanken, die zugelassen haben, dass sich jemand aus den Innenbereichen an meiner nagelneuen Fahne dermaßen festgehalten hat, dass direkt zwei Ösen herausgerissen sind. Top!

(Foto: Markus Endberg)

Es folgt nun ein (planmäßiges) spielfreies Wochenende, bevor es erneut an der Hafenstraße gegen den SV Lippstadt geht. Mit der Einstellung von heute sollte und darf das jedoch einfach kein Problem sein.

6. Spieltag – RW Oberhausen – RWE

„Alle in grün!“ So das Motto der Gastgeber im „Emscherderby“ gegen unseren Herzensclub. Man wollte sich halt abheben vom Rot-Weiss der Gäste, die schon beinahe traditionell in größerer Anzahl anwesend sein sollten. Knapp 9.700 Zuschauer waren vor Ort, davon gefühlt mehr als die Hälfte Anhänger der Hafenstraßen-Elf.

Titz hatte erneut das Team umgestellt, Kehl-Gomez durfte von Beginn an ran, bezog einen Platz im defensiven Mittelfeld neben Grote, für ihn musste der zuletzt glücklose Platzek weichen. Und es waren unsere Jungs, die von Beginn an den Weg nach vorne suchten. Oberhausen beschränkte sich zunächst darauf, sich in der eigenen Hälfte einzuigeln und RWE erst ab der Mittellinie unter Druck zu setzen. Die erste Chance des Spiels hatte folgerichtig auch unser Team. Nach feiner Flanke von Kefkir stand nach gut 10 Minuten Dorow am langen Pfosten bereit, bekam jedoch nur noch so viel Druck hinter den Ball, um Davari dazu zu bringen, den Ball zur Ecke abklatschen zu lassen.

Eine Viertelstunde später hätte es dann jedoch passieren müssen: Endres und Grund hatten sich über die linke Seite schön durchkombiniert, der Pass von der Torauslinie landet am Elfmeterpunkt bei Kehl-Gomez, der jedoch diesen deutlich übers Tor schießt – ich hatte hier einen leichten „Hoppler“ des Balles auf dem in einem üblen Zustand befindlichen Rasen gesehen.

Der Aufreger der ersten Halbzeit spielte sich jedoch auf der anderen Seite nur wenig später ab: Grote kommt mit Ball ins Straucheln, Pisano schaltet schnell und schickt einen Kollegen auf die Reise, der allein auf Lenz zuläuft, diesen aussteigen lässt und aus spitzem Winkel verkürzt. Ekstase auf den Oberhauser Rängen, Torfanfare auf den Lautsprechern – doch der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Fahne erhoben und der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen – Abseits. Hierzu später mehr.

Mit dem Halbzeitpfiff dann aber noch die große Chance für RWE, die Führung zu erzielen: Nach einer Ecke für die Gastgeber wird Dorow in einer Kontersituation abgeräumt, Kefkir nimmt den Ball auf und läuft Richtung RWO-Tor, spielt quer auf Endres – der den Ball aus knapp zwei Metern jedoch nebens Tor setzt.

Das 0:0 zur Pause ging insofern in Ordnung, als dass RWO nach etwa 20 Minuten aktiver wurde und RWE nicht mehr „die“ Szenen vorne herausspielen konnte.

Zur zweiten Halbzeit nahm Titz dann den gelb-rot-gefährdeten Sauerland vom Platz und brachte Wirtz nach langer Verletzungspause als Sturmspitze. Heber rückte auf die Außenposition und Kehl-Gomez nahm „seinen“ Platz in der Innenverteidigung neben Hahn wieder ein.

Die erste Chance im zweiten Durchgang hatte dann wieder RWE: Vier Minuten nach Wiederanpfiff angespielt legt sich Endres am Sechzehner angespielt den Ball auf den rechten Fuß und schlenzt ihn auf den Kasten – trifft aber nur den Außenpfosten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Christian Titz macht, wenn er seine Wechsel bestimmt. Ich finde es aber geradezu unheimlich, wie er bislang mit seinen Optionen immer wieder goldrichtig liegt.

Kurz nach der Chance von Endres wurde es laut im „schönsten Stadion der Liga“ (Zitat des RWO-Stadionsprechers): An der Eckfahne setzt sich Condé gegen gleich zwei Oberhausener durch, kann Kefkir parallel zur Grundlinie in den Strafraum schicken. Der spitzelt den Ball aufs Tor, von Davari landet die Kugel beim eben eingewechselten Wirtz, und der lässt sich diese Chance in bester Abstaubermanier nicht nehmen und vollendet zur verdienten Führung für RWE!

Doch damit nicht genug: Direkt im nächsten Angriff kann Heber Kefkir den Ball im Fallen noch zuspielen, dessen abgefälschte Flanke landet knapp nicht bei Wirtz am langen Pfosten – Ecke! Diese wird von Grund hereingebracht. In der Mitte unterläuft der riesige Löhden den Ball und Wirtz hält hinter ihm die Rübe rein: 2:0! Was für ein Comeback für den Essener Top-Torschützen der letzten Saison!

Mit diesem Tor war die Messe quasi gelesen. Zwar antwortete Terranova mit einem offensiven Doppelwechsel und der Formation „wilde Wolke“, doch RWE hatte auf jeden unwirschen Angriffsversuch eine Lösung parat. Die größte Chance für die Gastgeber gab es vielleicht noch nach einem Freistoß aus ca. 40m, bei dem Lenz sich zwar beeilen musste, den Ball noch vor der Linie zu fangen, dann aber Zeit hatte, sich noch in aller Seelenruhe mit selbigem fallen zu lassen – etwas provokant, das gebe ich zu, aber durchaus Balsam auf die geschundene RWE-Seele, die in Oberhausen seit 2012 keinen Sieg mehr erleben durfte (remember Ellmann)!

Adetula zwang Davari noch zu einer Fußabwehr, ein Distanzschuss von Kefkir ging nur wenige Zentimeter am Tor vorbei. Erneut Adetula war es dann, der den Endstand herbeiführen sollte: Grote gewinnt einen defensiven Zweikampf, von ihm kommt der Ball zu Condé, der „Adiole“ schnell in den Konter schickt. Als alle mit dem Querpass auf die mitgelaufenen Wirtz und Dahmani rechnen, zieht Adetula einen Schritt nach außen und vollendet stramm ins kurze Eck.

Dass in der Schlussphase ein Konter über Adetula auf der Linie geklärt wurde, dass ein Schuss von Kefkir noch an den Pfosten klatscht und in der Folge ein Wirtz-Schuss erneut am Einschlag gehindert wurde, tat der Stimmung in der Kanalkurve und weiten Teilen der Haupttribüne keinen Abbruch. Mannschaft und Trainer genossen nach dem Abpfiff das Bad in der Menge (bzw. vor der Kurve) und durften sich dort für 16 von 18 möglichen Punkten feiern lassen – ein echter Traumstart in diese Saison.

RWO war mit drei Gegentoren sehr gut bedient. Trainer Terranova war sich trotzdem nicht zu schade, bei der Pressekonferenz einen Screenshot der oben geschilderten Abseits-Szene zu zeigen, aus der hervorging, dass das Gespann hier total falsch gelegen hat. Ob die Essener das Spiel ohne den Abseitspfiff auch eingestellt hätte, ob der Ball auch MIT Gegenspielern im Kasten gelandet wäre, darüber lässt sich nur spekulieren.

Das Grün auf den Oberhausener Rängen, das sinnbildlich für das Kleeblatt im Logo der Gastgeber stehen sollte, es hat kein Glück gebracht. Wenn das heute die „Kleeblatt-Power“ (so die Choreo) war, wird RWO im Kampf um den Platz an der Sonne diese Saison nicht mitreden können. Das war heute eher Impatiens noli-tangere, oder wie der Volksmund sagt „Rühr-mich-nicht-an“.

Hervorheben möchte ich heute eigentlich keinen Spieler, aber die schiere Qualität, mit der besonders unser offensives Mittelfeld aufwarten kann, ist schon beeindruckend. „Schwachpunkt“ heute in Halbzeit eins Heber mit ein paar unglücklichen Pässen, nach dem Wechsel jedoch deutlich verbessert.

Heute wurde zudem nicht – wie in Homberg – nach dem 2:0 das Spielen eingestellt, sondern weiter der Weg nach vorne gesucht. Oberhausen mit erschreckend schwacher Offensive heute, vielleicht auch der arg abwartenden, defensiven Taktik geschuldet. Nichtsdestotrotz bringt auch dieser Sieg nur drei Punkte für die Tabelle – doch er ermöglicht, punktgleich mit dem SV Rödinghausen (bei schlechterer Tordifferenz) zu bleiben. RWE bleibt ungeschlagen, auf Platz drei sind es jetzt schon vier Punkte Vorsprung.

Am kommenden Freitag steigt die Neuauflage des letztjährigen Niederrhein-Pokal-Halbfinals gegen den KFC Uerdingen (diesmal bereits in der zweiten Runde), bevor in der Woche darauf der SV Lippstadt der nächste Auswärtsgegner unseres Teams sein wird. Ich bin fest der Überzeugung, dass dieses Spiel kein Wendepunkt in der Saison werden wird!

Derbytime an der Hafenstraße

Erneut muss sich RWE mit einem Unentschieden zufrieden geben, erneut war man nicht das schlechtere Team. Doch der Reihe nach.

Im Vorfeld der Partie schickte RWO markige Worte an die Hafenstraße, ein Sieg sei Pflicht, man wolle die Partie zu einem Heimspiel machen etc. Diesen Worten wollte man nun Taten folgen lassen, und so bot sich gleich von Beginn an eine Partie mit offenem Visier ohne viel Geplänkel im Mittelfeld. Mit der ersten (und wie sich herausstellen sollte einzigen) echten Torchance für Oberhausen klingelte es dann auch gleich: Heber ließ nach zehn Minuten seinen Gegenspieler laufen, bemerkte seinen Fehler zu spät und musste mit ansehen, wie der Ball durch die Beine von Raeder den Weg ins Tor fand.

Der erneute Rückstand erschwerte den echten Rot-Weissen das Spiel, da die Gäste nun das taten, was die meisten Mannschaften an der Hafenstraße tun: zurückziehen, einigeln, Räume dicht machen. RWE fand keinen Weg durch das Bollwerk. RWO versuchte zu kontern, wobei heute Becker zunächst zwei, drei Mal unglücklich aussah. Erst kurz vor dem Wechsel gab es eine nennenswerte Chance für RWE, als Zeiger einen Vorstoß wagte und die spätere Flanke nochmal ablegte, in der Mitte aber zwei Essener den Ball knapp verpassten. Doch diese Szene war so etwas wie der Wendepunkt des Spiels, denn wenig später war es Becker, der mal nach vorne zog, den Ball nach außen auf Bichler spielte. Dessen Schuss aus spitzem Winkel konnte der Oberhauser Keeper jedoch parieren. Der Befreiungsschlag landete bei Scepanik, der flach aus gut 18m abzog – Ausgleich!

Zur Pause kam Marcel Platzek für Nico Lucas ins Team. Und er sollte gleich zeigen, wie wichtig er für das Spiel von RWE derzeit ist. Immer wieder war er anspielbar, legte Bälle schnell nach außen ab oder sorgte für Unruhe im Sturmzentrum. Da RWO sich nun auch nicht mehr zurückziehen konnte, wurde das Spiel auch nun wieder etwas offener, die RWE-Defensive stand aber äußerst sicher. In der Offensive konnte sich Heber immer wieder mit einschalten, sodass Pröger und Bichler immer wieder zu Flanken kamen, die aber in gleich mehreren Situationen entweder geklärt wurden oder ohne Druck aufs Tor weitergeleitet wurden. Von Oberhausen war nach der Pause eigentlich nichts mehr zu sehen. Nach ca. 70 Minuten lief ein Spieler der Gäste auf das Essener Tor zu, Philipp Zeiger klärte in letzter Not unter Einsatz seines Körpers – RWO forderte Elfmeter. Im direkten Gegenangriff hatte der gerade eben gelbverwarnte Abwehrriese der Oberhausener seinen Ellenbogen in Platzeks Gesicht – es gab Freistoß für RWE. Der Schiedsrichter zückte außerdem die gelbe Karte erneut und rot gleich hinterher, zu unserer Verwunderung aber nicht für den „Übeltäter“, sondern für Tim Hermes, der sich wohl dazu hatte hinreißen lassen, den Ball wegzuschießen.

Den folgenden Freistoß köpfte Platzek knapp über das Tor – es hätte die verdiente Belohnung für eine engagierte Teamleistung in der zweiten Halbzeit werden können. So blieb es jedoch beim Unentschieden, das keinem der Teams weiterhilft. RWE bleibt im oberen Mittelfeld „hinter der Musik“, RWO konnte die Verfolgung der Kölner Viktoria nicht fortsetzen – es scheint, als sei die Meisterschaft und das Aufstiegsrennen an dieser Stelle bereits vorentschieden.

Besonders bitter ist der Nachgeschmack, dass sich Bichler bei einer Szene im Strafraum wohl am Sprunggelenk verletzt hat (wobei kein Foul zu erkennen war) und Baier vom Schiedsrichter mit Gelb bedacht wurde, als er beim Erlaufen eines langen Balles seinen Körper einsetzte und der Gegenspieler geradezu daran abprallte. An dieser Stelle gute Besserung an „Bichi“!

Brauer wird in meinen Augen immer mehr zu einem unverzichtbaren Bestandteil im Essener Spiel. Was der heute an Metern abgerissen hat, wie er seine Mitspieler motiviert hat – das hatte echte Leaderqualität. Zeiger noch positiv zu erwähnen wird ihm fast kaum noch gerecht. Er war in der Anfangsphase derjenige, der in den entscheidenden Momenten noch die Übersicht behalten hat und Becker die Nervosität nahm (der von Minute zu Minute abgebrühter wurde).

Der Oberhausener Trainer merkte in der anschließenden PK noch an, „wenn der Schiedsrichter mehr Fingerspitzengefühl zeigt, gibt er uns einen Elfmeter“. Ich lasse die Aussage unabhängig vom Betrachtungswinkel mal so stehen und unkommentiert. Ich fand sie jedoch erwähnenswert. (Interessant, dass beide Trainer einig waren, dass sie Hermes auf dem Platz gelassen hätten. Hier bin ich noch immer gebrandmarkt vom Platzverweis von Tim Erfen in Braunschweig vor Jahren aus demselben Grund – aus einem 1:0 wurde danach noch ein 1:2.)

Zum Oberhausener „Heimspiel“: Ich gebe zu, die erste halbe Stunde ging wohl an RWO. Hier hat die „West“ mit einem eher mauen Singsang eine Chance vergeben, zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Mit zunehmendem Druck verstummte aber auch die Gäste – pardon! – „Heim“kurve, bis auf ein, zwei „nur der RWO“s war nicht mehr viel von gegenüber zu vernehmen.

RWE hat nun gleich zwei Auswärtsspiele vor der Brust. Am Wochenende geht es nach Wiedenbrück, den folgenden Dienstag in die Rote Erde nach Dortmund, bevor sich zum Abschluss der Hinrunde die zweite Mannschaft der Düsseldorfer Fortuna an der Hafenstraße vorstellt.