Ein Tor würde dem Spiel gut tun!

Nie war obiges Zitat so wahr wie heute. Wie groß war die Vorfreude, das Kribbeln, heute endlich wieder im Stadion zu stehen und ein Heimspiel zu sehen. 

Nicht nur die Kälte sorgte dabei für den einen oder anderen Schauer auf dem Rücken. Vor Anpfiff gedachte die rot-weisse Gemeinde ihrer Verstorbenen, Fan-Original Sandy hielt eine kurze Ansprache, an deren Ende ihm dann auch die Stimme wegbrach. Eine tolle Choreo rundete das Ganze dann noch ab, Fotos und Videos davon gibt es im Netz sicher zuhauf.

Das war aber auch schon fast alles, was für die folgenden 45 Minuten erwähnenswert war. Keine echten Torraumszenen auf beiden Seiten, kaum Zweikämpfe, viele Fehlpässe.

Das Bild änderte sich mit Beginn der zweiten Hälfte. Zwar waren die Düsseldorfer schon gute fünf Minuten früher wieder auf dem Platz, das Spiel gehörte jedoch ganz klar RWE. Chance um Chance wurde sich plötzlich erspielt, Chance um Chance wurde genauso plötzlich vergeben. Erst schoss Bednarski rechts knapp vorbei (ohnehin wegen Fouls abgepfiffen), wenig später schoss er noch knapper links vorbei. Nach einer Ecke kommt der Ball über Umwege zu Löning, dieser schlenzte aus der Drehung aufs lange Eck, so dass der Düsseldorfer Keeper sein ganzes Können zeigen musste. Ein paarmal rettete eine Fußspitze oder ein Bein in letzter Sekunde. Dann war der Ball plötzlich doch im Netz. Der Jubel dauerte jedoch nicht lange, denn im Moment, in dem Platzek den Abpraller aus gut 30cm über die Linie drückte, hatte wohl der Keeper seine Hand auf dem Ball, somit Freistoß für die Gäste. Diese Szene würde ich jedoch gerne nochmal ganz genau sehen. 

Auch im Anschluss an diese Szene gab es weitere Chancen, die Fortuna kam kaum noch über die Mittellinie. Leider war es heute wohl irgendwie verhext, das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Und weil ein Fortune wenige Minuten vor Schluss die obligatorische „es-war-so-klar“-Chance versemmelte, blieb die Partie torlos.

Das Spiel war in der ersten Halbzeit zu emotionslos, in Halbzeit zwei aber ein sehr gutes. Dass ein Gegner im Abstiegskampf hinten steht und dicht macht, war zu erwarten.Trotzdem hatte ich mir gegen den Vierzehnten der Tabelle mehr erhofft. Was aber in den „sozialen“ Medien und auf dem Weg zum Auto von einigen Leuten schon wieder abgesondert wurde, finde ich unter aller Kanone. Es war nicht schön heute, und die Saison läuft auch nicht zu aller Zufriedenheit. Aber wer sein Geld zurückfordert (eine der harmloseren Forderungen in Richtung Präsidium), der sollte sich überlegen, ob er mit RWE den richtigen Verein gewählt hat oder bei so einem Wetter lieber zu Hause bleibt. 

Freitag geht es für RWE nach Gladbach. Dort hat der Gastgeber deutlich mehr zu verlieren. Erfahrungsgemäß liegen uns solche Spiele besser. 

Nur der RWE!

Rechenspiele – Ein Bericht zur Lage in der Liga

Das erste Pflichtspiel des Jahres ist Geschichte, bekanntermaßen hat unser Herzensclub bei Viktoria Köln unglücklich mit 1:2 verloren. Dazu ist schon einiges geschrieben worden, so dass ich dies an dieser Stelle nicht nochmal aufrollen möchte, zumal ich aus verschiedenen Gründen nicht selbst vor Ort war. Am Radio mitzufiebern ist echt die Hölle…

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag auch schon vor der Partie geschrieben haben, aber wie das halt immer so ist mit der Zeit.

Bekanntermaßen bin ich ein kleiner Zahlenfreak, und als solcher habe ich mir schon Gedanken zum restlichen Saisonverlauf gemacht. Alles Folgende bezieht sich allerdings auf den Stand jetzt, also nach dem Viktoria-Match. Natürlich sind da auch noch die Kollegen aus dem Tal, aber ich gehe davon aus, dass diese im Fall der Fälle erst Recht kein Problem darstellen würden.

Derzeit beträgt unser Rückstand auf Platz 1 satte 13 Punkte, somit ist der Aufstieg wohl auch für die kühnsten Träumer unter uns außer jeglicher Reichweite. Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass der BVB noch zwei Spiele „in petto“ hat, bei Siegen würde unser Rückstand gar auf 14 Punkte anwachsen. Das bedeutet, dass wir satte 5 Spiele mehr gewinnen müssen als beide Borussen-Teams und Viktoria – bei gerade mal 13 verbleibenden Partien.

Sollte uns dieses Kunststück in einem Falle oder gar zweien schaffen, so ist die Chance, dies in allen drei Fällen zu schaffen, wohl verschwindend gering. Ich halte es im Durchschnitt für möglich, einen Punkt pro Spieltag noch aufholen zu können. Dies basiert hauptsächlich auf Rechnereien der letzten paar Saisons, in denen ich gegen Ende immer mal wieder unter Zuhilfename von Excel durchgerechnet habe, wie denn unsere Chancen auf Aufstieg / Klassenerhalt noch so stehen. Und ihr merkt vielleicht: 13 Punkte – 13 Spiele: das dürfte es gewesen sein, sollte nicht noch Unglaubliches passieren.

Auf der anderen Seite beträgt aber auch unser Vorsprung auf die Abstiegsplätze ebenso 13 Punkte, was bedeutet, dass auch diese Wahrscheinlichkeit gegen Null tendiert. Das sollte beruhigend genug auf die Mannschaft wirken, um den Rest der Saison auf solidem Level weiterzuspielen und zumindest Platz 4-5 zu sichern. Dies könnte dazu führen, dass das Team von Spiel zu Spiel weiter zusammenwächst, um dann in der kommenden Saison das nötige Quäntchen mehr mit auf die Waage zu bringen, um solche Partien wie Samstag zu den eigenen Gunsten zu entscheiden.

Denn – und da wiederhole ich mich gerne – in meinen Augen haben wir häufiger nicht gewonnen als schlecht gespielt. Wir haben beispielsweise nur zwei Spiele mehr verloren als Viktoria, aber satte drei Unentschieden mehr. Dies gilt es zu optimieren.

Genau aus diesem Grunde ist es meines Erachtens nach wichtig, die Saison trotz eventuell bald eintretender Spiele um die berühmte goldene Ananas noch nicht abzuhaken, sondern das Team weiter in gewohnter Form zu unterstützen. Besonders, weil die Zuschauerzahl in Abhängigkeit zur Spannung sinken wird.

Und überhaupt: So lange rechnerisch noch was geht, muss eh weiter dran gezogen werden, basta!

In diesem Sinne: Lasst uns Samstag Düsseldorf weghauen und denen den Karneval verderben. An Aschermittwoch dann bitte Wuppertal als Pokal-Los!

NUR DER RWE!

Das Ende der Winterpause

Die für mein Empfinden mal wieder zu lange Phase, in der das einzig rot-weisse, das man zu sehen bekommt, die Schokoweihnachtsmänner am Gabentisch waren, neigt sich dem Ende zu. Zeit, ein Resumee zu ziehen.

Nach dem heutigen 3:1-Erfolg gegen die TuS Koblenz (derzeit 7. der Regio Südwest) steht zunächst mal fest, dass unser Team ungeschlagen und ohne größere Verletzungen durch die Pause gegangen ist. Nach der beinahe schon traditionellen ETB-Absage musste der ESC Rellinghausen ein 8:0 über sich ergehen lassen, bei der 2. Mannschaft des Bundesligisten FSV Mainz 05 erreichte man ein 1:1, und die Spvg. Schonnebeck, gegen die man im Pokal kürzlich noch einige Probleme hatte, konnte man einen 2:0-Erfolg verbuchen. Sind die Ergebnisse auch positiv, so bin ich doch immer vorsichtig mit der Beurteilung solcher Spiele. Es geht hier sicherlich eher darum, den vielgerühmten Spielrhythmus zu finden und auch mal Dinge zu probieren, für die man im Ligabetrieb keine Gelegenheit hat. Daher steht für mich im Vordergrund, dass alle Akteure ohne schwerwiegende Verletzungen geblieben sind.

Der zweite Schwerpunkt in der Winterpause liegt ganz klar auf den Transfers. Und hier steht natürlich ein Spieler im Fokus: Kontantin Möllering. Dieser hat über zwei (!) Wochen bei RWE mittrainiert, kam in drei Testspielen zum Einsatz und galt quasi schon als Neuzugang. Zumindest war dies mein Eindruck, nachdem sich sowohl der Verein („interessanter Mann“) als auch der Spieler („Ehre, dieses Trikot zu tragen“) entsprechend in der Presse positioniert hatten. Am letzten Tag der Wechselperiode unterschrieb der Ex-Borusse und USA-Rückkehrer dann in Rödinghausen. Muss man nicht verstehen. Ob er nun eine Häcker-Küche zum Sonderpreis bekommt, er hier zu hoch gepokert hat und daraufhin nehmen musste, was übrig bleibt – wir werden es vermutlich nie erfahren. Ich finde es jedoch positiv, dass der Verein nicht „auf-Teufel-komm-raus“ um diesen Spieler mitgeboten hat, denn dadurch sendet man ja auch ein Signal an zukünftige Kandidaten.

Mit dem Nicht-Zugang Möllering stand also fest, dass die restliche Saison mit dem aktuellen Kader zu Ende gespielt werden muss. Verstärkt wird das Team dabei durch drei Spieler aus der A-Jugend – n0ch etwas, das positiv zu bewerten ist. Es gab allerdings auch Abgänge: Ivan (zum WSV) war dabei der einzige Spieler mit nennenswerten Einsätzen für RWE, jedoch weit davon entfernt, Stammspieler oder gar erster Einwechselspieler zu werden. Hier hatte Ngankam meist die Nase vorn. Zudem verließen noch Jesic (Regio Südwest, ebenfalls nur „Notnagel“, was Spielminuten betrifft), Druschky (zurück nach Leipzig, war dauerverletzt), Kwadwo (Gelsenkirchen II), Demircan (Wattenscheid) und Gubini (Kreisliga (!!!) Bottrop) den Verein. Alles keine Namen, mit denen ich in Zukunft gerechnet hätte. Es dürfte aber nichtsdestotrotz im Sommer akuter Bedarf für Neuverpflichtungen auf einigen Positionen bestehen. Grund zur Panik ist aber keineswegs gegeben, denn mit dem bestehenden Kader sollten wir diese Saison noch sehr gut zu Ende spielen können.

Eine Randbemerkung gab es dann noch zum Thema „Transfers“: RWE steht wohl mit einem Spieler in Verhandlungen, der „kein Probetraining braucht“ (J. Lucas im Reviersport). Zudem wäre dieser Spieler wohl im Sommer ablösefrei, hätte aber den Berichten nach auch schon im Winter eine Option sein können. Dass daraus direkt der „Hochkaräter“ wurde, der nun in den Foren und Facebook-Gruppen plattgetreten und zynisch erwähnt wird – geschenkt. Ich bin aber trotzdem sehr gespannt, ob es zu einer Verpflichtung im Sommer kommt, mit der wir alle nicht so richtig rechnen.

Wirtschaftlich rechne ich – allen Unkenrufen zum Trotz – damit, dass wir weiterhin ordentlich aufgestellt sind, wenn auch neulich in einem Interview von Doc Welling zum Ausdruck kam, dass uns der Betrag von Innogy doch zu Gegenmaßnahmen gezwungen hat. Zudem müssen 100.000 Euro aus dem Transfer von Kerim Avci in die Türkei zunächst abgeschrieben werden, da auch die Drohung mit Punktabzug und Zwangsabstieg durch die Fifa dadurch verpufft, dass der türkische Verein ohnehin abgeschlagener Tabellenletzter ist und einem erneuten Abstieg entgegentaumelt. Wir werden sehen, ob auf juristischem Wege da vielleicht noch etwas zu machen ist. Soweit ich das aus kaufmännischer Sicht beurteilen kann, dürfte dieses Geld ohnehin seit dem Transfer nicht in irgendwelche Etats eingeplant worden sein, entsprechende Bilanzierungsvorschriften gibt es ebenfalls, nachdem im Bezug auf den Geldeingang zweifelhafte Forderungen entsprechend zu händeln sind.

Am 01. Februar wurde RWE 110 Jahre alt. Die „aktive Szene“ (wenn ich sie mal so nennen darf) zelebrierte den Anlass mit einer phänomenalen Aktion, wie ich finde. Um es nochmal zu betonen: Pyro im Stadion, wo Leute dicht auf dicht stehen, finde ich gefährlich und fahrlässig. Wenn Bengalos und Co. allerdings wie im Video der Westtribüne eingesetzt werden, bekomme ich Gänsehaut und Tränen der Rührung. Wer behauptet, die Fanszene in Essen sei tot, dem wurde hiermit das Gegenteil bewiesen. DANKE FÜR DIESE AKTION, DIE DEUTSCHLANDWEIT IHRESGLEICHEN SUCHT!

Zu guter letzt hat es unser Verein ja mal wieder geschafft, überregional in die Schlagzeilen zu kommen, indem man in Zusammenarbeit mit Essener Schauspielern eine PK in bestem Trump-Style inszeniert und ein Statement für die Pressefreiheit abgegeben hat. Unter anderem berichtete Sky Sport News, die Sportschau und bild.de (LINK) über die Aktion, die ihr auch hier nochmal sehen könnt:

Nachtrag: Ich habe gesehen, dass wir wohl noch ein Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken „einschieben“. Ich hoffe einfach mal, dass da auch alles gut geht…

Nachtrag 2: Puh, Glück gehabt, Frau Holle sei Dank! Das Saarbrücken-Match fällt aus…

NUR DER RWE!

Fußball! Frauen! Ferde!

Ich habe mir am heutigen Abend zusammen mit meinem Herzblatt im Theater Freudenhaus das im Titel genannte Stück ansehen dürfen. Ich versuche, im Folgenden so wenig wie möglich auf die Handlung einzugehen, schicke hiermit aber trotzdem eine ausdrückliche Spoilerwarnung voraus!

Rot-Weiss Essen geht es finanziell nicht gut. Der Vorstand das Präsidium trifft sich zur Krisensitzung. Zwar konnte der Wimpel aus dem 55er Meisterschafts-Endspiel günstig erstanden werden, aber dank Berufsgenossenschaft und DFB drohen Insolvenz und Lizenzentzug. Doch damit will sich der Enkel von Meisterkapitän August Gottschalk nicht abfinden. Soviel zur Grundsituation, aus der sich die restliche Handlung ableitet. Eine Situation, wie sie jeder wohl nachvollziehen kann, der es mit dem RWE hält.

Die Story wird eingerahmt und geleitet von einigen Passagen vom Band, gelesen von keinem Geringeren als unserem Doc Welling, der heute unter anderem mit Damit Jamro und, wie ich vermute, einigen Geschäftsstellen-Mitarbeitern, im Publikum saß. Auch hier wird nicht mit Anspielungen gespart, auch nicht, dass gerade bei RWE die Tore ja auch ganz gerne mal in der Nachspielzeit fallen. (Anm. des Autors: Ich habe sie alle gesehen!)

Schon im ersten Drittel zaubert das Brainstorming des Vorstandes des Präsidiums bei mehreren „lecker Bierchen“ dem geneigten Zuschauer so manches Lächeln aufs Gesicht, wird doch bei jedem Anstoßen das Stück angehalten und von den Akteuren die Bühne umgebaut. Mit so mancher Anekdote (zB dem Spielbericht des Endspiels, dem einen oder anderen bekannten rot-weissen Zitat) fühlt man sich direkt zu Hause.

Alle Charaktere werden von nur fünf Schauspielern dargestellt, die immer wieder in andere Rollen hüpfen. So ist der Kassenwart ein verdeckter Ermittler, der mit seinem Kollegen (Deckname „kleiner Igel“) in gleich mehreren Szenen immer wieder den gleichen Dialog abhält. Beide sehen dabei urkomisch aus.

Nach der Pause wird dann – wer hätte es erwartet? – die Storyline aufgelöst. Höhepunkt dabei aus meiner Sicht die Telefonkette, in der ein kleines „Geschäft unter Freunden“ ausgehandelt wird. Am Ende haben sich dann (fast) alle lieb, die rot-weisse Seele kann wieder lachen und nach tosendem Applaus, einigen kurzen Gesängen und einer flammenden Ansprache von Horst Lattuschek verließen, soweit ich das gesehen habe, alle Zuschauer vergnügt das Theater.

Etwas Kritik muss aber auch sein: So singt einer der Protagonisten beim Verlassen der Vereinskneipe „unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz“ statt „…steh’n wir für dich ein“, im Nachwort von der Bühne wird vom morgigen Revanche-Spiel gegen Viktoria geredet, obwohl dieser noch gute drei Wochen entfernt ist und morgen „nur“ ein Test gegen Mainz II ansteht. Es sei aber angesichts der ansonsten durchaus souveränen Leistung über deutlich mehr als 2x 45 Minuten verziehen.

Wer rot-weisses Blut in den Adern hat und noch dazu das Glück, noch ein Ticket ergattern zu können, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wenn ich es richtig gesehen habe, läuft das Stück noch bis Anfang Februar. (Nachtrag: gemäß Tweet vom Theater gibt es noch Tickets für den 02., 03. und 04. Februar.)

Auswärtsfahrt à la bon(n)heur

Sonntag, kühles, aber nicht kaltes Winterwetter mit strahlendem Sonnenschein – Zeit für einen Ausflug. Und was läge näher, als dies mit einer Fahrt zum heutigen Auswärtsspiel zu verbinden?

Nachdem wir diverse Staus (danke, Motor-Show!) und unser „Frühstück“ in einer lokalen Lokalität Bonns hinter uns gebracht hatten, ging es also zum Sportpark. Da wir uns möglicherweise etwas zu viel Zeit bei der Anreise gelassen hatten, waren wir nur wenige Minuten vor dem Einlauf der Mannschaften vor Ort. Dafür fanden wir jedoch einen schönen, sonnigen Platz auf der Gegengerade, auf der sich vielleicht 400 rot-weisse Anhänger verliefen. Auf der Haupttribüne (für die es auf polizeiliche Anweisung hin keine Tickets zu kaufen gab) fanden sich weitere etwa 150-200 Essener, bei rd. 1500 Zuschauern (offizielle Zahl) also mal kein Auswärts-Heimspiel für unsere Truppe. Ein wenig enttäuschend, finde ich, allerdings weiß ich nicht, ob das auf den vorweihnachtlichen Stress / Weihnachtsmarktbesuche oder auf die von vielen kritisierten Leistungen unserer Truppe zurückzuführen war.

Unsere Truppe begann recht forsch und hatte nach gut 10 Minuten auch die erste halbe Torchance, als Becker aus gut 18m knapp am langen Pfosten vorbeischoss. Wenig später dann eine tolle Kombination: Baier spielt etwa auf Höhe den Mittelkreis nach außen auf Becker, der Malura steil schickt. Dessen Flanke landet am langen Pfosten bei Bednarski, und Platzek hielt den Fuß in den gut getimeten Kopfball – 1:0. Eine gute Viertelstunde später – das Spiel drohte gerade dahinzuplätschern – nahm Baier Maß und schloss per Flachschuss auf dem holprigen Rasen zum 2:0 ab. Hochverdient zu diesem Zeitpunkt, kam doch Bonn nicht mal in die Nähe unseres Strafraums. Ein beinahe perfektes Pressing, solide Abwehrarbeit ab Platzek bereitete den Bonnern sichtbare Probleme, ein Bein auf den Boden zu bekommen. A propos Boden: Ich hatte das Gefühl, der Rasen war vielleicht 3cm zu hoch, denn der Ball schien darauf gar nicht zu springen. Malura, Bednarski und Baier hatten dann noch die Chance, vor der Pause auf 3:0 zu erhöhen, mehr als ein „Field Goal“ sprang dabei aber leider nicht heraus.

Diese Halbzeit war mit das Beste, was ich diese Saison von unserem Team gesehen habe. Jeder verlorene Ball wurde binnen Sekunden zurückerobert, sofort Schwung aufgenommen und der nächste Angriff eingeleitet. Besonders das Duo Becker/Malura gefiel mir sehr gut, Lucas im defensiven Mittelfeld mit überragender Abwehrarbeit. Aber auch Platzek und Bednarski sehr agil und energischen Zweikämpfen. Und schon im Auto spielte ich gedanklich ein paar Möglichkeiten durch, was denn die heutige „Catchphrase“, das Bon(n)mot für den heutigen Bericht werden könnte. Das Beste ist mir erst beim Verfassen dieser Zeilen eingefallen: „à la bonheur!“ – alle Achtung!

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir nicht vorstellen können, was dann in der zweiten Halbzeit passierte. Zwar hatte ich erwartet, dass Bonn mit Schwung aus der Kabine kommen würde und früher oder später versuchen würde, zum Anschlusstreffer zu kommen. Dieser fiel allerdings für meinen Geschmack nach einer schnellen und zugegebenermaßen sehr ansehnlichen Kombination, nachdem Baier bei einem Zweikampf den Ball verloren hatte. Ab diesem Zeitpunkt klappte nichts mehr bei RWE. Kurz nach dem Anschluss hatte Bonn die dickste Chance zum Ausgleich, als Grund sich außen ausspielen lies und der Mann in der Mitte über den präzisen Querpass trat, anstatt die Einladung anzunehmen. Die Bonner waren nun immer einen Tick schneller am Ball, Konter wurden im Ansatz unterbunden, und mehrfach musste der fehlerfreie Heller (beim Tor aus meiner Perspektive machtlos) mit Paraden eingreifen. Ein Distanzschuss krachte ans Außennetz, aus unserer Position wirkte dieser Strahl, als wäre er drin gewesen. In der zweiten Halbzeit hatten wir noch ein paar bessere Angriffe, bei denen aber dann der falsche Pass oder zu unpräzise gespielt wurde, so dass daraus keine Gefahr entstand. Ich hätte mir noch den einen, sauberen Konter gewünscht. Schade.

Letztlich klappte es aber dann doch, den Sieg über die Zeit zu retten. Ich möchte nicht von einem Zittersieg reden, aber es war auch kein souveräner Erfolg mehr, den ich zur Pause noch erwartet hätte. Allerdings muss man aber auch konstatieren, dass die Abwehr den Ausgleich trotz bester Bonner Chancen verhindert hat. Sei es durch den Fuß, der im letzten Moment noch im Weg war, auch mal ein Foul im richtigen Moment, oder halt durch Heller, der immer wieder zur Stelle war. Ein Torwartproblem haben wir jedenfalls nicht. Ohne dies als Ausrede verstanden wissen zu wollen: Ich denke, die starke erste Halbzeit hat auf der „Spielwiese“ vermutlich sehr viel Kraft gekostet, und ein Großteil der Spieler hatte ja vom Mittwoch noch 120 Minuten in den Knochen. Da sollte man der Truppe auch diese schwächere Phase gönnen. Wichtig sind am Ende nur die Punkte. Wieder: „à la bonheur“, diesmal aber eher als „was für ein Glück“ zu lesen.

Auch die eher defensiven Wechsel (Windmüller für Lucas, ging dann auf die 6, Brauer für Rabihic, positionsgetreu und Huckle für Bednarski (in der 89. Minute. Kommentar eines Zuschauers: „Warum wechselt der den nicht erst in einer Minute ein, um Zeit runterzunehmen…?“ – kein Kommentar meinerseits) zeigen mir, dass der Trainer heute eher auf „Halten“ gespielt hat und nicht riskieren wollte, vielleicht mehr Offensivkraft auf dem Platz zu haben, dafür aber doch noch „das Ding“ zu kassieren. Es hat ja funktioniert. Ich male mir an dieser Stelle nicht auszumalen, wie groß das Geschrei gewesen wäre, wenn das Tor doch noch gefallen wäre.

Ansonsten bleibt noch zu erwähnen, dass die Jungs auf der Haupttribüne heute mit pausenlosem Gesang geglänzt haben. Pausenlos im Sinne von „auch die Pause hindurch“ bis weit nach Spielende. Hat mir sehr gut gefallen, wenn auch baubedingt keine große Lautstärke mehr auf unserer Seite des Stadions angekommen ist.

Spieler des Tages für mich mal wieder Platzek, der nicht nur einen Treffer beigesteuert hat, sondern über die komplette Distanz immer wieder um jeden Ball gefightet hat. Leider konnte er von dem bisschen, was in Halbzeit zwei noch zu ihm kam, nicht mehr viel verwerten.

Ach ja: und sonnig war es. Kurioserweise lief es immer für die Mannschaft besser, die die Sonne im Rücken hatte. Zufall? 🙂

Keine Angst mehr vor Wiedenbrück

Kerl, watt bin ich heiß!

In ein paar Tagen ist es also soweit: Die neue Regionalliga-Saison 2016/17 startet. Nachdem am Freitag und Samstag die Konkurrenz das bunte Treiben eröffnen wird, haben wir also die Ehre, am Sonntag in Wiedenbrück den ersten Spieltag zu vervollständigen.

Wiedenbrück? Richtig, da war doch etwas. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung ergriff Frank Kurth, Legende unserer glorreicheren Tage und Mitglied des neu ins Leben gerufenen Beirates Sport, das Wort und erklärte, er wolle dabei helfen, der Mannschaft das Motto „keine Angst mehr vor Wiedenbrück“ zu vermitteln.

Die Ostwestfalen konnten in der Vorsaison (wie zugegebenermaßen viele Teams) den „direkten Vergleich“ für sich entscheiden, als sie – ebenfalls als erster Gegner der Saison – unserer Euphorie direkt einen dicken Klotz in die Hacken warfen und mit einem 3:0-Sieg an der Hafenstraße zeigten, dass auch sie Fußball spielen konnten. Zwei Treffer erzielte damals ein gewisser Kamil Bednarski, nachdem RWE nach einer roten Karte gegen Obst zum Ende der ersten Halbzeit das Spiel in Unterzahl bestreiten musste. Im Rückspiel Mitte Dezember führte Rot-Weiss bereits mit 2:0, bevor man auf dem Lande in der Nachspielzeit wieder durch Bednarski noch den Ausgleich kassierte.

Insgesamt gehört der SC Wiedenbrück mit dem SV Rödinghausen, dem SC Verl und RW Ahlen zu den vier Teams der Liga, die in Ostwestfalen ihre Heimat haben. Diese Teams werden bei uns in der Großstadt gerne als „Dorfverein“ belächelt, während wir mindestens in die Zweite Liga gehören. Angesichts der örtlichen Infrastruktur mit kleinem Stadion und sehr übersichtlicher Zuschauerzahl vielleicht zurecht, doch generell muss man wohl zugeben, dass auch dort auf gutem Niveau gearbeitet wird. Verl gehört schon seit langer Zeit zu den etablierten Teams der Liga, Wiedenbrück ist auf dem besten Weg dorthin. Und genau hier liegt meines Erachtens auch das Risiko: diese Teams zu unterschätzen und vielleicht nur mit 98% Einsatz ins Spiel zu gehen, während diese Teams gegen uns bereit sind, mehr als 100% zu geben.

Dennoch hat „Frankie“ recht: Wir als RWE, also Fans und Spieler, müssen dieses Gefühl, dass man in München vielleicht „mia san mia“ nennt, wieder in die Stadien der Liga bringen. Die Punkte gehören uns. Egal, ob man an der Werse, dem Niederrhein oder der Hafenstraße spielt. Denn wir sind RWE. Wir sind das Maß der Liga, der Verein, über den der Weg zum Meistertitel führt. Wir haben keine Angst vor Wiedenbrück.

Außerdem spielt Bednarski jetzt (bald, nach seiner Verletzungspause) für uns.