Der Moment, wenn der Ball im gegnerischen Kasten einschlägt. 

Darum liebe ich den Fußball mit all seinen Emotionen. Und genauso liebe ich für solche Spiele unseren Verein. Wuppertal – Essen. Für die einen das Spiel der Spiele, dass im Vorfeld mit Hassparolen, bunten Plakaten und allerhand Verzierungen entlang der S9 angeheizt wurde, für die anderen die große Chance, eine mal wieder verkorkste Saison vielleicht zu einem kleinen Happy End zu bringen.

Der ganze Abend ging dabei total ätzend los: geschlagene 75 Minuten am Einlass, Polizei und Andrang sei Dank. Den Anpfiff erlebte ich unten an der Treppe zur Stehtribüne, aber in den wenigen Sekunden habe ich wohl nichts verpasst.

Die erste Hälfte war mal wieder das, was man „taktisch umkämpft“ nennt. Die Gastgeber versuchten es schwungvoll, Rot-Weiss schien mehr mit dem Platz zu kämpfen als mit dem Gegner. Echte Chancen gab es daher auf beiden Seiten nicht. Nach vorne ging es bei uns zu selten präzise genug, hinten sorgte Zeiger mal wieder für Ordnung und kochte den Wuppertaler Wuschelkopf (keine Ahnung, wie der hieß) immer wieder aufs Neue ab. Wichtigste Szene daher leider, als sich Malura bei einer Klärungsaktion wohl das Knie verdrehte. Der Betreuer signalisierte zunächst „Auswechslung“, wenig später kam Malura zunächst humpelnd und beeinträchtigt wieder aufs Feld. Er hielt die komplette Partie über durch, Chapeau! Das nenne ich Einsatz!

Mit 0:0 ging es in die Kabine. Mein Eindruck bis dahin war, dass wir dieses Spiel höchstens mit einem Tor aus dem Nichts gewinnen könnten, zu verfahren das Spiel nach vorne.

Halbzeit zwei dann relativ schnell mit einem bösen Dämpfer: erst wird der Ball nicht ordentlich geklärt, ein Wuppertaler zieht von halblinks ab – rechter Pfosten. Auf der rechten Seite kommt ein Wuppertaler an den Ball und kann sich die Ecke aussuchen – 0:1!

Das war’s! Wie sollten wir da nochmal zurück ins Spiel kommen? So: Bednarski setzt sich gegen zwei Mann durch, spielt zurück auf Platzek, der nochmal auf Baier. Dieser hat die Nerven, sich den Ball noch zurechtzulegen und dann aus 10m dem Keeper durch die Beine zu schießen! Stille auf den Heimtribünen, Ekstase bei den RWE-Anhängern.

Wenig später: Ngankam kommt mal mit Schwung über rechts, lässt zwei Verteidiger stehen und schickt Platzek, der den Ball von der Grundlinie auf den langen Pfosten bringt, wo Brauer ihn über die Linie nickt – Führung. Als dann Platzek im 16er fällt, der Pfiff aber ausblieb, reagierte Ngankam als Erster und legte ab in die Mitte, wo wieder Baier aus 18m den Ball in die Maschen jagt – 3:1, beruhigende Führung!

Die Chance zum 4:1 war auch noch ein paar Mal da, aber es kann ja nicht jeder Ball reingehen. Bis zum 3:1 war auf beiden Seiten jeder Schuss aufs Tor drin.

Doch RWE wäre nicht RWE, wenn es nicht nochmal spannend würde: Ngankam blieb im 16er liegen, die Essener bitten darum, den Ball ins Aus zu spielen. Als sie merken, dass dies wohl nicht passieren würde, läuft der Stürmer bereits an allen vorbei, in der Mitte einer seiner Kollegen, nur noch 3:2.

Unser Trainer brachte mit Meier und Weber nochmal Personal für die Defensive und könnte damit die große Gefahr verhindern. Zwei Minuten vor Schluss dann nochmal eine dicke Chance für Platzek, der den Ball aus der Drehung an die Latte schoss.

In der Nachspielzeit fand dann das große Zittern ein Ende: am eigenen 16er wird Malura umgemäht, Gelb-Rot für den Wuppertaler, Abpfiff!

Das war heute ein Erfolg der Mannschaft auf und neben dem Platz. Wo es in der ersten Halbzeit gehakt hat, wurde in der zweiten Halbzeit um jeden Ball gekämpft. Baier, Brauer und Platzek mit einem immensen Laufpensum. Zeiger hat wohl keinen einzigen Zweikampf verloren. Becker nach seiner Einwechslung ebenfalls stark und mit guten Aktionen nach vorne. Endlich wurde am Ende mal dreckig hinten rausgepöhlt, abgewichst Zeit geschunden, wie man es sonst nur von den Gegnern kennt und das Ergebnis über die Zeit gebracht.

Natürlich war heute nicht alles Gold, was glänzt. Verdient war der Sieg aber allemal.

Die Pyroshow zu Beginn der zweiten Halbzeit wird uns wohl nun das angedrohte Geisterspiel bringen. Meine Meinung zu diesem Thema sollte bekannt sein.

Die meisten Rot-Weissen dürften jetzt am 02. Mai den Zebras die Daumen drücken, die den erhofften Aufstieg vermutlich schaffen werden. Ich persönlich gönne ihnen Platz 4 – nach einem Sieg an der Emscher natürlich.

Diesen Blog habe ich zu etwa 90% am Bahnhof Sonnborn geschrieben, wo ich erneut 45 Minuten warten musste. Mit der Pünktlichkeit hat man es nicht so im Tal. Aber egal:

Wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus und ihr bleibt hier…

NUR DER RWE!

Kommentar zum Reviersport-Artikel zum Thema Begeisterung

Die Presse der Funke-Gruppe, insbesondere die Freunde von Reviersport, schrieben heute, RWE brauche „ein Team, das Begeisterung weckt“. Doch ist das wirklich so?

Den Faktor „Begeisterung“ zu messen, ist nicht so einfach, da nur wenige objektive Parameter zur Verfügung stehen. Einer dieser Parameter ist sicherlich der Zuschauerzuspruch. Fangen wir also damit an:

– Beim ersten Saisonspiel mussten wir diesmal aufwärts antreten. Den Sieg in Wiedenbrück sagen rd. 2.300 Zuschauer, darunter mit Sicherheit die Hälfte aus Essen. 

– Es folgte ein Sieg gegen Bonn zu Hause vor stattlichen 9.500 Zuschauern.

– Angespornt von zwei Siegen in Folge konnte Wuppertal mehr als 11.000 Zuschauer gegen uns verbuchen. Dieses Spiel endete nur 0:0, war relativ ereignislos und wurde wohl nur aufgrund einer Fehlentscheidung in der Nachspielzeit nicht gewonnen. 

– Es folgte das Spiel gegen Viktoria. Fürs Protokoll: vor der Partie hatten wir 7 von 9 Punkten geholt und traten nun gegen den vielleicht ärgsten Rivalen (emotional) der letzten Jahre an. Trotzdem lockte das Match nur knapp 8.100 Zuschauer ins Stadion. Resultat: 0:4. Dass das Spiel in meinen Augen besser war, als das Resultat vermuten lässt, lasse ich mal außen vor.

– das Spiel gegen Gladbach sagen danach nur noch es. 6.100 Zuschauer…

An dieser Stelle kommt bei mir bereits dritte Frage auf, ob nicht vielleicht zu wenig verziehen wird, die Ansprüche zu hoch angesiedelt sind (Stichwort „wir müssen jeden Gegner weghauen, sonst ist alles Mist!“). Zumindest bei einem signifikanten Anteil scheint dies durchaus der Fall zu sein. Im Übrigen ist dies auch immer an den Kommentaren bei Facebook und Co. abzulesen, hier wird deutlich mehr geschimpft und kaputtgeschrieben als gelobt. 

Was macht ein begeisterndes Team sonst noch aus? Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich begeistert bin, wenn die Mannschaft um jeden cm kämpft. Die langen Wege gegangen werden, wenn die Beine auch schwerer werden. Auch in diesem Punkt bin ich aber eigentlich zufrieden: an mangelndem Einsatz hat es in meinen Augen vielleicht in einer oder zwei Partien gemangelt (Fortuna auswärts z.B.), ansonsten finde ich nicht, dass man dem Team diesbezüglich viel vorwerfen kann. Klar, viele Chancen würden leichtfertig oder zu hektisch vergeben, manchmal fehlte es auch an der zündenden Idee, um ein Abwehrbollwerk zu knacken, dass Engagement war aber durchaus vorhanden. 

Typen! Ein anderer Punkt, der Begeisterung wecken kann. Jemand, der mal einen Gegner „wegflext“. Der dadurch Mitspieler und Fans wieder auf Temperatur bringt, wenn man auf dem besten Wege ist, in einen Schlummerzustand zu verfallen. Solche Typen haben wir. Baier sei hier zu nennen, Huckle, der leider im Moment etwas hinten ansteht. Auch Malura ist einer dieser fiesen Kerle, die ich in anderen Teams so hasse. Eine weitere Identifikationsfigur wäre wohl Zeiger, der aber wilde Grätschen und ruppiges Spiel wegen seines Stellungsspiels einfach nicht nötig hat. Spieler wie Grund oder Platzek identifizieren und bekennen sich seit Jahren voll zum Verein, andere könnten hier folgen. Generell sehe ich in puncto „Typen“ aber durchaus Luft nach oben. 

Der letzte Punkt, der mir spontan eingefallen ist, ist der natürlichste Grund für Begeisterung: Erfolg. Ein Team, das von Woche erfolgreich durch die Liga zieht und Sieg um Sieg erringt, erweckt Begeisterung ohne Ende. So gesehen in der legendären Saison 03/04, in der wir nach zwei knapp verpassten Aufstiegen in Folge auf bestem Wege waren, hieraus einen Dreierpack zu schnüren, dann aber nach der Winterpause kein Spiel mehr verloren (nur zwei Unentschieden?). Mit dem anhaltenden Erfolg wuchs die Hoffnung, es doch noch packen zu können, von Mal zu Mal wurde es voller im GMS, und am Ende lagen wir uns alle in den Armen. Ich behaupte, dass zwischen Begeisterung und Erfolg besteht eine Wechselwirkung. Das Eine braucht das Andere, und wenn eines von beiden ausbleibt, bricht auch das andere schnell weg. Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage ob den nun das Huhn oder das Ei, pardon, der Erfolg oder die Begeisterung zuerst da sein müsse, würde ich sagen, dass zu Beginn jeder Saison ein gewisser Vorschuss an Begeisterung durchaus gegeben ist. Quasi als Starthilfe für das rot-weisse Perpetuum Mobile. Leider sind es diese verdammten Niederlagen, die viel zu schnell Sand ins Getriebe bringen. 

Die Kunst ist es, die Stimmung rund um den Verein mit entsprechenden Erfolgen hochzuhalten. Leider hat das Essener Publikum eine Tendenz zum Fatalismus, hier herrscht schon beinahe traditionell statt „Jetzt erst recht“ eher „das wird wieder nix“. Ob dies ausreicht, dem Team die Begeisterungsfähigkeit abzusprechen, muss jeder für sich entscheiden. Einem Blatt, dass sich wie die Fahne im Wind immer wieder dreht, traue ich persönlich aber kein objektives Urteil dazu zu.

(Besucherzahlen lt. Reviersport)

Auf der Suche nach dem „Warum?“

Die heutige Partie gegen Rot-Weiß Ahlen hinterlässt bei mir ein großes Fragezeichen. Wie konnte es passieren, dieses zur Halbzeit in noch so trockenen Tüchern gewähnte Match noch zu einem Unentschieden verkümmern zu lassen?

Das Spiel durfte ich aus ungewohnter Perspektive beobachten. Da meine Tochter als Einlaufkind mit dabei war, nahm ich nach langer Zeit mal wieder auf der Haupttribüne Platz, leider relativ weit unten, so dass man eigentlich von den Spielzügen nicht viel erkennen konnte. Dafür konnte ich die erneut sehr gelungene Choreo bewundern – danke dafür!

Aber das, was ich vom Spiel zu sehen bekam, gefiel mir in der ersten Halbzeit sehr gut.

Der Gegner wurde Großteils hinten reingedrängt, immer wieder wurde über außen das Spiel schnell gemacht und in die Mitte geflankt – leider meist mit minderer Qualität. Ahlen mit ein paar Entlastungsangriffen, die aber meist im Ansatz verpufften. Nach einer guten halben Stunde dann Flanke Malura, in der Mitte wird von einem Ahlener der Ball zu Platzek „geklärt“, dieser legt quer auf Ngankam, der ins leere Tor einschieben konnte. 1:0!

Nachdem ich dies meinen Freunden getickert hatte, die heute nicht im Stadion sein konnten, guckte ich hoch und sah gerade noch, wie ein Ball auf Hellers Kasten verlängert wurde, dieser den Ball im Rückwärtsfallen noch an die Latte lenkte, dann aber zum Ausgleich abgestaubt wurde.

Wenige Augenblicke später gab es dann einen langen Ball – eher ein Befreiungsschlag – etwa auf Höhe der Essener Bank ins lange Eck des Strafraums. Der zuständige Ahlener Verteidiger und Ex-Essener Sascha Kirschstein (übrigens ab der 1. Minute mit Zeitspielambitionen) sprangen unter dem Ball durch, wieder Ngankam – 2:1.

Mit diesem Resultat ging es in die Halbzeitpause, und obwohl ich schon so oft enttäuscht wurde, bin ich auch dieses Mal wieder optimistisch gewesen, dass DIESE Messe gelesen sei. Zu deutlich der Unterschied, zu harmlos die Ahlener. Und da schließt sich der Kreis wieder zu meinem Fragezeichen: Wie konnte es sein, dass das Spiel nun komplett in die andere Richtung lief?

Anstatt weiterer Dominanz plötzlich freche Ahlener, die Konter um Konter auf unser Tor brachten, nur noch ein paar wenige Szenen von RWE. Eine davon die Mega-Chance für Platzek: Malura rechts durch, scharfe Hereingabe nach innen auf Platzek, der aus 5m an einer Blitzreaktion von Kirschstein scheiterte.

Dann jedoch ein Konter von Ahlen. Erst ging Brauer (?) nicht richtig drauf, dann war der Ball plötzlich drin. Ob es nun ein Torwartfehler war oder nicht – ich vermag es nicht zu sagen. Der Treffer lag zwar nicht in der Luft, kam aber auch nicht aus dem Nichts.

Platzek hatte dann noch eine gute Szene, scheiterte aber erneut. Kuriosum am Rande: Ahlen wechselte seinen Co-Trainer (!) ein. Unser Team wurde wieder aktiver, es reichte aber nur noch zu einem Kopfball von Weber in der Nachspielzeit, den erneut Kirsche von der Linie kratzte.

Ja, woran lag es? Dem einsetzenden Regen? Dem frecher werdenden Gegner? Am Zeitspiel der Ahlener (besonders – ich betone es erneut – der Keeper, wieso pfeift ein Schiri in einer Szene zweimal mit der Geste „Gib Gas“, zeigt aber nicht mal ne Karte?)? Gibt eine Führung bzw. erneute Führung nach unglücklichem Ausgleich nicht Aufwind und Moral, den Sack zuzumachen? Ich weiß es nicht. Demandt dürfte nicht zufrieden gewesen sein, so wie er an der Seitenlinie verzweifelt ist.

Da selbst für die kühnsten Optimisten (mich) der Zug sowas von abgefahren ist, erwarte ich einfach, dass nun die letzten Partien dazu genutzt werden, genau zu sichten, wo Handlungsbedarf am „Spielermaterial“ besteht. Schön, dass Obst wieder fit ist, aber war Ngankam wirklich so platt, dass man DIESEN Wechsel vollziehen musste? Er sah nicht wirklich gut aus in den wenigen Szenen, die er hatte.

Zu allem Überfluss wurden ich und mein Sohnemann nach dem Spiel noch von Radio Essen interviewt… Sehr unangenehm, wenn man gerade gefühlt verloren hat.

Ich persönlich freue mich auf die bewegten Bilder vom Spiel, damit ich wenigstens für mich die letzten Fragen beantworten kann.

Freitag geht es für die Mannschaft nach Verl, auch so ein ungeliebtes Pflaster in den letzten Jahren…

Trotzdem: NUR DER RWE!

Ein Tor würde dem Spiel gut tun!

Nie war obiges Zitat so wahr wie heute. Wie groß war die Vorfreude, das Kribbeln, heute endlich wieder im Stadion zu stehen und ein Heimspiel zu sehen. 

Nicht nur die Kälte sorgte dabei für den einen oder anderen Schauer auf dem Rücken. Vor Anpfiff gedachte die rot-weisse Gemeinde ihrer Verstorbenen, Fan-Original Sandy hielt eine kurze Ansprache, an deren Ende ihm dann auch die Stimme wegbrach. Eine tolle Choreo rundete das Ganze dann noch ab, Fotos und Videos davon gibt es im Netz sicher zuhauf.

Das war aber auch schon fast alles, was für die folgenden 45 Minuten erwähnenswert war. Keine echten Torraumszenen auf beiden Seiten, kaum Zweikämpfe, viele Fehlpässe.

Das Bild änderte sich mit Beginn der zweiten Hälfte. Zwar waren die Düsseldorfer schon gute fünf Minuten früher wieder auf dem Platz, das Spiel gehörte jedoch ganz klar RWE. Chance um Chance wurde sich plötzlich erspielt, Chance um Chance wurde genauso plötzlich vergeben. Erst schoss Bednarski rechts knapp vorbei (ohnehin wegen Fouls abgepfiffen), wenig später schoss er noch knapper links vorbei. Nach einer Ecke kommt der Ball über Umwege zu Löning, dieser schlenzte aus der Drehung aufs lange Eck, so dass der Düsseldorfer Keeper sein ganzes Können zeigen musste. Ein paarmal rettete eine Fußspitze oder ein Bein in letzter Sekunde. Dann war der Ball plötzlich doch im Netz. Der Jubel dauerte jedoch nicht lange, denn im Moment, in dem Platzek den Abpraller aus gut 30cm über die Linie drückte, hatte wohl der Keeper seine Hand auf dem Ball, somit Freistoß für die Gäste. Diese Szene würde ich jedoch gerne nochmal ganz genau sehen. 

Auch im Anschluss an diese Szene gab es weitere Chancen, die Fortuna kam kaum noch über die Mittellinie. Leider war es heute wohl irgendwie verhext, das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Und weil ein Fortune wenige Minuten vor Schluss die obligatorische „es-war-so-klar“-Chance versemmelte, blieb die Partie torlos.

Das Spiel war in der ersten Halbzeit zu emotionslos, in Halbzeit zwei aber ein sehr gutes. Dass ein Gegner im Abstiegskampf hinten steht und dicht macht, war zu erwarten.Trotzdem hatte ich mir gegen den Vierzehnten der Tabelle mehr erhofft. Was aber in den „sozialen“ Medien und auf dem Weg zum Auto von einigen Leuten schon wieder abgesondert wurde, finde ich unter aller Kanone. Es war nicht schön heute, und die Saison läuft auch nicht zu aller Zufriedenheit. Aber wer sein Geld zurückfordert (eine der harmloseren Forderungen in Richtung Präsidium), der sollte sich überlegen, ob er mit RWE den richtigen Verein gewählt hat oder bei so einem Wetter lieber zu Hause bleibt. 

Freitag geht es für RWE nach Gladbach. Dort hat der Gastgeber deutlich mehr zu verlieren. Erfahrungsgemäß liegen uns solche Spiele besser. 

Nur der RWE!

Rechenspiele – Ein Bericht zur Lage in der Liga

Das erste Pflichtspiel des Jahres ist Geschichte, bekanntermaßen hat unser Herzensclub bei Viktoria Köln unglücklich mit 1:2 verloren. Dazu ist schon einiges geschrieben worden, so dass ich dies an dieser Stelle nicht nochmal aufrollen möchte, zumal ich aus verschiedenen Gründen nicht selbst vor Ort war. Am Radio mitzufiebern ist echt die Hölle…

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag auch schon vor der Partie geschrieben haben, aber wie das halt immer so ist mit der Zeit.

Bekanntermaßen bin ich ein kleiner Zahlenfreak, und als solcher habe ich mir schon Gedanken zum restlichen Saisonverlauf gemacht. Alles Folgende bezieht sich allerdings auf den Stand jetzt, also nach dem Viktoria-Match. Natürlich sind da auch noch die Kollegen aus dem Tal, aber ich gehe davon aus, dass diese im Fall der Fälle erst Recht kein Problem darstellen würden.

Derzeit beträgt unser Rückstand auf Platz 1 satte 13 Punkte, somit ist der Aufstieg wohl auch für die kühnsten Träumer unter uns außer jeglicher Reichweite. Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass der BVB noch zwei Spiele „in petto“ hat, bei Siegen würde unser Rückstand gar auf 14 Punkte anwachsen. Das bedeutet, dass wir satte 5 Spiele mehr gewinnen müssen als beide Borussen-Teams und Viktoria – bei gerade mal 13 verbleibenden Partien.

Sollte uns dieses Kunststück in einem Falle oder gar zweien schaffen, so ist die Chance, dies in allen drei Fällen zu schaffen, wohl verschwindend gering. Ich halte es im Durchschnitt für möglich, einen Punkt pro Spieltag noch aufholen zu können. Dies basiert hauptsächlich auf Rechnereien der letzten paar Saisons, in denen ich gegen Ende immer mal wieder unter Zuhilfename von Excel durchgerechnet habe, wie denn unsere Chancen auf Aufstieg / Klassenerhalt noch so stehen. Und ihr merkt vielleicht: 13 Punkte – 13 Spiele: das dürfte es gewesen sein, sollte nicht noch Unglaubliches passieren.

Auf der anderen Seite beträgt aber auch unser Vorsprung auf die Abstiegsplätze ebenso 13 Punkte, was bedeutet, dass auch diese Wahrscheinlichkeit gegen Null tendiert. Das sollte beruhigend genug auf die Mannschaft wirken, um den Rest der Saison auf solidem Level weiterzuspielen und zumindest Platz 4-5 zu sichern. Dies könnte dazu führen, dass das Team von Spiel zu Spiel weiter zusammenwächst, um dann in der kommenden Saison das nötige Quäntchen mehr mit auf die Waage zu bringen, um solche Partien wie Samstag zu den eigenen Gunsten zu entscheiden.

Denn – und da wiederhole ich mich gerne – in meinen Augen haben wir häufiger nicht gewonnen als schlecht gespielt. Wir haben beispielsweise nur zwei Spiele mehr verloren als Viktoria, aber satte drei Unentschieden mehr. Dies gilt es zu optimieren.

Genau aus diesem Grunde ist es meines Erachtens nach wichtig, die Saison trotz eventuell bald eintretender Spiele um die berühmte goldene Ananas noch nicht abzuhaken, sondern das Team weiter in gewohnter Form zu unterstützen. Besonders, weil die Zuschauerzahl in Abhängigkeit zur Spannung sinken wird.

Und überhaupt: So lange rechnerisch noch was geht, muss eh weiter dran gezogen werden, basta!

In diesem Sinne: Lasst uns Samstag Düsseldorf weghauen und denen den Karneval verderben. An Aschermittwoch dann bitte Wuppertal als Pokal-Los!

NUR DER RWE!

Das Ende der Winterpause

Die für mein Empfinden mal wieder zu lange Phase, in der das einzig rot-weisse, das man zu sehen bekommt, die Schokoweihnachtsmänner am Gabentisch waren, neigt sich dem Ende zu. Zeit, ein Resumee zu ziehen.

Nach dem heutigen 3:1-Erfolg gegen die TuS Koblenz (derzeit 7. der Regio Südwest) steht zunächst mal fest, dass unser Team ungeschlagen und ohne größere Verletzungen durch die Pause gegangen ist. Nach der beinahe schon traditionellen ETB-Absage musste der ESC Rellinghausen ein 8:0 über sich ergehen lassen, bei der 2. Mannschaft des Bundesligisten FSV Mainz 05 erreichte man ein 1:1, und die Spvg. Schonnebeck, gegen die man im Pokal kürzlich noch einige Probleme hatte, konnte man einen 2:0-Erfolg verbuchen. Sind die Ergebnisse auch positiv, so bin ich doch immer vorsichtig mit der Beurteilung solcher Spiele. Es geht hier sicherlich eher darum, den vielgerühmten Spielrhythmus zu finden und auch mal Dinge zu probieren, für die man im Ligabetrieb keine Gelegenheit hat. Daher steht für mich im Vordergrund, dass alle Akteure ohne schwerwiegende Verletzungen geblieben sind.

Der zweite Schwerpunkt in der Winterpause liegt ganz klar auf den Transfers. Und hier steht natürlich ein Spieler im Fokus: Kontantin Möllering. Dieser hat über zwei (!) Wochen bei RWE mittrainiert, kam in drei Testspielen zum Einsatz und galt quasi schon als Neuzugang. Zumindest war dies mein Eindruck, nachdem sich sowohl der Verein („interessanter Mann“) als auch der Spieler („Ehre, dieses Trikot zu tragen“) entsprechend in der Presse positioniert hatten. Am letzten Tag der Wechselperiode unterschrieb der Ex-Borusse und USA-Rückkehrer dann in Rödinghausen. Muss man nicht verstehen. Ob er nun eine Häcker-Küche zum Sonderpreis bekommt, er hier zu hoch gepokert hat und daraufhin nehmen musste, was übrig bleibt – wir werden es vermutlich nie erfahren. Ich finde es jedoch positiv, dass der Verein nicht „auf-Teufel-komm-raus“ um diesen Spieler mitgeboten hat, denn dadurch sendet man ja auch ein Signal an zukünftige Kandidaten.

Mit dem Nicht-Zugang Möllering stand also fest, dass die restliche Saison mit dem aktuellen Kader zu Ende gespielt werden muss. Verstärkt wird das Team dabei durch drei Spieler aus der A-Jugend – n0ch etwas, das positiv zu bewerten ist. Es gab allerdings auch Abgänge: Ivan (zum WSV) war dabei der einzige Spieler mit nennenswerten Einsätzen für RWE, jedoch weit davon entfernt, Stammspieler oder gar erster Einwechselspieler zu werden. Hier hatte Ngankam meist die Nase vorn. Zudem verließen noch Jesic (Regio Südwest, ebenfalls nur „Notnagel“, was Spielminuten betrifft), Druschky (zurück nach Leipzig, war dauerverletzt), Kwadwo (Gelsenkirchen II), Demircan (Wattenscheid) und Gubini (Kreisliga (!!!) Bottrop) den Verein. Alles keine Namen, mit denen ich in Zukunft gerechnet hätte. Es dürfte aber nichtsdestotrotz im Sommer akuter Bedarf für Neuverpflichtungen auf einigen Positionen bestehen. Grund zur Panik ist aber keineswegs gegeben, denn mit dem bestehenden Kader sollten wir diese Saison noch sehr gut zu Ende spielen können.

Eine Randbemerkung gab es dann noch zum Thema „Transfers“: RWE steht wohl mit einem Spieler in Verhandlungen, der „kein Probetraining braucht“ (J. Lucas im Reviersport). Zudem wäre dieser Spieler wohl im Sommer ablösefrei, hätte aber den Berichten nach auch schon im Winter eine Option sein können. Dass daraus direkt der „Hochkaräter“ wurde, der nun in den Foren und Facebook-Gruppen plattgetreten und zynisch erwähnt wird – geschenkt. Ich bin aber trotzdem sehr gespannt, ob es zu einer Verpflichtung im Sommer kommt, mit der wir alle nicht so richtig rechnen.

Wirtschaftlich rechne ich – allen Unkenrufen zum Trotz – damit, dass wir weiterhin ordentlich aufgestellt sind, wenn auch neulich in einem Interview von Doc Welling zum Ausdruck kam, dass uns der Betrag von Innogy doch zu Gegenmaßnahmen gezwungen hat. Zudem müssen 100.000 Euro aus dem Transfer von Kerim Avci in die Türkei zunächst abgeschrieben werden, da auch die Drohung mit Punktabzug und Zwangsabstieg durch die Fifa dadurch verpufft, dass der türkische Verein ohnehin abgeschlagener Tabellenletzter ist und einem erneuten Abstieg entgegentaumelt. Wir werden sehen, ob auf juristischem Wege da vielleicht noch etwas zu machen ist. Soweit ich das aus kaufmännischer Sicht beurteilen kann, dürfte dieses Geld ohnehin seit dem Transfer nicht in irgendwelche Etats eingeplant worden sein, entsprechende Bilanzierungsvorschriften gibt es ebenfalls, nachdem im Bezug auf den Geldeingang zweifelhafte Forderungen entsprechend zu händeln sind.

Am 01. Februar wurde RWE 110 Jahre alt. Die „aktive Szene“ (wenn ich sie mal so nennen darf) zelebrierte den Anlass mit einer phänomenalen Aktion, wie ich finde. Um es nochmal zu betonen: Pyro im Stadion, wo Leute dicht auf dicht stehen, finde ich gefährlich und fahrlässig. Wenn Bengalos und Co. allerdings wie im Video der Westtribüne eingesetzt werden, bekomme ich Gänsehaut und Tränen der Rührung. Wer behauptet, die Fanszene in Essen sei tot, dem wurde hiermit das Gegenteil bewiesen. DANKE FÜR DIESE AKTION, DIE DEUTSCHLANDWEIT IHRESGLEICHEN SUCHT!

Zu guter letzt hat es unser Verein ja mal wieder geschafft, überregional in die Schlagzeilen zu kommen, indem man in Zusammenarbeit mit Essener Schauspielern eine PK in bestem Trump-Style inszeniert und ein Statement für die Pressefreiheit abgegeben hat. Unter anderem berichtete Sky Sport News, die Sportschau und bild.de (LINK) über die Aktion, die ihr auch hier nochmal sehen könnt:

Nachtrag: Ich habe gesehen, dass wir wohl noch ein Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken „einschieben“. Ich hoffe einfach mal, dass da auch alles gut geht…

Nachtrag 2: Puh, Glück gehabt, Frau Holle sei Dank! Das Saarbrücken-Match fällt aus…

NUR DER RWE!

Fußball! Frauen! Ferde!

Ich habe mir am heutigen Abend zusammen mit meinem Herzblatt im Theater Freudenhaus das im Titel genannte Stück ansehen dürfen. Ich versuche, im Folgenden so wenig wie möglich auf die Handlung einzugehen, schicke hiermit aber trotzdem eine ausdrückliche Spoilerwarnung voraus!

Rot-Weiss Essen geht es finanziell nicht gut. Der Vorstand das Präsidium trifft sich zur Krisensitzung. Zwar konnte der Wimpel aus dem 55er Meisterschafts-Endspiel günstig erstanden werden, aber dank Berufsgenossenschaft und DFB drohen Insolvenz und Lizenzentzug. Doch damit will sich der Enkel von Meisterkapitän August Gottschalk nicht abfinden. Soviel zur Grundsituation, aus der sich die restliche Handlung ableitet. Eine Situation, wie sie jeder wohl nachvollziehen kann, der es mit dem RWE hält.

Die Story wird eingerahmt und geleitet von einigen Passagen vom Band, gelesen von keinem Geringeren als unserem Doc Welling, der heute unter anderem mit Damit Jamro und, wie ich vermute, einigen Geschäftsstellen-Mitarbeitern, im Publikum saß. Auch hier wird nicht mit Anspielungen gespart, auch nicht, dass gerade bei RWE die Tore ja auch ganz gerne mal in der Nachspielzeit fallen. (Anm. des Autors: Ich habe sie alle gesehen!)

Schon im ersten Drittel zaubert das Brainstorming des Vorstandes des Präsidiums bei mehreren „lecker Bierchen“ dem geneigten Zuschauer so manches Lächeln aufs Gesicht, wird doch bei jedem Anstoßen das Stück angehalten und von den Akteuren die Bühne umgebaut. Mit so mancher Anekdote (zB dem Spielbericht des Endspiels, dem einen oder anderen bekannten rot-weissen Zitat) fühlt man sich direkt zu Hause.

Alle Charaktere werden von nur fünf Schauspielern dargestellt, die immer wieder in andere Rollen hüpfen. So ist der Kassenwart ein verdeckter Ermittler, der mit seinem Kollegen (Deckname „kleiner Igel“) in gleich mehreren Szenen immer wieder den gleichen Dialog abhält. Beide sehen dabei urkomisch aus.

Nach der Pause wird dann – wer hätte es erwartet? – die Storyline aufgelöst. Höhepunkt dabei aus meiner Sicht die Telefonkette, in der ein kleines „Geschäft unter Freunden“ ausgehandelt wird. Am Ende haben sich dann (fast) alle lieb, die rot-weisse Seele kann wieder lachen und nach tosendem Applaus, einigen kurzen Gesängen und einer flammenden Ansprache von Horst Lattuschek verließen, soweit ich das gesehen habe, alle Zuschauer vergnügt das Theater.

Etwas Kritik muss aber auch sein: So singt einer der Protagonisten beim Verlassen der Vereinskneipe „unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz“ statt „…steh’n wir für dich ein“, im Nachwort von der Bühne wird vom morgigen Revanche-Spiel gegen Viktoria geredet, obwohl dieser noch gute drei Wochen entfernt ist und morgen „nur“ ein Test gegen Mainz II ansteht. Es sei aber angesichts der ansonsten durchaus souveränen Leistung über deutlich mehr als 2x 45 Minuten verziehen.

Wer rot-weisses Blut in den Adern hat und noch dazu das Glück, noch ein Ticket ergattern zu können, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wenn ich es richtig gesehen habe, läuft das Stück noch bis Anfang Februar. (Nachtrag: gemäß Tweet vom Theater gibt es noch Tickets für den 02., 03. und 04. Februar.)