Auf der Suche nach dem „Warum?“

Die heutige Partie gegen Rot-Weiß Ahlen hinterlässt bei mir ein großes Fragezeichen. Wie konnte es passieren, dieses zur Halbzeit in noch so trockenen Tüchern gewähnte Match noch zu einem Unentschieden verkümmern zu lassen?

Das Spiel durfte ich aus ungewohnter Perspektive beobachten. Da meine Tochter als Einlaufkind mit dabei war, nahm ich nach langer Zeit mal wieder auf der Haupttribüne Platz, leider relativ weit unten, so dass man eigentlich von den Spielzügen nicht viel erkennen konnte. Dafür konnte ich die erneut sehr gelungene Choreo bewundern – danke dafür!

Aber das, was ich vom Spiel zu sehen bekam, gefiel mir in der ersten Halbzeit sehr gut.

Der Gegner wurde Großteils hinten reingedrängt, immer wieder wurde über außen das Spiel schnell gemacht und in die Mitte geflankt – leider meist mit minderer Qualität. Ahlen mit ein paar Entlastungsangriffen, die aber meist im Ansatz verpufften. Nach einer guten halben Stunde dann Flanke Malura, in der Mitte wird von einem Ahlener der Ball zu Platzek „geklärt“, dieser legt quer auf Ngankam, der ins leere Tor einschieben konnte. 1:0!

Nachdem ich dies meinen Freunden getickert hatte, die heute nicht im Stadion sein konnten, guckte ich hoch und sah gerade noch, wie ein Ball auf Hellers Kasten verlängert wurde, dieser den Ball im Rückwärtsfallen noch an die Latte lenkte, dann aber zum Ausgleich abgestaubt wurde.

Wenige Augenblicke später gab es dann einen langen Ball – eher ein Befreiungsschlag – etwa auf Höhe der Essener Bank ins lange Eck des Strafraums. Der zuständige Ahlener Verteidiger und Ex-Essener Sascha Kirschstein (übrigens ab der 1. Minute mit Zeitspielambitionen) sprangen unter dem Ball durch, wieder Ngankam – 2:1.

Mit diesem Resultat ging es in die Halbzeitpause, und obwohl ich schon so oft enttäuscht wurde, bin ich auch dieses Mal wieder optimistisch gewesen, dass DIESE Messe gelesen sei. Zu deutlich der Unterschied, zu harmlos die Ahlener. Und da schließt sich der Kreis wieder zu meinem Fragezeichen: Wie konnte es sein, dass das Spiel nun komplett in die andere Richtung lief?

Anstatt weiterer Dominanz plötzlich freche Ahlener, die Konter um Konter auf unser Tor brachten, nur noch ein paar wenige Szenen von RWE. Eine davon die Mega-Chance für Platzek: Malura rechts durch, scharfe Hereingabe nach innen auf Platzek, der aus 5m an einer Blitzreaktion von Kirschstein scheiterte.

Dann jedoch ein Konter von Ahlen. Erst ging Brauer (?) nicht richtig drauf, dann war der Ball plötzlich drin. Ob es nun ein Torwartfehler war oder nicht – ich vermag es nicht zu sagen. Der Treffer lag zwar nicht in der Luft, kam aber auch nicht aus dem Nichts.

Platzek hatte dann noch eine gute Szene, scheiterte aber erneut. Kuriosum am Rande: Ahlen wechselte seinen Co-Trainer (!) ein. Unser Team wurde wieder aktiver, es reichte aber nur noch zu einem Kopfball von Weber in der Nachspielzeit, den erneut Kirsche von der Linie kratzte.

Ja, woran lag es? Dem einsetzenden Regen? Dem frecher werdenden Gegner? Am Zeitspiel der Ahlener (besonders – ich betone es erneut – der Keeper, wieso pfeift ein Schiri in einer Szene zweimal mit der Geste „Gib Gas“, zeigt aber nicht mal ne Karte?)? Gibt eine Führung bzw. erneute Führung nach unglücklichem Ausgleich nicht Aufwind und Moral, den Sack zuzumachen? Ich weiß es nicht. Demandt dürfte nicht zufrieden gewesen sein, so wie er an der Seitenlinie verzweifelt ist.

Da selbst für die kühnsten Optimisten (mich) der Zug sowas von abgefahren ist, erwarte ich einfach, dass nun die letzten Partien dazu genutzt werden, genau zu sichten, wo Handlungsbedarf am „Spielermaterial“ besteht. Schön, dass Obst wieder fit ist, aber war Ngankam wirklich so platt, dass man DIESEN Wechsel vollziehen musste? Er sah nicht wirklich gut aus in den wenigen Szenen, die er hatte.

Zu allem Überfluss wurden ich und mein Sohnemann nach dem Spiel noch von Radio Essen interviewt… Sehr unangenehm, wenn man gerade gefühlt verloren hat.

Ich persönlich freue mich auf die bewegten Bilder vom Spiel, damit ich wenigstens für mich die letzten Fragen beantworten kann.

Freitag geht es für die Mannschaft nach Verl, auch so ein ungeliebtes Pflaster in den letzten Jahren…

Trotzdem: NUR DER RWE!

Ein Tor würde dem Spiel gut tun!

Nie war obiges Zitat so wahr wie heute. Wie groß war die Vorfreude, das Kribbeln, heute endlich wieder im Stadion zu stehen und ein Heimspiel zu sehen. 

Nicht nur die Kälte sorgte dabei für den einen oder anderen Schauer auf dem Rücken. Vor Anpfiff gedachte die rot-weisse Gemeinde ihrer Verstorbenen, Fan-Original Sandy hielt eine kurze Ansprache, an deren Ende ihm dann auch die Stimme wegbrach. Eine tolle Choreo rundete das Ganze dann noch ab, Fotos und Videos davon gibt es im Netz sicher zuhauf.

Das war aber auch schon fast alles, was für die folgenden 45 Minuten erwähnenswert war. Keine echten Torraumszenen auf beiden Seiten, kaum Zweikämpfe, viele Fehlpässe.

Das Bild änderte sich mit Beginn der zweiten Hälfte. Zwar waren die Düsseldorfer schon gute fünf Minuten früher wieder auf dem Platz, das Spiel gehörte jedoch ganz klar RWE. Chance um Chance wurde sich plötzlich erspielt, Chance um Chance wurde genauso plötzlich vergeben. Erst schoss Bednarski rechts knapp vorbei (ohnehin wegen Fouls abgepfiffen), wenig später schoss er noch knapper links vorbei. Nach einer Ecke kommt der Ball über Umwege zu Löning, dieser schlenzte aus der Drehung aufs lange Eck, so dass der Düsseldorfer Keeper sein ganzes Können zeigen musste. Ein paarmal rettete eine Fußspitze oder ein Bein in letzter Sekunde. Dann war der Ball plötzlich doch im Netz. Der Jubel dauerte jedoch nicht lange, denn im Moment, in dem Platzek den Abpraller aus gut 30cm über die Linie drückte, hatte wohl der Keeper seine Hand auf dem Ball, somit Freistoß für die Gäste. Diese Szene würde ich jedoch gerne nochmal ganz genau sehen. 

Auch im Anschluss an diese Szene gab es weitere Chancen, die Fortuna kam kaum noch über die Mittellinie. Leider war es heute wohl irgendwie verhext, das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Und weil ein Fortune wenige Minuten vor Schluss die obligatorische „es-war-so-klar“-Chance versemmelte, blieb die Partie torlos.

Das Spiel war in der ersten Halbzeit zu emotionslos, in Halbzeit zwei aber ein sehr gutes. Dass ein Gegner im Abstiegskampf hinten steht und dicht macht, war zu erwarten.Trotzdem hatte ich mir gegen den Vierzehnten der Tabelle mehr erhofft. Was aber in den „sozialen“ Medien und auf dem Weg zum Auto von einigen Leuten schon wieder abgesondert wurde, finde ich unter aller Kanone. Es war nicht schön heute, und die Saison läuft auch nicht zu aller Zufriedenheit. Aber wer sein Geld zurückfordert (eine der harmloseren Forderungen in Richtung Präsidium), der sollte sich überlegen, ob er mit RWE den richtigen Verein gewählt hat oder bei so einem Wetter lieber zu Hause bleibt. 

Freitag geht es für RWE nach Gladbach. Dort hat der Gastgeber deutlich mehr zu verlieren. Erfahrungsgemäß liegen uns solche Spiele besser. 

Nur der RWE!

Rechenspiele – Ein Bericht zur Lage in der Liga

Das erste Pflichtspiel des Jahres ist Geschichte, bekanntermaßen hat unser Herzensclub bei Viktoria Köln unglücklich mit 1:2 verloren. Dazu ist schon einiges geschrieben worden, so dass ich dies an dieser Stelle nicht nochmal aufrollen möchte, zumal ich aus verschiedenen Gründen nicht selbst vor Ort war. Am Radio mitzufiebern ist echt die Hölle…

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag auch schon vor der Partie geschrieben haben, aber wie das halt immer so ist mit der Zeit.

Bekanntermaßen bin ich ein kleiner Zahlenfreak, und als solcher habe ich mir schon Gedanken zum restlichen Saisonverlauf gemacht. Alles Folgende bezieht sich allerdings auf den Stand jetzt, also nach dem Viktoria-Match. Natürlich sind da auch noch die Kollegen aus dem Tal, aber ich gehe davon aus, dass diese im Fall der Fälle erst Recht kein Problem darstellen würden.

Derzeit beträgt unser Rückstand auf Platz 1 satte 13 Punkte, somit ist der Aufstieg wohl auch für die kühnsten Träumer unter uns außer jeglicher Reichweite. Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass der BVB noch zwei Spiele „in petto“ hat, bei Siegen würde unser Rückstand gar auf 14 Punkte anwachsen. Das bedeutet, dass wir satte 5 Spiele mehr gewinnen müssen als beide Borussen-Teams und Viktoria – bei gerade mal 13 verbleibenden Partien.

Sollte uns dieses Kunststück in einem Falle oder gar zweien schaffen, so ist die Chance, dies in allen drei Fällen zu schaffen, wohl verschwindend gering. Ich halte es im Durchschnitt für möglich, einen Punkt pro Spieltag noch aufholen zu können. Dies basiert hauptsächlich auf Rechnereien der letzten paar Saisons, in denen ich gegen Ende immer mal wieder unter Zuhilfename von Excel durchgerechnet habe, wie denn unsere Chancen auf Aufstieg / Klassenerhalt noch so stehen. Und ihr merkt vielleicht: 13 Punkte – 13 Spiele: das dürfte es gewesen sein, sollte nicht noch Unglaubliches passieren.

Auf der anderen Seite beträgt aber auch unser Vorsprung auf die Abstiegsplätze ebenso 13 Punkte, was bedeutet, dass auch diese Wahrscheinlichkeit gegen Null tendiert. Das sollte beruhigend genug auf die Mannschaft wirken, um den Rest der Saison auf solidem Level weiterzuspielen und zumindest Platz 4-5 zu sichern. Dies könnte dazu führen, dass das Team von Spiel zu Spiel weiter zusammenwächst, um dann in der kommenden Saison das nötige Quäntchen mehr mit auf die Waage zu bringen, um solche Partien wie Samstag zu den eigenen Gunsten zu entscheiden.

Denn – und da wiederhole ich mich gerne – in meinen Augen haben wir häufiger nicht gewonnen als schlecht gespielt. Wir haben beispielsweise nur zwei Spiele mehr verloren als Viktoria, aber satte drei Unentschieden mehr. Dies gilt es zu optimieren.

Genau aus diesem Grunde ist es meines Erachtens nach wichtig, die Saison trotz eventuell bald eintretender Spiele um die berühmte goldene Ananas noch nicht abzuhaken, sondern das Team weiter in gewohnter Form zu unterstützen. Besonders, weil die Zuschauerzahl in Abhängigkeit zur Spannung sinken wird.

Und überhaupt: So lange rechnerisch noch was geht, muss eh weiter dran gezogen werden, basta!

In diesem Sinne: Lasst uns Samstag Düsseldorf weghauen und denen den Karneval verderben. An Aschermittwoch dann bitte Wuppertal als Pokal-Los!

NUR DER RWE!