Der Moment, wenn der Ball im gegnerischen Kasten einschlägt. 

Darum liebe ich den Fußball mit all seinen Emotionen. Und genauso liebe ich für solche Spiele unseren Verein. Wuppertal – Essen. Für die einen das Spiel der Spiele, dass im Vorfeld mit Hassparolen, bunten Plakaten und allerhand Verzierungen entlang der S9 angeheizt wurde, für die anderen die große Chance, eine mal wieder verkorkste Saison vielleicht zu einem kleinen Happy End zu bringen.

Der ganze Abend ging dabei total ätzend los: geschlagene 75 Minuten am Einlass, Polizei und Andrang sei Dank. Den Anpfiff erlebte ich unten an der Treppe zur Stehtribüne, aber in den wenigen Sekunden habe ich wohl nichts verpasst.

Die erste Hälfte war mal wieder das, was man „taktisch umkämpft“ nennt. Die Gastgeber versuchten es schwungvoll, Rot-Weiss schien mehr mit dem Platz zu kämpfen als mit dem Gegner. Echte Chancen gab es daher auf beiden Seiten nicht. Nach vorne ging es bei uns zu selten präzise genug, hinten sorgte Zeiger mal wieder für Ordnung und kochte den Wuppertaler Wuschelkopf (keine Ahnung, wie der hieß) immer wieder aufs Neue ab. Wichtigste Szene daher leider, als sich Malura bei einer Klärungsaktion wohl das Knie verdrehte. Der Betreuer signalisierte zunächst „Auswechslung“, wenig später kam Malura zunächst humpelnd und beeinträchtigt wieder aufs Feld. Er hielt die komplette Partie über durch, Chapeau! Das nenne ich Einsatz!

Mit 0:0 ging es in die Kabine. Mein Eindruck bis dahin war, dass wir dieses Spiel höchstens mit einem Tor aus dem Nichts gewinnen könnten, zu verfahren das Spiel nach vorne.

Halbzeit zwei dann relativ schnell mit einem bösen Dämpfer: erst wird der Ball nicht ordentlich geklärt, ein Wuppertaler zieht von halblinks ab – rechter Pfosten. Auf der rechten Seite kommt ein Wuppertaler an den Ball und kann sich die Ecke aussuchen – 0:1!

Das war’s! Wie sollten wir da nochmal zurück ins Spiel kommen? So: Bednarski setzt sich gegen zwei Mann durch, spielt zurück auf Platzek, der nochmal auf Baier. Dieser hat die Nerven, sich den Ball noch zurechtzulegen und dann aus 10m dem Keeper durch die Beine zu schießen! Stille auf den Heimtribünen, Ekstase bei den RWE-Anhängern.

Wenig später: Ngankam kommt mal mit Schwung über rechts, lässt zwei Verteidiger stehen und schickt Platzek, der den Ball von der Grundlinie auf den langen Pfosten bringt, wo Brauer ihn über die Linie nickt – Führung. Als dann Platzek im 16er fällt, der Pfiff aber ausblieb, reagierte Ngankam als Erster und legte ab in die Mitte, wo wieder Baier aus 18m den Ball in die Maschen jagt – 3:1, beruhigende Führung!

Die Chance zum 4:1 war auch noch ein paar Mal da, aber es kann ja nicht jeder Ball reingehen. Bis zum 3:1 war auf beiden Seiten jeder Schuss aufs Tor drin.

Doch RWE wäre nicht RWE, wenn es nicht nochmal spannend würde: Ngankam blieb im 16er liegen, die Essener bitten darum, den Ball ins Aus zu spielen. Als sie merken, dass dies wohl nicht passieren würde, läuft der Stürmer bereits an allen vorbei, in der Mitte einer seiner Kollegen, nur noch 3:2.

Unser Trainer brachte mit Meier und Weber nochmal Personal für die Defensive und könnte damit die große Gefahr verhindern. Zwei Minuten vor Schluss dann nochmal eine dicke Chance für Platzek, der den Ball aus der Drehung an die Latte schoss.

In der Nachspielzeit fand dann das große Zittern ein Ende: am eigenen 16er wird Malura umgemäht, Gelb-Rot für den Wuppertaler, Abpfiff!

Das war heute ein Erfolg der Mannschaft auf und neben dem Platz. Wo es in der ersten Halbzeit gehakt hat, wurde in der zweiten Halbzeit um jeden Ball gekämpft. Baier, Brauer und Platzek mit einem immensen Laufpensum. Zeiger hat wohl keinen einzigen Zweikampf verloren. Becker nach seiner Einwechslung ebenfalls stark und mit guten Aktionen nach vorne. Endlich wurde am Ende mal dreckig hinten rausgepöhlt, abgewichst Zeit geschunden, wie man es sonst nur von den Gegnern kennt und das Ergebnis über die Zeit gebracht.

Natürlich war heute nicht alles Gold, was glänzt. Verdient war der Sieg aber allemal.

Die Pyroshow zu Beginn der zweiten Halbzeit wird uns wohl nun das angedrohte Geisterspiel bringen. Meine Meinung zu diesem Thema sollte bekannt sein.

Die meisten Rot-Weissen dürften jetzt am 02. Mai den Zebras die Daumen drücken, die den erhofften Aufstieg vermutlich schaffen werden. Ich persönlich gönne ihnen Platz 4 – nach einem Sieg an der Emscher natürlich.

Diesen Blog habe ich zu etwa 90% am Bahnhof Sonnborn geschrieben, wo ich erneut 45 Minuten warten musste. Mit der Pünktlichkeit hat man es nicht so im Tal. Aber egal:

Wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus und ihr bleibt hier…

NUR DER RWE!

Fundstücke

„Die Mannschaft ist kaputt. Das sieht man.“
„Scheinbar wollten wir die 3 Punkte nicht. Wieso auch?“
„Die Mannschaft muss sich vorwerfen lassen keinen unbedingten Siegeswillen zu haben. Das ist einfach zu wenig. Und warum sich das der Coach ewige Zeiten anschaut ohne zu reagieren muss mir auch mal jemand erklären. Jede Woche der selbe Mist“
„Der Trainer und die Mannschaft haben noch viel Luft nach oben.
Das heute war für eine Heimmannschaft offensiv ein Offenbarungseid.“
„Man bin ich froh wenn diese katastrophale Saison vorüber ist.“

„Wenn man sich den ganzen scheiß in den letzten Jahren so durch den Kopf gehen lässt und die ganzen Trainer mal Revue passieren lässt dann komme ich zu dem Ergebnis das sich nichts geändert hat.“

„Es ist unmöglich sich den Sauhaufen anzusehen.“

Es ist einfach unvorstellbar, was da heute wieder auf dem Platz vonstatten ging.“

„Wie die ganze Saison, kein Zug nach vorne. Das reicht vielleicht gerade noch für einen Platz im Mittelfeld, nach vorne braucht man mit so einer Leistung nicht zu schauen.“

Quelle: Facebook-Profil des nördlichen Bundesliga-Nachbarn. #FirstWorldProblems

Das Ende der Winterpause

Die für mein Empfinden mal wieder zu lange Phase, in der das einzig rot-weisse, das man zu sehen bekommt, die Schokoweihnachtsmänner am Gabentisch waren, neigt sich dem Ende zu. Zeit, ein Resumee zu ziehen.

Nach dem heutigen 3:1-Erfolg gegen die TuS Koblenz (derzeit 7. der Regio Südwest) steht zunächst mal fest, dass unser Team ungeschlagen und ohne größere Verletzungen durch die Pause gegangen ist. Nach der beinahe schon traditionellen ETB-Absage musste der ESC Rellinghausen ein 8:0 über sich ergehen lassen, bei der 2. Mannschaft des Bundesligisten FSV Mainz 05 erreichte man ein 1:1, und die Spvg. Schonnebeck, gegen die man im Pokal kürzlich noch einige Probleme hatte, konnte man einen 2:0-Erfolg verbuchen. Sind die Ergebnisse auch positiv, so bin ich doch immer vorsichtig mit der Beurteilung solcher Spiele. Es geht hier sicherlich eher darum, den vielgerühmten Spielrhythmus zu finden und auch mal Dinge zu probieren, für die man im Ligabetrieb keine Gelegenheit hat. Daher steht für mich im Vordergrund, dass alle Akteure ohne schwerwiegende Verletzungen geblieben sind.

Der zweite Schwerpunkt in der Winterpause liegt ganz klar auf den Transfers. Und hier steht natürlich ein Spieler im Fokus: Kontantin Möllering. Dieser hat über zwei (!) Wochen bei RWE mittrainiert, kam in drei Testspielen zum Einsatz und galt quasi schon als Neuzugang. Zumindest war dies mein Eindruck, nachdem sich sowohl der Verein („interessanter Mann“) als auch der Spieler („Ehre, dieses Trikot zu tragen“) entsprechend in der Presse positioniert hatten. Am letzten Tag der Wechselperiode unterschrieb der Ex-Borusse und USA-Rückkehrer dann in Rödinghausen. Muss man nicht verstehen. Ob er nun eine Häcker-Küche zum Sonderpreis bekommt, er hier zu hoch gepokert hat und daraufhin nehmen musste, was übrig bleibt – wir werden es vermutlich nie erfahren. Ich finde es jedoch positiv, dass der Verein nicht „auf-Teufel-komm-raus“ um diesen Spieler mitgeboten hat, denn dadurch sendet man ja auch ein Signal an zukünftige Kandidaten.

Mit dem Nicht-Zugang Möllering stand also fest, dass die restliche Saison mit dem aktuellen Kader zu Ende gespielt werden muss. Verstärkt wird das Team dabei durch drei Spieler aus der A-Jugend – n0ch etwas, das positiv zu bewerten ist. Es gab allerdings auch Abgänge: Ivan (zum WSV) war dabei der einzige Spieler mit nennenswerten Einsätzen für RWE, jedoch weit davon entfernt, Stammspieler oder gar erster Einwechselspieler zu werden. Hier hatte Ngankam meist die Nase vorn. Zudem verließen noch Jesic (Regio Südwest, ebenfalls nur „Notnagel“, was Spielminuten betrifft), Druschky (zurück nach Leipzig, war dauerverletzt), Kwadwo (Gelsenkirchen II), Demircan (Wattenscheid) und Gubini (Kreisliga (!!!) Bottrop) den Verein. Alles keine Namen, mit denen ich in Zukunft gerechnet hätte. Es dürfte aber nichtsdestotrotz im Sommer akuter Bedarf für Neuverpflichtungen auf einigen Positionen bestehen. Grund zur Panik ist aber keineswegs gegeben, denn mit dem bestehenden Kader sollten wir diese Saison noch sehr gut zu Ende spielen können.

Eine Randbemerkung gab es dann noch zum Thema „Transfers“: RWE steht wohl mit einem Spieler in Verhandlungen, der „kein Probetraining braucht“ (J. Lucas im Reviersport). Zudem wäre dieser Spieler wohl im Sommer ablösefrei, hätte aber den Berichten nach auch schon im Winter eine Option sein können. Dass daraus direkt der „Hochkaräter“ wurde, der nun in den Foren und Facebook-Gruppen plattgetreten und zynisch erwähnt wird – geschenkt. Ich bin aber trotzdem sehr gespannt, ob es zu einer Verpflichtung im Sommer kommt, mit der wir alle nicht so richtig rechnen.

Wirtschaftlich rechne ich – allen Unkenrufen zum Trotz – damit, dass wir weiterhin ordentlich aufgestellt sind, wenn auch neulich in einem Interview von Doc Welling zum Ausdruck kam, dass uns der Betrag von Innogy doch zu Gegenmaßnahmen gezwungen hat. Zudem müssen 100.000 Euro aus dem Transfer von Kerim Avci in die Türkei zunächst abgeschrieben werden, da auch die Drohung mit Punktabzug und Zwangsabstieg durch die Fifa dadurch verpufft, dass der türkische Verein ohnehin abgeschlagener Tabellenletzter ist und einem erneuten Abstieg entgegentaumelt. Wir werden sehen, ob auf juristischem Wege da vielleicht noch etwas zu machen ist. Soweit ich das aus kaufmännischer Sicht beurteilen kann, dürfte dieses Geld ohnehin seit dem Transfer nicht in irgendwelche Etats eingeplant worden sein, entsprechende Bilanzierungsvorschriften gibt es ebenfalls, nachdem im Bezug auf den Geldeingang zweifelhafte Forderungen entsprechend zu händeln sind.

Am 01. Februar wurde RWE 110 Jahre alt. Die „aktive Szene“ (wenn ich sie mal so nennen darf) zelebrierte den Anlass mit einer phänomenalen Aktion, wie ich finde. Um es nochmal zu betonen: Pyro im Stadion, wo Leute dicht auf dicht stehen, finde ich gefährlich und fahrlässig. Wenn Bengalos und Co. allerdings wie im Video der Westtribüne eingesetzt werden, bekomme ich Gänsehaut und Tränen der Rührung. Wer behauptet, die Fanszene in Essen sei tot, dem wurde hiermit das Gegenteil bewiesen. DANKE FÜR DIESE AKTION, DIE DEUTSCHLANDWEIT IHRESGLEICHEN SUCHT!

Zu guter letzt hat es unser Verein ja mal wieder geschafft, überregional in die Schlagzeilen zu kommen, indem man in Zusammenarbeit mit Essener Schauspielern eine PK in bestem Trump-Style inszeniert und ein Statement für die Pressefreiheit abgegeben hat. Unter anderem berichtete Sky Sport News, die Sportschau und bild.de (LINK) über die Aktion, die ihr auch hier nochmal sehen könnt:

Nachtrag: Ich habe gesehen, dass wir wohl noch ein Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken „einschieben“. Ich hoffe einfach mal, dass da auch alles gut geht…

Nachtrag 2: Puh, Glück gehabt, Frau Holle sei Dank! Das Saarbrücken-Match fällt aus…

NUR DER RWE!

Fußball! Frauen! Ferde!

Ich habe mir am heutigen Abend zusammen mit meinem Herzblatt im Theater Freudenhaus das im Titel genannte Stück ansehen dürfen. Ich versuche, im Folgenden so wenig wie möglich auf die Handlung einzugehen, schicke hiermit aber trotzdem eine ausdrückliche Spoilerwarnung voraus!

Rot-Weiss Essen geht es finanziell nicht gut. Der Vorstand das Präsidium trifft sich zur Krisensitzung. Zwar konnte der Wimpel aus dem 55er Meisterschafts-Endspiel günstig erstanden werden, aber dank Berufsgenossenschaft und DFB drohen Insolvenz und Lizenzentzug. Doch damit will sich der Enkel von Meisterkapitän August Gottschalk nicht abfinden. Soviel zur Grundsituation, aus der sich die restliche Handlung ableitet. Eine Situation, wie sie jeder wohl nachvollziehen kann, der es mit dem RWE hält.

Die Story wird eingerahmt und geleitet von einigen Passagen vom Band, gelesen von keinem Geringeren als unserem Doc Welling, der heute unter anderem mit Damit Jamro und, wie ich vermute, einigen Geschäftsstellen-Mitarbeitern, im Publikum saß. Auch hier wird nicht mit Anspielungen gespart, auch nicht, dass gerade bei RWE die Tore ja auch ganz gerne mal in der Nachspielzeit fallen. (Anm. des Autors: Ich habe sie alle gesehen!)

Schon im ersten Drittel zaubert das Brainstorming des Vorstandes des Präsidiums bei mehreren „lecker Bierchen“ dem geneigten Zuschauer so manches Lächeln aufs Gesicht, wird doch bei jedem Anstoßen das Stück angehalten und von den Akteuren die Bühne umgebaut. Mit so mancher Anekdote (zB dem Spielbericht des Endspiels, dem einen oder anderen bekannten rot-weissen Zitat) fühlt man sich direkt zu Hause.

Alle Charaktere werden von nur fünf Schauspielern dargestellt, die immer wieder in andere Rollen hüpfen. So ist der Kassenwart ein verdeckter Ermittler, der mit seinem Kollegen (Deckname „kleiner Igel“) in gleich mehreren Szenen immer wieder den gleichen Dialog abhält. Beide sehen dabei urkomisch aus.

Nach der Pause wird dann – wer hätte es erwartet? – die Storyline aufgelöst. Höhepunkt dabei aus meiner Sicht die Telefonkette, in der ein kleines „Geschäft unter Freunden“ ausgehandelt wird. Am Ende haben sich dann (fast) alle lieb, die rot-weisse Seele kann wieder lachen und nach tosendem Applaus, einigen kurzen Gesängen und einer flammenden Ansprache von Horst Lattuschek verließen, soweit ich das gesehen habe, alle Zuschauer vergnügt das Theater.

Etwas Kritik muss aber auch sein: So singt einer der Protagonisten beim Verlassen der Vereinskneipe „unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz“ statt „…steh’n wir für dich ein“, im Nachwort von der Bühne wird vom morgigen Revanche-Spiel gegen Viktoria geredet, obwohl dieser noch gute drei Wochen entfernt ist und morgen „nur“ ein Test gegen Mainz II ansteht. Es sei aber angesichts der ansonsten durchaus souveränen Leistung über deutlich mehr als 2x 45 Minuten verziehen.

Wer rot-weisses Blut in den Adern hat und noch dazu das Glück, noch ein Ticket ergattern zu können, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wenn ich es richtig gesehen habe, läuft das Stück noch bis Anfang Februar. (Nachtrag: gemäß Tweet vom Theater gibt es noch Tickets für den 02., 03. und 04. Februar.)

Auswärtsfahrt à la bon(n)heur

Sonntag, kühles, aber nicht kaltes Winterwetter mit strahlendem Sonnenschein – Zeit für einen Ausflug. Und was läge näher, als dies mit einer Fahrt zum heutigen Auswärtsspiel zu verbinden?

Nachdem wir diverse Staus (danke, Motor-Show!) und unser „Frühstück“ in einer lokalen Lokalität Bonns hinter uns gebracht hatten, ging es also zum Sportpark. Da wir uns möglicherweise etwas zu viel Zeit bei der Anreise gelassen hatten, waren wir nur wenige Minuten vor dem Einlauf der Mannschaften vor Ort. Dafür fanden wir jedoch einen schönen, sonnigen Platz auf der Gegengerade, auf der sich vielleicht 400 rot-weisse Anhänger verliefen. Auf der Haupttribüne (für die es auf polizeiliche Anweisung hin keine Tickets zu kaufen gab) fanden sich weitere etwa 150-200 Essener, bei rd. 1500 Zuschauern (offizielle Zahl) also mal kein Auswärts-Heimspiel für unsere Truppe. Ein wenig enttäuschend, finde ich, allerdings weiß ich nicht, ob das auf den vorweihnachtlichen Stress / Weihnachtsmarktbesuche oder auf die von vielen kritisierten Leistungen unserer Truppe zurückzuführen war.

Unsere Truppe begann recht forsch und hatte nach gut 10 Minuten auch die erste halbe Torchance, als Becker aus gut 18m knapp am langen Pfosten vorbeischoss. Wenig später dann eine tolle Kombination: Baier spielt etwa auf Höhe den Mittelkreis nach außen auf Becker, der Malura steil schickt. Dessen Flanke landet am langen Pfosten bei Bednarski, und Platzek hielt den Fuß in den gut getimeten Kopfball – 1:0. Eine gute Viertelstunde später – das Spiel drohte gerade dahinzuplätschern – nahm Baier Maß und schloss per Flachschuss auf dem holprigen Rasen zum 2:0 ab. Hochverdient zu diesem Zeitpunkt, kam doch Bonn nicht mal in die Nähe unseres Strafraums. Ein beinahe perfektes Pressing, solide Abwehrarbeit ab Platzek bereitete den Bonnern sichtbare Probleme, ein Bein auf den Boden zu bekommen. A propos Boden: Ich hatte das Gefühl, der Rasen war vielleicht 3cm zu hoch, denn der Ball schien darauf gar nicht zu springen. Malura, Bednarski und Baier hatten dann noch die Chance, vor der Pause auf 3:0 zu erhöhen, mehr als ein „Field Goal“ sprang dabei aber leider nicht heraus.

Diese Halbzeit war mit das Beste, was ich diese Saison von unserem Team gesehen habe. Jeder verlorene Ball wurde binnen Sekunden zurückerobert, sofort Schwung aufgenommen und der nächste Angriff eingeleitet. Besonders das Duo Becker/Malura gefiel mir sehr gut, Lucas im defensiven Mittelfeld mit überragender Abwehrarbeit. Aber auch Platzek und Bednarski sehr agil und energischen Zweikämpfen. Und schon im Auto spielte ich gedanklich ein paar Möglichkeiten durch, was denn die heutige „Catchphrase“, das Bon(n)mot für den heutigen Bericht werden könnte. Das Beste ist mir erst beim Verfassen dieser Zeilen eingefallen: „à la bonheur!“ – alle Achtung!

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir nicht vorstellen können, was dann in der zweiten Halbzeit passierte. Zwar hatte ich erwartet, dass Bonn mit Schwung aus der Kabine kommen würde und früher oder später versuchen würde, zum Anschlusstreffer zu kommen. Dieser fiel allerdings für meinen Geschmack nach einer schnellen und zugegebenermaßen sehr ansehnlichen Kombination, nachdem Baier bei einem Zweikampf den Ball verloren hatte. Ab diesem Zeitpunkt klappte nichts mehr bei RWE. Kurz nach dem Anschluss hatte Bonn die dickste Chance zum Ausgleich, als Grund sich außen ausspielen lies und der Mann in der Mitte über den präzisen Querpass trat, anstatt die Einladung anzunehmen. Die Bonner waren nun immer einen Tick schneller am Ball, Konter wurden im Ansatz unterbunden, und mehrfach musste der fehlerfreie Heller (beim Tor aus meiner Perspektive machtlos) mit Paraden eingreifen. Ein Distanzschuss krachte ans Außennetz, aus unserer Position wirkte dieser Strahl, als wäre er drin gewesen. In der zweiten Halbzeit hatten wir noch ein paar bessere Angriffe, bei denen aber dann der falsche Pass oder zu unpräzise gespielt wurde, so dass daraus keine Gefahr entstand. Ich hätte mir noch den einen, sauberen Konter gewünscht. Schade.

Letztlich klappte es aber dann doch, den Sieg über die Zeit zu retten. Ich möchte nicht von einem Zittersieg reden, aber es war auch kein souveräner Erfolg mehr, den ich zur Pause noch erwartet hätte. Allerdings muss man aber auch konstatieren, dass die Abwehr den Ausgleich trotz bester Bonner Chancen verhindert hat. Sei es durch den Fuß, der im letzten Moment noch im Weg war, auch mal ein Foul im richtigen Moment, oder halt durch Heller, der immer wieder zur Stelle war. Ein Torwartproblem haben wir jedenfalls nicht. Ohne dies als Ausrede verstanden wissen zu wollen: Ich denke, die starke erste Halbzeit hat auf der „Spielwiese“ vermutlich sehr viel Kraft gekostet, und ein Großteil der Spieler hatte ja vom Mittwoch noch 120 Minuten in den Knochen. Da sollte man der Truppe auch diese schwächere Phase gönnen. Wichtig sind am Ende nur die Punkte. Wieder: „à la bonheur“, diesmal aber eher als „was für ein Glück“ zu lesen.

Auch die eher defensiven Wechsel (Windmüller für Lucas, ging dann auf die 6, Brauer für Rabihic, positionsgetreu und Huckle für Bednarski (in der 89. Minute. Kommentar eines Zuschauers: „Warum wechselt der den nicht erst in einer Minute ein, um Zeit runterzunehmen…?“ – kein Kommentar meinerseits) zeigen mir, dass der Trainer heute eher auf „Halten“ gespielt hat und nicht riskieren wollte, vielleicht mehr Offensivkraft auf dem Platz zu haben, dafür aber doch noch „das Ding“ zu kassieren. Es hat ja funktioniert. Ich male mir an dieser Stelle nicht auszumalen, wie groß das Geschrei gewesen wäre, wenn das Tor doch noch gefallen wäre.

Ansonsten bleibt noch zu erwähnen, dass die Jungs auf der Haupttribüne heute mit pausenlosem Gesang geglänzt haben. Pausenlos im Sinne von „auch die Pause hindurch“ bis weit nach Spielende. Hat mir sehr gut gefallen, wenn auch baubedingt keine große Lautstärke mehr auf unserer Seite des Stadions angekommen ist.

Spieler des Tages für mich mal wieder Platzek, der nicht nur einen Treffer beigesteuert hat, sondern über die komplette Distanz immer wieder um jeden Ball gefightet hat. Leider konnte er von dem bisschen, was in Halbzeit zwei noch zu ihm kam, nicht mehr viel verwerten.

Ach ja: und sonnig war es. Kurioserweise lief es immer für die Mannschaft besser, die die Sonne im Rücken hatte. Zufall? 🙂