5. Spieltag – RWE – SG Wattenscheid

Die SG Wattenscheid aus dem beschaulichen Nachbarstädtchen galt zuletzt als eine Art „Angstgegner“: Zuletzt hatte RWE in der Saison 2014/15 einen Heimsieg erzielen können, danach die Partien durch teils kuriose Schiedsrichterentscheidungen oder aber gar Nachspielzeit-Doppelpack verloren. Mit den in den ersten Saisonspielen gezeigten Leistungen im Hinterkopf war die Hoffnung unter den RWE-Anhängern natürlich vorhanden, dass sich dies endlich mal wieder ändern würde.

Christian Titz überraschte auch diesmal wieder mit der Startaufstellung: Marco Kehl-Gomez, immerhin Kapitän unserer Mannschaft, musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, für ihn rückte Heber auf die Position in der Innenverteidigung und David Sauerland, Neuzugang von Eintracht Braunschweig, durfte auf der rechten Außenverteidigerposition starten. Auf Wattenscheider Seite standen mit Geisler, Yesilova, Obst, Cokkosan und Tomiak gleich fünf ehemalige Rot-Weisse in der Startelf (später sollten noch Kaya, Hirschberger und Studtrucker eingewechselt werden).

Wie üblich begann RWE wie entfesselt mit frühem Pressing. Und das sollte schnell belohnt werden: Nach einem schönen Steilpass spielt Dorow den Ball zurück Richtung Elfmeterpunkt, Kefkir kommt zum Schuss – und trifft das Außennetz. Dicke Chance, nicht wenige Zuschauer hatten da schon zum Jubeln angesetzt. Doch wenige Minuten später macht er es besser: Langer Ball von Lenz, schöner Sprint von Endres, dessen Pass von Dorow knapp verfehlt wird, doch Kefkir kann flach zur Führung einschieben.

Dieser Treffer gab einerseits die nötige Ruhe im Spiel, um immer mal wieder in Ruhe aufbauen zu können, andererseits verflachte die Partie dadurch so sehr, dass sich viele Szenen im Mittelfeld abspielten. Besonders die linke Seite mit Grund und Endres sorgte dabei immer wieder für tolle Angriffe. Beide konnten einige Male bis zur Grundlinie durchbrechen und zurück flanken – Dorow heute aber mit wenig Glück: Einmal knapp vorbei, einmal Pfosten und einmal Endstation Torwart, so seine Bilanz.

Lediglich in zwei Situationen kam auf der anderen Seite so etwas wie Torgefahr aus, doch mittels Teamwork konnte der Abschluss von Buckmaier gerade noch zur Ecke abgewehrt werden. Mit dem Halbzeitpfiff klatschte dann noch ein Schuss von Yesilova aus spitzem Winkel an den Pfosten – der Ausgleich wäre durchaus schmeichelhaft gewesen. Der mangelhaften Chancenverwertung unseres Teams hatte die SG es zu verdanken, „nur“ mit einem einzigen Gegentor in die Pause zu gehen.

Nach dem Seitenwechsel versuchten die Gäste immer mehr, das Spiel an sich zu reißen, bissen sich jedoch an der meist gut stehenden rot-weissen Defensive die Zähne aus. Ein Großteil der zweiten Hälfte bestand aus dem Versuch, das Wattenscheider Bollwerk noch einmal zu knacken, ohne dabei einen Lucky Punch zu kassieren. Das machte sich durch zunehmende Härte, aber auch durch häufiger werdende Fehlpässe auf beiden Seiten bemerkbar.

Eine Viertelstunde vor Schluss durfte dann Kehl-Gomez doch noch aufs Feld, und er zahlte seinem Trainer dies auf die bestmögliche Art und Weise zurück: Eckball von rechts, von einem Wattenscheider Fuß kommt der Ball irgendwie zu unserem Kapitän, der ihn irgendwie aus dem Gewühl über die Linie drückt! Irre! Erneut trifft ein Joker!

Doch fast im Gegenzug dann beinahe der Anschluss für die Bochumer: Diallo erkämpft sich gegen Hahn den Ball und kann alleine auf Lenz zulaufen. Dieser macht sich jedoch ganz breit und hält damit für RWE die Null.

In der Folge ergaben sich noch ein, zwei Konterchancen für unser Team, doch richtig Gefährliches sprang dabei nicht mehr heraus. Mit 13 von 15 möglichen Punkten hat RWE einen tollen Saisonstart hingelegt. Dies wurde dann auch noch ausgelassen vor der Westkurve gefeiert, Marcel Platzek durfte gar aufs Vorsänger-Podest der Ultras. Und auch Titz wurde lautstark gefordert, es freut mich umso mehr, dass er die Einladung in die Kurve freudestrahlend angenommen hat.

Mann des Spiels für mich erneut Grote – dieser Mann ist einfach Dreh- und Angelpunkt im rot-weissen Aufbauspiel, grätscht mit tollem Timing, ist sich aber auch nicht zu schade, im Notfall auch härter zur Sache zu gehen. Grund hat viele, viele Meter abgespult, musste aber nach einem Ellbogen, den er im Zweikampf in den Rücken bekommen hat, verletzt ausgewechselt werden. Dorow – was für eine Qualität hat dieser Junge bitteschön? Feiner Fuß, gutes Auge, dazu Zug zum Tor… Es sei zudem erwähnt, dass Heber nach seinen zuletzt gezeigten Fehlern heute absolut zuverlässig agiert hat.

Mit diesem 2:0 hat RWE die Tabellenführung vom SV Rödinghausen für mindestens eine Nacht zurückerobert (der SVR hatte unter der Woche sein Nachholspiel gewonnen). Nächste Woche geht es dann nach Oberhausen – noch so ein Gegner, gegen den wir schon länger nicht gewinnen konnten.

1. Spieltag – RWE – BVB II // Niemals aufgeben!

So lautete gestern Abend beim Eröffnungsspiel zur Saison 2019/20 der Regionalliga West das Motto an der Hafenstraße zwischen Rot-Weiss Essen und der Zweitvertretung des BVB. Vorweg: Selten war ein Motto so treffend!

Rund 14500 Zuschauer im Stadion, ordentlich gefüllter Gästeblock – ein phantastischer Rahmen. Die Choreo beim Einlaufen der Mannschaften, unterstützt durch den ausgerufenen Fahnentag, leistete ihren Beitrag, eine Gänsehaut sollte die nächste jagen.

IMG_0242
IMG_0243

Nachdem vor dem Spiel die Stimme der Hafenstraße, Walter Ruege, zum 40. Dienstjubiläum am Mikrofon geehrt wurde, durfte „Ruthe“ mit toller Unterstützung der Kurve trotz vieler neuer Namen die erste Startelf der Saison präsentieren, bevor ein zusammen mit den Gästefans ein Abgesang auf den gemeinsamen Rivalen intoniert wurde.

Nach kurzer Präsentation aller Teams (vertreten durch Kinder in den entsprechenden Trikots) sollte es dann endlich losgehen. Die Vorzeichen dabei aus rot-weisser Sicht nicht positiv: Seit 5 Jahren kein Spiel gegen die Dortmunder gewonnen, dazu seit 2012/13 kein Heimsieg mehr beim Auftaktspiel zur Liga – wie sollte das funktionieren?

Und schon nach wenigen Minuten brannte es lichterloh im rot-weissen Sechzehner: Eckball Dortmund nach nur sieben Minuten, der Ball kann nicht geklärt werden, trudelt zunächst an den Pfosten und im zweiten Nachstochern in den Kasten. Der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch längst die Fahne gehoben – Abseits!

Unbeirrt davon versuchte RWE, das Spiel an sich zu reißen, in dem man früh ins Pressing ging und – wie erwartet – mit dem Keeper (Lenz hatte den Vorzug von Golz (Bank) und Heller (Tribüne) erhalten) in Höhe des Mittelkreises das Spielfeld „verkleinerte“. Ich persönlich habe mir das riskanter ausgemalt als es sich im Spiel tatsächlich darstellte, jedoch merkte man durchaus, dass eine gewisse Anfälligkeit für schnelle Gegenangriffe bei „Stockfehlern“ oder misslungenen Dribblings unmittelbar gegeben war. Zwar standen Hahn und Kehl-Gomez über weite Teile der Partie souverän auf ihren Positionen, doch der eine oder andere Pass war insbesondere in Hälfte eins entweder zu schwach oder zu unpräzise gespielt, wodurch doch ein gewisse Unruhe aufkam.

Die erste echte Torchance für RWE gab es dann um die 25. Minute herum, als Dennis Grote sich aus gut 20m ein Herz nahm und einfach mal abzog – der Dortmunder Keeper jedoch nicht minder glänzend parieren konnte. Fast im Gegenzug dann aber die erneute kalte Dusche: Lenz ließ einen Distanzschuss nach vorne abklatschen, ein Gegenspieler konnte abstauben, doch erneut entschied das Schiri-Gespann auf Abseits.

Aus meiner Sicht gab es quasi im Anschluss eine Fehlentscheidung zu unseren Ungunsten: Zwar sah Marcel Platzek wegen gefährlichen Spiels zurecht die gelbe Karte, er wurde aber in derselben Szene mit voller Wucht umgestoßen, wofür man auch gut und gerne die rote Karte hätte zeigen dürfen. Insgesamt war die Linie des Unparteiischen meiner Meinung nach eher unglücklich, weil doch immer wieder besonders von den Dortmundern kleinere Hakeleien mit theatralischen Einlagen bedacht wurden (und in der Folge mit Freistößen belohnt), während beispielsweise Grote und Heber (der sogar mindestens zweimal) von hinten umgegrätscht wurde, was zwar auch Freistöße, aber keine Karten zur Folge hatte.

Nach der zweiten Trinkpause – aufgrund der anhaltenden Temperaturen von über 30 Grad Celsius gab es jeweils nach 15 und 30 Minuten in jeder Halbzeit eine – sollte dann das erste Tor der neuen Saison fallen: Heber mit einer Unsicherheit im Mittelfeld, der BVB schaltet schnell und schickt Boyamba auf die Reise, der im Laufduell nie Nase vorne hat und Lenz keine Chance lässt – 0:1, erster Dämpfer für unsere zwar engagierte, aber unglücklich agierende Mannschaft. Den Torjubel mit der „ich kann euch nicht hören“-Geste in Richtung der West hätte sich der Kapitän der Gäste jedoch sparen sollen – diese Art Unsportlichkeit gehört sich nicht, schon gar nicht, wenn zwischen den Fangruppen eigentlich zumindest Sympathie besteht.

Die auch in den vergangenen Partien immer wieder festzustellende „Abgehobenheit“ der Dortmunder Mannschaft machte sich ab diesem Treffer durch konsequentes Zeitspiel und Ballgeschiebe in der Abwehr zu bemerken – natürlich ist dies alles regelkonform und als taktisches Mittel immer eine Option, ob man es als Spitzenteam jedoch dermaßen nötig hat, ohne erkennbare Offensivambitionen den Ball immer wieder zu Innenverteidigern und Torwart zurückzuspielen – ich weiß es nicht.

So ging es also mit 0:1 in die Pause. Als Halbzeitfazit ließe sich festhalten: RWE wollte, fand aber noch nicht die richtigen Mittel, die Gäste nutzten ihre wenigen Chancen zweimal per Abseitstor und einmal „in echt“. Die linke Seite über Kefkir und Grund zwar die dominantere, jedoch Kefkir mit ziemlichen Problemen, sich dort durchzusetzen. Die Wackler in der Innenverteidigung habe ich bereits erwähnt, Grote meist von drei Gegenspielern angelaufen, Condé mit ordentlichen Ansätzen.

Unser Trainer stellte zur Halbzeit dann einiges um: Kefkir tauschte mit dem bis dahin eher blassen Endres die Seite, Condé wurde etwas zurückgezogen (quasi eine Sechs-Einhalb). Dies brachte zunächst mehr Stabilität ins rot-weisse Offensivspiel, was sich auch dadurch zeigte, das Kefkir immer wieder auf rechts anspielbar war und flanken konnte, was aber zumeist noch harmlos verlief (beste Chance Platzek drüber aus gut 5m).

Der BVB drehte weiterhin an der Uhr, die ersten Krämpfe setzten ein und immer wieder mussten Spieler nach winzigsten Zweikämpfen behandelt werden. Beinahe wäre dieses Verhalten eine Viertelstunde vor Schluss belohnt worden: Boyamba läuft Hahn davon, zieht in den Strafraum und legt in den Rücken der Abwehr ab, wo Führig den Ball quasi vom Elfmeterpunkt freistehend nur noch versenken muss, in diesem Moment kam jedoch der große Auftritt von Lenz, der diesen Ball festhalten konnte – das wäre das Ende aller Hoffnungen auf einen Punktgewinn für RWE gewesen.

Aber Karma is a bitch! Und wie:

Fünf Minuten nach der Riesenchance für die Gäste wird ein Essener knapp 25m vor dem Dortmunder Kasten gefoult, Freistoß von halb-rechts. Hahn und Condé stehen bereit, letzter schießt – und bringt die Hafenstraße mit dem ersten direkten Freistoßtreffer seit Was-weiß-ich-wann zum Beben! Ausgleich, zehn Minuten vor Schluss!

Und dieser Treffer, er setzte neue Kräfte frei: Wieder der in der zweiten Halbzeit starke Kefkir mit einer Flanke, Platzek per Kopf und kommt dann knapp gegen Oelschlägel nach dessen Abpraller zu spät. Wenig später wird Bichler schön rechts in Szene gesetzt, kann an der Torauslinie in den Strafraum ziehen, schafft es dann aber unter Druck nicht, den Ball gewinnbringend in die Mitte zu passen, wo Dahmani einschussbereit gewesen wäre.

Was folgte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Der unmittelbar zuvor eingewechselte Dorow spielt einen langen Ball nach vorne, im Laufduell gegen zwei Dortmunder kommt Platzek im Sechzehner zu Fall und der Schiri zeigt auf den Punkt – Elfmeter! Alexander Hahn übernahm die Verantwortung für die Kugel:

Nach dem Treffer gibt es keinen erneuten Anpfiff, RWE schlägt Borussia Dortmund mit 2:1! Das Nicht-Aufgeben, es hatte sich gelohnt! Auf den Tribünen nahm der Jubel quasi kein Ende mehr, wildfremde Menschen lagen sich mit Freudentränen in den Armen, als sei es November 1989 am Checkpoint Charly! EINFACH! GEIL! Da weiß man wieder, warum man den ganzen Scheiß Jahr für Jahr mitmacht!

Ich möchte nicht zu sehr in Einzelkritiken verfallen, doch Condé nicht hervorzuheben, würde seiner überragenden Leistung ungerecht gegenüber erscheinen. Auch Grote bärenstark. Wird die Abstimmung in der Abwehr noch verbessert und das Passspiel insgesamt präziser – mehrfach Bälle ins Aus oder in den Rücken eines Mitspielers – so haben wir nach dem ersten Eindruck ein Team, das nur schwer zu schlagen sein wird. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie andere Teams sich auf das neue rot-weisse Spielsystem einstellen werden (und wie RWE darauf reagiert). Es war nicht alles Gold, was gestern Abend an der Hafenstraße glänzte, aber es war ein solider Beginn, der Bock auf mehr gemacht hat.

Kommenden Sonntag trifft RWE im Wedaustadion auf den VfB Homberg. Vermutlich wird ein ordentlicher Tross zur Stelle sein, um die Mannschaft auch hier zum Sieg zu peitschen. Ein weiterer Erfolg wäre nicht nur aus tabellarischer Sicht wünschenswert, denn im nächsten Heimspiel wartet die nächste Zweitvertretung vom „Effzeh“ auf unser Team, das eine fünfstellige Unterstützung mit der erneut im Aufbau befindlichen Festung Hafenstraße sicher gerne annimmt.

RESET!

Wilde Zeiten an der Hafenstraße. Man weiß ja schon gar nicht mehr, worüber man alles schreiben soll… Ohne Anspruch auf zeitliche Genauigkeit:

Erst wird bekanntgegeben, dass Publikumsliebling und Bürgermeister von Bergeborbeck Timo Brauer keinen neuen Vertrag erhält, dann erfolgt einige Tage nach Saisonende die Meldung, dass man auch mit Benni Baier nicht mehr plane bzw. dessen Vertrag vorzeitig aufgelöst wurde.

Nach der offiziellen Einführung von Jörn Nowak als Sportlichem Leiter hagelt es dann Bekanntgaben von Spielerverpflichtungen für die kommende Saison: Alexander Hahn, Jan-Lucas Dorow und Felix Herzenbruch sind Neuzugänge drei bis fünf, nachdem bereits im Vorfeld mit Dennis Grote und Mario Kehl-Gomez zwei schwerstens tätowierte, frisch gebackene Landespokal-Gewinner präsentiert worden waren.

Gestern gab der Verein dann durchaus überraschend bekannt, dass man sich mit sofortiger Wirkung von Karsten Neitzel trenne und „zeitnah“ (mein Lieblingswort!) einen Nachfolger bekanntgeben werde. Das saß!

Klar, die Ergebnisse der letzten Spieltage waren wirklich bescheiden. Viel erschreckender vielleicht aber war noch die Art und Weise, wie die Spiele gestaltet wurden. Es hat sogar mir (sic!) die Laune dermaßen verhagelt, dass ich über die letzte Heimpartie nicht mal mehr die Muße verspürte, einen Bericht zu verfassen. Selbst das Auswärtsspiel bei Fortuna II habe ich „geschwänzt“ (sowohl live als auch in Ticker/Stream), da ich viel besorgter war, unsere Oberhauser „Freunde“ könnten tatsächlich den Aufstieg passen (davon abgesehen hatte ich Besuch zwecks gemeinsamer Grillung, ich sag euch, das war ein Stress…). Ich war einfach froh, dass das Kapitel „Regionalliga West 2018/19“ ein Ende genommen hatte.

Nichtsdestotrotz gab es keine Anzeichen für eine Entlassung von Neitzel. Kein „Kaputtschreiben“ durch die Journaille, keine Gerüchte, keine kolportierten Insiderinfos. Einfach gar nichts. Doch anscheinend (Überraschung!) wird bei RWE auch gearbeitet, wenn man keine tägliche Zusammenfassung erhält. Hinter den Kulissen dreht das Team hinter Uhlig und Nowak jeden Stein um, stellt offensichtlich alles in Frage (gut so!) und scheut sich auch nicht, Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen, wenn man entsprechende Potentiale erkennt – wie im Falle des Trainers.

Vorweg: Es liegt mir fern, gegen Karsten Neitzel nachzutreten. Doch objektiv gesehen war seine Bilanz in der Rückrunde nicht die eines Spitzenteams, das in der Hinrunde eine Negativphase hatte. Nein, es war vielmehr die Bilanz eines Absteigers. Lediglich 22 Punkte gab es in der Rückrunde – Absteiger Kaan-Marienborn brachte es sogar auf 23. Die Offensive, die noch zu Saisonbeginn so sehr aufdrehte, konnte im gesamten Saisonverlauf lediglich 42 Tore erzielen – nur Straelen, Lippstadt und Herkenrath trafen seltener! Da muss man kein Taktikfuchs sein, um festzustellen, dass es natürlich in die Verantwortung eines Trainers fällt, das Team so vorzubereiten, dass es die Torchancen zunächst einmal überhaupt herausspielen kann und dann natürlich auch nutzt. Man sieht – erwartbar war die Trennung also allemal.

Nun also Titz. Ein Mann mit einer vorzeigbaren Vita, schaffte er doch mit der zweiten Mannschaft des HSV den Sprung an die Tabellenspitze der Regio Nord, bevor er zum Chef der „Ersten“ wurde, die er beinahe mit Ballbesitzfußball noch in der Bundesliga gehalten hätte. Er wurde schließlich entlassen, als der HSV erstmals die zuvor gezeigte Dominanz in der Zweiten Liga vermissen ließ. Die ersten englischsprachigen Herrenwitze ließen auch nicht lange auf sich warten, weitere werden folgen! I LOVE TITZ!

Titz gilt als Tüftler, als Perfektionist. Wirft man einen Blick auf seinen Instagram-Account, so findet man dort nicht nur die übliche Posen, sondern auch immer wieder Taktik-Skizzen und Verweise auf seine Schulungen und E-Books, die er zu dem Thema veröffentlicht hat. Auf Youtube gibt es außerdem ein Video mit dem hübschen Untertitel „Christian Titz – Spielphilosophie“ – das ist aber mehr „Special Interest“, quasi Arte für Fußball-Nerds.

Zudem ist angekündigt, auf der diesjährigen JHV eine Satzungsänderung zur Abstimmung zu bringen, die kurz gesagt quasi die Installation eines zweiten Vorstandspostens beinhaltet. Auch hier darf man sicher noch auf eine Personalie gespannt sein, denn einen solchen Aufwand betreibt man sicher nicht grundlos.

Die Aussage, man wolle jetzt „noch sieben, acht, vielleicht sogar neun neue Spieler“ (Reviersport) holen, irritiert mich dann aber doch. Bei derzeit 13 Leuten im Kader wären wir damit schlechter ausgestattet als in der abgelaufenen Saison. Und wir alle haben gesehen, wohin das führt. So vierzehn, fünfzehn weitere dürften es dann schon gerne noch werden. Entweder hat man also mit einigen bislang nicht namentlich genannten Leuten schon verlängert oder die genannte Zahl war „aus dem Lameng“ gesprochen.

Wie dem auch sei, an der Hafenstraße scheint sich etwas zu bewegen, noch dazu in einem zumindest mir nicht bekannten Ausmaß. Für mich sieht das sehr nach „Reset-Knopf“ aus (ich erspare euch alle Floskeln rund um alte Zöpfe). Die alten Konzepte haben nicht gegriffen, waren aber sicher auch teilweise aus der Not geboren, finanziell nur wenig Spielraum zu haben. Dank der Zuwendungen von Mr. Naketano ist dieser Spielraum offenbar nun groß genug, um einen komplett anderen Weg zu gehen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber von mir aus könnte es am Wochenende losgehen… Wobei – da ist erst mal Rock Hard Festival…