Spitzenreiter!

Okay, okay, ich gebe zu: Spitzenreiter, weil unser Vertreter im DFB-Pokal vom Kanal (haha, 0:6… pruuuust) und die Betriebssportgemeinschaft von Häcker-Küchen eine Pause hatten, aber ich will darüber mal großzügig hinwegsehen.

Schon beim Einlauf der Teams gab es die erste Gänsepelle als das OOOOOOOH RWE heute deutlich lauter als viele Male zuvor erklang.

Unser Team, es spielte heute wie ein Spitzenreiter, und vor allem wie eine Heimmannschaft. Von Beginn an zeigte RWE, wer das Sagen hat: Langer Ball in den Kölner Sechzehner, leider war Kevin Grund (heute übrigens wieder hinten links) einen Schritt zu spät dran, um den Ball am herauseilenden Keeper vorbeizuspitzeln.

Und so verliefen die ersten 45 Minuten nach folgendem Schema: RWE hatte gefühlte 90% Ballbesitz, Köln wartete zwischen eigenem Strafraum und Mittellinie auf Konterchancen. RWE versuchte es immer wieder über Scepanik bzw. Bichler, kam aber kaum zu gefährlichen Anschlüssen. So kam es, dass die Kölner zweimal die Möglichkeit hatten, den Spielverlauf per Konter auf den Kopf zu stellen. Beide Male war jedoch Raeder zur Stelle.

Kurz vor dem Seitenwechsel gab es aber die Belohnung für RWE: Steilpass auf Grund, der direkt z Scepanik durchsteckt. Wie bei Bichler gelernt lässt er drei Kölner aussteigen, zieht in den Strafraum und schießt. Zwar kann der Keeper per Fußabwehr klären, ist jedoch machtlos beim Kopfball des herangeeilten Baier! Kollektives Ausrasten auf den Tribünen, RWE ist nach langer, langer Zeit auf Platz eins der Liga!

Köln musste nun natürlich mehr tun, um nicht mit leeren Händen nach Hause zu müssen, RWE schaltete einen halben Gang zurück. Die Abwehr um Zeiger und Becker leistete sich diesmal jedoch keinerlei Blöße, und wenn doch mal ein Angriff durchbrach, war immer jemand da, der den Ball ins Aus drosch. Schön zu beobachten: immer wieder wurde abgeklatscht, einander motiviert. Das sieht sehr nach Team aus.

Und so hatte ich nie das Gefühl, dass dieses Spiel noch aus der Hand gegeben werden könnte – der geneigte Fan kennt das ja durchaus auch anders. Zwanzig Minuten vor Schluss dann nochmal ein Angriff allererster Kajüte: Daniel Heber läuft aus der eigenen Hälfte über rechts, zieht in die Mitte und spielt auf Pröger. Dessen Schuss wird zwar gehalten, prallt aber ganz kurios an den Pfosten, Heber steht richtig und kann abstauben. Sack zu, 2:0. Der Rest ist Jubel und viel Applaus.

Ich suche immer noch nach dem entscheidenden Faktor, der den aktuellen RWE von dem der letzten Saison(s) unterscheidet. Alle Neuzugänge scheinen einzuschlagen (Wirtz noch schwierig zu beurteilen, man hat aber nicht den Eindruck, mit seiner Einwechslung ginge das Niveau in den Keller, Freiberger mal außen vor), Ausfälle (Platzek oder letzte Woche Scepanik) werden erfolgreich kompensiert, das Team tritt wie eines auf und das Publikum steht wie eine Wand hinter der Mannschaft. Ist das alles Zufall?

Heber heute wie schon in den vergangenen Spielen bärenstark (RWO muss ja da echt ne Granate haben, wenn sie den haben gehen lassen…), Baier mit viel Einsatz (und ein, zwei technischen Schwächen), Bichler, Scepanik und Pröger mit einem wahnsinnigen Laufpensum. Eine Szene war geradezu spiegelbildlich für den Einsatz der gesamten Mannschaft: Bichler wird steil geschickt, verliert den Ball kurz vor der Torlinie durch eine Grätsche, springt auf, beschwert sich beim Linienrichter, sprintet hinter dem Kölner her und erkämpft den Ball noch vor der Mittellinie zurück.

Zwar hatten wir heute nur ein paar wenige Chancen, aber diese wurden in ausreichender Anzahl genutzt. Ich will mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber solche Spiele muss man halt auch erst mal gewinnen. Und dann hat man auch zurecht den Anspruch, um den ganz großen Preis mitzuspielen. Die Art und Weise, dieser „Powerfußball“, das war heute schon beeindruckend.

So kann es gerne weitergehen. Ich sehe aktuell keinen Anlass, warum RWE den positiven Lauf nicht noch etwas fortsetzen sollte. Auf viele weitere Gänsepellen!

Was war das nur für 1 Spiel?

Warnung: der folgende Beitrag kann Spuren von Euphorie enthalten.

Es sind Spiele wie diese, die wohl meine Liebe zu Rot-weiss Essen ausmachen. Ein großer Rivale, einer dieser ewigen Gegner zu Gast an der Hafenstraße in der noch jungen Saison, mit der Gefahr, einen totalen Fehlstart hinzulegen. Auf der anderen Seite die Chance, das Feuer im Publikum mit einer couragierten Leistung bei zu entfachen. Der letzten Saison und der Auftaktniederlage in Rödinghausen zum Trotz pilgerten satte 11.077 Zuschauer (davon geschätzte 1.500 Gästefans) ins Stadion, und schon satte 30 Minuten vor Anpfiff kochte die Atmosphäre auf den Rängen auf ordentlicher Temperatur.

Ich hatte richtig Bock, die Meute hatte Bock, und das Team offensichtlich auch. Anstoß Wuppertal, langer Ball rechts ins Aus. Schneller Einwurf Heber, zwei schnelle Pässe und Neuzugang Florian Bichler stand frei vor dem Keeper und bedankte sich per Lupfer mit dem 1:0. Keine Minute gespielt – Wahnsinn!

In der Folge war es vor allem das Team in rot, das spielbestimmend war. Aggressives Anlaufen des Gegners, kein Ball wurde verloren gegeben. Trotzdem gehörte die zweite Szene im Spiel den Gästen, als ein Schuss vom Strafraumeck durch einen Reflex von Raeder (übrigens der einzige Champions League-Sieger in Liga 4) pariert wurde.

Nach gut 30 Minuten, als gerade die Tribüne etwas ruhiger wurde, hatte mein „Man of the Match“ seinen zweiten Auftritt: Bichler ließ mehrere Gegner aussteigen und lief parallel zur Torlinie, um den völlig blanken Heber präzise anzuspielen, 2:0.

Doch damit nicht genug: nach einem der vielen Wuppertaler Standards ging es schnell nach vorne, Pröger drosch den Ball aus gut 16m in den Winkel. Als I-Tüpfelchen ließ er seinem Treffer einen Flic-Flac folgen, was ungefähr meinen Gefühlszustand wiedergab.

Wer sich mit dieser Führung vorzeitig an den Getränkestand begab, verpasste allerdings etwas: Freistoß-Flanke Grund, Kopfball Platzek – 4:0!

Mit diesem satten Polster ging es also in die Pause. Wer jetzt aber erwartet hatte, RWE würde nun zur Verwaltung übergehen, sah sich getäuscht. Weiterhin suchte man sein Heil in der Offensive, überließ dem Gegner keinem Zentimeter kampflos. So stellt man sich den viel beschworenen Hafenstraßen-Fußball vor!

Gut eine Stunde war gespielt, als Bichler erneut seine Schnelligkeit ausspielte und von links in die Mitte zog. Zwar versuchte noch ein Wuppertaler, ihn per Foul zu stoppen, nach einem Strauchler hatte Bichler jedoch den Ball völlig freistehend wieder vor sich liegen und schon mit viel Übersicht flach unten links ein. Sack endgültig zu, Drops gelutscht!

Was folgte, waren Minuten mit weiteren Chancen für RWE, in denen der WSV den Ball kaum wirklich über Kontrolle bringen konnte. Bezeichnend, dass ein Standard für den einzigen Treffer der Gäste herhalten musste, Windmüller traf nach einer Ecke gute fünf Minuten vor Schluss.

Nach der Partie hallte „oh, wie ist das schön“ minutenlang durchs Stadion. Auf eine solch überzeugende Partie hat man tatsächlich lange warten müssen.

Mann des Tages wie oben beschrieben Florian Bichler, nicht nur wegen einer Vorlage und zwei Treffern. Auch sein Zusammenspiel mit Scepanik wirkte heute deutlich besser als noch letzte Woche, immer wieder konnte er mit seiner Schnelligkeit einen guten Gegenpart zu Pröger links bilden. Auch Heber schien heute trotz der Atmosphäre nicht ansatzweise so nervös, er konnte ebenfalls offensiv einige Akzente setzen. Grund heute auf der Position des Spielmachers mit einer tollen Leistung – und Platzek mir der wohl besten Zweikampfquote seiner RWE-Karriere. Er konnte nur durch Fouls gestoppt werden und ließ immer wieder Bälle abtropfen. Das habe ich in dieser Art zuletzt bei Frank Löning so gesehen.

In dieser Form sind wir für jeden Gegner eine echte Aufgabe, da müssen wir uns vor niemanden verstecken. Ich rede bewusst nicht vom Titel dieser Saison, aber wenn wir die heutige Leistung konstant zeigen, gehören wir in jedem Fall zu denen, die darum ein Wörtchen mitreden werden.

Das alles ist jedoch nichts wert, wenn nächste Woche bei Kaan-Marienborn nicht gewonnen wird. Es folgen – da rufe ich gerne meinen früheren Beitrag in Erinnerung – zehn Partien gegen die Aufsteiger bzw. Teams, die letzte Saison im unteren Drittel des Feldes zu finden waren. Hier gilt es, ein Punktekonto anzusammeln, um Ausrutscher der Gegner bestmöglich auszunutzen.

Kommenden Mittwoch gilt es jedoch erst einmal, eine lästige Pokal-Pflichtaufgabe ohne Verletzungen zu überstehen.

Nein. Nein. Nein. Nein.

Saisonstart 2018/19, leider nur über den Stream aus der Urlaubsresidenz beobachtet.

So wie beim vor gut einer Stunde beendeten Spiel gegen Rödinghausen hat sich die wie jedes Jahr zu Saisonbeginn optimistische RWE-Fangemeinde das Ganze sicher nicht vorgestellt. Doch gibt es Grund, jetzt schon wieder mit Shitstorms und „ich hab’s ja gleich gewusst“ zu antworten? Meine Meinung: Nein! Die Gründe dafür sind vielfältig:

  1. Wir haben nach nur wenigen Umdrehungen auf der Uhr mit Kevin Freiberger einen Spieler verletzungsbedingt auswechseln müssen, der in der Offensive sicher für mehr Impulse gesorgt hätte, als es der eingewechselte Bichler (eher Außenspieler als in zentraler Rolle) geschafft hat.
  2. Dem 0:1 ging mehrere unglückliche Situationen voraus, Baier verliert den Ball, auf der linken Abwehrseite rutscht ein Spieler weg, der andere wird ausgetanzt, schließlich landet der eigentlich misslungene Pass zwischen zwei RWE-Spielern (im Stream nicht zu erkennen, wer) doch noch hinter der Abwehrreihe bei Engelmann. Da war auch eine Menge Pech im Spiel. Auf der anderen Seite fehlen bei solchen Pässen immer einige Zentimeter. Manchmal sind es im Sport leider auch diese Nuancen, die über Sieg und Niederlage entscheiden.
  3. Rödinghausen war – bis auf beide Tore – eher auf Zeitspiel und Mauern bedacht. Einfach ekelhaft, wenn man nach 30 Minuten schon schwerstverletzt liegenbleiben muss. Ich kann mich nur wiederholen: Ich fordere, die Spielzeit auf 2x 30 Minuten zu kürzen, dabei aber als Nettospielzeit zu nehmen. Dieses Zeitgespiele (Abstöße, die 2 Minuten dauern, Auswechselungen, bei denen Spieler von Rollator-Omis überholt werden…) ist weder besonders sportlich, noch für den Zuschauer schön anzusehen. Mag sein, dass es als taktisches Mittel genutzt wird, ich finde es aber trotzdem zum Kotzen. Der Erfolg gibt diesen Teams (heute Rödinghausen, aber generell zu vielen Teams) leider Recht. A propos „sportliches Benehmen“: Wie man sich als Rödinghauser Spieler / Mannschaft nach der erneuten Führung vor den RWE-Fans dermaßen provokant aufbauen kann, erschließt sich mir absolut nicht. Was manche Spieler sich erlauben, nur weil sie durch einen Zaun geschützt werden, ist eine absolute Frechheit.
  4. Aus 2. und 3. resultiert mein größter Kritikpunkt: Wir tun uns nach wie vor schwer gegen Mannschaften, die sich hinten reinstellen. Ich weiß auch kein Patentrezept, aber ich finde, gerade dann muss man einen Ball nach dem anderen scharf in die Mitte spielen, um überhaupt Chancen zu kreieren. Es kann doch nicht sein, dass man in der 85. Minute noch immer versucht, um den Strafraum herumzuspielen. Flanken, Flanken, Flanken – meine bescheidene Meinung.
  5. Positiv: Der Ausgleich fiel mal wieder nach nem Standard. Negativ: Chancen aus dem Spiel heraus waren leider Mangelware, Platzek schafft es, einen Ball von der Grundlinie in die Mitte zu kratzen, hier und da ein Gewaltroller oder Kopfball ohne Druck – das reicht noch nicht.
  6. In der Nachspielzeit bebte die Bude hier, hatten Sohnemann und ich doch den Ball schon im Netz gesehen. Platzek hat schon so oft solche Bälle eiskalt versenkt, heute springt das Mistleder an den Innenpfosten. Und Wirtz verfehlt das leere Tor ebenso hauchzart. Ist das Ding drin, gehen wir trotz Unentschieden als gefühlte Sieger vom Platz.
  7. Die Fans sind zurück. Das hörte sich im Stream teils gewaltig an. Nur so geht es! Trotz der Niederlage rechne ich mit einer hohen 4stelligen, wenn nicht sogar 5stelligen Besucherzahl am kommenden Wochenende.
  8. Auch an Einsatz und Körpersprache gibt es meiner Meinung nach nicht viel zu bemängeln. Wie Baier nach dem Ausgleich den restlichen Mitspielern signalisierte „Brust raus, Leute, wir packen das jetzt!“ (die nachfolgenden Minuten sind bekannt), das hatte schon was für sich. Ich fand jedoch, dass Heber teils sehr nervös wirkte, und auch die Kombi Scepanik / Bichler hat noch Luft nach oben. Fakt ist leider, dass das hohe Tempo, das viele unserer Spieler zweifelsfrei leisten können, auch einen gewissen Raum benötigt, den sie heute nicht zur Verfügung hatten. Gegen Wuppertal mag das schon wieder anders aussehen.

Wie ich in meinem letzten Beitrag schon schrieb, sind die ersten beiden Partien für mich echte Knackpunkte. Die gewünschten vier Punkte werden es jetzt schon nicht mehr, ich hoffe jedoch, dass wir wenigstens die drei holen, da wir sonst früh schon wieder der Musik hinterherlaufen. Was das in Fankreisen und vor allem (a-)sozialen Medien bewirken kann, haben wir letzte Saison zur Genüge gesehen. Das brauche ich persönlich nicht noch einmal.

Auf jeden Fall halte ich es für absolut überzogen, schon zur Halbzeit (!) anzuprangern, dass man lieber einen „kreativen MF“ hätte holen sollen, anstatt dieselben Leute dort auflaufen zu lassen. Ich frage mich bei solchen Beiträgen immer, welche Spieler denn angemessen genug gewesen wären. Weiter habe ich gelesen, der KFC habe mit nur zwei Niederlagen auch nur vier Punkte Vorsprung gehabt. Ja, korrekt, aber auch satte 10 Unentschieden. Leute, lasst doch die Kirche mal im Dorf.

Am kommenden Wochenende geht es also gegen den Spitzenreiter (Viktoria-Aachen noch ausstehend) aus dem Tal, bei dem bekanntermaßen eine ganze Reihe Spieler eine rot-weisse Vergangenheit haben. Vor allem im Anbetracht der beiden bitteren 1:3-Niederlagen der vergangenen Saison haben wir hier noch etwas gutzumachen. Und wir wollen ja auch der Mecker-Fraktion keine Munition geben.

Make Essen Great Again!

Durchhalten! Noch knapp eine Woche müssen wir diese unsägliche, in vielerlei Hinsicht historische Fußball-WM ertragen. Während ich diese Zeilen schreibe, gammeln sich die Franzosen ins Halbfinale, wo sie entweder auf Dauer-„Geheimfavorit“ Belgien oder auf die Brasilianer rund um Schwalbenkönig Neymar, den ersten seines Namens, Zuckerpüppchen vor dem Herrn, treffen, der seit seiner schweren Verletzung (jetzt echt mal…) im Netz unter dem Hashtag #PrayForNeymar zu allerlei Spott und Häme, vor allem aber zu kreativen Ergüssen und lustigen Videoclips aller Art von sich reden macht.

Ich weiß nicht, wie es euch geht – mir geht die WM gerade nur noch auf den Sack! Die einen bejubeln irgendwelche Isländer, nur weil die bei der letzten EM ja mit ihrem ach so tollen „HU!“ (das international absolut identisch, nur mit „Hey!“-Rufen vorher schon mehr als bekannt war) begeistert haben, die nächsten freuen sich über das Aus von Deutschland (über die Umstände will ich hier nicht philosophieren, es tat aber weh!), und auch die Teams wissen nicht zu überzeugen. Russland – noch immer unter Dopingverdacht kämpft sich gegen enttäuschende Spanier ins Viertelfinale, die Schweden ermauern sich einen Sieg nach dem anderen, bei Portugal und Argentinien kommt nach Ronaldo und Messi auch nicht mehr viel, und die Engländer gewinnen sogar ein Elferschießen (gegen Kolumbien, hurra!). Griezmann kann sich zwar gegen Australien mit einem verkappten „Loser Dance“ zu Verhöhnung des Gegners herniederlassen, gegen Uruguay fängt er nach seinem Treffer beinahe an zu weinen… Über Über Brasilien habe ich mich ja oben schon ausgelassen.

Nein, dieses Mal stellte sich das „große Kribbeln“ bei mir nicht ein. Vielleicht noch am ehesten vor dem ersten Gruppenspiel unserer Mannschaft, vielleicht ein wenig nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden, aber ansonsten? Mir ist es fast Latte, wer gewinnt. am ehesten hätte ich es vielleicht den Schweizern oder (jaja…) den Belgiern gegönnt. Hauptsache nicht England, Frankreich, Brasilien oder gar Russland. (Hach, so viele Wünsche auf einmal…)

Wie gesagt: Eine Woche noch, dann richtet sich der Fokus allüberall wieder auf den nationalen Fußball, sei es Bundesliga, Oberliga oder Kreisliga. Oder, ja oder Regionalliga!

Und hier, muss ich gestehen, werde ich schon wieder ein wenig euphorisch. Die Verstärkungen, die wir bislang an Land gezogen haben, lesen sich auf dem Papier als ebensolche. Keine aussortierten Talente aus irgendwelchen Zweitteams von Bundesligisten, sondern erfahrene Leute. Leute, die der Trainer sich für sein Konzept gewünscht hat. Der Trainer, der seinem Team den ultimativen Willen dem Vernehmen nach vorlebt, der diesen Willen tagtäglich im Training fordert. Der Trainer, der in Kiel beinahe als Legende gilt, weil ein Großteil seines Kaders die Störche beinahe in die Bundesliga geführt hätte. Der Trainer, der sich trotz alldem fannah gibt. Mir gefällt das.

Die Saison wird damit enden, dass der Westmeister in jedem Falle aufsteigt. In dieses Rennen mit einzugreifen, muss nicht nur unser Ziel, sondern unser natürlicher Anspruch als Rot-Weiss Essen sein.

Damit dies gelingt, hat RWE in Person von Marcus Uhlig auf der Jahreshauptversammlung angekündigt, etwas mehr ins Risiko zu gehen und den Etat für die 1. Mannschaft etwas anzuheben. Ich hatte das Vergnügen, ihn vor Kurzem auch persönlich kennenzulernen, und ich habe das Gefühl, dass uns hier ein weiterer Glücksfall beschert ist. Er bringt zu dem Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge zusätzlich Erfahrung auf dem sportlichen Sektor mit, kann einen Sportverein im Sinne eines solchen führen und gesetzte Ziele mit entsprechenden Maßnahmen untermauern.

Damit dies gelingt, muss aber auch der oft beschworene Schulterschluss her. Wir Fans müssen wieder als der zwölfte Mann hinter dem Team stehen. Schluss mit Stimmungsboykotts, Eitelkeiten und Grabenkämpfen. „Alles für den gemeinsamen Sieg“, nur so kann das Motto auf den Rängen lauten!

In diesem Sinne: #MEGA – Make Essen Great Again!

Rechenschiebereien

RWE hat im Nachholspiel bei Westfalia Rhynern das sechste Spiel in Folge nicht verloren und gleichzeitig aus diesen Partien satte 14 von 18 Punkten geholt. Eine gute Ausbeute, wenn man gleichzeitig bedenkt, dass immerhin gegen Viktoria und Oberhausen ein Unentschieden geholt wurde. Darauf lässt sich sicher aufbauen.

Karsten Neitzel hat damit satte 1,89 Punkte je Spiel bisher eingefahren und liegt damit deutlich vor Giannikis (1,38) und Demandt (1,18 diese Saison) – Anmerkung: Ist jemandem schon mal aufgefallen, dass beide jeweils nach dem Spiel gegen Verl den Hut nehmen mussten? Auch dies ein sehr guter Wert.

Umgerechnet auf die Saison hätte dieser Schnitt rund 62 Punkte bis hierher bzw. 64 Punkte insgesamt bedeutet. Man sieht also: Es reicht noch nicht. Um den Platz an der Tabellenspitze in der kommenden Saison erobern zu können, müssen also weitere Faktoren greifen: Aufs Jahr gerechnete 7-8 Niederlagen sind dazu sicherlich zu viel, eine Alternative wäre, wenn die Konkurrenz Schwächen zeigen würde – hier sind Krefeld mit 2 bzw. Viktoria mit 4 Niederlagen deutlich konstanter.

All diese Punkte zeigen: Ja, es gibt Grund zum Optimismus, zu Vorfreude auf die kommende Saison. Euphorie im Sinne von „wir sind nah am Aufstieg“ ist allerdings noch in weiter Ferne.

Mir persönlich würde es allerdings schon reichen, wenn man wieder mit einem wohligen Gefühl zur Hafenstraße fahren könnte, und vor allem mit einem noch viel zufriedeneren wieder nach Hause.

In diesem Sinne – zwei Spiele noch diese Saison, zwei Siege bitte!

Nur der RWE!

Abschluss-Heimsieg

RWE besiegt den als Absteiger feststehenden TuS Erndtebrück im letzten Heimspiel mit 2:1 und bleibt damit zum fünften Mal in Folge ungeschlagen.

Was sich zunächst nach Erledigung einer Pflichtaufgabe anhört, war leider mehr Arbeit als erwartet. Erndtebrück überraschte mit sehr frühem Pressing, sodass unser Team kaum einen ordentlichen Spielaufbau zustande brachte. Und trotzdem war die erste Chance eine rot-weisse: Platzek hatte Lucas in zentraler Position freigespielt, dessen Abschluss war jedoch der Eckfahne näher als dem Tor. Knapp zwei Minuten später war es dann aber soweit: Pröger wurde von Baier (oder war es Brauer?) mittig auf die Reise geschickt, kurzer Haken und flach rechts unten verwandelt – 1:0!

Wenig später sollten dann auch die Gäste ihre ersten Abschlüsse bekommen: erst landete ein Schuss von der Strafraumgrenze am Pfosten, wenig später schaffte es ein Spieler, den Ball aus 3m übers Tor zu schießen. In dieser Situation war RWE hinten sehr konfus und hatte endlich mal das Glück auf seiner Seite. Das sollte aber noch nicht alles sein für die erste Hälfte: Pröger schickte Platzek steil, dessen Schuss in letzter Sekunde zwar geblockt wurde, dann aber noch gefährlich knapp am Pfosten vorbeikullerte. Zum Ende der ersten Hälfte traf Platzek mit einem Kopfball den Pfosten, wenig später brachte dann Bednarksi noch das Kunststück fertig, aus dem Halbkreis vor dem Strafraum den Ball neben das Tor zu setzen. Mit einem knappen, insgesamt wohl in Ordnung gehenden 1:0 ging es dann die Pause.

Nach dem Wechsel plätscherte das Spiel bei bestem Wetter vor sich hin, bevor nach gut 15 Minuten ein langer Einwurf von Pröger über Urban bei Platzek landete, der den Ball mit der Brust annahm und ihn sehenswert aus der Drehung in den Winkel nagelte.

Der Torjubel war noch nicht ganz verklungen, als der Ball nach Wiederanpfiff über Heller an die Latte klatschte (die Entstehung habe ich leider nicht gesehen), den Abpraller konnte ein Erndtebrücker volley versenken.

Erwähnenswert war vielleicht noch eine Freistoßvariante, bei der Baier antäuschte, den Ball ordentlich hinzulegen, Grund tippte ihn an und Baier schlenzte ihn aus dem Stand aufs lange Eck, wo Platzek ihn leider nur ans Außennetz drücken konnte.

Der Rest war eine Mischung aus mittelschweren Halbchancen für Erndtebrück, unsauber gespielten RWE-Kontern und einem tiefen Durchatmen, als Zeiger eine Kopfball-Bogenlampe für den geschlagenen Heller von der Linie kratzte.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass RWE immerhin gelernt zu haben scheint, dass so ein Spiel auch zu Ende gespielt werden muss. Auf der anderen Seite darf man gerne auch mal mindestens eine der zahlreichen Chancen bzw. Konter nutzen, um das Spiel frühzeitig zu entscheiden. So sehr Kai Pröger auch um jeden Ball rackert und kämpft – er sollte ein Auge für den besser platzierten Mitspieler entwickeln. Und ich erwarte von Profis, dass sie einen Ball unbedrängt zumindest aufs Tor bringen. Platzek heute wieder mit enormem Laufpensum. Aus dem Mittelfeld kamen heute leider nicht immer die richtigen Entscheidungen – auch hier ist Potential vorhanden.

Es folgen nun noch die Auswärtsspiele bei Westfalia Rhynern (ebenfalls bereits abgestiegen) und der zweiten Mannschaft der Fortuna, bevor es in Oberhausen um den Niederrhein-Pokal geht. Spätestens hier sollte – unabhängig von der Stellungnahme der „aktiven Szene“, die ich nicht weiter kommentieren möchte – eine „Lösung gefunden“ werden und der Boykott beendet werden. Niemand ist größer als der Verein, für den es um viel geht, nicht zuletzt um eine dicke Prämie für das Erreichen des DFB-Pokals.

Da isser!

Da hatten die Vöglein gestern tatsächlich Recht: Unser neuer Trainer! Mit Karsten Neitzel kommt ein Mann an die Hafenstraße, der – wenn man seine beiden letzten eher unglücklichen Engagements außen vor lässt – einen durchaus beeindruckenden Lebenslauf vorweisen kann.

Nach seiner aktiven Karriere war er gut zwölf Jahre an der Seite des legendären Volker Finke beim SC Freiburg tätig und ließ sich nach dessen Abgang in die Verantwortung der 2. Mannschaft „zurückversetzen“. Dort führte er Spieler wie Aogo, Toprak oder auch Caligiuri an die Bundesliga heran, bevor er sich wiederum Finke bei dessen Engagement in Japan anschloss.

2013 wechselte er dann als Cheftrainer in die Dritte Liga zu Holstein Kiel, die er zunächst in der Liga hielt und später sogar in die Relegation zur 2. Bundesliga führte, wo man allerdings an 1860 scheiterte. 2016 wurde er dann nach unglücklichem Saisonstart freigestellt. In Kiel wurde die Entscheidung des Vereins jedoch nicht zwingend in der Fanszene mitgetragen.

Es folgte ein Intermezzo beim VfL Bochum, wo er vom Co-Trainer kurzzeitig zum Chef wurde, jedoch auch schnell wieder entlassen wurde. Ähnlich erging es ihm beim SV Elversberg, den er nach Meisterschaft in der Regio Südwest übernahm. im März aber nach einer sieglosen Serie von fünf Spielen auf Rang 5 liegend wurde er auch hier beurlaubt.


Ich selbst würde seiner Entlassung beim VfL nicht zu viel Gewicht beimessen, da sind schon ganz andere Trainer gescheitert. Platz 5 in Essen wäre derzeit ein Traum, weshalb ich auch hier nicht zu kritisch sein möchte.

Was ich bisher über Neitzel als Trainer gelesen habe, stimmt mich aber für den Moment ganz zuversichtlich. Jemand, der sich als Autoritätsperson sieht, der bestimmte Dinge von seinem Team fordert, allerdings auch weniger „Hurra-Fußball“ spielen lässt, dafür gerne mal destruktiv und auf Ergebnis. Ein wenig erinnert mich dies an Marc Fascher, immerhin der letzte Trainer, der uns auf den Platz an der Sonne führen konnte. Sollte Neitzel ohne Faschers Distanz zu den Fans und Hochnäsigkeit in den PKs auszukommen, könnte diese Verpflichtung ein echter Wechsel auf die Zukunft sein.

Daher meine Bitte: Lasst den Mann arbeiten. Es wird sicherlich nicht von heute auf morgen alles besser. Aber ein Konzept braucht Zeit. Neitzel kann noch bei der Kaderplanung ein Wörtchen mitreden und springt hier sicher nicht ins kalte Wasser. Ich denke, er kann sehr gut einschätzen, mit wem er weiterplanen möchte und wo er Verstärkungsbedarf sieht.

Zudem wäre dies der richtige Zeitpunkt, diesen beschissenen Stimmungsboykott aufzuheben und das Team am Mittwoch so richtig nach vorne zu peitschen. Denn nur gemeinsam kann bei RWE endlich Ruhe einkehren und der Blick hoffentlich auf mittelfristigen Erfolg gerichtet werden.