Blasse Nullnummer

Fröhlichen Palmsonntag allerseits. Nachdem mich gestern die Kälte im Stadion so genervt hat, dass ich an akuter Couchitis erkrankt war, reiche ich hiermit meinen kleinen Bericht zur gestrigen Partie nach.

„Klein“ deshalb, weil es eine Partie ohne wirkliche Höhepunkte war. Im Fernsehen würde man vielleicht von einem taktischen Leckerbissen sprechen, für den geneigten Stadionbesucher war dies aber sicher kein Spiel, von dem man auch nur in einer Woche noch reden wird.

Die Vorzeichen ließen eigentlich nichts Gutes erwarten: RWE mit langer, langer Verletztenliste (u.a. Wegner und Zeiger mit Saisonaus, bei Freiberger noch unklar, Grund verletzt), immerhin konnte Scepanik mit rot-weisser „Badekappe“ spielen und auch Erwig-Drüppel nahm zunächst auf der Bank wieder Platz. Zudem hatte RWE im Hinspiel eine derbe 0:5-Packung (gegen Rode, Kagawa und Isak) bekommen, in der Winterpause kam ein 0:4 in einem Testspiel ohne Profi-Unterstützung hinzu).

Insgesamt war es von unserer Mannschaft gar nicht mal eine schlechte Partie. Die Abwehr um Korczowski, Becker und Heber strahlte eine absolute Souveränität aus und ließ während des gesamten Spiels nicht einen einzigen gefährlichen Schuss aufs Tor zu. Doch nach vorne fehlten jedoch die Akzente. Zu viele Zweikämpfe im Mittelfeld wurden verloren, und wenn nicht, dann landete der „zweite“ Ball in schöner Regelmäßigkeit doch wieder bei einem Borussen. Die Dortmunder hatten gefühlt etwa 75% Ballbesitz, der sich aber zu großen Teilen auf Torwart, Innen- und Außenverteidigern verteilte, wo der Ball immer wieder von links nach rechts und wieder zurück gespielt wurde. Offensivbemühungen sehen anders aus.

Kurz vor der Halbzeitpause dann aber DIE Gelegenheit für RWE: Ballverlust BVB, Platzek schaltet schnell und schickt Wirtz über rechts, der freie Bahn vor sich hat. Querpass auf Baier (vielleicht ein kleines bisschen zu steil), der in der Mitte von Konaté am Schuss wird. Elfmeterreif? Vielleicht – ich würde mich aber eher auf „nein“ festlegen.

In der zweiten Hälfte dann (leider) dasselbe Bild: BVB mit viel Rückpass-Geschwumse, RWE ohne den letzten Biss (okay, vermutlich wäre man ob der Dortmunder Ballsicherheit nur vergeblich hinterhergerannt). Torraumszenen? Weitestgehend Mangelware. Bis zur Nachspielzeit (!): Erneut ist Wirtz durch, spielt fast von der Grundlinie einen feinen Querpass auf den mittlerweile eingewechselten Erwig-Drüppel, der verdeckt aufs Tor schlenzt, in Oelschlägel jedoch seinen Meister findet. Der Abpraller landet bei Urban, der den Ball noch annehmen kann, den Nachschuss dann aber deutlich über den Kasten setzt – das wäre ein tolles Geburtstagsgeschenk gewesen.

So jedoch blieb es beim insgesamt gerechten (ich mag nicht vom „verdienten“ reden) Unentschieden. Gegen einen starken Gegner (alle BVB-Spieler haben für die Liga ein Top-Niveau, sonst würden sie ja in Wuppertal spielen) keinen Torschuss zugelassen, trotz deutlich weniger Ballbesitz die besseren Chancen erarbeitet – „immerhin nicht verloren“ (RevierSport) halte ich da für zu wenig. Es müsste eher „leider nicht gewonnen“ heißen.

Mann der Partie für mich Daniel Heber, der den Dortmunder Torjäger Boyamba völlig abgemeldet hat und sich in keiner Situation auf einen unnötigen Befreiungsschlag einließ.

Für RWE geht es nun am Ostersonntag zur Viktoria nach Köln. Mein Horrorszenario: Wir gewinnen in Köln, verlieren in Oberhausen und tragen so dazu bei, dass RWO… Nein! Darüber mag ich nicht nachdenken!

Wie gewonnen, so zerronnen

Nach dem beeindruckenden Auftritt gegen Lippstadt bin ich heute durchaus zuversichtlich zur Hafenstraße gefahren, um die Partie gegen den SC Verl zu verfolgen. Meine Erwartung war, dass die Rot-Weissen die hohe Dynamik und das tolle Zweikampfverhalten erneut aufziehen würden, um dem Dauer-Rivalen aus Ostwestfalen schnell die Zähne zu ziehen. Weit gefehlt, wie sich herausstellen sollte.

In Halbzeit eins konnte man zumindest behaupten, dass RWE das Spiel unter Kontrolle hat. Ein Distanzschuss von Verl, das war’s. Leider aber auch auf unserer Seite keinerlei Torgefahr, dafür mehr Ballbesitz, der sich aber im Wesentlichen auf die eigene Abwehr beschränkte. Zwischen Korczowski – heute erstmals für RWE im Einsatz, Tomiak, Zeiger und Heller rotierte der Ball nach Belieben, nach vorne lief insofern nicht viel zusammen, als dass die Gäste geschickt die Laufwege zustellten und vor allem das Dreigestirn Grund, Baier, Brauer aggressiv anliefen. Das Fehlen von Bichler (im Abschlusstraining verletzt) konnte weitestgehend von Heber kompensiert werden, doch so richtiger Druck auf das Tor der Verler sollte nicht entstehen. Also ging es nach einer ereignislosen ersten Halbzeit ohne Nachspielzeit pünktlich in die Pause.

Nach dem Wechsel blieb Baier in der Kabine (keine Ahnung, warum, das kann eigentlich leider nur verletzungsbedingt sein), für ihn kam Lucas. Am Spiel sollte sich zunächst aber nicht viel ändern. Weiterhin war die Partie von beiden Teams von Fehlpässen und Bällen ins Aus geprägt. In der 71. Minute kam es dann, wie es kommen musste: Ecke Verl, kurz ausgeführt, Flanke – drin. 0:1, quasi aus dem Nichts.

Im direkten Gegenzug konnte RWE zunächst eine Ecke und kurz danach einen Freistoß (beide ohne Torgefahr) herausholen. Und als Trainer Neitzel dann auch noch Platzek aufs Feld brachte, waren die Signale endgültig auf totale Offensive gestellt.

Knapp 10 Minuten vor dem Spielende fiel der ansonsten unauffällige Schiedsrichter jedoch auf eine in meinen Augen ziemlich dreiste Verler Schwalbe herein: der Spieler legt sich den Ball viel zu weit vor, Korczowski bleibt sogar stehen, trotzdem fällt der Gegner – Elfmeter! Zwar war Heller noch in der richtigen Ecke, den Einschlag konnte er jedoch nicht verhindern.

Trotz einem angedeuteten Aufbäumen konnte RWE den Anschluss nicht mehr herstellen, so bleibt also wieder mal die Frage: Warum nicht immer so wie in Lippstadt? Das war heute quer durch alle Mannschaftsteile nichts. Ich will keinen Spieler negativ herausstellen, aber weder die Abwehr (unendlich viele Fehlpässe oder unbedrängtes Klären ins Aus, kein Spielaufbau), Mittelfeld (zu wenig Balleroberungen (Bemühen durchaus da, aber da muss mehr kommen), kaum Pässe in die Spitze), noch der Angriff (Torchancen quasi nicht vorhanden, oft zu hektisch) konnten mich heute ansatzweise begeistern.

Trotzdem möchte ich Korczowski für seine gute Leistung loben. Gerne öfter – am Elfer war er meiner Meinung nach unschuldig (s.o., machste nix).

Die Pfiffe von der West, die sich die Mannschaft nach Abpfiff eingefangen hat, kann ich nur zum Teil nachvollziehen. Ja, das Spiel war Mist. Und ja, das war nicht das erste schlechte Match dieser Saison. Aber zum Einen haben wir noch letzte Saison gesehen, wie es auch gehen kann, zum Anderen hat man auch gemerkt, dass heute einfach nichts zusammenlief. Solche Tage gibt es halt. Und dann ist da ja auch noch ein Gegner auf dem Platz.

Es bleibt also dabei, dass der SC Verl einer dieser Gegner bleibt, gegen die ich noch nie ein gutes Spiel gesehen habe. Woran es heute wirklich lag, müssen andere letztendlich analysieren. Ich hoffe nur, dass Bichler nicht längerfristig ausfällt, denn uns gehen schon wieder die Alternativen aus. Sollte sich auch Baier ernsthaft verletzt haben, so stehen wir bei der kommenden Partie in Straelen durchaus vor einer größeren Aufgabe, als uns Recht sein kann.

Warum nicht immer so?

Eines vorweg: Ich bin froh, die Rückfahrt durch übelste Sturmwehen, Starkregen und Hagel, vorbei an umgestürzten Bäumen und verunfallten PKWs problemlos überstanden zu haben und hoffe, alle, die heute den Weg nach OWL auf sich genommen haben, sind ebenso unbeschadet zurück.

Die Strapazen heute wurden jedoch durch ein überragendes Spiel unserer Mannschaft belohnt. Selten gab es so wenig zu meckern und gleichzeitig so viel zu bejubeln wie heute.

Trainer Neitzel stellte mit Tomiak für den gesperrten Zeiger einen Youngster in die Innenverteidigung, zog Scepanik für den verletzten Erwig-Drüppel nach vorne (dafür Urban links hinten), Bichler durfte rechts wieder ran und Kevin Grund durfte seine Qualitäten als Spielmacher beweisen. Und diese Maßnahmen sollten früh Wirkung zeigen: Nach einer zu kurz geklärten Ecke landete der Ball im Lauf von Baier, der stramm unten rechts einnetzte! Die frühe Führung nach nur sieben Minuten.

Wo man beim letzten Auftritt in Bonn nach eigener Führung begann, sich zurückzuziehen, zeigte RWE nun die volle Qualität, die in diesem Team eigentlich steckt: Bei gegnerischem Ballbesitz wurde der ballführende Spieler umgehend angelaufen und die Passwege so zugestellt, dass lediglich Quer- oder Rückpässe in der Abwehr möglich waren oder mit Langholz gearbeitet werden musste. So erzwang man immer wieder Fehlpässe oder erlief Bälle, um dann selbst in den Angriff zu gelangen. Das war Pressing vom Allerfeinsten. Der heute (im positiven Sinne) ungewohnt aggressiv spielende Grund konnte dabei immer wieder mit gutem Auge Pässe in die Spitze (bzw. auf außen) spielen und gefährliche Situationen einleiten. Wegner erzwang immer wieder Ballverluste im gegnerischen Aufbau und auch Wirtz konnte immer wieder gut angespielt werden, bekam dabei aber auffällig oft auf die Knochen, ohne dass dies vom Schiedsrichter geahndet worden wäre. Baier heute mega-präsent, immer wieder mit gutem Körpereinsatz im Bereich des Erlaubten.

RWE war also in allen Belangen überlegen und erkämpfte sich eine große Anzahl an Eckbällen. Eine eigentlich verunglückte Ecke von Baier landete dank Luftloch kurz vor der Pause bei Tomiak, der sich selbst mit dem 2:0 für die souveräne Gesamtleistung heute belohnte. Mit dieser Führung ging es dann auch in die Pause, die gleichzeitig auch den Startschuss für ein aufziehendes Unwetter darstellte. Hagel, starke Böen, prasselnder Regen – das volle Programm. Doch das sollte nichts am Spiel unserer Mannschaft ändern. Weiterhin wurde der Gegner aktiv angegangen, das Aufbauspiel unterbunden und immer wieder gute Situationen herausgespielt.

Kurz nach dem Wechsel flankte dann Grund von rechts auf Scepanik, dessen Volleyschuss am Pfosten landete und dann parallel zur Linie rollte, wo am anderen Ende Enzo Wirtz keine Mühe hatte, den Ball über selbige zu drücken und den 3:0-Endstand herzustellen. Der Rest des Spieles war „Ertragen des Wetters“ bei weiterhin kontrollierter Offensive – so ließ es sich dann doch ertragen. Kurz vor Schluss nagelte Scepanik noch einen Freistoß an die Querlatte, den Nachschuss von Tomiak, der möglicherweise eingeschlagen wäre, lenkte der im Abseits stehende Platzek ins Tor, so dass diesem die Anerkennung zurecht verwehrt wurde.

Spieler des Tages heute für mich Kevin Grund, der auf der Spielmacherposition einfach eine Bombe ist. Der Rest des Teams knapp dahinter, da es quasi keine Ausfälle gab. Lediglich Lucas konnte nach seiner Einwechslung Grund nicht ansatzweise ersetzen (bitte nicht als Bashing verstehen, es fehlte aber die oben erwähnte Aggressivität). Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt heute, dann vielleicht, dass aus „gefühlt 35 Ecken“ (Zitat D. Berlinski) nur zwei Tore gelungen sind. Das ist aber ob der Gesamtleistung eher Jammern auf hohem Niveau.

Getrübt wurde das Spiel jedoch durch die verletzungsbedingte Auswechslung von Urban in der ersten Halbzeit. Ich wünsche an dieser Stelle gute Besserung!

Ich würde mir wünschen, dieses Gesicht der Rot-Weissen deutlich öfter zu sehen. Da wurde einander angespornt, dem Gegner ein paar „nette“ Worte auf den Weg gegeben, da wurde gedoppelt, wo es nötig war, da war das Auge für den besser platzierten Nebenmann (okay, ein, zwei Situationen hätte man da durchaus besser lösen können).

Zudem hoffe ich, dass meine Premiere als „echtes“ Mitglied im Kommentatorenteam von Radio Hafenstraße gut bei euch angekommen ist. Wir hatten leider (mal wieder) technische Probleme, die vermutlich durch ein defektes Kabel bedingt sind. Das werde ich kurzfristig testen und dann hoffentlich dauerhaft lösen können. Anregungen und Kritik zum Kommentar nehme ich gerne entgegen. Beim nächsten dicken Schauer nehmen wir dann aber doch die Mehrfach-Steckdose (die der SVL kurzfristig aus dem VIP nach außen gelegt hat) aus der Pfütze. Bereits kommenden Freitag werde ich wieder kommentieren, Gegner an der Hafenstraße ist dann der SC Verl.