…und am Ende bist du nur noch bedient.

Wenn der Durchschnitts-Hindu stirbt, wird er seinem Glauben zufolge wiedergeboren. Als Kuh oder mit viel Pech als Schalker. Soweit so gut. Was bitte muss man aber verbrochen haben, um RWE-Fan zu werden?

Um es vorwegzunehmen: Heute lief nichts, aber auch gar nichts zusammen. All das, was gegen Dortmund noch so gut klappte, was endlich wieder für so etwas wie Euphorie im Umfeld sorgte, all das sollte heute schmerzhaft vermisst werden.

Zwar gelang Kevin Grund ein früher Führungstreffer mit der einzigen nennenswerten RWE-Chance in Halbzeit 1, das Spiel, insbesondere die erste Hälfte, gehörte aber den Gästen aus dem Tal. RWE permanent in der Defensive, zarte Konteransätze wurden frühzeitig unterbunden. Gewonnene Bälle landeten entweder direkt im Aus oder wieder beim Gegner. Das tolle Pressing der letzten Woche? Fehlanzeige. Torchancen am Fließband ebenso. Im Gegenteil: Gleich zweimal verhinderte die Latte, dass schon vor der Pause der bereits hochverdiente Ausgleich fiel.

Leider sollte der Treffer für die Gäste nach der Halbzeit schon früh fallen. Nach einer Ecke stimmte die berühmte Zuordnung im Essener Strafraum nicht, ein Wuppertaler konnte am langen Pfosten einköpfen. Gute 10 Minuten später erhöhte „RWE-Schreck“ Hagemann nach einem Konter auf 1:2. An dieser Stelle: Es ist eine bodenlose Frechheit, die gegnerischen Fans auf seine Art und Weise beim Torjubel zu provozieren. Das ist bei ihm auch nicht das erste Mal…

Danach tat Wuppertal nur noch das notwendigste, RWE kam zwar besser aus der eigenen Hälfte, konnte aber trotz offensiver Wechsel keine gefährlichen Szenen erarbeiten. Heller hielt noch einen Konter, bei der vier Wuppertaler aufs Tor zuliefen, doch in der Nachspielzeit, als RWE die Abwehr quasi aufgelöst hatte und Brauer als einziger Mann hinten blieb, kullerte der Ball dann nach einem weiteren Angriff über außen und kurzen Slalomlauf im Strafraum doch noch zum 1:3 in den rot-weissen Kasten.

Wuppertal war heute – das muss man leider zugeben – in allen Belangen überlegen. Laufbereitschaft, Aggressivität, Präzision und Tempo im Pass-Spiel und ja, auch auf den Tribünen. Der komplette Gästeblock hat über volle 90 Minuten Vollgas gegeben, die West mit den beinahe schon üblichen Ruhepausen. Die Böller von der Gästetribüne – geschenkt. Ein paar Spinner gibt es halt immer.

Was mir echte Sorgen bereitet: Ist es wirklich so einfach, das RWE-Spiel so komplett zu sabotieren? Pröger und Grund außen total abgemeldet, Baier kaum zu sehen. Damit schon kein Offensivdruck mehr? Jansen – mehr als unglücklich, bekam aber auch quasi keine Bälle. Ich hoffe, das heute war ein Versehen. Hier wird Demandt aber bestimmt den richtigen Lösungsansatz finden, so viel Vertrauen habe ich dann doch.

Es ist mir zu einfach, das am in vielen Situationen unglücklich agierenden Schiedsrichter festzumachen. Acht gelbe Karten (3:5) zeugen in meinen Augen nicht davon, dass er das Spiel wirklich im Griff hatte. Windmüller, der wohl noch eine Rechnung mit Grund offen hatte, grätschte ebendiesen an der RWE-Grundlinie ohne sichtbaren Sinn von hinten um, hier wird es wohl ewig das Geheimnis des Schiedsrichters bleiben, warum es nur gelb und nicht glatt rot gezeigt hat. Der Ball war jedenfalls weit weg. Ein ähnliches Schicksal hätte allerdings auch Marcel Platzek treffen müssen, so fair muss man bleiben.

Unter dem Strich bleibt eine in meinen Augen total überflüssige Niederlage, die gegen ausgerechnet diesen Gegner umso bitterer ist. Irgendwie ist es halt immer so – wenn es um etwas geht (heute hätte man theoretisch mal Tabellenführer werden können), wird man halt bei Rot-Weiss eines Besseren belehrt. Es sind diese Tage, an denen ich mir wünschte, ich wäre passionierter Angler geworden, oder Modelleisenbahnfahrer oder Hobbygärtner. Aber nein, ich muss mir ja DIESEN Verein aussuchen. Na ja, hm…

Nach dem Spiel habe ich noch eine gute halbe Stunde an und in meinem brütend heißen Auto verbracht – man sollte halt auch das Licht ausschalten, wenn man aussteigt. Danke an den edlen Retter (ein Anwohner), der mir die Karre fremdgestartet hat. In Kombination mit der Niederlage bin ich ziemlich bedient, daher bitte ich, diesen spärlichen Bericht heute zu entschuldigen.

Ach, noch was: Die Saison jetzt schon wieder abzuschreiben, schon wieder den Kopf von Trainer (ja, tatsächlich – „Angsthasenfußball“ war noch einer der harmloseren Begriffe) und natürlich Präsidenten fordern, grenzt schon an Schizophrenie. Aber manchen Leuten kann man es vermutlich niemals recht machen. Auffällig, dass immer die selben aus ihren Löchern kommen, wenn es mal nicht läuft. Aber so ist das nunmal: Haste dich im letzten Leben nicht ordentlich verhalten, wirste halt als RWE-Fan wiedergeboren.

Trotzdem: NUR DER RWE!

Endlich wieder Fußball

Die Sommerpause ist zu Ende. Bei herrlichstem Sommerwetter hieß der erste Gegner heute Borussia Dortmund, die zweite.

Auch der Kongress der Zeugen Jehovas in der Westfalenhalle nebenan konnte nicht verhindern, dass mehr als 5.900 Zuschauer zum Spiel kamen (hallo, RWO) und für eine tolle Atmosphäre sorgten.

Und die Mannschaften wollten da ebenfalls nicht geizig sein und zeigten eine tolle Partie, in der vor allem in der zweiten Hälfte eine Torchance die nächste jagte.

Den besseren Start erwischten allerdings unsere Jungs. Nach gut 10 Minuten setzte sich Pröger auf rechts durch und zog in den Strafraum, wo seine Flanke ein kleines Stück zu hoch für Platzek war. Weitere 10 Minuten später dann eine Dreifach-Chance, in der der Dortmunder Keeper gerade noch die Essener Führung verhindern konnte.

Nicht so in der 27.: eine Ecke fliegt zunächst zu weit, über Pröger und einen weiteren Rot-Weissen landet der Ball an der Strafraumkante bei Zeiger, dessen Schuss geblockt wird. Der erste Nachschuss wird ebenfalls noch pariert, dann schiebt Malura den Ball zur verdienten Führung ein.

Als der BVB nach etwa 35 Minuten erstmalig in den Essener Strafraum kommt, pfeift der in einigen Szenen unsicher wirkende Schiri plötzlich Elfmeter. Urban hatte jedoch ganz eindeutig den Ball gespielt. Es sollte jedoch nicht das einzige mal bleiben, dass die Borussen mit der extremen Schwerkraft Probleme hatten. Der Elfer wurde leider souverän verwandelt. Es folgten einige ruppige Szenen, Spielfluss kam keiner mehr auf.

Nach der Pause meldete sich der BVB mit einem Strich von einem Schuss in den Essener Winkel zurück. Grund hatte in einem Konter einen Querpass zu Platzek nicht an den Mann gebracht, die Abwehr war aufgerückt und konnte das Traumtor nicht verhindern.

Wenige Minuten später machte Grund seinen Fehler wieder gut: Schöner Pass von Baier in den Lauf von Grund, dieser dreht kurz im Sechzehner ab und schickt Cokkosan steil. Dessen Querpass landet vom Dortmunder Keeper in den Füßen von Baier, der in aller Ruhe einschießen kann.

Es folgte die wohl beste Phase der Rot-Weissen. Platzek bekam den Ball freistehend am Elfmeterpunkt – knapp geklärt. Direkter Freistoß von Baier Zentimeter neben das Tor. Flache Hereingaben von Malura und Grund jeweils in letzter Sekunde gerettet. Die Führung wäre zu diesem Zeitpunkt hochverdient gewesen. Leider kostete dieses Anrennen sehr viel Kraft, so dass in den letzten 15 Minuten der Partie nach vorne nicht mehr viel zusammenlief, wohl auch, weil Jansen zwar ein echter Schrank ist, Platzek auf Außen aber nicht mehr für die entsprechenden Impulse sorgen konnte. Außer ein paar semi- gefährlichen Standards für Dortmund sprang aber nichts mehr heraus (okay, ein Kopfball an den Pfosten).

Unter dem Strich ein eher unglückliches Unentschieden, mit dem ich persönlich aber gut leben kann.

Besonders beeindruckend fand ich heute, mit welcher Leidenschaft Pröger sich in jeden Ball wirft. Er konnte sich einige Male gegen gleich mehrere Gegenspieler durchsetzen und war nur mit einem Foul zu bremsen. Ganz klar für mich der Mann des Spiels.

Positiv ebenfalls, dass wir die anscheinende Schwäche bei gegnerischen Standards heute nicht gezeigt haben. Trotz vieler Freistoßflanken und Ecken entstand daraus zumeist keine Gefahr, der Rest fällt unter die Gauß’sche Normalverteilung.

Die unterirdische Leistung des Schiedsrichters lasse ich besser unkommentiert. Mindestens zwei klare Handspiele übersehen, dazu eine horrende Zahl von gelben Karten…

Kommenden Sonntag geht es weiter zu Hause gegen den WSV. Ich würde mich über 10.000+x Zuschauer nicht wundern. So Gott will.

Nachschlag

Nachdem unser aller Lieblingsverein nun nochmal auf dem Transfermarkt tätig war, „schulde“ ich euch noch ein kleines Update zu den beiden noch fehlenden Neuzugängen (hier nochmal mein erster Beitrag):

Hervenogi Unzola
Dieser Spieler dürfte den wenigsten bekannt gewesen sein, obwohl er bei den Jugendmannschaften von Leverkusen, der Kölner Viktoria und auch dem BVB ausgebildet wurde, in Dortmund auch in der 2. Mannschaft zum Einsatz kam und dann über Lotte nach Verl ging, wo er in den vergangenen zwei Saisons mit 32 bzw. 29 Spielen durchaus Stammpersonal war. Seine Position ist der linke Verteidiger, womit er eine Alternative zu Cokkosan bildet. Somit sind die Zeiten der „Notlösung“ Grund in der Verteidigung wohl vorbei.
Prognose:  dürfte sich trotzdem erstmal hinter Cokkosan anstellen

David Jansen
Vermutlich letzter Transfer dieses Sommers ist der ehemalige Oberhausener und zuletzt bei Viktoria angestellte Jansen. Obwohl er während aller Spiele gegen RWE, an die ich mich so erinnern kann, alles dafür getan hat, vom Essener Publikum gehasst zu werden, hat seine Verpflichtung kurioserweise eher Beifall und Erstaunen in den sozialen Netzwerken hervorgerufen. Mit 42 Toren aus 124 Partien, also einem Treffer in durchschnittlich jedem dritten Spiel hat er auch eine Top-Bilanz, wenn er auch in der vergangenen Saison nur noch 3 Treffer erzielte. Hier spielte aber sicherlich eine Rolle, dass z.B. ein Kreyer plötzlich das Tor wieder gefunden hat und er zuletzt auch mit dem Trainer dem Hörensagen nach nicht mehr so gut zurecht kam. Jansen bringt das mit, was meiner Meinung nach noch ein wenig im Sturm fehlte: Er ist ein klassischer Mittelstürmer, der auch mal das Dreckschwein raushängen lässt. Jemand, der einfach mit seiner Wucht in den Strafraum ziehen und sich auch gegen zwei Gegenspieler mal durchsetzen kann.
Prognose: Nach Engelbrechts Ausfall und der derzeitigen Verletzung von Bednarski ist es durchaus im Bereich des Denkbaren, dass in der Spitze direkt neben Platzek spielt.

Damit haben wir nun im Angriff so etwas wie ein Luxusproblem, denn Bednarski und Pröger sind eigentlich auch zu schade für die Bank, Grund ist momentan der einzige linke Mittelfeldspieler im Kader, der dort sinnvoll agiert.

Meine Startelf gegen Dortmund:

Angriff:                              Platzek / Jansen
Off. Mittelfeld:              Grund / Baier / Pröger
Def. Mittelfeld:                     Meier (Lucas)
Verteidigung:      Cokkosan / Urban / Zeiger / Malura
Tor:                                           Heller (Lenz)