Heaven or Hell

Wie nah die Extreme im rot-weissen Fanlager beieinander liegen, konnte man in der abgelaufenen englischen Woche wieder einmal wunderbar beobachten.

Am Mittwoch wurde der Wuppertaler SV an der Hafenstraße düpiert, Simon Engelmann schnürte einen Viererpack und die Partie hätte noch deutlich höher als 6:1 ausfallen können, wenn weitere gute Chancen genutzt worden wären. RWE war damit dem BVB auf 4 Punkte davongezogen, was bedeutete, dass die Meisterschaft in den eigenen Händen lag (angesichts des Rückspiels gegen die Borussen).

In den sozialen Medien wurde fleißig geschwärmt, der Wendepunkt („die Dortmunder brechen jetzt ein“) herbeigeredet. RWE war in der Partie den Wuppertalern aber auch dermaßen überlegen, dass es einem schwerfallen konnte, auf die eigene Euphoriebremse zu treten. Alles vollkommen verständlich.

Nur vier Tage später sind die Stimmen wieder die lautesten, die die Borussen als uneinholbar betrachten, denen der Einsatz der Mannschaft in Aachen nicht genug war, die von einem glücklichen Unentschieden reden. Ja, es war nicht alles gut auf dem Tivoli. Vielleicht war unsere Truppe einfach auch gegen Ende ein wenig müde, vielleicht nicht 100% konzentriert. Trotzdem behaupte ich, dass der Zeitpunkt zum Aufstecken alles andere als gekommen ist. Die Gastgeber hatten vier Torchancen (3x Dahmani und die „Elfer-Szene“, bei der der Schiri meines Erachtens richtig lag, s. Highlight-Clip), das ist alles aber bei einem Team wie der Alemannia aber im Rahmen. Selbst mit geschwächter Personaldecke ist das keine „Kirmestruppe“, da kann man mit einem Unentschieden leben. Natürlich waren wir über außen schwach, dabei wurde dennoch übersehen, dass Endres in der ersten Hälfte zwei Chancen hatte und den Treffer aufgelegt hat. Grote wird immer stärker, erneut ein Treffer vom Routinier. Und hätten in der Nachspielzeit Heber oder Platzek ihre Knochen in den Schuss von Engelmann bekommen, wäre der Jubel über den nächsten Sieg wohl allüberall zu lesen.

Ja, man darf durchaus auch kritisieren, dass man nach dem Führungstreffer keine Ruhe ins Spiel bekam und angesichts der aufkommenden Aachener eher offensiv wechselte (Condé, Platzek und später Young), anstatt die Defensive zu stärken. Wer mir aber richtig Leid tut, ist Daniel Heber. Seit Wochen Garant für die Stabilität unserer Abwehr, lässt er doch durch sein Stellungsspiel eine große Zahl an Angriffen gar nicht erst entstehen. Diesmal hat er sich bei der Kopfball-Rückgabe zu Golz verschätzt, der vielleicht auch ein Stück zu weit im Kasten geblieben war. Der Rest ist bekannt, der Ausgleich durch ebenjenen Dahmani (man ist geneigt, „natürlich“ hinzuzufügen). Der arme Heber sollte besser nicht bei Facebook verfolgen, wie einige Blitzbirnen ihm jetzt die Regionalliga-Tauglichkeit absprechen. Wer ihn kennt, weiß, dass er sich selbst die größten Vorwürfe macht, da braucht er nicht noch Feuer aus den sozialen Medien.

Aber auch im Spiel gegen Wuppertal war nicht alles Gold, was glänzt. Wie das 0:1 nach wenigen Minuten fiel, war viel zu einfach. Das darf so nicht passieren. (Dafür war aber die Ruhe, mit der die Mannschaft das Spiel danach heruntergespielt hat, beeindruckend.) Eine kurze Phase nach der Pause war der WSV dem Ausgleich nahe, bevor Grote auf 3:1 erhöhen konnte. Und wer weiß, ob wir das Spiel ohne einen Engelmann gedreht hätten, dem einfach an diesem Abend alles gelang.

Also bitte, Leute, lasst die Kirche im Dorf. Weiterhin liegen wir voll im Soll. Meines Erachtens haben wir noch immer alles selbst in der Hand (wobei die Tordifferenz bei einem Sieg gegen Dortmund auch die Waage in die andere Richtung drücken könnte), wir spielen eine der besten Runden, die wir jemals hatten (1991/92 wohl mal 19 Spiele zu Saisonbeginn ungeschlagen), sind ungeschlagener Tabellenführer und haben einen Punkteschnitt, der in vier der letzten fünf Jahre locker zur Meisterschaft gereicht hätte. Zudem haben wir bereits ein Polster auf Platz drei je nach Ausbeute aus Nachholspielen auf Köln (mindestens 8), Münster (8) oder Düsseldorf (sieben). Auch das ist nicht von der Hand zu weisen und Zeichen der guten Arbeit der letzten Wochen.

Bis zum Jahresende haben wir noch vier Partien zu absolvieren. Daraus wären 10 Punkte eine Top-Ausbeute. Bitte lasst uns nicht anfangen zu hadern, über „verlorene Punkte“ oder übertrieben starke Borussen zu philosophieren. Ja, wir schauen zunächst nur auf uns, wir haben aber im Augenwinkel genauso im Blick, was die Schwarz-Gelben machen. Wir haben am Wochenende auf dem Papier das schwerere Spiel, aber auch die Dortmunder müssen Straelen erst einmal besiegen, haben gar die nächste englische Woche mit dem Nachholspiel gegen RWO vor der Brust.

Also: Durchatmen, Punkt mitnehmen und weitermachen!

RWE eiskalt

Nein, es war ganz sicher nicht das erwärmendste Spiel unserer Truppe, das ich diese Saison sehen durfte. Der 2:0-Erfolg über Rödinghausen war aber ein ganz wichtiger Sieg: für die Tabelle, fürs Selbstvertrauen, für die Fans.

Christian Neidhart nahm erneut keine überraschenden Änderungen an der Startelf vor, Kevin Grund übernahm wieder die linke Abwehrseite von Felix Herzenbruch. Die erste Halbzeit war aber – gelinde gesagt – höchstes dazu geeignet, dem geneigten Zuschauer kalte Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Wenig bis keine Chance auf beiden Seiten, viele Fehlpässe, viel „Ballbesitzfußball“ in den Viererketten. Bis auf einen Engelmann-Kopfball an die Latte und einen Distanzschuss der Gäste gab es wirklich nichts, um das Fußball-Herz zu erwärmen – bei 3 Grad Celsius an der Hafenstraße wäre das dringend notwendig gewesen.

Hahn hatte sich nach einem Foul eine gelbe Karte eingefangen, danach ein weiteres Foul gezogen. Der Assistent hatte daraufhin signalisiert, dass er bei der nächsten derartigen Aktion vorzeitig das Feld verlassen müsse, weshalb Amara Condé ins Spiel kam. Kehl-Gomez gab fortan den Innenverteidiger – vorab: fehlerfrei! Mit Condé kam auch ein wenig mehr Feuer in die Partie, das würde ich aber nicht nur an ihm, sondern vielmehr an der offensiveren Herangehensweise im gesamten Team festmachen.

Das 1:0 fiel über eine Spielverlagerung von der linken Seite nach rechts über Engelmann und Grote hin zu Plechaty, der den Ball flach vor den Kasten brachte, wo Harenbrock eiskalt einnetzte und alle erlöste, die es mit Rot-Weiss halten. Von diesem Moment an warfen die Rödinghausener ihre Verzögerungstaktik über Bord und gaben RWE mehr Raum für Offensivaktionen. Der eingewechselte Endres wurde prima von Engelmann per Kopf bedient, konnte aber unter Druck aus 22m aus vollem Lauf nicht platziert genug abschließen. So dauerte es bis in die 89. Minute, als Wolff Engelmann ganz fest in die Arme schloss, ihn so am Torabschluss hinderte und dafür dann auch duschen gehen musste. Elfmeter für RWE, Engelmann mit einem platzierten Flachschuss – 2:0, RWE on Fire!

Warum war der Sieg jetzt gleich mehrfach wichtig? Einerseits wäre da die Dortmunder Borussia zu erwähnen, die am Vorabend gegen Preußen Münster gewonnen hatte, mit dem Sieg aber weiterhin in Reichweite bleibt. Natürlich haben die Borussen ein Spiel in der Hinterhand, natürlich kann auch noch die Alemannia mit Siegen in den drei (!) Nachholspielen aufschließen, aber man liest doch lieber einen als vier Punkte Rückstand, oder?

Der zweite Grund schließt an Punkt eins unmittelbar an, Neidhart brachte es auf den Punkt: Lieber ein schlechtes Spiel gewonnen als ein gutes verloren. Man hat gewonnen, obwohl es nicht so flüssig lief, obwohl die Chancen weitestgehend ausgeblieben waren. Man hat gegen den Gast wieder einmal keine ernsthaften Chancen zugelassen. Das alles in Summe sollte das eigene Selbstvertrauen weiter festigen.

Drittens: Wir alle, die wir uns Fans nennen, mussten gegen Rödinghausen schon zu oft Niederlagen einstecken. Tatsächlich war dies erst der dritte Sieg im 13. Vergleich, bei 6 Niederlagen. Die Mannschaft hat damit – vermutlich nicht mit dieser Absicht – den Fans ein wenig Seelenbalsam aufgetragen, einen Angstgegner in die Schranken gewiesen und hält natürlich weiterhin die Hoffnung auf den Spitzenplatz am Saisonende am Leben.

Samstag geht es nach Bergisch Gladbach. Beim Aufsteiger zählt meines Erachtens nur ein Dreier, komme, was wolle. Die Gastgeber werden vermutlich äußerst defensiv auftreten – aber wir kommen da schon irgendwie durch!

Knappe(n) Kiste

Wieder mal kein Sieg bei den „kleinen Knappen“… Dabei standen die Vorzeichen doch so gut wie selten zuvor.

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Einigermaßen optimistisch – nein, eigentlich recht siegessicher – machte ich mich auf ins altehrwürdige Parkstadion in diesen Albtraum für Fussballfans, um einem weiteren Auswärtsspiel unserer Roten beizuwohnen. Da entgegen ursprünglicher Annahmen kurzfristig keine Fans zugelassen waren, verliefen sich die vielleicht 100 Presse- und Vereinsvertreter auf der ehemaligen Gegengeraden, um folgenden architektonische Obskurität geboten zu bekommen:

Man kann also bei guten Sichtverhältnissen nicht nur die U23 spielen sehen, nein, auch die U19, U17 und ganz hinten U11 und U12 parallel. Für die Personen wie die Vertreter der Fanradios oder der schreibenden Zunft hieß es zudem „Hoffen, dass der Akku hält“, denn eine Stromanbindung für Laptops und derartiges Equipment war offenbar Mangelware.

Zur Partie: Herzenbruch ersetzte den angeschlagenen Kevin Grund, ansonsten vertraute Neidhart seiner Stammformation. Und nach knapp drei Minuten hätte es auch schon 1:0 für RWE stehen müssen, als Engelmann eine zu kurze Kopfballrückgabe erlief, sich aber für den Lupfer (über Keeper und Tor) entschied, anstatt den Ball aus vollem Lauf mitzunehmen und am Torwart vorbeizulegen (Lehmann jemand hier?). Wenige Momente später tauchte Young am Strafraumeck auf, konnte aber ebenfalls nicht zur Führung vollenden. Als nach 10 Minuten Heber nach einer Hereingabe überraschend frei zum Schuss kam, den Ball aber ebenso deutlich über den Kasten setzte, konnte man eigentlich schon ahnen, in welche Richtung diese Partie laufen würde.

Die Gastgeber konnten nach einer knappen halben Stunde erstmals in Erscheinung treten, als Boujellab zunächst mit dem Fuß und Sekunden später per Kopf an Davari scheiterte.

Das Fehlen von Grund war für meine bescheidenen Augen am deutlichsten erkennbar, als RWE zweimal innerhalb weniger Minuten einen Freistoß an der Torauslinie / Ecke Sechzehner erhielt. In beiden Situationen brachte Kefkir den Ball scharf flach vor den Kasten, wobei Heber beim ersten Mal einen Schritt zu spät kam, beim zweiten Mal klärte ein Schalker Kopf die Situation. Hier hätte ich mir eine gefühlvolle Flanke auf „die Langen“ gewünscht.

Stichwort Kefkir: Auffällig seit einigen Spieltagen, dass er alle Einwürfe auf Höhe des gegnerischen Sechzehners übernimmt, den Ball lang hereinbringt auf Hahn/Heber. Dabei kommt meines Erachtens aber viel zu wenig an Torgefahr herum, da sich diese Vorgehensweise wohl auch unter den letzten Teams in der Regio herumgesprochen haben dürfte. Auch hier wünsche ich mir Feinjustierung seitens der Verantwortlichen an der Seitenlinie, da muss einfach mal mehr Variante rein.

Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff prüfte Engelmann noch die Stabilität des Tores aus der Distanz mit einem Pfostentreffer, das Tor wollte aber einfach nicht fallen. Also ging es mit 0:0 in die Kabine. Auch hier eine Anmerkung: Die Kabine ist dort handgestoppte fünf Minuten zu Fuß vom Spielfeld entfernt. Das kann doch auch nicht im Sinne des Erfinders sein.

Die zweite Halbzeit begann dann sehr zerfahren, wenige Szenen auf beiden Seiten. Zwar spielte RWE weiterhin die größere Rolle auf dem Feld, erst um die 80. Minute wurde es aber wirklich gefährlich für den Kasten der Gastgeber, als Herzenbruch aus gut 30m einen Schuss der Marke „Strahl“ abfeuerte und den Knappen-Keeper zu einer Flugeinlage zwang. Es war der Auftakt zu einer vogelwilden Schlussphase.

Die 87. Minute. Langer Ball über die rechte Seite der weit aufgerückten Roten, Heber ist zur Stelle, prallt jedoch mit seinem Gegenspieler zusammen, der Schiedsrichter entscheidet auf gelbe Karte und Freistoß für die Hausherren. Eine Flanke, eine Glanztat von Davari, doch dann ist er machtlos und muss mit ansehen, wie Hoppe zur mehr als schmeichelhaften 1:0-Führung einschiebt.

Sollte ausgerechnet HIER die erste Saisonniederlage gefangen werden? RWE warf nun die letzten Kraftreserven in die Waagschale und erzielte durch Engelmann im direkten Gegenangriff einen Abseitstreffer. In der Nachspielzeit gab es dann erneut Ecke für RWE, von rechts. Geklärt, Ecke von links… Davari kam nun mit nach vorne, Ecke kommt – zu einer weiteren Ecke geklärt… Wieder von rechts – Heber – TOR! Der Ausgleich in buchstäblich letzter Sekunde, denn danach wurde nicht mehr wieder angepfiffen.

Gefühlt war dies eher ein Punktverlust. Wenn das Spiel auch keine Augenweide war, so hatte unsere Truppe doch deutliche Feldvorteile und mehr Chancen, da muss einfach mehr herausspringen. Ich bin mir sicher, dass es ein deutlicher Sieg geworden wäre, hätte Engelmann den Lupfer untergebracht. Hat er aber eben nicht. Dennoch spricht der Ausgleich für die Moral unserer Elf, doch schaut man nach Dortmund, so sieht das Auftreten der Borussen für den Augenblick doch noch einen Tacken souveräner aus. Dennoch: Wir haben noch keine Partie verloren, sind personell deutlich besser aufgestellt! Das MUSS sich am Ende einfach auszahlen. Auch eine Niederlage (die wir sicher auch kassieren werden irgendwann) wird uns nicht von dem Weg abbringen.

Der nächste Gegner wäre am Mittwoch der SV Rödinghausen, während bereits Dienstag der BVB gegen Preußen Münster vor der nächsten Aufgabe stünde. Konjunktiv. Am Montag soll dem Vernehmen nach bekanntgegeben werden, ob die Regionalliga nun eine Profi- oder eine Amateurliga im Sinne der Corona-Schutzverordnung ist. Es wäre zu wünschen, dass das Profitum, das in weiten Teilen der Liga vorhanden ist, als solches gewürdigt wird und die Liga fortgeführt wird. Denn ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass im Dezember gespielt wird, wenn der November nicht nur spiel- sondern auch trainingsfrei (gezwungenermaßen) wird. Vielleicht einigt man sich auch auf ein Zwischending und gestattet die Fortführung der Trainings unter strengen Hygienemaßnahmen, während die Liga pausiert. Die Entscheidung scheint aber nicht so einfach zu sein, denn dann hätte man das Aus wohl bereits am Freitag verkündet.

Hoffen wir das Beste. Bleibt gesund!

(Fotos folgen)