Warum nicht immer so?

Eines vorweg: Ich bin froh, die Rückfahrt durch übelste Sturmwehen, Starkregen und Hagel, vorbei an umgestürzten Bäumen und verunfallten PKWs problemlos überstanden zu haben und hoffe, alle, die heute den Weg nach OWL auf sich genommen haben, sind ebenso unbeschadet zurück.

Die Strapazen heute wurden jedoch durch ein überragendes Spiel unserer Mannschaft belohnt. Selten gab es so wenig zu meckern und gleichzeitig so viel zu bejubeln wie heute.

Trainer Neitzel stellte mit Tomiak für den gesperrten Zeiger einen Youngster in die Innenverteidigung, zog Scepanik für den verletzten Erwig-Drüppel nach vorne (dafür Urban links hinten), Bichler durfte rechts wieder ran und Kevin Grund durfte seine Qualitäten als Spielmacher beweisen. Und diese Maßnahmen sollten früh Wirkung zeigen: Nach einer zu kurz geklärten Ecke landete der Ball im Lauf von Baier, der stramm unten rechts einnetzte! Die frühe Führung nach nur sieben Minuten.

Wo man beim letzten Auftritt in Bonn nach eigener Führung begann, sich zurückzuziehen, zeigte RWE nun die volle Qualität, die in diesem Team eigentlich steckt: Bei gegnerischem Ballbesitz wurde der ballführende Spieler umgehend angelaufen und die Passwege so zugestellt, dass lediglich Quer- oder Rückpässe in der Abwehr möglich waren oder mit Langholz gearbeitet werden musste. So erzwang man immer wieder Fehlpässe oder erlief Bälle, um dann selbst in den Angriff zu gelangen. Das war Pressing vom Allerfeinsten. Der heute (im positiven Sinne) ungewohnt aggressiv spielende Grund konnte dabei immer wieder mit gutem Auge Pässe in die Spitze (bzw. auf außen) spielen und gefährliche Situationen einleiten. Wegner erzwang immer wieder Ballverluste im gegnerischen Aufbau und auch Wirtz konnte immer wieder gut angespielt werden, bekam dabei aber auffällig oft auf die Knochen, ohne dass dies vom Schiedsrichter geahndet worden wäre. Baier heute mega-präsent, immer wieder mit gutem Körpereinsatz im Bereich des Erlaubten.

RWE war also in allen Belangen überlegen und erkämpfte sich eine große Anzahl an Eckbällen. Eine eigentlich verunglückte Ecke von Baier landete dank Luftloch kurz vor der Pause bei Tomiak, der sich selbst mit dem 2:0 für die souveräne Gesamtleistung heute belohnte. Mit dieser Führung ging es dann auch in die Pause, die gleichzeitig auch den Startschuss für ein aufziehendes Unwetter darstellte. Hagel, starke Böen, prasselnder Regen – das volle Programm. Doch das sollte nichts am Spiel unserer Mannschaft ändern. Weiterhin wurde der Gegner aktiv angegangen, das Aufbauspiel unterbunden und immer wieder gute Situationen herausgespielt.

Kurz nach dem Wechsel flankte dann Grund von rechts auf Scepanik, dessen Volleyschuss am Pfosten landete und dann parallel zur Linie rollte, wo am anderen Ende Enzo Wirtz keine Mühe hatte, den Ball über selbige zu drücken und den 3:0-Endstand herzustellen. Der Rest des Spieles war „Ertragen des Wetters“ bei weiterhin kontrollierter Offensive – so ließ es sich dann doch ertragen. Kurz vor Schluss nagelte Scepanik noch einen Freistoß an die Querlatte, den Nachschuss von Tomiak, der möglicherweise eingeschlagen wäre, lenkte der im Abseits stehende Platzek ins Tor, so dass diesem die Anerkennung zurecht verwehrt wurde.

Spieler des Tages heute für mich Kevin Grund, der auf der Spielmacherposition einfach eine Bombe ist. Der Rest des Teams knapp dahinter, da es quasi keine Ausfälle gab. Lediglich Lucas konnte nach seiner Einwechslung Grund nicht ansatzweise ersetzen (bitte nicht als Bashing verstehen, es fehlte aber die oben erwähnte Aggressivität). Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt heute, dann vielleicht, dass aus „gefühlt 35 Ecken“ (Zitat D. Berlinski) nur zwei Tore gelungen sind. Das ist aber ob der Gesamtleistung eher Jammern auf hohem Niveau.

Getrübt wurde das Spiel jedoch durch die verletzungsbedingte Auswechslung von Urban in der ersten Halbzeit. Ich wünsche an dieser Stelle gute Besserung!

Ich würde mir wünschen, dieses Gesicht der Rot-Weissen deutlich öfter zu sehen. Da wurde einander angespornt, dem Gegner ein paar „nette“ Worte auf den Weg gegeben, da wurde gedoppelt, wo es nötig war, da war das Auge für den besser platzierten Nebenmann (okay, ein, zwei Situationen hätte man da durchaus besser lösen können).

Zudem hoffe ich, dass meine Premiere als „echtes“ Mitglied im Kommentatorenteam von Radio Hafenstraße gut bei euch angekommen ist. Wir hatten leider (mal wieder) technische Probleme, die vermutlich durch ein defektes Kabel bedingt sind. Das werde ich kurzfristig testen und dann hoffentlich dauerhaft lösen können. Anregungen und Kritik zum Kommentar nehme ich gerne entgegen. Beim nächsten dicken Schauer nehmen wir dann aber doch die Mehrfach-Steckdose (die der SVL kurzfristig aus dem VIP nach außen gelegt hat) aus der Pfütze. Bereits kommenden Freitag werde ich wieder kommentieren, Gegner an der Hafenstraße ist dann der SC Verl.

Solider Auftakt ins Jahr 2019

Frühlingswetter mit Sonnenschein und endlich wieder Fußball, was könnte es Schöneres geben? Ganz klar, einen Heimsieg.

Die Vorzeichen vor dem Spiel gegen den TV Herkenrath, Aufsteiger und Tabellenletzter, waren klar. Während der Gast gleich 17 Spieler abgegeben hat, konnte RWE das Team mit drei Neuzugängen (bei Abgang von Pröger) noch aufwerten. Alles andere als ein Sieg wäre eine deutliche Überraschung.

Die erste Hälfte war zäh anzusehen, der TVH zog sich zurück und überließ RWE weitestgehend Ball und Spielkontrolle, konnte aber kein einziges Mal einen gefährlichen Konter ansetzen, da die Verteidigung mit Zeiger, Becker, Heber und dem immer wieder rückwärts arbeitenden Scepanik hervorragende Arbeit leistete. Da der Gast sich aber immer wieder mit dem kompletten Team am eigenen Strafraum versammelte, ergaben sich leider für RWE kaum Chancen, selbst offensive Aktionen anzusetzen. Trotzdem ergaben sich für Wegner gleich drei Kopfballchancen, bei denen er den Ball jedoch jeweils am langen Pfosten vorbeisetzte. Die beste Chance hatte in Halbzeit eins Florian Bichler, dessen Kopfball in letzter Sekunde noch zur Ecke abgefälscht wurde. Das Team wurde jedoch mit einem relativ heftigen Pfeifkonzert in die Pause verabschiedet.

Nach dem Wechsel ein ähnliches Bild: RWE hatte Ball und Spiel im Griff, der Unterschied jedoch war, dass man nun versuchte, mehr Körperlichkeit ins Spiel zu bringen und den Gegner bei dessen Ballbesitz unter Druck zu setzen, was mehr und mehr gelang. Nach etwas mehr als einer Stunde wurde das größere Engagement dann endlich belohnt: Scepanik flankt von außen, Wirtz haut sich in bester Stürmer-Manier per Flugkopfball hinein und vollstreckt ins lange Eck.

Nun hätte man erwarten sollen, dass Herkenrath, um noch etwas von der Hafenstraße mitzunehmen, endlich etwas offensiver agiert. Doch Offensivaktionen der Gäste blieben quasi aus. Stattdessen gab es gute zehn Minuten vor dem Schluss die Vorentscheidung: Max Wegner erahnt einen zu kurzen Rückpass, läuft alleine auf den Keeper zu und netzt bei seiner Premiere zum insgesamt verdienten 2:0-Endstand.

Spieler des Spiels für mich Scepanik als permanenter Aktivposten, sowie Nico Lucas, der nicht nur ein paar feine Pässe spielte, sondern auch permanent im Mittelfeld seine Mitspieler koordinierte und ihnen auch mal deutlich machte, was er von einigen misslungenen Aktionen hielt.

Ein Traum natürlich, dass Wegner direkt im ersten Spiel trifft, das wird ihm hoffentlich gut tun. Wegner ist, soviel sei gesagt, eine Art „Platzeck als Kante“, bisschen breiter und vom Eindruck her auch größer, kann körperlich in so mancher Situation sicherlich eher mal dagegen halten. Auffällig auch, dass er sich immer wieder hinter das Sturmzentrum fallen ließ, um sich dort Bälle abzuholen und diese weiterzuverteilen. Er könnte ein wichtiger Spieler werden.

Zudem wurde heute die angekündigte Nostalgie-Anzeigetafel eingeweiht, die mir ehrlich gesagt ziemlich gut gefällt.

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Am Ende bleibt also ein verdienter Sieg in einem nicht guten Spiel, der unseren geschundenen rot-weissen Seelen aber sicher gut tun wird. Bereits kommenden Freitag geht es für RWE nach Bonn, dort gilt es, zu einer neuen Serie anzusetzen.

Ausgeprögert

Ich weiß es noch ganz genau: Es war der 30.07.2017 (okay, DAS habe ich nachgeguckt), die Sonne brannte, in der benachbarten Westfalenhalle fand der Bundeskongress der Zeugen Jehovas statt. Im Stadion Rote Erde in Dortmund jedoch sollte ein Spieler sich mit seinem ersten Pflichtspiel tief in die Herzen vieler RWE-Fans spielen: Kai Pröger.

Dies soll kein Nachruf werden, schließlich ist niemand gestorben. Und doch, weil Pröger für mich und viele andere bis zu seinem Abgang heute ein besonderer RWE-Kicker war, möchte ich ihm diesen Beitrag widmen.

In der Sommerpause vom BFC Dynamo nach Essen gewechselt erfreute der Blondschopf auf der rechten Außenbahn die Anhänger mit seinen Tempoläufen, seinen Zwei- (bzw. oft Drei-/Vier-)kämpfen und sorgte dafür, dass man in Essen wieder Grund zu lächeln nach der mauen Vorsaison hatte.

Kai Pröger verkörperte in den meisten seiner Auftritte das, was an der Hafenstraße gefordert wird. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Immer ein bisschen mit dem Kopf durch die Wand, respektlos (im Sinne von „keine Angst“) den Verteidigern gegenüber. Emotional bei Treffern (Stichwort Handstandüberschlag) und geradezu sinnbildlich für de aktuelle Saison, war es doch seine rote Karte nach einem dummen Einsteigen gegen den SV Lippstadt, das quasi den Beginn des rot-weissen Abwärtstrends darstellen sollte.

Trotzdem: War Pröger auf dem Platz, setzte er zu seinen Sprints an, so hatte man meist das Gefühl: Da geht was. Gerade das machte ihn schnell zum Publikumsliebling.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten: Zwar konnte er (wenn dieses Internetz mich nicht anschwindelt) in 60 Pflichtspielen 18 Treffer erzielen, doch viel zu oft rannte er sich in aussichtslosen Situationen fest. Zudem habe ich manchmal den Blick für den deutlich besseren Mitspieler vermisst, was sich auch in lediglich acht Torvorlagen widerspiegelt.

Nun soll es also der SC Paderborn sein. Jener Club, für den schon RWE-Legende Erwin Koen auflief. Der Verein, der „damals“ mit Brandy, Guie-Mien und Güvenisik vor unserem letzten Spiel (Stichwort Lübeck…) unsere komplette Offensive bereits unter Vertrag genommen hatte, so dass diese sich in Befürchtung eines Fortbestehens ihrer Verträge nicht mehr berufen fühlte, aufs Tor zu schießen. Musste es ausgerechnet Paderborn sein, „Prögi“? Ausgerechnet Paderborn?

Einschub: A propos „Prögi“: Ich finde diese Verniedlichungen ätzend. „Prögi“? Euer Ernst? Davor soll ein Gegner Angst haben? Warum nicht gleich „Pupsimaus“? Das klingt ja fast so gefährlich wie „Wuppi“!

Wie dem auch sei: Über die Transfermodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart. Das lokale Sport-Fachmagazin kolportiert eine Summe von 25.000 Euro, die ich unter Berücksichtigung der restlichen Vertragslaufzeit für okay halte. Nicht sehr viel, aber sicher auch nicht zu wenig. Und hey, let’s face it: Im Sommer wäre er komplett für lau weg gewesen. Also: Kohle einpacken, danke schön.

Grund zu trauern gibt es indes nicht: Prögers Position dürfte Jonas Erwig-Drüppel sein, der aufgrund der prekären Finanzlage den Wuppertaler SV ablösefrei verlassen durfte. Der Mann, der beim 0:3 am Zoo ein Tor vorbereitete und einen weiteren Treffer selbst erzielte. Ich habe ihn aus der Partie als eine Art „Aggressive Leader“ in Erinnerung, etwas, das wir gut gebrauchen können. Ich sehe ihn – auch aufgrund seiner Erfahrungen im Kader des damaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig (inkl. sechs Einsätzen) – daher um mehr als nur eine Nasenlänge vorne.

Doch zurück zum Star dieses Beitrags:

Lieber Kai, ich wünsche dir viel Erfolg in der zweiten Liga, vor allem Gesundheit. Nimm zwischendurch mal den Kopf hoch und guck nach links, dann kannst du ein ganz Großer werden. Im Zweifel kann ich dir den Kontakt zu Erwin herstellen – der weiß wie das geht!