Schwarzer Freitag

Jetzt ist es also geschehen: RWE hat zum ersten Mal seit über einem Jahr und damit auch erstmals in dieser Saison ein Spiel verloren.

0:3, das klingt erst einmal heftig. So schlimm war es jedoch über weite Strecken nicht. Nach kurzer Phase des gegenseitigen Abtastens übernahm unsere Elf nach und nach die Kontrolle über die Partie und hatte nach einer guten Viertelstunde auch die erste Torchance, als Young auf Kehl-Gomez zurücklegt, dieser aber aus gut 11m deutlich übers Tor schießt.

Wenig später kann Engelmann einen Kopfball per Bogenlampe Richtung Tor befördern, der Fortunen-Keeper ist gerade noch mit den Fingerspitzen am Ball und klärt zur Ecke.

Auf der anderen Seite kann die Fortuna die erste Chance nutzen, als auf der rechten Abwehrseite (auf der Behounek insgesamt einen soliden Job leistete) ein Konter ins Rollen kommt und Hahn gegen den einlaufenden Stürmer nicht dessen Kopfball verhindern kann – das 0:1 aus rot-weisser Sicht.

Dennoch war es RWE, das mehr vom Spiel hatte. Fünf Minuten vor dem Wechsel zappelte der Ball endlich im Netz, nachdem Kehl-Gomez einen feinen Pass auf Young gespielt hatte – dabei aber im Abseits stand, weshalb der Treffer nicht gegeben wurde. Hier bin ich auf die bewegten Bilder gespannt, zumindest live kann ich diese Entscheidung nicht bejahen.

Wenige Augenblicke später spielt sich Harenbrock in den Sechzehner, in letzter Sekunde kann ein Fortune verhindern, dass Dorow den Ball in die Maschen drückt. Dorow war es dann auch, der eine Minute später nach schönem Pass vom Grote am Keeper scheiterte.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Bemühte Essener, verteidigende Düsseldorfer. Bei einem der ersten Vorstöße wird Grote für meine Begriffe klar gehalten, verliert dabei den Ball – Lobinger sagt mit dem 0:2 „Danke“.

Neidhart brachte Platzek und Herzenbruch für Behounek und Dorow, Lewerenz wenig später für Grund. Herzenbruch war es dann, dem der Fehler zur endgültigen Entscheidung unterlief: nachdem er bei einem Freistoß als letzter Mann abgesichert hatte, machte er den Schritt auf einen langen Ball hin zu spät und musste in der Folge mit ansehen, wie zwei Fortunen auf den Weg zu Davari frei durch waren und zum 0:3 abschlossen.

Damit war das Spiel entschieden, auch wenn RWE noch einmal die Offensive suchte, aber im Abschluss einfach nicht den gewünschten Erfolg erreichen konnte. Alles in allem eine äußerst unglückliche Niederlage, denn hier hat meiner Meinung nach nicht das bessere Team gewonnen.

Dennoch: vielleicht kam dieser Dämpfer zur rechten Zeit. Zwar hätte man nutzen können, dass der BVB spielfrei hat, doch trifft man in anderthalb Wochen ja ohnehin aufeinander. Davor warten noch der (egale) Pokalkracher und das Duell gegen die andere Fortuna auf unsere Jungs, die schnell wieder in die Spur kommen müssen.

Die Ausfälle von Plechaty, Condé und Kefkir konnten alles in allem solide abgefangen werden. Der zweite Anzug sitzt. Zwar muss man hier und da nochmal ansetzen, aber da stand trotz des Ergebnisses eine starke Elf auf dem Platz und auch die Wechsel waren keine Schwächung. Klar, man kann über die Startelf diskutieren (zB warum Lewerenz nicht von Beginn an ran durfte), aber der Trainer sieht die Jungs nun einmal täglich und sollte demnach eine breitere Entscheidungsbasis haben.

Ich bin mir sicher, dass sich die Mannschaft nicht umwerfen lässt. Eine Saison ohne Niederlagen kann eh niemand (ernsthaft) erwartet haben, und auch Dortmund wird noch Punkte liegen lassen.

Die Fehler müssen und werden angesprochen, die Schlüsse daraus gezogen. Da habe ich vollstes Vertrauen ins Trainerteam. Lasst uns dabei unterstützen, indem wir jetzt nicht auf die Mannschaft einprügeln und alles kaputtreden, sondern ihr den Rücken stärken.

Arbeitssieg

RWE besiegt den Bonner SC zu Hause mit 2:0 und wird damit ein komplettes Jahr lang (!) ungeschlagen bleiben. Dabei konnte das Tabellenschlusslicht das Spiel länger offen gestalten, als uns Essenern lieb sein konnte.

Dass die Gäste nicht als Punktelieferant an die Hafenstraße gekommen waren, zeigten sie von Beginn an durch ihr intensives, aggressives Pressing, dass den rot-weissen Spielaufbau weitestgehend auf lange Bälle limitierte. Wenn es um Passkombinationen ging, zeigte RWE ungewohnte Nervosität. Dennoch war es Kefkir, der in den ersten 15 Minuten gleich zweifach die Chance auf die Führung auf dem Schlappen hatte. Zunächst ging der Ball aber deutlich am Kasten vorbei, dann konnte der Bonner Keeper den Ball aufnehmen. In der dritten Situation hätte Engelmann beinahe abstauben können, setzte seinen Schuss jedoch etwas zu hoch an und traf nur Aluminium. Quasi im Gegenzug kam Bonn durch Schumacher zur ersten Chance, stellte Davari aber vor keine nennenswerten Probleme.

Nach gut 20 Minuten bekam RWE einen Freistoß in zentraler Position, ca. 20m vor dem Tor zugesprochen. Der Schuss von Kehl-Gomez fand in der Bonner Mauer eine Hand, sodass der Unparteiische auf Strafstoß für RWE entschied. Simon Engelmann wollte seinen Fehlschuss aus Wiedenbrück ausmerzen und nahm sich ohne zu zögern den Ball. Im Gegensatz zur Vorwoche vollendete der beste Torjäger der Liga zur 1:0-Führung.

Die Bonner, die nicht wie ein Abstiegskandidat auftraten, ließen sich jedoch nicht von ihrer Linie abbringen und störten weiterhin den Aufbau, sodass es bis auf einen Distanzschuss von Grote kurz vor dem Wechsel keine nennenswerten Szenen auf Essener Seite gab.

Fünf Minuten nach Wiederanpfiff war es Young, dessen Schuss aus bester Position im Sechzehner an Hupe scheiterte, wenig später hatte Plechaty die Riesenchance, den Sack vorzeitig zuzumachen, hatte aber gegen den prächtig parierenden Hupe gleich zweifach das Nachsehen. Fünf Minuten später war es Engelmann, der bei einem Konter aus spitzem Winkel zu genau zielte und den Ball an den langen Pfosten setzte. Eine Viertelstunde vor Schluss war es dann aber doch soweit. Von Grote angespielt stochert Harenbrock den Ball in den Sechzehner, Engelmann nimmt dem eingewechselten Endres den Ball vom Schläger und lässt damit den Keeper ins leere laufen. So kann er dann unbedrängt ins leere Tor zum 2:0-Endstand einschieben.

Damit war natürlich die Messe gelesen, Davaris Kasten wurde nur noch ein einziges Mal in Gefahr gebracht, mit einem tollen Reflex konnte der Schlussmann den Anschluss jedoch verhindern.

Insgesamt geht der Sieg in Ordnung, auch wenn die Bonner einen soliden Kampf geliefert haben. Ich verfolge die BSC-Spiele nicht regelmäßig, daher verwundert es mich doch sehr, dass die so weit unten stehen. Das Spiel heute war geprägt von vielen kleinen Fouls, sieben oder acht gelbe Karten – ich weiß nicht mehr genau – sprechen eine recht deutliche Sprache. Wichtig ist jedoch, dass unter dem Strich drei Punkte verbucht werden können und das keiner der Akteure verletzt wurde. Besonders Grote, der heute wieder zentraler agierte, wurde immer wieder hart angegangen.

Mich stört heute einzig die erneut mangelhafte Chancenverwertung, die man dieses Mal nicht dem gegnerischen Keeper ankreiden kann, Wiedenbrück lässt grüßen. Neidhart hat Recht, wenn er sagt, dass diese Situationen überlegter, gieriger ausgespielt werden müssen. Im nächsten Spiel, dem Pokalkracher gegen den Bundesligisten Bayer Leverkusen, ist es vielleicht „nur“ ärgerlich, wenn man aus besten Chancen keinen Treffer macht. Wenige Tage darauf kommt es jedoch zum Spitzenspieler gegen die U23 des BVB. Wenn diese sich bis dahin gegen Gladbach und Lotte keine Blöße gibt, wird RWE (dann mit einem Spiel weniger wegen spielfrei) mit zwei Punkten Rückstand in die Partie gehen, daher ist ein Sieg in diesem „Sechs-Punkte-Spiel“ ultra-wichtig für die Mission „Aufstieg“, denn ich möchte nicht auf Schützenhilfe hoffen müssen. Das Rüstzeug dazu hat die Mannschaft, unsere Defensive kann sicherlich auch einen Tigges in den Griff kriegen. Es wäre jedoch fahrlässig, sich darauf zu verlassen, dass Engelmann „regelt“ , hier sind meiner Meinung nach insbesondere auch die Außenspieler gefragt, mehr Torgefahr zu entwickeln.

Ich möchte aber betonen: Ich bin weit davon entfernt, Mannschaft und Trainerstab diese Fahrlässigkeit zu unterstellen. Beide wissen mit dieser Situation sicher umzugehen und werden die richtige Einstellung für beide Partien auf den Platz bringen. Eine (zu erwartende) Niederlage gegen die übermächtig erscheinenden Leverkusener wird uns nicht zurückwerfen, da alles andere eine große Sensation wäre. Selbst eine Niederlage gegen die Borussen würde nicht alle Chancen auf das große Ziel zerstören, noch ist die Saison lang, wir haben einen extrem breiten Kader und die Dortmunder mussten schon einmal mit ansehen, wie sie auf einen Ausfall von wichtigen Spielern nicht adäquat reagieren konnten. Und auch der BVB muss ja nochmal gegen Bonn ran.

Die letzte Pflichtspielniederlage hat RWE am 01.02.2020 erlitten, als der SV Rödinghausen nonchalant die Punkte von der Hafenstraße entführte. Da der Pokalkracher am 02.02.2021 stattfindet, werden wir also gerade Zeuge, wie unser Herzensverein ein komplettes Jahr unbesiegt übersteht. Von mir aus kann es gerne noch lange, lange so weitergehen.

Ob das Spiel gegen die Borussen wie geplant am 06.02. stattfinden kann, steht für mich noch nicht fest. Am 31.01. spielt die SGS an der Hafenstraße, am 02.02. ist Pokal, der Rasen sah heute schon sehr mitgenommen aus – ob das reicht, den Platz bespielbar zu halten?

Weiter! ImmeRWEiter!

Es war eine sehr kurze Winterpause, die mit dem heutigen Testspiel beim 1. FC Köln II beendet wurde. Nach dem Pokalspiel hatten unsere Jungs gerade einmal zwei Wochen Zeit, um ein Wenig zur Ruhe zu kommen. Nachdem die Hinrunde mit etwas Verzögerung gestartet wurde, ist es tatsächlich gelungen, bis auf eine Handvoll Partien jeden Spieltag auszutragen. Dass RWE dabei nicht nur mitgespielt, sondern richtig abgeliefert hat, muss ich hier auf diesem Blog wohl niemandem mehr erzählen.

Heute also Test beim Effzeh, Nach 4x 30 Minuten stand am Ende ein 4:1 für unser Team zu Buche, Hahn, Endres, Futkeu und Platzek besorgen die Treffer gegen den Ligarivalen. Daher auch ein klares Signal an die Konkurrenz – der Sieg wurde nicht etwa gegen einen unterklassigen Gegner erspielt, sondern immerhin gegen ein Team aus dem oberen Ligamittelfeld.

Damit startet also die Mission „Tabellenführung ins Ziel bringen“! Es wird sicher ein ganz heißer Tanz. Denn sind wir mal ehrlich: Auch ohne den Nimbus der Unbesiegbarkeit gibt jede Mannschaft gegen RWE 100+x %, so kommen sicher nochmal ein bis zwei Schippen oben drauf. Jeder will der Erste sein, wenn es darum geht, Rot-Weiss eine Niederlage zuzufügen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe trotzdem nicht den geringsten Grund, an einer erfolgreichen Fortsetzung der Saison zu zweifeln. Wir werden die Scharte aus dem Hinspiel gegen Wiedenbrück auswetzen. Und warum? Weil unsere Mannschaft mit den Aufgaben gewachsen ist, weil sie gelernt hat, dass es keinen Anlass gibt, nicht an die eigene Defensivstärke zu glauben und vor allem, weil Christian Neidhart seine Startelf gefunden hat. Ich bin sicher, dass die Mannschaft auch in Ostwestfalen ihre PS auf die Piste bringen wird.

Natürlich ist es höchst unwahrscheinlich, dass RWE vollkommen ohne Niederlage durch die Saison gehen wird. Selbst mit einer eventuellen Niederlage gegen den aktuell einzigen ernstzunehmenden Verfolger (im Sinne von „nicht schon deutlich abgeschlagen“, JEDER Gegner muss ernstgenommen werden!) wird RWE das Maß aller Dinge bleiben. Die Borussia hat in den letzten Partien der Hinrunde gezeigt, dass sie nicht etwa wie von einigen vermutet unfehlbar ist, besonders der Abgang von Tigges in den eigenen Bundesligakader dürfte doch deutlich schmerzen.

Ich persönlich freue mich jedenfalls, am Samstag wieder vor dem Stream zu sitzen und unseren Jungs zuzusehen.

NUR DER RWE!