Ohne Profis habt ihr keine Chance

Normalerweise versuche ich, kurz nach dem Spiel meine Gedanken hier zusammenzuschreiben. Gestern war es allerdings mal wieder soweit, dass ich das gerade Gesehene erst einmal sacken lassen musste. Was war passiert?

Nicht nur, dass RWE mit 0:5 eine derbe Packung bekommen hat. Nein, unsere Dortmunder „Freunde“ fühlten sich genötigt, den Regionalliga-Kader um schlappe 18 Millionen Euro aufzuwerten. Mit Kagawa und Isak (der zugegebenermaßen regelmäßig in der II. spielen „darf“) standen aktuelle Nationalspieler ihrer Länder auf dem Platz (und wir reden nicht von Nationen wie Malta oder Andorra), mit Rode ein weiterer millionenschwerer Rekonvaleszent. Und was mich so wütend macht: Die beiden Erstgenannten waren es, die das Spiel quasi im Alleingang entschieden.

Klar, beim 0:1 stand Isak viel zu frei. Klar, beim 0:2 konnte Kagawa sich sekundenlang frei im Mittelfeld bewegen und ohnehin war RWE im ganzen Spiel körperlich nicht sonderlich präsent. Trotzdem handelt es sich bei den Profis um hochgezüchtete Sportmaschinen, die mit Methoden und finanziellen Optionen aufgebaut und trainiert werden, die einem Verein wie Rot-Weiss Essen oder den anderen „normalen“ Clubs der Liga gar nicht zur Verfügung stünden. Das 0:3 fiel noch vor der Pause über ebenjene Achse. Das Bittere daran: RWE war nicht in dieser Höhe schlechter. Immer wieder tauchte RWE gefährlich vor dem Dortmunder Kasten auf, traf Pfosten, schoss Zentimeter daneben und hatte Pech, als ein BVB-Befreiungsschlag vom eigenen Mann geblockt zur Bogenlampe wurde, jedoch nur die Latte traf. Einige Chancen konnte Oelschlägel (3. Keeper der 1. Mannschaft…) auch im letzten Moment parieren. Wer weiß, was ein 1:3 bewirkt hätte.

Es kam jedoch nach der Pause noch schlimmer. Nach nicht geahndeter Abseitsposition (kann man nicht sehen, wenn man als Linienrichter der „Musik“ 10m hinterherläuft) schoss ein Dortmunder aus gut 20m, der Ball sprang auf, versprang, Raeder flog vorbei – 0:4. Nur zwei Umdrehungen der Uhr später das 0:5 (wieder Vorbereiter Kagawa) – Drops endgültig gelutscht. Trotzdem besaß RWE eine ordentliche Portion vom Spiel – traf jedoch einfach den Kasten nicht. Aus bester Position scheiterte erst Scepanik von Pröger in Szene gesetzt, wenig später Baier (gerade noch pariert, Nachschuss-Lupfer auf der Linie geklärt) und kurz vor Schluss nochmal Zeiger völlig blank mit einem zu schwachen Kopfball. Die meisten unter den anwesenden Zuschauern wussten dies durchaus zu honorieren, es hallte „wir halten zusammen RWE“ und ähnliches nach der Partie durch Stadion. Einige wenige verbale Ausfälle auf der Tribüne gab es dennoch, waren aber im Großen und Ganzen deplatziert.

Natürlich kann man nur spekulieren, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn die hochbezahlten Herren nicht mitgespielt hätten. Ich wage aber zu bezweifeln, dass RWE mit dem „Ersatz“ für Kagawa ähnliche Probleme gehabt hätte, denn der Japaner gehört trotz fortgeschrittenem Alter zu den besten Technikern, die der BVB in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Auch wenn einige das nicht lesen mögen – ein Zugriff auf den wendigen Japaner war einfach nicht möglich, da er nur in wenigen Fällen mal den Ball überhaupt geführt hat. Vieles lief einfach über den direkten Pass. Besondere Brisanz bekommt die Gesamtsituation, wenn man bedenkt, dass das Spiel nur verlegt wurde, weil die Dortmunder zum eigentlichen Termin Anfang Oktober Spieler abstellen mussten. Es wäre natürlich unfair gewesen, wenn der BVB dann geschwächt hätte antreten müssen!

In meinen Augen ist der DFB hier mehr als gefordert. Schön und gut, dass man Spielern „von oben“ die Möglichkeit bieten möchte, nach Verletzungen wieder ins Spiel zu finden. Dies darf aber nicht zulasten von Vereinen gehen, die Woche für Woche um ihre sportliche oder gar wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen. Zweitvertretungen von Profimannschaften gehören nicht in den normalen Spielbetrieb oder müssen außer Konkurrenz antreten! Auch wenn das Regelwerk den gestrigen Einsatz zugelassen hat, tritt diese Möglichkeit die sportliche Fairness mit Füßen, denn wir reden hier vom Amateurbereich.

Der Gedanke liegt nahe, dass diese Aufstellung nur zustande kam, weil der BVB befürchtete, den Anschluss an die Viktoria nach zuletzt ziemlich mauer Serie zu verlieren. Wenn es noch so etwas wie eine Fanfreundschaft mit dem BVB gab, gestern Abend hat dieses Tischtuch einen ziemlichen Riss bekommen.

Der Vergleich zu unserer ehemaligen Zwoten hinkt derweil: Auch wenn RWE unter Profibedingungen (die – nochmal – mit denen des BVB nicht vergleichbar sind) trainiert, war die Schere in diesem Bereich nicht annähernd so hoch. Gleiches gilt, wenn RuWa Dellwig I Spieler an RuWa Dellwig II ausleiht.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang den sehr guten Bericht von turus.net.

Kleines Fazit zum Spiel: Man kann gegen den BVB II durchaus verlieren. Man kann vielleicht auch bemängeln, dass besagte Spieler nicht genügend angegangen wurden. Allerdings ist wegen ebenjener Spieler das Ergebnis mindestens drei Tore zu hoch ausgefallen. Was bleibt ist ein ziemlich mieser Beigeschmack angesichts der immensen Wettbewerbsverzerrung, denn es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, dass die „Gäste“ auch in den Partien gegen die restlichen Vereine zum Einsatz kommen.

Derbytime an der Hafenstraße

Erneut muss sich RWE mit einem Unentschieden zufrieden geben, erneut war man nicht das schlechtere Team. Doch der Reihe nach.

Im Vorfeld der Partie schickte RWO markige Worte an die Hafenstraße, ein Sieg sei Pflicht, man wolle die Partie zu einem Heimspiel machen etc. Diesen Worten wollte man nun Taten folgen lassen, und so bot sich gleich von Beginn an eine Partie mit offenem Visier ohne viel Geplänkel im Mittelfeld. Mit der ersten (und wie sich herausstellen sollte einzigen) echten Torchance für Oberhausen klingelte es dann auch gleich: Heber ließ nach zehn Minuten seinen Gegenspieler laufen, bemerkte seinen Fehler zu spät und musste mit ansehen, wie der Ball durch die Beine von Raeder den Weg ins Tor fand.

Der erneute Rückstand erschwerte den echten Rot-Weissen das Spiel, da die Gäste nun das taten, was die meisten Mannschaften an der Hafenstraße tun: zurückziehen, einigeln, Räume dicht machen. RWE fand keinen Weg durch das Bollwerk. RWO versuchte zu kontern, wobei heute Becker zunächst zwei, drei Mal unglücklich aussah. Erst kurz vor dem Wechsel gab es eine nennenswerte Chance für RWE, als Zeiger einen Vorstoß wagte und die spätere Flanke nochmal ablegte, in der Mitte aber zwei Essener den Ball knapp verpassten. Doch diese Szene war so etwas wie der Wendepunkt des Spiels, denn wenig später war es Becker, der mal nach vorne zog, den Ball nach außen auf Bichler spielte. Dessen Schuss aus spitzem Winkel konnte der Oberhauser Keeper jedoch parieren. Der Befreiungsschlag landete bei Scepanik, der flach aus gut 18m abzog – Ausgleich!

Zur Pause kam Marcel Platzek für Nico Lucas ins Team. Und er sollte gleich zeigen, wie wichtig er für das Spiel von RWE derzeit ist. Immer wieder war er anspielbar, legte Bälle schnell nach außen ab oder sorgte für Unruhe im Sturmzentrum. Da RWO sich nun auch nicht mehr zurückziehen konnte, wurde das Spiel auch nun wieder etwas offener, die RWE-Defensive stand aber äußerst sicher. In der Offensive konnte sich Heber immer wieder mit einschalten, sodass Pröger und Bichler immer wieder zu Flanken kamen, die aber in gleich mehreren Situationen entweder geklärt wurden oder ohne Druck aufs Tor weitergeleitet wurden. Von Oberhausen war nach der Pause eigentlich nichts mehr zu sehen. Nach ca. 70 Minuten lief ein Spieler der Gäste auf das Essener Tor zu, Philipp Zeiger klärte in letzter Not unter Einsatz seines Körpers – RWO forderte Elfmeter. Im direkten Gegenangriff hatte der gerade eben gelbverwarnte Abwehrriese der Oberhausener seinen Ellenbogen in Platzeks Gesicht – es gab Freistoß für RWE. Der Schiedsrichter zückte außerdem die gelbe Karte erneut und rot gleich hinterher, zu unserer Verwunderung aber nicht für den „Übeltäter“, sondern für Tim Hermes, der sich wohl dazu hatte hinreißen lassen, den Ball wegzuschießen.

Den folgenden Freistoß köpfte Platzek knapp über das Tor – es hätte die verdiente Belohnung für eine engagierte Teamleistung in der zweiten Halbzeit werden können. So blieb es jedoch beim Unentschieden, das keinem der Teams weiterhilft. RWE bleibt im oberen Mittelfeld „hinter der Musik“, RWO konnte die Verfolgung der Kölner Viktoria nicht fortsetzen – es scheint, als sei die Meisterschaft und das Aufstiegsrennen an dieser Stelle bereits vorentschieden.

Besonders bitter ist der Nachgeschmack, dass sich Bichler bei einer Szene im Strafraum wohl am Sprunggelenk verletzt hat (wobei kein Foul zu erkennen war) und Baier vom Schiedsrichter mit Gelb bedacht wurde, als er beim Erlaufen eines langen Balles seinen Körper einsetzte und der Gegenspieler geradezu daran abprallte. An dieser Stelle gute Besserung an „Bichi“!

Brauer wird in meinen Augen immer mehr zu einem unverzichtbaren Bestandteil im Essener Spiel. Was der heute an Metern abgerissen hat, wie er seine Mitspieler motiviert hat – das hatte echte Leaderqualität. Zeiger noch positiv zu erwähnen wird ihm fast kaum noch gerecht. Er war in der Anfangsphase derjenige, der in den entscheidenden Momenten noch die Übersicht behalten hat und Becker die Nervosität nahm (der von Minute zu Minute abgebrühter wurde).

Der Oberhausener Trainer merkte in der anschließenden PK noch an, „wenn der Schiedsrichter mehr Fingerspitzengefühl zeigt, gibt er uns einen Elfmeter“. Ich lasse die Aussage unabhängig vom Betrachtungswinkel mal so stehen und unkommentiert. Ich fand sie jedoch erwähnenswert. (Interessant, dass beide Trainer einig waren, dass sie Hermes auf dem Platz gelassen hätten. Hier bin ich noch immer gebrandmarkt vom Platzverweis von Tim Erfen in Braunschweig vor Jahren aus demselben Grund – aus einem 1:0 wurde danach noch ein 1:2.)

Zum Oberhausener „Heimspiel“: Ich gebe zu, die erste halbe Stunde ging wohl an RWO. Hier hat die „West“ mit einem eher mauen Singsang eine Chance vergeben, zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Mit zunehmendem Druck verstummte aber auch die Gäste – pardon! – „Heim“kurve, bis auf ein, zwei „nur der RWO“s war nicht mehr viel von gegenüber zu vernehmen.

RWE hat nun gleich zwei Auswärtsspiele vor der Brust. Am Wochenende geht es nach Wiedenbrück, den folgenden Dienstag in die Rote Erde nach Dortmund, bevor sich zum Abschluss der Hinrunde die zweite Mannschaft der Düsseldorfer Fortuna an der Hafenstraße vorstellt.

The Winner Takes It All

Ich bin bedient. Und das sage ich als professioneller Optimist.

RWE hat heute nicht nur gegen die Kölner Viktoria verloren, nein, die Saison an im Hinblick auf einen eventuellen Aufstiegsanspruch wohl wieder einmal frühzeitig ad Acta gelegt werden.

Kämpferisch gab es erneut nicht viel zu meckern. Der Tabellenführer wurde permanent unter Druck gesetzt und zu Fehlern gezwungen, eigene Chancen wurden erarbeitet (und regelmäßig vergeben), es wurde gegrätscht, geackert, malocht, und trotzdem steht RWE erneut mit leeren Händen da, weil bereits in der 3. Minute ein Ball nach einer Freistoßflanke aus dem Mittelfeld im Essener Netz zappelte.

Viktoria hatte ein paar Chancen durch die vielen Eckbälle und war bei Kontern immer wieder gefährlich, RWE kontrollierte das Spiel in weiten Teilen. Kurz nach der Pause wurde dann der vermeintliche Ausgleich bejubelt, es soll jedoch Abseits gewesen sein – aus unserer Perspektive nicht aufzulösen.

Es lag auch sicher diesmal nicht am Schiri, der sich des Kölner Schmierentheaters, bei der kleinsten Berührung umzufallen, nicht weiter annahm. Es lag erst recht nicht an den Baiers, Lucas‘ oder Prögers dieses Team (letzterer deutlich belebend in der Offensive), wer gewinnen will, muss das Tor treffen. Noch vor ein paar Wochen wäre der Schuss kurz vor Spielende nicht auf der Linie geklärt worden, es wäre vermutlich eine der vier oder fünf Riesenchancen kurz nach Wiederanpfiff reingegangen. Nicht so heute. Haste Scheiße am Fuß…

Das einzig Positive des Tages waren die „Wir halten zusammen“-Gesänge, als sich die Mannschaft nach der Partie der Westkurve stellte. Ansonsten bleibt ein schaler Geschmack im Mund, das Gefühl, wieder einmal das bessere Team gewesen zu sein, sich davon aber nichts kaufen zu können. Viktoria lacht sich wahrscheinlich immer noch schlapp über die zeitgleiche Niederlage der Dortmunder in Lippstadt.

Für meinen Teil meide ich die Netzwerke in den kommenden Tagen, weil ich keine Lust habe auf diejenigen, die es eh schon alles immer besser wussten oder gemacht hätten. Würde mich nicht wundern, wenn auch der Kopf von Neitzel oder (Jürgen) Lucas von einigen Unverbesserlichen gefordert würde.

Das Aufstiegsrennen wird in dieser Saison über die Viktoria führen – nicht über RWE. Alles andere wäre mehr als nur ein Fußballwunder.

The Winner Takes It All.

Voll verstraelt

War das nun ein Punktgewinn oder ein Punktverlust, was wir da heute im Spiel gegen den SV Straelen erlebt haben? Ich vermag es nicht wirklich zu entscheiden.

Der Aufsteiger rührte von Beginn an jede Menge Zement an. Mit zwei engen Abwehrketten ließ man unserer Mannschaft keinen Platz, die schnellen Spieler gefährlich in Szene zu setzen, während zwei Spieler jeweils Becker und Zeiger anliefen, um die Spieleröffnung von dort zu verhindern. Und so kam es, dass von RWE in der ersten Halbzeit kaum eine Situation sehenswert genug war, um sie an dieser Stelle überhaupt zu schildern. Zu oft blieben Bichler und Scepanik außen an den Verteidigern hängen oder es wurde zu lange mit dem Torabschluss gezögert, so dass der Ball geklärt werden konnte. Die Gäste hingegen kamen gleich mehrfach gefährlich vors Essener Tor. Nach nur acht Minuten fischte Raeder einen fein aufs lange Eck gezirkelten Freistoß aus dem Winkel – ein Freistoß, den der heute (vorsichtig gesagt) nicht immer glücklich aussehende Schiedsrichter gegen Zeiger nach einem eigentlich harmlosen Zweikampf verhängt hat. Einen weiteren Schuss wehrte unser Keeper ebenso sehenswert über die Latte ab. Trotzdem ging es mit einem – für RWE schmeichelhaften – 0:0 in die Pause.

Die zweite Hälfte begann dann (leider) mit einem Paukenschlag: Straelen spielt sich über die linke Abwehrseite bis zur Grundlinie durch, der Pass zurück kann nicht verhindert werden, aus dem vielzitierten Hintergrund fällt der Treffer zum 0:1. Ein Tor, wie wir es gefühlt diese Saison schon zum vierten, fünften Mal gesehen haben. Trotzreaktion auf Essener Seite? Eher Schockstarre. Als nur wenige Momente später Baier einen Ball eher halbherzig zurückspielt, spielt Straelen einen Konter, wie er sonst wohl nur auf der Playstation zu sehen ist: links raus, quer, steil, vor dem Torwart quer und ab in die Maschen – 0:2.

Wie schon gegen Lippstadt nun also ein Zwei-Tore-Rückstand. So enttäuschend der Spielverlauf bis zu diesem Moment war, umso beeindruckender der Wille, die Moral, sich in dieses Spiel nochmal zurückzukämpfen. Während Straelen nun jede Sekunde nutzte, um auf Zeit zu spielen (Liegenbleiben nach Allerweltsfouls, Abstöße, die dreißig Sekunden und länger dauerten…), kam RWE endlich zu eigenen Aktionen. Besonders über den nach der Pause bärenstarken Alaba Heber wurde der Druck nach vorne stärker, und als Neitzel Urban für den heute enttäuschenden Lucas brachte, konnte Grund ins Mittelfeld rotieren und von dort ebenfalls dafür sorgen, dass der Ball besser als zuvor verteilt wurde. Trotzdem hatte der Aufsteiger die endgültige Entscheidung auf dem Fuß, doch Raeder klärte mit einer Fußabwehr vor dem RWE-Ex Björn Kluft.

Es sollte bis eine Viertelstunde vor Schluss dauern, bis RWE zum Anschlusstreffer kam. Irgendwie bezeichnend für den Spielverlauf, dass der Treffer durch einen Standard fiel: Flanke Baier, Urban am langen Pfosten völlig blank köpft ein. Nur eine einzige Minute später gab es quasi dieselbe Szene erneut: Flanke Baier, erneut Urban, doch diesmal war der Gästekeeper zur Stelle und konnte zur Ecke klären. Noch während ich meinen Freunden im WhatsApp-Ticker dies schrieb, flog der Eckball auf den langen Pfosten und Becker traf zum Ausgleich – Wahnsinn!

Ab diesem Moment waren es quasi nur noch die Hausherren, die das Spiel beherrschten. Zwar kamen auch die Gäste angesichts der aufgerückten Essener Defensive noch zu Kontern, den Siegtreffer hatte jedoch Baier auf dem Fuß, als er nach einem schönen Steilpass am Torwart scheiterte.

Die Punkteteilung geht wohl nach dem Spielverlauf in Ordnung. Ärgerlich jedoch, dass zum zweiten Mal in Folge kein Sieg gegen einen Aufsteiger gelungen ist. Gerade mit dem erhofften Ziel „Aufstieg“ im Hinterkopf ist dies eigentlich eine Pflichtaufgabe. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Straelen sicher noch immer von der Aufstiegseuphorie zehrt, zumal man in der Tabelle relativ sicher platziert ist.

Aufgrund der ersten Halbzeit möchte ich mich diesmal nicht auf einen Spieler des Tages festlegen, denn hier wurde auf allen Positionen versäumt, das Spiel auf das Niveau zu bringen, das uns in den vergangenen Wochen so verwöhnt hat. Einen rabenschwarzen Tag hat sicherlich Nico Lucas heute erwischt. Er wirkte mit der harten Gangart und dem hohen Tempo der Konter der Gäste überfordert, ja verweigerte sogar mindestens zwei Zweikämpfe und ermöglichte damit Aktionen des Gegners. Auch er kann es besser, das hat er bewiesen.

Kritisch sehe ich derzeit unsere Defensivleistung. Zwar betont der Trainer, dass die Gefahr fürs eigene Tor der taktischen Grundausrichtung geschuldet ist, doch fallen mir die Gegentore „zu leicht“, was gerade defensive Teams dazu verleitet, sich mit Mann und Maus im eigenen Sechzehner  einzuschließen, um dann überfallartig bei Ballgewinn auszuschwärmen und uns einen Hieb zu versetzen. Ich bin aber guter Dinge, dass unser Trainer das Spiel seiner Neitzelmänner hier noch optimieren kann. Die kommenden Gegner sind zudem nicht dafür bekannt, sich hinten reinzustellen, was unserer Spielweise sicher entgegenkommen dürfte.

Man hat heute leider auch gesehen, warum Neitzel lieber Pröger in die Sturmzentrale stellt als Wirtz. Pröger reißt mit seiner Geschwindigkeit immer wieder Lücken und kann auch mal „in den Lauf“ angespielt werden, Wirtz ist dagegen eher der Spielertyp, dem man den Ball zum Torschuss auflegen muss. Das soll bitte nicht als Kritik an Wirtz selbst verstanden werden – er gehört halt nur zu einer anderen Art Stürmer. A propos Pröger: Wann wird eigentlich der Einspruch behandelt? Übernächste Woche? In meinen Augen auch reine Schikane!

Bleibt die Eingangsfrage zu klären: Klar, auf den ersten Blick ein Punktverlust – gegen einen frech aufspielenden Aufsteiger nach zwei Toren Rückstand aber sicher ein Punktgewinn – und ein weiterer Sieg für die Moral allemal – das bringt aber keine Punkte in der Tabelle. Hier können morgen Lippstadt (!) und Viktoria uns die vorübergehende Tabellenführung wieder abnehmen, zudem hat die zweite vom BVB noch ein Nachholspiel und könnte vorbeiziehen.

Mittwoch geht es für unsere Truppe bereits weiter mit der Partie bei der Zweitvertretung von Borussia Mönchengladbach. Dieses Spiel werde ich übrigens – PREMIERE – als Co-Kommentator bei Radio Hafenstraße kommentieren. Schaltet ein!

Spitzenreiter!

Okay, okay, ich gebe zu: Spitzenreiter, weil unser Vertreter im DFB-Pokal vom Kanal (haha, 0:6… pruuuust) und die Betriebssportgemeinschaft von Häcker-Küchen eine Pause hatten, aber ich will darüber mal großzügig hinwegsehen.

Schon beim Einlauf der Teams gab es die erste Gänsepelle als das OOOOOOOH RWE heute deutlich lauter als viele Male zuvor erklang.

Unser Team, es spielte heute wie ein Spitzenreiter, und vor allem wie eine Heimmannschaft. Von Beginn an zeigte RWE, wer das Sagen hat: Langer Ball in den Kölner Sechzehner, leider war Kevin Grund (heute übrigens wieder hinten links) einen Schritt zu spät dran, um den Ball am herauseilenden Keeper vorbeizuspitzeln.

Und so verliefen die ersten 45 Minuten nach folgendem Schema: RWE hatte gefühlte 90% Ballbesitz, Köln wartete zwischen eigenem Strafraum und Mittellinie auf Konterchancen. RWE versuchte es immer wieder über Scepanik bzw. Bichler, kam aber kaum zu gefährlichen Anschlüssen. So kam es, dass die Kölner zweimal die Möglichkeit hatten, den Spielverlauf per Konter auf den Kopf zu stellen. Beide Male war jedoch Raeder zur Stelle.

Kurz vor dem Seitenwechsel gab es aber die Belohnung für RWE: Steilpass auf Grund, der direkt z Scepanik durchsteckt. Wie bei Bichler gelernt lässt er drei Kölner aussteigen, zieht in den Strafraum und schießt. Zwar kann der Keeper per Fußabwehr klären, ist jedoch machtlos beim Kopfball des herangeeilten Baier! Kollektives Ausrasten auf den Tribünen, RWE ist nach langer, langer Zeit auf Platz eins der Liga!

Köln musste nun natürlich mehr tun, um nicht mit leeren Händen nach Hause zu müssen, RWE schaltete einen halben Gang zurück. Die Abwehr um Zeiger und Becker leistete sich diesmal jedoch keinerlei Blöße, und wenn doch mal ein Angriff durchbrach, war immer jemand da, der den Ball ins Aus drosch. Schön zu beobachten: immer wieder wurde abgeklatscht, einander motiviert. Das sieht sehr nach Team aus.

Und so hatte ich nie das Gefühl, dass dieses Spiel noch aus der Hand gegeben werden könnte – der geneigte Fan kennt das ja durchaus auch anders. Zwanzig Minuten vor Schluss dann nochmal ein Angriff allererster Kajüte: Daniel Heber läuft aus der eigenen Hälfte über rechts, zieht in die Mitte und spielt auf Pröger. Dessen Schuss wird zwar gehalten, prallt aber ganz kurios an den Pfosten, Heber steht richtig und kann abstauben. Sack zu, 2:0. Der Rest ist Jubel und viel Applaus.

Ich suche immer noch nach dem entscheidenden Faktor, der den aktuellen RWE von dem der letzten Saison(s) unterscheidet. Alle Neuzugänge scheinen einzuschlagen (Wirtz noch schwierig zu beurteilen, man hat aber nicht den Eindruck, mit seiner Einwechslung ginge das Niveau in den Keller, Freiberger mal außen vor), Ausfälle (Platzek oder letzte Woche Scepanik) werden erfolgreich kompensiert, das Team tritt wie eines auf und das Publikum steht wie eine Wand hinter der Mannschaft. Ist das alles Zufall?

Heber heute wie schon in den vergangenen Spielen bärenstark (RWO muss ja da echt ne Granate haben, wenn sie den haben gehen lassen…), Baier mit viel Einsatz (und ein, zwei technischen Schwächen), Bichler, Scepanik und Pröger mit einem wahnsinnigen Laufpensum. Eine Szene war geradezu spiegelbildlich für den Einsatz der gesamten Mannschaft: Bichler wird steil geschickt, verliert den Ball kurz vor der Torlinie durch eine Grätsche, springt auf, beschwert sich beim Linienrichter, sprintet hinter dem Kölner her und erkämpft den Ball noch vor der Mittellinie zurück.

Zwar hatten wir heute nur ein paar wenige Chancen, aber diese wurden in ausreichender Anzahl genutzt. Ich will mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber solche Spiele muss man halt auch erst mal gewinnen. Und dann hat man auch zurecht den Anspruch, um den ganz großen Preis mitzuspielen. Die Art und Weise, dieser „Powerfußball“, das war heute schon beeindruckend.

So kann es gerne weitergehen. Ich sehe aktuell keinen Anlass, warum RWE den positiven Lauf nicht noch etwas fortsetzen sollte. Auf viele weitere Gänsepellen!

Oberhausen olé

RWE konnte gestern Abend beim Duell mit dem Nachbarn zu fortgeschrittener Zeit den Führungstreffer der Gastgeber mit einem beinahe identischen Tor ausgleichen und bleibt somit im vierten Spiel in Folge ungeschlagen. Sehr schön. Da ich das Niederrhein-Stadion meide wie die Pest, habe ich vom Stream Gebrauch gemacht und das Spiel dort verfolgt.

Insgesamt geht das Ergebnis aus meiner Sicht in Ordnung. In Halbzeit eins war Oberhausen das, was man wohl „spritziger“ nennt: immer einen Schritt schneller am Ball, präsenter, körperlich leicht überlegen. Je länger das Spiel und vor allem dann die zweite Halbzeit dauerte, umso mehr konnte RWE jedoch ins Spiel zurückfinden und RWO in dessen Hälfte zurückbringen. Nachdem Baier aus kürzester Distanz am Pfosten scheiterte, war der Ausgleich durch RWE-Urgestein Brauer dann irgendwie schon verdient. Und auch wenn ich mich sehr gefreut hätte, wenn Pröger aus 5m freistehend nicht übers sondern ins Tor geköpft hätte – das Unentschieden insgesamt geht schon in Ordnung.

Viel wichtiger jedoch, ob wir nun einen oder drei Punkte vom Kanal entführen (in der Liga ging schon vor dem Spiel nichts mehr…) – in meinen Augen ist der erkämpfte Punkt aus psychologischer Sicht Gold wert. Wir haben gezeigt, dass wir fürs Finale gewappnet sind und uns auch nach einem Rückstand nicht in die Hose machen. Klar, die Kulisse wird am Pfingstmontag nochmal eine ganz andere sein. Ein Großteil der Zuschauer wird unser Team mit Hass und Spott überziehen. Andererseits hört man ja auch immer wieder, dass gerade jene beschimpften Spieler dann eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität entwickeln. Außerdem bin ich mir nicht so sicher, ob die RWO-Spieler nicht selbst am hohen Erwartungsdruck vom Publikum zu Knabbern haben. Fürs Finale sollte aber gelten „Lösungen finden – Stimmungsboykott beenden“! Denn es wird auf alle Parteien ankommen – Spieler, Trainer, Fans.

Eine weitere Entscheidung ist gestern Abend gefallen: die Regio West wird dank Losglücks in der kommenden Saison einen direkten Aufsteiger stellen. Und so unwahrscheinlich es auch erscheinen mag, dass ausgerechnet RWE in den Kampf um den Platz an der Sonne eingreifen kann – es gilt, darauf alle Bemühungen zu fokussieren. Es wäre doch der beste Zeitpunkt, zum Ende von „Hoch 3“ aufzusteigen. Auch die Spiele der kommenden Saison wollen erst einmal gespielt werden.

Man wird doch wohl noch träumen dürfen…