Finale furioso

Als am Mittwoch Morgen die Trennung von Christian Titz öffentlich wurde, war ich nicht wirklich überrascht. Zu sehr hatte sich das Gemisch aus Gerüchten, Indizien und Bauchgefühl verfestigt, war die Wahrscheinlichkeit zu hoch, dass an all dem etwas dran sein könnte. So war von Titz seit Wochen nichts in den Medien zu sehen oder zu lesen. Selbst bei der Verpflichtung von Simon Engelmann – kein Kommentar. Lediglich ein Halbsatz bei der Verlängerung des Vertrages von Kevin Grund stand zu Buche, das war es. Hinzu kamen die vielen angeblichen „Insider“, die Forum und Netzwerke immer wieder mit ihren Infos die Stimmung anheizten und das fehlende klare Bekenntnis von Verein zum Trainer. Man merkte einfach: Irgendwas brodelt da.

Man hörte, die Mannschaft habe sich gegen den Trainer gestellt. Unter diesem Eindruck ist es umso erstaunlicher, dass wir bis zum unrühmlichen Schluss der Saison vom Aufstieg träumen durften. Wie viele Mannschaften hätten den Coach viel früher, viel deutlicher über die Klinge springen lassen? Hätte man gegen Haltern noch auf den Ausgleich gedrängt, wenn einem nichts am Verein läge? Nein, da lege ich mich fest – im Team stimmt es. „Trotz Titz“.

Jetzt Uhlig und Nowak vorzuwerfen, man hätte dem Titz vielmehr den Rücken stärken müssen, anstatt die Spieler in Schutz zu nehmen, halte ich für völlig abstrus. Ich bin mir sicher, wenn es nur um irgendwelche Animositäten gegangen wäre, um Kinkerlitzchen, dann hätte man dies sicher in Geprächen ausgeräumt. Aus sportlicher Sicht gibt es ohnehin nicht so richtig viel zu bemängeln. Die Punktequote war die beste der letzten Jahre, hätte in einigen Saisons gar zur Meisterschaft gereicht. Dass man in Ostwestfalen offenbar irgendein Kraftfutter ins Müsli mischt, kann ja keiner ahnen. Das einzige, dass es in diesem Bereich zu bemängeln gäbe, sind vielleicht wenig souveräne Auftritte wie im Heimspiel gegen Lippstadt, als wir lange, lange im Hintertreffen waren, oder natürlich die mangelhafte Chancenverwertung, die bei unserem Top-Kader zu viel zu wenigen Treffern führte.

Ich vertraue den handelnden Personen zu, hier nicht vorschnell gehandelt zu haben. Manchmal passt es einfach nicht, dann ist es besser, man beendet einen Vertrag vorzeitig, als mit Missstimmung in die nächste Saison zu gehen und nach einigen Spielen die Notbremse ziehen zu müssen.

Ich hatte die Ehre, mit Christian Titz nach einigen Partien ein paar Worte wechseln zu dürfen. Hier hat er auf mich immer einen sehr freundlichen, souveränen Eindruck gemacht und war sich nicht zu schade, einem kleinen Blogger ein paar Sätze zu schenken. Herr Titz, vielen Dank und alles Gute fr die Zukunft. Danke für ein paar unvergessliche Spiele in der abgelaufenen Saison.

Mit der Verpflichtung von Christian Neidhart hat der Verein dann auch zeitnah die nächste Weiche gestellt, um in der kommenden Saison mindestens genauso erfolgreich anzutreten. Neidhart war seit sieben Jahren beim SV Meppen, eine Ewigkeit in diesem Job. Ihm ist es in dieser Zeit gelungen, mit den Emsländern in die dritte Liga aufzusteigen und sich dort zu etablieren. Jetzt hat er drt seinen vorzeitigen Abschied verkündet, um – wie er in einem Interview mit dem NDR sagte – sich selbst auch zu beweisen, dass er „nicht nur Meppen“ kann. Ihm muss bewusst sein, dass an der Hafenstraße ein zuweilen rauer Wind weht, vor allem, wenn die Erfolge ausbleiben. Und Neidhart startet sicher mit einem Rucksack, den ihm sein Vorgänger in Form von mehr als 2 Punkten pro Spiel im Schnitt gepackt hat.

Neidhart hat den Ruf, sehr viel Wert auf gegenseitige Vertrauen zu legen, dabei aber auch klare Ansagen nicht zu scheuen, wenn etwas nicht nach seiner Facon verläuft. Wie man hört, genießt er bei seinen Spielern einen hohen Respekt fü seine Mischung aus Kumpel und Chef. Gemäß Transfermarkt.de erwartet uns übrigens die Rückkehr zum „klassischen“ 4-2-3-1. Ach ja: vom hoch stehenden Torwart müssen wir uns wohl wieder verabschieden.

Verabschieden müssen wir uns zudem auch endgültig von der Saison 2019/20, die aus bekannten Gründen vorzeitig abgebrochen wird (das soll meines Wissens nach heute fomell beschlossen und verkündet werden). Eine tolle Saison (mit Abstrichen) auf dem Platz, trotzdem eine Seuchensaison im wahrsten Sinne des Wortes. Dass es trotz aller Androhungen juristischer Schritte, trotz Turniervorschlägen und Einsprüchen nicht gereicht hat, war leider auch abzusehen, da man den Rest der Liga gegen sich hatte. Kommt dann noch dazu, dass sich Vertreter des Verbandes semi-öffentlich (wie doof muss man sein, dass man nicht merkt, wer da schon im Gruppencall mithört?) darüber lustig machen, dass man versucht, den eigenen Verein vor Schaden zu bewahren, dass man alle Register zieht, dann hat man einfach keine Chance. Trotzdem gilt auch hier mein Dank Marcus Uhlig für seinen Einsatz.

Entscheidungen, die nun noch ausstehen, betreffen einerseits das Personal auf dem Platz (Condé bitte halten!), zudem aber auch den Start der neuen Saison. Wird mit Platzek verlängert? Verlassen uns weitere Spieler, obwohl noch ein gültiger Vertrag besteht (Condé bitte halten!), wo wird noch nachgebessert? Da der Kern unseres Teams bestehen bleibt, gehe ich von den berühmten „punktuellen Verstärkungen“ aus. Vermutung: ca. 5-6 neue werden noch kommen, darunter ja zwei Torhüter. Da die dritte Liga in den letzten Atemzügen liegt und nun auch die unselige Relegation zwischen Lok und Kuhkaff ansteht, sind baldige Verkündungen zu erwarten.

Der für Anfang September geplante Beginn der neuen Saison steht nach der Verlängerung des Verbotes von Großveranstaltungen leider auf der Kippe. Hoffnung macht jedoch hier, dass es Ausnahmen gibt, wenn die Namen der Anwesenden nachvollziehbar sind und entsprechende Hygienevorkehrungen getroffen werden. Vielleicht gibt es eine Option, die DK-Inhaber ins Stadion zu lassen und parallel dazu ein Streaming-Konzept zu entwickeln, das zur Generierung von „Eintrittsgeldern“ genutzt werden kann. Auch hier bin ich sicher, dass solche Überlegungen bereits im Hintergrund laufen.

Als letzte Entscheidung der aktuellen Saison fehlt zudem noch der Niederrheinpokal. Obwohl es hier theoretisch für den Verband die Befugnis gibt, den Sieger per Los (sic!) zu ermitteln oder gar „einfach so“ zu bestimmen, kann und möchte ich nicht darüber nachdenken, dass eine dieser Optionen auch nur ansatzweise infrage kommt. Wenn man einen der vier Halbfinalteilnehmer bestimmt, klagen die drei anderen mit Sicherheit dagegen. (Allen Unkenrufen zum Trotz wird niemand z.B. den MSV oder den KFC ins Rennen schicken, schließlich sind die ausgeschieden.) Losen kann ebenfalls niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, der sich für zurechnsungsfähig hält. Wer wollte hier eine faire Gewichtung der Ligenzugehörigkeit (nur als Beispiel) festlegen? Nein, hier kann es nur heißen, die drei ausstehenden Partien in irgendeiner Form auszutragen, von mir aus an zwei aufeinanderfolgenden Tagen an einem neutralen Ort unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Leute, mit diesem Eintrag beende ich die Saison 2019/20, ab sofort ist „nächste Saison“. Da wird alles (noch) besser! Bestimmt! Ich hatte zwar überlegt, noch eine Saisonzusammenfassung zu schreiben, dazu fehlen mir aktuell aber Zeit und Muße. #Buchprojekt. Ich bedanke mich bei allen, die mir in irgendeiner Weise folgen, beim gesamten RWE-Team auf und neben dem Platz für eine geile Saison, bei den Jungs von Radio Hafenstraße, den Jungs von der W3stkurve, dem VBB-Tross für so manche Diskussion im Whatsapp, allen, die beim Oppa-Video mitgemacht haben sowie bei allen, die ich jetzt hier vergessen habe. You know who you are!

Zuletzt möchte ich nicht versäumen, mich recht herzlich bei Tilmann Radix, seines Zeichens „Pressechef“ bei RWE für die intensive und immer angenehme Zusammenarbeit der letzten zwei, zweieinhalb zu bedanken. Ich halte es nicht für selbstverständlich, dass in einem so professionell arbeitenden Verein wie RWE ein kleiner, unwichtiger Blogger wie ich in dieser umfassenden Form und vor allem auf Augenhöhe mit eingebunden wird. Tilmann, schöne Auszeit!

NUR DER RWE!

Pokal: RWE – KFC Uerdingen

Es gibt diese Spiele, auf die man sich freut, und dann gibt es diese Partien, bei denen die Freude sich mit einer gewissen Nervosität mischt. Der KFC keine Laufkundschaft, ein Ausscheiden im Bereich des Möglichen – aber dran glauben, dass das eigene Team es vielleicht doch packt, im Wissen, dass der Gegner „auf dem Papier“ sicher individuell besser besetzt ist.

Doch die letzten (alle!) Spiele dieser Saison sowie der miserable Start des KFC in die Dritte Liga mit nur sieben Punkten aus sechs Spielen sorgte sicher nicht nur bei mir dafür, dass das „Favoritenpendel“ in Richtung rot-weiss ausschlug. Vor solch einem Gegner musste sich unser bislang ungeschlagenes Team sicher nicht verstecken.

Entsprechend forsch begann unser Team dann auch mit dem gewohnten Pressing, während Uerdingen sich besonders in den ersten zehn Minuten durch Fehlpässe und Bälle ins Aus präsentierte. Kehl-Gomez räumte im Mittelfeld mit dem erneut grandiosen Grote alles weg, was kam, Heber startete neben Hahn und Bichler besetzte die rechte Seite. Für ihn musste Sauerland zunächst auf die Bank. Bereits nach vier Minuten hatte Dorow die Führung auf dem Fuß, als er von Condé angespielt frei vor dem Uerdinger Keeper auftauchte, dann aber zu lange zögerte, anstatt den Ball ins lange Eck zu schieben. Wenig später sendete dann Kefkir ein erstes Signal, sein Schuss nach einem Fehlpass des KFC-Keepers war aber dann doch zu harmlos.

Gerade als der KFC das Heft mehr und mehr in die Hand nahm (Außennetztreffer freistehend vor Lenz), sollte Kefkir dann aber seinen großen Moment haben: Nach feinem Zuspiel von Condé fühlte sich niemand für den ehemaligen Mitspieler zuständig. Ein paar Schritte aufs Tor zu und ein satter Schuss aus gut 20m aufs lange Eck, ein 1:0 der Marke „Traumtor“, das unser aktueller Top-Torschütze da erzielt hat! Hallo Sportschau, noch was frei fürs Tor des Monats?

Die Gäste reagierten wütend und schnürten RWE in den verbleibenden 15 Minuten der ersten Hälfte geradezu in der eigenen Hälfte ein. Besonders die rechte Abwehrseite wurde dabei häufiger überlaufen, sodass ich mit einem Wechsel zur Pause gerechnet habe. Bichler erledigte zwar seine offensiven Aufgaben recht gut, ließ aber immer wieder zu, dass über seine Seite einige Angriffe gefahren werden konnten. Die gefährlichste Uerdinger Chance gab es dabei noch nach einer Ecke, als Kevin Großkreutz den Ball am Tor vorbei schoss.

Nach dem Seitenwechsel war RWE dann darauf bedacht, nicht erneut so unter Druck zu geraten wie zum Ende der ersten Hälfte hin. Grote hatte das 2:0 auf dem Schlappen, scheiterte aber mit seinem Distanzschuss am Keeper. Besser machte es dann nach einer knappen Stunde Dorow, der nach einem Konter über Kefkir und Kehl-Gomez zwar dem Ball im Tor unterbringen konnte, aber wohl knapp im Abseits stand.

Nur drei Minuten später scheiterte Grote erneut als er einen Abpraller vom Eck des Sechzehners aufs Tor brachte, wobei der KFC-Keeper Glück hatte, dass er angeschossen wurde. Doch dann erlief Dorow einen schlechten Pass auf Ex-Bayern“star“ Kirchhoff. In einer 3-gegen-2-Situation behielt er die Nerven – Pass auf Endres, kurz angenommen und flach zum 2:0 vollendet! Ausrastende Fans, wohin das Auge reichte!

Und was macht man als Trainer, wenn man als unterklassiger Gegner in einem Pokalspiel mit zwei Toren führt? Richtig: Offensiv wechseln! Ich muss sagen, dass mir das allergrößten Respekt abringt, wie Christian Titz nicht versucht, solch ein Spiel mit der Mauertaktik über die Zeit zu bringen, sondern versucht, über die Offensive das eigene Tor zu entlasten. Das habe ich in meiner Zeit als RWE-Fan noch nicht erlebt. Ich muss aber sagen: GEIL! Jedenfalls kamen Dahmani, Adetula und Wirtz in die Partie und sorgten dafür, dass die Uerdinger ihre Defensive nicht vernachlässigen konnten.

Der KFC löste nun sämtliche taktischen Fesseln und warf alles nach vorne. Die Abwehr um Hahn und Heber (der heute nicht nur fehlerfrei blieb, sondern auch zwei „enge Kisten“ mit tollen Grätschen verhinderte) ließ aber kaum gefährliche Aktionen zu. Erst eine Viertelstunde vor Schluss konnte eine Flanke im Sechzehner angenommen werden, doch Rühle scheiterte aus ca. 2m am herauseilenden Lenz.

Adetula hätte dann den Deckel endgültig draufmachen müssen, als er im Laufduell gegen Steurer den Ball eroberte (weil letzterer in den Boden getreten hatte und liegen geblieben war). Doch wie das so ist: Da bist du einer von drei Angreifern (Kefkir und Wirtz waren mitgelaufen), hast noch einen Verteidiger und den Keeper vor dir, alle Optionen – Schuss oder Querpass – und dann überlegst du diese Viertelsekunde zu lange und der Ball ist futsch. Aber kein Vorwurf, der Junge muss halt noch eine Menge lernen.

Mit Ablauf der regulären Spielzeit konnte Rühle dann noch einen verdeckten Schlenzer auf den rot-weissen Kasten bringen, doch Lenz parierte auch diesen. Dass Boere noch in der Nachspielzeit einen Treffer erzielen konnte, weckte dann nochmal dieses „Bitte nicht“-Gefühl in mir, doch es gab keine weitere nennenswerte Uerdinger Chance, bis der Schiedsrichter das Spiel dann beendete und die rot-weisse Siegesparty beginnen konnte.

Insgesamt war dieser Sieg für unsere Truppe mehr als verdient. Zwar machte der KFC in den Schlussphasen beider Halbzeiten einen ernormen Druck, doch RWE behielt zu jedem Zeitpunkt die Ruhe, die meisten Situationen spielerisch zu lösen. Nur ganz selten wurde „gepöhlt“. Der KFC spielte jedoch wie eine klemmende Heizölrückstoßabdämpfung (hallo Christoph) und ist in dieser Form sicher kein Anwärter für den Klassenerhalt in Liga drei.

Bärenstark heute der bereits erwähnte Heber, doch auch Hahn war quasi nicht zu überwinden. Und bei unserem Mittelfeld komme ich wiederholt ins Schwärmen. Grote, Condé, Kehl-Gomez. Kein Durchkommen, ständig mit dem Auge für den richtigen Pass, technisch versiert. Nach dem Wechsel Dahmani für Kehl-Gomez dann Dorow als Spielmacher mit der Vorbereitung – um solch eine Qualität beneidet uns vermutlich jeder unserer Gegner. Anzumerken bleibt, dass erneut kein „Leistungsabfall“ zu bemerken war, trotz Vierfach-Wechsel gab es keinen Bruch im Spiel.

Zu bemängeln ist höchstens – wenn überhaupt – erneut die Chancenverwertung. Ein, zwei Mal der „richtige“ Pass, und der KFC geht mit drei oder mehr Gegentreffern nach Hause. Angesichts der sicher vorhandenen individuellen Klasse der KFC-Spieler jedoch ist dies Jammern auf hohem Niveau.

Wichtig wird es nun sein, nicht in ein Motivations-Loch zu fallen, denn mit dem SV Lippstadt und dem Bonner SC warten sicher keine ähnlichen Kracher auf uns (bei allem Respekt). Ich bin jedoch überzeugt, dass das Team mental dermaßen gefestigt ist, dass auch diese Pflichtaufgaben seriös angegangen werden. Die Daumen für die Alemannia jedenfalls sind für morgen gedrückt, wenn der SV Rödinghausen dort an unserem spielfreiem Wochenende anrückt.

Berlin, Berlin…

Am heutigen 14. Mai ist es 25 Jahre her, dass RWE im Berliner Pokalfinale stand. Drüben bei Catenaccio 07 und Im Schatten der Tribüne gibt es bereits hervorragende Berichte dazu, außerdem sei natürlich das Special bei Jawattdenn jedem RWE-Sympathisanten ans Herz gelegt.

Und auch ich möchte nicht versäumen, meine Erinnerungen zu teilen. Es war die Zeit, in der ich RWE für mich entdeckte. RWE hatte in der Aufstiegsrunde gegen Herzlake, Trier und Münster den Aufstieg in die Zweite Liga perfekt gemacht und ich besuchte mehr oder weniger regelmäßig die Heimspiele. So geschah es dann auch, dass ich erst miterleben durfte, wie RWE nach 0:2-Rückstand und „Berlin, Berlin, wir scheißen auf Berlin“ einen 3:2-Erfolg mit Anpassung des Sprechchores machte und in der nächsten Runde auf den MSV Duisburg traf. Hier erinnere ich mich insbesondere an das frühe 1:0, als Harry Kügler dem Zebra-Torwart Rollmann den Ball wegspitzelte, und an das 4:2 durch die eingewechselte Kobra Wegmann, wenn ich mich richtig erinnere in seinem ersten Spiel nach seiner Rückkehr.

Nachdem dann (so sagte man mir, dieses Internetz gab es ja damals noch nicht) auch Jena bezwungen wurde, traf man im Halbfinale auf TeBe Berlin. Dieses Spiel habe ich damals mit meinem besten Kumpel und dessen Familie vor deren Fernseher verfolgt, ich kann mich leider kaum an dieses Spiel erinnern, wohl aber daran, dass am nächsten Tag überall über den Finaleinzug gesprochen wurde. Abends hieß es dann für mich und meinen Kumpel „Grugahalle“, Manowar sollten die Bude zum Beben bringen, bevor wir im Anschluss erfuhren, dass Werder Bremen unser Gegner in Berlin sein würde.

Und so begab es sich dann, dass ich in Begleitung zweier meiner Onkel – einer davon zum damaligen Zeitpunkt Ordner bei RWE, derjenige, der das Metalltor zum Spielertunnel geöffnet und geschlossen hat, der andere hat mir heute nochmal bestätigt, dass er bis Hannover keine einzige Partie Skat verloren hat – und vielen anderen Fans (darunter der damalige Bundesliga-Schiri Weber) am 14.05.1994 per Sonderzug von Essen nach Berlin fahren durfte.

In Berlin angekommen, mussten wir noch zu „Tante Emmi“ ins „schöne“ Wedding, einer doch ziemlich schrulligen Großtante, die ich davor nur eine Handvoll mal gesehen habe. Dort konnten wir immerhin kostenlos nächtigen, also nur kurz das Gepäck abgestellt und dann ab ins Stadtleben. Ich kann mich erinnern, dass an allen zentralen Punkten, die wir auf dem Weg ins Stadion passieren mussten, eine friedliche rot-weiss-grüne Party im Gange war. Nichts zu spüren von Rivalität, keinerlei Überheblichkeit auf Seiten der Bremer, die natürlich als klarer Favorit in die Partie gehen würden, befanden sie sich doch gerade in der wohl stärksten Phase der Vereinsgeschichte und trafen auf die wegen Lizenzentzuges abgestiegenen Zweitligisten. Nein, man vernahm Respekt, dass die Mannschaft sich trotz aller Widrigkeiten ins Finale gekämpft hatte.

Und dann war es soweit: Wir betraten das Olympiastadion zu Berlin als Teil von mehr als 60.000 Fans, um mit unserem Team um einen Titel zu kämpfen. Ein Gefühl, dass man kaum jemandem vermitteln kann, dessen maximale Erfahrung das Niederrhein-Pokalfinale war. Rot und Weiss wohin man blickte. Das ganze Spiel hindurch eine Mischung zwischen Anfeuerungsrufen und „Scheiß DFB“ (natürlich wurden Mikros vor der RWE-Kurve im Gegensatz zur Bremer Kurve gar nicht erst aufgestellt). Zum Spiel selbst ist wohl alles schon geschrieben worden, die Bremer Führung, das 0:2 – das alles ging so schnell, es ist so viel, was da auf mich einprasselte. In der Halbzeitpause bekam ich eine Bratwurst spendiert, und ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Onkel meinte, dass mit dem Halbzeitstand alle Chancen auf das Wunder abgehakt werden könnten.

Was jedoch auf dem Platz folgen sollte, war aus rot-weisser Sicht der helle Wahnsinn. Anschlusstreffer von Bangoura, und schon spielte nur noch das Team aus dem Pott. Angriff um Angriff rollte auf das Bremer Tor, doch dieser verdammte Ball wollte einfach nicht in den Kasten. Dann überspielte man die Schmähgesänge plötzlich mit Musik vom Band, um nicht im TV Ziel der Kritik zu werden. Doch das spornte uns nur an, noch lauter, noch energischer zu brüllen. Kurz vor Schluss wurde Frankie Kurth dann noch überlupft und auf der Linie rettete ein rot-weisser Spieler per Hand – Elfmeter und Rot (ich meine, hier musste der falsche Spieler vom Platz). Diese Chance ließ sich Rufer nicht entgehen, er stellte den 3:1-Endstand her.

Die Siegerehrung wurde dann einmal mehr zur Bühne für RWE-Protest. Noch während die Bremer den Pokal in die Höhe streckten, vernahm man am TV die „Scheiß DFB“-Rufe. Ich weiß noch, dass wir noch eine ganze Weile der Ehrenrunde der Bremer beiwohnten, während sich die Ränge langsam leerten. Die Hoffnung auf den Ausgleich, die so jäh zerstört worden war, hatte doch viel Kraft gekostet

Auf dem Weg zur Bahn wurden wir von vielen Bremer Fans angesprochen, immer wieder Respekt in der Stimme, immer wieder aufmunternde Worte. Einfach toll. An diesem Abend wurde bekanntermaßen die noch heute bestehende Freundschaft mit dem SV Werder begründet, man feierte gemeinsam noch bis in den frühen Morgen. Für mich war es mehr als das. An diesem Abend stand für mich fest, dass RWE mein Verein ist und bleiben wird. Aus „ein paar“ Spielen je Saison wurde ein regelmäßiger Besuch, ich konnte ja nicht wissen, auf was ich mich da einlassen würde…

Da ich mich leider meinem Onkel anschließen musste, konnten wir den vielen Feierlichkeiten nicht lange beiwohnen, doch wir beschlossen den Abend mit einem Bierchen irgendwo in Wedding, bevor es ins Bett und am nächsten Morgen per Zug zurück gehen sollte.

Das komplette Finale findet man übrigens hier: https://www.youtube.com/watch?v=Q0XlUX9_Q6Q

Zusammenfassung / Höhepunkte unter: https://www.youtube.com/watch?v=YnM95Fz-Ohk