Pokal? Abgehakt.

Pokal, Halbfinale, Flutlicht. Es hätte so schön werden können.

RWE hatte heute eine Bärenaufgabe vor der Brust, denn trotz der Schwächeperiode der Gäste konnte der KFC natürlich seine von russischen Millionen subventionierte Alt-Star-Truppe um die Ex-Bundesliga-Spieler Lukimya, Aigner, Beister und Weltmeister Großkreutz aufbieten. Und obwohl unsere Roten zunächst den Weg Richtung Gästetor suchten, sollte schon nach nur sechs Minuten der erste Rückschlag erfolgen.

Zwar konnte sich Baier in der Mitte der eigenen Spielfeldhälfte den Ball erobern, spielte Brauer den Ball aber wegen eines Missverständnisses in den Rücken, sodass Uerdingen schnell reagieren konnte: Schuss Großkreutz, Heller pariert zwar noch, war aber gegen den Nachschuss aus gut 4m machtlos – 0:1.

Dennoch gehörten die besseren Aktionen RWE: Zunächst kann Scepanik einen verdeckten Schuss abfeuern, der gerade noch vom Keeper geklärt werden kann, die folgende Ecke wird verlängert und am langen Pfosten verpassen zwei Rote den Ball nur knapp.

Wenig später vertändelt Korczowski den Ball, aus fast identischer Situation wie beim Gegentor fliegt der Ball diesmal jedoch knapp über den Kasten. Bei einem weiteren Konter spitzelt Beister den Ball knapp am Kasten vorbei, dann konnte RWE die beste Chance des Spiels verbuchen. Nach einer erneut verlängerten Ecke landet der Ball erneut bei Korczowski, der den Ball stoppen kann, ihn dann aber an die Latte setzt.

Und als ob es nicht alles schon bitter genug ist, gibt unser Team eine Bewerbung für Zeiglers Kacktor des Monats ab: Rückpass Zeiger auf Heller, der will den anlaufenden Stürmer verladen, verliert dabei den Ball. Der Schuss landet am Pfosten und springt ins Feld zurück, wo aus unserem Team nur Heber und Brauer mitgelaufen sind, die den Treffer jedoch nicht mehr verhindern können. 0:2…

Dieses Tor, das mich auch ein wenig an Heimanns „Aubameyang-Trick“ erinnerte, es hätte meiner Meinung nach nicht gegeben werden dürfen. Wie die Fernsehbilder zeigen, stößt der Uerdinger Heller klar um, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, den Ball zu spielen. Aber seht selbst:

Wie dem auch sei: Dieser Treffer zeigte Wirkung. Bis zur Pause konnte RWE keine Aktion mehr herausspielen, Uerdingen verlegte sich aufs Verwalten.

Nach dem Wechsel war es das Team in rot, das das Spiel bestimmte. Uerdingen blieb ohne weitere Torchance und überließ unserer Mannschaft weitestgehend das Feld. Flanke um Flanke wurde – zumeist von rechts – geschlagen, leider fand RWE jedoch nicht die Mittel, die hochgewachsenen Innenverteidiger zu überflanken oder mal dazwischen durchzubrechen, um frei aufs Tor zuzugehen. Hinzu kam das immer offensichtlichere Zeitspiel, das in jeder Menge Bodenkontakt und „länger“ dauernden Abstößen mündete.

Neitzel brachte neben Wirtz und Platzek (zur Pause für Wegner gekommen) noch Freiberger als zusätzliche Spitze, schickte gegen Ende noch Zeiger mit nach vorne, um die langen Bälle von hinten weiterzuleiten, doch auch das sollte keine „echte“ Torgefahr für die Gäste bedeuten.

Symptomatisch für diese Phase kurz vor Schluss: Kurze Ecke Grund auf Baier. Diesem ist zunächst die Flanke versperrt, er zieht nach innen, wo er drei Mal den Schuss ansetzen, dann aber mangels freier Schussbahn weiterziehen muss. Am Ende steht er auf der anderen Seite des Sechzehners und spielt einen (okay, katastrophalen) Fehlpass…

Im Kreise „meiner Jungs“ wurde der ausgebliebene Pokalfight bemängelt. Ich möchte jedoch kurz erläutern, warum ich das eben nicht so sehe:

Ein Pokalfight im Sinne von Grätschen, von Kratzen und Beißen, kann meiner Meinung nach ja nur aufkommen, wenn der Gegner entsprechend dagegenhält, wenn es quasi hin und her geht auf dem Spielfeld. Bis auf wenige Situationen war dies aber nur bedingt der Fall: Einerseits verlegte sich der KFC in weiten Teilen darauf, per Langholz zu klären, andererseits stand unsere Verteidigung so sicher, dass der Ball schnell zurückerobert werden konnte. Baier und Brauer machten die Mitte bereits frühzeitig zu, während Korczowski und vor allem Heber (was für ein Pensum, Wahnsinn!) über außen nichts zuließen. Der Rest endete bei Zeiger, der in ein, zwei Situationen vielleicht ein wenig schwerfällig wirkte. Aber: Die Jungs wollten, die Jungs sind angerannt. Man darf aber auch eben die oben angeführten Unterschiede in Erfahrung und Marktwert nicht außer Acht lassen. Daher: Kein Vorwurf meinerseits!

Trotz des Ausscheidens finde ich es zu einfach, dies an Hellers Patzer (Zitat Reviersport, für mich Foul) oder an einem „schlechten Spieler XY“ festzumachen. Zu dicht das Bollwerk des KFC, zu harmlos unser eigenes Spiel.

Aber: auch wenn jetzt in obigem Blatt die Rede davon die Rede ist, dass RWE nun den Saisonhöhepunkt hinter sich habe – für mich findet dieser erst in unserer westlichen Nachbarstadt statt, wenn wir denen den Aufstieg vermiesen.

Darum: Kopf nicht hängen lassen, so bitter es ist. Der Gegner war höherklassig (vielleicht noch eine Klasse nominell dazu), und immer noch besser eine Niederlage im Finale gegen unsere „Freunde“ aus dem Tal.

Ziel muss es nun sein, die Liga mit Platz 5 oder besser abzuschließen, denn dann hätten wir immer noch eine recht erfolgreiche Saison gespielt, auf die es in der kommenden aufzubauen gilt – mit frischen Finanzmitteln, einem neuen sportlichen Leiter und mit einigen neuen Leuten auf dem Feld.

Nur der RWE!

Europapokal – diesmal ohne Essen

Wechselbad der Gefühle. Mir fehlen noch ein wenig die Worte um das zusammenzufassen, was wir alle heute erleben durften mussten.

Ein wunderschöner Tag mit „Da-geht-heute-was“ im Hinterkopf, aus beruflichen Gründen nur im Garten mit Beamer, Grillgut und Freunden, RWE schnell gut im Spiel mit offensivem Pressing. Oberhausen hat exakt eine einzige gute Szene, die leider ausgerechnet durch eine Kombination der Ex-Essener Hermes und Nakowitsch zum 1:0 führte, und das auch noch zum berühmten „psychologisch ungünstigen Zeitpunkt“ kurz vor der Pause. Ärger, Sorge, Anspannung. Das ganze Spektrum.

Davon zeigte sich RWE aber nicht lange beeindruckt. Nach einer Ecke spielt Platzek einen gefühlvollen Ball auf Urban, der Auge beweist und quer auf Bednarski legt – 1:1. BÄMM! Euphorie. Freude. „Jetzt erst recht.“

Es folgte ein irres Anrennen unseres Teams. Pröger alleine hatte mindestens zwei sehr gute Chancen, den Ball im Oberhauser Tor unterzubringen. Einmal blockt ein Abwehrspieler, beim zweiten Mal hat Udegbe die Finger dran. Hoffnung, Verzweiflung.

Knappe 10 Minuten vor Schluss die erste von mehreren dicken Fehlentscheidungen der Partie: Außen wird Pröger geschickt, Nakowitsch haut mit einer groben Sense dazwischen, sieht aber nur gelb. Hier war rot sicher angemessen, denn er hatte weder eine Chance, den Ball noch zu erreichen, noch überhaupt die Absicht dazu. Wut, Unverständnis.

Viel fataler aus Essener Sicht dann die doppelte Fehlentscheidung Sekunden vor dem Abpfiff: Ein Schuss wird zur Bogenlampe, Heller kommt gegen Fleßers zu spät (da hätte man aber schon abpfeifen müssen, da Fleßers – im TV deutlich zu erkennen – im Abseits steht), die erneute Kerze drückt Ben Balla, der in Brauer springt, mit diesem zusammen Richtung Tor. Nächste Fehlentscheidung: Obwohl klar zu erkennen ist, dass Becker den Ball über der Linie klärt, zeigt der Assistent Tor an.

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Schluss, aus, vorbei, die Nachbarn haben den Pokal. Trauer, Enttäuschung, aber auch Stolz.

Ich habe selten unverdientere Niederlagen erlebt. RWE hat deutlich mehr ins Spiel investiert und eigentlich keine Torchancen zugelassen, konnte die Vielzahl der eigenen Chancen gleichzeitig aber nicht nutzen und steht letztenendes mit leeren Händen da.

Dennoch muss ich hier ausdrücklich unserem Trainer ein Kompliment aussprechen: Anstatt im Interview mit der ARD über die zumindest strittigen Szenen zu lamentieren, übt er sich in Selbstkritik, bemängelt die vergebenen Chancen und lässt den Zuschauer doch zwischen den Zeilen wissen, was er von der Schiri-Leistung hält: „Heute ist Finaltag der Amateure, warum sollen da nicht auch Amateure stehen?“.

Was ist diese Niederlage nun „wert“? In den vergangenen Jahren haben wir regelmäßig irgendwo zwischen erstem und dritten Ligaspieltag ein Highlight erlebt, sei es Düsseldorf, Bielefeld oder zuletzt Mönchengladbach. Doch genauso, wie diese Spiele spielerisch und kämpferisch toll anzusehen waren, genauso fiel unser Team nach diesen Höhepunkt in ein tiefes, tiefes Loch, das direkt zu Saisonbeginn den Abstand „nach vorne“ auf fünf, sechs oder mehr Punkte anschwoll und nicht mehr ansatzweise geschlossen werden konnte.

Vielleicht liegt in dieser Niederlage daher auch eine Chance. Die Chance, von Beginn an den Fokus auf die Ligaspiele zu legen und diese auf einem konstant hohen Niveau zu absolvieren. Ich traue Neitzel nach den bisher betreuten Spielen durchaus zu, das Team dementsprechend ein- und aufzustellen. Die nun anstehenden Transfers werden dabei sicher wichtig, aber der Kern der Mannschaft bleibt wohl erhalten – damit sind wir wieder beim Thema Konstanz, zumal wir auch nach der Vorsaison nur punktuell den Kader korrigiert haben.

Mit diesen Worten endet für mich die Saison 2017/18 – leider nicht mit einem Happy-End, dafür aber mit der latenten Hoffnung, dass die kommende Saison mal endlich wieder eine bessere wird.

Ich bedanke mich bei jedem einzelnen Leser, für jeden Klick, jedes „gefällt mir“, jedes teilen und jede Empfehlung im Freundeskreis. Ich hoffe, wir lesen uns in ein paar Wochen wieder.

Bis dahin: NUR DER RWE!