Nemesis.

In meinem letzten Beitrag führte ich ja bereits aus, dass es für uns gegen den MSV in der jüngeren Vergangenheit nicht viel zu holen gab. Leider wurde diese Serie heute fortgesetzt. 

Dabei ließ sich das Spiel eigentlich ganz munter an, zwar gab es auf beiden Seiten keine ganz dicken Chancen, allerdings blieb auch das Abtasten, das man allzu häufig in solchen Partien liegt, in der Schublade. Gefühlt lag der Ballbesitz wohl etwa bei 50:50, beide Abwehrreihen solide. Nach einem Ballverlust von Grund ging es dann mal schnell nach vorne, von Zeiger sprang der eigentlich schon geklärte Ball zu einem Zebra zurück, und plötzlich stand es 0:1.

Dieser Treffer wirkte leider nach, denn der Rest der Halbzeit bestand zum Großteil aus Ballkontrolle auf Duisburger Seite, und so ging es pünktlich in die Pause. 

Unmittelbar nach Wiederanpfiff dann die üblichen unschönen Szenen mit Maskierten auf dem Zaun, Pyro und viel Qualm. Ich werde nie verstehen, wie man seinem Verein so schaden kann. Diese Leute scheinen jedoch in der aktiven Szene durchaus Rückhalt zu finden, anders kann ich mir die Fahnen als Sichtschutz einfach nicht erklären. Genauso kann ich nicht verstehen, wieso da von Seiten der Polizei nicht eingegriffen wird. Wenn es eine Straftat ist, dann müsste sie meiner Auffassung nach sogar zum Eingreifen verpflichtet sein. Stattdessen durften sich Vermummte mit Leuchtkugel-Stangen minutenlang auf dem Zaun selbst feiern. Ich finde, hier ist der Verein auch langsam mal gefordert, denn „gut zureden“ scheint nicht zu fruchten und die Strafen werden nicht geringer. 

Nach der Unterbrechung (übrigens hätten WIR den Fernsehbildern nach den Schiedsrichterball bekommen müssen) gab es dann unmittelbar zentral aus 20m direkten Freistoß. Die Situation war von der West nur schwer zu beurteilen, von meinem ersten Eindruck her war es nicht zwingend ein Foul. Wie auch immer, der Freistoß schraubte sich unhaltbar in die Maschen. 0:2, Drops quasi gelutscht. 

Das rot-weisse Team tat sich im Anschluss gegen zurückgezogene Duisburger schwer, trotzdem sprangen noch ein paar gute Szenen heraus. Zuerst köpfte Platzek nach einer Ecke das vermeintliche 1:2, stand dabei aber deutlich im Abseits. Baier und später auch der eingewechselte Rabihic verzogen aus guten Positionen knapp, Platzek kam an zwei etwas zu hohe Flanken nicht heran. Wenige Augenblicke vor dem Ende schoss Platzek aus spitzem Winkel, scheiterte aber am Keeper, der jedoch im Aus liegenblieb. Trotzdem konnte der MSV den Rückpass verhindern und den Torschuss blocken. Heller parierte kurz vor Schluss noch einmal gegen den eingewechselten Onuegbu, aber letztendlich tat der Gast heute nur das Nötigste. 

Alles in allem war dies wohl einer der Tage, an denen der Ball einfach nicht ins Tor will. Zum Glück stand aber dank des Aufstiegs der Zebras schon vorher fest, dass wir die erste Hauptrunde im Pokal erreichen werden, die Mitte Juni ausgelost und Mitte August gespielt wird. Vielleicht war dies auch der Grund, warum die letzten zwei, drei Prozent heute fehlten. 

Die Saison ist nun endgültig vorbei, und allen Unkenrufen zum Trotz bin ich recht zufrieden. Das ist aber ein Thema für einen anderen Beitrag. Jetzt ist „das Team hinter dem Team“ gefragt, die richtigen Strippen zu ziehen, noch den einen oder anderen Vertrag zu verlängern (Windmüller ist noch gut in Fahrt gekommen…) und die richtigen Leute zu verpflichten.

Nichtsdestotrotz bleibt der schale Geschmack einer Niederlage, die man am liebsten nicht kassiert hätte, weil einen im Freundeskreis und auf der Arbeit von den Zebra-Fans schon morgen wieder der Spott erwartet. 

Ich wünsche euch allen schon mal eine schöne Sommerpause. Danke für euer Interesse an meinem neuen Hobby, das ich leider aus verschiedensten Gründen nicht bei jedem Spiel ausleben kann. 

Von wegen „Goldene Ananas“!

Bald ist es also soweit: Das Finale der Champions League im Niederrhein-Pokal gegen die Zebras aus Duisburg.

Während einige dem Spiel wohl fernbleiben, weil ihnen die Mannschaft in der abgelaufenen Saison nicht den Aufstieg oder wenigstens den Meistertitel geschenkt haben, gibt es weitere Stimmen von Leuten, die das Spiel vor dem heimischen Fernseher in einer lieblos gestalteten Konferenzschaltung „genießen“. Der „echte“ Andrang auf die Tickets, der noch in den beiden letzten Jahren gegen Oberhausen und Wuppertal herrschte, blieb dem Vernehmen nach aus. Die West ist voll, klar, aber auf der „Rahn“ und auch im Gästebereich werden wohl eine ganze Reihe Plätze leer bleiben (oder vielleicht am Spieltag noch verkauft).

Doch ist dies wirklich nur ein Spiel, in dem es um nichts mehr geht? Klar, der MSV wäre lieber schon wieder auf Mallorca, um sich auf den Aufstieg in die zweite Liga schön die Kante zu geben, und RWE hat damit die erste Hauptrunde im DFB-Pokal ja ebenfalls schon erreicht.

Doch viel zu groß ist trotz der Ligaunterschiede die Rivalität, die sich wie im Pott üblich schon aus der räumlichen Nähe ergibt. Der MSV spielte zuletzt die „Nemesis“ der Rot-Weissen, denn sie sind der letzte Gegner, gegen den unsere Jungs in diesem Wettbewerb verloren. 1:4 nach Elfmeterschießen im Halbfinale 2013/14. Und auch der letzte Gegner in der zweiten Bundesliga war der MSV, das 0:3 an der Wedau besiegelte den Abstieg in die damalige Noch-Regionalliga, die wenig später zur 3. Liga werden sollte (ebenfalls ohne Essener Anwesenheit, die Story ist wohl bekannt). Geschichte am Rande: Baris Özbek, heute im Duisburger Kader, spielte damals noch für den RWE.

Das letzte Spiel RWE-MSV mit einem positiven Ausgang für unser Team, an das ich mich erinnern kann, liegt schon über 20 Jahre (sic!) zurück: DFB-Pokal-Achtelfinale 1993/94. Fehler Rollmann kurz nach Anpfiff, Harry Kügler schnappt ihm die Kugel weg und erzielt die frühe Führung. Rückkehrer Jürgen Wegmann (sein erstes (?) Spiel nach seiner Rückkehr an die Hafenstraße) macht wenige Minuten nach seiner Einwechslung den Deckel drauf und erzielt das 4:2. Der Rest: auch hier Geschichte. Jena, Tennis Borussia, Finale gegen Bremen. Tatsächlich gab es danach 2004/05 noch einen einzigen 1:0-Sieg  in der 2. Liga (Torschütze: Lintjens) gegen die Duisburger, alle anderen Spiele gingen verloren.

Aber selbst wenn der MSV auch statistisch mit 7:13 Siegen bei 10 Unentschieden die Nase vorne – hat an der Hafenstraße ist für uns alles möglich. Besonders weil nicht mehr allzuviel auf dem Spiel steht, haben wir nichts zu verlieren. Wir können befreit aufspielen, denn blamieren kann sich nur der Noch-Drittligist.

Ich freue mich wahnsinnig auf diese Partie und wünsche uns allen, dass uns peinliche Aktionen wie Platzstürme, Pyro-Selbstinszenierungen und Polizeiaufmärsche (jaja, die Essener wieder… Nicht wahr, Herr Jäger?!) erspart bleiben. Lasst uns einmal mehr TV-Fußball-Deutschland zeigen, dass der RWE noch lange nicht von der Bildfläche verschwunden ist. Neunzig, vielleicht 120 Minuten plus Elferschießen Vollgas, auf dem Rasen, auf der Tribüne. Denn wir können nur gewinnen!

NUR DER RWE!