Ein Pflichtsieg zum Abschluss

So, das war das Fußballjahr 2017. Mit einem Auswärtsdreier bei den kleinen Geißböcken geht RWE in die Winterpause. Im Folgenden meine Eindrücke aufgrund der Stream-Bilder.

Um es kurz zu machen: es war Kern berauschendes Spiel, doch unter dem Strich geht der Sieg wohl in Ordnung.

In Halbzeit eins gab es auf beiden Seiten exakt eine Torchance: die Kölner konnten nach gut 10 Minuten in den Essener Strafraum eindringen, den finalen Querpass konnte sich der meist souveräne Lenz gerade noch so aufnehmen. Mit der einzigen Essener Chance dann die Führung: Harenbrock, der heute Platzek vertrat, erlief einen zu kurz geratenen Rückpass und stocherte den Ball am heraus eilenden Keeper vorbei ins Netz. Ansonsten passierte nichts, aber auch gar nichts Nennenswertes.

In der zweiten Halbzeit versuchten die Kölner alles, um die drohende Niederlage noch abzuwenden. RWE konnte nur wenige Akzente nach vorne setzen, die einzig echte Torszene hatte Pröger mit einem Knaller aus gut 25m an die Latte. Auf einen Dreifachwechsel der Gastgeber reagierte Giannikis, indem er für den insgesamt eher blassen Harenbrock Lucas ins Spiel schickte und so die Macht wieder ins Gleichgewicht brachte.

Der eigentliche Höhepunkt des Spiels gelang dann aber wieder Pröger quasi mit dem Abpfiff. Kurz hinter der Mittellinie auf die Reise geschickt zog er mit seiner Schnelligkeit bis in den gegnerischen Strafraum und schob den Ball kontrolliert ins lange Eck. Sack zu, Schluss, aus, Nikolaus!

Neben Pröger war für mich heute Unzola Spieler es Spieles. Was der heute abgeräumt hat, war schon aller Ehren wert, und auch offensiv hat er sich immer wieder mit eingeschaltet, was ich auf der anderen Seite bei Malura ein wenig vermisst habe.

Mit den letzten Auftritten konnte sich RWE damit auch für die Winterpause etwas Luft verschaffen. Es ist nun an der sportlichen Leitung, die personelle Situation zu durchleuchten und die richtigen Schlüsse, auch schon im Hinblick auf die kommende Saison zu ziehen.

Aber das, lieber Leser, ist genug Stoff für einen eigenen Beitrag.

In diesem Sinne wünsche ich euch schon jetzt ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Nur der RWE!

„Aufsteigen? Arschlecken!“

…so oder so ähnlich könnte der Gedanke lauten, der dem Erfinder der aktuellen Comedy-Aktion der Frankfurter Fußball-Zentrale durch den Kopf gegangen ist.  Spielausfall an der Hafenstraße, das gibt mir Zeit und Gelegenheit, mich über den neuesten Wahnsinnseinfall des DFB auszulassen.

Nach jahrelanger Verweigerung, das Thema konstruktiv zu diskutieren sollte es also in der vergangenen Woche soweit sein – die Aufstiegsregelung zur Dritten Liga sollte reformiert werden. Großmundig wurde bereits Wochen zuvor darüber berichtet und von Seiten der Frankfurter Führungsriege, namentlich besonders Herrn Grindel, auch betont, dass man auf einem sehr guten Weg sei, endlich eine Möglichkeit zu finden, alle Meister der fünf Regionalligen aufsteigen zu lassen. Von drei Lösungen war die Rede, von denen eine favorisiert werde. Wenige Tage vorher wurde aber kurzfristig der Hoffnung, dass dies wirklich Wahrheit werden könnte, knallhart ein Riegel vorgeschoben, als durchsickerte, dass nun doch lediglich zwei Teams – nämlich der West- und der Südwestvertreter – direkt aufsteigen sollten, der Südwest-Zweite dafür keine Chance mehr auf den Aufstieg habe und die drei verbliebenen Meister zwei weitere Aufsteiger unter sich ausmachen.

Obwohl unser RWE (bzw. der jeweilige Meister unserer Liga, um nicht vermessen zu sein) direkt davon profitiert hätte, wäre dies doch trotzdem nur eine mit der heißen Nadel gestrickte Lösung gewesen, am Ende wäre das Prinzip „Meister müssen aufsteigen“ wieder ad absurdum geführt worden. Doch bevor diese Regelung überhaupt auf dem DFB-Bundestag zur Diskussion stand, drohte der Nordost-Verband (in meinen Augen zwar wie ein kleines Kind, aber irgendwie auch nicht zu Unrecht) mit einer Klage wegen der drohenden Wettbewerbsverzerrung. Der DFB entfernte den Punkt daraufhin kurzfristig und mehr oder weniger stillschweigend von der Tagesordnung.

Umso überraschender dann das Ergebnis, das dann als „Übergangslösung für die kommenden zwei Spielzeiten“ präsentiert wurde: Der Südwesten – in den vergangenen Spielzeiten trotz zweier Kandidaten regelmäßig an der Relegation gescheitert – bekommt zunächst in der Saison 2018/19 einen festen Aufsteiger, ebenso der Nordosten (sic!). Aus den drei verbleibenden Verbänden wird ein weiterer ausgelost, der dann ebenfalls direkt aufsteigt. Die beiden Verbände die dann übrig bleiben, spielen wie gewohnt in einer Relegation um den Aufstieg den vierten und damit letzten Aufsteiger aus. Als kleine Entschädigung dafür wird den beiden Relegations-Verbänden für die Saison 2019/20 ein direkter Aufstiegsplatz garantiert, aus den drei anderen wird erneut ein direkter Aufsteiger ausgelost und die beiden anderen sollen dann in die Relegation. Übergangslösung deshalb, weil ab 2020/21 dann eine neue, „gerechtere“ Lösung gelten soll, die bis dahin in Zusammenarbeit mit den Vereinen der 3. und 4. Ligen erarbeitet werden soll.

Während man den Startplatz für den Südwest-Vertreter noch mit der höchsten Mitgliederzahl begründen kann (so ja auch die Begründung für den 2. Startplatz in der aktuellen Relegation), fehlt jegliche rationale Erklärung, warum ausgerechnet der Nordost-Meister einen festen Aufstiegsplatz bekommen soll. Dies erweckt auf mich (und wohl auch auf viele Vereinsvertreter, siehe Reviersport) den Eindruck, als ob hier wegen der angedrohten Klage einfach nur Wogen geglättet werden sollen.

Weiterhin steigen nicht alle Meister auf. Diese zentrale Forderung von Fans und Vereinen wurde trotz aller Ankündigungen nicht berücksichtigt. Es kann doch nicht Sinn der Sache sein, dass man so lange an kleinen Rädchen dreht, bis irgendwann der Frust bei der Gegenseite in Resignation umschlägt und man endlich seine Ruhe hat. Die Dritte Liga besteht aus 20 Teams, da muss es bei aller Liebe doch auch möglich sein, als „großer DFB“ gegenüber den Vereinen mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen, dass diese Liga fünf Absteiger hat. Dass von den Drittligaclubs keiner freiwillig dafür stimmt, kann ich sogar beinahe noch nachvollziehen. Aber wie schon der Kollege vom Im Schatten der Tribüne so korrekt (sinngemäß) twitterte: Wie fänden die es wohl, wenn sie diese Saison abstiegen und nächste Saison das Ganze mal aus Sicht eines Regionalligisten erleben dürften? Oder um es anders auszudrücken: Gestern noch lauthals „Meister müssen aufsteigen“ proklamiert, heute, nach geschafftem Aufstieg damit nichts mehr zu tun haben wollen.

Die Ermittlung des dritten Direktaufsteigers (ist eigentlich das Unwort des Jahres schon gewählt?) per Los schließlich ist ein Schlag mit dem Fehdehandschuh ins Gesicht der verschiedenen Fangruppierungen, die unabhängig der eigenen Zugehörigkeit mit ihren friedlichen Protestaktionen den Aufstieg aller Meister gefordert haben. Es kann trotz des Reförmchens nun wieder einen Verein geben, der am Ende in die Röhre schaut. Waldhof Mannheim lässt grüßen.

Ich weiß nicht, auf wessen Mist dieser lustige Streich wieder gewachsen ist, doch für mich fügt er sich nahtlos ein in eine Reihe von Unfähigkeiten, zum Beispiel bei der Aufklärung der Bestechungsvorwürfe rund um die Fußball-WM 2006, der Reform der DFB-Pokal-Systematik (Stichwort Europapokal-Vereine erst später), den Spielen der chinesischen U20 oder ganz aktuell der Farce rund um die Video-Schiedsrichter, wo man sich nicht einmal die Mühe macht, das funktionierende (!) System aus anderen Sportarten – siehe beispielsweise Feldhockey – zu adaptieren, sondern sich selbst mit einem halbgaren, unausgereiften Versuch selbst Woche für Woche angreifbar macht.

Ideen gibt es genügend, angefangen von „einfach fünf Auf- und Absteiger“ über „Reduzierung auf vier Regionalligen mit je einem Aufsteiger“ bis hin zu „zwei Dritte Ligen“. Der DFB hat sich nun mit seiner aktuellen Entscheidung selbst erst einmal Zeit erkauft. Zeit, die er besser mit Zuhören nutzen sollte, statt mit der Ausarbeitung einer neuen Lösung, die am Ende wieder niemand will.

Wieder nix.

Da ist es also passiert: Zum ersten Mal habe ich nach einem Spiel so eine Art Schreib-Blockade. Was haben wir da gestern erlebt? War es trotz der Niederlage eine ordentliche Partie unseres Teams? Oder war es nur so ein enges Spiel, weil die Viktoria zu arrogant agierte? Die Antwort auf diese Fragen fehlt mir leider noch immer, trotzdem werde ich versuchen, das gestern Erlebte in Worte zu fassen.

Zunächst wären da diese unsagbaren Transparente auf der West zu nennen, die aus allen Rohren verbal in Richtung Michael Welling feuerte. Dem Vernehmen nach ging es dabei (ausnahmsweise einmal) nicht um die sportliche Situation des Vereins, sondern darum, dass ein „Fan“ für den Wurf von Feuerzeugen zum Regress für die von Verband verhängte Strafe herangezogen wurde. Dies zeigt einmal mehr das Selbstverständnis, das auf der „West“ zu herrschen scheint. Der Verband reagiere willkürlich und außerhalb jedweder Rechtsprechung (obwohl alle im Ligabetrieb teilnehmenden Vereine sich eben dieser Sportgerichtsbarkeit (siehe auch Vereinsautonomie im Grundgesetz!) unterworfen haben), und vor diesem Hintergrund meint man anscheinend, man könne sich solche Dinge erlauben. Das gehöre eben dazu, früher war alles noch schlimmer, und überhaupt. Parallelen zur Pyrodiskussion sind hier deutlich zu erkennen. Meiner bescheidenen Meinung nach muss man sich bewusst sein, dass man für verursachte Schäden aller Art halt haftbar ist. Da ist es auch nicht von Bedeutung, dass Vereine halt mehr Geld „parat“ haben als Otto Normalzuschauer. Wenn ich auf der Autobahn mit nem Twingo in nen Rolls Royce knalle, hafte ich auch nicht nur bis zum Wert meiner Karre. Als Ehrenrettung sei gesagt, dass auch deutliche Pfiffe gegen die Plakataktion zu hören waren. Zum Thema Michael Welling lege ich dem geneigten Leser gerne den hervorragenden Beitrag der Kollegen von jawattdenn.de nahe.

Zum Spiel: In der ersten Halbzeit war unser Team darauf bedacht, nach hinten nicht viel zuzulassen, während die Kölner von Beginn an das Heft in die Hand nahmen und RWE nicht aus der eigenen Hälfte hinaus ließen. Angriff um Angriff wurde aufgebaut, scheiterte jedoch an der im Großen und Ganzen sicher stehenden Defensive.

Als RWE dann die ersten eigenen zaghaften Aktionen aufzuziehen begann, traf Viktoria mit dem ersten echten Angriff. Ein Freistoß wurde nach schnell nach vorne gespielt, Brauer rannte seinem Gegenspieler nur hinterher, dieser spielte steil in den Strafraum, wo ein Kölner Becker abschüttelte und durch die Beine von Heller vollendete. Aus meiner Sicht muss Heller hier ein, zwei Schritte auf den Schützen zumachen, anstatt im kurzen Eck auf den Beinschuss zu warten.

Nach dem Tor versuchte die Viktoria in meinen Augen, mit einer Mischung aus Hochnäsigkeit und Arroganz über Schönspielerei vor das Essener Tor zu gelangen und vergab dadurch die Gelegenheit, weitere Treffer nachzulegen. Der Rest der ersten Halbzeit war gezeichnet von am Boden liegenden Kölnern, die Probleme mit der Schwerkraft zu haben schienen und bei jedem Kontakt direkt zu Boden gingen. Weitere Chancen gab es für beide Teams also nicht, so dass es mit dem Stand von 0:1 bei einigen wenigen Pfiffen in die Pause ging.

Eine grobe Viertelstunde nach Wiederanpfiff räumte Malura in höchster Not (Steilpass in den Rücken der aufgerückten Becker und Zeiger) einen Kölner vor dem Sechzehner per Bodycheck ab, Freistoß an der Strafraumgrenze und Platzverweis waren die Folge. Malura hatte bis dahin einen starken Eindruck auf der rechten Abwehrseite hinterlassen, wenn seine Flankenläufe auch nicht im Ansatz von Erfolg gekrönt waren. Eben dieser Offensivdrang ist das, was ich bei Urban beispielsweise in den letzten Spielen vermisst habe.

Nichtsdestotrotz steckte unser Team nicht auf und schaffte es sogar zeitweise, die Gäste zurückzudrängen. In der Phase von der 60. bis zur 80. Minute war RWE dem Ausgleich in Unterzahl näher, Viktorias Konterversuche konnten frühzeitig unterbunden werden. In zwei Situationen reagierte Heller in höchster Not glänzend und konnte eine vorzeitige Entscheidung verhindern. Allerdings fiel mir in dieser Phase zum wiederholten Male die technische Begrenztheit im Spiel von David Jansen auf, der – oft lang und hoch angespielt – kaum einen Ball festmachen konnte. Marcel Platzek wurde jedoch ausgewechselt – dies führte zu weiteren Pfiffen in Richtung Trainerbank, da für den Außenstehenden natürlich nicht zu erkennen war, dass er sichaufgrund eines Schlages gegen den Kopf vermutlich eine Gehirnerschütterung zugezogen hat – und so durfte Jansen bis zum Spielende „wirken“. Der Transfer von Jansen, zu Saisonbeginn in der Journaille als „Königstransfer“ gefeiert, ist bislang ein echter Rohrkrepierer. Der später eingewechselte Bednarski wirkte direkt engagierter und auch gefährlicher in seinen Aktionen.

Sekunden vor Spielende hatte ein Großteil der Zuschauer schon den Jubelschrei auf den Lippen. Pröger erlief einen Rückpass auf den Kölner Keeper und konnte dessen Abschlag blocken, allerdings sprang der Ball zu weit hoch und nach außen, so dass er aus spitzem Winkel am zurückeilenden Torwart scheiterte.

Dass mit der letzten Aktion dann gegen die komplett aufgerückte Defensive noch das 0:2 fiel, ist schon beinahe eine Randnotiz. Erneut verloren, Wegberg besiegt zeitgleich überraschenderweise Rödinghausen – damit ist der Abstiegskampf nun greifbar geworden, zumal bei Siegen von Bonn und Verl, die nach dem Spieltag auf jeden Fall auch noch ein Spiel weniger haben, auch auf dem Papier ein Platz auf den Abstiegsrängen droht.

Nichtsdestotrotz glaube ich noch fest daran, dass wir frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Ich kann einfach diese Bandbreite in der Qualität unserer Spiele nicht verstehen. Und überhaupt: Warum sieht es eigentlich derzeit bei unseren Gegnern immer so leicht aus, wenn diese ihre Angriffe vortragen? Zwei, drei schnelle Pässe und man steht blank vor unserer Kiste. Warum nicht umgekehrt?

Ich will doch gar nicht viel. Nur mal wieder ein paar Punkte. Vielleicht tat Baier die Denkpause mal gut, vielleicht hat auch der neue Trainer schon eine Idee, wie er mit einer Systemänderung (?) schnell wieder Erfolge erzielen kann. Generell fehlte mir auch eine gewisse Grundaggressivität, mal ’nem Ball hinterhergrätschen…

Das aktuelle Spiel des Jahres findet aber zunächst am Mittwoch am Uhlenkrug statt. In der aktuellen Lage scheint es wichtiger denn je, den Niederrheinpokal zurück an die Hafenstraße zu holen.

Ratlosigkeit, wohin man sieht

Wie gerne hätte ich an dieser Stelle über eine mitreißende, erfolgreiche Partie gegen den SC Verl berichtet. Aber irgendwie soll es wohl derzeit alles nicht sein.

Das Spiel verlief in der ersten Hälfte dermaßen höhepunktlos, dass es mir schwer fällt, irgendetwas darüber zu schreiben. Ein einziger, knapp am Essener Tor vorbeistreichender Schuss – das war es. Verl beschränkte sich aufs Kontern, RWE fand auf dem nassen Rasen im Dauerregen keinerlei Mittel, die Abwehr in Gefahr zu bringen.

In der zweiten Hälfte bot sich ein ähnliches Bild. Eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff verlor Grund nach einem Foul den Ball in Höhe der Mittellinie, statt eines Freistoßes brach ein Verler rechts durch, flankte und in der Mitte konnte sein Kollege zum 0:1 aus Essener Sicht vollenden.

Das spielte Verl natürlich in die Karten, mit jeder weiteren Minute wurde der angerührte Beton fester. Und obwohl RWE nach dem Gegentreffer gefühlte 90% Ballbesitz hatte, sollten daraus im Grunde keinerlei gefährlichen Situationen mehr entstehen. Dass in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit noch der Ausgleich nach einem Freistoß per nicht mal gefährlich aussehenden Kopfball von Urban fiel, ist zwar irgendwie ein Zeichen des Wollens, trotzdem jedoch eher als glücklich einzuordnen.

Damit ist zum Spiel an sich auch schon alles gesagt. Nicht jedoch zur aktuellen sportlichen Situation in unser aller Lieblingsverein: Es ist mir ein Rätsel, wie es passieren kann, dass aus einer engagiert aufspielenden Mannschaft ein ängstlicher Haufen wird, in dem die leichtesten Dinge nicht mehr funktionieren. Ein Benni Baier lässt seit Wochen seine positive Aggressivität, seine Körpersprache und seinen Führungsanspruch vermissen. Robin Urban fällt meist durch Fehlpässe oder Foulspiele auf, Bednarski ist häufig unsichtbar. Selbst ein Philip Zeiger, in der letzten Saison noch Garant für eine sichere Abwehr, steht oft einen Schritt zu weit vom Gegenspieler entfernt.

Woran liegt es? Der Abgang von Windmüller und auch Weber scheint nicht kompensiert zu sein. Mit Becker, Meier, Urban und Tomiak durften sich gleich vier Spieler in der Innenverteidigung versuchen – Konstanz geht anders. Jansen ist auf dem besten Wege, sich in die Liste unserer Stürmerlegenden Knappmann und Behrens einzureihen. Platzek scheint hier unersetzlich, ihn nach außen zu ziehen und Jansen in die Mitte zu stellen erwies sich bisher als Luftnummer. Grund – unser bester Vorbereiter seit mehreren Jahren – dürfte nach seinem heutigen verletzungsbedingten Abgang für Wochen ausfallen – ich mag gar nicht daran denken. Ngankam scheint bei Demandt keine Chance zu haben. Und auch das Fehlen von Malura macht sich auf links durch mangelnde Offensivaktionen bemerkbar. Über allem steht zudem die Frage, ob die Mannschaft noch hinter dem Trainer steht oder ob er sie noch erreicht.

Am Ende werden wohl die berühmten Mechanismen greifen und Sven Demandt seinen Stuhl räumen müssen. Die Spatzen pfeifen schon von den Dächern, dass er zumindest nicht mehr viele Chancen bekommen dürfte. Ich persönlich finde es schade, weil er zu Beginn seiner Karriere hier durchaus den Eindruck machte, dass er zu RWE passen könnte. Jedoch steht der Verein an oberster Stelle, daher wird die Trennung wohl schon bald erfolgen. Ich hoffe, sein Nachfolger kann dann schnell Impulse setzen, um das Team wieder in die Spur zu bringen.

Der Gegenwind wird stärker.

FC Wegberg-Beeck. Dieses Mal fiel es mir – man kann es an der Dauer von Abpfiff bis Veröffentlichung dieses Beitrages erkennen – mehr als schwer, dem Spiel angemessene Worte zu finden.

Zwar begann die Partie mit einem Lattenknaller-Freistoß von Grund, wir gingen durch Bednarski nach Pröger-Ecke in Führung und auch mit dieser in die Pause, doch trafen die Gäste kurz nach jener mit einem 20m-Flachschuss, bei dem Heller mangels Sicht keine Chance hatte. Heller war es auch, der uns dieses Mal mit zwei, drei Glanztaten den Punkt sicherte, denn Wegberg hatte den Sieg mehr verdient, die entsprechenden Chancen dazu, nur halt nicht das bisschen Glück, den Ball dann auch zu versenken. RWE hingegen hatte in der gesamten zweiten Hälfte nur zwei gute Situationen: In der ersten setzt sich Platzek im Sprintduell durch und legt vor dem herauseilenden Keeper quer auf Bednarski, doch obwohl dieser sich klar hinter dem Ball befand zählte der Treffer wegen angeblichem Abseits nicht, in der Schlussminute konnte Grund an die Strafraumkante flanken, die Kopfballverlängerung von Jansen fand Pröger, der mit feinem Fuß den Ball für Platzek erneut flankte, doch dessen Kopfball wurde quasi auf der Linie geblockt.

Und so blieb es also bei einem trostlosen Unentschieden gegen einen (bei allem sportlich gebotenen Respekt) Anwärter auf die diesjährigen Abstiegsplätze, schlechte Laune und Verweigerung (a)sozialer Medien inklusive. Ich ertrage derzeit echt nicht, wenn angebliche Anhänger unseres Teams sich in Spott und Häme suhlen, von „Pennerverein“, Punktgewinnen im heimischen Stadion sprechen oder sich in Sprüchen wie „wir sind ein Fußballverein, keine Bank, Welling go home!!!!elf!“ verewigen. Das hat mich beispielsweise auch dazu bewogen, die wohl größte und ansonsten tolle Facebookgruppe „Rot Weiss Essen für immer“ zu verlassen. Man möge mich als Heulsuse, Sensibelchen oder Weichei abstempeln, aber ich ziehe meinen Seelenfrieden dem Stumpfsinn einiger weniger, die dafür um so lauter brüllen, vor.

Ich will und werde mich auch nicht einreihen in die Schimpftiraden derer, die auf teilst unflätigste Art Kopf von wahlweise Präsident, Trainer, Kapitän, Spielern oder einer beliebigen Kombination derer fordern. Was ich aber sehe, ist, dass es derzeit irgendwie der Mannschaft nicht möglich scheint, das vom Verein gelehrte Selbstverständnis vom großen Club in entsprechende Dominanz und Resultate auf dem Platz umzuwandeln. Dabei glaube ich nicht einmal, dass es ein Problem der Einstellung ist: Gewinnen wollen die alle. Die Jungs lassen sich lieber Woche für Woche nach einem Sieg feiern, als nach unglücklichen Unentschieden (damit meine ich ausdrücklich nicht die gestrige Partie) wie ein Hund in die Kabine gewünscht zu werden. Aber wenn du ohnehin verunsichert bist, dann hast du halt auch Bammel vor dem Gegentor, dass deine eigenen Fans gegen dich aufbringt. Das lähmt die Beine, das nimmt den Mut, einfach auch mal Dinge zu probieren. Andererseits gibt diese Angst dem Gegner genau dies: Der Ball läuft, die frechsten Kombinationen funktionieren, wie Wegberg zum Teil eindrucksvoll vorgemacht hat.

Dementsprechend glaube ich auch nicht, dass ein Trainerwechsel das wäre, was unserem Verein jetzt gut tun würde. Ob Siewert, Fascher oder Demandt, das Problem war eigentlich immer das Selbe: Die Spieler konnten dem Erwartungsdruck an der Hafenstraße nicht gerecht werden. Zudem waren wir wahlweise zu offensiv, zu defensiv, hatten zu frühe / späte / falsche Auswechselungen oder schlicht nur Flaschen im Kader.

Nach der Partie jedenfalls hatte die Mannschaft noch ein mehrminütiges Meeting mit der Kurve, wenn ich das richtig gesehen habe, ist sogar einer der Vorsänger unten gewesen und hat ein paar direkte Worte ans Team gerichtet. Allein dies zeigt, dass zumindest die „aktive Szene“ trotz allem „Wir ham die Schnauze voll“ noch zur Kommunikation bereit ist und die Hand reicht, gemeinsam die nächsten sicher schwierigen Aufgaben anzugehen. Was mir weniger gefiel war das Verhalten des Cheftrainers, der (wie nach jedem Spiel!) nicht den Weg zur Kurve suchte, sondern erst nach vehementen „Demant raus!“-Rufen den Weg dorthin antrat. In dieser aufgehitzten Situation mit den Händen in der Tasche dorthin zu gehen und sich dann mit verschränkten Armen und mit den Schultern zuckend dort aufzubauen… Diese Gestik trug nicht zur Deeskalation bei, sondern signalisierte eher, dass er die Kritik nicht nachvollziehen konnte oder wollte. Ich hoffe, dass ich mich in diesem Punkt irre.

Lösungsansätze für unsere derzeitige Misere habe ich aber auch keine. Klar, früher oder später werden auch hier die berühmt-berüchtigten Mechanismen greifen, vielleicht gibt es aber noch Optionen jenseits arbeitsrechtlicher Dinge. Christoph Daum ließ neulich die rumänische Nationalmannschaft den Mannschaftsbus ziehen, um das Team zusammenzuschweißen. Vielleicht sollte man sowas in der Art hier auch mal machen. Für sie ist RWE vielleicht nur ein Job. Ist ihr Engagement hier beendet, gehen sie nach Dingenskirchen oder Weißdergeiersdorf. Für die meisten von uns ist er die Liebe des Lebens, der wir in irgendeiner perfiden Art und Weise hörig geworden sind, so dass wir nicht mehr von ihr lassen können. Wenn die Spieler das verstehen, wenn sie dasselbe Feuer dafür entfachen können, dann werden wir auch wieder Fußballriesen wie Westfalia Rhynern oder die TuS Erndtebrück nur noch als sportliche Randnotiz und nicht mehr als Gefahr für unsere Punkte wahrnehmen.

Abschließend möchte ich die folgende etwa halbstündige „Trilogie“ (Teil 2 und 3 dann unter dem Link) ans Herz legen, in der Doc Welling einigen Fans nach dem Spiel Rede und Antwort stand. Für mich klingt das alles nachvollziehbar, absolut authentisch und mit der gebotenen Emotionalität, ohne die Sachlichkeit zu verlieren. Der Doc geht in dem Video unter anderem auf die Vorwürfe ein, das Team wolle mit Demandt nicht mehr zusammenarbeiten, man hätte Kleve abschießen müssen oder auch zum Vorwurf, man würde nicht genügend trainieren. Ich würde mich freuen, dazu in den Kommentaren zu diesem Blog eure Meinungen zu lesen. Lasst auch bitte dem Video-Eigentümer ein „Like“ auf dessen Youtube-Channel da 😉

Nachschlag

Nachdem unser aller Lieblingsverein nun nochmal auf dem Transfermarkt tätig war, „schulde“ ich euch noch ein kleines Update zu den beiden noch fehlenden Neuzugängen (hier nochmal mein erster Beitrag):

Hervenogi Unzola
Dieser Spieler dürfte den wenigsten bekannt gewesen sein, obwohl er bei den Jugendmannschaften von Leverkusen, der Kölner Viktoria und auch dem BVB ausgebildet wurde, in Dortmund auch in der 2. Mannschaft zum Einsatz kam und dann über Lotte nach Verl ging, wo er in den vergangenen zwei Saisons mit 32 bzw. 29 Spielen durchaus Stammpersonal war. Seine Position ist der linke Verteidiger, womit er eine Alternative zu Cokkosan bildet. Somit sind die Zeiten der „Notlösung“ Grund in der Verteidigung wohl vorbei.
Prognose:  dürfte sich trotzdem erstmal hinter Cokkosan anstellen

David Jansen
Vermutlich letzter Transfer dieses Sommers ist der ehemalige Oberhausener und zuletzt bei Viktoria angestellte Jansen. Obwohl er während aller Spiele gegen RWE, an die ich mich so erinnern kann, alles dafür getan hat, vom Essener Publikum gehasst zu werden, hat seine Verpflichtung kurioserweise eher Beifall und Erstaunen in den sozialen Netzwerken hervorgerufen. Mit 42 Toren aus 124 Partien, also einem Treffer in durchschnittlich jedem dritten Spiel hat er auch eine Top-Bilanz, wenn er auch in der vergangenen Saison nur noch 3 Treffer erzielte. Hier spielte aber sicherlich eine Rolle, dass z.B. ein Kreyer plötzlich das Tor wieder gefunden hat und er zuletzt auch mit dem Trainer dem Hörensagen nach nicht mehr so gut zurecht kam. Jansen bringt das mit, was meiner Meinung nach noch ein wenig im Sturm fehlte: Er ist ein klassischer Mittelstürmer, der auch mal das Dreckschwein raushängen lässt. Jemand, der einfach mit seiner Wucht in den Strafraum ziehen und sich auch gegen zwei Gegenspieler mal durchsetzen kann.
Prognose: Nach Engelbrechts Ausfall und der derzeitigen Verletzung von Bednarski ist es durchaus im Bereich des Denkbaren, dass in der Spitze direkt neben Platzek spielt.

Damit haben wir nun im Angriff so etwas wie ein Luxusproblem, denn Bednarski und Pröger sind eigentlich auch zu schade für die Bank, Grund ist momentan der einzige linke Mittelfeldspieler im Kader, der dort sinnvoll agiert.

Meine Startelf gegen Dortmund:

Angriff:                              Platzek / Jansen
Off. Mittelfeld:              Grund / Baier / Pröger
Def. Mittelfeld:                     Meier (Lucas)
Verteidigung:      Cokkosan / Urban / Zeiger / Malura
Tor:                                           Heller (Lenz)

Von wegen „Goldene Ananas“!

Bald ist es also soweit: Das Finale der Champions League im Niederrhein-Pokal gegen die Zebras aus Duisburg.

Während einige dem Spiel wohl fernbleiben, weil ihnen die Mannschaft in der abgelaufenen Saison nicht den Aufstieg oder wenigstens den Meistertitel geschenkt haben, gibt es weitere Stimmen von Leuten, die das Spiel vor dem heimischen Fernseher in einer lieblos gestalteten Konferenzschaltung „genießen“. Der „echte“ Andrang auf die Tickets, der noch in den beiden letzten Jahren gegen Oberhausen und Wuppertal herrschte, blieb dem Vernehmen nach aus. Die West ist voll, klar, aber auf der „Rahn“ und auch im Gästebereich werden wohl eine ganze Reihe Plätze leer bleiben (oder vielleicht am Spieltag noch verkauft).

Doch ist dies wirklich nur ein Spiel, in dem es um nichts mehr geht? Klar, der MSV wäre lieber schon wieder auf Mallorca, um sich auf den Aufstieg in die zweite Liga schön die Kante zu geben, und RWE hat damit die erste Hauptrunde im DFB-Pokal ja ebenfalls schon erreicht.

Doch viel zu groß ist trotz der Ligaunterschiede die Rivalität, die sich wie im Pott üblich schon aus der räumlichen Nähe ergibt. Der MSV spielte zuletzt die „Nemesis“ der Rot-Weissen, denn sie sind der letzte Gegner, gegen den unsere Jungs in diesem Wettbewerb verloren. 1:4 nach Elfmeterschießen im Halbfinale 2013/14. Und auch der letzte Gegner in der zweiten Bundesliga war der MSV, das 0:3 an der Wedau besiegelte den Abstieg in die damalige Noch-Regionalliga, die wenig später zur 3. Liga werden sollte (ebenfalls ohne Essener Anwesenheit, die Story ist wohl bekannt). Geschichte am Rande: Baris Özbek, heute im Duisburger Kader, spielte damals noch für den RWE.

Das letzte Spiel RWE-MSV mit einem positiven Ausgang für unser Team, an das ich mich erinnern kann, liegt schon über 20 Jahre (sic!) zurück: DFB-Pokal-Achtelfinale 1993/94. Fehler Rollmann kurz nach Anpfiff, Harry Kügler schnappt ihm die Kugel weg und erzielt die frühe Führung. Rückkehrer Jürgen Wegmann (sein erstes (?) Spiel nach seiner Rückkehr an die Hafenstraße) macht wenige Minuten nach seiner Einwechslung den Deckel drauf und erzielt das 4:2. Der Rest: auch hier Geschichte. Jena, Tennis Borussia, Finale gegen Bremen. Tatsächlich gab es danach 2004/05 noch einen einzigen 1:0-Sieg  in der 2. Liga (Torschütze: Lintjens) gegen die Duisburger, alle anderen Spiele gingen verloren.

Aber selbst wenn der MSV auch statistisch mit 7:13 Siegen bei 10 Unentschieden die Nase vorne – hat an der Hafenstraße ist für uns alles möglich. Besonders weil nicht mehr allzuviel auf dem Spiel steht, haben wir nichts zu verlieren. Wir können befreit aufspielen, denn blamieren kann sich nur der Noch-Drittligist.

Ich freue mich wahnsinnig auf diese Partie und wünsche uns allen, dass uns peinliche Aktionen wie Platzstürme, Pyro-Selbstinszenierungen und Polizeiaufmärsche (jaja, die Essener wieder… Nicht wahr, Herr Jäger?!) erspart bleiben. Lasst uns einmal mehr TV-Fußball-Deutschland zeigen, dass der RWE noch lange nicht von der Bildfläche verschwunden ist. Neunzig, vielleicht 120 Minuten plus Elferschießen Vollgas, auf dem Rasen, auf der Tribüne. Denn wir können nur gewinnen!

NUR DER RWE!