Von wegen „Goldene Ananas“!

Bald ist es also soweit: Das Finale der Champions League im Niederrhein-Pokal gegen die Zebras aus Duisburg.

Während einige dem Spiel wohl fernbleiben, weil ihnen die Mannschaft in der abgelaufenen Saison nicht den Aufstieg oder wenigstens den Meistertitel geschenkt haben, gibt es weitere Stimmen von Leuten, die das Spiel vor dem heimischen Fernseher in einer lieblos gestalteten Konferenzschaltung „genießen“. Der „echte“ Andrang auf die Tickets, der noch in den beiden letzten Jahren gegen Oberhausen und Wuppertal herrschte, blieb dem Vernehmen nach aus. Die West ist voll, klar, aber auf der „Rahn“ und auch im Gästebereich werden wohl eine ganze Reihe Plätze leer bleiben (oder vielleicht am Spieltag noch verkauft).

Doch ist dies wirklich nur ein Spiel, in dem es um nichts mehr geht? Klar, der MSV wäre lieber schon wieder auf Mallorca, um sich auf den Aufstieg in die zweite Liga schön die Kante zu geben, und RWE hat damit die erste Hauptrunde im DFB-Pokal ja ebenfalls schon erreicht.

Doch viel zu groß ist trotz der Ligaunterschiede die Rivalität, die sich wie im Pott üblich schon aus der räumlichen Nähe ergibt. Der MSV spielte zuletzt die „Nemesis“ der Rot-Weissen, denn sie sind der letzte Gegner, gegen den unsere Jungs in diesem Wettbewerb verloren. 1:4 nach Elfmeterschießen im Halbfinale 2013/14. Und auch der letzte Gegner in der zweiten Bundesliga war der MSV, das 0:3 an der Wedau besiegelte den Abstieg in die damalige Noch-Regionalliga, die wenig später zur 3. Liga werden sollte (ebenfalls ohne Essener Anwesenheit, die Story ist wohl bekannt). Geschichte am Rande: Baris Özbek, heute im Duisburger Kader, spielte damals noch für den RWE.

Das letzte Spiel RWE-MSV mit einem positiven Ausgang für unser Team, an das ich mich erinnern kann, liegt schon über 20 Jahre (sic!) zurück: DFB-Pokal-Achtelfinale 1993/94. Fehler Rollmann kurz nach Anpfiff, Harry Kügler schnappt ihm die Kugel weg und erzielt die frühe Führung. Rückkehrer Jürgen Wegmann (sein erstes (?) Spiel nach seiner Rückkehr an die Hafenstraße) macht wenige Minuten nach seiner Einwechslung den Deckel drauf und erzielt das 4:2. Der Rest: auch hier Geschichte. Jena, Tennis Borussia, Finale gegen Bremen. Tatsächlich gab es danach 2004/05 noch einen einzigen 1:0-Sieg  in der 2. Liga (Torschütze: Lintjens) gegen die Duisburger, alle anderen Spiele gingen verloren.

Aber selbst wenn der MSV auch statistisch mit 7:13 Siegen bei 10 Unentschieden die Nase vorne – hat an der Hafenstraße ist für uns alles möglich. Besonders weil nicht mehr allzuviel auf dem Spiel steht, haben wir nichts zu verlieren. Wir können befreit aufspielen, denn blamieren kann sich nur der Noch-Drittligist.

Ich freue mich wahnsinnig auf diese Partie und wünsche uns allen, dass uns peinliche Aktionen wie Platzstürme, Pyro-Selbstinszenierungen und Polizeiaufmärsche (jaja, die Essener wieder… Nicht wahr, Herr Jäger?!) erspart bleiben. Lasst uns einmal mehr TV-Fußball-Deutschland zeigen, dass der RWE noch lange nicht von der Bildfläche verschwunden ist. Neunzig, vielleicht 120 Minuten plus Elferschießen Vollgas, auf dem Rasen, auf der Tribüne. Denn wir können nur gewinnen!

NUR DER RWE!

Hinaus mit Applaus

Als letzter Gegner in der Liga durften sich die Nachbarn vom Kanal im Stadion Essen präsentieren. Die Voraussetzungen für die Partie waren quasi perfekt: strahlender Sonnenschein, mehr als 13.000 Zuschauer, nur sportlich ging es für beide Teams wohl nur darum, sich nicht zu verletzen. 

Und so plätscherte die Partie dann auch gute 15 Minuten vor sich hin, ohne dass ein Team eine Torchance herausspielen konnte. Dann schickte zunächst Baier mit einem feinen Pass auf die Reise, dieser versuchte jedoch, mit seinem schwachen Fuß quer zu spielen, was leider gründlich misslang. Wenig später machte es der Kapitän dann selbst vor: Er zog aus zentraler Position rechts in den Strafraum und vollendete zur Führung.

Der Jubel sollte aber nur von kurzer Dauer sein. Ecke RWO, Kopfball – Ausgleich. Wettkönig Kaya hatte wohl noch die Fußspitze dran, so dass Heller nicht mehr reagieren konnte. 

Der Rest der ersten Halbzeit plätscherte vor sich hin, wobei Oberhausen wohl etwas mehr Spielanteile hatte. 

Dafür sollte die zweite Hälfte mit einem Paukenschlag beginnen: feine Direktpass-Kombination über Windmüller, Bednarski, Malura und Platzek zum 2:1. Es schien nicht nur, als ob RWO nur den Start verpennt hätte, von da an gehörte das Spiel unserem Team. RWO schien plötzlich nervös, wieder und wieder landeten Pässe in den Füßen unserer Spieler. So auch, als sich der eingewechselte Rabihic mit Grund und Platzek in einer 3 gegen 2-Überzahl wiederfand und statt dem von allen erwarteten Pass nach außen selbst abzog, den Ball aber nicht ganz traf, damit jedoch den Keeper für einen Moment auf dem falschen Fuß erwischte – 3:1.

Wenig später gelang den Kleeblättern mit einem sehenswerten 18m-Schlenzer zwar noch der Anschluss, dann vergab Rabihic aus guter Position (er hatte wohl zu viel Zeit zum Nachdenken) das 4:2. Kurz vor Schluss geriet unser Kasten noch einmal unter arge Bedrängnis, mit vereinten Kräften konnte der erneute Ausgleich jedoch verhindert werden. Letztendlich durften die Hausherren aber zum Abschluss noch einmal einen Heimsieg bejubeln, der nach der zweiten Halbzeit wohl auch so in Ordnung ging. 

Auffällig war, dass die ordnende Hand von Baier nach dem 3:2 und dem resultierenden Oberhausener Druck fehlte. Dies war nicht zum ersten Mal diese Saison der Fall. Hier scheint also Handlungsbedarf zu herrschen. Bednarski zentral zu stellen, dafür Platzek nach außen, macht optisch auf mich einen besseren, weil gefährlicheren Eindruck. 

Eine kleine Anmerkung zum traditionellen Integrationstag: so schön es auch ist, das Stadion vollzumachen und Leute ins Stadion einzuladen, die sonst aus verschiedensten Gründen keine Möglichkeit zu einem Besuch haben – ob Spiele der Marke „Goldene Ananas“ mit entsprechender Stimmung dazu förderlich sind, Neulinge mit RWE-Fieber anzustecken – ich weiß nicht… vielleicht könnte man darüber nachdenken, dass ganze Richtung Saisonstart, vielleicht 2. Heimspiel oder so zu legen. 

Dieser Sieg gibt jedoch noch mal Selbstvertrauen, denn ein Team von „da oben“ konnte im Zaum gehalten und besiegt werden. Und das ist nicht ganz unwichtig, schliesslich gibt es abseits der Liga noch ein weiteres Heimspiel in dieser Saison. Und gegen diesen Gegner würden wir ja gerne besser aussehen als die Jungs vom Canale Grande im Halbfinale.  

„Döp Döp Döp DödöDöp Döp – ROT-WEISS-ESSEN!“

Es gibt Spiele, die sind legendär. Das 2:0 gegen die Blauen im Pokal, oder das Finale um die Deutsche Meisterschaft 1955. Dann gibt es Spiele, an die erinnert sich keine Sau mehr. Und dann gibt es Spiele, die würden eigentlich in die letztere Kategorie fallen, dann aber durch ihre eigenen Anekdoten vielleicht zumindest unter die Kategorie „weiße noch damals, gegen wen war datt noch?“ fallen. Die Partie gegen die Sportfreunde aus Siegen hat Potential zu ebenjenem.

Die Details rund ums Spiel sind an sich schnell geklärt. Das gesamte Spiel fand im Grunde immer in der Siegener Spielfeldhälfte statt. In der ersten Halbzeit erstocherte sich ein Rot-Weißer einen Querpass, scheiterte dann frei vor dem Keeper beim Versuch, den Ball auf Bednarksi querzulegen. Wenig später lenkte der Siegener Keeper einen Flachschuss von Baier/Rabihic (?) gerade noch an den Pfosten, nach einer kurz ausgeführten Ecke zwang Zeiger den Schlussmann ebenfalls zu einem guten Reflex. Auf der anderen Seite lief ein Siegener nach einem Ausrutscher im Mittelfeld von Lucas alleine auf Heller zu, der den Ball aber parieren konnte, etwa 10 Minuten vor der Halbzeit fiel dann der schmeichelhafte Führungstreffer für die Gäste nach einem Angriff über unsere linke Seite mit dem zweiten Torschuss. RWE musste sich zu diesem Zeitpunkt ankreiden lassen, die eigenen Chancen mal wieder nicht genutzt zu haben, ansonsten hatte man den Gegner eigentlich im Griff.

In der Halbzeitpause gab es dann ein Wiedersehen mit den letzten Helden, die wir hier bejubeln durften: Thamm, Lamczyk und große Teile des 2011er-Aufstiegsteams ließen sich auf dem Feld noch einmal bejubeln und erinnerten an eine „bessere“ Zeit, als die Hafenstraße auf ihre besondere Art bisher zum letzten Mal eine schier uneinnehmbare Festung darstellte.

In Halbzeit zwei ein ähnliches Bild, bis zum Sechzehner überließen die Gäste RWE den Ball, allerdings konnte unser Team über weite Strecken keine weiteren Chancen herausspielen. Es wirkte alles zu lieb, zu harmlos. Ich hatte den Eindruck, dass ein wenig mehr Emotion, etwas mehr Aggressivität auf dem Platz nicht geschadet hätte. Lediglich Malura lieferte sich ein kleineres Scharmützel in mehreren Akten mit einem Siegener, allerdings lag der Schiri hier mit seinen Entscheidungen wohl richtig. In dieser Phase komme ich auf meine Einleitung zurück, denn dieses Spiel wäre wohl nur eines von vielen gewesen, wäre da nicht die englische Groundhopper-Truppe in W3 gewesen, die mit Gesängen à la „Essen’s on fire, your defense is terrified“ (haha, wie zynisch) und „Don’t take me home… I want to stay here and drink all the beer“ zunächst ihre eigene Party feierte, dann aber mit Depeche Modes „I just can’t get enough“ einen respektablen Teil des Block zum Mitsingen (Text siehe Überschrift) animieren konnte. Meine bescheidene Meinung dazu: Das hat Potential, dauerhaft ins Repertoire „unserer“ Ecke und auch darüber hinaus aufgenommen zu werden.

Auf dem Platz gab es dann aber auch noch zwei Höhepunkte: Nach einer Ecke von Lucas wurde der Ball am kurzen Pfosten verlängert und fand den Kopf von Philipp Zeiger, der einmal wieder einen großartigen Tag erwischte und den Ball zum Ausgleich über die Linie drückte, ein paar Minuten später gab es einen feinen Pass vom mal wieder zu ballverliebten Rabihic Richtung Elferpunkt, ein Essener (Windmüller?) täuschte eine Ballannahme an, ließ den Ball aber durch, so dass Bednarski in aller Ruhe annehmen und zum 2:1 einnetzen konnte.

Der Rest des Spiels war eher Ergebnisverwaltung als Spiel auf das 3:1. Warum das so war, das kann wohl niemand ernsthaft beantworten. Wollte man endlich zum ersten Mal diese Saison den dritten Sieg in Folge holen, oder fand man einfach keine Mittel? Insgesamt war mir das rot-weisse Spiel heute zu sehr mit dem Prädikat „FSK 12“ versehen, alles viel zu harmlos. Hier und da mal eine Grätsche oder ein Rempler mehr, um auch die Ränge mitzunehmen und hinter sich zu bringen, dem Gegner auf den Füßen stehen, so etwas hätte ich mir gegen eine sportlich abstiegsgefährdete Truppe, die in den vergangenen Wochen in schöner Regelmäßigkeit die Hucke voll bekommen hat, doch sehr gewünscht.

Wie schon erwähnt Zeiger wie immer das Licht im Dunkel, Baier heute blass. Rabihic muss endlich mal lernen, den Ball rechtzeitig auf den mitgelaufenen Spieler zu spielen, anstatt siebzehn Haken zu schlagen, technisch gesehen kann er das alles doch viel besser.

Am Ende war es also der befürchtete Frühlingskick um die goldene Ananas, das gute, mollige Gefühl, gewonnen zu haben, bleibt. Ich höre mir jetzt nochmal die Best of von Depeche Mode an, vielleicht ist da noch eine andere musikalische Perle dabei.

NUR DER RWE!

Kleine Farbenlehre

„An Gründonnerstag treffen die Blauen auf Rot-Weiss Essen“, so kündigte Stadionsprecher-Legende Walter Ruege das gestrige Spiel gegen den nördlichen Nachbarn an. Ich nehme es vorweg: Obwohl wir ins Schwarze getroffen und gewonnen haben, war es trotzdem nicht das Gelbe vom Ei. Auch nicht mit rosaroter Brille. 

Nach kurzem Abtasten in den ersten fünf Minuten kam RWE besser ins Spiel und dominierte die ersten gut 20 Minuten. Königsblau kam kaum in Ballbesitz, und wenn doch, eroberte ein Essener Fuß selbigen umgehend zurück. Nach etwa 20 Minuten dann aber doch ein seltsamer Bruch im Spiel, die Gäste wurden frecher und kamen zu ersten eigenen Chancen, die aber ebenso ungefährlich verpufften wie die unseren. 
Drei Szenen waren vor der Pause noch nennenswert: erst wird Cokkosan in einer Kontersituation zentral steil geschickt, „vergisst“ aber in der 3 gegen 3 Situation kurz hinter der Mittellinie den Ball, später lässt sich Heller bei einem Rückpass so viel Zeit, dass sein Abschlag geblockt wird. Der Stürmer behielt hier zum Glück nicht die Nerven und traf nur das Außennetz. Die kurioseste Szene aber nach gut 30 Minuten: ein hoher Rückpass senkt sich gefährlich Richtung Torwinkel, so dass der Gästekeeper ihn lieber fängt – indirekter Freistoß aus 5m! Mir persönlich war die Ausführung zu unkreativ. Brauer tippte für Bednarski an, dessen Schuss aber geblockt wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass sich vielleicht ein Roter zwischen die Verteidiger gestellt hätte oder mehrere Schützen gleichzeitig angelaufen wären (z.B. für eine Vorlage per Hacke), um das Verteidigen zu erschweren. Auch zurücklegen wäre möglicherweise besser gewesen, um die vielbeinige Abwehr final zu überwinden. So aber ging es mit 0:0 in die Pause. 

Nach dem Seitenwechsel plätscherte das Spiel zunächst weiter vor sich hin, bis am Elfmeterpunkt ein Blauer den Ball zunächst in aller Seelenruhe annehmen konnte, aus der Drehung dann aber an einem tollen Reflex von Heller scheiterte. Im Gegenzug lief der zur Pause für Cokkosan eingewechselte Malura seinem Gegenspieler davon und flankte. Der Ball war deutlich zu hoch, doch Bednarski erlief ihn, setzte sich durch und spielte von der Grundlinie auf Ngankam, dessen Kopfball gehalten wurde. Den Abpraller drückte Fußballgott Platzek zur ein wenig glücklichen Führung über die Linie. 

Ab diesem Zeitpunkt lief es bei Rot-Weiss zunächst besser, plötzlich hatte der Gast Mühe, an den Ball zu kommen. In dieser Phase kann man RWE nur vorwerfen, keine weiteren Chancen herausgespielt zu haben. Daher war es extrem unnötig, dass Königsblau die letzte Viertelstunde wieder zu Chancen kam und das Zittern um den ersten Heimsieg 2017 wieder beginnen musste. In der Schlussminute stockte dann vielen Zuschauern der Atem, als Heller eine Flanke durch die Hände glitt, er den Nachschuss aber wieder prima parierte. Wenig später war dann Schluss, ein wenig Jubel hier, Applaus dort, doch die große Fröhlichkeit blieb aus, wie auch die Stimmung das ganze Spiel über eher auf Stufe „mau“ blieb. 

Man hat gestern gemerkt, wie wichtig Baier für das Team ist. Im Mittelfeld arbeiteten Brauer und Lucas zwar solide, aber es fehlte doch die ordnende Hand, jemand, der mal eine Grätsche auspackt, um die Mannschaft zu wecken. Heller muss dringend seine Aussetzer abstellen, auch wenn es gestern noch mal gut gegangen ist. Philipp Zeiger sollte mal Jogi Löw kontaktieren, falls Hummels längerfristig ausfällt – das war wieder Verteidigen auf höchstem Niveau. Trotzdem frage ich mich, warum wir unsere auf dem Papier vorhandene Offensivkraft nicht auf den Platz bekommen. 

Am Ende zählt jedoch nur das Ergebnis, und da haben wir endlich mal wieder die Nase vorn. Und wie heißt es so schön? Lieber viermal 1:0 als einmal 4:0.

Nur der RWE!

Auf der Suche nach dem „Warum?“

Die heutige Partie gegen Rot-Weiß Ahlen hinterlässt bei mir ein großes Fragezeichen. Wie konnte es passieren, dieses zur Halbzeit in noch so trockenen Tüchern gewähnte Match noch zu einem Unentschieden verkümmern zu lassen?

Das Spiel durfte ich aus ungewohnter Perspektive beobachten. Da meine Tochter als Einlaufkind mit dabei war, nahm ich nach langer Zeit mal wieder auf der Haupttribüne Platz, leider relativ weit unten, so dass man eigentlich von den Spielzügen nicht viel erkennen konnte. Dafür konnte ich die erneut sehr gelungene Choreo bewundern – danke dafür!

Aber das, was ich vom Spiel zu sehen bekam, gefiel mir in der ersten Halbzeit sehr gut.

Der Gegner wurde Großteils hinten reingedrängt, immer wieder wurde über außen das Spiel schnell gemacht und in die Mitte geflankt – leider meist mit minderer Qualität. Ahlen mit ein paar Entlastungsangriffen, die aber meist im Ansatz verpufften. Nach einer guten halben Stunde dann Flanke Malura, in der Mitte wird von einem Ahlener der Ball zu Platzek „geklärt“, dieser legt quer auf Ngankam, der ins leere Tor einschieben konnte. 1:0!

Nachdem ich dies meinen Freunden getickert hatte, die heute nicht im Stadion sein konnten, guckte ich hoch und sah gerade noch, wie ein Ball auf Hellers Kasten verlängert wurde, dieser den Ball im Rückwärtsfallen noch an die Latte lenkte, dann aber zum Ausgleich abgestaubt wurde.

Wenige Augenblicke später gab es dann einen langen Ball – eher ein Befreiungsschlag – etwa auf Höhe der Essener Bank ins lange Eck des Strafraums. Der zuständige Ahlener Verteidiger und Ex-Essener Sascha Kirschstein (übrigens ab der 1. Minute mit Zeitspielambitionen) sprangen unter dem Ball durch, wieder Ngankam – 2:1.

Mit diesem Resultat ging es in die Halbzeitpause, und obwohl ich schon so oft enttäuscht wurde, bin ich auch dieses Mal wieder optimistisch gewesen, dass DIESE Messe gelesen sei. Zu deutlich der Unterschied, zu harmlos die Ahlener. Und da schließt sich der Kreis wieder zu meinem Fragezeichen: Wie konnte es sein, dass das Spiel nun komplett in die andere Richtung lief?

Anstatt weiterer Dominanz plötzlich freche Ahlener, die Konter um Konter auf unser Tor brachten, nur noch ein paar wenige Szenen von RWE. Eine davon die Mega-Chance für Platzek: Malura rechts durch, scharfe Hereingabe nach innen auf Platzek, der aus 5m an einer Blitzreaktion von Kirschstein scheiterte.

Dann jedoch ein Konter von Ahlen. Erst ging Brauer (?) nicht richtig drauf, dann war der Ball plötzlich drin. Ob es nun ein Torwartfehler war oder nicht – ich vermag es nicht zu sagen. Der Treffer lag zwar nicht in der Luft, kam aber auch nicht aus dem Nichts.

Platzek hatte dann noch eine gute Szene, scheiterte aber erneut. Kuriosum am Rande: Ahlen wechselte seinen Co-Trainer (!) ein. Unser Team wurde wieder aktiver, es reichte aber nur noch zu einem Kopfball von Weber in der Nachspielzeit, den erneut Kirsche von der Linie kratzte.

Ja, woran lag es? Dem einsetzenden Regen? Dem frecher werdenden Gegner? Am Zeitspiel der Ahlener (besonders – ich betone es erneut – der Keeper, wieso pfeift ein Schiri in einer Szene zweimal mit der Geste „Gib Gas“, zeigt aber nicht mal ne Karte?)? Gibt eine Führung bzw. erneute Führung nach unglücklichem Ausgleich nicht Aufwind und Moral, den Sack zuzumachen? Ich weiß es nicht. Demandt dürfte nicht zufrieden gewesen sein, so wie er an der Seitenlinie verzweifelt ist.

Da selbst für die kühnsten Optimisten (mich) der Zug sowas von abgefahren ist, erwarte ich einfach, dass nun die letzten Partien dazu genutzt werden, genau zu sichten, wo Handlungsbedarf am „Spielermaterial“ besteht. Schön, dass Obst wieder fit ist, aber war Ngankam wirklich so platt, dass man DIESEN Wechsel vollziehen musste? Er sah nicht wirklich gut aus in den wenigen Szenen, die er hatte.

Zu allem Überfluss wurden ich und mein Sohnemann nach dem Spiel noch von Radio Essen interviewt… Sehr unangenehm, wenn man gerade gefühlt verloren hat.

Ich persönlich freue mich auf die bewegten Bilder vom Spiel, damit ich wenigstens für mich die letzten Fragen beantworten kann.

Freitag geht es für die Mannschaft nach Verl, auch so ein ungeliebtes Pflaster in den letzten Jahren…

Trotzdem: NUR DER RWE!

Ein Tor würde dem Spiel gut tun!

Nie war obiges Zitat so wahr wie heute. Wie groß war die Vorfreude, das Kribbeln, heute endlich wieder im Stadion zu stehen und ein Heimspiel zu sehen. 

Nicht nur die Kälte sorgte dabei für den einen oder anderen Schauer auf dem Rücken. Vor Anpfiff gedachte die rot-weisse Gemeinde ihrer Verstorbenen, Fan-Original Sandy hielt eine kurze Ansprache, an deren Ende ihm dann auch die Stimme wegbrach. Eine tolle Choreo rundete das Ganze dann noch ab, Fotos und Videos davon gibt es im Netz sicher zuhauf.

Das war aber auch schon fast alles, was für die folgenden 45 Minuten erwähnenswert war. Keine echten Torraumszenen auf beiden Seiten, kaum Zweikämpfe, viele Fehlpässe.

Das Bild änderte sich mit Beginn der zweiten Hälfte. Zwar waren die Düsseldorfer schon gute fünf Minuten früher wieder auf dem Platz, das Spiel gehörte jedoch ganz klar RWE. Chance um Chance wurde sich plötzlich erspielt, Chance um Chance wurde genauso plötzlich vergeben. Erst schoss Bednarski rechts knapp vorbei (ohnehin wegen Fouls abgepfiffen), wenig später schoss er noch knapper links vorbei. Nach einer Ecke kommt der Ball über Umwege zu Löning, dieser schlenzte aus der Drehung aufs lange Eck, so dass der Düsseldorfer Keeper sein ganzes Können zeigen musste. Ein paarmal rettete eine Fußspitze oder ein Bein in letzter Sekunde. Dann war der Ball plötzlich doch im Netz. Der Jubel dauerte jedoch nicht lange, denn im Moment, in dem Platzek den Abpraller aus gut 30cm über die Linie drückte, hatte wohl der Keeper seine Hand auf dem Ball, somit Freistoß für die Gäste. Diese Szene würde ich jedoch gerne nochmal ganz genau sehen. 

Auch im Anschluss an diese Szene gab es weitere Chancen, die Fortuna kam kaum noch über die Mittellinie. Leider war es heute wohl irgendwie verhext, das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Und weil ein Fortune wenige Minuten vor Schluss die obligatorische „es-war-so-klar“-Chance versemmelte, blieb die Partie torlos.

Das Spiel war in der ersten Halbzeit zu emotionslos, in Halbzeit zwei aber ein sehr gutes. Dass ein Gegner im Abstiegskampf hinten steht und dicht macht, war zu erwarten.Trotzdem hatte ich mir gegen den Vierzehnten der Tabelle mehr erhofft. Was aber in den „sozialen“ Medien und auf dem Weg zum Auto von einigen Leuten schon wieder abgesondert wurde, finde ich unter aller Kanone. Es war nicht schön heute, und die Saison läuft auch nicht zu aller Zufriedenheit. Aber wer sein Geld zurückfordert (eine der harmloseren Forderungen in Richtung Präsidium), der sollte sich überlegen, ob er mit RWE den richtigen Verein gewählt hat oder bei so einem Wetter lieber zu Hause bleibt. 

Freitag geht es für RWE nach Gladbach. Dort hat der Gastgeber deutlich mehr zu verlieren. Erfahrungsgemäß liegen uns solche Spiele besser. 

Nur der RWE!

Das Ende der Winterpause

Die für mein Empfinden mal wieder zu lange Phase, in der das einzig rot-weisse, das man zu sehen bekommt, die Schokoweihnachtsmänner am Gabentisch waren, neigt sich dem Ende zu. Zeit, ein Resumee zu ziehen.

Nach dem heutigen 3:1-Erfolg gegen die TuS Koblenz (derzeit 7. der Regio Südwest) steht zunächst mal fest, dass unser Team ungeschlagen und ohne größere Verletzungen durch die Pause gegangen ist. Nach der beinahe schon traditionellen ETB-Absage musste der ESC Rellinghausen ein 8:0 über sich ergehen lassen, bei der 2. Mannschaft des Bundesligisten FSV Mainz 05 erreichte man ein 1:1, und die Spvg. Schonnebeck, gegen die man im Pokal kürzlich noch einige Probleme hatte, konnte man einen 2:0-Erfolg verbuchen. Sind die Ergebnisse auch positiv, so bin ich doch immer vorsichtig mit der Beurteilung solcher Spiele. Es geht hier sicherlich eher darum, den vielgerühmten Spielrhythmus zu finden und auch mal Dinge zu probieren, für die man im Ligabetrieb keine Gelegenheit hat. Daher steht für mich im Vordergrund, dass alle Akteure ohne schwerwiegende Verletzungen geblieben sind.

Der zweite Schwerpunkt in der Winterpause liegt ganz klar auf den Transfers. Und hier steht natürlich ein Spieler im Fokus: Kontantin Möllering. Dieser hat über zwei (!) Wochen bei RWE mittrainiert, kam in drei Testspielen zum Einsatz und galt quasi schon als Neuzugang. Zumindest war dies mein Eindruck, nachdem sich sowohl der Verein („interessanter Mann“) als auch der Spieler („Ehre, dieses Trikot zu tragen“) entsprechend in der Presse positioniert hatten. Am letzten Tag der Wechselperiode unterschrieb der Ex-Borusse und USA-Rückkehrer dann in Rödinghausen. Muss man nicht verstehen. Ob er nun eine Häcker-Küche zum Sonderpreis bekommt, er hier zu hoch gepokert hat und daraufhin nehmen musste, was übrig bleibt – wir werden es vermutlich nie erfahren. Ich finde es jedoch positiv, dass der Verein nicht „auf-Teufel-komm-raus“ um diesen Spieler mitgeboten hat, denn dadurch sendet man ja auch ein Signal an zukünftige Kandidaten.

Mit dem Nicht-Zugang Möllering stand also fest, dass die restliche Saison mit dem aktuellen Kader zu Ende gespielt werden muss. Verstärkt wird das Team dabei durch drei Spieler aus der A-Jugend – n0ch etwas, das positiv zu bewerten ist. Es gab allerdings auch Abgänge: Ivan (zum WSV) war dabei der einzige Spieler mit nennenswerten Einsätzen für RWE, jedoch weit davon entfernt, Stammspieler oder gar erster Einwechselspieler zu werden. Hier hatte Ngankam meist die Nase vorn. Zudem verließen noch Jesic (Regio Südwest, ebenfalls nur „Notnagel“, was Spielminuten betrifft), Druschky (zurück nach Leipzig, war dauerverletzt), Kwadwo (Gelsenkirchen II), Demircan (Wattenscheid) und Gubini (Kreisliga (!!!) Bottrop) den Verein. Alles keine Namen, mit denen ich in Zukunft gerechnet hätte. Es dürfte aber nichtsdestotrotz im Sommer akuter Bedarf für Neuverpflichtungen auf einigen Positionen bestehen. Grund zur Panik ist aber keineswegs gegeben, denn mit dem bestehenden Kader sollten wir diese Saison noch sehr gut zu Ende spielen können.

Eine Randbemerkung gab es dann noch zum Thema „Transfers“: RWE steht wohl mit einem Spieler in Verhandlungen, der „kein Probetraining braucht“ (J. Lucas im Reviersport). Zudem wäre dieser Spieler wohl im Sommer ablösefrei, hätte aber den Berichten nach auch schon im Winter eine Option sein können. Dass daraus direkt der „Hochkaräter“ wurde, der nun in den Foren und Facebook-Gruppen plattgetreten und zynisch erwähnt wird – geschenkt. Ich bin aber trotzdem sehr gespannt, ob es zu einer Verpflichtung im Sommer kommt, mit der wir alle nicht so richtig rechnen.

Wirtschaftlich rechne ich – allen Unkenrufen zum Trotz – damit, dass wir weiterhin ordentlich aufgestellt sind, wenn auch neulich in einem Interview von Doc Welling zum Ausdruck kam, dass uns der Betrag von Innogy doch zu Gegenmaßnahmen gezwungen hat. Zudem müssen 100.000 Euro aus dem Transfer von Kerim Avci in die Türkei zunächst abgeschrieben werden, da auch die Drohung mit Punktabzug und Zwangsabstieg durch die Fifa dadurch verpufft, dass der türkische Verein ohnehin abgeschlagener Tabellenletzter ist und einem erneuten Abstieg entgegentaumelt. Wir werden sehen, ob auf juristischem Wege da vielleicht noch etwas zu machen ist. Soweit ich das aus kaufmännischer Sicht beurteilen kann, dürfte dieses Geld ohnehin seit dem Transfer nicht in irgendwelche Etats eingeplant worden sein, entsprechende Bilanzierungsvorschriften gibt es ebenfalls, nachdem im Bezug auf den Geldeingang zweifelhafte Forderungen entsprechend zu händeln sind.

Am 01. Februar wurde RWE 110 Jahre alt. Die „aktive Szene“ (wenn ich sie mal so nennen darf) zelebrierte den Anlass mit einer phänomenalen Aktion, wie ich finde. Um es nochmal zu betonen: Pyro im Stadion, wo Leute dicht auf dicht stehen, finde ich gefährlich und fahrlässig. Wenn Bengalos und Co. allerdings wie im Video der Westtribüne eingesetzt werden, bekomme ich Gänsehaut und Tränen der Rührung. Wer behauptet, die Fanszene in Essen sei tot, dem wurde hiermit das Gegenteil bewiesen. DANKE FÜR DIESE AKTION, DIE DEUTSCHLANDWEIT IHRESGLEICHEN SUCHT!

Zu guter letzt hat es unser Verein ja mal wieder geschafft, überregional in die Schlagzeilen zu kommen, indem man in Zusammenarbeit mit Essener Schauspielern eine PK in bestem Trump-Style inszeniert und ein Statement für die Pressefreiheit abgegeben hat. Unter anderem berichtete Sky Sport News, die Sportschau und bild.de (LINK) über die Aktion, die ihr auch hier nochmal sehen könnt:

Nachtrag: Ich habe gesehen, dass wir wohl noch ein Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken „einschieben“. Ich hoffe einfach mal, dass da auch alles gut geht…

Nachtrag 2: Puh, Glück gehabt, Frau Holle sei Dank! Das Saarbrücken-Match fällt aus…

NUR DER RWE!