Rückblick 2019

Ein turbulentes Jahr liegt hinter den Rot-Weissen.

So, nachdem der Noro-Virus meine gesamte Familie der Reihe nach auf die Bretter geschickt hat, befinde ich mich gerade auf dem Weg in den Silvesterurlaub. Zeit, einen Blick zurück auf das abgelaufene Fußball-Jahr zu werfen.

Die rot-weiße Saison 18/19 war zur Winterpause weitestgehend abgeschrieben, hier galt es eigentlich nur, nochmal in der Tabelle zu klettern und möglichst nochmal einen ordentlichen Abschluss zu finden. Doch direkt zu Beginn erwischte es den gerade genesenen Cedric Harenbrock mit seinem zweiten Kreuzbandriss in Folge, und das (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) in einem Testspiel. Äußerst bitter, umso erfreulicher, dass er gegen Jahresende noch ein paar Pflichtspielminuten sammeln konnte.

Die Winterpause wurde zudem überschattet durch den Wechsel von Publikumsliebling Kai Pröger zum SC Paderborn. Er brachte RWE Gerüchten zufolge eine niedrige sechsstellige Ablöse und konnte sich beim damaligen Zweitligisten in den Stammkader spielen und den überraschenden Aufstieg in die Bundesliga feiern. Hier haben beide Seiten alles richtig gemacht.

Auf dem Platz gab es keine Highlights in positivem Sinne mehr. Zu Hause konnte man nur noch zwei von sechs Spielen gewinnen, Auswärts sind mir die recht trostlosen Niederlagen in Bonn und Aachen in Erinnerung geblieben, doch darüber möchte ich ehrlich gesagt nicht weiter nachdenken.

Personell gab es dann im Frühjahr weitere Entscheidungen. Mit Dennis Grote wurde ein gestandener Spieler verpflichtet, der von weiten Teilen der Fans als Ausrufezeichen gesehen wurde. Anders standen die Vorzeichen bei Jörn Nowak, der eher mit Kommentaren wie „was hat der bei RWO schon gerissen?“ und einer dicken Portion Skepsis bedacht wurde, zumal sein Engagement offiziell erst zu Saisonbeginn starten durfte.

Kaum durfte er jedoch walten, wurden Nägel mit Köpfen gemacht: mehr als zwei Drittel des alten Kaders mussten den Verein verlassen, diverse Neuzugänge mit mehr oder weniger großer Bekanntheit wurden verpflichtet. Die größte Überraschung allerdings gab es neben dem Platz zu verzeichnen: Zwar hatte Karsten Neitzel nicht komplett versagt, doch die Vereins- und sportliche Führung hatte kurzfristig die Gelegenheit bekommen, den ehemaligen Bundesligacoach Christian Titz zu verpflichten und mit ihm ein komplett neues Spielsystem „einzukaufen“.

Zwar wusste niemand, ob dieses System – mit hoch stehendem Torwart, aggressivem Pressing und viel Ballbesitz – sich in der Regionalliga etablieren lassen würde, doch schon bald sollten viele Kritiker angesichts der eingefahrenen Erfolge verstummen.

Vor mehr als 14.000 Zuschauern eröffnete RWE die Saison 2019/20 gegen die Zweitvertretung des BVB. Nach Rückstand erzielte Alex Hahn per Elfer in der Nachspielzeit den vielumjubelten Siegtreffer. Es folgte eine Serie von acht ungeschlagenen Spielen (u.a. ein 3:0 bei RWO), bevor ausgerechnet der SC Verl, einer von zwei aktuell großen Rivalen um die Meisterschaft, ein 1:4 an der Hafenstraße erzielen konnte.

Zwei weitere Niederlagen später waren die üblichen Untergangsprediger wieder da: alles schlecht, die „Fachpresse“ schrieb RWE wieder ab.

Doch RWE 19/20 ist anders. Die Fans stehen hinter der Mannschaft, die sich bis in die Nachspielzeit zerreißt. Und so gab es erneut eine Acht-Spiele-ohne-Niederlage-Serie, bevor sich zum Jahresabschluss der VfB Homberg ein 0:2 (danke, Chippo) ergaunerte.

RWE macht aktuell wieder mächtig Spaß, wie auch der Zuschauerschnitt jenseits der 10.000 beweist. Siege gegen die Lieblinge aus Oberhausen, Wuppertal und Aachen versüßen das Fandasein, zudem hat man das Gefühl, als sauge die Mannschaft jede Sekunde der Atmosphäre auf, als lebe sie den Traum vom Aufstieg für „die da auf der Tribüne“.

Sicher, es wird schwer, das ostwestfälische Duo aus Verl und Rödinghausen einzuholen und RWO auf Distanz zu halten.

Aber es ist möglich. DAS ist der große Unterschied, seit Cebio „Slalomstange“ Soukou eine positive Dopingprobe abgegeben hat. Wir alle sollten gemeinsam daran arbeiten, das Ziel aller Ziele zu erreichen.

Und auch wenn es vielleicht am Ende nicht zum großen Wurf reicht – man kann endlich mal wieder mit einem guten Gefühl zur Hafenstraße fahren, ohne sich zu fragen, warum man sich das alles überhaupt noch antut (nicht jeder fährt wegen der Mettbrötchen im Pressebereich hin).

Wie eingangs beschrieben warten nun ein paar „ruhige“ (hahaha) Tage auf mich, in denen ich mich mit Familie und ein paar Freunden ins neue Jahr befördern werde. Ab dann ist der große Fokus auf mein Buchprojekt gerichtet, das ich im Laufe des kommenden Jahres abschließen will. Auch ein großes Ziel.

Wie und wo auch immer ihr den Jahreswechsel erlebt – ich wünsche euch viel Spaß dabei. Wir lesen (hier), sehen (Stadion) und hören (Radio Hafenstraße) uns im nächsten Jahr. Kommt gut rein!

13. Spieltag – RWE – Fortuna Köln

Eine Halbzeit zu harmlos, in der zweiten ein Opfer des gegnerischen Zeitspiels und eines überforderten Schiedsrichters.

Auf diese einfache Formel könnte man die heutige Niederlage bringen. Während die Kölner von Beginn an den Ball (und die Essener) zwischen Innenverteidung und Torwart hin- und her laufen ließ, fand RWE keinen Zugriff aufs Spielgerät und konnte folgerichtig auch keinen dauerhaften Druck auf den Kölner Kasten ausüben. Dennoch gehörten RWE die besseren Chancen, doch entweder war der Linienrichter der Meinung, bei langen Bällen stünden wahlweise Endres, Sauerland oder Kefkir im Abseits, oder RWE wollte es „zu schön“ machen und scheiterte mit dem letzten Querpass, anstatt mal selbst den Abschluss zu suchen. Ein Schuss von Kefkir vom Strafraumeck drehte sich leider knapp am Pfosten vorbei, das war es dann aber auch mit den Chancen der ersten Halbzeit.

So war es die ersten 20 Minuten eigentlich ganz okay, was RWE zeigte. Und wie so oft schlug der Gegner dann zurück. Nachdem Hahn, da unter Bedrängung und wohl auch gefoult, einen Fehlpass in Richtung Mittelkreis spielte, ein Kölner für eine der vielen Flugeinlagen abhob, entschied der Schiri auf Freistoß aus gut 30m. Aus meiner Perspektive war nicht zu erkennen, ob der Ball noch abgefälscht worden war, aber Lenz war chancenlos – 0:1.

Die Kölner intensivierten nun ihre Bemühungen, RWE nicht an den Ball kommen zu lassen, was leider auch mangels Laufbereitschaft auf Essener Seite (so mein Gefühl) gelang. Selishta stand zu oft allein auf weiter Flur und konnte das Ballgeschiebe nicht unterbinden, da von Kefkir, Endres und Dorow zu wenig Unterstützung kam.

Großer Aufreger dann noch kurz vor der Pause. Direkt vor der rot-weissen Trainerbank würde Dorow gefoult. Beim Versuch, den fälligen Freistoß schnell auszuführen, bekam er einen weiteren Tritt, dann nahm ein Kölner Spieler den Ball mit, die Folge war ein Gerangel, in dem Grund sich unter einem angedeuteten Schlag und einem Schubser, für den er sich revanchierte, eine gelbe Karte einfing. Der Freistoß selbst war dann unspektakulär, doch auf dem Weg in die Kabinen „knallte“ es im Spielertunnel nochmal lautstark.

Zur zweiten Halbzeit brachte Titz Adetula für Selishta. Da nun auch das Anlaufen deutlich besser gelang, konnte Köln hinten eingeschnürt werden, doch der letzte Pass in die Spitze sollte einfach nicht gelingen. Dementsprechend resultierten die größten Chancen wieder aus Einzelaktionen: ein Schuss von Adetula klatschte an den Pfosten, ein Schlenzer von Kefkir konnte vom Kölner Keeper aus dem Winkel gefischt werden.

Was die Essener Fans zur Weißglut trieb, war das extreme Zeitspiel des Kölner Keepers, der immer wieder zwanzig Sekunden und mehr benötigte, um Abstöße auszuführen. Bei jedem Kontakt (auch mit eigenen Leuten) blieben Kölner Spieler liegen, um dann nach Wunderheilungen wieder weiterspielen zu können. Und was tat Schiri Schäfer dagegen? Er fragte höflich mal an, ob es eventuell möglich sei, das Spiel nicht ständig zu verzögern. Ich frage: warum zeigt man da nicht mal ne Karte? Es kann doch nicht Sinn einer Spielleitung sein, das konsequente Verweigern von Spielaktionen durch Enthaltung (schiedsrichterseitig) zu unterstützen.

Unabhängig davon: RWE fand heute nicht die Mittel, das Kölner Abwehrbollwerk zu durchbrechen. So war dies das erste Spiel ohne eigenen Treffer. Da half auch der Besuch der rot-weissen Legende im Radio-Hafenstraße-Stream leider nichts – an dieser Stelle nochmal vielen Dank für die kurzfristige Zusage!

Der Mann, die Legende – Er-Er-Erwin Koen. Und Woodie. Und ich.

Nach der dritten Niederlage in Folge wird sich RWE – da muss man kein Prophet sein – von den vorderen Regionen verabschieden. Erstmals ist RWE nun von Schützenhilfe abhängig, wenn man am Ende auf Platz 1 der Liga landen will.

Kommenden Samstag steht das nun mega-wichtige Auswärtsspiel in Bergisch Gladbach an. Die sind Tabellenletzter, hier ist ein Sieg Pflicht.

Veränderung

Die kommende Saison bringt nicht nur einen neuen Trainer und einen runderneuerten Kader mit sich, nein, auch die Fußballregeln werden in einem gewissen Maße angepasst. Dabei geht es u.a. auch um solche für uns nicht relevanten Dinge wie „wann darf der Videoschiedsrichter eingreifen“, aber es gibt auch einige gravierende Änderungen, die man als Zuschauer wissen sollte, um nicht gleich dem Schiri an den Kragen zu wollen, wenn er etwas nicht so entscheidet, wie man es seit Jahrzehnten kennt. Da diese Änderungen mit dem Start der Frauen-WM und der U21-EM nun erstmals relevant werden, habe ich die wichtigsten Dinge hier einmal aufgeführt.

1. Anstoß

Fangen wir mal ganz vorne an: Hier wird der geneigte Zuschauer möglicherweise aber keinen Unterschied bemerken: Der Gewinner des Münzwurfes darf nun nicht mehr ausschließlich die Seite auswählen. Er kann stattdessen auch bestimmen, dass sein Team den Anstoß ausführen soll und somit dem Gegner die Seitenwahl überlassen.

2. Freistoß, Teil 1

Die angreifende Mannschaft darf künftig keinen Spieler mehr in die Mauer stellen, wenn die Mauer aus drei oder mehr Abwehrspielern besteht. In diesem Fall ist ein Meter Abstand einzuhalten.

3. Freistoß, Teil 2

Das schnelle Ausführen eines Freistoßes ist – analog zum Vorgehen bei „Vorteil“ – zulässig, auch wenn der Schiedsrichter eine gelbe oder rote Karte zeigen will oder muss, um mögliche Torchancen nicht durch das berühmte, gelbpflichtige „taktische Foul“ zu unterbinden. Die Karte wird dann bei der nächsten Unterbrechung gezeigt.

4. Strafstoß

Der Torwart muss nicht mehr mit beiden Füßen auf der Linie stehen, sondern nur noch mit einem. Hier wird quasi der Keeper in Schutz genommen, wenn er sich wegen der in Mode gekommenen Variante des Abstoppens des Schützen (übrigens DARF der Anlauf unterbrochen werden, lediglich die SCHUSSBEWEGUNG, also das Schussbein nicht!) zu früh bewegt.

5. Abstoß

Durfte bislang der Ball vom annehmenden Spieler erst nach Verlassen des Sechzehners gespielt werden, so ist dies jetzt auch unmittelbar nach „eindeutiger Bewegung“ erlaubt. Es gibt also jetzt einen „kurzen Abstoß“. Somit wird unterbunden, dass zum Zwecke des Zeitspiels ein Verteidiger den Ball „aus Versehen“ bereits im Strafraum annimmt und der Abstoß wiederholt werden muss. Daraus ergibt sich aber auch, dass ein Stürmer den Ball abfangen kann, bevor dieser den Sechzehner verlassen hat.

6. Karten

Der Schiedsrichter bestraft nun auch Trainer und andere Offizielle mit gelben und roten Karten, um dies auch fürs Publikum transparenter zu gestalten. Wichtig: Kann z.B. wegen einer Spielstörung (zusätzlicher Ball absichtlich aufs Spielfeld geworfen o.ä.) kein Schuldiger festgestellt werden, so erhält immer der Cheftrainer die Karte.

7. Auswechslung

Meine Lieblingsänderung! Bei einer Auswechslung hat der auszuwechselnde Spieler das Spielfeld an der nächstgelegenen Auslinie zu verlassen. Hier bin ich auf die Umsetzung in der Praxis gespannt! Das berühmte Spielchen, dass der Spieler schon mal an die den Trainerbänken am weitesten entfernte Stelle geht, wird damit hoffentlich endlich entfallen. Dies wird umso wichtiger werden, als dass in der Regio West ab der kommenden Saison ein viertes Mal gewechselt werden darf.

8. Schiedsrichterball

Wird der Schiri angeschossen und es ergibt sich daraus ein Wechsel von Ballbesitz oder Spielrichtung, oder es fällt gar ein Tor daraus, so gibt es ab sofort Schiedsrichterball. Dabei bekommt automatisch die Mannschaft den Ball, die zuletzt im Ballbesitz war (also auch nicht mehr ein Verteidiger, der den Ball an den Gegner zurückspielt). Im Strafraum geht der Schiedsrichterball immer an den Torwart. Die somit in den Köpfen aller Fußballfans verwurzelte Grundregel „Schiri ist Luft“ entfällt damit!

9. Handspiel

Die wohl wichtigste, weil in der vergangenen Saison am meisten diskutierte Regel wird ebenfalls verändert. Das Handspiel. War es bisher so, dass eine gewisse Absicht unterstellt werden musste, um ein Handspiel zu pfeifen, so gilt nun primär das sog. „physische Ergebnis“, also ob der Ball z.B. eine Richtungsänderung unternimmt. Zusätzlich ist es grundsätzlich ein Handspiel, wenn sich der Arm über Schulterhöhe befindet. Sollte es infolge eines Handspiels (absichtlich oder nicht) zu einem Tor kommen oder gar der Ball von der Hand direkt ins Tor gehen – absichtlich oder nicht – so darf das Tor nicht gegeben werden. Umgekehrt gilt: Springt der Ball vom eigenen Körper an die Hand oder wird diese beim Abstützen infolge eines Sturzes oder bei einer Grätsche getroffen, läuft das Spiel im Normalfall weiter (Ausnahme hier: absichtliches Handspiel!)

Sollte also euer Tribünennachbar demnächst eskalieren, weil sich der Torwart zu früh bewegt hat, so könnt ihr ihn jetzt schön an meine kleine, feine Seite verweisen.

Falls ihr die Punkte vertiefen wollt, sei euch der Podcast „Collinas Erben“ (auch hier bei Twitter) sehr ans Herz gelegt, der auf ziemlich nerdische Art und Weise u.a. Szenen der Bundesliga aus Schiri-Sicht beleuchtet. In Folge 99 werden die obigen Änderungen ausführlich besprochen!

Aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n: Rot-Weiss Essen wird nie untergeh’n!