13. Spieltag – RWE – Fortuna Köln

Eine Halbzeit zu harmlos, in der zweiten ein Opfer des gegnerischen Zeitspiels und eines überforderten Schiedsrichters.

Auf diese einfache Formel könnte man die heutige Niederlage bringen. Während die Kölner von Beginn an den Ball (und die Essener) zwischen Innenverteidung und Torwart hin- und her laufen ließ, fand RWE keinen Zugriff aufs Spielgerät und konnte folgerichtig auch keinen dauerhaften Druck auf den Kölner Kasten ausüben. Dennoch gehörten RWE die besseren Chancen, doch entweder war der Linienrichter der Meinung, bei langen Bällen stünden wahlweise Endres, Sauerland oder Kefkir im Abseits, oder RWE wollte es „zu schön“ machen und scheiterte mit dem letzten Querpass, anstatt mal selbst den Abschluss zu suchen. Ein Schuss von Kefkir vom Strafraumeck drehte sich leider knapp am Pfosten vorbei, das war es dann aber auch mit den Chancen der ersten Halbzeit.

So war es die ersten 20 Minuten eigentlich ganz okay, was RWE zeigte. Und wie so oft schlug der Gegner dann zurück. Nachdem Hahn, da unter Bedrängung und wohl auch gefoult, einen Fehlpass in Richtung Mittelkreis spielte, ein Kölner für eine der vielen Flugeinlagen abhob, entschied der Schiri auf Freistoß aus gut 30m. Aus meiner Perspektive war nicht zu erkennen, ob der Ball noch abgefälscht worden war, aber Lenz war chancenlos – 0:1.

Die Kölner intensivierten nun ihre Bemühungen, RWE nicht an den Ball kommen zu lassen, was leider auch mangels Laufbereitschaft auf Essener Seite (so mein Gefühl) gelang. Selishta stand zu oft allein auf weiter Flur und konnte das Ballgeschiebe nicht unterbinden, da von Kefkir, Endres und Dorow zu wenig Unterstützung kam.

Großer Aufreger dann noch kurz vor der Pause. Direkt vor der rot-weissen Trainerbank würde Dorow gefoult. Beim Versuch, den fälligen Freistoß schnell auszuführen, bekam er einen weiteren Tritt, dann nahm ein Kölner Spieler den Ball mit, die Folge war ein Gerangel, in dem Grund sich unter einem angedeuteten Schlag und einem Schubser, für den er sich revanchierte, eine gelbe Karte einfing. Der Freistoß selbst war dann unspektakulär, doch auf dem Weg in die Kabinen „knallte“ es im Spielertunnel nochmal lautstark.

Zur zweiten Halbzeit brachte Titz Adetula für Selishta. Da nun auch das Anlaufen deutlich besser gelang, konnte Köln hinten eingeschnürt werden, doch der letzte Pass in die Spitze sollte einfach nicht gelingen. Dementsprechend resultierten die größten Chancen wieder aus Einzelaktionen: ein Schuss von Adetula klatschte an den Pfosten, ein Schlenzer von Kefkir konnte vom Kölner Keeper aus dem Winkel gefischt werden.

Was die Essener Fans zur Weißglut trieb, war das extreme Zeitspiel des Kölner Keepers, der immer wieder zwanzig Sekunden und mehr benötigte, um Abstöße auszuführen. Bei jedem Kontakt (auch mit eigenen Leuten) blieben Kölner Spieler liegen, um dann nach Wunderheilungen wieder weiterspielen zu können. Und was tat Schiri Schäfer dagegen? Er fragte höflich mal an, ob es eventuell möglich sei, das Spiel nicht ständig zu verzögern. Ich frage: warum zeigt man da nicht mal ne Karte? Es kann doch nicht Sinn einer Spielleitung sein, das konsequente Verweigern von Spielaktionen durch Enthaltung (schiedsrichterseitig) zu unterstützen.

Unabhängig davon: RWE fand heute nicht die Mittel, das Kölner Abwehrbollwerk zu durchbrechen. So war dies das erste Spiel ohne eigenen Treffer. Da half auch der Besuch der rot-weissen Legende im Radio-Hafenstraße-Stream leider nichts – an dieser Stelle nochmal vielen Dank für die kurzfristige Zusage!

Der Mann, die Legende – Er-Er-Erwin Koen. Und Woodie. Und ich.

Nach der dritten Niederlage in Folge wird sich RWE – da muss man kein Prophet sein – von den vorderen Regionen verabschieden. Erstmals ist RWE nun von Schützenhilfe abhängig, wenn man am Ende auf Platz 1 der Liga landen will.

Kommenden Samstag steht das nun mega-wichtige Auswärtsspiel in Bergisch Gladbach an. Die sind Tabellenletzter, hier ist ein Sieg Pflicht.

Veränderung

Die kommende Saison bringt nicht nur einen neuen Trainer und einen runderneuerten Kader mit sich, nein, auch die Fußballregeln werden in einem gewissen Maße angepasst. Dabei geht es u.a. auch um solche für uns nicht relevanten Dinge wie „wann darf der Videoschiedsrichter eingreifen“, aber es gibt auch einige gravierende Änderungen, die man als Zuschauer wissen sollte, um nicht gleich dem Schiri an den Kragen zu wollen, wenn er etwas nicht so entscheidet, wie man es seit Jahrzehnten kennt. Da diese Änderungen mit dem Start der Frauen-WM und der U21-EM nun erstmals relevant werden, habe ich die wichtigsten Dinge hier einmal aufgeführt.

1. Anstoß

Fangen wir mal ganz vorne an: Hier wird der geneigte Zuschauer möglicherweise aber keinen Unterschied bemerken: Der Gewinner des Münzwurfes darf nun nicht mehr ausschließlich die Seite auswählen. Er kann stattdessen auch bestimmen, dass sein Team den Anstoß ausführen soll und somit dem Gegner die Seitenwahl überlassen.

2. Freistoß, Teil 1

Die angreifende Mannschaft darf künftig keinen Spieler mehr in die Mauer stellen, wenn die Mauer aus drei oder mehr Abwehrspielern besteht. In diesem Fall ist ein Meter Abstand einzuhalten.

3. Freistoß, Teil 2

Das schnelle Ausführen eines Freistoßes ist – analog zum Vorgehen bei „Vorteil“ – zulässig, auch wenn der Schiedsrichter eine gelbe oder rote Karte zeigen will oder muss, um mögliche Torchancen nicht durch das berühmte, gelbpflichtige „taktische Foul“ zu unterbinden. Die Karte wird dann bei der nächsten Unterbrechung gezeigt.

4. Strafstoß

Der Torwart muss nicht mehr mit beiden Füßen auf der Linie stehen, sondern nur noch mit einem. Hier wird quasi der Keeper in Schutz genommen, wenn er sich wegen der in Mode gekommenen Variante des Abstoppens des Schützen (übrigens DARF der Anlauf unterbrochen werden, lediglich die SCHUSSBEWEGUNG, also das Schussbein nicht!) zu früh bewegt.

5. Abstoß

Durfte bislang der Ball vom annehmenden Spieler erst nach Verlassen des Sechzehners gespielt werden, so ist dies jetzt auch unmittelbar nach „eindeutiger Bewegung“ erlaubt. Es gibt also jetzt einen „kurzen Abstoß“. Somit wird unterbunden, dass zum Zwecke des Zeitspiels ein Verteidiger den Ball „aus Versehen“ bereits im Strafraum annimmt und der Abstoß wiederholt werden muss. Daraus ergibt sich aber auch, dass ein Stürmer den Ball abfangen kann, bevor dieser den Sechzehner verlassen hat.

6. Karten

Der Schiedsrichter bestraft nun auch Trainer und andere Offizielle mit gelben und roten Karten, um dies auch fürs Publikum transparenter zu gestalten. Wichtig: Kann z.B. wegen einer Spielstörung (zusätzlicher Ball absichtlich aufs Spielfeld geworfen o.ä.) kein Schuldiger festgestellt werden, so erhält immer der Cheftrainer die Karte.

7. Auswechslung

Meine Lieblingsänderung! Bei einer Auswechslung hat der auszuwechselnde Spieler das Spielfeld an der nächstgelegenen Auslinie zu verlassen. Hier bin ich auf die Umsetzung in der Praxis gespannt! Das berühmte Spielchen, dass der Spieler schon mal an die den Trainerbänken am weitesten entfernte Stelle geht, wird damit hoffentlich endlich entfallen. Dies wird umso wichtiger werden, als dass in der Regio West ab der kommenden Saison ein viertes Mal gewechselt werden darf.

8. Schiedsrichterball

Wird der Schiri angeschossen und es ergibt sich daraus ein Wechsel von Ballbesitz oder Spielrichtung, oder es fällt gar ein Tor daraus, so gibt es ab sofort Schiedsrichterball. Dabei bekommt automatisch die Mannschaft den Ball, die zuletzt im Ballbesitz war (also auch nicht mehr ein Verteidiger, der den Ball an den Gegner zurückspielt). Im Strafraum geht der Schiedsrichterball immer an den Torwart. Die somit in den Köpfen aller Fußballfans verwurzelte Grundregel „Schiri ist Luft“ entfällt damit!

9. Handspiel

Die wohl wichtigste, weil in der vergangenen Saison am meisten diskutierte Regel wird ebenfalls verändert. Das Handspiel. War es bisher so, dass eine gewisse Absicht unterstellt werden musste, um ein Handspiel zu pfeifen, so gilt nun primär das sog. „physische Ergebnis“, also ob der Ball z.B. eine Richtungsänderung unternimmt. Zusätzlich ist es grundsätzlich ein Handspiel, wenn sich der Arm über Schulterhöhe befindet. Sollte es infolge eines Handspiels (absichtlich oder nicht) zu einem Tor kommen oder gar der Ball von der Hand direkt ins Tor gehen – absichtlich oder nicht – so darf das Tor nicht gegeben werden. Umgekehrt gilt: Springt der Ball vom eigenen Körper an die Hand oder wird diese beim Abstützen infolge eines Sturzes oder bei einer Grätsche getroffen, läuft das Spiel im Normalfall weiter (Ausnahme hier: absichtliches Handspiel!)

Sollte also euer Tribünennachbar demnächst eskalieren, weil sich der Torwart zu früh bewegt hat, so könnt ihr ihn jetzt schön an meine kleine, feine Seite verweisen.

Falls ihr die Punkte vertiefen wollt, sei euch der Podcast „Collinas Erben“ (auch hier bei Twitter) sehr ans Herz gelegt, der auf ziemlich nerdische Art und Weise u.a. Szenen der Bundesliga aus Schiri-Sicht beleuchtet. In Folge 99 werden die obigen Änderungen ausführlich besprochen!

Aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n: Rot-Weiss Essen wird nie untergeh’n!

Make Essen Great Again!

Durchhalten! Noch knapp eine Woche müssen wir diese unsägliche, in vielerlei Hinsicht historische Fußball-WM ertragen. Während ich diese Zeilen schreibe, gammeln sich die Franzosen ins Halbfinale, wo sie entweder auf Dauer-„Geheimfavorit“ Belgien oder auf die Brasilianer rund um Schwalbenkönig Neymar, den ersten seines Namens, Zuckerpüppchen vor dem Herrn, treffen, der seit seiner schweren Verletzung (jetzt echt mal…) im Netz unter dem Hashtag #PrayForNeymar zu allerlei Spott und Häme, vor allem aber zu kreativen Ergüssen und lustigen Videoclips aller Art von sich reden macht.

Ich weiß nicht, wie es euch geht – mir geht die WM gerade nur noch auf den Sack! Die einen bejubeln irgendwelche Isländer, nur weil die bei der letzten EM ja mit ihrem ach so tollen „HU!“ (das international absolut identisch, nur mit „Hey!“-Rufen vorher schon mehr als bekannt war) begeistert haben, die nächsten freuen sich über das Aus von Deutschland (über die Umstände will ich hier nicht philosophieren, es tat aber weh!), und auch die Teams wissen nicht zu überzeugen. Russland – noch immer unter Dopingverdacht kämpft sich gegen enttäuschende Spanier ins Viertelfinale, die Schweden ermauern sich einen Sieg nach dem anderen, bei Portugal und Argentinien kommt nach Ronaldo und Messi auch nicht mehr viel, und die Engländer gewinnen sogar ein Elferschießen (gegen Kolumbien, hurra!). Griezmann kann sich zwar gegen Australien mit einem verkappten „Loser Dance“ zu Verhöhnung des Gegners herniederlassen, gegen Uruguay fängt er nach seinem Treffer beinahe an zu weinen… Über Über Brasilien habe ich mich ja oben schon ausgelassen.

Nein, dieses Mal stellte sich das „große Kribbeln“ bei mir nicht ein. Vielleicht noch am ehesten vor dem ersten Gruppenspiel unserer Mannschaft, vielleicht ein wenig nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden, aber ansonsten? Mir ist es fast Latte, wer gewinnt. am ehesten hätte ich es vielleicht den Schweizern oder (jaja…) den Belgiern gegönnt. Hauptsache nicht England, Frankreich, Brasilien oder gar Russland. (Hach, so viele Wünsche auf einmal…)

Wie gesagt: Eine Woche noch, dann richtet sich der Fokus allüberall wieder auf den nationalen Fußball, sei es Bundesliga, Oberliga oder Kreisliga. Oder, ja oder Regionalliga!

Und hier, muss ich gestehen, werde ich schon wieder ein wenig euphorisch. Die Verstärkungen, die wir bislang an Land gezogen haben, lesen sich auf dem Papier als ebensolche. Keine aussortierten Talente aus irgendwelchen Zweitteams von Bundesligisten, sondern erfahrene Leute. Leute, die der Trainer sich für sein Konzept gewünscht hat. Der Trainer, der seinem Team den ultimativen Willen dem Vernehmen nach vorlebt, der diesen Willen tagtäglich im Training fordert. Der Trainer, der in Kiel beinahe als Legende gilt, weil ein Großteil seines Kaders die Störche beinahe in die Bundesliga geführt hätte. Der Trainer, der sich trotz alldem fannah gibt. Mir gefällt das.

Die Saison wird damit enden, dass der Westmeister in jedem Falle aufsteigt. In dieses Rennen mit einzugreifen, muss nicht nur unser Ziel, sondern unser natürlicher Anspruch als Rot-Weiss Essen sein.

Damit dies gelingt, hat RWE in Person von Marcus Uhlig auf der Jahreshauptversammlung angekündigt, etwas mehr ins Risiko zu gehen und den Etat für die 1. Mannschaft etwas anzuheben. Ich hatte das Vergnügen, ihn vor Kurzem auch persönlich kennenzulernen, und ich habe das Gefühl, dass uns hier ein weiterer Glücksfall beschert ist. Er bringt zu dem Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge zusätzlich Erfahrung auf dem sportlichen Sektor mit, kann einen Sportverein im Sinne eines solchen führen und gesetzte Ziele mit entsprechenden Maßnahmen untermauern.

Damit dies gelingt, muss aber auch der oft beschworene Schulterschluss her. Wir Fans müssen wieder als der zwölfte Mann hinter dem Team stehen. Schluss mit Stimmungsboykotts, Eitelkeiten und Grabenkämpfen. „Alles für den gemeinsamen Sieg“, nur so kann das Motto auf den Rängen lauten!

In diesem Sinne: #MEGA – Make Essen Great Again!