Tonnenweise Geröll

RWE hat gegen Fortuna Köln einen wichtigen, verdienten 2:0-Erfolg eingefahren und damit dafür gesorgt, dass der drohende Abwärtstrend zunächst gestoppt ist. Selten in dieser Saison hatte ich den Eindruck, dass in Umfeld, „Staff“ und Mannschaft eine so intensive Anspannung vor dem Anpfiff zu verspüren war, wie es am Sonntag der Fall war. (Anmerkung: Ich muss mir DRINGEND angewöhnen, meine Beiträge auch zu veröffentlichen…)

Neidhart überraschte wohl nicht wenige mit der Entscheidung, Kehl-Gomez aus dem Mittelfeld in die Rechtsverteidigerposition zu verschieben und damit einen Platz in der Zentrale für Backszat zu schaffen. Beide lösten ihre Aufgaben souverän. Während „MKG“ den Laden hinten zuhielt und immer wieder Akzente nach vorne setzte – wenn auch deutlich weniger als beispielsweise der verletzte Plechaty es sonst auf dieser Position tut – und sogar die Führung auf dem Schlappen hatte, trumpfte „Backa“ besonders in den ersten zwanzig Minuten auf und war an vielen Szenen beteiligt. Allerdings passierte insbesondere in Hälfte eins nicht viel vor beiden Toren, die besten Szenen hatten hier noch Lewerenz (der für Young von Beginn an spielte) auf Essener Seite und Najar für die Fortuna, als er in der 25. Minute nach einer schnell ausgeführten Ecke das kurze Eck anvisierte, während alle anderen mit einer Flanke rechneten, Davari und ein Abseitspfiff verhinderten Schlimmeres.

Nach dem Wechsel hagelte es dann aber Chancen für unser Team fast im Minutentakt. Harenbrock drosch den Ball aus 16m über den Kasten, ein Engelmann-Schuss wird vom Kölner Abwehr-Hünen Löhden geblockt, der Nachschuss von Grund landet in den Armen des Keepers. Dann besagte Szene mit Kehl-Gomez, als er nach einem Zuspiel von Kefkir von der Grundlinie den Ball aus 10m eigentlich nur noch einschieben muss, aber der Ball am langen Pfosten vorbeikullert. Wenig später war es aber dann doch soweit.

Engelmann, der zwar nicht traf, aber viel arbeitete und Bälle verteilte, zeigte, dass Löhden nicht jeden hohen Ball bekommt, indem er seinen Körper zum Einsatz bringt, verlängert den Ball auf Kefkir und der schiebt aus etwa 11 Metern überlegt zur verdienten Führung ein.

Damit war der erste Druck vom Kessel und das merkte man der Spielweise der Mannschaft dann auch an. Der Ball lief etwas flüssiger, auch weil die Fortuna nun ihr Spiel umstellte und mehr Räume gewährte, sich dabei aber an der wieder bestens aufgelegten Abwehr aufrieb.

Auf der anderen Seite erarbeitete RWE sich eine Serie von fünf Eckbällen (was nebenbei dazu führte, dass sowohl Condé als auch der Kölner Salman minutenlang auf ihre Einwechslung warten mussten. Aus der letzten dieser Ecken resultierte ein Handspiel-Freistoß, den Grund in den Sechzehner zirkelte, wo Backszat per Kopf den 2:0-Endstand erzielen kann.

Nach Abpfiff war die Erleichterung überall zu spüren, die angespannten Mienen wichen strahlenden Gesichtern. Ein wichtiger Erfolg im Hinblick auf die Tabelle, auf das Selbstbewusstsein sowieso. Kaum auszumalen, was bei einer weiteren Niederlage in den Köpfen der Spieler passiert wäre, auch das Umfeld hätte all die zutage gefördert, die es sowieso schon immer alles gewusst haben. All das bleibt uns jetzt erspart, und das ist auch wichtig im Hinblick auf die beiden kommenden Aufgaben, die mit Münster und ebenjenem BVB II keineswegs einfacher werden.

Ein Felix Backszat in dieser Form ist sicher Gold wert, ebenso zeigt sich, dass die Variabilität unserer Spieler ein großer Faktor sein kann. Kehl-Gomez war auf rechts nicht verschenkt, im Gegenteil. Er konnte von dort weiterhin mit seiner Mentalität vorangehen, ohne auf Backszat verzichten zu müssen. Erwähnenswert finde ich aber auch die Leistungen von Grund und Kefkir, die im Zusammenspiel sehr gut harmonierten. Kefkir mag seine Schwächen haben, was Flanken angeht, er ist aber immer ein Unsicherheitsfaktor für den Gegner und hat auch mittlerweile wieder eine gewisse Torgefahr entwickelt. (Eine Gefahr für die eigene Mannschaft ist er indes auch, hat er doch zweimal Friendly Fire verursacht: ein Volltreffer aufs „Engelmännchen“ und den Kapitän über den Haufen geschossen…)

Christian Neidhart lobte nach dem Spiel die erwachsene Spielweise seiner Mannschaft. Das kann ich so unterschreiben, es war schon sehr abgezockt und routiniert, was man gegen den Tabellenvierten so vielleicht nicht erwartet hätte.

Mit einer Leistung wie dieser braucht man den Rest des März jedenfalls nicht zu fürchten.