6. Spieltag – RW Oberhausen – RWE

„Alle in grün!“ So das Motto der Gastgeber im „Emscherderby“ gegen unseren Herzensclub. Man wollte sich halt abheben vom Rot-Weiss der Gäste, die schon beinahe traditionell in größerer Anzahl anwesend sein sollten. Knapp 9.700 Zuschauer waren vor Ort, davon gefühlt mehr als die Hälfte Anhänger der Hafenstraßen-Elf.

Titz hatte erneut das Team umgestellt, Kehl-Gomez durfte von Beginn an ran, bezog einen Platz im defensiven Mittelfeld neben Grote, für ihn musste der zuletzt glücklose Platzek weichen. Und es waren unsere Jungs, die von Beginn an den Weg nach vorne suchten. Oberhausen beschränkte sich zunächst darauf, sich in der eigenen Hälfte einzuigeln und RWE erst ab der Mittellinie unter Druck zu setzen. Die erste Chance des Spiels hatte folgerichtig auch unser Team. Nach feiner Flanke von Kefkir stand nach gut 10 Minuten Dorow am langen Pfosten bereit, bekam jedoch nur noch so viel Druck hinter den Ball, um Davari dazu zu bringen, den Ball zur Ecke abklatschen zu lassen.

Eine Viertelstunde später hätte es dann jedoch passieren müssen: Endres und Grund hatten sich über die linke Seite schön durchkombiniert, der Pass von der Torauslinie landet am Elfmeterpunkt bei Kehl-Gomez, der jedoch diesen deutlich übers Tor schießt – ich hatte hier einen leichten „Hoppler“ des Balles auf dem in einem üblen Zustand befindlichen Rasen gesehen.

Der Aufreger der ersten Halbzeit spielte sich jedoch auf der anderen Seite nur wenig später ab: Grote kommt mit Ball ins Straucheln, Pisano schaltet schnell und schickt einen Kollegen auf die Reise, der allein auf Lenz zuläuft, diesen aussteigen lässt und aus spitzem Winkel verkürzt. Ekstase auf den Oberhauser Rängen, Torfanfare auf den Lautsprechern – doch der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Fahne erhoben und der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen – Abseits. Hierzu später mehr.

Mit dem Halbzeitpfiff dann aber noch die große Chance für RWE, die Führung zu erzielen: Nach einer Ecke für die Gastgeber wird Dorow in einer Kontersituation abgeräumt, Kefkir nimmt den Ball auf und läuft Richtung RWO-Tor, spielt quer auf Endres – der den Ball aus knapp zwei Metern jedoch nebens Tor setzt.

Das 0:0 zur Pause ging insofern in Ordnung, als dass RWO nach etwa 20 Minuten aktiver wurde und RWE nicht mehr „die“ Szenen vorne herausspielen konnte.

Zur zweiten Halbzeit nahm Titz dann den gelb-rot-gefährdeten Sauerland vom Platz und brachte Wirtz nach langer Verletzungspause als Sturmspitze. Heber rückte auf die Außenposition und Kehl-Gomez nahm „seinen“ Platz in der Innenverteidigung neben Hahn wieder ein.

Die erste Chance im zweiten Durchgang hatte dann wieder RWE: Vier Minuten nach Wiederanpfiff angespielt legt sich Endres am Sechzehner angespielt den Ball auf den rechten Fuß und schlenzt ihn auf den Kasten – trifft aber nur den Außenpfosten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Christian Titz macht, wenn er seine Wechsel bestimmt. Ich finde es aber geradezu unheimlich, wie er bislang mit seinen Optionen immer wieder goldrichtig liegt.

Kurz nach der Chance von Endres wurde es laut im „schönsten Stadion der Liga“ (Zitat des RWO-Stadionsprechers): An der Eckfahne setzt sich Condé gegen gleich zwei Oberhausener durch, kann Kefkir parallel zur Grundlinie in den Strafraum schicken. Der spitzelt den Ball aufs Tor, von Davari landet die Kugel beim eben eingewechselten Wirtz, und der lässt sich diese Chance in bester Abstaubermanier nicht nehmen und vollendet zur verdienten Führung für RWE!

Doch damit nicht genug: Direkt im nächsten Angriff kann Heber Kefkir den Ball im Fallen noch zuspielen, dessen abgefälschte Flanke landet knapp nicht bei Wirtz am langen Pfosten – Ecke! Diese wird von Grund hereingebracht. In der Mitte unterläuft der riesige Löhden den Ball und Wirtz hält hinter ihm die Rübe rein: 2:0! Was für ein Comeback für den Essener Top-Torschützen der letzten Saison!

Mit diesem Tor war die Messe quasi gelesen. Zwar antwortete Terranova mit einem offensiven Doppelwechsel und der Formation „wilde Wolke“, doch RWE hatte auf jeden unwirschen Angriffsversuch eine Lösung parat. Die größte Chance für die Gastgeber gab es vielleicht noch nach einem Freistoß aus ca. 40m, bei dem Lenz sich zwar beeilen musste, den Ball noch vor der Linie zu fangen, dann aber Zeit hatte, sich noch in aller Seelenruhe mit selbigem fallen zu lassen – etwas provokant, das gebe ich zu, aber durchaus Balsam auf die geschundene RWE-Seele, die in Oberhausen seit 2012 keinen Sieg mehr erleben durfte (remember Ellmann)!

Adetula zwang Davari noch zu einer Fußabwehr, ein Distanzschuss von Kefkir ging nur wenige Zentimeter am Tor vorbei. Erneut Adetula war es dann, der den Endstand herbeiführen sollte: Grote gewinnt einen defensiven Zweikampf, von ihm kommt der Ball zu Condé, der „Adiole“ schnell in den Konter schickt. Als alle mit dem Querpass auf die mitgelaufenen Wirtz und Dahmani rechnen, zieht Adetula einen Schritt nach außen und vollendet stramm ins kurze Eck.

Dass in der Schlussphase ein Konter über Adetula auf der Linie geklärt wurde, dass ein Schuss von Kefkir noch an den Pfosten klatscht und in der Folge ein Wirtz-Schuss erneut am Einschlag gehindert wurde, tat der Stimmung in der Kanalkurve und weiten Teilen der Haupttribüne keinen Abbruch. Mannschaft und Trainer genossen nach dem Abpfiff das Bad in der Menge (bzw. vor der Kurve) und durften sich dort für 16 von 18 möglichen Punkten feiern lassen – ein echter Traumstart in diese Saison.

RWO war mit drei Gegentoren sehr gut bedient. Trainer Terranova war sich trotzdem nicht zu schade, bei der Pressekonferenz einen Screenshot der oben geschilderten Abseits-Szene zu zeigen, aus der hervorging, dass das Gespann hier total falsch gelegen hat. Ob die Essener das Spiel ohne den Abseitspfiff auch eingestellt hätte, ob der Ball auch MIT Gegenspielern im Kasten gelandet wäre, darüber lässt sich nur spekulieren.

Das Grün auf den Oberhausener Rängen, das sinnbildlich für das Kleeblatt im Logo der Gastgeber stehen sollte, es hat kein Glück gebracht. Wenn das heute die „Kleeblatt-Power“ (so die Choreo) war, wird RWO im Kampf um den Platz an der Sonne diese Saison nicht mitreden können. Das war heute eher Impatiens noli-tangere, oder wie der Volksmund sagt „Rühr-mich-nicht-an“.

Hervorheben möchte ich heute eigentlich keinen Spieler, aber die schiere Qualität, mit der besonders unser offensives Mittelfeld aufwarten kann, ist schon beeindruckend. „Schwachpunkt“ heute in Halbzeit eins Heber mit ein paar unglücklichen Pässen, nach dem Wechsel jedoch deutlich verbessert.

Heute wurde zudem nicht – wie in Homberg – nach dem 2:0 das Spielen eingestellt, sondern weiter der Weg nach vorne gesucht. Oberhausen mit erschreckend schwacher Offensive heute, vielleicht auch der arg abwartenden, defensiven Taktik geschuldet. Nichtsdestotrotz bringt auch dieser Sieg nur drei Punkte für die Tabelle – doch er ermöglicht, punktgleich mit dem SV Rödinghausen (bei schlechterer Tordifferenz) zu bleiben. RWE bleibt ungeschlagen, auf Platz drei sind es jetzt schon vier Punkte Vorsprung.

Am kommenden Freitag steigt die Neuauflage des letztjährigen Niederrhein-Pokal-Halbfinals gegen den KFC Uerdingen (diesmal bereits in der zweiten Runde), bevor in der Woche darauf der SV Lippstadt der nächste Auswärtsgegner unseres Teams sein wird. Ich bin fest der Überzeugung, dass dieses Spiel kein Wendepunkt in der Saison werden wird!

1. Spieltag – RWE – BVB II // Niemals aufgeben!

So lautete gestern Abend beim Eröffnungsspiel zur Saison 2019/20 der Regionalliga West das Motto an der Hafenstraße zwischen Rot-Weiss Essen und der Zweitvertretung des BVB. Vorweg: Selten war ein Motto so treffend!

Rund 14500 Zuschauer im Stadion, ordentlich gefüllter Gästeblock – ein phantastischer Rahmen. Die Choreo beim Einlaufen der Mannschaften, unterstützt durch den ausgerufenen Fahnentag, leistete ihren Beitrag, eine Gänsehaut sollte die nächste jagen.

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Nachdem vor dem Spiel die Stimme der Hafenstraße, Walter Ruege, zum 40. Dienstjubiläum am Mikrofon geehrt wurde, durfte „Ruthe“ mit toller Unterstützung der Kurve trotz vieler neuer Namen die erste Startelf der Saison präsentieren, bevor ein zusammen mit den Gästefans ein Abgesang auf den gemeinsamen Rivalen intoniert wurde.

Nach kurzer Präsentation aller Teams (vertreten durch Kinder in den entsprechenden Trikots) sollte es dann endlich losgehen. Die Vorzeichen dabei aus rot-weisser Sicht nicht positiv: Seit 5 Jahren kein Spiel gegen die Dortmunder gewonnen, dazu seit 2012/13 kein Heimsieg mehr beim Auftaktspiel zur Liga – wie sollte das funktionieren?

Und schon nach wenigen Minuten brannte es lichterloh im rot-weissen Sechzehner: Eckball Dortmund nach nur sieben Minuten, der Ball kann nicht geklärt werden, trudelt zunächst an den Pfosten und im zweiten Nachstochern in den Kasten. Der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch längst die Fahne gehoben – Abseits!

Unbeirrt davon versuchte RWE, das Spiel an sich zu reißen, in dem man früh ins Pressing ging und – wie erwartet – mit dem Keeper (Lenz hatte den Vorzug von Golz (Bank) und Heller (Tribüne) erhalten) in Höhe des Mittelkreises das Spielfeld „verkleinerte“. Ich persönlich habe mir das riskanter ausgemalt als es sich im Spiel tatsächlich darstellte, jedoch merkte man durchaus, dass eine gewisse Anfälligkeit für schnelle Gegenangriffe bei „Stockfehlern“ oder misslungenen Dribblings unmittelbar gegeben war. Zwar standen Hahn und Kehl-Gomez über weite Teile der Partie souverän auf ihren Positionen, doch der eine oder andere Pass war insbesondere in Hälfte eins entweder zu schwach oder zu unpräzise gespielt, wodurch doch ein gewisse Unruhe aufkam.

Die erste echte Torchance für RWE gab es dann um die 25. Minute herum, als Dennis Grote sich aus gut 20m ein Herz nahm und einfach mal abzog – der Dortmunder Keeper jedoch nicht minder glänzend parieren konnte. Fast im Gegenzug dann aber die erneute kalte Dusche: Lenz ließ einen Distanzschuss nach vorne abklatschen, ein Gegenspieler konnte abstauben, doch erneut entschied das Schiri-Gespann auf Abseits.

Aus meiner Sicht gab es quasi im Anschluss eine Fehlentscheidung zu unseren Ungunsten: Zwar sah Marcel Platzek wegen gefährlichen Spiels zurecht die gelbe Karte, er wurde aber in derselben Szene mit voller Wucht umgestoßen, wofür man auch gut und gerne die rote Karte hätte zeigen dürfen. Insgesamt war die Linie des Unparteiischen meiner Meinung nach eher unglücklich, weil doch immer wieder besonders von den Dortmundern kleinere Hakeleien mit theatralischen Einlagen bedacht wurden (und in der Folge mit Freistößen belohnt), während beispielsweise Grote und Heber (der sogar mindestens zweimal) von hinten umgegrätscht wurde, was zwar auch Freistöße, aber keine Karten zur Folge hatte.

Nach der zweiten Trinkpause – aufgrund der anhaltenden Temperaturen von über 30 Grad Celsius gab es jeweils nach 15 und 30 Minuten in jeder Halbzeit eine – sollte dann das erste Tor der neuen Saison fallen: Heber mit einer Unsicherheit im Mittelfeld, der BVB schaltet schnell und schickt Boyamba auf die Reise, der im Laufduell nie Nase vorne hat und Lenz keine Chance lässt – 0:1, erster Dämpfer für unsere zwar engagierte, aber unglücklich agierende Mannschaft. Den Torjubel mit der „ich kann euch nicht hören“-Geste in Richtung der West hätte sich der Kapitän der Gäste jedoch sparen sollen – diese Art Unsportlichkeit gehört sich nicht, schon gar nicht, wenn zwischen den Fangruppen eigentlich zumindest Sympathie besteht.

Die auch in den vergangenen Partien immer wieder festzustellende „Abgehobenheit“ der Dortmunder Mannschaft machte sich ab diesem Treffer durch konsequentes Zeitspiel und Ballgeschiebe in der Abwehr zu bemerken – natürlich ist dies alles regelkonform und als taktisches Mittel immer eine Option, ob man es als Spitzenteam jedoch dermaßen nötig hat, ohne erkennbare Offensivambitionen den Ball immer wieder zu Innenverteidigern und Torwart zurückzuspielen – ich weiß es nicht.

So ging es also mit 0:1 in die Pause. Als Halbzeitfazit ließe sich festhalten: RWE wollte, fand aber noch nicht die richtigen Mittel, die Gäste nutzten ihre wenigen Chancen zweimal per Abseitstor und einmal „in echt“. Die linke Seite über Kefkir und Grund zwar die dominantere, jedoch Kefkir mit ziemlichen Problemen, sich dort durchzusetzen. Die Wackler in der Innenverteidigung habe ich bereits erwähnt, Grote meist von drei Gegenspielern angelaufen, Condé mit ordentlichen Ansätzen.

Unser Trainer stellte zur Halbzeit dann einiges um: Kefkir tauschte mit dem bis dahin eher blassen Endres die Seite, Condé wurde etwas zurückgezogen (quasi eine Sechs-Einhalb). Dies brachte zunächst mehr Stabilität ins rot-weisse Offensivspiel, was sich auch dadurch zeigte, das Kefkir immer wieder auf rechts anspielbar war und flanken konnte, was aber zumeist noch harmlos verlief (beste Chance Platzek drüber aus gut 5m).

Der BVB drehte weiterhin an der Uhr, die ersten Krämpfe setzten ein und immer wieder mussten Spieler nach winzigsten Zweikämpfen behandelt werden. Beinahe wäre dieses Verhalten eine Viertelstunde vor Schluss belohnt worden: Boyamba läuft Hahn davon, zieht in den Strafraum und legt in den Rücken der Abwehr ab, wo Führig den Ball quasi vom Elfmeterpunkt freistehend nur noch versenken muss, in diesem Moment kam jedoch der große Auftritt von Lenz, der diesen Ball festhalten konnte – das wäre das Ende aller Hoffnungen auf einen Punktgewinn für RWE gewesen.

Aber Karma is a bitch! Und wie:

Fünf Minuten nach der Riesenchance für die Gäste wird ein Essener knapp 25m vor dem Dortmunder Kasten gefoult, Freistoß von halb-rechts. Hahn und Condé stehen bereit, letzter schießt – und bringt die Hafenstraße mit dem ersten direkten Freistoßtreffer seit Was-weiß-ich-wann zum Beben! Ausgleich, zehn Minuten vor Schluss!

Und dieser Treffer, er setzte neue Kräfte frei: Wieder der in der zweiten Halbzeit starke Kefkir mit einer Flanke, Platzek per Kopf und kommt dann knapp gegen Oelschlägel nach dessen Abpraller zu spät. Wenig später wird Bichler schön rechts in Szene gesetzt, kann an der Torauslinie in den Strafraum ziehen, schafft es dann aber unter Druck nicht, den Ball gewinnbringend in die Mitte zu passen, wo Dahmani einschussbereit gewesen wäre.

Was folgte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Der unmittelbar zuvor eingewechselte Dorow spielt einen langen Ball nach vorne, im Laufduell gegen zwei Dortmunder kommt Platzek im Sechzehner zu Fall und der Schiri zeigt auf den Punkt – Elfmeter! Alexander Hahn übernahm die Verantwortung für die Kugel:

Nach dem Treffer gibt es keinen erneuten Anpfiff, RWE schlägt Borussia Dortmund mit 2:1! Das Nicht-Aufgeben, es hatte sich gelohnt! Auf den Tribünen nahm der Jubel quasi kein Ende mehr, wildfremde Menschen lagen sich mit Freudentränen in den Armen, als sei es November 1989 am Checkpoint Charly! EINFACH! GEIL! Da weiß man wieder, warum man den ganzen Scheiß Jahr für Jahr mitmacht!

Ich möchte nicht zu sehr in Einzelkritiken verfallen, doch Condé nicht hervorzuheben, würde seiner überragenden Leistung ungerecht gegenüber erscheinen. Auch Grote bärenstark. Wird die Abstimmung in der Abwehr noch verbessert und das Passspiel insgesamt präziser – mehrfach Bälle ins Aus oder in den Rücken eines Mitspielers – so haben wir nach dem ersten Eindruck ein Team, das nur schwer zu schlagen sein wird. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie andere Teams sich auf das neue rot-weisse Spielsystem einstellen werden (und wie RWE darauf reagiert). Es war nicht alles Gold, was gestern Abend an der Hafenstraße glänzte, aber es war ein solider Beginn, der Bock auf mehr gemacht hat.

Kommenden Sonntag trifft RWE im Wedaustadion auf den VfB Homberg. Vermutlich wird ein ordentlicher Tross zur Stelle sein, um die Mannschaft auch hier zum Sieg zu peitschen. Ein weiterer Erfolg wäre nicht nur aus tabellarischer Sicht wünschenswert, denn im nächsten Heimspiel wartet die nächste Zweitvertretung vom „Effzeh“ auf unser Team, das eine fünfstellige Unterstützung mit der erneut im Aufbau befindlichen Festung Hafenstraße sicher gerne annimmt.

Volleyball in Biedenkopf

In meiner neuen Kategorie „Abseits“ werde ich in losen Abständen über Geschehnisse berichten, die mich fernab des (rot-weissen) Fußballs bewegen.

Als erstes Thema habe ich mir nichts weniger als die Deutschen Meisterschaften im Volleyball der U16 männlich (heißt tatsächlich so) ausgeguckt. Diese fanden an diesem Wochenende im hessischen Biedenkopf statt.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die folgende Schilderung ausdrücklich subjektiv ist und nicht im Namen des VV Humann Essen erfolgt oder dessen Meinung widerspiegeln muss.

Vorab zur Erklärung für alle Volleyball-Frischlinge: Die Teilnahmeberechtigung erhält man, indem man in den sogenannten „Regionalmeisterschaften“ das Finale erreicht (es gibt eine Ausnahme, die den Ausrichter mit ins Boot holt, aber das geht hier zu weit) – im Falle „unseres“ Team, der U16 des VV Humann Essen war dies gelungen, man hatte zudem den FC Junkersdorf aus Köln im Finale besiegt und konnte somit als Westdeutscher Meister nach Biedenkopf fahren.

Der Tross startete bereits Freitag und auch viele dazugehörige Eltern (nennen wir sie liebevoll „VVH Ultras“) konnten es einrichten, das Wochenende vor Ort in der Halle zu verbringen, sodass für entsprechende Atmosphäre ebenfalls gesorgt war. Auf dem Weg nach Hessen erfuhren wir, dass einer der beiden etatmäßigen Zuspieler umgeknickt war und wohl nicht zum Einsatz kommen können würde. So musste also bereits vor dem Turnier die erste Kaderumstellung erfolgen. Da wir exakt diese Situation quasi am eigenen Leib kurz vor der Westdeutschen Meisterschaft erlebt haben, kann ich nachempfinden, was dies zumindest bei den Eltern ausgelöst hat (die trotzdem natürlich mit ganzem Herzen dabei waren). Für den betroffenen Spieler eine absolute Katastrophe – an dieser Stelle nochmal alles Gute.

Im Vorfeld haben wir in einer Art „Undercover-Mission“ ein kleines Motivationsvideo zusammengestellt, das ich aufgrund diverser Screenshots mit Handynummern nicht hier einstellen kann und will. Dieses Video habe ich dann am späten Abend in unserer WhatsApp-Liveticker-Gruppe platziert, sodass es bei Trainern und Mannschaft ebenfalls ankam. An dieser Stelle nochmal: Ich hoffe, es hat seinen Zweck erfüllt.

Die Veranstaltung begann mit einer – im Vergleich zu den drei anderen Turnieren dieser Art, die ich bisher miterleben durfte – recht lieblos gestalteten Eröffnungsfeier. Bei Ankunft in der Halle war keine Musik zu hören, stattdessen nur das Gemurmel von den Rängen. Irgendwann ergriff dann jemand das Mikro, sagte „jetzt geht es los“ und die Mannschaften liefen zunächst ohne namentliche Nennung in die Halle ein und reihten sich jeweils hinter einem mit ihrem Vereinsnamen beschrifteten Eimer (!) mit Klatschpappen (!!!) auf. Erst nachdem alle Teams versammelt waren, wurden die Vereine heruntergerattert, bevor mit einer gefühlt 30sekündigen Rede die Spiele für eröffnet erklärt wurden. Hier wurde eine große Chance vertan, das Publikum „mitzunehmen“ und den Mannschaften die Aufmerksamkeit der Zuschauer zukommen zu lassen, die sie sich durch die Qualifikation verdient gehabt hätten. Dazu später mehr.

Also ging es nach knapp 10 Minuten nach nebenan in Halle Nummer zwei (die DM werden immer parallel in zwei Hallen gespielt). Zum System: Vier Vierergruppen, die Gruppenersten sind direkt im Viertelfinale, die Gruppenzweiten spielen gegen einen Gruppendritten eine Art Viertelfinale, während die Gruppenvierten „jeder gegen jeden“ Platz 13-16 ausspielen. Ein Spiel um Platz 3 findet aus Zeitgründen dabei nicht statt, während alle anderen Platzierungen ausgespielt werden.

Es ist kaum möglich, an dieser Stelle besondere Spielzüge zu erklären oder auf einzelne Ballwechsel einzugehen. Ich möchte jedoch festhalten, dass von Anfang an jeder Ball mit viel Leidenschaft und Einsatz gespielt wurde. Immer wieder wurden Bälle dem Gegner um die Ohren gehauen, zwischendurch mal eine Finte eingebaut, und jeder erzielte Punkt auf Feld, Bank und Tribüne frenetisch gefeiert. Da es im Volleyball kaum möglich ist, einen Satz zu null zu gewinnen, wurden auch Rückschläge routiniert weggesteckt.

Als erster Gegner in der Gruppenphase sollte der CV Mitteldeutschland (2. Nordost) auf unsere Truppe warten. Und das Team begann wie ein D-Zug: Mit 25:8 konnte der erste Satz gewonnen werden. Dabei besonders bemerkenswert: Alle gegnerischen Punkte wurden durch eigene Fehler verursacht. Der zweite Satz startete etwas zäher, aber auch dieser wurde deutlich (25:15) gewonnen und damit die Basis für das Erreichen des Turnierziels (mindestens Platz 9) gelegt.

In Partie Nummer zwei traf der VVH auf den TSV Schmiden (2. Süd). In einer mitreißenden , lange ausgeglichenen Partie konnte auch hier mit 25:20 / 25:16 der Sieg eingefahren werden, was aufgrund der jeweiligen Niederlagen von Schmiden und Mitteldeutschland mit dem sicheren Platz zwei in der Gruppe gleichzusetzen war. Somit war auch mindestens der 12. Platz für unser Team sicher.

Abschließend ging es dann gegen den VC Dresden (1. Ost) um den Gruppensieg. Die Dresdener landen regelmäßig in den überregionalen Turnieren vorne und galten daher als klarer Favorit in der Partie. Es schien zunächst, als sollte der VCD dieser Favoritenrolle auch gerecht werden, doch unsere Jungs hängten sich mit vollem Einsatz in die Partie und kämpften sich nach einem 7:11-Rückstand zu einer 16:15-Führung. Danach sollten jedoch nur noch drei Punkte aufs Essener Konto wandern, sodass dieser Satz mit 19:25 verloren ging. Den zweiten Satz konnten die Dresdener dann trotz guter Gegenwehr mit 18:25 ebenfalls nach Hause bringen, sodass unsere Jungs den Umweg über die Zwischenrunde nehmen mussten.

Da Trommeln beim Turnier per Hausordnung verboten waren, haben die Dresdener „Schlachtenbummler“ sich einen Trick ausgedacht. Man hatte nämlich genau aufgepasst, dass nur Trommeln verboten sind, aber von Eimern hatte wohl niemand was gesagt. Also funktionierte man den „Einmarsch-Eimer“ kurzerhand um und fand sich ganz toll dabei, sein Team „auch in den schlechten Zeiten zu unterstützen, nicht so wie die Schönwetterfans aus Essen – auch wenn es nicht so viele schlechte Phasen gab“. Hierzu ein herzliches Gäääähn in den Osten. Das passt zum Bild, das Team und Trainer abgeben. Vielleicht beim nächsten Mal beim Lästern besser aufpassen, wer daneben sitzt…

Gegner in der Zwischenrunde waren die Sportfreunde Harteck (2. Südost). Bereits beim Stand von 4:0 zog der gegnerische Trainer die erste der beiden pro Satz möglichen Auszeiten, um sein Team aufzurütteln – vergeblich: Über 8:1 und 16:5, einem per Kopf ins gegnerische Feld geblockten Ball und vier vergebene Satzbälle konnte der erste Satz mit 25:14 gewonnen werden. Der anstrengende Tag forderte aber zunehmends Tribut, und so bekam Harteck Oberwasser. Zwischenzeitlich liefen unsere Jungs einem 11:15-Rückstand hinterher, der Ausgleich konnte erst beim Stand von 17:17 bejubelt werden. Ein Netzaufschlag der Gegner zum 25:23 bedeutete jedoch den Einzug ins Viertelfinale und damit mindestens Platz 8 der Gesamtwertung – Ziel erreicht, ab hier ist alles Bonus!

Dieses Viertelfinale war dann das erste Spiel des heutigen Sonntags. Und dieses Spiel war einfach der Wahnsinn! Der Gegner vom TSC Berlin (Nordost 1) – seines Zeichens Volleyballinternat brachte Ball um Ball ins Spielfeld und zog schnell auf 3:9 davon. Die Jungs schafften jedoch eine tolle Aufschlagserie und kamen auf 8:9 heran und gingen später mit 17:13 (nach 10:13) in Führung. Doch dies reichte nicht ganz aus, die Berliner arbeiteten sich wieder heran und konnten den Satz doch noch mit 21:25 für sich entscheiden.

Ein solcher Rückschlag bedeutet gegen einen so übermächtig erscheinenden Gegner – Berlin hatte am Vortag in keinem Satz mehr als 18 Punkte abgegeben – oft die Vorentscheidung. So schien es dann auch, als in einer Art Blaupause des ersten Satzes ein schneller 3:8-Rückstand aufgelaufen war. Doch unser Team zeigte Kämpfertugenden und erzwang sich dank acht Punkten in Folge ein erneutes 17:13. Und dieses Mal reichte es zum Satzgewinn, mit 25:22 wurde der Tie-Break erzwungen. Dieser war an Dramatik kaum noch zu überbieten. Die Stimmbänder am Anschlag, die Hände wundgeklatscht, lag das Team zum finalen Seitenwechsel mit 5:8 zurück. War es das? Pustekuchen. Auch hier: Moral und Einsatz, Ausgleich zum 10:10, eine 13:11-Führung. Aber diese verdammten zwei Punkte sollten nicht mehr fallen, am Ende behielt der Favorit mit 13:15 die Oberhand und sicherte sich mit dem Einzug ins Halbfinale mindestens die Bronzemedaille, während unsere Jungs ob der knappen Niederlage am Boden zerstört waren. So nah dran an der Sensation, nun doch „nur“ in der Runde um Platz 5-8.

Aus dem Frust wurde schnell Trotz, als neues Ziel wurde nun Platz 5 ausgegeben. Gegner nun TuS Kriftel (Südwest 1). Erneut mussten wir auf der Tribüne alles geben, um das hohe Niveau der Jungs mittragen zu können. Und was bitteschön war das für eine Partie? Die Führung sprang hin und her, der Satz ging gar in die Verlängerung, und erst der sechste (!) Satzball konnte zum 29:27 verwandelt werden. Ganz ehrlich: Spannender kann auch ein WM-Endspiel-Elfmeterschießen nicht sein. Nichts für schwache Nerven.

Satz Nummer zwei hatte ebenso in sich. Zwar spielte unser Team nun mit der Führung im Rücken befreit auf und erarbeitete sich ein dickes Punktepolster, beim Stand von 21:13 machte ich jedoch den Fehler, den Ticker wissen zu lassen: „Das müsste schon seeehr schief gehen.“ Karma is a bitch! 21:14, 15, 16… Kriftel kam immer näher. 23:19. 23:20. 23:24!!! Satzball Kriftel. Nach DIESER Führung!? Erneuter Ausgleich. Matchball! Und JAAAAAAAA, 26:24, Platz 6 sicher!

Im Spiel um Platz 5 kam es somit zur Wiederholung des Finales um die Westdeutsche Meisterschaft gegen unsere „Freunde“ vom FC Junkersdorf Köln. Ein letztes Mal alles in die Waagschale werfen, einen weiteren Ausfall im Team kompensieren, alles geben! Im ersten Satz konnte der VVH bis auf das 0:1 und das 9:10 immer in Führung bleiben und mit 25:20 diesen für sich verbuchen. Im zweiten Satz machte sich der Ausfall des zusätzlichen Angreifers aber mehr und mehr bemerkbar, nach gutem Anfang hieß es zwischenzeitlich 12:18 und am Ende 17:25 – erneuter Tie-Break.

Im Finale der WDM konnten unsere Jungs diesen noch für sich entscheiden – doch diesmal sollte es einfach nicht sein. Nach gutem Anfang lag man beim Seitenwechsel erneut mit 5:8 hinten, dann hatte der FCJ beim Stand von 10:14 vier Matchbälle. Drei davon konnten erfolgreich abgewehrt werden, sodass der Kölner Trainer als letzte Maßnahme noch einmal eine Auszeit nahm. Leider wurde der folgende Ball vergeben, sodass der Satz mit 13:15 verloren ging. Egal: Den Titel „Westdeutscher Meister 2019“ nimmt dem VV Humann auch kein Spiel um die goldene Ananas mehr. 🙂

Im Finale gewann die TSV Grafing gegen die oben erwähnten Berliner, sodass als kleines Trostpflaster verbleibt, gegen einen Finalisten ausgeschieden zu sein.

Unter dem Strich steht somit ein sechster Platz bei den Deutschen Meisterschaften für den VVH. Sechster in einem Feld von Leistungsstützpunkten, Internaten, zusammengecasteten Teams, sechstbestes Team in ganz Deutschland. Und Team darf in diesem Fall auch wörtlich genommen werden. Hat man bei einigen Vereinen das Gefühl, dass es sich eher um Zweckgemeinschaften handelt, so war doch deutlich zu spüren, wie jeder für jeden arbeitet, wie man zusammen für den Erfolg arbeitet. Unsere kleine „Volleyball-AG“ hat sich im bundesweiten Vergleich hervorragend präsentiert und muss sich mit der gezeigten Leistung keineswegs verstecken. Ganz im Gegenteil: Ihr könnt stolz auf das Erreichte sein! Genauso sind wir stolz auf euch!

Nun noch die versprochenen Worte zum Turnier-Umfeld: Positiv zu bewerten sicherlich die Nähe der beiden Hallen, auch zu den unmittelbar nebenan liegenden Mannschaftsunterkünften in der Jugendherberge. Hervorragend auch der Einsatz an den üblichen Kaffee- und Kuchenständen, sehr fröhliches und freundliches „Personal“ dort! Absoluter Pluspunkt.

Aber: Wenn man sich damit rühmt, seit Neunzehnhundertdrölfig (Zahl vergessen) zum elften Mal schon eine Meisterschaft auszurichten, so empfinde ich es für völlig unverständlich, wie wenig emotional die Eröffnung gestaltet wurde. Hier haben andere es vorgemacht: Eine Art „olympischer Eid“ der Kapitäne, die Regeln und Gegner zu achten, oder zum Beispiel mal die Flaggen der Bundesländer aufhängen (sind die nicht sogar Verbandsvorgabe?). Ihr (TV Biedenkopf) habt eine große, relativ moderne Halle. Warum nutzt ihr nicht wenigstens im Finale die Anzeigetafel an der Decke? Euer orangefarbener Klebepunkt für die Stirn, Stichwort DSVGO – er mag rechtlich in Ordnung gehen, aber findet ihr das selbst nicht lächerlich? Wer guckt die Fotos denn durch, ob da nicht irgendwer mit so nem Punkt im Publikum sitzt?! Technik: Internet kennt ihr sicher. Warum nicht ein Monitor mit den Ergebnissen irgendwo? Oder mit nem Beamer auf die Wand geworfen? (Ich weiß nicht, wie es in der Haupthalle war, da wir unsere Spiele allesamt in der Grundschule bestreiten durften.) Ehrlich, das hatte Dorfclub-Feeling und war insgesamt einer DM nicht würdig.

Abschließend möchte ich Dank loswerden: Dank an die Jungs, die uns ein tolles Wochenende bereitet haben, Dank ans Trainerteam, das an den passenden Schrauben gedreht hat, Dank an alle, die vor Ort ihren Teil beigetragen haben und Dank an alle, die vor dem Liveticker die Daumen gedrückt haben. Und natürlich von Herzen ein dickes DANKE SCHÖN für das große Lob zu Video und Ticker – ICH HABE ES SEHR GERNE GEMACHT!

Nachdem wir nun alle wieder zu Hause sind, wird es nun in den kommenden Wochen etwas ruhiger. Ein paar Beachturniere stehen an, bevor es dann nach den Sommerferien in der U18 als jüngerer Jahrgang weitergeht. Ich freue mich schon jetzt darauf!