9. Spieltag – RWE – Bonner SC

Man könnte sich echt dran gewöhnen: Freitag, Flutlicht, Heimspiel vor voller Hütte… Wenn dann noch die „Leistung“ der Schiedsrichter das einzige Kopfschütteln hervorruft, läuft irgendwas verdammt richtig.

Trainer Titz schickte erstmals (?) dieselbe Startelf wie im letzten Match ins Rennen, um gegen schlecht gestartete Bonner (sieben Punkte aus sieben Spielen) den nächsten Dreier einzufahren, während Platzek erneut nicht im Kader war.

Schon nach wenigen Minuten ergab sich die erste Chance für RWE, doch Condés Kopfball war zu unplatziert und stellte den Gästekeeper vor keine größere Aufgabe. Und beinahe im Minutentakt wurden weitere Chancen vergeben: Kefkir schoss knapp neben das Tor, nach einer kurzen Ecke brachte ein Essener (Endres?) den Ball per Fallrückzieher nicht auf den Kasten, und beide Akteure vergaben jeweils eine weitere Chance, bevor Bonn nach 20 Minuten den ersten Schuss auf den rot-weissen Kasten abgeben durfte.

Die Bonner fielen dabei besonders in der ersten Halbzeit durch viele Nickeligkeiten auf: kleine Fouls bei jeder Gelegenheit, Ball mitnehmen oder mal wegschießen – ich hätte mir ein deutlich früheres Eingreifen des Unparteiischen gewünscht.

Nach 30 Minuten belohnte sich das Team jedoch mit der Führung: Freistoß von der rechten Seite in den Strafraum, der Ball landet über eine weitere Station bei Hahn, der aus kurzer Distanz die Kugel unter die Latte knallte.

Der Jubel war noch nicht ganz verklungen, als der Schiedsrichter seinen ersten „echten“ Aussetzer hatte: über unsere linke Abwehrseite kommt der Ball in den Strafraum, Heber spielt diesen knapp vor seinem Gegenspieler, doch dieser hebt dankend ab – Elfmeter! Obwohl sich Lenz aufreizend viel Zeit ließ, konnte er den Ausgleich gegen den perfekt geschossenen Strafstoß nicht verhindern.

Mit diesem Spielstand ging es dann in die Pause, in der Trainer Titz seine Stellschrauben drehte: Für Grote, den einzigen Feldspieler, der bislang keine Ligaminute verpasst hatte, kam Selishta in die Partie. Nebeneffekt: Grote, dem bei einer gelben Karte die Gelbsperre gegen Verl drohte, kann im folgenden Spitzenspiel mit dabei sein.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff wurde Dorow im Bonner Sechzehner vom Keeper von den Beinen geholt, nachdem er den Ball vorbeigelegt hatte, doch zum Zorn der Anhänger blieb der Pfiff aus. In der nächsten Szene hatte Selishta gleich doppelt die Möglichkeit zur erneuten Führung, scheiterte jedoch beide Male am Keeper – Eckball.

Dieser Eckball wurde recht zügig ausgeführt: Kefkir – Heber am kurzen Pfosten verlängert – 2:1! Ausgerechnet Heber, der den Elfer „verschuldet“ hatte, bringt den Wagen zurück auf die Straße.

Bonn wehrte sich tapfer und brach noch einmal über rechts durch, der Schuss aus vollem Lauf klatschte an die Latte! Das sollte jedoch – bis auf einen von Lenz parierten Schlenzer – die einzig nennenswerte Chance der Gäste bleiben.

Nächster „Klopper“ vom Schiri: Ein Rückpass von Selishta gerät zu lang und wird zum Steilpass für einen Bonner Stürmer – das Gespann entscheidet auf Abseits. Eine mindestens diskussionswürdige Szene hatte dann Kefkir, als er im Sechzehner mit dem Keeper zusammenstieß. Der Schiedsrichter entschied auf Gelb für Kefkir, wobei einige auch den Keeper zu spät am Ball gesehen haben – hier bin ich auf die Wiederholung gespannt. Und als kleinen Bonus gewährte der Schiri Kefkir einen Einwurf, obwohl dieser beim langen Ball aus der eigenen Abwehr meilenweit im Abseits stand und kein Bonner auch nur die Chance hatte, diesen Ball überhaupt zu berühren. Wie gesagt: Nicht der beste Tag des Unparteiischen, dessen Assistent auch einen hektischen Winkearm zu haben schien, so oft, wie er gute Angriffe der Rot-Weissen per Abseits-Fahne zunichte machte.

Der geneigte RWE-Fan wartete natürlich noch auf den gewohnten Joker-Treffer. Auch dieser sollte erfolgen, als Selishta links herrlich freigespielt wurde und im Eins-gegen-Eins mit dem Torhüter eiskalt zum 3:1 lupfte.

Und was ist besser, als ein Joker-Tor? Richtig! ZWEI Joker-Tore: Der eingewechselte Adetula wurde nach einem herrlichen Solo von Condé von diesem vorbildlich bedient und behielt auch die Nerven, indem er mit einem Tunnel den 4:1-Endstand herstellte.

Es bleibt dabei: RWE bleibt ungeschlagen und Christian Titz hat ein schier unglaubliches Wechselhändchen. Schön zu sehen, dass unser Team sich noch immer nicht aus der Ruhe bringen lässt und sowohl per Standard als auch durch Konter Treffer erzielen kann, wenn es mal „aus dem Spiel heraus“ nicht so läuft. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können, wenn besagtes Schiri-Gespann nicht so unglücklich agiert hätte – aber bei einem 4:1 will ich da jetzt mal beide Augen zudrücken.

Besonders in den letzten 20 Minuten war schön zu sehen, wie viel mehr Kondition unser Team im Vergleich zum Gegner hatte. Beinahe jeder Ball konnte erlaufen werden, Condé mit seiner großartigen Technik und Übersicht steuerte das Spiel, während Heber und Hahn die Hütte hinten dicht machten.

RWE macht derzeit einfach wieder richtig Spaß! Es ist beinahe erschreckend, wie auf jedes Szenario eine Lösung gefunden wird. Ich bin zuversichtlich, dass uns auch die englische Woche der anderen Teams nicht aus dem Rhythmus bringen wird, denn die Partie gegen Königsblau wurde bekanntlich in den November verlegt. Dann haben wir möglicherweise auf Rödinghausen wieder Rückstand und auch unser kommender Gegner, der SC Verl, könnte an uns vorbeiziehen.

Aber im Ernst: WER SOLL UNS SCHLAGEN?

6. Spieltag – RW Oberhausen – RWE

„Alle in grün!“ So das Motto der Gastgeber im „Emscherderby“ gegen unseren Herzensclub. Man wollte sich halt abheben vom Rot-Weiss der Gäste, die schon beinahe traditionell in größerer Anzahl anwesend sein sollten. Knapp 9.700 Zuschauer waren vor Ort, davon gefühlt mehr als die Hälfte Anhänger der Hafenstraßen-Elf.

Titz hatte erneut das Team umgestellt, Kehl-Gomez durfte von Beginn an ran, bezog einen Platz im defensiven Mittelfeld neben Grote, für ihn musste der zuletzt glücklose Platzek weichen. Und es waren unsere Jungs, die von Beginn an den Weg nach vorne suchten. Oberhausen beschränkte sich zunächst darauf, sich in der eigenen Hälfte einzuigeln und RWE erst ab der Mittellinie unter Druck zu setzen. Die erste Chance des Spiels hatte folgerichtig auch unser Team. Nach feiner Flanke von Kefkir stand nach gut 10 Minuten Dorow am langen Pfosten bereit, bekam jedoch nur noch so viel Druck hinter den Ball, um Davari dazu zu bringen, den Ball zur Ecke abklatschen zu lassen.

Eine Viertelstunde später hätte es dann jedoch passieren müssen: Endres und Grund hatten sich über die linke Seite schön durchkombiniert, der Pass von der Torauslinie landet am Elfmeterpunkt bei Kehl-Gomez, der jedoch diesen deutlich übers Tor schießt – ich hatte hier einen leichten „Hoppler“ des Balles auf dem in einem üblen Zustand befindlichen Rasen gesehen.

Der Aufreger der ersten Halbzeit spielte sich jedoch auf der anderen Seite nur wenig später ab: Grote kommt mit Ball ins Straucheln, Pisano schaltet schnell und schickt einen Kollegen auf die Reise, der allein auf Lenz zuläuft, diesen aussteigen lässt und aus spitzem Winkel verkürzt. Ekstase auf den Oberhauser Rängen, Torfanfare auf den Lautsprechern – doch der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Fahne erhoben und der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen – Abseits. Hierzu später mehr.

Mit dem Halbzeitpfiff dann aber noch die große Chance für RWE, die Führung zu erzielen: Nach einer Ecke für die Gastgeber wird Dorow in einer Kontersituation abgeräumt, Kefkir nimmt den Ball auf und läuft Richtung RWO-Tor, spielt quer auf Endres – der den Ball aus knapp zwei Metern jedoch nebens Tor setzt.

Das 0:0 zur Pause ging insofern in Ordnung, als dass RWO nach etwa 20 Minuten aktiver wurde und RWE nicht mehr „die“ Szenen vorne herausspielen konnte.

Zur zweiten Halbzeit nahm Titz dann den gelb-rot-gefährdeten Sauerland vom Platz und brachte Wirtz nach langer Verletzungspause als Sturmspitze. Heber rückte auf die Außenposition und Kehl-Gomez nahm „seinen“ Platz in der Innenverteidigung neben Hahn wieder ein.

Die erste Chance im zweiten Durchgang hatte dann wieder RWE: Vier Minuten nach Wiederanpfiff angespielt legt sich Endres am Sechzehner angespielt den Ball auf den rechten Fuß und schlenzt ihn auf den Kasten – trifft aber nur den Außenpfosten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Christian Titz macht, wenn er seine Wechsel bestimmt. Ich finde es aber geradezu unheimlich, wie er bislang mit seinen Optionen immer wieder goldrichtig liegt.

Kurz nach der Chance von Endres wurde es laut im „schönsten Stadion der Liga“ (Zitat des RWO-Stadionsprechers): An der Eckfahne setzt sich Condé gegen gleich zwei Oberhausener durch, kann Kefkir parallel zur Grundlinie in den Strafraum schicken. Der spitzelt den Ball aufs Tor, von Davari landet die Kugel beim eben eingewechselten Wirtz, und der lässt sich diese Chance in bester Abstaubermanier nicht nehmen und vollendet zur verdienten Führung für RWE!

Doch damit nicht genug: Direkt im nächsten Angriff kann Heber Kefkir den Ball im Fallen noch zuspielen, dessen abgefälschte Flanke landet knapp nicht bei Wirtz am langen Pfosten – Ecke! Diese wird von Grund hereingebracht. In der Mitte unterläuft der riesige Löhden den Ball und Wirtz hält hinter ihm die Rübe rein: 2:0! Was für ein Comeback für den Essener Top-Torschützen der letzten Saison!

Mit diesem Tor war die Messe quasi gelesen. Zwar antwortete Terranova mit einem offensiven Doppelwechsel und der Formation „wilde Wolke“, doch RWE hatte auf jeden unwirschen Angriffsversuch eine Lösung parat. Die größte Chance für die Gastgeber gab es vielleicht noch nach einem Freistoß aus ca. 40m, bei dem Lenz sich zwar beeilen musste, den Ball noch vor der Linie zu fangen, dann aber Zeit hatte, sich noch in aller Seelenruhe mit selbigem fallen zu lassen – etwas provokant, das gebe ich zu, aber durchaus Balsam auf die geschundene RWE-Seele, die in Oberhausen seit 2012 keinen Sieg mehr erleben durfte (remember Ellmann)!

Adetula zwang Davari noch zu einer Fußabwehr, ein Distanzschuss von Kefkir ging nur wenige Zentimeter am Tor vorbei. Erneut Adetula war es dann, der den Endstand herbeiführen sollte: Grote gewinnt einen defensiven Zweikampf, von ihm kommt der Ball zu Condé, der „Adiole“ schnell in den Konter schickt. Als alle mit dem Querpass auf die mitgelaufenen Wirtz und Dahmani rechnen, zieht Adetula einen Schritt nach außen und vollendet stramm ins kurze Eck.

Dass in der Schlussphase ein Konter über Adetula auf der Linie geklärt wurde, dass ein Schuss von Kefkir noch an den Pfosten klatscht und in der Folge ein Wirtz-Schuss erneut am Einschlag gehindert wurde, tat der Stimmung in der Kanalkurve und weiten Teilen der Haupttribüne keinen Abbruch. Mannschaft und Trainer genossen nach dem Abpfiff das Bad in der Menge (bzw. vor der Kurve) und durften sich dort für 16 von 18 möglichen Punkten feiern lassen – ein echter Traumstart in diese Saison.

RWO war mit drei Gegentoren sehr gut bedient. Trainer Terranova war sich trotzdem nicht zu schade, bei der Pressekonferenz einen Screenshot der oben geschilderten Abseits-Szene zu zeigen, aus der hervorging, dass das Gespann hier total falsch gelegen hat. Ob die Essener das Spiel ohne den Abseitspfiff auch eingestellt hätte, ob der Ball auch MIT Gegenspielern im Kasten gelandet wäre, darüber lässt sich nur spekulieren.

Das Grün auf den Oberhausener Rängen, das sinnbildlich für das Kleeblatt im Logo der Gastgeber stehen sollte, es hat kein Glück gebracht. Wenn das heute die „Kleeblatt-Power“ (so die Choreo) war, wird RWO im Kampf um den Platz an der Sonne diese Saison nicht mitreden können. Das war heute eher Impatiens noli-tangere, oder wie der Volksmund sagt „Rühr-mich-nicht-an“.

Hervorheben möchte ich heute eigentlich keinen Spieler, aber die schiere Qualität, mit der besonders unser offensives Mittelfeld aufwarten kann, ist schon beeindruckend. „Schwachpunkt“ heute in Halbzeit eins Heber mit ein paar unglücklichen Pässen, nach dem Wechsel jedoch deutlich verbessert.

Heute wurde zudem nicht – wie in Homberg – nach dem 2:0 das Spielen eingestellt, sondern weiter der Weg nach vorne gesucht. Oberhausen mit erschreckend schwacher Offensive heute, vielleicht auch der arg abwartenden, defensiven Taktik geschuldet. Nichtsdestotrotz bringt auch dieser Sieg nur drei Punkte für die Tabelle – doch er ermöglicht, punktgleich mit dem SV Rödinghausen (bei schlechterer Tordifferenz) zu bleiben. RWE bleibt ungeschlagen, auf Platz drei sind es jetzt schon vier Punkte Vorsprung.

Am kommenden Freitag steigt die Neuauflage des letztjährigen Niederrhein-Pokal-Halbfinals gegen den KFC Uerdingen (diesmal bereits in der zweiten Runde), bevor in der Woche darauf der SV Lippstadt der nächste Auswärtsgegner unseres Teams sein wird. Ich bin fest der Überzeugung, dass dieses Spiel kein Wendepunkt in der Saison werden wird!

1. Spieltag – RWE – BVB II // Niemals aufgeben!

So lautete gestern Abend beim Eröffnungsspiel zur Saison 2019/20 der Regionalliga West das Motto an der Hafenstraße zwischen Rot-Weiss Essen und der Zweitvertretung des BVB. Vorweg: Selten war ein Motto so treffend!

Rund 14500 Zuschauer im Stadion, ordentlich gefüllter Gästeblock – ein phantastischer Rahmen. Die Choreo beim Einlaufen der Mannschaften, unterstützt durch den ausgerufenen Fahnentag, leistete ihren Beitrag, eine Gänsehaut sollte die nächste jagen.

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Nachdem vor dem Spiel die Stimme der Hafenstraße, Walter Ruege, zum 40. Dienstjubiläum am Mikrofon geehrt wurde, durfte „Ruthe“ mit toller Unterstützung der Kurve trotz vieler neuer Namen die erste Startelf der Saison präsentieren, bevor ein zusammen mit den Gästefans ein Abgesang auf den gemeinsamen Rivalen intoniert wurde.

Nach kurzer Präsentation aller Teams (vertreten durch Kinder in den entsprechenden Trikots) sollte es dann endlich losgehen. Die Vorzeichen dabei aus rot-weisser Sicht nicht positiv: Seit 5 Jahren kein Spiel gegen die Dortmunder gewonnen, dazu seit 2012/13 kein Heimsieg mehr beim Auftaktspiel zur Liga – wie sollte das funktionieren?

Und schon nach wenigen Minuten brannte es lichterloh im rot-weissen Sechzehner: Eckball Dortmund nach nur sieben Minuten, der Ball kann nicht geklärt werden, trudelt zunächst an den Pfosten und im zweiten Nachstochern in den Kasten. Der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch längst die Fahne gehoben – Abseits!

Unbeirrt davon versuchte RWE, das Spiel an sich zu reißen, in dem man früh ins Pressing ging und – wie erwartet – mit dem Keeper (Lenz hatte den Vorzug von Golz (Bank) und Heller (Tribüne) erhalten) in Höhe des Mittelkreises das Spielfeld „verkleinerte“. Ich persönlich habe mir das riskanter ausgemalt als es sich im Spiel tatsächlich darstellte, jedoch merkte man durchaus, dass eine gewisse Anfälligkeit für schnelle Gegenangriffe bei „Stockfehlern“ oder misslungenen Dribblings unmittelbar gegeben war. Zwar standen Hahn und Kehl-Gomez über weite Teile der Partie souverän auf ihren Positionen, doch der eine oder andere Pass war insbesondere in Hälfte eins entweder zu schwach oder zu unpräzise gespielt, wodurch doch ein gewisse Unruhe aufkam.

Die erste echte Torchance für RWE gab es dann um die 25. Minute herum, als Dennis Grote sich aus gut 20m ein Herz nahm und einfach mal abzog – der Dortmunder Keeper jedoch nicht minder glänzend parieren konnte. Fast im Gegenzug dann aber die erneute kalte Dusche: Lenz ließ einen Distanzschuss nach vorne abklatschen, ein Gegenspieler konnte abstauben, doch erneut entschied das Schiri-Gespann auf Abseits.

Aus meiner Sicht gab es quasi im Anschluss eine Fehlentscheidung zu unseren Ungunsten: Zwar sah Marcel Platzek wegen gefährlichen Spiels zurecht die gelbe Karte, er wurde aber in derselben Szene mit voller Wucht umgestoßen, wofür man auch gut und gerne die rote Karte hätte zeigen dürfen. Insgesamt war die Linie des Unparteiischen meiner Meinung nach eher unglücklich, weil doch immer wieder besonders von den Dortmundern kleinere Hakeleien mit theatralischen Einlagen bedacht wurden (und in der Folge mit Freistößen belohnt), während beispielsweise Grote und Heber (der sogar mindestens zweimal) von hinten umgegrätscht wurde, was zwar auch Freistöße, aber keine Karten zur Folge hatte.

Nach der zweiten Trinkpause – aufgrund der anhaltenden Temperaturen von über 30 Grad Celsius gab es jeweils nach 15 und 30 Minuten in jeder Halbzeit eine – sollte dann das erste Tor der neuen Saison fallen: Heber mit einer Unsicherheit im Mittelfeld, der BVB schaltet schnell und schickt Boyamba auf die Reise, der im Laufduell nie Nase vorne hat und Lenz keine Chance lässt – 0:1, erster Dämpfer für unsere zwar engagierte, aber unglücklich agierende Mannschaft. Den Torjubel mit der „ich kann euch nicht hören“-Geste in Richtung der West hätte sich der Kapitän der Gäste jedoch sparen sollen – diese Art Unsportlichkeit gehört sich nicht, schon gar nicht, wenn zwischen den Fangruppen eigentlich zumindest Sympathie besteht.

Die auch in den vergangenen Partien immer wieder festzustellende „Abgehobenheit“ der Dortmunder Mannschaft machte sich ab diesem Treffer durch konsequentes Zeitspiel und Ballgeschiebe in der Abwehr zu bemerken – natürlich ist dies alles regelkonform und als taktisches Mittel immer eine Option, ob man es als Spitzenteam jedoch dermaßen nötig hat, ohne erkennbare Offensivambitionen den Ball immer wieder zu Innenverteidigern und Torwart zurückzuspielen – ich weiß es nicht.

So ging es also mit 0:1 in die Pause. Als Halbzeitfazit ließe sich festhalten: RWE wollte, fand aber noch nicht die richtigen Mittel, die Gäste nutzten ihre wenigen Chancen zweimal per Abseitstor und einmal „in echt“. Die linke Seite über Kefkir und Grund zwar die dominantere, jedoch Kefkir mit ziemlichen Problemen, sich dort durchzusetzen. Die Wackler in der Innenverteidigung habe ich bereits erwähnt, Grote meist von drei Gegenspielern angelaufen, Condé mit ordentlichen Ansätzen.

Unser Trainer stellte zur Halbzeit dann einiges um: Kefkir tauschte mit dem bis dahin eher blassen Endres die Seite, Condé wurde etwas zurückgezogen (quasi eine Sechs-Einhalb). Dies brachte zunächst mehr Stabilität ins rot-weisse Offensivspiel, was sich auch dadurch zeigte, das Kefkir immer wieder auf rechts anspielbar war und flanken konnte, was aber zumeist noch harmlos verlief (beste Chance Platzek drüber aus gut 5m).

Der BVB drehte weiterhin an der Uhr, die ersten Krämpfe setzten ein und immer wieder mussten Spieler nach winzigsten Zweikämpfen behandelt werden. Beinahe wäre dieses Verhalten eine Viertelstunde vor Schluss belohnt worden: Boyamba läuft Hahn davon, zieht in den Strafraum und legt in den Rücken der Abwehr ab, wo Führig den Ball quasi vom Elfmeterpunkt freistehend nur noch versenken muss, in diesem Moment kam jedoch der große Auftritt von Lenz, der diesen Ball festhalten konnte – das wäre das Ende aller Hoffnungen auf einen Punktgewinn für RWE gewesen.

Aber Karma is a bitch! Und wie:

Fünf Minuten nach der Riesenchance für die Gäste wird ein Essener knapp 25m vor dem Dortmunder Kasten gefoult, Freistoß von halb-rechts. Hahn und Condé stehen bereit, letzter schießt – und bringt die Hafenstraße mit dem ersten direkten Freistoßtreffer seit Was-weiß-ich-wann zum Beben! Ausgleich, zehn Minuten vor Schluss!

Und dieser Treffer, er setzte neue Kräfte frei: Wieder der in der zweiten Halbzeit starke Kefkir mit einer Flanke, Platzek per Kopf und kommt dann knapp gegen Oelschlägel nach dessen Abpraller zu spät. Wenig später wird Bichler schön rechts in Szene gesetzt, kann an der Torauslinie in den Strafraum ziehen, schafft es dann aber unter Druck nicht, den Ball gewinnbringend in die Mitte zu passen, wo Dahmani einschussbereit gewesen wäre.

Was folgte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Der unmittelbar zuvor eingewechselte Dorow spielt einen langen Ball nach vorne, im Laufduell gegen zwei Dortmunder kommt Platzek im Sechzehner zu Fall und der Schiri zeigt auf den Punkt – Elfmeter! Alexander Hahn übernahm die Verantwortung für die Kugel:

Nach dem Treffer gibt es keinen erneuten Anpfiff, RWE schlägt Borussia Dortmund mit 2:1! Das Nicht-Aufgeben, es hatte sich gelohnt! Auf den Tribünen nahm der Jubel quasi kein Ende mehr, wildfremde Menschen lagen sich mit Freudentränen in den Armen, als sei es November 1989 am Checkpoint Charly! EINFACH! GEIL! Da weiß man wieder, warum man den ganzen Scheiß Jahr für Jahr mitmacht!

Ich möchte nicht zu sehr in Einzelkritiken verfallen, doch Condé nicht hervorzuheben, würde seiner überragenden Leistung ungerecht gegenüber erscheinen. Auch Grote bärenstark. Wird die Abstimmung in der Abwehr noch verbessert und das Passspiel insgesamt präziser – mehrfach Bälle ins Aus oder in den Rücken eines Mitspielers – so haben wir nach dem ersten Eindruck ein Team, das nur schwer zu schlagen sein wird. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie andere Teams sich auf das neue rot-weisse Spielsystem einstellen werden (und wie RWE darauf reagiert). Es war nicht alles Gold, was gestern Abend an der Hafenstraße glänzte, aber es war ein solider Beginn, der Bock auf mehr gemacht hat.

Kommenden Sonntag trifft RWE im Wedaustadion auf den VfB Homberg. Vermutlich wird ein ordentlicher Tross zur Stelle sein, um die Mannschaft auch hier zum Sieg zu peitschen. Ein weiterer Erfolg wäre nicht nur aus tabellarischer Sicht wünschenswert, denn im nächsten Heimspiel wartet die nächste Zweitvertretung vom „Effzeh“ auf unser Team, das eine fünfstellige Unterstützung mit der erneut im Aufbau befindlichen Festung Hafenstraße sicher gerne annimmt.