Lethargie.

Nein, es fühlt sich auch am Tag danach noch nicht besser an. Hatte ich das Wuppertal-Spiel noch als Ausrutscher erhofft, so bin ich gestern eines Besseren belehrt worden. Das gestern war keine Niederlage, es war eine Vorführung.

Bereits nach 9 Minuten unterlief Meier ein folgenschwerer Fehler, als er, sein Team im Vorwärtsgang, einen Pass in die Füße eines Wiedenbrückers spielte. Brauer grätschte zwar noch, der Gegner blieb jedoch am Ball. Meier ließ ihn noch übers Bein springen, konnte damit aber nicht mehr den Pass auf den mitgelaufenen Gegenspieler verhindern, der frei vor Heller kein Problem hatte, den Ball ins lange Eck zu schieben.

Was nun folgte, war für das rot-weisse Fan-Dasein eine Qual. Wiedenbrück presste, wie schon die Jungs aus dem Tal, bereits in der Essener Hälfte und machte damit jegliches Angriffspiel zunichte. Cokkosan verlor ein ums andere Mal den Ball in der Vorwärtsbewegung (oder konnte ihn gar nicht erst ordentlich annehmen), und der auf dem Papier vielversprechende Angriffsblock mit Grund, Platzek, Jansen und Pröger blieb ohne Chance. So ging es schließlich ohne weitere Höhepunkte unter einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause. Cokkosan durfte dann – sorry Tolga – völlig zurecht den Rest der Partie von draußen betrachten.

Unmittelbar nach dem Wechsel keimte dann bei mir (ich Idiot!) und vielen anderen ein Funke Hoffnung auf: langer Einwurf von Pröger, verlängert, der eingewechselte Bednarski hält die Rübe hinein – 1:1! Noch während Walter Ruege dem Sponsor für 50 Euro für die Jugendkasse dankte, klingelte es im Gegenzug leider wieder im Essener Gehäuse. Ohne größere Gegenwehr spielten die Wiedenbrücker sich in dieser Situation den Ball mehrfach zu, bis einer aus gut 17m flach ins linke Eck einschob.

Eine gute Viertelstunde später gab es dann nach einer Vorteilssituation nach einem Foul einen weiteren Konter über die rechte Abwehr-Seite (die von Urban bearbeitet wurde), in der Mitte stolperte Meier den Ball an Heller zum 1:3 vorbei.

Dass der ansonsten absolut unauffällige („unglücklich“ wäre gelogen) Jansen nach einer tollen Einzelleistung von Platzek noch das 2:3 erzielte und danach in den letzten 10 Minuten nochmal so etwas wie Druck aufkam, dass Wiedenbrück noch per Foulelfmeter in der Nachspielzeit auf 2:4 erhöhte – geschenkt.

Dass der Unparteiische gestern auch mit Sicherheit nicht seinen besten Tag hatte, sei nur am Rande bemerkt. Er entschied zwar in einigen Situationen merkwürdig (mehrfaches Nachtreten ist meines Wissens nach rot…), ging aber auch konsequent mit gelben Karten gegen Zeitspiel in jeglicher Form vor (Weiterspielen nach Pfiff, Ball mitnehmen, Abstoß…). Spielentscheidend waren seine Pfiffe jedoch nicht, auch wenn wir auf der Tribüne noch schwadronierten, dass einem wohl keiner glaubt, wenn wir immer sagen, wie viel Pech wir mit den Schiris haben.

Was mich so genervt hat, war jedoch, dass keiner der Akteure auf dem Feld ansatzweise so zum Zuge kam, wie es zuletzt noch gegen Köln zu Hause oder bei den beiden kurz vor Schluss unentschieden geendeten Partien war. Baier war zwar „stets bemüht“, konnte aber alleine auch nicht ständig den Ball erkämpfen, und wenn, waren seine Mitspieler meist so gut abgedeckt, dass Pässe in die Spitze unmöglich waren. Querpässe im Mittelfeld die Folge. Etwas mehr Schwung kam tatsächlich mit der Auswechslung von Cokkosan zur Pause. Urban mag ein guter Innenverteidiger sein, ihm fehlen aber ganz eindeutig die Qualitäten eines Malura, der sich auch ins Angriffsspiel mit (mehr oder weniger gelungenen) Flankenläufen einschaltet. Urbans Weg führte meist zurück zu Zeiger, der auch diesmal wieder gerettet hat, was ging. Erst als Wiedenbrück in der Schlussphase dem hohen Tempo und ständigem Pressing Tribut zollen musste, kamen auch Spieler wie Grund oder Brauer wieder besser zur Geltung.

Was muss jetzt geschehen? Ich halte es für völlig absurd, jetzt den Kopf des Trainers zu fordern, wie es einige tun. Klar, Demandt hätte Jansen herausnehmen und zum Beispiel Ngankam bringen können. Schlechter hätte es nicht werden können. Aber dem Trainer kann man weder die beiden späten Gegentreffer gegen Bonn und Uerdingen ankreiden, noch die Schlafmützigkeit, die unsere Truppe beim 0:1 und 1:2 demonstriert hat. Beim 1:3 und 2:4 war die Abwehr schon quasi aufgelöst. Wellings Kopf wird naürlich von den üblichen Verdächtigen nun umso mehr gefordert, in den sozialen Medien trieft es nur so vor Spott und Zynismus, die den aktuellen sportlichen Misserfolg in sinnlose Zusammenhänge mit Winklers Gerichtsprozess, der Ausgliederung oder der Kündigung des Marketingleiters in Zusammenhang bringen. Ich frage mich ernsthaft, warum sich diese Leute überhaupt noch unseren Club antun.

Meiner Meinung nach braucht es jetzt mehr denn je Ruhe. Im Verein nach außen (im Innenverhältnis sollte der Trainer ein Machtwort sprechen!), der Presse (hallo, Reviersport!) und auf den Tribünen. Die „unser ganzes Leben“-Gesänge nach dem 1:3 gestern waren vielleicht ein Schritt in diese Richtung. Dieses Team hat bereits bewiesen, dass nicht so schlecht ist, wie das Spiel gestern Glauben macht. Wir müssen hoffen, dass wir die kommende englische Woche mit dem Pokalspiel in Kleve (das auf keinen Fall verloren werden darf!) und dem Match in Wegberg mit zwei Siegen abschließen, damit das Selbstbewusstsein wieder zurückkehrt, ohne dass wir weder in Bonn noch in Uerdingen überhaupt diese zwei Pünktchen hätten holen können.

Der Versuch, gestern mit Jansen und Platzek eine Doppelspitze aufzubieten, ist krachend gescheitert. Jansen konnte in den vorigen Partien nach seinen Einwechslungen noch für sich reklamieren, dass ihm da womöglich die vielgenannte Bindung zum Spiel gefehlt haben mag. Gestern jedoch war er  in der Startelf und hat sogar durchgespielt. Eine Empfehltung für weitere Startelfeinsätze konnte ich jedoch nicht erkennen. Dementsprechend würde ich hier zunächst bei dem bewährten Konzept mit Platzek als Spitze bleiben. Urban konnte auf seiner Seite auch nicht überzeugen (s.o.), Malura dürfte hier also demnächst wieder gesetzt sein. Der letzte Schritt, den ich zumindest in Erwägung ziehen würde, wäre ein Torwartwechsel. Zwar mag der Keeper in 1-zu-1-Situationen häufig alt aussehen, doch zu positiver Körpersprache und Selbstvertrauen dürfte auch hier nicht führen, wenn man keine einzige bislang für sich entscheiden konnte. Sei es gegen Bonn oder gestern gleich doppelt (beim zweiten Mal mit dem Foul zum Elfer).

Dass ein guter Freund, seines Zeichens MSV-Anhänger, mir gestern mit Abpfiff nur „Alter!“ schrieb und mir sein Mitleid aussprach, spricht für mich Bände. Und ich habe bis zum Anpfiff tatsächlich gehofft, wir könnten aus den kommenden 4 Ligaspielen 12 Punkte holen. Nochmal: Ich Idiot! Was bleibt, ist die Hoffnung, dass ja irgendwann der sagenumwobene Bock platzt und der Knoten umgeworfen werden kann. Ein Sieg an einem Freitagabend kann einem das Wochenende so schön versüßen, eine Niederlage in der Form wie gestern macht es komplett zunichte.

Trotzdem werde ich auch beim nächsten Heimspiel meinen Platz wieder einnehmen. Anders als einige, die gestern Zeuge dieser Schmach wurden.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung

Nein, man darf den heutigen Sieg gegen die kleinen Geißböcke natürlich nicht überbewerten. Aber die Art, wie er zustande gekommen ist, gibt Hoffnung, dass Wuppertal nur ein böser Alptraum war.

Die Startelf bot direkt mal eine Überraschung auf: vorne links durfte Bednarski ran, den ich noch gar nicht wieder fit erwartet hätte. Dafür ging Grund nach hinten, Meier ersetzte den verletzten Unzola.

Wie schon im letzten Heimspiel legte RWE schwungvoll los: 7. Minute – langer Pass auf Pröger, dieser setzt sich im Laufduell gegen seinen Gegenspieler durch und legt den Ball scharf flach in die Mitte, wo Platzo „Danke“ sagt und seinen ersten Saisontreffer erzielte. Knapp zwei Minuten später spielt Pröger diesmal auf der linken Seite einen schnellen Doppelpass mit Bednarski, dieser flankt auf Platzek, der erneut traf. 2:0 nach nicht mal 10 Minuten – das gab Sicherheit.

Wo zuletzt aber der Schlendrian Einzug hielt, konnte unser Team dieses mal durchaus überzeugen. Bis auf wenige ungefährliche Angriffe der Kölner wurde alles abgeräumt, verlorene Bälle schnell zurückgeholt und weitere Chancen herausgespielt. Bednarski hatte das 3:0 auf dem Fuß, ein Querpass auf Platzek hätte dies wohl auch zur Folge gehabt. Bei diesem Spielstand verzeihe ich ihm aber den Eigensinn eines Stürmers, der nach Verletzung zurückgekehrt ist, gerne. Baier hatte noch einen schönen „gedrückten“ Flachschuss im Angebot, Platzek scheiterte mit einem Schuss den Keeper und Malura schoss volley übers Tor, bevor es zur Pause ging.

Nach dem Wechsel wurden die Kölner etwas frecher und schafften es gute 10 Minuten, unsere Truppe mal hinten reinzudrücken, bevor die Partie wieder unter unsere Kontrolle gelangte. Und so konnte schließlich Platzek rechts außen durchbrechen und in aller Ruhe nach innen passen, wo Bednarski zwar den Ball mit der Hacke nicht voll, aber den Keeper auf dem falschen Fuß erwischte – 3:0!

Platzek hatte aus spitzem Winkel noch die Chance zum 4:0, scheiterte aber erneut an einem Reflex des Torwarts.

Die Szene des Spiels jedoch eine eher unschöne: etwa 15 Minuten vor Schluss kommt Pröger erneut außen durch, über Platzek gelangt der Ball zu Baier, der beim Abschluss meiner Meinung nach gefoult wurde – der ansonsten gute Schiri gab Freistoß für Köln. Dass Baier, der nun wirklich nicht als Fallobst bekannt ist, minutenlang auf dem Platz behandelt und sogar direkt ausgewechselt wurde, spricht für mich eher für eine Fehlentscheidung. Ich hoffe, dass es sich höchstens um einen dicken Bluterguss handelt. Das sah auf jeden Fall nicht gut aus.

Danach wurde die Kölner Nummer 12 mit „alle auf die 12“-Gesängen und bei jedem Ballkontakt mit Pfeifkonzert (lange nicht erlebt übrigens) bedacht. Diese Szene brachte einen dicken Riss ins Essener Spiel, offensive Szenen blieben quasi aus. Und so erfolgte der Abpfiff auch ohne nennenswerte Nachspielzeit.

Mann des Spieles (ich bin geneigt zu sagen „mal wieder“) Pröger, der an zwei Toren unmittelbar beteiligt war. Es wurde heute schon rege über seine zu erwartende Ablösesumme diskutiert, die der FC Barcelona in der nächsten Sommerpause überweisen darf. Aber auch Baier, der immer wieder das Spiel verlagerte und Angriffe damit schnell einleitete, war heute für unser Spiel wertvoll. Die Abwehr war erschreckend wenig beschäftigt, Meier und Zeiger hatten mit ihren Aufgaben nur wenig Mühe. Der eingewechselte Jansen hingegen hat bislang noch nicht andeuten können, warum er als „Königstransfer“ bezeichnet wurde. Torgefahr konnte ich bei ihm noch nicht erkennen.

So gilt es nun, am kommenden Wochenende bei den stärker einzuschätzenden Bonnern nachzulegen und die heute gestartete Siegesserie 😉 auszubauen. Ich persönlich bin guter Dinge, dass dies mit einer Leistung wie heute auch gelingen wird.

…und am Ende bist du nur noch bedient.

Wenn der Durchschnitts-Hindu stirbt, wird er seinem Glauben zufolge wiedergeboren. Als Kuh oder mit viel Pech als Schalker. Soweit so gut. Was bitte muss man aber verbrochen haben, um RWE-Fan zu werden?

Um es vorwegzunehmen: Heute lief nichts, aber auch gar nichts zusammen. All das, was gegen Dortmund noch so gut klappte, was endlich wieder für so etwas wie Euphorie im Umfeld sorgte, all das sollte heute schmerzhaft vermisst werden.

Zwar gelang Kevin Grund ein früher Führungstreffer mit der einzigen nennenswerten RWE-Chance in Halbzeit 1, das Spiel, insbesondere die erste Hälfte, gehörte aber den Gästen aus dem Tal. RWE permanent in der Defensive, zarte Konteransätze wurden frühzeitig unterbunden. Gewonnene Bälle landeten entweder direkt im Aus oder wieder beim Gegner. Das tolle Pressing der letzten Woche? Fehlanzeige. Torchancen am Fließband ebenso. Im Gegenteil: Gleich zweimal verhinderte die Latte, dass schon vor der Pause der bereits hochverdiente Ausgleich fiel.

Leider sollte der Treffer für die Gäste nach der Halbzeit schon früh fallen. Nach einer Ecke stimmte die berühmte Zuordnung im Essener Strafraum nicht, ein Wuppertaler konnte am langen Pfosten einköpfen. Gute 10 Minuten später erhöhte „RWE-Schreck“ Hagemann nach einem Konter auf 1:2. An dieser Stelle: Es ist eine bodenlose Frechheit, die gegnerischen Fans auf seine Art und Weise beim Torjubel zu provozieren. Das ist bei ihm auch nicht das erste Mal…

Danach tat Wuppertal nur noch das notwendigste, RWE kam zwar besser aus der eigenen Hälfte, konnte aber trotz offensiver Wechsel keine gefährlichen Szenen erarbeiten. Heller hielt noch einen Konter, bei der vier Wuppertaler aufs Tor zuliefen, doch in der Nachspielzeit, als RWE die Abwehr quasi aufgelöst hatte und Brauer als einziger Mann hinten blieb, kullerte der Ball dann nach einem weiteren Angriff über außen und kurzen Slalomlauf im Strafraum doch noch zum 1:3 in den rot-weissen Kasten.

Wuppertal war heute – das muss man leider zugeben – in allen Belangen überlegen. Laufbereitschaft, Aggressivität, Präzision und Tempo im Pass-Spiel und ja, auch auf den Tribünen. Der komplette Gästeblock hat über volle 90 Minuten Vollgas gegeben, die West mit den beinahe schon üblichen Ruhepausen. Die Böller von der Gästetribüne – geschenkt. Ein paar Spinner gibt es halt immer.

Was mir echte Sorgen bereitet: Ist es wirklich so einfach, das RWE-Spiel so komplett zu sabotieren? Pröger und Grund außen total abgemeldet, Baier kaum zu sehen. Damit schon kein Offensivdruck mehr? Jansen – mehr als unglücklich, bekam aber auch quasi keine Bälle. Ich hoffe, das heute war ein Versehen. Hier wird Demandt aber bestimmt den richtigen Lösungsansatz finden, so viel Vertrauen habe ich dann doch.

Es ist mir zu einfach, das am in vielen Situationen unglücklich agierenden Schiedsrichter festzumachen. Acht gelbe Karten (3:5) zeugen in meinen Augen nicht davon, dass er das Spiel wirklich im Griff hatte. Windmüller, der wohl noch eine Rechnung mit Grund offen hatte, grätschte ebendiesen an der RWE-Grundlinie ohne sichtbaren Sinn von hinten um, hier wird es wohl ewig das Geheimnis des Schiedsrichters bleiben, warum es nur gelb und nicht glatt rot gezeigt hat. Der Ball war jedenfalls weit weg. Ein ähnliches Schicksal hätte allerdings auch Marcel Platzek treffen müssen, so fair muss man bleiben.

Unter dem Strich bleibt eine in meinen Augen total überflüssige Niederlage, die gegen ausgerechnet diesen Gegner umso bitterer ist. Irgendwie ist es halt immer so – wenn es um etwas geht (heute hätte man theoretisch mal Tabellenführer werden können), wird man halt bei Rot-Weiss eines Besseren belehrt. Es sind diese Tage, an denen ich mir wünschte, ich wäre passionierter Angler geworden, oder Modelleisenbahnfahrer oder Hobbygärtner. Aber nein, ich muss mir ja DIESEN Verein aussuchen. Na ja, hm…

Nach dem Spiel habe ich noch eine gute halbe Stunde an und in meinem brütend heißen Auto verbracht – man sollte halt auch das Licht ausschalten, wenn man aussteigt. Danke an den edlen Retter (ein Anwohner), der mir die Karre fremdgestartet hat. In Kombination mit der Niederlage bin ich ziemlich bedient, daher bitte ich, diesen spärlichen Bericht heute zu entschuldigen.

Ach, noch was: Die Saison jetzt schon wieder abzuschreiben, schon wieder den Kopf von Trainer (ja, tatsächlich – „Angsthasenfußball“ war noch einer der harmloseren Begriffe) und natürlich Präsidenten fordern, grenzt schon an Schizophrenie. Aber manchen Leuten kann man es vermutlich niemals recht machen. Auffällig, dass immer die selben aus ihren Löchern kommen, wenn es mal nicht läuft. Aber so ist das nunmal: Haste dich im letzten Leben nicht ordentlich verhalten, wirste halt als RWE-Fan wiedergeboren.

Trotzdem: NUR DER RWE!

Nachschlag

Nachdem unser aller Lieblingsverein nun nochmal auf dem Transfermarkt tätig war, „schulde“ ich euch noch ein kleines Update zu den beiden noch fehlenden Neuzugängen (hier nochmal mein erster Beitrag):

Hervenogi Unzola
Dieser Spieler dürfte den wenigsten bekannt gewesen sein, obwohl er bei den Jugendmannschaften von Leverkusen, der Kölner Viktoria und auch dem BVB ausgebildet wurde, in Dortmund auch in der 2. Mannschaft zum Einsatz kam und dann über Lotte nach Verl ging, wo er in den vergangenen zwei Saisons mit 32 bzw. 29 Spielen durchaus Stammpersonal war. Seine Position ist der linke Verteidiger, womit er eine Alternative zu Cokkosan bildet. Somit sind die Zeiten der „Notlösung“ Grund in der Verteidigung wohl vorbei.
Prognose:  dürfte sich trotzdem erstmal hinter Cokkosan anstellen

David Jansen
Vermutlich letzter Transfer dieses Sommers ist der ehemalige Oberhausener und zuletzt bei Viktoria angestellte Jansen. Obwohl er während aller Spiele gegen RWE, an die ich mich so erinnern kann, alles dafür getan hat, vom Essener Publikum gehasst zu werden, hat seine Verpflichtung kurioserweise eher Beifall und Erstaunen in den sozialen Netzwerken hervorgerufen. Mit 42 Toren aus 124 Partien, also einem Treffer in durchschnittlich jedem dritten Spiel hat er auch eine Top-Bilanz, wenn er auch in der vergangenen Saison nur noch 3 Treffer erzielte. Hier spielte aber sicherlich eine Rolle, dass z.B. ein Kreyer plötzlich das Tor wieder gefunden hat und er zuletzt auch mit dem Trainer dem Hörensagen nach nicht mehr so gut zurecht kam. Jansen bringt das mit, was meiner Meinung nach noch ein wenig im Sturm fehlte: Er ist ein klassischer Mittelstürmer, der auch mal das Dreckschwein raushängen lässt. Jemand, der einfach mit seiner Wucht in den Strafraum ziehen und sich auch gegen zwei Gegenspieler mal durchsetzen kann.
Prognose: Nach Engelbrechts Ausfall und der derzeitigen Verletzung von Bednarski ist es durchaus im Bereich des Denkbaren, dass in der Spitze direkt neben Platzek spielt.

Damit haben wir nun im Angriff so etwas wie ein Luxusproblem, denn Bednarski und Pröger sind eigentlich auch zu schade für die Bank, Grund ist momentan der einzige linke Mittelfeldspieler im Kader, der dort sinnvoll agiert.

Meine Startelf gegen Dortmund:

Angriff:                              Platzek / Jansen
Off. Mittelfeld:              Grund / Baier / Pröger
Def. Mittelfeld:                     Meier (Lucas)
Verteidigung:      Cokkosan / Urban / Zeiger / Malura
Tor:                                           Heller (Lenz)

Nemesis.

In meinem letzten Beitrag führte ich ja bereits aus, dass es für uns gegen den MSV in der jüngeren Vergangenheit nicht viel zu holen gab. Leider wurde diese Serie heute fortgesetzt. 

Dabei ließ sich das Spiel eigentlich ganz munter an, zwar gab es auf beiden Seiten keine ganz dicken Chancen, allerdings blieb auch das Abtasten, das man allzu häufig in solchen Partien liegt, in der Schublade. Gefühlt lag der Ballbesitz wohl etwa bei 50:50, beide Abwehrreihen solide. Nach einem Ballverlust von Grund ging es dann mal schnell nach vorne, von Zeiger sprang der eigentlich schon geklärte Ball zu einem Zebra zurück, und plötzlich stand es 0:1.

Dieser Treffer wirkte leider nach, denn der Rest der Halbzeit bestand zum Großteil aus Ballkontrolle auf Duisburger Seite, und so ging es pünktlich in die Pause. 

Unmittelbar nach Wiederanpfiff dann die üblichen unschönen Szenen mit Maskierten auf dem Zaun, Pyro und viel Qualm. Ich werde nie verstehen, wie man seinem Verein so schaden kann. Diese Leute scheinen jedoch in der aktiven Szene durchaus Rückhalt zu finden, anders kann ich mir die Fahnen als Sichtschutz einfach nicht erklären. Genauso kann ich nicht verstehen, wieso da von Seiten der Polizei nicht eingegriffen wird. Wenn es eine Straftat ist, dann müsste sie meiner Auffassung nach sogar zum Eingreifen verpflichtet sein. Stattdessen durften sich Vermummte mit Leuchtkugel-Stangen minutenlang auf dem Zaun selbst feiern. Ich finde, hier ist der Verein auch langsam mal gefordert, denn „gut zureden“ scheint nicht zu fruchten und die Strafen werden nicht geringer. 

Nach der Unterbrechung (übrigens hätten WIR den Fernsehbildern nach den Schiedsrichterball bekommen müssen) gab es dann unmittelbar zentral aus 20m direkten Freistoß. Die Situation war von der West nur schwer zu beurteilen, von meinem ersten Eindruck her war es nicht zwingend ein Foul. Wie auch immer, der Freistoß schraubte sich unhaltbar in die Maschen. 0:2, Drops quasi gelutscht. 

Das rot-weisse Team tat sich im Anschluss gegen zurückgezogene Duisburger schwer, trotzdem sprangen noch ein paar gute Szenen heraus. Zuerst köpfte Platzek nach einer Ecke das vermeintliche 1:2, stand dabei aber deutlich im Abseits. Baier und später auch der eingewechselte Rabihic verzogen aus guten Positionen knapp, Platzek kam an zwei etwas zu hohe Flanken nicht heran. Wenige Augenblicke vor dem Ende schoss Platzek aus spitzem Winkel, scheiterte aber am Keeper, der jedoch im Aus liegenblieb. Trotzdem konnte der MSV den Rückpass verhindern und den Torschuss blocken. Heller parierte kurz vor Schluss noch einmal gegen den eingewechselten Onuegbu, aber letztendlich tat der Gast heute nur das Nötigste. 

Alles in allem war dies wohl einer der Tage, an denen der Ball einfach nicht ins Tor will. Zum Glück stand aber dank des Aufstiegs der Zebras schon vorher fest, dass wir die erste Hauptrunde im Pokal erreichen werden, die Mitte Juni ausgelost und Mitte August gespielt wird. Vielleicht war dies auch der Grund, warum die letzten zwei, drei Prozent heute fehlten. 

Die Saison ist nun endgültig vorbei, und allen Unkenrufen zum Trotz bin ich recht zufrieden. Das ist aber ein Thema für einen anderen Beitrag. Jetzt ist „das Team hinter dem Team“ gefragt, die richtigen Strippen zu ziehen, noch den einen oder anderen Vertrag zu verlängern (Windmüller ist noch gut in Fahrt gekommen…) und die richtigen Leute zu verpflichten.

Nichtsdestotrotz bleibt der schale Geschmack einer Niederlage, die man am liebsten nicht kassiert hätte, weil einen im Freundeskreis und auf der Arbeit von den Zebra-Fans schon morgen wieder der Spott erwartet. 

Ich wünsche euch allen schon mal eine schöne Sommerpause. Danke für euer Interesse an meinem neuen Hobby, das ich leider aus verschiedensten Gründen nicht bei jedem Spiel ausleben kann. 

Hinaus mit Applaus

Als letzter Gegner in der Liga durften sich die Nachbarn vom Kanal im Stadion Essen präsentieren. Die Voraussetzungen für die Partie waren quasi perfekt: strahlender Sonnenschein, mehr als 13.000 Zuschauer, nur sportlich ging es für beide Teams wohl nur darum, sich nicht zu verletzen. 

Und so plätscherte die Partie dann auch gute 15 Minuten vor sich hin, ohne dass ein Team eine Torchance herausspielen konnte. Dann schickte zunächst Baier mit einem feinen Pass auf die Reise, dieser versuchte jedoch, mit seinem schwachen Fuß quer zu spielen, was leider gründlich misslang. Wenig später machte es der Kapitän dann selbst vor: Er zog aus zentraler Position rechts in den Strafraum und vollendete zur Führung.

Der Jubel sollte aber nur von kurzer Dauer sein. Ecke RWO, Kopfball – Ausgleich. Wettkönig Kaya hatte wohl noch die Fußspitze dran, so dass Heller nicht mehr reagieren konnte. 

Der Rest der ersten Halbzeit plätscherte vor sich hin, wobei Oberhausen wohl etwas mehr Spielanteile hatte. 

Dafür sollte die zweite Hälfte mit einem Paukenschlag beginnen: feine Direktpass-Kombination über Windmüller, Bednarski, Malura und Platzek zum 2:1. Es schien nicht nur, als ob RWO nur den Start verpennt hätte, von da an gehörte das Spiel unserem Team. RWO schien plötzlich nervös, wieder und wieder landeten Pässe in den Füßen unserer Spieler. So auch, als sich der eingewechselte Rabihic mit Grund und Platzek in einer 3 gegen 2-Überzahl wiederfand und statt dem von allen erwarteten Pass nach außen selbst abzog, den Ball aber nicht ganz traf, damit jedoch den Keeper für einen Moment auf dem falschen Fuß erwischte – 3:1.

Wenig später gelang den Kleeblättern mit einem sehenswerten 18m-Schlenzer zwar noch der Anschluss, dann vergab Rabihic aus guter Position (er hatte wohl zu viel Zeit zum Nachdenken) das 4:2. Kurz vor Schluss geriet unser Kasten noch einmal unter arge Bedrängnis, mit vereinten Kräften konnte der erneute Ausgleich jedoch verhindert werden. Letztendlich durften die Hausherren aber zum Abschluss noch einmal einen Heimsieg bejubeln, der nach der zweiten Halbzeit wohl auch so in Ordnung ging. 

Auffällig war, dass die ordnende Hand von Baier nach dem 3:2 und dem resultierenden Oberhausener Druck fehlte. Dies war nicht zum ersten Mal diese Saison der Fall. Hier scheint also Handlungsbedarf zu herrschen. Bednarski zentral zu stellen, dafür Platzek nach außen, macht optisch auf mich einen besseren, weil gefährlicheren Eindruck. 

Eine kleine Anmerkung zum traditionellen Integrationstag: so schön es auch ist, das Stadion vollzumachen und Leute ins Stadion einzuladen, die sonst aus verschiedensten Gründen keine Möglichkeit zu einem Besuch haben – ob Spiele der Marke „Goldene Ananas“ mit entsprechender Stimmung dazu förderlich sind, Neulinge mit RWE-Fieber anzustecken – ich weiß nicht… vielleicht könnte man darüber nachdenken, dass ganze Richtung Saisonstart, vielleicht 2. Heimspiel oder so zu legen. 

Dieser Sieg gibt jedoch noch mal Selbstvertrauen, denn ein Team von „da oben“ konnte im Zaum gehalten und besiegt werden. Und das ist nicht ganz unwichtig, schliesslich gibt es abseits der Liga noch ein weiteres Heimspiel in dieser Saison. Und gegen diesen Gegner würden wir ja gerne besser aussehen als die Jungs vom Canale Grande im Halbfinale.  

„Döp Döp Döp DödöDöp Döp – ROT-WEISS-ESSEN!“

Es gibt Spiele, die sind legendär. Das 2:0 gegen die Blauen im Pokal, oder das Finale um die Deutsche Meisterschaft 1955. Dann gibt es Spiele, an die erinnert sich keine Sau mehr. Und dann gibt es Spiele, die würden eigentlich in die letztere Kategorie fallen, dann aber durch ihre eigenen Anekdoten vielleicht zumindest unter die Kategorie „weiße noch damals, gegen wen war datt noch?“ fallen. Die Partie gegen die Sportfreunde aus Siegen hat Potential zu ebenjenem.

Die Details rund ums Spiel sind an sich schnell geklärt. Das gesamte Spiel fand im Grunde immer in der Siegener Spielfeldhälfte statt. In der ersten Halbzeit erstocherte sich ein Rot-Weißer einen Querpass, scheiterte dann frei vor dem Keeper beim Versuch, den Ball auf Bednarksi querzulegen. Wenig später lenkte der Siegener Keeper einen Flachschuss von Baier/Rabihic (?) gerade noch an den Pfosten, nach einer kurz ausgeführten Ecke zwang Zeiger den Schlussmann ebenfalls zu einem guten Reflex. Auf der anderen Seite lief ein Siegener nach einem Ausrutscher im Mittelfeld von Lucas alleine auf Heller zu, der den Ball aber parieren konnte, etwa 10 Minuten vor der Halbzeit fiel dann der schmeichelhafte Führungstreffer für die Gäste nach einem Angriff über unsere linke Seite mit dem zweiten Torschuss. RWE musste sich zu diesem Zeitpunkt ankreiden lassen, die eigenen Chancen mal wieder nicht genutzt zu haben, ansonsten hatte man den Gegner eigentlich im Griff.

In der Halbzeitpause gab es dann ein Wiedersehen mit den letzten Helden, die wir hier bejubeln durften: Thamm, Lamczyk und große Teile des 2011er-Aufstiegsteams ließen sich auf dem Feld noch einmal bejubeln und erinnerten an eine „bessere“ Zeit, als die Hafenstraße auf ihre besondere Art bisher zum letzten Mal eine schier uneinnehmbare Festung darstellte.

In Halbzeit zwei ein ähnliches Bild, bis zum Sechzehner überließen die Gäste RWE den Ball, allerdings konnte unser Team über weite Strecken keine weiteren Chancen herausspielen. Es wirkte alles zu lieb, zu harmlos. Ich hatte den Eindruck, dass ein wenig mehr Emotion, etwas mehr Aggressivität auf dem Platz nicht geschadet hätte. Lediglich Malura lieferte sich ein kleineres Scharmützel in mehreren Akten mit einem Siegener, allerdings lag der Schiri hier mit seinen Entscheidungen wohl richtig. In dieser Phase komme ich auf meine Einleitung zurück, denn dieses Spiel wäre wohl nur eines von vielen gewesen, wäre da nicht die englische Groundhopper-Truppe in W3 gewesen, die mit Gesängen à la „Essen’s on fire, your defense is terrified“ (haha, wie zynisch) und „Don’t take me home… I want to stay here and drink all the beer“ zunächst ihre eigene Party feierte, dann aber mit Depeche Modes „I just can’t get enough“ einen respektablen Teil des Block zum Mitsingen (Text siehe Überschrift) animieren konnte. Meine bescheidene Meinung dazu: Das hat Potential, dauerhaft ins Repertoire „unserer“ Ecke und auch darüber hinaus aufgenommen zu werden.

Auf dem Platz gab es dann aber auch noch zwei Höhepunkte: Nach einer Ecke von Lucas wurde der Ball am kurzen Pfosten verlängert und fand den Kopf von Philipp Zeiger, der einmal wieder einen großartigen Tag erwischte und den Ball zum Ausgleich über die Linie drückte, ein paar Minuten später gab es einen feinen Pass vom mal wieder zu ballverliebten Rabihic Richtung Elferpunkt, ein Essener (Windmüller?) täuschte eine Ballannahme an, ließ den Ball aber durch, so dass Bednarski in aller Ruhe annehmen und zum 2:1 einnetzen konnte.

Der Rest des Spiels war eher Ergebnisverwaltung als Spiel auf das 3:1. Warum das so war, das kann wohl niemand ernsthaft beantworten. Wollte man endlich zum ersten Mal diese Saison den dritten Sieg in Folge holen, oder fand man einfach keine Mittel? Insgesamt war mir das rot-weisse Spiel heute zu sehr mit dem Prädikat „FSK 12“ versehen, alles viel zu harmlos. Hier und da mal eine Grätsche oder ein Rempler mehr, um auch die Ränge mitzunehmen und hinter sich zu bringen, dem Gegner auf den Füßen stehen, so etwas hätte ich mir gegen eine sportlich abstiegsgefährdete Truppe, die in den vergangenen Wochen in schöner Regelmäßigkeit die Hucke voll bekommen hat, doch sehr gewünscht.

Wie schon erwähnt Zeiger wie immer das Licht im Dunkel, Baier heute blass. Rabihic muss endlich mal lernen, den Ball rechtzeitig auf den mitgelaufenen Spieler zu spielen, anstatt siebzehn Haken zu schlagen, technisch gesehen kann er das alles doch viel besser.

Am Ende war es also der befürchtete Frühlingskick um die goldene Ananas, das gute, mollige Gefühl, gewonnen zu haben, bleibt. Ich höre mir jetzt nochmal die Best of von Depeche Mode an, vielleicht ist da noch eine andere musikalische Perle dabei.

NUR DER RWE!