16. Spieltag – RWE – Sportfreunde Lotte

Es war die Rückkehr von Timo Brauer und Kevin Freiberger an „ihre“ Hafenstraße. Doch nur einer von beiden konnte sich nennenswert in Szene setzen. Am Ende siegte RWE deutlich.

Ich kann es langsam nicht mehr sehen: Teams, die – wie vor einigen Wochen die Kölner Fortuna – sich eine Führung an der Hafenstraße „erknickern“ und dann nur noch an Schwächeanfällen leiden, auf Zeit spielen und jede verdammte Entscheidung mit dem Schiedsrichtergespann diskutieren. Und überhaupt: Seit wann ist beim Fußball Körperkontakt dermaßen verboten, dass bei JEDER Berührung gepfiffen wird?

Dabei begann das Spiel gar nicht so schlecht aus rot-weisser Sicht: RWE hatte mehr Ballbesitz, biss sich jedoch an der dicht gestaffelten Lotter Abwehr sämtliche Zähne aus. Als jedoch nach gerade mal zehn Minuten ein Befreiungsschlag hinter die eigene Abwehr abprallt, reagiert ausgerechnet Freiberger am Schnellsten, dringt in den Strafraum ein und vollendet satt ins lange Eck. 0:1!

Es dauerte etwa fünf Minuten, bis RWE sich wieder gefangen hatte und damit begann, an einer Wiedergutmachung zu arbeiten. Besonders über den wieder von Beginn spielenden Grote wurde mehrfach versucht, das Spiel nach vorne anzukurbeln, doch wie einleitend schon erwähnt verlagerte sich Lotte nun auf ein destruktives Spiel, das – unterstützt vom Assistenten in der Lotter Spielfeldhälfte – immer wieder unterbrochen wurde. Die erste Schusschance hatte Kefkir, der Ball verkam aber zur Rückgabe. Unmittelbar zuvor hatte Freiberger die dicke Chance, auf 0:2 zu erhöhen, als er im Sprint Hahn und Heber stehenließ und den Ball artistisch per Fallrückzieher über Golz, aber auch an den Außenpfosten beförderte.

RWE erarbeitete sich nun einige Ecken, von Lotte war fortan nach vorne nicht mehr viel zu sehen. Zwar musste das Essener Publikum geduldig mit ansehen, wie der Ball wiederholt über die Achse Hahn-Golz-Heber (in beliebiger Reihenfolge) gespielt wurde, doch immer wieder wurde das Spiel nach vorne anzuschieben versucht. Und so war es dann auch durchaus verdient, als Kehl-Gomez sich kurz vor der Pause den Ball nach einem Fehler in der Lotter Abwehr erarbeitete und seine scharfe Hereingabe vom Lotter Rahn in die eigene Kiste zum Ausgleich weitergeleitet wurde. Dieser Treffer, er war nicht nur für den weiteren Spielverlauf wichtig, er fiel auch zum sprichwörtlich wichtigen Zeitpunkt – statt (zu erwartendem) Pfeifkonzert gab es motivierenden Applaus zum Pausentee.

Die zweite Hälfte begann dann mit einem weiteren Paukenschlag: RWE erspielte sich eine Ecke, und in einem Anflug von Genialität bemerkten Krasniqi und Grund, dass die Gäste sich noch nicht sortiert hatten. Ecke schnell ausgeführt, Grund hat alle Zeit der Welt, seine Flanke findet Platzek, der den Ball per Kopf am langen Pfosten ins Tor versenkt. Ausgerechnet Platzek, der von einigen schon abgeschrieben wurde, der auf Platz eins der Winterschlussverkaufsliste notiert schien, der „bei Titz keine Chance bekommt“.

Ab diesem Moment hatten es die Gäste naturgemäß sehr eilig, was dem Fluss des Spiels sehr gut tat. Nach etwa einer Stunde verließ Krasniqi das Spielfeld, der bis dahin mit Grund auf der linken Seite einen ordentlichen Job gemacht hatte, für ihn am Endres ins Spiel. Wenig später musste der gelb-rot-gefährdete Grote für Dahmani Platz machen – Wechsel mit Folgen, wie sich herausstellen sollte.

Zwar konnte sich Lotte noch einmal per Kopfball am Essener Lattenkreuz verewigen, doch spätestens, als der ehemalige Essener Langlitz mit einer völlig unnötigen Grätsche Hahn aushebelte und dafür Gelb-Rot sah, schwenkte RWE auf die Siegerstraße ein. Langlitz ließ es sich nicht nehmen, wenige Zentimeter vor dem Gesicht des Schiris höhnisch zu applaudieren – hier könnte ihm also weiteres Ungemach ins Haus stehen.

Unmittelbar nach dieser Szene eroberte sich Dahmani den Ball an der Mittellinie, doch anstatt in einem 4-gegen-3-Konter auf Endres oder Platzek zu spielen, trat er bei seinem Schlenz-Versuch so unglücklich unter den Ball, dass dieser das Tor weit verfehlte. Und erneut war es Dahmani, der nach schöner Direktpass-Kombi von Kefkir angespielt frei vor Torwart Peitzmeier den Ball knapp übers Tor schoss.

Dann war jedoch endlich „Joker-Time“. Nach einem Missverständnis im Lotter Mittelfeld schaltete der für Condé eingeschaltete Neuwirt am Schnellsten und spielte einen präzisen Ball zwischen die Lotter Innenverteidiger, Endres war auf und davon und konnte zum vorentscheidenden 3:1 vollenden. Man schrieb bereits die 90. Minute.

Eine beinahe identische Szene hätte Endres dann beinahe zum 4:1 genutzt. Diesmal entschied er sich für den Lupfer, der ihm aber misslang, sodass der Keeper den Ball problemlos fangen konnte.

Dennoch war hier noch nicht Schluss. Grund spielte einen Freistoß vor der Lotter Trainerbank kurz auf Kefkir, der im Doppelpass mit Endres den Ball erneut in die Mitte spielte, wo Dahmani sich auch endlich in die Statistik eintragen konnte. Mit dem 4:1 endete die Partie, es gab keinen Wiederanstoß.

Als starke Spieler sind mir heute Kehl-Gomez (wo der überall zu finden war!) und Krasniqi (fügt sich hervorragend ins Team ein und wirkt nicht wie ein Lückenfüller) in Erinnerung. Auch Platzek konnte heute mit einem großen Laufpensum überzeugen, ich hoffe, sein Treffer hat den berühmten Knoten zum Platzen gebracht – selbes gilt auch für Dahmani. Zudem ist es äußerst positiv, dass wir mit Endres für die Spitze und auch mit Neuwirt im offensiven Mittelfeld qualitativ ordentlich nachlegen konnten, ohne auf die wohl angeschlagenen Selishta, Wirtz und Dorow zurückgreifen zu müssen.

„All that glitters ain’t gold“, wie schon Prince zum Besten gab: Natürlich ist es nicht schön anzusehen, wie sich das Team im Spiel gegen tief stehende Gegner mit destruktiver Taktik schwer tun. Auch die Chancenverwertung, gerade in der zweiten Halbzeit, hätte sicher besser sein können. Doch am Ende zählt das Ergebnis, und mit einem 4:1 gegen eine Mannschaft mit vielen gestandenen Spielern kann man doch mehr als zufrieden sein. Und: Lotte hatte über 90 Minuten gerade einmal drei ernsthafte Angriffe. Ich finde es äußerst bemerkenswert, wie sich die Mannschaft wieder und wieder nach Rückständen ins Spiel zurückarbeitetet (ja, an den Rückständen müssen wir noch arbeiten).

In der kommenden Woche trifft RWE auf den Wuppertaler SV. Dort haben wir in den vergangenen Spielzeiten auch nie sonderlich gut ausgesehen – Zeit, eine weitere Scharte auszuwetzen.

9. Spieltag – RWE – Bonner SC

Man könnte sich echt dran gewöhnen: Freitag, Flutlicht, Heimspiel vor voller Hütte… Wenn dann noch die „Leistung“ der Schiedsrichter das einzige Kopfschütteln hervorruft, läuft irgendwas verdammt richtig.

Trainer Titz schickte erstmals (?) dieselbe Startelf wie im letzten Match ins Rennen, um gegen schlecht gestartete Bonner (sieben Punkte aus sieben Spielen) den nächsten Dreier einzufahren, während Platzek erneut nicht im Kader war.

Schon nach wenigen Minuten ergab sich die erste Chance für RWE, doch Condés Kopfball war zu unplatziert und stellte den Gästekeeper vor keine größere Aufgabe. Und beinahe im Minutentakt wurden weitere Chancen vergeben: Kefkir schoss knapp neben das Tor, nach einer kurzen Ecke brachte ein Essener (Endres?) den Ball per Fallrückzieher nicht auf den Kasten, und beide Akteure vergaben jeweils eine weitere Chance, bevor Bonn nach 20 Minuten den ersten Schuss auf den rot-weissen Kasten abgeben durfte.

Die Bonner fielen dabei besonders in der ersten Halbzeit durch viele Nickeligkeiten auf: kleine Fouls bei jeder Gelegenheit, Ball mitnehmen oder mal wegschießen – ich hätte mir ein deutlich früheres Eingreifen des Unparteiischen gewünscht.

Nach 30 Minuten belohnte sich das Team jedoch mit der Führung: Freistoß von der rechten Seite in den Strafraum, der Ball landet über eine weitere Station bei Hahn, der aus kurzer Distanz die Kugel unter die Latte knallte.

Der Jubel war noch nicht ganz verklungen, als der Schiedsrichter seinen ersten „echten“ Aussetzer hatte: über unsere linke Abwehrseite kommt der Ball in den Strafraum, Heber spielt diesen knapp vor seinem Gegenspieler, doch dieser hebt dankend ab – Elfmeter! Obwohl sich Lenz aufreizend viel Zeit ließ, konnte er den Ausgleich gegen den perfekt geschossenen Strafstoß nicht verhindern.

Mit diesem Spielstand ging es dann in die Pause, in der Trainer Titz seine Stellschrauben drehte: Für Grote, den einzigen Feldspieler, der bislang keine Ligaminute verpasst hatte, kam Selishta in die Partie. Nebeneffekt: Grote, dem bei einer gelben Karte die Gelbsperre gegen Verl drohte, kann im folgenden Spitzenspiel mit dabei sein.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff wurde Dorow im Bonner Sechzehner vom Keeper von den Beinen geholt, nachdem er den Ball vorbeigelegt hatte, doch zum Zorn der Anhänger blieb der Pfiff aus. In der nächsten Szene hatte Selishta gleich doppelt die Möglichkeit zur erneuten Führung, scheiterte jedoch beide Male am Keeper – Eckball.

Dieser Eckball wurde recht zügig ausgeführt: Kefkir – Heber am kurzen Pfosten verlängert – 2:1! Ausgerechnet Heber, der den Elfer „verschuldet“ hatte, bringt den Wagen zurück auf die Straße.

Bonn wehrte sich tapfer und brach noch einmal über rechts durch, der Schuss aus vollem Lauf klatschte an die Latte! Das sollte jedoch – bis auf einen von Lenz parierten Schlenzer – die einzig nennenswerte Chance der Gäste bleiben.

Nächster „Klopper“ vom Schiri: Ein Rückpass von Selishta gerät zu lang und wird zum Steilpass für einen Bonner Stürmer – das Gespann entscheidet auf Abseits. Eine mindestens diskussionswürdige Szene hatte dann Kefkir, als er im Sechzehner mit dem Keeper zusammenstieß. Der Schiedsrichter entschied auf Gelb für Kefkir, wobei einige auch den Keeper zu spät am Ball gesehen haben – hier bin ich auf die Wiederholung gespannt. Und als kleinen Bonus gewährte der Schiri Kefkir einen Einwurf, obwohl dieser beim langen Ball aus der eigenen Abwehr meilenweit im Abseits stand und kein Bonner auch nur die Chance hatte, diesen Ball überhaupt zu berühren. Wie gesagt: Nicht der beste Tag des Unparteiischen, dessen Assistent auch einen hektischen Winkearm zu haben schien, so oft, wie er gute Angriffe der Rot-Weissen per Abseits-Fahne zunichte machte.

Der geneigte RWE-Fan wartete natürlich noch auf den gewohnten Joker-Treffer. Auch dieser sollte erfolgen, als Selishta links herrlich freigespielt wurde und im Eins-gegen-Eins mit dem Torhüter eiskalt zum 3:1 lupfte.

Und was ist besser, als ein Joker-Tor? Richtig! ZWEI Joker-Tore: Der eingewechselte Adetula wurde nach einem herrlichen Solo von Condé von diesem vorbildlich bedient und behielt auch die Nerven, indem er mit einem Tunnel den 4:1-Endstand herstellte.

Es bleibt dabei: RWE bleibt ungeschlagen und Christian Titz hat ein schier unglaubliches Wechselhändchen. Schön zu sehen, dass unser Team sich noch immer nicht aus der Ruhe bringen lässt und sowohl per Standard als auch durch Konter Treffer erzielen kann, wenn es mal „aus dem Spiel heraus“ nicht so läuft. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können, wenn besagtes Schiri-Gespann nicht so unglücklich agiert hätte – aber bei einem 4:1 will ich da jetzt mal beide Augen zudrücken.

Besonders in den letzten 20 Minuten war schön zu sehen, wie viel mehr Kondition unser Team im Vergleich zum Gegner hatte. Beinahe jeder Ball konnte erlaufen werden, Condé mit seiner großartigen Technik und Übersicht steuerte das Spiel, während Heber und Hahn die Hütte hinten dicht machten.

RWE macht derzeit einfach wieder richtig Spaß! Es ist beinahe erschreckend, wie auf jedes Szenario eine Lösung gefunden wird. Ich bin zuversichtlich, dass uns auch die englische Woche der anderen Teams nicht aus dem Rhythmus bringen wird, denn die Partie gegen Königsblau wurde bekanntlich in den November verlegt. Dann haben wir möglicherweise auf Rödinghausen wieder Rückstand und auch unser kommender Gegner, der SC Verl, könnte an uns vorbeiziehen.

Aber im Ernst: WER SOLL UNS SCHLAGEN?

6. Spieltag – RW Oberhausen – RWE

„Alle in grün!“ So das Motto der Gastgeber im „Emscherderby“ gegen unseren Herzensclub. Man wollte sich halt abheben vom Rot-Weiss der Gäste, die schon beinahe traditionell in größerer Anzahl anwesend sein sollten. Knapp 9.700 Zuschauer waren vor Ort, davon gefühlt mehr als die Hälfte Anhänger der Hafenstraßen-Elf.

Titz hatte erneut das Team umgestellt, Kehl-Gomez durfte von Beginn an ran, bezog einen Platz im defensiven Mittelfeld neben Grote, für ihn musste der zuletzt glücklose Platzek weichen. Und es waren unsere Jungs, die von Beginn an den Weg nach vorne suchten. Oberhausen beschränkte sich zunächst darauf, sich in der eigenen Hälfte einzuigeln und RWE erst ab der Mittellinie unter Druck zu setzen. Die erste Chance des Spiels hatte folgerichtig auch unser Team. Nach feiner Flanke von Kefkir stand nach gut 10 Minuten Dorow am langen Pfosten bereit, bekam jedoch nur noch so viel Druck hinter den Ball, um Davari dazu zu bringen, den Ball zur Ecke abklatschen zu lassen.

Eine Viertelstunde später hätte es dann jedoch passieren müssen: Endres und Grund hatten sich über die linke Seite schön durchkombiniert, der Pass von der Torauslinie landet am Elfmeterpunkt bei Kehl-Gomez, der jedoch diesen deutlich übers Tor schießt – ich hatte hier einen leichten „Hoppler“ des Balles auf dem in einem üblen Zustand befindlichen Rasen gesehen.

Der Aufreger der ersten Halbzeit spielte sich jedoch auf der anderen Seite nur wenig später ab: Grote kommt mit Ball ins Straucheln, Pisano schaltet schnell und schickt einen Kollegen auf die Reise, der allein auf Lenz zuläuft, diesen aussteigen lässt und aus spitzem Winkel verkürzt. Ekstase auf den Oberhauser Rängen, Torfanfare auf den Lautsprechern – doch der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Fahne erhoben und der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen – Abseits. Hierzu später mehr.

Mit dem Halbzeitpfiff dann aber noch die große Chance für RWE, die Führung zu erzielen: Nach einer Ecke für die Gastgeber wird Dorow in einer Kontersituation abgeräumt, Kefkir nimmt den Ball auf und läuft Richtung RWO-Tor, spielt quer auf Endres – der den Ball aus knapp zwei Metern jedoch nebens Tor setzt.

Das 0:0 zur Pause ging insofern in Ordnung, als dass RWO nach etwa 20 Minuten aktiver wurde und RWE nicht mehr „die“ Szenen vorne herausspielen konnte.

Zur zweiten Halbzeit nahm Titz dann den gelb-rot-gefährdeten Sauerland vom Platz und brachte Wirtz nach langer Verletzungspause als Sturmspitze. Heber rückte auf die Außenposition und Kehl-Gomez nahm „seinen“ Platz in der Innenverteidigung neben Hahn wieder ein.

Die erste Chance im zweiten Durchgang hatte dann wieder RWE: Vier Minuten nach Wiederanpfiff angespielt legt sich Endres am Sechzehner angespielt den Ball auf den rechten Fuß und schlenzt ihn auf den Kasten – trifft aber nur den Außenpfosten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Christian Titz macht, wenn er seine Wechsel bestimmt. Ich finde es aber geradezu unheimlich, wie er bislang mit seinen Optionen immer wieder goldrichtig liegt.

Kurz nach der Chance von Endres wurde es laut im „schönsten Stadion der Liga“ (Zitat des RWO-Stadionsprechers): An der Eckfahne setzt sich Condé gegen gleich zwei Oberhausener durch, kann Kefkir parallel zur Grundlinie in den Strafraum schicken. Der spitzelt den Ball aufs Tor, von Davari landet die Kugel beim eben eingewechselten Wirtz, und der lässt sich diese Chance in bester Abstaubermanier nicht nehmen und vollendet zur verdienten Führung für RWE!

Doch damit nicht genug: Direkt im nächsten Angriff kann Heber Kefkir den Ball im Fallen noch zuspielen, dessen abgefälschte Flanke landet knapp nicht bei Wirtz am langen Pfosten – Ecke! Diese wird von Grund hereingebracht. In der Mitte unterläuft der riesige Löhden den Ball und Wirtz hält hinter ihm die Rübe rein: 2:0! Was für ein Comeback für den Essener Top-Torschützen der letzten Saison!

Mit diesem Tor war die Messe quasi gelesen. Zwar antwortete Terranova mit einem offensiven Doppelwechsel und der Formation „wilde Wolke“, doch RWE hatte auf jeden unwirschen Angriffsversuch eine Lösung parat. Die größte Chance für die Gastgeber gab es vielleicht noch nach einem Freistoß aus ca. 40m, bei dem Lenz sich zwar beeilen musste, den Ball noch vor der Linie zu fangen, dann aber Zeit hatte, sich noch in aller Seelenruhe mit selbigem fallen zu lassen – etwas provokant, das gebe ich zu, aber durchaus Balsam auf die geschundene RWE-Seele, die in Oberhausen seit 2012 keinen Sieg mehr erleben durfte (remember Ellmann)!

Adetula zwang Davari noch zu einer Fußabwehr, ein Distanzschuss von Kefkir ging nur wenige Zentimeter am Tor vorbei. Erneut Adetula war es dann, der den Endstand herbeiführen sollte: Grote gewinnt einen defensiven Zweikampf, von ihm kommt der Ball zu Condé, der „Adiole“ schnell in den Konter schickt. Als alle mit dem Querpass auf die mitgelaufenen Wirtz und Dahmani rechnen, zieht Adetula einen Schritt nach außen und vollendet stramm ins kurze Eck.

Dass in der Schlussphase ein Konter über Adetula auf der Linie geklärt wurde, dass ein Schuss von Kefkir noch an den Pfosten klatscht und in der Folge ein Wirtz-Schuss erneut am Einschlag gehindert wurde, tat der Stimmung in der Kanalkurve und weiten Teilen der Haupttribüne keinen Abbruch. Mannschaft und Trainer genossen nach dem Abpfiff das Bad in der Menge (bzw. vor der Kurve) und durften sich dort für 16 von 18 möglichen Punkten feiern lassen – ein echter Traumstart in diese Saison.

RWO war mit drei Gegentoren sehr gut bedient. Trainer Terranova war sich trotzdem nicht zu schade, bei der Pressekonferenz einen Screenshot der oben geschilderten Abseits-Szene zu zeigen, aus der hervorging, dass das Gespann hier total falsch gelegen hat. Ob die Essener das Spiel ohne den Abseitspfiff auch eingestellt hätte, ob der Ball auch MIT Gegenspielern im Kasten gelandet wäre, darüber lässt sich nur spekulieren.

Das Grün auf den Oberhausener Rängen, das sinnbildlich für das Kleeblatt im Logo der Gastgeber stehen sollte, es hat kein Glück gebracht. Wenn das heute die „Kleeblatt-Power“ (so die Choreo) war, wird RWO im Kampf um den Platz an der Sonne diese Saison nicht mitreden können. Das war heute eher Impatiens noli-tangere, oder wie der Volksmund sagt „Rühr-mich-nicht-an“.

Hervorheben möchte ich heute eigentlich keinen Spieler, aber die schiere Qualität, mit der besonders unser offensives Mittelfeld aufwarten kann, ist schon beeindruckend. „Schwachpunkt“ heute in Halbzeit eins Heber mit ein paar unglücklichen Pässen, nach dem Wechsel jedoch deutlich verbessert.

Heute wurde zudem nicht – wie in Homberg – nach dem 2:0 das Spielen eingestellt, sondern weiter der Weg nach vorne gesucht. Oberhausen mit erschreckend schwacher Offensive heute, vielleicht auch der arg abwartenden, defensiven Taktik geschuldet. Nichtsdestotrotz bringt auch dieser Sieg nur drei Punkte für die Tabelle – doch er ermöglicht, punktgleich mit dem SV Rödinghausen (bei schlechterer Tordifferenz) zu bleiben. RWE bleibt ungeschlagen, auf Platz drei sind es jetzt schon vier Punkte Vorsprung.

Am kommenden Freitag steigt die Neuauflage des letztjährigen Niederrhein-Pokal-Halbfinals gegen den KFC Uerdingen (diesmal bereits in der zweiten Runde), bevor in der Woche darauf der SV Lippstadt der nächste Auswärtsgegner unseres Teams sein wird. Ich bin fest der Überzeugung, dass dieses Spiel kein Wendepunkt in der Saison werden wird!