Da isser!

Da hatten die Vöglein gestern tatsächlich Recht: Unser neuer Trainer! Mit Karsten Neitzel kommt ein Mann an die Hafenstraße, der – wenn man seine beiden letzten eher unglücklichen Engagements außen vor lässt – einen durchaus beeindruckenden Lebenslauf vorweisen kann.

Nach seiner aktiven Karriere war er gut zwölf Jahre an der Seite des legendären Volker Finke beim SC Freiburg tätig und ließ sich nach dessen Abgang in die Verantwortung der 2. Mannschaft „zurückversetzen“. Dort führte er Spieler wie Aogo, Toprak oder auch Caligiuri an die Bundesliga heran, bevor er sich wiederum Finke bei dessen Engagement in Japan anschloss.

2013 wechselte er dann als Cheftrainer in die Dritte Liga zu Holstein Kiel, die er zunächst in der Liga hielt und später sogar in die Relegation zur 2. Bundesliga führte, wo man allerdings an 1860 scheiterte. 2016 wurde er dann nach unglücklichem Saisonstart freigestellt. In Kiel wurde die Entscheidung des Vereins jedoch nicht zwingend in der Fanszene mitgetragen.

Es folgte ein Intermezzo beim VfL Bochum, wo er vom Co-Trainer kurzzeitig zum Chef wurde, jedoch auch schnell wieder entlassen wurde. Ähnlich erging es ihm beim SV Elversberg, den er nach Meisterschaft in der Regio Südwest übernahm. im März aber nach einer sieglosen Serie von fünf Spielen auf Rang 5 liegend wurde er auch hier beurlaubt.


Ich selbst würde seiner Entlassung beim VfL nicht zu viel Gewicht beimessen, da sind schon ganz andere Trainer gescheitert. Platz 5 in Essen wäre derzeit ein Traum, weshalb ich auch hier nicht zu kritisch sein möchte.

Was ich bisher über Neitzel als Trainer gelesen habe, stimmt mich aber für den Moment ganz zuversichtlich. Jemand, der sich als Autoritätsperson sieht, der bestimmte Dinge von seinem Team fordert, allerdings auch weniger „Hurra-Fußball“ spielen lässt, dafür gerne mal destruktiv und auf Ergebnis. Ein wenig erinnert mich dies an Marc Fascher, immerhin der letzte Trainer, der uns auf den Platz an der Sonne führen konnte. Sollte Neitzel ohne Faschers Distanz zu den Fans und Hochnäsigkeit in den PKs auszukommen, könnte diese Verpflichtung ein echter Wechsel auf die Zukunft sein.

Daher meine Bitte: Lasst den Mann arbeiten. Es wird sicherlich nicht von heute auf morgen alles besser. Aber ein Konzept braucht Zeit. Neitzel kann noch bei der Kaderplanung ein Wörtchen mitreden und springt hier sicher nicht ins kalte Wasser. Ich denke, er kann sehr gut einschätzen, mit wem er weiterplanen möchte und wo er Verstärkungsbedarf sieht.

Zudem wäre dies der richtige Zeitpunkt, diesen beschissenen Stimmungsboykott aufzuheben und das Team am Mittwoch so richtig nach vorne zu peitschen. Denn nur gemeinsam kann bei RWE endlich Ruhe einkehren und der Blick hoffentlich auf mittelfristigen Erfolg gerichtet werden.