Rot-Weisse Wohlfühl-Atmosphäre

RWE gegen die 2. Mannschaft der Fortuna, es gibt sicher prestigeträchtigere Spiele. Es gibt bestimmt aber auch Spiele, die einen spannenderen Verlauf haben. Und es gibt Spiele, bei denen es mehr zu meckern gab.

Unmittelbar nach dem Anstoß und dem damit verbundenen, ersten RWE-Angriff zeigte der Gästekeeper, welche Taktik von der Fortuna zu erwarten sein würde: schon nach 30 Sekunden brauchte er für seinen Abstoß etwa genauso lange. Und so überließen sie unserem Team weitestgehend den Ball, igelten sich wie so viele Gegner zuvor hinten ein und versuchten von Beginn an, die Zeit in der Hoffnung auf einen überraschenden eigenen Treffer herunterlaufen zu lassen. Zum Glück hielt diese Taktik nicht allzu lange den rot-weissen Angriffen stand: nach nur 15 Minuten versuchten zwei Düsseldorfer, eine Flanke zu blocken, schossen sich dabei aber so ungünstig an, dass der Ball in den Strafraum trudelte. Pröger reagierte am schnellsten, erlief den Ball und schob ihn zum 1:0 ins Netz.

Zu diesem Zeitpunkt hätte es schon ein- oder zweimal klingeln können, doch ein Verteidiger konnte jeweils vor Platzek per Kopf klären. Und auch nach der Führung lief das Spiel nur in eine einzige Richtung: auf das Tor der Düsseldorfer. So kam mit der x-ten Ecke die verdiente Belohnung. Die schon mehrmals gesehene Variante „Ecke Grund, verlängert von Zeiger“ brachte den Ball auf den Kopf von Platzek – 2:0.

Wenig später hatte Bednarski das 3:0 auf dem Fuß, als er sich in einem Laufduell durchsetzte, der Gästekeeper konnte aber gerade noch rechtzeitig abtauchen und den Ball sichern. Hier wäre vielleicht der Querpass auf Pröger die bessere Option gewesen, doch als Stürmer darf man den Egoismus in dieser Situation (zumal bei diesem Spielstand) wohl haben.

Ein Baier-Schuss führte zu einer weiteren Ecke (hat eigentlich mal einer mitgezählt, wie unfassbar viele das heute waren!?), und der heute wieder bärenstarke Pröger lief einen tollen Sololauf bis zur Grundlinie in den Strafraum hinein, konnte aber in letzter Sekunde noch am Querpass gehindert werden.

Erwähnenswert in der ersten Hälfte noch die letzten Sekunden, der Ball von Baier per Grätsche erkämpft und unter „Hey“-Rufen in den eigenen Reihen gehalten wurde. Sofort war das Publikum „da“, etwas altes Hafenstraßen-Flair lag in der Luft.

Nach dem Wechsel identisches Bild: Düsseldorf arbeitete sich am starken Essener Mittelfeld ab (Brauer und Baier überall!), scheiterte dann kläglich an der Essener Defensive (Zeiger, der „Hummels von Essen“ gewohnt mit tollem Stellungsspiel und Becker an seiner Seite vollkommen fehlerfrei) und konnte froh sein, nicht nach den diversen Chancen weitere Tore kassiert zu haben. Allein in einer einzigen Situation scheiterten Bednarski, Baier und schließlich Platzek, aber auch Pröger und Malura hatten gute Möglichkeiten, auf 3:0 zu erhöhen. Auch hier wieder Ecke um Ecke, wobei mir persönlich die von Grund geschossenen Bälle besser gefielen als die von Baier, der nach der Auswechselung (verletzungsbedingt?) diese übernahm. Vielleicht beim nächsten mal Pröger?

Ein völlig ungefährdetes 2:0, vorerst Platz 8, 10 Punkte aus den letzten vier Spielen – der rot-weissen Fanseele könnte es echt schlechter gehen. Einzig die Chancenverwertung wäre vielleicht zu bemängeln (siehe Ecken), aber man muss ja nicht immer ein Haar in der Suppe suchen. Wenn nun die Stimmung auf den Tribünen mal wieder in einen besseren Bereich käme – ich könnte glatt Fan von diesem Verein werden. 5700 Zuschauer sind ziemlich enttäuschend, aber vielleicht auch dem Herbstwetter geschuldet. Ich würde mir auch für die Mannschaft wünschen, dass es kommenden Freitag wieder deutlich mehr sind.

Trainer Giannikis scheint derzeit die richtigen Worte zu finden. Es ist ihm zu wünschen, dass dies noch sehr, sehr lange so sein wird. Die Hinrunde endet für RWE mit der heutigen Partie, dazu in einem späteren Beitrag sicher mehr.

Ein Tor würde dem Spiel gut tun!

Nie war obiges Zitat so wahr wie heute. Wie groß war die Vorfreude, das Kribbeln, heute endlich wieder im Stadion zu stehen und ein Heimspiel zu sehen. 

Nicht nur die Kälte sorgte dabei für den einen oder anderen Schauer auf dem Rücken. Vor Anpfiff gedachte die rot-weisse Gemeinde ihrer Verstorbenen, Fan-Original Sandy hielt eine kurze Ansprache, an deren Ende ihm dann auch die Stimme wegbrach. Eine tolle Choreo rundete das Ganze dann noch ab, Fotos und Videos davon gibt es im Netz sicher zuhauf.

Das war aber auch schon fast alles, was für die folgenden 45 Minuten erwähnenswert war. Keine echten Torraumszenen auf beiden Seiten, kaum Zweikämpfe, viele Fehlpässe.

Das Bild änderte sich mit Beginn der zweiten Hälfte. Zwar waren die Düsseldorfer schon gute fünf Minuten früher wieder auf dem Platz, das Spiel gehörte jedoch ganz klar RWE. Chance um Chance wurde sich plötzlich erspielt, Chance um Chance wurde genauso plötzlich vergeben. Erst schoss Bednarski rechts knapp vorbei (ohnehin wegen Fouls abgepfiffen), wenig später schoss er noch knapper links vorbei. Nach einer Ecke kommt der Ball über Umwege zu Löning, dieser schlenzte aus der Drehung aufs lange Eck, so dass der Düsseldorfer Keeper sein ganzes Können zeigen musste. Ein paarmal rettete eine Fußspitze oder ein Bein in letzter Sekunde. Dann war der Ball plötzlich doch im Netz. Der Jubel dauerte jedoch nicht lange, denn im Moment, in dem Platzek den Abpraller aus gut 30cm über die Linie drückte, hatte wohl der Keeper seine Hand auf dem Ball, somit Freistoß für die Gäste. Diese Szene würde ich jedoch gerne nochmal ganz genau sehen. 

Auch im Anschluss an diese Szene gab es weitere Chancen, die Fortuna kam kaum noch über die Mittellinie. Leider war es heute wohl irgendwie verhext, das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Und weil ein Fortune wenige Minuten vor Schluss die obligatorische „es-war-so-klar“-Chance versemmelte, blieb die Partie torlos.

Das Spiel war in der ersten Halbzeit zu emotionslos, in Halbzeit zwei aber ein sehr gutes. Dass ein Gegner im Abstiegskampf hinten steht und dicht macht, war zu erwarten.Trotzdem hatte ich mir gegen den Vierzehnten der Tabelle mehr erhofft. Was aber in den „sozialen“ Medien und auf dem Weg zum Auto von einigen Leuten schon wieder abgesondert wurde, finde ich unter aller Kanone. Es war nicht schön heute, und die Saison läuft auch nicht zu aller Zufriedenheit. Aber wer sein Geld zurückfordert (eine der harmloseren Forderungen in Richtung Präsidium), der sollte sich überlegen, ob er mit RWE den richtigen Verein gewählt hat oder bei so einem Wetter lieber zu Hause bleibt. 

Freitag geht es für RWE nach Gladbach. Dort hat der Gastgeber deutlich mehr zu verlieren. Erfahrungsgemäß liegen uns solche Spiele besser. 

Nur der RWE!