Nich‘ Fisch, nich‘ Fleisch

Ich greife zur heutigen Partie den fabelhaften Beitrag von Catenaccio07 auf, denn er trifft meine Gefühlslage nach dem heutigen Unentschieden ziemlich genau. Ich bin nicht sicher, ob ich mich über das Remis freuen soll oder nicht.

Dabei war eigentlich alles für einen schönen Fußball-Nachmittag vorbereitet: Schwung aus dem Pokal im Rücken, längere Ruhephase als die Borussen, die unter der Woche noch gegen Lotte gewannen, herrlichstes Spätsommerwetter und – Zuschauer! Zwar war das Stadion Rote Erde mit rund 600 Besuchern nur sporadisch besetzt, aber besser als gar keiner war das allemal. Stimmung sollte trotzdem keine so wirklich aufkommen.

Bei unserem Team durften im Vergleich zum Pokalerfolg Kefkir und Endres für wieder von Beginn an ran, Backszat und Futkeu musste zunächst auf der Bank Platz nehmen. Felix Herzenbruch war nicht im Kader, dafür stand Condé wieder in der Startelf.

Die Partie begann auch recht ordentlich. RWE bestimmte das Geschehen, traf aber letztlich aus guten Positionen die falschen Entscheidungen – ein Haken zu viel oder ein ungenauer Pass und die Chance war dahin. Die Defensive stand beinahe schon gewohnt sicher, vom BVB war bis auf zaghafte Konteransätze nicht viel in der ersten Halbzeit zu sehen. Zwar versuchte man durch intensives Pressing den Spielaufbau von RWE bereits an unserem Strafraum zu stören, doch

Die wohl größte Chance der ersten Halbzeit hatte Simon Engelmann, der nach einer Hereingabe den Ball nicht voll traf und damit einen Aufsetzer fabrizierte, der per Kopf von der Linie geklärt werden konnte. Nach etwa 30 Minuten verpasste der heute wieder sehr agile Marco Kehl-Gomez eine Kefkir-Flanke nur knapp. Chancen genug zur Führung waren also durchaus da, zusammen mit den bis zur Halbzeitpause harmlos wirkenden Borussen stimmte mich das für Durchgang zwei vorsichtig optimistisch, dass hier heute der erste RWE-Sieg der Saison erzielt werden konnte.

Die Gastgeber kamen etwas aggressiver aus der Pause, doch nach gut 10 Minute drehte sich das Spiel wieder zum gewohnten Bild: RWE spielte um den Strafraum herum, Borussia lauerte auf Konterchancen. Nach einer Stunde war es erneut Engelmann, der die Führung auf dem Schlappen hatte. Ein langer Ball wird zur echten Aufgabe für den Dortmunder Innenverteidiger, der sich von Engelmann verladen lässt, dessen Schuss jedoch ans Außennetz fliegt. Weitere zwei Minuten später setzt sich Kefkir schön durch und bringt den Ball nach innen, wo Engelmann den Ball erahnt, ihn aus fünf Metern jedoch über den Kasten setzt. Wenig später bekam Futkeu für Endres seinen Einsatz.

Als ein langer Ball die Dortmunder Sturmspitze erreicht, lässt sich der ansonsten hervorragende Alex Hahn zu einem dummen Foulspiel hinreißen. Der Stürmer steht mit dem Rücken zum RWE-Kasten, allein auf weiter Flur, lässt Hahn die Hände da einfach weg, passiert mal gar nichts. So aber Freistoß für den BVB aus 18m aus zentraler Position. Was gegen Bielefeld noch mit einem Pfostentreffer endete, stellte heute jedoch den Spielverlauf auf den Kopf – ein satt getroffener Ball auf die Mauerecke, unhaltbar für Davari – 0:1 aus rot-weisser Sicht.

Und es war ein Wirkungstreffer. Wo vorher der Ball noch recht flüssig lief, schlichen sich nun Fehlpässe ein. Kaum ein „zweiter Ball“ konnte noch gewonnen werden, trotzdem gelang es über weite Teile der verbleibenden Spielzeit, die Schwarz-Gelben zumindest von Davaris Kasten wegzuhalten. Allerdings lief nach vorne nicht mehr viel, die Borussen begannen jetzt damit, viele kleine, harmlose Fouls zu begehen, selbst bei eigenem Kontakt schnell den Boden zu suchen und im Zweifel auch mal den Ball ins Niemandsland zu schlagen. Neidhart reagierte schnell, brachte Platzek für Condé und später noch Hildebrandt für Kefkir (Grund orientierte sich nach vorne) sowie Backszat für Grote, doch echte Chancen sollten sich nicht mehr einstellen. Stattdessen setzten die Gastgeber immer wieder gute Konter. Wenige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit verhinderte Davari den endgültigen K.O. mit einer Glanzparade.

Platzek holte noch einmal einen Einwurf an der Dortmunder Eckfahne heraus. Kevin Grund brachte den Ball weit in den Strafraum herein, dieser wurde jedoch in die Mitte geklärt, wo Backszat volley abzog. Der Ball wäre – nach Ansicht der Videobilder – vermutlich nicht gefährlich aufs Tor gekommen, wurde jedoch von einem Verteidiger unhaltbar zum unter dem Strich verdienten Ausgleich ins Tor abgefälscht.

So geht RWE also mit einem Unentschieden aus dem Spitzenspiel. Und da ist der Punkte, der mich zu den einleitenden Worten zurückführt. Klar, die Freude, doch noch ein Unentschieden geholt zu haben, ist durchaus vorhanden. Nach dem Spielverlauf fühlt es sich aber für mich mehr wie „zwei verlorene Punkte“ an, obwohl es das gegen Wiedenbrück nach umgekehrter Situation auch tat, vielleicht sogar noch etwas mehr. Aber na klar, wir haben jetzt erst zwei Partien in den Knochen. Gewinnen wir Mittwoch gegen Ahlen und am Wochenende in Lippstadt, sind wir mit einem 2,0-Punkte-Schnitt aus vier Partien immer noch gut dabei. Und genau da liegt meines Erachtens nach das Problem: Der Druck ist bereits spürbar. Ein Sieg heute hätte da vielleicht etwas Luft abgelassen, so herrscht nun Zugwang.

ABER: Die Moral, die wir in der letzten Saison so oft bewundern durften, bis zur letzten Minute alles zu geben, sie ist ungebrochen. Zwar muss an der Chancenverwertung gearbeitet werden, aber gerade die Zweitvertretung der Borussia gilt ja als arger Mitkonkurrent um den Platz an der Sonne. Dass man überhaupt dieses Spiel so „erfolgreich“ (bis zum Tor kein einziger (!) Torschuss der Gastgeber, danach erst, als wir mehr Risiko gingen und in die Konter liefen) bestreiten konnte, spricht abermals für die Qualität der Mannschaft.

Ich denke, man darf jetzt aber auch nicht in Panik verfallen. Es sind erst zwei Partien für RWE gespielt. Man muss es gebetsmühlenartig wiederholen: Die anderen werden auch noch Punkte lassen. Fast alle Topteams treffen noch aufeinander, der eine oder andere Ausrutscher in einer klaren Ausgangslage wird ebenfalls noch erfolgen. Wir hatten unser erstes Extraleben gegen Wiedenbrück, ein Unentschieden beim BVB ist da kein Beinbruch.

1. Spieltag – RWE – BVB II // Niemals aufgeben!

So lautete gestern Abend beim Eröffnungsspiel zur Saison 2019/20 der Regionalliga West das Motto an der Hafenstraße zwischen Rot-Weiss Essen und der Zweitvertretung des BVB. Vorweg: Selten war ein Motto so treffend!

Rund 14500 Zuschauer im Stadion, ordentlich gefüllter Gästeblock – ein phantastischer Rahmen. Die Choreo beim Einlaufen der Mannschaften, unterstützt durch den ausgerufenen Fahnentag, leistete ihren Beitrag, eine Gänsehaut sollte die nächste jagen.

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Nachdem vor dem Spiel die Stimme der Hafenstraße, Walter Ruege, zum 40. Dienstjubiläum am Mikrofon geehrt wurde, durfte „Ruthe“ mit toller Unterstützung der Kurve trotz vieler neuer Namen die erste Startelf der Saison präsentieren, bevor ein zusammen mit den Gästefans ein Abgesang auf den gemeinsamen Rivalen intoniert wurde.

Nach kurzer Präsentation aller Teams (vertreten durch Kinder in den entsprechenden Trikots) sollte es dann endlich losgehen. Die Vorzeichen dabei aus rot-weisser Sicht nicht positiv: Seit 5 Jahren kein Spiel gegen die Dortmunder gewonnen, dazu seit 2012/13 kein Heimsieg mehr beim Auftaktspiel zur Liga – wie sollte das funktionieren?

Und schon nach wenigen Minuten brannte es lichterloh im rot-weissen Sechzehner: Eckball Dortmund nach nur sieben Minuten, der Ball kann nicht geklärt werden, trudelt zunächst an den Pfosten und im zweiten Nachstochern in den Kasten. Der Assistent hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch längst die Fahne gehoben – Abseits!

Unbeirrt davon versuchte RWE, das Spiel an sich zu reißen, in dem man früh ins Pressing ging und – wie erwartet – mit dem Keeper (Lenz hatte den Vorzug von Golz (Bank) und Heller (Tribüne) erhalten) in Höhe des Mittelkreises das Spielfeld „verkleinerte“. Ich persönlich habe mir das riskanter ausgemalt als es sich im Spiel tatsächlich darstellte, jedoch merkte man durchaus, dass eine gewisse Anfälligkeit für schnelle Gegenangriffe bei „Stockfehlern“ oder misslungenen Dribblings unmittelbar gegeben war. Zwar standen Hahn und Kehl-Gomez über weite Teile der Partie souverän auf ihren Positionen, doch der eine oder andere Pass war insbesondere in Hälfte eins entweder zu schwach oder zu unpräzise gespielt, wodurch doch ein gewisse Unruhe aufkam.

Die erste echte Torchance für RWE gab es dann um die 25. Minute herum, als Dennis Grote sich aus gut 20m ein Herz nahm und einfach mal abzog – der Dortmunder Keeper jedoch nicht minder glänzend parieren konnte. Fast im Gegenzug dann aber die erneute kalte Dusche: Lenz ließ einen Distanzschuss nach vorne abklatschen, ein Gegenspieler konnte abstauben, doch erneut entschied das Schiri-Gespann auf Abseits.

Aus meiner Sicht gab es quasi im Anschluss eine Fehlentscheidung zu unseren Ungunsten: Zwar sah Marcel Platzek wegen gefährlichen Spiels zurecht die gelbe Karte, er wurde aber in derselben Szene mit voller Wucht umgestoßen, wofür man auch gut und gerne die rote Karte hätte zeigen dürfen. Insgesamt war die Linie des Unparteiischen meiner Meinung nach eher unglücklich, weil doch immer wieder besonders von den Dortmundern kleinere Hakeleien mit theatralischen Einlagen bedacht wurden (und in der Folge mit Freistößen belohnt), während beispielsweise Grote und Heber (der sogar mindestens zweimal) von hinten umgegrätscht wurde, was zwar auch Freistöße, aber keine Karten zur Folge hatte.

Nach der zweiten Trinkpause – aufgrund der anhaltenden Temperaturen von über 30 Grad Celsius gab es jeweils nach 15 und 30 Minuten in jeder Halbzeit eine – sollte dann das erste Tor der neuen Saison fallen: Heber mit einer Unsicherheit im Mittelfeld, der BVB schaltet schnell und schickt Boyamba auf die Reise, der im Laufduell nie Nase vorne hat und Lenz keine Chance lässt – 0:1, erster Dämpfer für unsere zwar engagierte, aber unglücklich agierende Mannschaft. Den Torjubel mit der „ich kann euch nicht hören“-Geste in Richtung der West hätte sich der Kapitän der Gäste jedoch sparen sollen – diese Art Unsportlichkeit gehört sich nicht, schon gar nicht, wenn zwischen den Fangruppen eigentlich zumindest Sympathie besteht.

Die auch in den vergangenen Partien immer wieder festzustellende „Abgehobenheit“ der Dortmunder Mannschaft machte sich ab diesem Treffer durch konsequentes Zeitspiel und Ballgeschiebe in der Abwehr zu bemerken – natürlich ist dies alles regelkonform und als taktisches Mittel immer eine Option, ob man es als Spitzenteam jedoch dermaßen nötig hat, ohne erkennbare Offensivambitionen den Ball immer wieder zu Innenverteidigern und Torwart zurückzuspielen – ich weiß es nicht.

So ging es also mit 0:1 in die Pause. Als Halbzeitfazit ließe sich festhalten: RWE wollte, fand aber noch nicht die richtigen Mittel, die Gäste nutzten ihre wenigen Chancen zweimal per Abseitstor und einmal „in echt“. Die linke Seite über Kefkir und Grund zwar die dominantere, jedoch Kefkir mit ziemlichen Problemen, sich dort durchzusetzen. Die Wackler in der Innenverteidigung habe ich bereits erwähnt, Grote meist von drei Gegenspielern angelaufen, Condé mit ordentlichen Ansätzen.

Unser Trainer stellte zur Halbzeit dann einiges um: Kefkir tauschte mit dem bis dahin eher blassen Endres die Seite, Condé wurde etwas zurückgezogen (quasi eine Sechs-Einhalb). Dies brachte zunächst mehr Stabilität ins rot-weisse Offensivspiel, was sich auch dadurch zeigte, das Kefkir immer wieder auf rechts anspielbar war und flanken konnte, was aber zumeist noch harmlos verlief (beste Chance Platzek drüber aus gut 5m).

Der BVB drehte weiterhin an der Uhr, die ersten Krämpfe setzten ein und immer wieder mussten Spieler nach winzigsten Zweikämpfen behandelt werden. Beinahe wäre dieses Verhalten eine Viertelstunde vor Schluss belohnt worden: Boyamba läuft Hahn davon, zieht in den Strafraum und legt in den Rücken der Abwehr ab, wo Führig den Ball quasi vom Elfmeterpunkt freistehend nur noch versenken muss, in diesem Moment kam jedoch der große Auftritt von Lenz, der diesen Ball festhalten konnte – das wäre das Ende aller Hoffnungen auf einen Punktgewinn für RWE gewesen.

Aber Karma is a bitch! Und wie:

Fünf Minuten nach der Riesenchance für die Gäste wird ein Essener knapp 25m vor dem Dortmunder Kasten gefoult, Freistoß von halb-rechts. Hahn und Condé stehen bereit, letzter schießt – und bringt die Hafenstraße mit dem ersten direkten Freistoßtreffer seit Was-weiß-ich-wann zum Beben! Ausgleich, zehn Minuten vor Schluss!

Und dieser Treffer, er setzte neue Kräfte frei: Wieder der in der zweiten Halbzeit starke Kefkir mit einer Flanke, Platzek per Kopf und kommt dann knapp gegen Oelschlägel nach dessen Abpraller zu spät. Wenig später wird Bichler schön rechts in Szene gesetzt, kann an der Torauslinie in den Strafraum ziehen, schafft es dann aber unter Druck nicht, den Ball gewinnbringend in die Mitte zu passen, wo Dahmani einschussbereit gewesen wäre.

Was folgte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Der unmittelbar zuvor eingewechselte Dorow spielt einen langen Ball nach vorne, im Laufduell gegen zwei Dortmunder kommt Platzek im Sechzehner zu Fall und der Schiri zeigt auf den Punkt – Elfmeter! Alexander Hahn übernahm die Verantwortung für die Kugel:

Nach dem Treffer gibt es keinen erneuten Anpfiff, RWE schlägt Borussia Dortmund mit 2:1! Das Nicht-Aufgeben, es hatte sich gelohnt! Auf den Tribünen nahm der Jubel quasi kein Ende mehr, wildfremde Menschen lagen sich mit Freudentränen in den Armen, als sei es November 1989 am Checkpoint Charly! EINFACH! GEIL! Da weiß man wieder, warum man den ganzen Scheiß Jahr für Jahr mitmacht!

Ich möchte nicht zu sehr in Einzelkritiken verfallen, doch Condé nicht hervorzuheben, würde seiner überragenden Leistung ungerecht gegenüber erscheinen. Auch Grote bärenstark. Wird die Abstimmung in der Abwehr noch verbessert und das Passspiel insgesamt präziser – mehrfach Bälle ins Aus oder in den Rücken eines Mitspielers – so haben wir nach dem ersten Eindruck ein Team, das nur schwer zu schlagen sein wird. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie andere Teams sich auf das neue rot-weisse Spielsystem einstellen werden (und wie RWE darauf reagiert). Es war nicht alles Gold, was gestern Abend an der Hafenstraße glänzte, aber es war ein solider Beginn, der Bock auf mehr gemacht hat.

Kommenden Sonntag trifft RWE im Wedaustadion auf den VfB Homberg. Vermutlich wird ein ordentlicher Tross zur Stelle sein, um die Mannschaft auch hier zum Sieg zu peitschen. Ein weiterer Erfolg wäre nicht nur aus tabellarischer Sicht wünschenswert, denn im nächsten Heimspiel wartet die nächste Zweitvertretung vom „Effzeh“ auf unser Team, das eine fünfstellige Unterstützung mit der erneut im Aufbau befindlichen Festung Hafenstraße sicher gerne annimmt.

Es wäre einfach zu schön gewesen…

Nach der kleinen Serie mit 10 Punkten aus 4 Spielen und dem Sieg im Pokal stand vergangenen Freitag für unseren neuen Trainer die Premiere unter Flutlicht gegen die „kleinen Dortmunder“ auf dem Programm. Aus persönlichen Gründen (immer dieser Wochenend-Stress…) komme ich leider erst jetzt dazu, meine Gedanken dazu niederzuschreiben. Ich bitte, Fehler in der Chronologie großzügig zu übersehen.

Mehr oder weniger parallel spielte schon beinahe traditionell die „Erste“ der Gäste, diesmal auswärts in Stuttgart, sodass sich eine ordentliche Meute auf der Gästetribüne versammelt hatte. Für etwas Atmosphäre war also gesorgt.

Leider konnte die Mannschaft den Schwung der letzten Partien zunächst nicht auf den Platz bringen. Viel zu oft war man den berühmten „Schritt zu spät“, immer wieder ließen die Dortmunder den Ball in quälend langen Ballstafetten in der Essener Hälfte laufen. Entlastungsangriffe unserer Mannschaft fanden quasi ebensowenig statt wie gefährliche Szenen für unseren Kasten, trotzdem hatte Fußballgott Platzek die einzige „echte“ Chance der ersten Hälfte: Ein abgewehrter Ball landete bei Baier, der postwendend unseren Stürmer mit einem feinen Außenrist-Pass auf die Reise schickte. Kurzer Haken nach innen – leider stellte der Distanzschuss aus gut 18m den Dortmunder Keeper vor keine größere Herausforderung. So ging es also mit 0:0 in die Pause.

Gute 10 Minuten nach Wiederanpfiff entschied der – vorsichtig gesagt nicht immer ganz glücklich entscheidende – Schiri auf Freistoß für die Borussia. Aus meinem Sichtwinkel von W3 aus möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ob da wirklich ein Foul vorlag? SICHER bin ich da nicht… Wie dem auch sei, der Freistoß landete im „Mauereck“, und nach Sichtung der Videobilder gehe ich da mit den ersten Meinungen einiger Freunde konform, dass Heller eine gewisse Teilschuld trägt. Auch wenn er den Ball spät sieht, muss er als Keeper – sorry, Robin – zumindest mal versuchen, die Hände hochzunehmen. Ich weiß natürlich nicht, inwiefern die heute bekannt gewordene Schulterverletzung da Einfluss genommen hat. Auf diesem Wege GUTE BESSERUNG an unsere Nummer 33!

Dieses unnötige Tor, es schien jedoch unser Team endlich wachzurütteln. Die Angriffsbemühungen wurden intensiver, das Spiel gleichzeitig ruppiger. Nach einem langen Ball von Baier wurde (diesmal von W3 gut zu sehen) Malura eindeutig am Arm festgehalten und kam zu Fall – der Schiri (ich wiederhole: nicht der beste Mann auf dem Platz) entschied statt auf „mindestens gelb“ auf „weiterspielen“. Hier wurde in meinen Augen mit einer Fehlentscheidung eine dicke Chance für unser Team verhindert.

Eine weitere große Möglichkeit arbeitete der erneut unermüdliche Pröger heraus, sein Querpass in  die Mitte des Strafraums von der Grundlinie wurde aber im letzten Moment geblockt. Zudem konnte noch Baier mit dem schwachen linken Fuß nach schönem Zusammenspiel mit Bednarksi einen Schuss aufs Tor ablassen, ansonsten war es das schon mit den nennenswerten Torraumszenen des Spiels.

Trotz der Niederlage hatte ich diesmal das Gefühl, als wäre das Publikum deutlich weniger enttäuscht nach Hause gegangen als beispielsweise nach dem Unentschieden gegen Wegberg. Man musste einfach anerkennen, dass die Dortmunder an diesem Abend vor allem in Hälfte eins eine Nummer zu groß waren. Über die Ansetzung eines Schiedsrichters, der sich bei den Gästen eine Mitfahrgelegenheit hätte erfragen können, möchte ich an dieser Stelle nicht großartig philosophieren. Ich gehe einfach nicht davon aus, dass er absichtlich pro BVB gepfiffen hat, zumal er in der ersten Halbzeit auch mindestens zwei Eckbälle für die Gäste nicht gegeben hat.

Ein Aufwärtstrend bleibt trotzdem deutlich erkennbar. Das Gegentor hat anders als noch zu Demandt-Zeiten in der Mannschaft keine größere Unruhe ausgelöst, stattdessen merkte man dem Team an, dass es mit allen Mitteln versuchte, die drohende Niederlage noch abzuwenden. Dass dies nicht immer klappen kann (wie noch in Aachen), sollte jeder verstehen können. Und mal ehrlich: Ein erneuter Erfolg wäre irgendwie doch auch unheimlich gewesen, oder?

Wichtig jedoch ist und bleibt, dass die Mannschaft alles dafür tut, dem Publikum zu zeigen, dass es will. Auch in den letzten Minuten der Partie, mit wahrscheinlicher werdender Niederlage, war nichts von „Aufgeben“ zu erkennen.

In der kommenden Woche findet die nächste Pokalrunde im Niederrheinpokal statt. Dieser Wettbewerb ist natürlich wieder enorm wichtig für uns, bevor wir beim Auswärtsspiel in Wuppertal dann wieder von Sport1 „beglückt“ werden. Da an diesem Wochenende wieder Wochenendstress herrschen wird (Stichwort „Nikolaus“), werde ich leider nicht vor Ort sein können.