„Aufsteigen? Arschlecken!“

…so oder so ähnlich könnte der Gedanke lauten, der dem Erfinder der aktuellen Comedy-Aktion der Frankfurter Fußball-Zentrale durch den Kopf gegangen ist.  Spielausfall an der Hafenstraße, das gibt mir Zeit und Gelegenheit, mich über den neuesten Wahnsinnseinfall des DFB auszulassen.

Nach jahrelanger Verweigerung, das Thema konstruktiv zu diskutieren sollte es also in der vergangenen Woche soweit sein – die Aufstiegsregelung zur Dritten Liga sollte reformiert werden. Großmundig wurde bereits Wochen zuvor darüber berichtet und von Seiten der Frankfurter Führungsriege, namentlich besonders Herrn Grindel, auch betont, dass man auf einem sehr guten Weg sei, endlich eine Möglichkeit zu finden, alle Meister der fünf Regionalligen aufsteigen zu lassen. Von drei Lösungen war die Rede, von denen eine favorisiert werde. Wenige Tage vorher wurde aber kurzfristig der Hoffnung, dass dies wirklich Wahrheit werden könnte, knallhart ein Riegel vorgeschoben, als durchsickerte, dass nun doch lediglich zwei Teams – nämlich der West- und der Südwestvertreter – direkt aufsteigen sollten, der Südwest-Zweite dafür keine Chance mehr auf den Aufstieg habe und die drei verbliebenen Meister zwei weitere Aufsteiger unter sich ausmachen.

Obwohl unser RWE (bzw. der jeweilige Meister unserer Liga, um nicht vermessen zu sein) direkt davon profitiert hätte, wäre dies doch trotzdem nur eine mit der heißen Nadel gestrickte Lösung gewesen, am Ende wäre das Prinzip „Meister müssen aufsteigen“ wieder ad absurdum geführt worden. Doch bevor diese Regelung überhaupt auf dem DFB-Bundestag zur Diskussion stand, drohte der Nordost-Verband (in meinen Augen zwar wie ein kleines Kind, aber irgendwie auch nicht zu Unrecht) mit einer Klage wegen der drohenden Wettbewerbsverzerrung. Der DFB entfernte den Punkt daraufhin kurzfristig und mehr oder weniger stillschweigend von der Tagesordnung.

Umso überraschender dann das Ergebnis, das dann als „Übergangslösung für die kommenden zwei Spielzeiten“ präsentiert wurde: Der Südwesten – in den vergangenen Spielzeiten trotz zweier Kandidaten regelmäßig an der Relegation gescheitert – bekommt zunächst in der Saison 2018/19 einen festen Aufsteiger, ebenso der Nordosten (sic!). Aus den drei verbleibenden Verbänden wird ein weiterer ausgelost, der dann ebenfalls direkt aufsteigt. Die beiden Verbände die dann übrig bleiben, spielen wie gewohnt in einer Relegation um den Aufstieg den vierten und damit letzten Aufsteiger aus. Als kleine Entschädigung dafür wird den beiden Relegations-Verbänden für die Saison 2019/20 ein direkter Aufstiegsplatz garantiert, aus den drei anderen wird erneut ein direkter Aufsteiger ausgelost und die beiden anderen sollen dann in die Relegation. Übergangslösung deshalb, weil ab 2020/21 dann eine neue, „gerechtere“ Lösung gelten soll, die bis dahin in Zusammenarbeit mit den Vereinen der 3. und 4. Ligen erarbeitet werden soll.

Während man den Startplatz für den Südwest-Vertreter noch mit der höchsten Mitgliederzahl begründen kann (so ja auch die Begründung für den 2. Startplatz in der aktuellen Relegation), fehlt jegliche rationale Erklärung, warum ausgerechnet der Nordost-Meister einen festen Aufstiegsplatz bekommen soll. Dies erweckt auf mich (und wohl auch auf viele Vereinsvertreter, siehe Reviersport) den Eindruck, als ob hier wegen der angedrohten Klage einfach nur Wogen geglättet werden sollen.

Weiterhin steigen nicht alle Meister auf. Diese zentrale Forderung von Fans und Vereinen wurde trotz aller Ankündigungen nicht berücksichtigt. Es kann doch nicht Sinn der Sache sein, dass man so lange an kleinen Rädchen dreht, bis irgendwann der Frust bei der Gegenseite in Resignation umschlägt und man endlich seine Ruhe hat. Die Dritte Liga besteht aus 20 Teams, da muss es bei aller Liebe doch auch möglich sein, als „großer DFB“ gegenüber den Vereinen mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen, dass diese Liga fünf Absteiger hat. Dass von den Drittligaclubs keiner freiwillig dafür stimmt, kann ich sogar beinahe noch nachvollziehen. Aber wie schon der Kollege vom Im Schatten der Tribüne so korrekt (sinngemäß) twitterte: Wie fänden die es wohl, wenn sie diese Saison abstiegen und nächste Saison das Ganze mal aus Sicht eines Regionalligisten erleben dürften? Oder um es anders auszudrücken: Gestern noch lauthals „Meister müssen aufsteigen“ proklamiert, heute, nach geschafftem Aufstieg damit nichts mehr zu tun haben wollen.

Die Ermittlung des dritten Direktaufsteigers (ist eigentlich das Unwort des Jahres schon gewählt?) per Los schließlich ist ein Schlag mit dem Fehdehandschuh ins Gesicht der verschiedenen Fangruppierungen, die unabhängig der eigenen Zugehörigkeit mit ihren friedlichen Protestaktionen den Aufstieg aller Meister gefordert haben. Es kann trotz des Reförmchens nun wieder einen Verein geben, der am Ende in die Röhre schaut. Waldhof Mannheim lässt grüßen.

Ich weiß nicht, auf wessen Mist dieser lustige Streich wieder gewachsen ist, doch für mich fügt er sich nahtlos ein in eine Reihe von Unfähigkeiten, zum Beispiel bei der Aufklärung der Bestechungsvorwürfe rund um die Fußball-WM 2006, der Reform der DFB-Pokal-Systematik (Stichwort Europapokal-Vereine erst später), den Spielen der chinesischen U20 oder ganz aktuell der Farce rund um die Video-Schiedsrichter, wo man sich nicht einmal die Mühe macht, das funktionierende (!) System aus anderen Sportarten – siehe beispielsweise Feldhockey – zu adaptieren, sondern sich selbst mit einem halbgaren, unausgereiften Versuch selbst Woche für Woche angreifbar macht.

Ideen gibt es genügend, angefangen von „einfach fünf Auf- und Absteiger“ über „Reduzierung auf vier Regionalligen mit je einem Aufsteiger“ bis hin zu „zwei Dritte Ligen“. Der DFB hat sich nun mit seiner aktuellen Entscheidung selbst erst einmal Zeit erkauft. Zeit, die er besser mit Zuhören nutzen sollte, statt mit der Ausarbeitung einer neuen Lösung, die am Ende wieder niemand will.

Rechenspiele – Ein Bericht zur Lage in der Liga

Das erste Pflichtspiel des Jahres ist Geschichte, bekanntermaßen hat unser Herzensclub bei Viktoria Köln unglücklich mit 1:2 verloren. Dazu ist schon einiges geschrieben worden, so dass ich dies an dieser Stelle nicht nochmal aufrollen möchte, zumal ich aus verschiedenen Gründen nicht selbst vor Ort war. Am Radio mitzufiebern ist echt die Hölle…

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag auch schon vor der Partie geschrieben haben, aber wie das halt immer so ist mit der Zeit.

Bekanntermaßen bin ich ein kleiner Zahlenfreak, und als solcher habe ich mir schon Gedanken zum restlichen Saisonverlauf gemacht. Alles Folgende bezieht sich allerdings auf den Stand jetzt, also nach dem Viktoria-Match. Natürlich sind da auch noch die Kollegen aus dem Tal, aber ich gehe davon aus, dass diese im Fall der Fälle erst Recht kein Problem darstellen würden.

Derzeit beträgt unser Rückstand auf Platz 1 satte 13 Punkte, somit ist der Aufstieg wohl auch für die kühnsten Träumer unter uns außer jeglicher Reichweite. Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass der BVB noch zwei Spiele „in petto“ hat, bei Siegen würde unser Rückstand gar auf 14 Punkte anwachsen. Das bedeutet, dass wir satte 5 Spiele mehr gewinnen müssen als beide Borussen-Teams und Viktoria – bei gerade mal 13 verbleibenden Partien.

Sollte uns dieses Kunststück in einem Falle oder gar zweien schaffen, so ist die Chance, dies in allen drei Fällen zu schaffen, wohl verschwindend gering. Ich halte es im Durchschnitt für möglich, einen Punkt pro Spieltag noch aufholen zu können. Dies basiert hauptsächlich auf Rechnereien der letzten paar Saisons, in denen ich gegen Ende immer mal wieder unter Zuhilfename von Excel durchgerechnet habe, wie denn unsere Chancen auf Aufstieg / Klassenerhalt noch so stehen. Und ihr merkt vielleicht: 13 Punkte – 13 Spiele: das dürfte es gewesen sein, sollte nicht noch Unglaubliches passieren.

Auf der anderen Seite beträgt aber auch unser Vorsprung auf die Abstiegsplätze ebenso 13 Punkte, was bedeutet, dass auch diese Wahrscheinlichkeit gegen Null tendiert. Das sollte beruhigend genug auf die Mannschaft wirken, um den Rest der Saison auf solidem Level weiterzuspielen und zumindest Platz 4-5 zu sichern. Dies könnte dazu führen, dass das Team von Spiel zu Spiel weiter zusammenwächst, um dann in der kommenden Saison das nötige Quäntchen mehr mit auf die Waage zu bringen, um solche Partien wie Samstag zu den eigenen Gunsten zu entscheiden.

Denn – und da wiederhole ich mich gerne – in meinen Augen haben wir häufiger nicht gewonnen als schlecht gespielt. Wir haben beispielsweise nur zwei Spiele mehr verloren als Viktoria, aber satte drei Unentschieden mehr. Dies gilt es zu optimieren.

Genau aus diesem Grunde ist es meines Erachtens nach wichtig, die Saison trotz eventuell bald eintretender Spiele um die berühmte goldene Ananas noch nicht abzuhaken, sondern das Team weiter in gewohnter Form zu unterstützen. Besonders, weil die Zuschauerzahl in Abhängigkeit zur Spannung sinken wird.

Und überhaupt: So lange rechnerisch noch was geht, muss eh weiter dran gezogen werden, basta!

In diesem Sinne: Lasst uns Samstag Düsseldorf weghauen und denen den Karneval verderben. An Aschermittwoch dann bitte Wuppertal als Pokal-Los!

NUR DER RWE!