Geht doch

Teil 2 der „Ostwestfalenwochen“ bei RWE durfte ich diesmal nur aus der Ferne erleben, da a) der Sohnemann seinen Saisonauftakt in der Jugendmannschaft eines Essener Zweitligisten hatte (kein Fußball), b) verzichte ich seit einiger Zeit auf Auswärtsspiele ausserhalb des erweiterten Ruhrgebiets, und c) ist Ahlen jetzt kein Höhepunkt, den ich mir trotzdem gegeben hätte.

Gegner heute also RW Ahlen, seines Zeichens Dorfverein, vorletzte Saison in die Regio aufgestiegen, letzte Saison knapp die Klasse gehalten und mit zwei fulminanten Siegen in die Liga gestartet, bevor sie ähnlich dem RWE in schöner Regelmäßigkeit die Punkte abgeliefert haben.

Zum Zeitpunkt des Anpfiffs war ich also noch in einer Sporthalle gefangen und darauf angewiesen, was der Liveticker so hergab. Ich las von einem durchaus offensiven RWE, der wie fast schon gewohnt das Spiel kontrollierte, Chancen herausspielte, das Tor jedoch nicht zu treffen vermochte. Immer hin- und hergerissen zwischen dem Livebild vor Ort und dem Handydisplay, leicht nervös bei jedem Toralarm aus den anderen Stadien.

Als ich mich dann nach Ende des letzten Spieles endlich aus dem Staub machen konnte, fiel mir wieder ein, dass Radio Hafenstraße auch per Telefon empfangbar ist – danke für den tollen Service. Kaum war der Trailer abgespielt und der Kommentar zu hören, fasste sich „TC22“ ein Herz und erlöste uns alle vom Fluch der Torlosigkeit. Beim Einbiegen auf den heimischen Parkplatz fiel dann das 2:0 für unsere Truppe. Die wollten doch nicht etwa…?

Halbzeit zwei konnte ich dann entspannt übers Webradio hören. Diese war zwar ziemlich ereignislos, aber als Essener hat man ja immer Angst vor spontanen Umschwüngen im Spielverlauf. Doch stattdessen erhöhte Marcel Platzek auf 3:0. Sie wollten also tatsächlich. Punkte im Sack!

Da ich das Spiel selbst nicht gesehen habe, überlasse ich die Bewertung anderen.

Am Freitag dann Teil 3 der Ostwestfalen-Trilogie gegen den SC Verl. Für uns ja noch so ein belächelter Dorfverein, man darf aber nicht unterschätzen, dass sie seit vielen Jahren in der Liga etabliert sind.

Angelehnt an einen Tweet, den ich heute Morgen bekam, ziehe ich abschließend das Fazit, dass mir solche Spieltage deutlich lieber sind als solche, die wir zuletzt erleben mussten. Ich mach mir jetzt erstmal ne Grillwurst und trink mir ne lauwarme Coke.

Danke für nichts.

Ich habe keine großartige Lust, auf das heutige Spiel näher einzugehen. Erste Halbzeit überlegen, zweite Halbzeit mit mutigeren Rödinghausern, zwei Elfern gegen uns (1x gehalten, 1x drin) und roten Karten, die wohl berechtigt waren. 0:1, Rödinghausen ist und bleibt damit sowas wie der Angstgegner unseres Vereins.

Was aber nach dem nicht gegebenem Elfer gegen Löning – ich hätte ihn wohl auch nicht gegeben, was auch generell zur Linie des Schiris passte – auf und vor der Westkurve passierte, macht mich wütend und traurig zugleich.

Ohne den moralischen Zeigefinger zu hoch erheben zu wollen: es gehört schon eine ganze Menge Dummheit dazu, eine Fahnenstange in den Strafraum des Gegners zu werfen, nachdem der Schiri schon auf die beinahe schon obligatorischen (schlimm genug) Feuerzeuge mit seiner Gestik signalisiert hatte, das Spiel ab- oder unterbrechen zu wollen. Dass der Rödinghauser Torwart im Vollsprint hinrennt und zeigt, was da liegt – tja, das hätte wohl jeder so gemacht. Und komm mir keiner mit „früher war es noch schlimmer“! Mag sein. Aber da wurde es vielleicht auch nicht so scharf sanktioniert. Und ob das besser war, lasse ich mal dahingestellt. Ich würde mich nicht wundern, wenn uns mal ein Geisterspiel anstehen würde.

Kommentare wie „Heul leise“ und „halt dein Maul“ zeigen deutlich das Problem, das einige haben: Selbstinszenierung um jeden Preis.

Ich weiß, in W2 nennt man sich nicht mehr Ultra, aber steht selbige Einstellung nicht für bedingungslose Unterstützung für den Verein? Wenn Unterstützung so aussieht, dass man dem Verein finanziell schadet und das mühsam nach außen wieder aufgebaute Image zerstört, dann kann ich darauf gerne verzichten.

Auf Dinge wie „Vorstand raus“ und die zynischen Kommentare zur Hoch-3-Aktion, die einige offensichtlich immer noch nicht verstanden haben, gehe ich hier nicht weiter ein.

Stadionverbote sollten logische Konsequenz des heutigen Abends sein. Der Ruf „gegen alle Stadionverbote“ wurde wunderbar ad absurdum geführt.

Heute schäme ich mich, Fan von Rot-Weiss Essen zu sein.