Punkteteilung 

Ich schreibe diese Zeilen aus dem Sonderzug auf dem Heimweg ins geliebte Essen, also noch frisch unter dem Eindruck des gerade Erlebten.

Vor dem Spiel war es endlich wieder da, dieses Gefühl eines Auswärtsspiels, hoffnungsvoll, aber auch ein wenig angespannt. Das Schlimmste heute wäre wohl gewesen, den Zoonachbarn beim Jubeln zusehen zu müssen.

Es war heute wohl eher das, was man „taktisch geprägt“ nennt. Viel Abtasten auf beiden Seiten, Nervosität vor allem in der rot-weissen Abwehr und zum Glück einer Menge Unvermögen beim Wuppertaler Sturm. Beide Teams konnten jeweils eine Halbzeit für sich entscheiden, ohne zu den ganz großen Chancen zu kommen. Lediglich einmal, in der Nachspielzeit, gelang es einem Essener, den Ball über die Linie zu drücken, doch der Schiri pfiff (objektiv vermutlich zurecht, subjektiv natürlich aus völlig unerfindlichen Gründen) Abseits. Das wäre ein schöner Abschluss geworden.

Ein wenig Leid tat mir heute unser Capo, der 90 Minuten die träge wirkemde Kurve zum Mitmachen zu bewegen. Erst als die Chancen zwingender wurden, kam so etwas wie Derbystimmung auf.

Unter dem Strich steht heute eine gerechte Punkteteilung, doch da keines der anderen Teams, die vor dem Spieltag 6 Punkte hatten, gewinnen konnte, wirkt das Unentschieden mit dem damit verbundenen punktgleichen zweiten Tabellenplatz wie eine Wund- und Heilsalbe auf diese kleine Schürfwunde in unserer noch immer niederlagenfreien Saison.

Nun also geht es nach einem langen Arbeitstag mit angehängtem Auswärtsspiel nach Hause, im Gedanken schon beim kommenden Gegner, dem FC Wunderlich Köln.

Ein guter Freund hat es derweil mit seinem konfiszierten Nasenspray ins örtliche Fußballfachblättchen geschafft und genießt ab sofort im Freundeskreis eine Art Heldenstatus. Prost, Schmidt!

Geschichte wird geschrieben…

So, wieder daheim vor dem heimischen Rechner, das Spiel gegen den Bonner SC hinter uns. Und in der Tat haben wir heute einen quasi historischen Sieg errungen: Zuletzt gelangen und 2 Siege zum Saisonstart gemäß http://www.fussballdaten.de in der Saison 2008/2009 (4:1 in Lotte, 4:0 gegen die kleinen Blauen). Damals folgte noch ein Sieg gegen Lautern II, ob es eine Saison mit vier Siegen gab, gucke ich nach, wenn es in Reichweite kommt…

Der heutige Sieg war eher einer der Sorte „schmutzig“. Zwar hatte RWE die Partie in der ersten Halbzeit absolut im Griff und auch deutlich mehr, deutlich bessere Chancen als die Ex-Hauptstädter, doch ein Moment des kollektiven Tiefschlafs nach einer eigenen Ecke (oder war es ein Freistoß?) genügten, um sich den Rückstand nach einem schnellem Konter mit sehenswerten Lupfer einzufangen. Niclas Heimann dabei den Großteil der Schuld zu geben ginge mir jedoch zu weit, schließlich durfte Bonn die komplette RWE-Abwehr (die ansonsten nichts anbrennen ließ) um- und schwindlig spielen. Ein Foul wäre vielleicht eine praktikable Lösung gewesen, zumal der Schiedsrichter offensichtlich die Karten in der Kabine vergessen zu haben schien. Die durchaus robuste Spielweise der Bonner hätte man meines Erachtens nach viel früher mit gelb bedenken dürfen.

Interessant in dieser Phase zu beobachten, wie schnell die Stimmung von euphorisch-begeistert („Bor, die können ja richtig geil spielen…“) auf genervt-aggressiv („Du Penner, du kannst ja gar nix!“) umschlug. Die tolle Vorbereitung, der erste Sieg in der Vorwoche – alles vergessen, direkt war Zynismus und Sarkasmus beinahe allerortens zu hören. Phantastisch allerdings das Verhalten der neu formierten Gemeinschaft „Westkurve“, die nach kurzer Schockstarre wieder zu Anfeuerung überging.

Bis zur Pause hätten Löning und Platzek dann noch vier oder fünf Mal netzen können, aber der Bonner Keeper hatte irgendwie etwas dagegen, und so ging es mit 0:1 in die trotzdem verdiente Pause.

In der zweiten Halbzeit bot sich dann ein ganz anderes Spiel. Wo Bonn vorher noch auf frühen Ballgewinn und eigenen Druck aus war, gab es jetzt nur noch klassischen Beton. Zehn Mann hinten rein, einer an der Mittellinie. Spätestens als Huckle wüst am Strafraumeck aus vollem Lauf weggegrätscht wurde, hätte es eigentlich gelb geben müssen, aber auch hier verzichtete der Schiri, der sich nie wirklich den Respekt der Spieler erarbeitet hat, auf das Zeigen der Pappe.

Diese sollte dann aber wenig später zum Einsatz kommen, als Platzek hochstieg, um eine Flanke per Kopf im Tor zu versenken, dabei aber von hinten umgestoßen wurde – Elfmeter und Gelb!

Historische Ereignisse, Teil 2: Wir haben mal wieder einen Elfmeter versenkt – Ausgleich. Baier oben rechts, hart geschossen, nix zu halten! Da war es wieder, das Gefühl, dass uns so schnell niemand aufhält, dass wir auf alle Situationen eine Antwort haben. Vergessen waren Schimpf und Schande der vergangenen Minuten, jetzt wollten alle mehr, jetzt wollten alle den Sieg.

Als sich Marcel Platzek schließlich kurz vor Schluss den Ball griff und sich energisch durchsetzte, das Ganze dann mit einem 15m-Knaller ins Tor vollendete, fiel wohl allen Essenern im Stadion ein dicker Felsbrocken vom Herzen. Die restlichen gut 10 Minuten inkl. Nachspielzeit wurden dann mit dem garniert, was letzte Saison von vielen noch vermisst wurde – defensive Wechsel, um Zeit von der Uhr zu nehmen und hinten abzusichern. Mit Ball in aussichtslosen Situationen lieber in die Ecke, Ball abschirmen, statt mit dem Kopf gegen (nicht durch!) die Wand zu rennen.

Ein Konter in der Nachspielzeit führte noch zu Rot gegen den Bonner Verteidiger, der in meinen Augen eher versehentlich Rabihic gefoult hatte. Aber klar, letzter Mann is‘ dann halt auch Rot…

Unter dem Strich der nächste Dreier für unser aller Lieblingsclub. Keine Glanzleistung, wohl aber ein Sieg der Moral und des Kampfes. Es lief noch nicht alles rund, vor allem im Spiel nach vorne, auch wenn das in weiten Teilen der Partie schon ansehnlich war. Mann des Spiels für mich Löning, der viele Bälle vorne weitergeleitet und ein paar dicke Chancen hatte, sowie der unermüdliche Huckle, der kleine Kilometerfresser. Malura/Platzek besonders in der zweiten Halbzeit ziemlich abgemeldet, haben in der ersten Halbzeit aber für ziemlichen Alarm gesorgt. Das hat mir auch sehr gut gefallen.

Wollen wir hoffen, dass der ausgewechselte Löning nicht ernsthaft verletzt ist, denn das würde das rot-weisse Glück dann doch trüben. Und bei dem Bonner Spieler, der vom Platz getragen wurde, das sah nicht gut aus. Ich denke, bei aller sportlichen Rivalität gehört es sich einfach, an dieser Stelle einfach eine gute Besserung zu wünschen.

Dienstag Wuppertal! Reich‘ mir mal einer das Frittenfett, ich muss mich abkühlen!

Keine Angst mehr vor Wiedenbrück

Kerl, watt bin ich heiß!

In ein paar Tagen ist es also soweit: Die neue Regionalliga-Saison 2016/17 startet. Nachdem am Freitag und Samstag die Konkurrenz das bunte Treiben eröffnen wird, haben wir also die Ehre, am Sonntag in Wiedenbrück den ersten Spieltag zu vervollständigen.

Wiedenbrück? Richtig, da war doch etwas. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung ergriff Frank Kurth, Legende unserer glorreicheren Tage und Mitglied des neu ins Leben gerufenen Beirates Sport, das Wort und erklärte, er wolle dabei helfen, der Mannschaft das Motto „keine Angst mehr vor Wiedenbrück“ zu vermitteln.

Die Ostwestfalen konnten in der Vorsaison (wie zugegebenermaßen viele Teams) den „direkten Vergleich“ für sich entscheiden, als sie – ebenfalls als erster Gegner der Saison – unserer Euphorie direkt einen dicken Klotz in die Hacken warfen und mit einem 3:0-Sieg an der Hafenstraße zeigten, dass auch sie Fußball spielen konnten. Zwei Treffer erzielte damals ein gewisser Kamil Bednarski, nachdem RWE nach einer roten Karte gegen Obst zum Ende der ersten Halbzeit das Spiel in Unterzahl bestreiten musste. Im Rückspiel Mitte Dezember führte Rot-Weiss bereits mit 2:0, bevor man auf dem Lande in der Nachspielzeit wieder durch Bednarski noch den Ausgleich kassierte.

Insgesamt gehört der SC Wiedenbrück mit dem SV Rödinghausen, dem SC Verl und RW Ahlen zu den vier Teams der Liga, die in Ostwestfalen ihre Heimat haben. Diese Teams werden bei uns in der Großstadt gerne als „Dorfverein“ belächelt, während wir mindestens in die Zweite Liga gehören. Angesichts der örtlichen Infrastruktur mit kleinem Stadion und sehr übersichtlicher Zuschauerzahl vielleicht zurecht, doch generell muss man wohl zugeben, dass auch dort auf gutem Niveau gearbeitet wird. Verl gehört schon seit langer Zeit zu den etablierten Teams der Liga, Wiedenbrück ist auf dem besten Weg dorthin. Und genau hier liegt meines Erachtens auch das Risiko: diese Teams zu unterschätzen und vielleicht nur mit 98% Einsatz ins Spiel zu gehen, während diese Teams gegen uns bereit sind, mehr als 100% zu geben.

Dennoch hat „Frankie“ recht: Wir als RWE, also Fans und Spieler, müssen dieses Gefühl, dass man in München vielleicht „mia san mia“ nennt, wieder in die Stadien der Liga bringen. Die Punkte gehören uns. Egal, ob man an der Werse, dem Niederrhein oder der Hafenstraße spielt. Denn wir sind RWE. Wir sind das Maß der Liga, der Verein, über den der Weg zum Meistertitel führt. Wir haben keine Angst vor Wiedenbrück.

Außerdem spielt Bednarski jetzt (bald, nach seiner Verletzungspause) für uns.

Testspiele und was davon bleibt

Mit dem Spiel gegen Aue endet also die diesjährige Testspiel-Saison. Und obwohl unser aller Lieblingsverein bislang kein einziges Spiel verloren, dabei nur ein Unentschieden (eine Halbzeit gegen Meppen) und 56:1 (!) Tore erzielt hat, fällt es mir schwer, das Ganze einzuschätzen. Als Kommentar vorweg: Ich war bei keinem der Spiele live dabei.

Einziger ernsthafter Gegner war die zweite Mannschaft des „Effzeh“, die wir ja in ein paar Wochen wieder in der Liga begrüßen dürfen. Dieses Spiel war mit einem 1:0 durch einen Hammer von Rückkehrer Timo Brauer (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) wohl auch das knappste.

Mit Werder Bremen II spielte man innerhalb von 45 Minuten beim Blitzturnier in Leer einen 3:0-Sieg heraus, beim selben Turnier „passierte“ auch das oben erwähnte Unentschieden.

Alle anderen Spiele fanden gegen niedrigklassigere Gegner bzw. Stadtauswahlen statt und sind aus meiner Sicht maximal als bessere Trainingseinheit zu verwerten. Hierbei tat man sich gegen den Nachbarn aus Kray zwar schwer, konnte aber auch dieses Spiel ohne Gegentor gestalten.

Inwiefern die Gegner unsere Abwehr in echte Schwierigkeiten bringen konnten, vermag ich angesichts der spärlichen Berichtslage kaum zu beurteilen. Aber trotz allem gab es nur einen einzigen Gegentreffer, was zumindest mein subjektives Gefühl Ende der letzten Saison bestärkt, dass wir eigentlich recht stabil hinten standen, wenn wir nicht gerade von Kray per Standard oder von Velbert ausgekontert wurden. Unter „normalem“ Druck war hinten gegen Zeiger und Co. nicht viel zu holen.

Was mich allerdings echt beeindruckt hat, sind die 56 Tore. Unsere Jungs scheinen in Torlaune zu sein und stecken auch nicht zurück, wenn das Ergebnis in den zweistelligen Bereich geht. Tore, Tore, Tore. Das ist das, was wir nächste Woche Sonntag für unsere Truppe auch in Wiedenbrück sehen wollen. Und egal, welcher unserer Helden die Bude macht – sie ist wichtig. Wie in einem früheren Beitrag beschrieben denke ich, dass wir gerade offensiv sehr, sehr stark aufgestellt sind. Und: Wer fünf Tore schießt, darf  auch mal vier kassieren. 🙂

Auch neben dem Platz scheint es zu stimmen, zumindest, wenn man den diversen Interviews in der Presse glauben darf. Wächst da womöglich etwas zusammen, was uns Freude bereiten kann?

Andererseits bieten solche Ergebnisse auch immer das Risiko, zu große Hoffnungen zu produzieren. Wie viele Teams haben in der Vergangenheit schon die komplette Vorbereitung gewonnen, in der Liga dann aber „verkackt“?

Was also bleibt aus der Vorbereitung? Wir müssen es schaffen, diesen Torhunger, das Teamgefühl und das generierte Selbstvertrauen mit in die Saison zu nehmen und nach Möglichkeit die kommenden 34 Ligaspieltage aufrecht zu halten. Und wenn es damit mal nicht klappt, müssen wir alle, die Fans, die diesen Verein atmen, selbigem wieder den richtigen Impuls geben.

Bis dahin bleibt zu hoffen, dass sich im Soukou-Ablösematch nicht noch jemand entscheidend verletzt.

LASST UNS ALLE
– Mannschaft, Fans und „Team hinter dem Team“ –
DIE LIGA ROCKEN!

NUR DER RWE!

P.S.: Falls ihr es noch nicht getan habt, lest Uwe Strootmanns Buch „111 Gründe, Rot-Weiss Essen zu lieben„! Es lohnt sich!

Kleine Transferanalyse.

Die EM ist vorbei, Zeit, sich den wichtigen Dingen des Lebens zu widmen.

Fangen wir mit den Abgängen an: Mit Leon Binder verlässt jemand die Hafenstraße, der, wenn er denn zum Einsatz kam, immer 100% Leistung gezeigt hat. Manchmal auch ein bisschen zu viel, Stichwort Monstergrätsche an der Eckfahne. Auf jeden Fall ist Leon jemand, der das Zeug gehabt hätte, in Richtung Status einer Legende zu kommen.

Einsatz kann man auch Moritz Fritz gewiss nicht absprechen. Allein schon seine zwei Treffer rechtfertigten im Wuppertal-Spiel seinen Einsatz, im Heimspiel gegen Wegberg rettete er uns vor der Blamage durch den Siegtreffer, gegen Kray erzielte er den Last-Minute-Ausgleich. Für einen Spieler, der oft nur Bankdrücker war (als eigentlicher Kapitän!!!), war er immer voll da, wenn es drauf ankam. Kein Murren, kein Knurren, vorbildlich. Ich bin sicher, wenn nicht die Borussia gerufen hätte, wäre er auch geblieben.

Marvin Studtrucker galt in der letzten Saison noch als einer der Leistungsträger, hat in dieser Saison aber oft nicht gut gespielt. Auch deswegen wird sich der Verein bis zum Schluss Zeit mit einer Erhöhung des in der Winterpause gemachten Angebots gelassen haben, auch wenn der Spieler das naturgemäß anders sieht. Ich denke aber auch, dass es richtig war, ihn nicht um jeden Preis zu halten, zumal wir vorne schon recht gut aufgestellt sind. Sein kurzes Nachtreten überlese ich an dieser Stelle einfach mal.

Für Lucas Arenz gab es wohl in der aktuellen Saison einfach keinen Platz, keine Aussicht auf Spielminuten. Von daher ist die Trennung nach kurzer Ausleihe wohl auch richtig.

Cekic, Thelen, Gulden und Nagel abzugeben dürfte wohl angesichts der mangelnden Einsatzzeiten auch richtig sein.

Kommen wir zu den Zugängen in chronologischer Reihenfolge.

Kamil Bednarski wurde vom regionalen Fachmagazin [sic!] lange vor der Bestätigung als fixer Transfer gemeldet. Seine Daten in der abgelaufenen Saison sprechen eine deutliche Sprache: Pokal inklusive 23 Treffer in 37 Spielen, Platz 2 in der Regio-Torjägerliste, seit Jahren auf konstant  hohem Level. Er sollte wohl früher schon wechseln, das scheiterte aber daran, dass Wiedenbrück die eigene „Lebensversicherung“ nicht gehen lassen wollte. Eine tolle Ergänzung für Platzek/Löning, wobei ich denke, dass die drei sich um zwei Plätze in der Startelf „streiten“ werden.
Tendenz: STAMMSPIELER

Dennis Malura gehörte bei der Kölner Viktoria zum Stamm mit 26 Einsätzen in der Liga (1x nicht im Kader, 7x verletzt in 2 Phasen) und kann auf eine Karriere bis in die 2. Bundesliga zurückgucken. Er bringt mit seinen 32 Jahren die Erfahrung mit, die uns vielleicht in der einen oder anderen Situation hinten drin fehlte. Er dürfte rechts so gut wie gesetzt sein, und mit einer Abwehr mit Huckle – Weber/Windmüller(?) – Zeiger – Malura wird mir zumindest auf dem Papier erst mal nicht bange.
Tendenz: STAMMSPIELER

Leroy Kwadwo hingegen dürfte in die Kategorie „Ergänzungsspieler“ fallen, tendenziell mit wenigen Einsatzzeiten, wenn er auch beim Aufsteiger aus Sprockhövel hinten gesetzt war. In meinen Augen unwahrscheinlich, dass er die „gestandenen“ Leute verdrängen wird.
Tendenz: BANKDRÜCKER

Jan-Steffen Meier von der SG Wattenscheid hat in der abgelaufenen Saison in Liga und Pokal gerade mal zwei Spiele verpasst und wurde in allen anderen Spielen über die volle Distanz eingesetzt. Einsatzzeiten, die eines Torhüters würdig sind. Einsetzbar hauptsächlich im defensiven Mittelfeld, dürfte daher hinter Baier spielen und ihm den Rücken freihalten. Vermutlich mit seinen Daten auch nicht für die Bank geholt und dürfte dank Binders beinahe konkurrenzlos gesetzt sein.
Tendenz: STAMMPLATZ

Beinahe schon als Königstransfer, als des Professoren Meisterstück darf man die Rückkehr von Timo Brauer bezeichnen. Er kann es sein, der die Brücke zwischen Mannschaft und Tribüne aufrecht erhält, der die Fronten zusammenschweißen kann, wenn es mal ein paar Spiele nicht so läuft. Doch das Ganze kann natürlich auch zur Belastung werden. Wenn er seine Auslandserfahrung umsetzen kann, dann wird er sehr, sehr wertvoll für unsere Mannschaft sein. Unwahrscheinlich, dass er sich auf der Bank wiederfinden wird.
Tendenz: STAMMPLATZ

Die „Transfers“ Timo Becker, Nico Lucas, Emre Demircan und Maksimilijan Milovanovic, alle aus der eigenen U19, verbuche ich persönlich ähnlich wie bei Kwadwo.
Tendenz: TRIBÜNE

Potentiell sieht meine Startelf damit wie folgt aus:

Tor: Heimann
Abwehr: Huckle – Windmüller – Zeiger – Malura
Mittelfeld: Meier– Baier – Brauer
Angriff: Bednarski – Platzek – Löning

Von bislang fünf „echten“ Zugängen haben meiner Meinung nach gleich vier das Potential, regelmäßig zum Einsatz zu kommen. Keine schlechte Quote, wie ich finde. Wenn diese vier die Leistungen der Vorsaison abrufen können, könnte es tatsächlich mal eine erfolgreiche Saison (sprich: „oben dranbleiben“) werden.

Spare beizeiten, dann hast du in der Not. Oder: Nochmal für Doofe.

Heute geht’s mal ums Eingemachte Wirtschaftliche. Und nein, das hat nichts mit Bier zu tun.

Michael Welling hat seinen 2017 auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängert. Was ich persönlich richtig gut finde, ruft bei einigen Reaktionen unterhalb der Gürtellinie hervor. Bei Facebook las ich nun auf den Kommentar, Welling müsse bleiben, weil er ja die Finanzen auf Vordermann gebracht habe, mein neues Lieblingszitat:

„Rot-Weiss ist aber ein Fußballverein, keine Bank!“

Ich lese daraus, dass RWE lieber das Geld in Spieler investieren soll, statt Rücklagen zu bilden. Stattdessen soll der Verein vielleicht sogar das Kreditlimit ausschöpfen. Da ich weiß, dass die meisten RWE-Fans wohl keine Kenntnisse der Wirtschaftswissenschaften haben, versuche ich heute, meine rudimentären BWL-Kenntnisse (staatl. gepr. Betriebswirt) in eine auch für die einfachsten Gemüter in Worte zu fassen. Daher bitte ich zu entschuldigen, wenn ich von dort gängigen Modellen und Ausdrücken abweiche.

Stellt euch vor: Ihr habt ein Einkommen, dass sich vielleicht aus einem Gehalt und Kindergeld zusammensetzt. Davon bezahlt ihr das Übliche: Miete, Sprit, Lebensmittel. Aber ihr lebt auf zu großem Fuße, wie man so schön sagt. Ob es jetzt wirklich immer das gute Kobe-Rindfleisch sein muss, oder der Kaffee vom Westhang des Popocatepetl – klar, schmeckt besser, ist von der Qualität her ne ganz andere Liga – ihr könnt es euch aber eigentlich nicht leisten. Daher ist auch das Konto leer und der Dispo an der Schmerzgrenze.

Jetzt ist aber ein guter Freund so nett und schneidet über Nacht das Dach von eurem Auto ab. Einige von euch sagen jetzt: SIEHT GEIL AUS! CABRIOFAHREN IST KEIN VERBRECHEN! Alles richtig, aber teuer wird es trotzdem. Die Polizei stellt euch ein dickes Knöllchen aus, das ihr nicht bezahlen könnt. Dazu legt man euch das Auto still, euer Fahrrad wird euer neuer bester Freund…

Ersetzt man nun die oben genannten Dinge durch ein Pendant aus dem Vereinsumfeld, wird klar, worauf ich hinauswill: Es ist schlicht und ergreifend total wichtig, die Kohle zusammenzuhalten und nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Will sagen: Es ist nie verkehrt, mal ein wenig Zaster beiseite zu legen, für den Fall dass jemand mal wieder zündelt unvorhergesehene Dinge passieren. Klar ist RWE in erster Linie ein Fußballverein, aber um sich personell nach und nach zu verbessern, ist es halt nötig, etwas auf der hohen Kante zu haben, anstatt von der Hand in den Mund zu leben. Zur Ära Wrobel, als selbiger nach einem schlechten Spiel am Zaun Rede und Antwort stand, sollte ein Spieler – ich glaube, es war Nottbeck – geholt werden. Laut Waldi war alles im Grunde schon klar, bis man aufs Gehalt zu sprechen kam und der Spieler die versteckte Kamera hinter dem Angebot vermutete.Mittlerweile kann man sich einen Bednarski und einen Malura holen, die beide mit Sicherheit nicht wenig verdienen. Trotzdem bleibt vermutlich Spielraum, um auch hier bei Bedarf nachzulegen. Und sollte der unwahrscheinliche (weil verschwindend geringe Chance), aber ersehnte Aufstieg gelingen, so steht mit Sicherheit auch wieder die GVE auf der Matte und hält die Hände auf – auch hier ist es besser, jetzt vorzusorgen als dann hektisch einen Geldgeber für zusätzliche Aufwendungen zu finden. (Ja, mir ist klar, dass in Liga 3 auch Mehreinnahmen durch Fernsehgelder und erhöhte Sponsorengelder winken.)

Schon vor der letzten Saison konnte man lesen, RWE ginge „all-in“ und müsse bei Scheitern im Aufstiegsrennen ganz kleine Brötchen backen. Die von Welling eingeleitete wirtschaftliche Konsolidierung sichert dem Verein auf lange Sicht das Fortbestehen und ermöglicht zudem, bei unvorhergesehenen Dingen ganz ruhig agieren zu können. Erneut werden wir die Lizenz ohne großartige Auflagen bekommen, dessen bin ich mir sicher. Und das ist zwar nicht ganz allein, aber zu einem sehr großen Anteil unserem Doc anzurechnen. Ich bin mir sicher, dass auch die Zahlen des Jahresabschlusses für 2015 ganz deutlich in diese Richtung weisen werden.

Ein Ende ist immer auch ein Anfang.

So, das war sie also, die Saison 2015/16 in der Regionalliga West, mit einem gelungenen Abschluss im Niederrhein-Pokalfinale gegen die Typen aus dem Zoo. Mit Ende der Saison möchte ich etwas ganz neues versuchen: Meinen eigenen Blog zum Thema RWE.

Kurz zu mir: Ich bin seit fast 30 Jahren RWE-Fan, seit fast 20 davon gehe ich mehr oder weniger zu den Spielen, bin bei so gut wie jedem Heimspiel dabei und fahre jede Saison zu einer Handvoll Auswärtsspielen. Ich bin kein Teil der sogenannten „aktiven Szene“, gehöre keinem Fanclub an sondern treffe mich mit meinen Leuten einfach an „unserem“ Platz in W3.

Als ersten Beitrag möchte ich versuchen, die Saison mit all ihren „Höhepunkten“ aus meiner Sicht zusammenzufassen. Falls ich einige Dinge nicht mehr korrekt im Hinterkopf habe, bitte ich um Verzeihung. Die Detaildaten habe ich übrigens nachgeguckt. 😉

Die nächsten Einträge werden kürzer, versprochen. Aber hier geht es um einen Rückblick.

Also: Los geht’s!

In der Sommerpause kamen gleich zwölf neue Spieler zu uns, die mehr (Rabihic, Fritz, Heller, Windmüller, Cokkosan) oder weniger bis gar nicht (Gubini, Al Khalaf) zum Einsatz kommen sollten. Mit Tim Hermes und Kai Nakowitsch verließen uns gleich zwei Identifikationsfiguren an die Emscher, und die Abgänge von Dombrowka und vor allem Freiberger ließen große Fragezeichen in den Gesichtern der Fans erscheinen.

Nach der üblichen Vorbereitungsspielserie, die für mich persönlich immer die Aussagekraft eines leeren Blattes Papier hat, starteten wir wie immer voller Hoffnung auf einen positiven Saisonverlauf in die neue Saison. Der erste Gegner, der SC Wiedenbrück, konnte als Dorfverein ja nur abgeschossen werden. In einer eigentlich zähen Partie mit ein paar halbgaren Chancen auf beiden Seiten fielen allerdings die Tore auf der falschen Seite. Innerhalb von 10 Minuten kassierte RWE in der Schlussphase drei Tore (davon zwei von Bednarski, der wohl zur kommenden Saison zu uns wechseln soll, wenn man dem Reviersport glauben darf). Egal. Was soll’s, so einen Ausrutscher hat doch jeder mal. Passiert halt.

Eine knappe Woche später gab es dann die Belohnung für das gewonnene Pokalfinale gegen Oberhausen: DFB-Pokal, Fortuna Düsseldorf schaute vorbei. Eine begeisternde Partie, in der RWE durchaus Siegchancen hatte (inkl. nicht gegebenem Elfer, ich sag nur „Schuh aus dem Strafraum schieben“), wurde dann leider im Elfmeterschießen verloren. (Ich glaube, wir sind auch die einzige Mannschaft, die zwei Jahre in Folge mehr Elfer verschießt als trifft. #England.) Auch hier – kein Beinbruch, der Gegner spielt zwei Ligen höher, die Mannschaft hat toll gekämpft. Robin Heller hat sich in diesem Spiel seinen vorläufigen Stammplatz erkämpft.

Weiter ging’s im Liga-Alltag. SV Rödinghausen. Noch so ein Dorfverein. Auch diese Partie fiel eher nicht unter „Glanzlicht“, es war ein ziemlich ausgeglichenes Spiel. Und wieder mit Rückstand für RWE: Ballverlust im Mittelkreis, und der Rödinghauser schießt aus 35m per „Bogenlampe“ über den zu weit vor dem Kasten stehenden Robin Heller (Heimann wäre vom Hof gejagt worden – nur meine Meinung…). Zum Glück konnte Windmüller kurz nur wenig später den Ausgleich und damit das erste Tor für RWE der noch jungen Saison erzielen.

Es folgte die erste Runde im Niederrhein-Pokal gegen den SV Mülheim 02. Zu diesem Spiel kann ich nichts sagen.

Als nächstes durfte sich der TuS Erndtebrück erstmals (?) an der Hafenstraße vorstellen. Ein Abend, der vielen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte: Von Anfang an wurde nach vorne gespielt und mit zwei Toren von Fritz und Studtrucker eine 2:0 Führung herausgespielt. Ein sehenswertes Eigentor (!) von Huckle brachte kurz Hoffnung für die Erndtebrücker, erneut Studtrucker brachte RWE dann mit 3:1 in Führung. Nach dem Wechsel gab es dann noch 6 (!!!) weitere Tore von Baier (3x, davon ein Elfer), Platzek (2x) und erneut Studtrucker, und wir sind sogar beinahe wütend geworden, als Kevin Grund quasi mit dem Abpfiff das 10:1 verpasste. Das war das, was viele von RWE erwarten: Dominanz von vorne bis hinten, Dorfclubs abschießen! So konnte es weitergehen.

Ging es auch. Ganze 30 Minuten. Im Live-Spiel auf Sport1 bei den Nachbarn aus Wattenscheid war RWE in der ersten halben Stunde feldüberlegen, die Gastgeber trafen dann mit ihrem ersten Schuss und brachten eine unbegreifliche Nervosität ins RWE-Team, dass zu keinem Zeitpunkt wieder zurück zu alter Stärke finden konnte. Verdiente Niederlage, leider.

Gegen den FC Wegberg-Beeck sollte dann am besten wieder ein Erndtebrück-Ergebnis her. RWE schaffte es jedoch (wie später noch häufiger) nicht, sich gegen einen Gegner, der sich im eigenen Sechzehner einigelt, Torchancen zu erspielen. „Angriff“ um „Angriff“ (man beachte die Anführungszeichen) verpuffte wirkungslos. Und doch konnte Fritz uns in der 88. Minute (ich glaube nach einer Ecke) erlösen und das 1:0 erzielen.

Das eigentlich fest eingeplante Auswärtsspiel musste ich kurzfristig doch sausen lassen. Ich weiß noch, dass ich per Whatsapp-Ticker vom Tor hörte und dann nur noch von Velberter Chancen las. Was damals noch niemand ahnte – dieses Spiel sollte für fast 7 Monate der letzte Auswärtssieg sein. Rückblickend gesehen unfassbar.

Auch die Spiele gegen beim 1. FC Köln II (Nachholspiel vom 2. Spieltag, 0:2) bzw. Borussia Mönchengladbach II (1:3) habe ich nur vor dem heimischen Webradio verfolgt. Beide Spiele waren allerdings erinnerungsgemäß auch keine knappen, unverdienten Niederlagen.

An das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf II kann ich mich dagegen noch ziemlich gut erinnern. Wir hatten nach einer anfänglichen Führung kurz vor der Pause den Rückstand erleiden müssen, den wir aber kurz nach der Pause durch den zweiten Treffer von Soukou ausgleichen konnten. Dann hatte Kevin Behrens seinen Auftritt. Er lief alleine auf den Keeper zu und versuchte, frei vor diesem den Ball auf den mitgelaufenen Mitspieler (Soukou?) abzulegen. Dabei spielte er aber viel zu lasch und Düsseldorf konnte klären. Ein eigensinniger Versuch, selbst zu treffen, wäre vielleicht besser gewesen. Auf jeden Fall aber explodierte einer meiner Kumpels neben mir, so dass das ganze Stadion für einen Moment erschrocken inne zu halten schien. „W*chser“ war noch das harmloseste Wort, was da fiel. Ausgerechnet jener Kevin Behrens jedoch traf dann eine runde Viertelstunde vor Schluss zum 3:2-Siegtreffer.

Und dann war sie wieder da: Die verdammte Schluss-Seuche der letzten Minuten, die RWE in den letzten 10 Jahren gefühlt 100 Punkte gekostet hat. Beim SC Verl, den trotz langjähriger, solider Ligenzugehörigkeit trotzdem viele immer noch nicht als gleichwertigen Gegner sehen, erzielte Behrens die Führung eine Viertelstunde vor Schluss, doch in der 90+4. Minute fiel der Ausgleich. Ich weiß noch, wie ich hier geflucht habe…

Auch gegen die geliebte Tante Viktoria aus Köln gingen wir in Führung, auch hier mussten wir in einer engen Partie den Ausgleichstreffer hinnehmen. Tenor nach dem Spiel war allerdings, dass man gegen Viktoria mit einem Punkt noch leben könne.

Es folgte ein weiteres Highlight. An einem schönen Spätsommertag trafen wir im Pokal erneut auf einen durchaus ambitionierten Rivalen aus grauer Vorzeit: KFC Uerdingen. Nach früher Führung durch Zeiger nach einer Ecke und dem Ausgleich ging es in einer Partie mit offenem Visier, in der Kevin Behrens die neue Position des „Defensivstürmers“ definierte (und sein bestes Spiel im RWE-Trikot machte) in die Verlängerung, die durch Tore von Windmüller, Studtrucker und Soukou vielleicht einen Tacken zu hoch zu unseren Gunsten ausfiel. Krass erneut der Unterschied zwischen engagierten Leistungen im Pokal und tristem Gekicke in der Liga…

Nächstes Radio-Match: Sportfreunde Lotte (1:3). Zwischendurch ausgeglichen, zur erhofften, aber nicht erwarteten Überraschung beim seit Jahren konstant oben mitspielenden Club vom Autobahnkreuz hat es nicht gereicht.

Warum ich – trotz Alkoholabstinenz im Stadion – keine Erinnerungen an den Heimsieg gegen Ahlen mehr habe – ich weiß es nicht. Baier und Binder haben die Tore zum 2:0-Sieg erzielt.

Dann gab es Ende Oktober die Partie bei Alemannia Aachen. War diese Begegnung nach der Winterpause der Vorsaison mit 30.000 Zuschauern noch der Anfang vom Ende der Aufstiegsträume unter Fascher, so war es diesmal eine Partie zwischen zwei Teams, die beide den eigenen Erwartungen hinterherliefen. Leider wieder mal mit dem schlechteren Resultat für unser Team: 0:2…

Pokal – Sterkrade-Nord. 6:1 RWE, ’nuff said.

Partien gegen die blauen Nachbarn sind – auch wenn es nur die zweite Mannschaft ist – immer etwas Besonderes für die RWE-Anhängerschaft. So auch beim – in meiner Erinnerung – ungefährdeten 2:0-Sieg in einer hart geführten Partie.

Dann wieder ein TV-Live-Spiel. Diesmal WDR, diesmal in Oberhausen. Da ich wegen einer Schulaufführung meiner Tochter in der Lichtburg nicht rechtzeitig vor dem Empfangsgerät sein konnte, wurde das Handy weggepackt, das Radio im Auto auf sicheres WDR2 eingestellt, der Recorder (Festplatte, nicht VHS) programmiert und dann von der Dame des Hauses ohne mein Zutun zurückgespult, so dass ich quasi mit eigentlichem Anpfiff der zweiten Hälfte erst begann, mir anzusehen, wie RWE zwar ordentlich mitspielte, aber wie so oft in Oberhausen zwei Tore kassierte, eines selbst erzielte und schließlich trotz aller Bemühungen mal wieder ohne Punkte dastand. Ich selbst habe noch NIE!!! ein gutes Spiel von RWE in Oberhausen gesehen. Ich hoffe, das ändert sich bald mal…

Da kam der Pokal mal wieder zur rechten Zeit. Hönnepel-Niedermörmter verzichtete zugunsten einer größeren Besucherzahl und geringerer Schwierigkeiten bei der Organisation auf das eigentliche Heimrecht, RWE bedankte sich mit zwei Treffern von Baier.

Das folgende Spiel gegen den FC Kray stellte dann den Beginn der nächsten unfassbaren Serie dar: 10 Unentschieden in Folge. Nach früher Führung für die Außenseiter von der Buderusstraße durch Yesilova (den RWE in der folgenden Winterpause dann zu sich holte) konnte Fritz kurz vor der Pause ausgleichen. Ansonsten das selbe Bild wie immer – viel Krampf, ein Gegner, der nicht mitspielt, sondern nur verteidigt und viel zu wenige Torchancen.

Die letzte Partie der Hinrunde: BVB, zweite Mannschaft. Es war eine recht gute Partie, in der RWE in der ersten Hälfte durch Platzek in Führung ging, um dann, wie schon in Verl, in der Nachspielzeit doch noch den Ausgleich hinnehmen zu müssen.

Bevor es dann in die verdiente (für die Fans) Winterpause ging, stand noch eine Reise nach Ostwestfalen an, Wiedenbrück, erstes Spiel der Rückrunde. Diesmal schaffte RWE das Kunststück, eine 2:0 Führung in der Nachspielzeit noch zu einem 2:2 werden zu lassen (wieder mal Bednarski)… Es wurde echt Zeit, dass die Pause kam…

Zu diesem Zeitpunkt war der Aufstieg und auch das Ziel, lange oben mit dran zu bleiben, natürlich in weite Ferne gerückt. Mit Abschluss der Hinrunde (bereinigte Tabelle inkl. Nachholspielen) stand RWE zu diesem Zeitpunkt auf Platz 12, 15 Punkte hinter Lotte, einen Punkt vor den Königsblauen, die auf dem ersten Abstiegsplatz standen. Jan Siewert stand lange schon in der Kritik, auch, weil er die späten Gegentore vielleicht verhindern hätte können, wenn er seine Wechselmöglichkeiten in den Schlussminuten noch ausgereizt hätte. Die Mannschaft spielte irgendwo zwischen stark-schwungvoll-dominant und grottenschlecht-ängstlich-verunsichert. Von „Störfaktor“ Behrens hatte man sich „gütlich“ getrennt, Soukou hat seinen Wechsel durch fragwürdige Leistungen erzwungen. In der Winterpause wurde personell nochmal durchgewechselt: Für den eigentlich zumindest als Spieler zum Nachlegen gut geeigneten Grebe und die eher glanzlos gebliebenen Al Khalaf und Olwa-Luta kamen mit Ivan und Löning zwei Spieler, die sich einen Stammplatz erspielen sollten, Osvold blieb bei seinen wenigen Einsätzen eher blass und Pascal Nagel (Tor), Yesilova (verletzt beim Transfer…), Thelen (anyone?), Gulden (Pfeiffersches Drüsenfieber) und Druschky (ebenfalls beim Transfer wohl schon nicht ganz fit) blieben sogar ohne jegliche Spielpraxis.

Nach einer weiteren Runde Testspiele ging es dann mit einem trostlosen Spiel gegen die zweite Mannschaft des „Effzeh“ weiter. 0:0. So lautete dann auch das Ergebnis beim SV Rödinghausen.

Dann der Auftritt des Dustin Sikorski. Bis heute weiß ich nicht, was den Schiedsrichter an diesem Nachmittag geritten hat. Nach frühem Rückstand durch ein Eigentor glich RWE per „den macht er nur einmal“-Schuss (O-Ton Wattenscheider Trainer, wenn der wüsste) von Baier aus und ging knapp 10 Minuten nach dem Seitenwechsel auch in Führung. Es war eines dieser besseren Spiele, in denen der Gegner auch mitspielte und nicht nur das Spiel zerstörte. Wenig später dann ein klares Foul (Stadion-Eindruck) / Schwalbe (Video) an/von Ivan samt gelb-roter Karte. Und dann wieder die Nachspielzeit. Langer Ball von Wattenscheid, deren Stürmer legt sich den Ball in bester Volleyball-Manier vor, so dass er Weber an den Arm springt. Doch statt Freistoß RWE gibt es zum Erstaunen aller Elfmeter für Wattenscheid. Der nächste mittlerweile wichtige Dreier, der sicher geglaubt war – futsch.

Also auf zum FC Wegberg-Beeck. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wegberg ganze 5 Punkte auf dem Konto, was sollte da schief gehen? Auch der Hammer von „den macht er nur einmal“-Baier passte ins Bild. Wie konnte es da passieren, dass RWE auch hier den Faden total verliert und den Ausgleich kassiert, ja, knapp an der Niederlage vorbeischrappt? Waren bisher die „Siewert raus“-Rufe hauptsächlich in digitaler Form in den sozialen Netzwerken zu finden, wurde es nun richtig ungemütlich.

Kleiner Exkurs: Da ich ein Statistik-Fetischist bin, habe ich zu diesem Zeitpunkt verglichen, gegen wen RWE 12. Platz, 28 Punkte) und die Konkurrenz von Dortmund (8. Platz, 32 Punkte) bis einschließlich Erndtebrück (17. Platz, 22 Punkte) noch antreten müsste. Kray und Wegberg habe ich da als Absteiger betrachtet. Meine Prognose lautete, dass wir mit 51 Punkten ganz sicher die Liga halten würden. Allerdings besagte sie auch, dass Jan Siewert wohl eher nicht zu halten sein würde, denn aus den nun folgenden Spielen gegen Gladbach, Düsseldorf, Verl, Viktoria und Lotte sah ich nur 5 von 15 Punkten, was auch so eintraf. Rückblickend gesehen kann man an dieser Stelle wohl sagen, dass – vorausgesetzt natürlich, die Ergebnisse wären die selben gewesen – Siewert noch im Amt wäre, wenn diese Spiele später oder nicht geballt stattgefunden hätten.

Unbenannt

Das Spiel gegen Gladbach musste ich aus – sagen wir mal – verdauungstechnischen Gründen von zu Hause verfolgen. Ich habe mir aber sagen lassen, dass es ein sehr ansehnliches Spiel unseres Teams war, in dem wir leider zwei Führungen verspielt haben, aber auch kurz vor Schluss durch Löning den mehr als verdienten Ausgleich erzielen konnten.

Im Pokal kam es dann zum zweiten von drei Aufeinandertreffen mit dem FC Kray. Nach guter Anfangsphase konnte RWE durch Ivan in Führung gehen, durch Zeiger erhöhen. Nach dem Wechsel kam Kray dann zum Anschluss und hatte auch die Chance zum Ausgleich, bevor Grund durch ein sehenswertes Kontertor den Deckel draufmachte und Ivan selbigen noch festschraubte. Auch hier wieder – vielleicht ein Tor zu hoch, aber wer wird schon kritisch sein.

Warum ich mir das Spiel bei Düsseldorf II dann gegeben habe – ich kann es mir nicht erklären. Fakt ist aber, dass dies eins der schlimmsten Spiele war, die ich je gesehen habe. Beide Mannschaften neutralisierten sich im Mittelfeld, Torchancen gab es auf beiden Seiten nicht, es war kalt, es war still (ich habe zum allerersten Mal gehört, wie der Schiri mit den Spielern redet), kurz: Es war Scheiße. Innerlich war nicht nur ich schon auf dem Rückweg, sondern auch der kurz vorher eingewechselte Studtrucker, der den armen Timo Becker nicht beim Verteidigen unterstützte, Querpass, drin. 0:1. Schnauze voll. Aber: Die Unentschieden-Serie war gebrochen. Endlich. Na ja.

„Es geht doch!“ lautete dann mein Gefühl nach dem Spiel gegen Verl. Wegen eines freien Tickets eines Bekannten auf die „Rahn“ umgezogen, wurde ich Zeuge einer wie ausgewechselt spielenden Rot-Weissen Bande. Das Spiel, vom Boykott der „Aktiven“ samt Sperrung des W2 gekennzeichnet, war im Grunde nie gefährdet, zu dominant der Auftritt unserer Mannschaft, zu harmlos der Gegner, der mit dem 1:0-Endergebnis am Gründonnerstag noch bestens bedient war.

Bedient war ich dann wiederum schon Ostermontag. Hatte ich nach dem letzten Spiel schon von der Auferstehung unserer Mannschaft geträumt, machte uns die Tochter von König Krösus, Viktoria die Erste, dann wiederum einen Strich durch die Rechnung. Ausgerechnet Candan, der im Winter auch in Essen als Transfer gehandelt wurde, dann aber dem Zaster nach Köln folgte, entschied diese Partie eine Viertelstunde vor Schluss, in der RWE sogar seit der 46. Minute in Überzahl spielen durfte.

Das Spiel gegen Lotte war dann die letzte Partie für Siewert. Schneller Rückstand, nach 16 Minuten in Unterzahl, 0:2 zur Pause – da ging nichts mehr. Nach dem Spiel hatte Lotte auf Platz 1 der Liga fast doppelt so viele Punkte wie RWE, die – auch wegen 3 Spielen weniger – auf dem ersten Abstiegsplatz standen. Dem Verein blieb trotz allen Aussagen der vorhergegangenen Wochen nur noch die Option, mit einem neuen Mann an der Seitenlinie noch mal am Ruder zu zerren. Dieser Neue war dann Sven Demandt.

Und dieser führte sich gleich prächtig ein, hatte aber auch Glück, dass der Verband nicht den 2:1-Sieg noch aberkannte, nachdem einige Unverbesserliche meinten, bei 2:0-Führung fürs eigene Team eine Pyroshow abzufackeln, wie es sie lange nicht mehr gegeben hatte. Eine mehr als 20minütige Unterbrechung samt Ansage, beim nächsten Zwischenfall nicht mehr anzupfeifen, und eine spätere dicke Geldstrafe waren die Folge. Ich hoffe, der Verein bekommt das Geld über die Verursacher zurück. Stadionverbot? Zurecht!

Und hatte man gehofft, nun erstmals eine positive Serie starten zu können – man wurde wieder enttäuscht. Der TuS Erndtebrück wahrte zunächst seine wohl letzte Chance auf den Klassenerhalt in diesem Nachholspiel aus Januar (?) und RWE verlor mit 0:1.

So hieß es dann „Wiedergutmachung“ in der Partie gegen die Alemannia. Eine frühe Führung, die eigentlich Sicherheit hätte geben sollen, wurde beinahe wieder verspielt, doch mit 2:1 ging es in die Pause. Nach dem Seitenwechsel dann wieder mehr Schwung und das 3:1. Ein Torwart-Fehler brachte Aachen nochmal ran, Binder kratzte den Ausgleich noch von der Linie, aber am Ende stand ein sehr wichtiger Sieg.

Die Auswärtspartie bei den Meineidlern wird bei mir wohl nur dadurch in Erinnerung bleiben, dass die Sitztribüne eifrig mit Coach „EY, DU BIST AUS DER COACHINGZONE RAUS“-Luginger und Jörg „NICHT PROVOZIEREN LASSEN“-Böhme kommuniziert hat. Beide Teams mit ein paar halbgaren Torchancen, aber unter dem Strich ein gerechtes 0:0.

Nachholspiel gegen Velbert. Zweimalige Führung für RWE, zweimal Ausgleich Velbert. Einer davon mit einem höchst fragwürdigen Elfer, bei dem der Assistent noch „kein Foul“ anzeigt, der Schiri gefühlte 20 Minuten überlegt hat und dann doch gepfiffen hat. Am Ende dann aber Frank Löning nach toller Freistoß-Variante, dessen Knoten nun geplatzt schien, mit dem wichtigen 3:2-Siegtreffer kurz vor Schluss.

Dann kamen wieder unsere Freunde aus Oberhausen. Ein Sieg für uns und der Abstiegskampf wäre Geschichte, weil die anderen Teams auch nicht so richtig die Klasse halten wollten. RWO hatte anscheinend auch keine Lust auf Fußball, und so hätte alles so schön sein können. Wenn, ja wenn wir denn mal eine Torchance erspielt hätten. Am Ende hieß es 0:2, wobei in Oberhausen heute noch gerätselt wird, wie man denn überhaupt ohne eigene Angriffsbemühungen zwei Tore schießen konnte.

Damit war die Ausgangslage klar: Ein Sieg gegen Kray im „Auswärtsspiel zu Hause“ musste her. Ein medienwirksamer Einsatz von RWE-Legende Lippens wurde abgesagt. Die Kölner als direkter Konkurrent um den Klassenerhalt in den letzten Wochen „joot dropp“, BVB II unser letzter Gegner sicherer Liga-Vierter, da rechnete keiner damit, dass am letzten Spieltag ein Sieg für RWE herausspringen würde. Nein, HEUTE musste es sein. Und so ging es auch schwungvoll los, nach gut 20 Minuten macht Frank „Lebensversicherung“ Löning seine Bude. Doch statt Selbstvertrauen war da unten Unsicherheit zu spüren, nervöses Fehlpassfestival auf beiden Seiten. Lag es an den unangekündigten „13 Schweigeminuten für 13 Stadionverbote“ des „Stimmungsblocks“, für den der Verein ja über allem steht? War die Aktion vielleicht ein Eigentor? Aus einer Standardsituation aus dem Halbfeld macht Kray das 1:1, die RWE-Innenverteidigung nicht wach. Mit dem Halbzeitpfiff rot für Kray nach rüdem Foul im Mittelkreis. Da MUSSTE noch was gehen. Doch stattdessen: fast identisch zum Ausgleich ein langer Freistoß von Kray, wieder kommt einer von denen an den Ball und wieder ist er drin. 1:2 – das war’s. Köln mittlerweile nach 0:1 mit 3:1 vorne gegen Wattenscheid. Abstieg. Unfassbar. Flanke Binder – Kopfball Löning – DRIN! JAAAAAAAAA! Ausgleich. Hoffnung! Schnell den Freunden in aller Welt per Whatsapp-Ticker geschickt, Blick zurück aufs Spielfeld, aus dem Hintergrund müsste Platzek schießen, Platzek schießt – TOOOOOOOOOOOOOOOOOR! 3:2! Das klassischste aller Ergebnisse. Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Klassenerhlt.

Völlig entspannt im Vergleich zum Kray-Spiel dann die letzte Partie gegen Borussia Dortmund II, da es für beide Mannschaften um nichts mehr ging. Okay, für RWE galt es, nochmal Selbstvertrauen fürs Pokalfinale zu holen, aber ansonsten stand „nicht verletzen“ wohl im Vordergrund. So gab es bei sommerlichen Temperaturen einen „Last-Minute-Sieg“ für RWE, erneut Löning und Windmüller für den Sieg nach zwischenzeitlichem Ausgleich durch die einzig nennenswerte BVB-Chance.

Was dann aber im Pokalfinale geschehen sollte, hat wohl niemand geahnt. Die Wuppertaler als souveräner, frühzeitig feststehender Aufsteiger angereist beim gerade eben so drin gebliebenen RWE. Doch wer ein knappes, enges Spiel erwartet hatte, hatte sich getäuscht. Von Anfang bis Ende spielte nur eine einzige Mannschaft, und das war die in Rot. Zwar hatte Wuppertal die erste dicke Chance, die nur durch Einsatz von Zeiger zum Kullerball des Wuppertalers wurde, so dass Heimann entschärfen konnte, doch die Tore fielen auf der richtigen Seite. Zunächst noch nicht gegeben wegen angeblichem Abseits (die TV-Bilder sprechen eine andere Sprache), dann „in echt“: Distanzschuss Rabihic, gerade noch so gehalten, und Fritz (der schon als Abgang zu BVB II feststand!) drückt ihn über die Linie. Das 2:0 aus der Kategorie „Tor des Monats“ aus etwa 20m vom Strafraumeck von Leon Binder (der wohl auch gehen soll?) kurz nach dem Seitenwechsel. Dann ein toller Pfostenknaller eines Wuppertalers, da hätte es nochmal eng werden können, wenig später dann aber sorgt wieder Fritz nach Freistoßvariante von Baier/Löning für „Ruhe im Puff“!

Ein versöhnlicher Abschluss nach ziemlich enttäuschender Saison. Jetzt heißt es, die richtigen Schlüsse aus den Fehlern zu ziehen und die kommende Saison von Anfang an so zu spielen, wie die gerade abgelaufene geendet hat.

NUR DER RWE!