Zusammen!

Lieber Jakob Golz,

dieser Blog-Eintrag liegt mir ganz besonders am Herzen.

Vielleicht ist dir der Name Niclas Heimann ein Begriff. Niclas Heimann war mal Keeper bei RWE und hat sich in seinem allerersten Spiel vor heimischer Kulisse, in einem Test gegen Borussia Dortmund den Ball von einem gewissen Pierre-Emerick Aubameyang ungefähr so durch die Nase ziehen lassen, wie es dir heute passiert ist.

So etwas passiert. Wenn der Stürmer beim Schuss geblockt wird, spricht danach niemand mehr darüber. Wenn im Mittelfeld ein Fehlpass gespielt wird, ist das im Normalfall höchstens ein Wert in irgendeiner Statistik. Wenn der Keeper eine falsche Entscheidung trifft, klingelt es eben.

Dir ist heute passiert, was viele schon des Öfteren befürchtet haben, wenn du dich im Dribbeln versucht hast: eine falsche Entscheidung, ein Haken statt ein langer Ball nach Sonstwo und das Ding war drin. Aber so etwas gab es in der Geschichte des Fußballs hunderte Male zuvor, so wird es auch immer mal wieder passieren. Ich bin mir sicher, du wirst daraus deine Lehren ziehen und beim nächsten Mal anders entscheiden.

Zurück zu Niclas Heimann. Was euch unterscheidet: Du hast den Fans bereits gezeigt, was du drauf hast. Hast unseren Kasten mit allen Mitteln verteidigt, musstest dich lange hinter einer anderen Nummer eins einreihen, warst da, als du gebraucht wurdest und bist schlussendlich aufgestiegen in die 3. Liga. Jetzt bist du der Mann zwischen den Pfosten und die Kurve steht hinter dir. Lass dir daher von den Kommentaren im Netz nichts einreden, die jetzt sicher kommen werden. Das ist nicht die Mehrheit.

Kopf hoch! Nur der RWE!

Zum Spiel nur kurz eingeworfen: Die Mannschaftsleistung heute kann eine gute Basis sein. Heute stimmte der Einsatz, die Defensive stand gut, auch vorne wurde ordentlich für Unruhe gesorgt. Jetzt fehlen nur noch die eigenen Treffer, ein bisschen mehr Abgewichsheit vor den Kasten.

Aber was auch immer seit Dienstag verändert und besprochen wurde: Heute bin ich nicht frustriert. Die Zuversicht ist zurück.

Es geht nur zusammen, wie auch in den vergangenen Jahren. Vielleicht muss auch ich noch viel lernen und mehr Vertrauen haben.

Es muss sich etwas ändern – schnell!

Es ist eine Weile her, dass ich einen Blogbeitrag unmittelbar nach einem Spiel verfasst habe, ohne mindestens eine Nacht lang die Eindrücke zu verarbeiten. Heute, nach dem 1:4-Debakel gegen Viktoria Köln, brennt es mir in den Fingern.

Meine liebe Leserschaft, ihr wisst, dass ich ein absoluter Optimist bin, jemand, der immer das Positive sucht. Heute fällt mir das jedoch echt schwer. Ich bitte dennoch darum, den folgenden Text nicht als Verriss, als „Alles-in-Frage-stellen“ zu verstehen. Ich glaube fest daran, dass wir heute nicht drei Tore schlechter als Köln waren, aber wir waren in vielen Dingen zu naiv, zu ausrechenbar.

Dabei fing alles so gut an. Dabrowski hat offenbar den Wunschzettel der Medien genommen und die Mannschaft fleißig verändert: Herze raus, Römling rein. Sponsel für Plechaty, Eisfeld für Tarnat und Harenbrock für eine Doppelspitze Engelmann/Berlinski geopfert. Und unsere Mannschaft zeigte ein engagiertes Spiel und schaffte es in den ersten 20 Minuten, den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten. Eigene Torchancen blieben jedoch Mangelware, ich habe aus dieser Phase lediglich einen Distanzschuss von Eisfeld in Erinnerung, der den Kölner Keeper zum Einsatz zwang. Doch der Einsatz stimmte, Rother und Eisfeld liefen die Lücken im Mittelfeld weitestgehend zu, man stand im Defensivverbund dem Gegner auf den Socken und ließ nicht locker. Bis dahin alles tacko.

Dann jedoch kam aus heiterem Himmel ein kleiner Bruch ins Spiel, vielleicht weil die Kölner sich besser fingen, weil sie viele kleine Fouls zogen und so keinen Spielfluss aufkommen ließen. Plötzlich wurden auch die Pässe unserer Jungs ungenauer, die Ballannahmen… lassen wir das.

Römling spielt einen Traumpass auf einen Kölner, löscht dann aber selbst noch. Soweit, so gut. Dass aber nach dem folgenden Einwurf drei Spieler es nicht schaffen, den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen oder zumindest – wie gegen Elversberg – die Flanke zu unterbinden, darf nicht passieren. So kommt Heber einen Schritt zu spät und es steht 0:1.

Nach dem Tor passierte auf beiden Seiten nicht mehr viel, bis zur Elferszene. Im Stadion war ich sicher, dass Heber ausschließlich den Ball spielt, nach Sichtung der Szene muss ich sagen, dass der Ball das einzige ist, was Heber sicher nicht trifft. Klarer Elfer, Risse lässt sich das mit seiner Routine nicht nehmen.

Gut, denkste, nach dem Wechsel nochmal alles in die Waagschale werfen, vielleicht kommt man nochmal zurück. Pustekuchen. Unmittelbar, bevor Dabrowski Harenbrock und Kefkir bringen will, gibt es Ecke für die Gäste, Bastians verlängert die Kugel ins eigene Netz. Drops gelutscht.

Dass Dabrowski auf die Einwechslung verzichtet, bis der Ball nach dem Wiederanstoß das nächste Mal im Aus ist, ist zumindest erst einmal befremdlich, es mag jedoch Gründe dafür geben. Die beiden kamen dann schließlich für Römling / Umstellung auf Dreierkette bzw. Ennali. Und was soll ich sagen? Kefkir zeigte, dass er dritte Liga kann. Sofort präsent, immer wieder den Ball fordernd, eine ganze Reihe Flanken… Und siehe da, nach einer Kefkir-Hereingabe verlängert Heber den Ball vors Tor und Engelmann drückt ihn mit der Hüfte über die Linie. Zwar reklamiert Köln noch Handspiel, der Treffer zählt dennoch.

Jetzt stellte RWE nochmal um, Bastians blieb vorne, um lange Bälle festzumachen. Dürholtz für Berlinski, Eisfeld (!) runter (!!!) für Loubongo, schließlich noch Herze für Rother. Mit dem Abpfiff dann ein weiterer Konter, wo ich mir denke, dass man so einen Angreifer auch mal stören darf. Aber was weiß ich schon.

Ich bin jedenfalls angefressen. Ist das dieses „verlieren müssen wir lernen“, von dem viele, auch ich, vor der Saison gewarnt haben? Ich hätte nicht gedacht, dass es sich dabei um derartige Ohrfeigen handelt, die wir kassieren.

Aus meiner Sicht haben wir aktuell viele, viele Baustellen. Ich bitte nochmal darum, das Folgende nicht als „Alle raus!“ zu werten. Das gilt insbesondere für den Fall, dass das hier einer der Spieler liest. Der Einsatz war heute sicher nicht das Problem. Aber es sind diese Kleinigkeiten, die sich aufsummieren. Wo fängt man da an?

Unser aktuell meiner Meinung nach größtes Problem: Die Defensive. Mit Sponsel auf rechts waren wir heute weniger anfällig auf dieser Seite, das kann man sicher so lösen. Nach einem Ausflug nach vorne rennt er seinem Gegenspieler vergeblich hinterher, in der Folge muss Rother zum Foul greifen und sich den gelben Karton abholen. Auf links habe ich aber nichts gesehen, was Herzenbruch nicht ebenso gut hätte lösen können. Hatte Römling in Duisburg noch ein paar Szenen, die in Richtung Spieleröffnung positiv in die Waagschale fielen, so war davon heute recht wenig zu sehen. Dennoch ist Römling sicher keine Verschlechterung, auch hier gehe ich mit, dass man das so aufstellen kann.

Bastians mit seinem Kopfball-Eigentor natürlich ein Pechvogel. Er geht aber immerhin voran, was Körpersprache angeht. In der Schlussphase als Passempfänger vorne geparkt, dennoch werde ich den Gedanken nicht los, ob er nicht die bessere Option für die linke Außenverteidigerposition ist, da er zum einen recht gute Flanken schlägt und auf dieser Position auch immer mal gefährlich im Strafraum auftauchen könnte. Alternativen für die Innenverteidigung sind mit Herzenbruch und Rios Alonso jedenfalls vorhanden.

Leider müssen wir an dieser Stelle aber dann auch über Heber sprechen. Schon gegen Elversberg, da mit einer gelben Karte im Nacken, war er nicht der zuverlässige Innenverteidiger, wie wir ihn in der Regio erleben durften. Heute hat er mindestens bei zwei Treffern einen Anteil. Beim 0:1 ist er einen Schritt zu langsam, der Elfer geht auf seine Kappe. Dazu kommen immer wieder über die Schnittstelle Heber/Außenverteidiger die Anspiele in den Sechzehner an, die auch heute wieder mehrfach für Gefahr vor dem eigenen Kasten gesorgt haben. Vielleicht ist auch hier mal eine Pause hilfreich. Ich hatte heute den Eindruck, dass er auf die Pässe erst reagiert, anstatt sie vorherzusehen.

In der Zentrale waren Eisfeld und Rother weitestgehend solide, letzterer dabei aber eher unauffällig. Rother musste wie erwähnt Gelb ziehen, weil Sponsel sich vorne verzettelt hatte und ihm der Gegenspieler davonzueilen drohte, Eisfeld mit Gelb nach einer (ohne TV-Bilder) zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidung. Dennoch sind auch die beiden aufgeschmissen, wenn die von ihnen eroberten Bälle von den Mitspielern, in dem Fall meist Ennali und Young, unmittelbar wieder verloren gehen. Überhaupt: Young heute total indisponiert, scheint in der Liga noch verstehen zu müssen, dass er nicht durch drei Gegenspieler einfach durchlaufen kann. Ennali kann für sich vielleicht noch reklamieren, dass er mehrfach im 1-gegen-1 gescheitert ist, aber „nach hinten“ hat er auch keinen Ball wirklich gut angenommen und verteilt. Hier frage ich mich, warum der Trainer nicht früher auf Kefkir setzt, der Eindruck eines „Trainer-Bonus“ für Ennali macht sich bei mir etwas breit. Spätestens zur Pause wäre der Ötzi meines Erachtens die bessere Option gewesen, vielleicht eher für Young als für Ennali. Und insgesamt möchte ich Kefkir ab sofort in der Startelf sehen. Sein Einsatz war vorbildlich und über seine Seite strahlte sofort so etwas wie Gefahr aus.

Die Standards: Zuletzt in der Regio eine Waffe, heute unterirdisch. Zur Halbzeit 6:0 Ecken. Davon eine über Hüfthöhe. Das geht so nicht, nicht auf diesem Niveau. Auch die Freistöße aus dem Halbfeld müssen einfach in den gefährlichen Bereich und nicht in bester Holger-Karp-Manier auf den erstbesten Gegenspieler. Auch hier könnte die Antwort lauten: Kefkir. Aber auch Eisfeld kann das eigentlich besser.

Kommen wir zum Sturm. Nach dem Engelmann-Treffer in Duisburg, der das Unentschieden einleitete, setzte Dabrowski heute auf ihn im Zusammenspiel mit Berlinski. So leid es mir tut, dieses Experiment muss als gescheitert gewertet werden. Mir ist nicht klar, ob Engelmann hinter Berlinski die Bälle (welche eigentlich) verlängern sollte, ob beide in die Box als Ziele für Young und Ennali gehen sollten oder wie der Plan dahinter war. Beide zusammen sind für mich eher ein Ansatz für die Brechstangen-Phase. Berlinski, der nach Abpfiff sichtlich gerührt kaum fassen konnte, dass die Mannschaft noch Applaus bekam, lebt sicher von seiner Einsatzfreude, die vom Publikum in Essen IMMER honoriert wird. Aber das ist insgesamt eher brotlose Kunst. Der rennt sich die Lunge aus dem Leib, aber mit Effizienz hat das nicht viel zu tun, weil von fünfmal Anlaufen der Keeper den Ball einmal ins Aus drischt und sonst nur müde lächelt. Und überhaupt: Wenn beide spielen, wie will man in der Zentrale nochmal nachlegen? Zudem nimmt man der Mannschaft mit der Doppelspitze + Zange Ennali/Young eine Kreativ-Stelle der Marke Harenbrock.

Mit Ennali, Young, Engelmann und Berlinski hatten wir vorne vier Spieler in der Offensive. Da darf man sicher mehr erwarten als eine Handvoll halbgarer Torchancen. Die Fehler in der Defensive müssen abgestellt werden, und das nicht erst in ein paar Wochen. Hier ist vor allem der Trainer gefragt, der jetzt schon vom „Schalter umlegen“ spricht. Wenn der Bock umgestoßen werden soll, sollten alle Alarmglocken angehen. Nein, aus den drei kommenden Partien braucht Dabrowski mindestens 5 Punkte, sonst wird die Luft für ihn dünner und die vereinzelten Stimmen, die ihn schon jetzt in Frage stellen, deutlich mehr werden. Auch das Transferfenster ist noch offen, vielleicht findet sich ja noch der eine oder andere gestandene Mann, wobei dann vermutlich auch noch der eine oder andere Aufstiegsheld uns verlassen müsste.

Von den „alten Hasen“ erwarte ich, dass sie jetzt voran gehen. Bastians, Eisfeld, Rother und Kefkir, so er denn spielt, müssen die Mannschaft mitreißen. Sie haben die nötige Erfahrung für die Liga und müssen den „Frischlingen“ Feuer unter dem Hintern machen. Und auch hier muss doch ein Trainer erkennen, dass diese Figuren weder erst in der Schlussphase aufs Feld gehören, noch dass sie als erste raus müssen. Harenbrock, Tarnat und wie sie alle heißen – sie alle können was am Ball. Aber sie brauchen Spieler, an denen sie sich orientieren können, Leute, die sagen, wo es langgeht. Die auch mal deutliche Worte finden, wenn etwas nicht klappt.

Noch hat die Mannschaft Kredit bei den Fans, das bleibt sicher aber nicht ewig so. Wir sind aktuell die Schießbude der Liga, und wenn man genau hinhört, kann man hören, wie man sich in Münster, Oberhausen und Wuppertal über uns kaputtlacht. Ich mag nicht daran glauben, dass diese Mannschaft, die uns in weiten Teilen in der letzten Saison Freude bereitet hat, nicht die Qualität für die 3. Liga hat.

Nochmal: Wir waren heute nicht drei Tore schlechter. Ohne den Elfer, den man hätte vermeiden können, ohne das unglückliche Eigentor haben wir einen komplett anderen Spielverlauf und sind in meinen Augen sogar ebenbürtig. Aber wir dürfen uns solche Fehler eben nicht erlauben.

Es muss sich was ändern! Schnell! Bis Samstag!