Kleine Farbenlehre

„An Gründonnerstag treffen die Blauen auf Rot-Weiss Essen“, so kündigte Stadionsprecher-Legende Walter Ruege das gestrige Spiel gegen den nördlichen Nachbarn an. Ich nehme es vorweg: Obwohl wir ins Schwarze getroffen und gewonnen haben, war es trotzdem nicht das Gelbe vom Ei. Auch nicht mit rosaroter Brille. 

Nach kurzem Abtasten in den ersten fünf Minuten kam RWE besser ins Spiel und dominierte die ersten gut 20 Minuten. Königsblau kam kaum in Ballbesitz, und wenn doch, eroberte ein Essener Fuß selbigen umgehend zurück. Nach etwa 20 Minuten dann aber doch ein seltsamer Bruch im Spiel, die Gäste wurden frecher und kamen zu ersten eigenen Chancen, die aber ebenso ungefährlich verpufften wie die unseren. 
Drei Szenen waren vor der Pause noch nennenswert: erst wird Cokkosan in einer Kontersituation zentral steil geschickt, „vergisst“ aber in der 3 gegen 3 Situation kurz hinter der Mittellinie den Ball, später lässt sich Heller bei einem Rückpass so viel Zeit, dass sein Abschlag geblockt wird. Der Stürmer behielt hier zum Glück nicht die Nerven und traf nur das Außennetz. Die kurioseste Szene aber nach gut 30 Minuten: ein hoher Rückpass senkt sich gefährlich Richtung Torwinkel, so dass der Gästekeeper ihn lieber fängt – indirekter Freistoß aus 5m! Mir persönlich war die Ausführung zu unkreativ. Brauer tippte für Bednarski an, dessen Schuss aber geblockt wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass sich vielleicht ein Roter zwischen die Verteidiger gestellt hätte oder mehrere Schützen gleichzeitig angelaufen wären (z.B. für eine Vorlage per Hacke), um das Verteidigen zu erschweren. Auch zurücklegen wäre möglicherweise besser gewesen, um die vielbeinige Abwehr final zu überwinden. So aber ging es mit 0:0 in die Pause. 

Nach dem Seitenwechsel plätscherte das Spiel zunächst weiter vor sich hin, bis am Elfmeterpunkt ein Blauer den Ball zunächst in aller Seelenruhe annehmen konnte, aus der Drehung dann aber an einem tollen Reflex von Heller scheiterte. Im Gegenzug lief der zur Pause für Cokkosan eingewechselte Malura seinem Gegenspieler davon und flankte. Der Ball war deutlich zu hoch, doch Bednarski erlief ihn, setzte sich durch und spielte von der Grundlinie auf Ngankam, dessen Kopfball gehalten wurde. Den Abpraller drückte Fußballgott Platzek zur ein wenig glücklichen Führung über die Linie. 

Ab diesem Zeitpunkt lief es bei Rot-Weiss zunächst besser, plötzlich hatte der Gast Mühe, an den Ball zu kommen. In dieser Phase kann man RWE nur vorwerfen, keine weiteren Chancen herausgespielt zu haben. Daher war es extrem unnötig, dass Königsblau die letzte Viertelstunde wieder zu Chancen kam und das Zittern um den ersten Heimsieg 2017 wieder beginnen musste. In der Schlussminute stockte dann vielen Zuschauern der Atem, als Heller eine Flanke durch die Hände glitt, er den Nachschuss aber wieder prima parierte. Wenig später war dann Schluss, ein wenig Jubel hier, Applaus dort, doch die große Fröhlichkeit blieb aus, wie auch die Stimmung das ganze Spiel über eher auf Stufe „mau“ blieb. 

Man hat gestern gemerkt, wie wichtig Baier für das Team ist. Im Mittelfeld arbeiteten Brauer und Lucas zwar solide, aber es fehlte doch die ordnende Hand, jemand, der mal eine Grätsche auspackt, um die Mannschaft zu wecken. Heller muss dringend seine Aussetzer abstellen, auch wenn es gestern noch mal gut gegangen ist. Philipp Zeiger sollte mal Jogi Löw kontaktieren, falls Hummels längerfristig ausfällt – das war wieder Verteidigen auf höchstem Niveau. Trotzdem frage ich mich, warum wir unsere auf dem Papier vorhandene Offensivkraft nicht auf den Platz bekommen. 

Am Ende zählt jedoch nur das Ergebnis, und da haben wir endlich mal wieder die Nase vorn. Und wie heißt es so schön? Lieber viermal 1:0 als einmal 4:0.

Nur der RWE!

Mannmannmann…

Freitag Abend, trocken, Champions League, Flutlicht, voller Gästeblock! 

Beste Voraussetzungen also für einen guten Start ins Wochenende. Nach dem grandiosen Einzug ins Pokalfinale ging es gut gelaunt ins heimische Stadion, wo heute die Aachener Alemannia ihre Visitenkarte abgeben sollte (diese Formulierung wollte ich schon immer mal benutzen).

Die erste Hälfte war wie so oft ein Abnutzungskrieg, man neutralisierte sich im Mittelfeld weitestgehend. Platzek hatte die einzig nennenswerte Chance in Hälfte eins, schoss aber aus gut 16m knapp drüber. 

Nichtsdestotrotz hatte das Team unseres Herzens ganz leichte Feldvorteile, auf den Rängen hatte die Alemannia in der ersten Viertelstunde das sagen, dann kam auch die West langsam in Stimmung. 

RWE kam mit viel Schwung aus der Kabine und versuchte, die Aachener Halbprofis hinten einzuschnüren. Doch wie so oft, kaum denkt man, es könnte was gehen, trifft der Gegner. Im Mittelfeld wird nur halbherzig angegriffen, zwei mal steil gespielt, Schuss gehalten, aber von einer Essener Wade vor die Füße von Gödde – den hätte meine Omma auch gemacht. 

Direkt nach dem Anstoß: Ngankam wird steil geschickt, der Schuss zur Ecke geklärt. Diese wird ebenfalls abgewehrt, der Ball kommt zu Baier, der wieder viel Zeit hat, guckt und die Kugel über den Keeper ins Aachener Netz befördert. 1:1 – Déjà-Vu. Dies waren dann die gefühlt einzigen 30 Sekunden, in denen im Gästeblock Stille herrschte. 

RWE wollte nun die Entscheidung, man merkte jedoch auch, dass der Dienstag viel Kraft gekostet hat. Je näher der Abpfiff rückte, desto mehr freundete ich mich mit dem drölften Unentschieden der Saison an. Ich hätte es besser wissen sollen. 

85. Minute, langer Pass auf einen Aachener, der im 16er ungeschickt angegangen wird und fällt. Elfmeter Aachen, ausgerechnet Propheter. 1:2. Danach noch wildes Anrennen, zwei Aachener Konter, aber nichts Nennenswertes mehr. 

Ich mag mich darüber irgendwie trotzdem nicht aufregen. Die Saison ist durch, ich hoffe nur, dass die Zebras die Kanalratten besiegen und uns vorzeitig in den echten Pokal bringen. Das einzige, was mich heute richtig genervt hat, war die Aachener 8. Springt über eine Grätsche von Lucas, wälzt sich aber am Boden, als ob man ihm beide Beine gebrochen hätte. Ein paar Minuten später gewinnt Meier ein Laufduell gegen ihn auf absolut faire (!) Art, der Spinner hält sich das Gesicht. Fair Play geht anders, ein herrliches Plädoyer für den von Hecking geforderten Ehrenkodex. 

Bester Mann heute wieder Gandalf Zeiger, an dem seit Wochen kein Vorbeikommen ist. Heimann im Kasten bei beiden Toren machtlos und bis auf diese ätzenden Abstöße ins Aus auch mit solider Leistung. 

Die Atmosphäre heute sensationell, daran hatten beide Lager ihren Anteil. Wie immer also in der Champions League. Mehr als 10.000 Zuschauer vor Ort – die nächsten 8 Saisons damit finanziell gesichert – was will man mehr. 

Nächste Woche geht es gegen die kleine Borussia aus Dortmund. Ich finde es äußerst skurril, dass ausgerechnet wir einen weiteren Big Point für unsere spezielle Freundin Viktoria beisteuern könnten. Eigentlich ist so langsam mal wieder ein Sieg fällig. 

Bis dahin schau ich mir noch mal die Zusammenfassung von Dienstag an. Das Wochenende lasse ich mir nicht vermiesen.

An dieser Stelle möchte ich auch ausdrücklich nochmal auf den hervorragenden offenen Brief von Doc Welling hinweisen. Wer in meinem Beitrag Anspielungen auf Herrn Koch findet, darf sie behalten. 

Nur der RWE!

Der Moment, wenn der Ball im gegnerischen Kasten einschlägt. 

Darum liebe ich den Fußball mit all seinen Emotionen. Und genauso liebe ich für solche Spiele unseren Verein. Wuppertal – Essen. Für die einen das Spiel der Spiele, dass im Vorfeld mit Hassparolen, bunten Plakaten und allerhand Verzierungen entlang der S9 angeheizt wurde, für die anderen die große Chance, eine mal wieder verkorkste Saison vielleicht zu einem kleinen Happy End zu bringen.

Der ganze Abend ging dabei total ätzend los: geschlagene 75 Minuten am Einlass, Polizei und Andrang sei Dank. Den Anpfiff erlebte ich unten an der Treppe zur Stehtribüne, aber in den wenigen Sekunden habe ich wohl nichts verpasst.

Die erste Hälfte war mal wieder das, was man „taktisch umkämpft“ nennt. Die Gastgeber versuchten es schwungvoll, Rot-Weiss schien mehr mit dem Platz zu kämpfen als mit dem Gegner. Echte Chancen gab es daher auf beiden Seiten nicht. Nach vorne ging es bei uns zu selten präzise genug, hinten sorgte Zeiger mal wieder für Ordnung und kochte den Wuppertaler Wuschelkopf (keine Ahnung, wie der hieß) immer wieder aufs Neue ab. Wichtigste Szene daher leider, als sich Malura bei einer Klärungsaktion wohl das Knie verdrehte. Der Betreuer signalisierte zunächst „Auswechslung“, wenig später kam Malura zunächst humpelnd und beeinträchtigt wieder aufs Feld. Er hielt die komplette Partie über durch, Chapeau! Das nenne ich Einsatz!

Mit 0:0 ging es in die Kabine. Mein Eindruck bis dahin war, dass wir dieses Spiel höchstens mit einem Tor aus dem Nichts gewinnen könnten, zu verfahren das Spiel nach vorne.

Halbzeit zwei dann relativ schnell mit einem bösen Dämpfer: erst wird der Ball nicht ordentlich geklärt, ein Wuppertaler zieht von halblinks ab – rechter Pfosten. Auf der rechten Seite kommt ein Wuppertaler an den Ball und kann sich die Ecke aussuchen – 0:1!

Das war’s! Wie sollten wir da nochmal zurück ins Spiel kommen? So: Bednarski setzt sich gegen zwei Mann durch, spielt zurück auf Platzek, der nochmal auf Baier. Dieser hat die Nerven, sich den Ball noch zurechtzulegen und dann aus 10m dem Keeper durch die Beine zu schießen! Stille auf den Heimtribünen, Ekstase bei den RWE-Anhängern.

Wenig später: Ngankam kommt mal mit Schwung über rechts, lässt zwei Verteidiger stehen und schickt Platzek, der den Ball von der Grundlinie auf den langen Pfosten bringt, wo Brauer ihn über die Linie nickt – Führung. Als dann Platzek im 16er fällt, der Pfiff aber ausblieb, reagierte Ngankam als Erster und legte ab in die Mitte, wo wieder Baier aus 18m den Ball in die Maschen jagt – 3:1, beruhigende Führung!

Die Chance zum 4:1 war auch noch ein paar Mal da, aber es kann ja nicht jeder Ball reingehen. Bis zum 3:1 war auf beiden Seiten jeder Schuss aufs Tor drin.

Doch RWE wäre nicht RWE, wenn es nicht nochmal spannend würde: Ngankam blieb im 16er liegen, die Essener bitten darum, den Ball ins Aus zu spielen. Als sie merken, dass dies wohl nicht passieren würde, läuft der Stürmer bereits an allen vorbei, in der Mitte einer seiner Kollegen, nur noch 3:2.

Unser Trainer brachte mit Meier und Weber nochmal Personal für die Defensive und könnte damit die große Gefahr verhindern. Zwei Minuten vor Schluss dann nochmal eine dicke Chance für Platzek, der den Ball aus der Drehung an die Latte schoss.

In der Nachspielzeit fand dann das große Zittern ein Ende: am eigenen 16er wird Malura umgemäht, Gelb-Rot für den Wuppertaler, Abpfiff!

Das war heute ein Erfolg der Mannschaft auf und neben dem Platz. Wo es in der ersten Halbzeit gehakt hat, wurde in der zweiten Halbzeit um jeden Ball gekämpft. Baier, Brauer und Platzek mit einem immensen Laufpensum. Zeiger hat wohl keinen einzigen Zweikampf verloren. Becker nach seiner Einwechslung ebenfalls stark und mit guten Aktionen nach vorne. Endlich wurde am Ende mal dreckig hinten rausgepöhlt, abgewichst Zeit geschunden, wie man es sonst nur von den Gegnern kennt und das Ergebnis über die Zeit gebracht.

Natürlich war heute nicht alles Gold, was glänzt. Verdient war der Sieg aber allemal.

Die Pyroshow zu Beginn der zweiten Halbzeit wird uns wohl nun das angedrohte Geisterspiel bringen. Meine Meinung zu diesem Thema sollte bekannt sein.

Die meisten Rot-Weissen dürften jetzt am 02. Mai den Zebras die Daumen drücken, die den erhofften Aufstieg vermutlich schaffen werden. Ich persönlich gönne ihnen Platz 4 – nach einem Sieg an der Emscher natürlich.

Diesen Blog habe ich zu etwa 90% am Bahnhof Sonnborn geschrieben, wo ich erneut 45 Minuten warten musste. Mit der Pünktlichkeit hat man es nicht so im Tal. Aber egal:

Wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus, wir fahr’n nach Haus und ihr bleibt hier…

NUR DER RWE!