Zu hoch…

Das war sie also. Die erste Niederlage der Saison. Es war natürlich nicht zu erwarten, dass wir ungeschlagen durch die Saison gehen, doch dieses Spiel heute war einfach bitter.

Bei der Suche nach einem Titel für den Beitrag fiel die Entscheidung für obige Variante ziemlich schnell. Es war einfach alles zu hoch.

Als allererstes natürlich das Ergebnis, das mit 0:4 erst mal nach nem Hammer klingt. Für mich war das eigentlich kein schlechtes Spiel unserer Mannschaft. Es wurden Chancen erarbeitet, die mal zu verhastet vergeben, mal einfach auch leider vom Kölner Keeper gut gehalten wurden. Es wurde gelaufen, gegrätscht, um jeden Ball gefightet, trotzdem klingelte es hinten vier Mal. Nach einer Ecke (wir waren alle nicht sicher, ob der Ball direkt reingegangen ist). Nach einer Doppelchance zu Beginn der 2. Hälfte, als Grund und Platzek den Ausgleich auf dem Schlappen hatten, gab es den Doppelpack per Konter als Antwort, runde 20 Minuten vor Schluss schlug der Ball an den Kölner Pfosten, der Befreiungsschlag entwickelte sich zu einem Steilpass. Der aufgerückte Heimann hatte die Situation eigentlich ganz gut gelöst und seiner Abwehr die nötige Zeit zum Aufrücken erkämpft. Leider war selbige nicht „auf der Höhe“ (da war es wieder).

Zu hoch dann leider auch der Fuß von Philipp Zeiger, der bei einem Klärungsversuch auf eigener Kopfhöhe einen Kölner übersah und selbigem seinen Stempel in Form seiner Stollen ins Gesicht drückte. Leider eine klare rote Karte, auch wenn Zeiger seinen Gegenspieler offenbar übersehen hatte und sich sofort entschuldigte. Es bleibt zu hoffen, dass das Strafmaß nicht zu hoch ausfällt. Ich vermute, dass wir 3-4 Wochen auf unseren Verteidiger verzichten müssen.

Zu hoch dann leider das Niveau der Viktoria, um noch irgendetwas zu reißen. Es wurde die Zeit heruntergespielt ohne wirkliche Ambitionen, weitere Treffer nachzulegen, unsere Mannschaft, weiterhin bemüht, aber glücklos, versuchte es dennoch weiter, ohne Chancen zu bekommen.

Die wichtigsten Szenen ereigneten sich in dieser Phase aber auf den Tribünen. Trotz einiger, die das rot-weisse Schiff jetzt schon wieder sinken sehen, stimmte man dort „wir halten zusammen“ und „das kann doch einen Ess’ner nich erschüttern“ an. Ein wichtiges Zeichen, gerade im Hinblick auf die schwierige Pokalaufgabe kommende Woche und die Liga spiele gegen Gladbach und Dortmund. Das, und hier schließt sich der Kreis, ist zwar vielleicht einigen Zuschauern zu hoch, aber das ist – besonders im Sinne von ZUsammen HOCH 3 – die einzige richtige Antwort.

Punkteteilung 

Ich schreibe diese Zeilen aus dem Sonderzug auf dem Heimweg ins geliebte Essen, also noch frisch unter dem Eindruck des gerade Erlebten.

Vor dem Spiel war es endlich wieder da, dieses Gefühl eines Auswärtsspiels, hoffnungsvoll, aber auch ein wenig angespannt. Das Schlimmste heute wäre wohl gewesen, den Zoonachbarn beim Jubeln zusehen zu müssen.

Es war heute wohl eher das, was man „taktisch geprägt“ nennt. Viel Abtasten auf beiden Seiten, Nervosität vor allem in der rot-weissen Abwehr und zum Glück einer Menge Unvermögen beim Wuppertaler Sturm. Beide Teams konnten jeweils eine Halbzeit für sich entscheiden, ohne zu den ganz großen Chancen zu kommen. Lediglich einmal, in der Nachspielzeit, gelang es einem Essener, den Ball über die Linie zu drücken, doch der Schiri pfiff (objektiv vermutlich zurecht, subjektiv natürlich aus völlig unerfindlichen Gründen) Abseits. Das wäre ein schöner Abschluss geworden.

Ein wenig Leid tat mir heute unser Capo, der 90 Minuten die träge wirkemde Kurve zum Mitmachen zu bewegen. Erst als die Chancen zwingender wurden, kam so etwas wie Derbystimmung auf.

Unter dem Strich steht heute eine gerechte Punkteteilung, doch da keines der anderen Teams, die vor dem Spieltag 6 Punkte hatten, gewinnen konnte, wirkt das Unentschieden mit dem damit verbundenen punktgleichen zweiten Tabellenplatz wie eine Wund- und Heilsalbe auf diese kleine Schürfwunde in unserer noch immer niederlagenfreien Saison.

Nun also geht es nach einem langen Arbeitstag mit angehängtem Auswärtsspiel nach Hause, im Gedanken schon beim kommenden Gegner, dem FC Wunderlich Köln.

Ein guter Freund hat es derweil mit seinem konfiszierten Nasenspray ins örtliche Fußballfachblättchen geschafft und genießt ab sofort im Freundeskreis eine Art Heldenstatus. Prost, Schmidt!

Geschichte wird geschrieben…

So, wieder daheim vor dem heimischen Rechner, das Spiel gegen den Bonner SC hinter uns. Und in der Tat haben wir heute einen quasi historischen Sieg errungen: Zuletzt gelangen und 2 Siege zum Saisonstart gemäß http://www.fussballdaten.de in der Saison 2008/2009 (4:1 in Lotte, 4:0 gegen die kleinen Blauen). Damals folgte noch ein Sieg gegen Lautern II, ob es eine Saison mit vier Siegen gab, gucke ich nach, wenn es in Reichweite kommt…

Der heutige Sieg war eher einer der Sorte „schmutzig“. Zwar hatte RWE die Partie in der ersten Halbzeit absolut im Griff und auch deutlich mehr, deutlich bessere Chancen als die Ex-Hauptstädter, doch ein Moment des kollektiven Tiefschlafs nach einer eigenen Ecke (oder war es ein Freistoß?) genügten, um sich den Rückstand nach einem schnellem Konter mit sehenswerten Lupfer einzufangen. Niclas Heimann dabei den Großteil der Schuld zu geben ginge mir jedoch zu weit, schließlich durfte Bonn die komplette RWE-Abwehr (die ansonsten nichts anbrennen ließ) um- und schwindlig spielen. Ein Foul wäre vielleicht eine praktikable Lösung gewesen, zumal der Schiedsrichter offensichtlich die Karten in der Kabine vergessen zu haben schien. Die durchaus robuste Spielweise der Bonner hätte man meines Erachtens nach viel früher mit gelb bedenken dürfen.

Interessant in dieser Phase zu beobachten, wie schnell die Stimmung von euphorisch-begeistert („Bor, die können ja richtig geil spielen…“) auf genervt-aggressiv („Du Penner, du kannst ja gar nix!“) umschlug. Die tolle Vorbereitung, der erste Sieg in der Vorwoche – alles vergessen, direkt war Zynismus und Sarkasmus beinahe allerortens zu hören. Phantastisch allerdings das Verhalten der neu formierten Gemeinschaft „Westkurve“, die nach kurzer Schockstarre wieder zu Anfeuerung überging.

Bis zur Pause hätten Löning und Platzek dann noch vier oder fünf Mal netzen können, aber der Bonner Keeper hatte irgendwie etwas dagegen, und so ging es mit 0:1 in die trotzdem verdiente Pause.

In der zweiten Halbzeit bot sich dann ein ganz anderes Spiel. Wo Bonn vorher noch auf frühen Ballgewinn und eigenen Druck aus war, gab es jetzt nur noch klassischen Beton. Zehn Mann hinten rein, einer an der Mittellinie. Spätestens als Huckle wüst am Strafraumeck aus vollem Lauf weggegrätscht wurde, hätte es eigentlich gelb geben müssen, aber auch hier verzichtete der Schiri, der sich nie wirklich den Respekt der Spieler erarbeitet hat, auf das Zeigen der Pappe.

Diese sollte dann aber wenig später zum Einsatz kommen, als Platzek hochstieg, um eine Flanke per Kopf im Tor zu versenken, dabei aber von hinten umgestoßen wurde – Elfmeter und Gelb!

Historische Ereignisse, Teil 2: Wir haben mal wieder einen Elfmeter versenkt – Ausgleich. Baier oben rechts, hart geschossen, nix zu halten! Da war es wieder, das Gefühl, dass uns so schnell niemand aufhält, dass wir auf alle Situationen eine Antwort haben. Vergessen waren Schimpf und Schande der vergangenen Minuten, jetzt wollten alle mehr, jetzt wollten alle den Sieg.

Als sich Marcel Platzek schließlich kurz vor Schluss den Ball griff und sich energisch durchsetzte, das Ganze dann mit einem 15m-Knaller ins Tor vollendete, fiel wohl allen Essenern im Stadion ein dicker Felsbrocken vom Herzen. Die restlichen gut 10 Minuten inkl. Nachspielzeit wurden dann mit dem garniert, was letzte Saison von vielen noch vermisst wurde – defensive Wechsel, um Zeit von der Uhr zu nehmen und hinten abzusichern. Mit Ball in aussichtslosen Situationen lieber in die Ecke, Ball abschirmen, statt mit dem Kopf gegen (nicht durch!) die Wand zu rennen.

Ein Konter in der Nachspielzeit führte noch zu Rot gegen den Bonner Verteidiger, der in meinen Augen eher versehentlich Rabihic gefoult hatte. Aber klar, letzter Mann is‘ dann halt auch Rot…

Unter dem Strich der nächste Dreier für unser aller Lieblingsclub. Keine Glanzleistung, wohl aber ein Sieg der Moral und des Kampfes. Es lief noch nicht alles rund, vor allem im Spiel nach vorne, auch wenn das in weiten Teilen der Partie schon ansehnlich war. Mann des Spiels für mich Löning, der viele Bälle vorne weitergeleitet und ein paar dicke Chancen hatte, sowie der unermüdliche Huckle, der kleine Kilometerfresser. Malura/Platzek besonders in der zweiten Halbzeit ziemlich abgemeldet, haben in der ersten Halbzeit aber für ziemlichen Alarm gesorgt. Das hat mir auch sehr gut gefallen.

Wollen wir hoffen, dass der ausgewechselte Löning nicht ernsthaft verletzt ist, denn das würde das rot-weisse Glück dann doch trüben. Und bei dem Bonner Spieler, der vom Platz getragen wurde, das sah nicht gut aus. Ich denke, bei aller sportlichen Rivalität gehört es sich einfach, an dieser Stelle einfach eine gute Besserung zu wünschen.

Dienstag Wuppertal! Reich‘ mir mal einer das Frittenfett, ich muss mich abkühlen!

Keine Angst mehr vor Wiedenbrück

Kerl, watt bin ich heiß!

In ein paar Tagen ist es also soweit: Die neue Regionalliga-Saison 2016/17 startet. Nachdem am Freitag und Samstag die Konkurrenz das bunte Treiben eröffnen wird, haben wir also die Ehre, am Sonntag in Wiedenbrück den ersten Spieltag zu vervollständigen.

Wiedenbrück? Richtig, da war doch etwas. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung ergriff Frank Kurth, Legende unserer glorreicheren Tage und Mitglied des neu ins Leben gerufenen Beirates Sport, das Wort und erklärte, er wolle dabei helfen, der Mannschaft das Motto „keine Angst mehr vor Wiedenbrück“ zu vermitteln.

Die Ostwestfalen konnten in der Vorsaison (wie zugegebenermaßen viele Teams) den „direkten Vergleich“ für sich entscheiden, als sie – ebenfalls als erster Gegner der Saison – unserer Euphorie direkt einen dicken Klotz in die Hacken warfen und mit einem 3:0-Sieg an der Hafenstraße zeigten, dass auch sie Fußball spielen konnten. Zwei Treffer erzielte damals ein gewisser Kamil Bednarski, nachdem RWE nach einer roten Karte gegen Obst zum Ende der ersten Halbzeit das Spiel in Unterzahl bestreiten musste. Im Rückspiel Mitte Dezember führte Rot-Weiss bereits mit 2:0, bevor man auf dem Lande in der Nachspielzeit wieder durch Bednarski noch den Ausgleich kassierte.

Insgesamt gehört der SC Wiedenbrück mit dem SV Rödinghausen, dem SC Verl und RW Ahlen zu den vier Teams der Liga, die in Ostwestfalen ihre Heimat haben. Diese Teams werden bei uns in der Großstadt gerne als „Dorfverein“ belächelt, während wir mindestens in die Zweite Liga gehören. Angesichts der örtlichen Infrastruktur mit kleinem Stadion und sehr übersichtlicher Zuschauerzahl vielleicht zurecht, doch generell muss man wohl zugeben, dass auch dort auf gutem Niveau gearbeitet wird. Verl gehört schon seit langer Zeit zu den etablierten Teams der Liga, Wiedenbrück ist auf dem besten Weg dorthin. Und genau hier liegt meines Erachtens auch das Risiko: diese Teams zu unterschätzen und vielleicht nur mit 98% Einsatz ins Spiel zu gehen, während diese Teams gegen uns bereit sind, mehr als 100% zu geben.

Dennoch hat „Frankie“ recht: Wir als RWE, also Fans und Spieler, müssen dieses Gefühl, dass man in München vielleicht „mia san mia“ nennt, wieder in die Stadien der Liga bringen. Die Punkte gehören uns. Egal, ob man an der Werse, dem Niederrhein oder der Hafenstraße spielt. Denn wir sind RWE. Wir sind das Maß der Liga, der Verein, über den der Weg zum Meistertitel führt. Wir haben keine Angst vor Wiedenbrück.

Außerdem spielt Bednarski jetzt (bald, nach seiner Verletzungspause) für uns.

Testspiele und was davon bleibt

Mit dem Spiel gegen Aue endet also die diesjährige Testspiel-Saison. Und obwohl unser aller Lieblingsverein bislang kein einziges Spiel verloren, dabei nur ein Unentschieden (eine Halbzeit gegen Meppen) und 56:1 (!) Tore erzielt hat, fällt es mir schwer, das Ganze einzuschätzen. Als Kommentar vorweg: Ich war bei keinem der Spiele live dabei.

Einziger ernsthafter Gegner war die zweite Mannschaft des „Effzeh“, die wir ja in ein paar Wochen wieder in der Liga begrüßen dürfen. Dieses Spiel war mit einem 1:0 durch einen Hammer von Rückkehrer Timo Brauer (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) wohl auch das knappste.

Mit Werder Bremen II spielte man innerhalb von 45 Minuten beim Blitzturnier in Leer einen 3:0-Sieg heraus, beim selben Turnier „passierte“ auch das oben erwähnte Unentschieden.

Alle anderen Spiele fanden gegen niedrigklassigere Gegner bzw. Stadtauswahlen statt und sind aus meiner Sicht maximal als bessere Trainingseinheit zu verwerten. Hierbei tat man sich gegen den Nachbarn aus Kray zwar schwer, konnte aber auch dieses Spiel ohne Gegentor gestalten.

Inwiefern die Gegner unsere Abwehr in echte Schwierigkeiten bringen konnten, vermag ich angesichts der spärlichen Berichtslage kaum zu beurteilen. Aber trotz allem gab es nur einen einzigen Gegentreffer, was zumindest mein subjektives Gefühl Ende der letzten Saison bestärkt, dass wir eigentlich recht stabil hinten standen, wenn wir nicht gerade von Kray per Standard oder von Velbert ausgekontert wurden. Unter „normalem“ Druck war hinten gegen Zeiger und Co. nicht viel zu holen.

Was mich allerdings echt beeindruckt hat, sind die 56 Tore. Unsere Jungs scheinen in Torlaune zu sein und stecken auch nicht zurück, wenn das Ergebnis in den zweistelligen Bereich geht. Tore, Tore, Tore. Das ist das, was wir nächste Woche Sonntag für unsere Truppe auch in Wiedenbrück sehen wollen. Und egal, welcher unserer Helden die Bude macht – sie ist wichtig. Wie in einem früheren Beitrag beschrieben denke ich, dass wir gerade offensiv sehr, sehr stark aufgestellt sind. Und: Wer fünf Tore schießt, darf  auch mal vier kassieren. 🙂

Auch neben dem Platz scheint es zu stimmen, zumindest, wenn man den diversen Interviews in der Presse glauben darf. Wächst da womöglich etwas zusammen, was uns Freude bereiten kann?

Andererseits bieten solche Ergebnisse auch immer das Risiko, zu große Hoffnungen zu produzieren. Wie viele Teams haben in der Vergangenheit schon die komplette Vorbereitung gewonnen, in der Liga dann aber „verkackt“?

Was also bleibt aus der Vorbereitung? Wir müssen es schaffen, diesen Torhunger, das Teamgefühl und das generierte Selbstvertrauen mit in die Saison zu nehmen und nach Möglichkeit die kommenden 34 Ligaspieltage aufrecht zu halten. Und wenn es damit mal nicht klappt, müssen wir alle, die Fans, die diesen Verein atmen, selbigem wieder den richtigen Impuls geben.

Bis dahin bleibt zu hoffen, dass sich im Soukou-Ablösematch nicht noch jemand entscheidend verletzt.

LASST UNS ALLE
– Mannschaft, Fans und „Team hinter dem Team“ –
DIE LIGA ROCKEN!

NUR DER RWE!

P.S.: Falls ihr es noch nicht getan habt, lest Uwe Strootmanns Buch „111 Gründe, Rot-Weiss Essen zu lieben„! Es lohnt sich!

Kleine Transferanalyse.

Die EM ist vorbei, Zeit, sich den wichtigen Dingen des Lebens zu widmen.

Fangen wir mit den Abgängen an: Mit Leon Binder verlässt jemand die Hafenstraße, der, wenn er denn zum Einsatz kam, immer 100% Leistung gezeigt hat. Manchmal auch ein bisschen zu viel, Stichwort Monstergrätsche an der Eckfahne. Auf jeden Fall ist Leon jemand, der das Zeug gehabt hätte, in Richtung Status einer Legende zu kommen.

Einsatz kann man auch Moritz Fritz gewiss nicht absprechen. Allein schon seine zwei Treffer rechtfertigten im Wuppertal-Spiel seinen Einsatz, im Heimspiel gegen Wegberg rettete er uns vor der Blamage durch den Siegtreffer, gegen Kray erzielte er den Last-Minute-Ausgleich. Für einen Spieler, der oft nur Bankdrücker war (als eigentlicher Kapitän!!!), war er immer voll da, wenn es drauf ankam. Kein Murren, kein Knurren, vorbildlich. Ich bin sicher, wenn nicht die Borussia gerufen hätte, wäre er auch geblieben.

Marvin Studtrucker galt in der letzten Saison noch als einer der Leistungsträger, hat in dieser Saison aber oft nicht gut gespielt. Auch deswegen wird sich der Verein bis zum Schluss Zeit mit einer Erhöhung des in der Winterpause gemachten Angebots gelassen haben, auch wenn der Spieler das naturgemäß anders sieht. Ich denke aber auch, dass es richtig war, ihn nicht um jeden Preis zu halten, zumal wir vorne schon recht gut aufgestellt sind. Sein kurzes Nachtreten überlese ich an dieser Stelle einfach mal.

Für Lucas Arenz gab es wohl in der aktuellen Saison einfach keinen Platz, keine Aussicht auf Spielminuten. Von daher ist die Trennung nach kurzer Ausleihe wohl auch richtig.

Cekic, Thelen, Gulden und Nagel abzugeben dürfte wohl angesichts der mangelnden Einsatzzeiten auch richtig sein.

Kommen wir zu den Zugängen in chronologischer Reihenfolge.

Kamil Bednarski wurde vom regionalen Fachmagazin [sic!] lange vor der Bestätigung als fixer Transfer gemeldet. Seine Daten in der abgelaufenen Saison sprechen eine deutliche Sprache: Pokal inklusive 23 Treffer in 37 Spielen, Platz 2 in der Regio-Torjägerliste, seit Jahren auf konstant  hohem Level. Er sollte wohl früher schon wechseln, das scheiterte aber daran, dass Wiedenbrück die eigene „Lebensversicherung“ nicht gehen lassen wollte. Eine tolle Ergänzung für Platzek/Löning, wobei ich denke, dass die drei sich um zwei Plätze in der Startelf „streiten“ werden.
Tendenz: STAMMSPIELER

Dennis Malura gehörte bei der Kölner Viktoria zum Stamm mit 26 Einsätzen in der Liga (1x nicht im Kader, 7x verletzt in 2 Phasen) und kann auf eine Karriere bis in die 2. Bundesliga zurückgucken. Er bringt mit seinen 32 Jahren die Erfahrung mit, die uns vielleicht in der einen oder anderen Situation hinten drin fehlte. Er dürfte rechts so gut wie gesetzt sein, und mit einer Abwehr mit Huckle – Weber/Windmüller(?) – Zeiger – Malura wird mir zumindest auf dem Papier erst mal nicht bange.
Tendenz: STAMMSPIELER

Leroy Kwadwo hingegen dürfte in die Kategorie „Ergänzungsspieler“ fallen, tendenziell mit wenigen Einsatzzeiten, wenn er auch beim Aufsteiger aus Sprockhövel hinten gesetzt war. In meinen Augen unwahrscheinlich, dass er die „gestandenen“ Leute verdrängen wird.
Tendenz: BANKDRÜCKER

Jan-Steffen Meier von der SG Wattenscheid hat in der abgelaufenen Saison in Liga und Pokal gerade mal zwei Spiele verpasst und wurde in allen anderen Spielen über die volle Distanz eingesetzt. Einsatzzeiten, die eines Torhüters würdig sind. Einsetzbar hauptsächlich im defensiven Mittelfeld, dürfte daher hinter Baier spielen und ihm den Rücken freihalten. Vermutlich mit seinen Daten auch nicht für die Bank geholt und dürfte dank Binders beinahe konkurrenzlos gesetzt sein.
Tendenz: STAMMPLATZ

Beinahe schon als Königstransfer, als des Professoren Meisterstück darf man die Rückkehr von Timo Brauer bezeichnen. Er kann es sein, der die Brücke zwischen Mannschaft und Tribüne aufrecht erhält, der die Fronten zusammenschweißen kann, wenn es mal ein paar Spiele nicht so läuft. Doch das Ganze kann natürlich auch zur Belastung werden. Wenn er seine Auslandserfahrung umsetzen kann, dann wird er sehr, sehr wertvoll für unsere Mannschaft sein. Unwahrscheinlich, dass er sich auf der Bank wiederfinden wird.
Tendenz: STAMMPLATZ

Die „Transfers“ Timo Becker, Nico Lucas, Emre Demircan und Maksimilijan Milovanovic, alle aus der eigenen U19, verbuche ich persönlich ähnlich wie bei Kwadwo.
Tendenz: TRIBÜNE

Potentiell sieht meine Startelf damit wie folgt aus:

Tor: Heimann
Abwehr: Huckle – Windmüller – Zeiger – Malura
Mittelfeld: Meier– Baier – Brauer
Angriff: Bednarski – Platzek – Löning

Von bislang fünf „echten“ Zugängen haben meiner Meinung nach gleich vier das Potential, regelmäßig zum Einsatz zu kommen. Keine schlechte Quote, wie ich finde. Wenn diese vier die Leistungen der Vorsaison abrufen können, könnte es tatsächlich mal eine erfolgreiche Saison (sprich: „oben dranbleiben“) werden.

Spare beizeiten, dann hast du in der Not. Oder: Nochmal für Doofe.

Heute geht’s mal ums Eingemachte Wirtschaftliche. Und nein, das hat nichts mit Bier zu tun.

Michael Welling hat seinen 2017 auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängert. Was ich persönlich richtig gut finde, ruft bei einigen Reaktionen unterhalb der Gürtellinie hervor. Bei Facebook las ich nun auf den Kommentar, Welling müsse bleiben, weil er ja die Finanzen auf Vordermann gebracht habe, mein neues Lieblingszitat:

„Rot-Weiss ist aber ein Fußballverein, keine Bank!“

Ich lese daraus, dass RWE lieber das Geld in Spieler investieren soll, statt Rücklagen zu bilden. Stattdessen soll der Verein vielleicht sogar das Kreditlimit ausschöpfen. Da ich weiß, dass die meisten RWE-Fans wohl keine Kenntnisse der Wirtschaftswissenschaften haben, versuche ich heute, meine rudimentären BWL-Kenntnisse (staatl. gepr. Betriebswirt) in eine auch für die einfachsten Gemüter in Worte zu fassen. Daher bitte ich zu entschuldigen, wenn ich von dort gängigen Modellen und Ausdrücken abweiche.

Stellt euch vor: Ihr habt ein Einkommen, dass sich vielleicht aus einem Gehalt und Kindergeld zusammensetzt. Davon bezahlt ihr das Übliche: Miete, Sprit, Lebensmittel. Aber ihr lebt auf zu großem Fuße, wie man so schön sagt. Ob es jetzt wirklich immer das gute Kobe-Rindfleisch sein muss, oder der Kaffee vom Westhang des Popocatepetl – klar, schmeckt besser, ist von der Qualität her ne ganz andere Liga – ihr könnt es euch aber eigentlich nicht leisten. Daher ist auch das Konto leer und der Dispo an der Schmerzgrenze.

Jetzt ist aber ein guter Freund so nett und schneidet über Nacht das Dach von eurem Auto ab. Einige von euch sagen jetzt: SIEHT GEIL AUS! CABRIOFAHREN IST KEIN VERBRECHEN! Alles richtig, aber teuer wird es trotzdem. Die Polizei stellt euch ein dickes Knöllchen aus, das ihr nicht bezahlen könnt. Dazu legt man euch das Auto still, euer Fahrrad wird euer neuer bester Freund…

Ersetzt man nun die oben genannten Dinge durch ein Pendant aus dem Vereinsumfeld, wird klar, worauf ich hinauswill: Es ist schlicht und ergreifend total wichtig, die Kohle zusammenzuhalten und nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Will sagen: Es ist nie verkehrt, mal ein wenig Zaster beiseite zu legen, für den Fall dass jemand mal wieder zündelt unvorhergesehene Dinge passieren. Klar ist RWE in erster Linie ein Fußballverein, aber um sich personell nach und nach zu verbessern, ist es halt nötig, etwas auf der hohen Kante zu haben, anstatt von der Hand in den Mund zu leben. Zur Ära Wrobel, als selbiger nach einem schlechten Spiel am Zaun Rede und Antwort stand, sollte ein Spieler – ich glaube, es war Nottbeck – geholt werden. Laut Waldi war alles im Grunde schon klar, bis man aufs Gehalt zu sprechen kam und der Spieler die versteckte Kamera hinter dem Angebot vermutete.Mittlerweile kann man sich einen Bednarski und einen Malura holen, die beide mit Sicherheit nicht wenig verdienen. Trotzdem bleibt vermutlich Spielraum, um auch hier bei Bedarf nachzulegen. Und sollte der unwahrscheinliche (weil verschwindend geringe Chance), aber ersehnte Aufstieg gelingen, so steht mit Sicherheit auch wieder die GVE auf der Matte und hält die Hände auf – auch hier ist es besser, jetzt vorzusorgen als dann hektisch einen Geldgeber für zusätzliche Aufwendungen zu finden. (Ja, mir ist klar, dass in Liga 3 auch Mehreinnahmen durch Fernsehgelder und erhöhte Sponsorengelder winken.)

Schon vor der letzten Saison konnte man lesen, RWE ginge „all-in“ und müsse bei Scheitern im Aufstiegsrennen ganz kleine Brötchen backen. Die von Welling eingeleitete wirtschaftliche Konsolidierung sichert dem Verein auf lange Sicht das Fortbestehen und ermöglicht zudem, bei unvorhergesehenen Dingen ganz ruhig agieren zu können. Erneut werden wir die Lizenz ohne großartige Auflagen bekommen, dessen bin ich mir sicher. Und das ist zwar nicht ganz allein, aber zu einem sehr großen Anteil unserem Doc anzurechnen. Ich bin mir sicher, dass auch die Zahlen des Jahresabschlusses für 2015 ganz deutlich in diese Richtung weisen werden.