Er steht im Tor, im Tor…

​Niclas Heimann ist also nun verletzt und fällt mindestens bis zum Ende des Jahres aus. Dies ist die große Chance von Robin Heller, sich Sven Demandt als neue Nummer 1 aufzudrängen. 

Eine von Demandts ersten Amtshandlungen als Trainer von RWE war es damals, Heller aus dem Kasten zu nehmen und den damals aufs Abstellgleis geratenen Heimann hineinzustellen, um dem Team nach eigener Aussage einen ersten Impuls zu geben. Eine nicht gerade populäre Entscheidung, da Heimann fast schon traditionell in der Kritik steht, während Heller sich damals vor allem im DFB-Pokalspiel gegen Düsseldorf eindrucksvoll präsentiert hatte.

In meinen Augen haben wir allerdings zwei etwa gleich starke Keeper an Bord  (Gubini mal außen vor). Heimann hatte zu Beginn seiner Karriere bei uns einige Wackler, auch sein misslungener Haken im Testspiel gegen Aubameyang hängt ihm wohl immer noch nach. Generell finde ich jedoch, dass ihm zu oft Tore angekreidet wurden, bei denen die gesamte Abwehr ihn im Regen hat stehen lassen. Er hat jedoch mit einigen tollen Paraden auch schon wichtige Punkte gesichert. Mit seiner Art zu spielen verkörpert er eher den mitspielenden Keeper und versucht, möglichst viele Situationen kontrolliert zu lösen, statt Langholz auszupacken.

Und das bringt uns zu Heller. Ja, gegen die Fortuna hat er zugegebenermaßen phantastisch gehalten, aber leider hat er uns meiner Meinung nach auch eine ganze Reihe Punkte gekostet. Ich meine mich an Tore in der Nachspielzeit in Verl und Dortmund einen zu können, sowie einen Heber aus dem Mittelkreis, als et zu weit vor dem Kasten stand. Ich mag nicht daran denken, was passiert wäre, wenn Heimann diesen Treffer kassiert hätte. Insgesamt waren seine Leistungen aber genauso gut wie die von Niclas Heimann und er hat diesen Posten nur wegen der dramatischen Tabellensituation verloren. 

Wie dem auch sei, eins haben beide gemeinsam: Sie sind UNSERE Keeper. und wer auch immer unsere Bude hütet, verdient unsere volle Unterstützung. keine Häme bei gefangenen Flanken, kein Klatschen, wenn der Abstoß ins Aus fliegt, und erst recht keinen Jubel bei einer verletzungsbedingten Auswechslung (diejenigen, die DA gejubelt haben, sollten sich was schämen).

Ich persönlich wünsche Robin Heller morgen einen erfolgreichen „Ernstfall“, Niclas Heimann eine schnelle Gesundung, und uns allen einen packenden Pokalabend mit dem richtigen Ausgang.

NUR DER RWE!

Nachholspiel!

Das war sie also, die erste von zwei Nachholpartien. In der Wanne-Eickler Mondpalast-Arena ging es gegen die ungeliebten Nachbarn aus dem Norden.

Bedingt durch ein Missgeschick (Handy im Auto vergessen…) kam ich etwa zur 5. Minute ins Stadion. Erstmals gab es auch auf der Sitztribüne Fantrennung – mit einem Lächeln denke ich an die letzte Saison zurück, als Luginger und Böhme mehr oder weniger nette Sprüche um die Ohren flogen.

An dieser Stelle sei angemerkt: ich finde, über die Eintrittspreise dort kann man sich trotz aller Rivalität nicht beschweren.

Da ich keine Lust zur Suche hatte, orientierte ich mich hinter die Essener Bank, wo ich neben Lothar und dem gesperrten Brauer „meinen“ Platz fand.

Leider begeisterte mich das Gesehene überhaupt nicht. Nervöser Aufbau, aggressiv auftretende Gastgeber, und immer wieder Sidney Sam, ehemaliger Nationalspieler, der eine steile Karriere hingelegt hat (nach unten). Kaum zu halten, viele gute Pässe in die Spitze, und anscheinend auch überall auf dem Platz. Als ich einen Moment mal abgelenkt war, zappelte der Ball plötzlich im Netz. Leider kann ich das Tor daher nicht schildern, sorry dafür. Es ging aber herum, dass erneut die Abwehr geschlafen habe.

Die Blauen taten dann das, wofür wir unsere Mannschaft schon so oft verdammt haben: Sie nahmen einen Gang raus, und so kam RWE langsam besser ins Spiel. Nach gut 40 Minuten dann endlich die erste gute Chance: Bednarski konnte den Ball gut behaupten und schickte Huckle auf die Reise. Dessen Querpass landete bei Baier, die Direktabnahme konnte der Keeper nur mit einer Glanzparade zur Ecke klären.

Wenig später dann bekam Rabihic in der Mitte den Ball vor die Füße. Sein guter Schuss wurde aber abgeblockt, landete aber bei Grund, der unstrittig im Sechzehner gelegt wurde – Elfmeter!

Baier verwandelte sicher und holte sich wohl wegen einer Provokation beim Jubel die gelbe Karte.

Mit dem 1:1 ging es dann in die Pause.

Zur zweiten Halbzeit gibt es eigentlich nichts mehr zu berichten. Torraumszenen gab es nicht, beide Abwehrreihen standen gut, während jeweils aus dem Mittelfeld keine Impulse kamen. Jeweils ein paar harmlose Flanken auf beiden Seiten, das war es schon. In den letzten 10 Minuten stand unsere Elf quasi nur noch hinten, ohne sich noch befreien zu können (aber eben auch, ohne Chancen zuzulassen).

Unter dem Strich bleibt eines dieser Unentschieden, die man unter „zumindest nicht verloren“ verbuchen muss. Angesichts des erneuten Unentschiedens der Fohlen gegen Köln ist haben wir eigentlich ja sogar einen Punkt gutgemacht, wenn sich wohl jeder eher drei gewünscht hätte. Rödinghausen konnte die Situation ebenfalls nicht nutzen (1:3 gegen Ahlen), so dass wir nun auf Platz 5 stehen. Wir haben dabei gegen Gladbach, Viktoria und Wuppertal noch ein Spiel in der Hinterhand, lediglich die Dortmunder sind noch ein Spiel zurück.

Ziel muss es nun sein, diese Position bis zur Winterpause mindestens um einen Platz zu verbessern. Dann geht vielleicht ja noch was.

Timo hat mir auf jeden Fall versprochen, die Saison noch nicht aufzugeben. Und das ist doch auf jeden Fall ein gutes Signal!

Erwartungen und Enttäuschungen

„Et hätt‘ noch immer joot jejangen.“ So oder so ähnlich lautete vor einigen Jahren mal ein Motto im Kölner Karneval. Heute ist es noch mal gut gegangen. Die TSG Sprockhövel wurde in einer extrem zähen Partie 3:2 besiegt. 

Doch trotz des Sieges bin ich heute nicht zufrieden. Das beginnt mit dem Ergebnis. Angesichts der bisherigen Leistungen in dieser Saison erwarte ich, dass so ein Gegner – zumal an der Hafenstraße – dominiert wird und mit mindestens zwei Toren Unterschied nach Hause geschickt wird. „Keine Angst vor Wiedenbrück“ muss gegen einen vom Abstieg bedrohten Aufsteiger ebenso gelten. 

Man kann gegen solch einen Gegner, der eigentlich nichts zu verlieren hat, gerne auch ein Tor kassieren. Gar kein Problem. Aber die Art und Weise, wie die komplette Abwehr im kollektiven Tiefschlaf die Treffer zu- und ihren Keeper im Stich gelassen hat, war unter aller Kanone. 

Aus dem Mittelfeld kamen heute ebenfalls nur wenige Impulse nach vorne. Fehlpass um Fehlpass wurde gespielt, immer wieder der Gast zu Kontern eingeladen. Baier war in der ersten Halbzeit noch sehr engagiert, nach dem Wechsel aber genauso blass wie Rabihic bzw. Brauer. 

Das bisschen Positive heute ist wohl die Tatsache, dass wir drei Treffer erzielen konnten. Nach dem frühen 0:1 (Slalom mit Flachschuss ins lange Eck, der passte ganz genau) konnte Platzek nach einem Freistoß von Baier, den der Keeper nur abklatschen ließ, den Ausgleich erzielen. Baier hätte mit einem Freistoß aus zentralen 18m beinahe die Führung erzielt, traf aber nur den Pfosten. Wenig später stoppte Fußballgott Platzek den Ball mit der Brust und hielt aus der Drehung einfach mal drauf – unhaltbar zum 2:1.

Damit ging es dann auch in die Pause. Mein verhaltener Optimismus, die Partie sicher über die Bühne zu bringen, erwies sich als Fehler. Sprockhövel rackerte und kämpfte um jeden Zentimeter, stand unseren Jungs auf den Füßen, die selbst aber kein Mittel fanden, den letzten Pass zu setzen. Nach erneutem Kollektivversagen der über die komplette zweite Halbzeit unnötig nervösen Abwehr fiel dann der nicht mal unverdiente Ausgleich.

Wenige Minuten vor Schluss dann aber die Erlösung: Löning, der für den engagierten Ngankam eingewechselt worden war, spielte mal nicht blind nach vorne, sondern sicherte den Ball im Mittelfeld, wartete bis Huckle gestartet war, spielte in dessen Lauf. Die Flanke war eigentlich zu lang, das Raunen auf der Tribüne nicht zu überhören. An der Seitenlinie erlief Grund den Ball, legte ihn sich auf den linken Fuß und flankte gefühlvoll in die Mitte, wo Bednarski per Kopf in die lange Ecke zum Sieg verwandelte.

Die Schlussminuten blieben interessant: Heimann fischte eine 100%ige aus dem Winkel, obwohl er eigentlich schon in die andere Richtung unterwegs war, und mit dem Schlusspfiff verschossen die Gäste einen indirekten Freistoß aus gut 18m.

Unter dem Strich bleibt, dass wir weiterhin seit Wochen ungeschlagen sind. Nur das zählt. Anspruch und Resultat passten nicht zusammen, wenn jedoch weiter gepunktet wird, fragt danach bald niemand mehr. 

Zurück zu meinen Erwartungen: Ich erwarte, dass dieses Spiel ein Ausrutscher bleibt und kommende Woche das Nachholspiel gegen die Schlümpfe wieder mit mehr Einsatz und Dominanz bestritten wird. Ein 3:0 wäre so recht nach meinem Geschmack. Vermutlich wäre ich aber wohl auch mit einem 3:2 zufrieden. 

Nullnummer. Watt en Scheiß…

Die gestrige Partie gegen den Bochumer Nachbarn endete also 0:0. Während einige darin schon wieder den Untergang des Vereins sehen („grottenschlechtes Spiel“, „wie kann man gegen so eine Mannschaft kein Tor schießen?“), versuche ich als „Natural Born Optimist“ ja immer, das Positive zu sehen. Da es mangels Ereignissen in der Partie nicht so viel zu berichten gibt diesmal, versuche ich mal zu erklären, warum ich das Spiel als gar nicht mal so schlecht empfunden habe.

1.) Die Abwehr
Hinten haben wir gegen einen durchaus offensivstarken Gegner quasi nur zwei Dinger zugelassen. Einen Kopfball an den langen Pfosten (den Ball hätte Heimann wohl gehabt, wenn er weiter nach innen gegangen wäre, ich stand quasi in der Verlängerung der Flugbahn), und eine Situation, in der Meier in letzter Sekunde einen Querpass ins Aus klären konnte. Beides in der ersten Hälfte, in der Wattenscheid meiner Meinung nach etwas mehr vom Spiel hatte. In der zweiten Halbzeit spielte nur noch das Team in rot und weiss.

2.) Der Angriff
Zugegeben: Wir hatten kaum „Hochprozentige“, die man hier auflisten könnte. Dies lag in meinen Augen aber weniger daran, dass wir uns offensiv nichts herausspielen konnten, vielmehr muss man auch der Wattenscheider Defensive bescheinigen, ordentliche Arbeit abgeliefert zu haben. Hier mal ein geblockter Schuss, da mal eine zur Ecke geklärte Flanke… Insgesamt aber haben wir uns ja vor allem in Hälfte zwei im Wattenscheider Teil des Spielfeldes festgesetzt und das Spiel bestimmt.

3.) Die Ruhe behalten
Auch in der Schlussphase wurde nicht mit Langholz blind nach vorne gespielt, sondern in Ruhe von hinten das Spiel aufgebaut. So konnte man auch zumeist nicht in gefährliche Konter laufen, wenn sich diese auch nicht ganz vermeiden ließen.

4.) Der Schiri
Selbiger hatte gestern wohl nicht seinen besten Tag. Ein paar seltsame Entscheidungen waren schon dabei, doch trotz allem habe ich keine Verunsicherung bei unserem Team wahrgenommen. Da wurde nicht zurückgezogen sondern konsequent weitergearbeitet. „Ohne Schiri habt ihr keine Chance!“ (Übrigens bin ich überzeugt: Wäre Ngankam kurz vor Schluss gefallen, statt sich am Gegner festzuhalten, hätte es Elfer für uns gegeben.)

5.) Erneut gegen ein Team aus dem oberen Drittel gepunktet.
Was gegen Gladbach, Viktoria und Aachen nicht gelang, konnte gestern endlich mal wieder realisiert werden, wenn auch nur einfach. (Edit: danke für den Hinweis, das wir gegen BVB und Wuppertal auch jeweils einen Punkt geholt haben. Das hatte ich wohl emotional als Niederlage verbucht.) Trotz allem haben wir (wenn die Spiele heute durch sind) noch zwei Partien nachzuholen. Ein Erfolg in diesen Spielen, und wir sind mindestens 5., wenn nicht sogar auf Platz 3 oder 4 (abhängig von den Spielen heute halt). Der Rückstand zu den Fohlen, die gestern endlich mal verloren haben, beträgt zwar dann immer noch 9 Punkte, aber eben auch NUR 9 Punkte. Ich möchte nicht so vermessen sein und vom Relegationsplatz reden, aber Pferde -> Apotheke und so. Wer weiß…

Was ich also sagen will: Seht nicht immer alles direkt so schwarz. Klar, für den Zuschauer war es kein besonders schönes Spiel. Zu viel im Mittelfeld, zu wenig (weil keine) Tore. Aber gleich alles zu verteufeln – das ist auch der falsche Weg.

Für kommenden Sonntag wünsche ich mir endlich mal wieder drei Punkte aus Oberhausen. Das ist uns leider viel zu selten gelungen, doch mit dem sich lichtenden Lazarett steigen auch wieder unsere Chancen, dort was zu holen.

NUR DER RWE!

 

Lebenszeichen

Da ich das Spiel gegen die kleinen Geißböcke und heute in Siegen aus privaten Gründen nicht live verfolgen und daher auch keine großartige Zusammenfassung schreiben konnte, wollte ich diesen Beitrag kurz nutzen, um mal ein Lebenszeichen von mir zu geben. Ich erfreue mich bester Gesundheit und noch mehr, ich freue mich über die vielen positiven Rückmeldungen zu meinem Blog. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass so viele Leute das Dingen lesen, und sogar ein paar Leute aus dem direkten Vereinsgeschehen sind dabei. Da macht das Bloggen Spaß.

Das, was unsere Rot-Weissen da in den vergangenen zwei Spielen von sich gegeben haben, war auch so etwas wie ein Lebenszeichen. 2 Siege in Folge, 10 Tore – kann mann mal so machen, auch wenn die Partie in Siegen laut Radio Hafenstraße wohl keine Augenweide war. Ich würde mir hoffen, dass dies endlich die langersehnte Konstanz ist, von der schon so oft geredet wurde. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir zwei Spiele weniger als eine ganze Reihe der Konkurrenten „aufm Buckel“ haben, dann geht da noch was. Hypothetisch gesprochen: Gewinnen wir die beiden Partien, könnten wir uns auf Platz 4 wiederfinden. Das wäre meiner Meinung nach doch ein ordentlicher Start in die drei „Hoch-3“-Spielzeiten.

Und dann macht auch RWE wieder viel mehr Leuten Spaß! In diesem Sinne:

NUR DER RWE!

Weiter ungeschlagen im Pokal

Heute nur in aller Kürze, zumal ich nicht im Stadion war.

Zwar hat die Mannschaft heute in der ersten Halbzeit nach dem, was man so hörte, keine Bäume ausgerissen  (!), am Ende stand allerdings ein klarer und wohl auch verdienter 4:0-Erfolg im Pokal, so dass wir weiter im Wettbewerb bleiben.

Mag das Spiel vielleicht auch nicht sonderlich schön gewesen sein, so ist das, was unter dem Strich steht, das Wichtige. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das durfte man als geneigter Fan auch erwarten.

Pflicht erfüllt.

Lieber Hendrik Bonmann,

Anmerkung des Autors: Nach dem überregionalen und ligaübergreifendem Erfolg in der Pils-pro-Kopf-Rangliste der Deutschen Fussball-Landschaft wird der heutige Blogbeitrag präsentiert von der Trinkerszene Essen-Nord, die anscheinend heute in (Achtung, Wortspiel!) voller Mannstärke in W3 angetreten war. Der Promillepegel lag wohl oberhalb der messbaren Parameter, bei manch einem sogar oberhalb der Anzahl der verbliebenen Zähne… Nie war die Textzeile „Die paar Mark für die Karte von der Leber abgespart“ so wahr wie heute.

WARUM!? WARUM KONNTEST DU DEINE FOTTFINGER NICHT IN DER NACHSPIELZEIT MAL UNTEN LASSEN?!

So oder so ähnlich würde ich wohl einen Brief an unseren Ex-Keeper anfangen. Mannmannmann… Dazu später mehr.

Trainer Demandt war bekanntermaßen mit der Leistung in Aachen nicht zufrieden und hatte dementsprechend – mehr oder weniger überraschend – einige Veränderungen vorgenommen. Bednarski, der wieder begnadigte Ivan sowie Meier spielten für Huckle, Jesic und Löning.

Die Kollegen aus meiner Blogeinleitung hatten zugegebenermaßen Ihre Probleme, aufrecht zu stehen und ihre flüssigen Mahlzeiten in sich zu behalten. Aber: Messerscharf wurde jeder Ballkontakt analysiert und direkt eine Empfehlung ans Team ausgesprochen: „Geh drauf da!“ – „Warum spielt der nicht?“ (mit Betonung auf „spielt“), „Pressing!“ oder aber auch „Getz!“

Die Ansage „Spiel doch!“ hat direkt in der 9. Minute geklappt, als ein semi-genialer Steilpass von halb rechts in den freien Raum vor Bednarski ebenjenem erlaubte, Fahrt aufzunehmen. Und obwohl es so aussah, als hätte der Verteidiger entscheidend eingegriffen, konnte unser Messias (quod erat demonstrandum!) den Ball aus der Distanz im langen Eck versenken. 1:0, endlich wieder eine Führung. Wenig später hatte Ivan eine große Chance, kurz darauf folgte ein geblockter Schuss von Platzek. Das war alles, was die mehr als 11.000 Zuschauer (Familienspieltag) heute zu sehen bekamen. Der Rest war Mittelfeldgeplänkel und harmlose Angriffsbemühungen der kleinen Borussen.

In der zweiten Hälfte ein ähnliches Bild. RWE stand tief, lauerte auf Konter, Dortmund hatte mehr Ballbesitz und kam zu ein paar guten Chancen. Rund 10 Minuten vor Schluss, die Roten hatten bis dahin recht souverän verteidigt (ein gefährlicher Schuss wurde von Heimann pariert), dann der Pfiff. „Elfmeter! War ja klar!“ hallte es von hinter mir. Ich selbst vermag aus W3 nicht zu sagen, ob es einer war oder nicht, dafür war es halt zu weit weg. Fakt jedoch: Heimann hat ihn gehalten, war dann aber beim Nachschuss machtlos. 1:1!

In der Nachspielzeit gab es dann die Szene, die mich zu obigem Liebesbrief animieren könnte: gefährlicher RWE-Konter über die rechte Seite, bei dem (ich glaube) Meier den Ball am 16er querspielt, am langen Pfosten steht Ngankam, und Bonmann, der ehemalige Rot-Weisse (übrigens wieder mit Applaus bedacht und selbigen auch erwidert), ist mit einer unmenschlichen Parade doch noch zur Stelle und verhindert den sicher geglaubten Siegtreffer. Bei der nachfolgenden Ecke bekommt Malura am langen Pfosten den Ball, kann ihn aber nicht an den beiden auf der Linie befindlichen Dortmundern vorbeidrücken. Ähnliches Bild wie in Aachen, in den letzten Sekunden haben wir die dicksten Chancen des ganzen Spiels im Sekundentakt, die wir noch schneller aber vergeigen.

Vor zwei Wochen hätte ich gesagt, dass so ein 1:1 gegen Dortmund schon okay ist. Heute bin ich leider enttäuscht. Die Taktik war heute eher defensiv gewählt, okay. Trotzdem war die Chance in meinen Augen da, mit etwas mehr Mut nach dem 1:0 noch ein Tor nachzulegen. Die Dortmunder erwiesen sich besonders in der ersten Halbzeit als harmlos, allerdings war das Rot-Weisse Spiel über die gesamte Dauer zu passiv, zu spät dann die Bemühungen, die Scharte des Elfers auszuwetzen. Für mich war dies das erste Spiel, in dem der Einsatz nicht stimmte.

A propos Elfmeter: Wenn ich richtig gerechnet habe, hat dieser Mist uns nun mindestens drei Punkte gekostet (heute zwei, gegen Rödinghausen einen, dazu der Elfer gegen Gladbach, der uns auf die Verliererstraße brachte). Das muss man wohl nicht weiter kommentieren.

Auch heute fällt es mir wieder schwer, einen „Spieler des Tages“ zu benennen. Bednarski in der ersten Halbzeit sehr aktiv, Platzek heute mal ohne Schubser und mit ein paar guten Ballgewinnen, Meier sehr konzentriert in der Abwehrarbeit. Aus meiner Sicht unverständlich die Nichtnominierung von Huckle, der in den vorigen Partien jeden Zentimeter des jeweiligen Platzes mindestens einmal betreten und meist auch per Grätsche umgepflügt hatte. Klar, er hatte seine unglücklichen Szenen in Aachen, aber dort war er auch noch einer der Besseren. Schließlich noch die Verletzungsauswechslung von Cokkosan – ich hoffe, es ist nichts Schlimmeres. (Edit: hörte gerade, dass Huckle verletzt ist)