Jetzt ist guter Start teuer.

…so oder so ähnlich musste die Devise zum Auftakt in die Rückrunde lauten, nachdem der Tabellenführer aus Köln mal wieder Punkte hatte liegen lassen und die Stimmung an der Hafenstraße gerade nach der Niederlage gegen Düsseldorf zumindest knapp vor dem Kippen zu sein schien.

Ich muss vor meinen Ausführungen anmerken, dass ich aus privaten Gründen erst etwa zur 30. Minute im Stadion sein konnte. Ich gebe zu, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, mir das Spiel zu klemmen, da klar war, dass ich es niemals pünktlich zum Anstoß schaffen würde. Aber was will man machen, wenn das Wetter auch noch mitspielt.

Angekommen im Stadion sah ich also die Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit, die aber wohl wie der Rest des Durchgangs zwar engagiert, aber auf beiden Seiten ohne zwingende Chancen zu Ende ging.

Halbzeit zwei hatte dann nach rund 60 gespielten Minuten den ersten rot-weißen Höhepunkt zu bieten: Rödinghausen bekommt den Ball nicht geklärt, Pröger schickt rechts Scepanik, der sich an der Torauslinie durchsetzen kann und flach nach innen spielt, wo Wirtz seinen ersten Treffer an der Hafenstraße erzielen konnte.

Das Tor befreite das RWE Spiel zusehends, Rödinghausen musste aufmachen und bot Platz für Läufe über die Flügel. Die Essener Abwehr hatte aber keine nennenswerten Probleme, die Angriffe abzuwehren. Nur fünf Minuten nach der Führung dann ein Freistoß in der eigenen Hälfte, von Kevin Grund hoch in Richtung Wirtz gespielt, der sich für ein Missverständnis der beiden Innenverteidiger mit einem Tunnel gegen Heimann zum 2:0 bedankte.

Damit war die Partie im Grunde entschieden, denn es kam nur noch einmal Gefahr für den Kasten von Raeder auf, aber der Abschluss flog dann deutlich drüber.

Warum einige Vollhorsts meinen, dass man einen eigenen Spieler in der 88. Minute bei seiner Einwechslung auspfeiffen muss – es wird sich mir nicht erschließen. Nico Lucas hingegen zeigte sich unbeeindruckt und sprintete nochmal knappe 50 Meter über außen mit dem Ball, legte zurück auf Urban, der für Pröger auflegte, dessen Schuss aber knapp am Tor vorbeiging.

So blieb es beim 2:0, Mannschaft und die verbliebenen rund 5000 Fans (ganze 10 Rödinghausener anwesend, ganz groß) durften erstmals seit August (!) wieder gemeinsam feiern.

Der Sieg war umso süßer, weil neben dem oben erwähnten Viktoria-Patzer auch der BVB (0:2 in Bonn) und RWO (0:1 in Straelen) verloren. Somit geht (und ich verdamme mich selbst dafür) schon wieder diese elende Rechnerei wieder los. 12 Punkte auf den Platz ganz oben. Viktoria vielleicht jetzt mal mit ner Krise? Nach Wuppertal in gut 14 Tagen kommt wieder die Runde mit den „leichteren“ Gegnern. Wenn da diesmal auch Lippstadt und Straelen besiegt werden, wenn die anderen auch wie zu Saisonbeginn wieder für uns spielen… Wenn, wenn, wenn. Ich mag mich noch nicht geschlagen geben, zumal uns ja auch die Partie bei Viktoria erwartet. Ich hoffe, diese Gedankenspiele sind nach Wuppertal nicht schon wieder irrelevant.

Mission 51 Punkte läuft! #MEGA

Ohne Profis habt ihr keine Chance

Normalerweise versuche ich, kurz nach dem Spiel meine Gedanken hier zusammenzuschreiben. Gestern war es allerdings mal wieder soweit, dass ich das gerade Gesehene erst einmal sacken lassen musste. Was war passiert?

Nicht nur, dass RWE mit 0:5 eine derbe Packung bekommen hat. Nein, unsere Dortmunder „Freunde“ fühlten sich genötigt, den Regionalliga-Kader um schlappe 18 Millionen Euro aufzuwerten. Mit Kagawa und Isak (der zugegebenermaßen regelmäßig in der II. spielen „darf“) standen aktuelle Nationalspieler ihrer Länder auf dem Platz (und wir reden nicht von Nationen wie Malta oder Andorra), mit Rode ein weiterer millionenschwerer Rekonvaleszent. Und was mich so wütend macht: Die beiden Erstgenannten waren es, die das Spiel quasi im Alleingang entschieden.

Klar, beim 0:1 stand Isak viel zu frei. Klar, beim 0:2 konnte Kagawa sich sekundenlang frei im Mittelfeld bewegen und ohnehin war RWE im ganzen Spiel körperlich nicht sonderlich präsent. Trotzdem handelt es sich bei den Profis um hochgezüchtete Sportmaschinen, die mit Methoden und finanziellen Optionen aufgebaut und trainiert werden, die einem Verein wie Rot-Weiss Essen oder den anderen „normalen“ Clubs der Liga gar nicht zur Verfügung stünden. Das 0:3 fiel noch vor der Pause über ebenjene Achse. Das Bittere daran: RWE war nicht in dieser Höhe schlechter. Immer wieder tauchte RWE gefährlich vor dem Dortmunder Kasten auf, traf Pfosten, schoss Zentimeter daneben und hatte Pech, als ein BVB-Befreiungsschlag vom eigenen Mann geblockt zur Bogenlampe wurde, jedoch nur die Latte traf. Einige Chancen konnte Oelschlägel (3. Keeper der 1. Mannschaft…) auch im letzten Moment parieren. Wer weiß, was ein 1:3 bewirkt hätte.

Es kam jedoch nach der Pause noch schlimmer. Nach nicht geahndeter Abseitsposition (kann man nicht sehen, wenn man als Linienrichter der „Musik“ 10m hinterherläuft) schoss ein Dortmunder aus gut 20m, der Ball sprang auf, versprang, Raeder flog vorbei – 0:4. Nur zwei Umdrehungen der Uhr später das 0:5 (wieder Vorbereiter Kagawa) – Drops endgültig gelutscht. Trotzdem besaß RWE eine ordentliche Portion vom Spiel – traf jedoch einfach den Kasten nicht. Aus bester Position scheiterte erst Scepanik von Pröger in Szene gesetzt, wenig später Baier (gerade noch pariert, Nachschuss-Lupfer auf der Linie geklärt) und kurz vor Schluss nochmal Zeiger völlig blank mit einem zu schwachen Kopfball. Die meisten unter den anwesenden Zuschauern wussten dies durchaus zu honorieren, es hallte „wir halten zusammen RWE“ und ähnliches nach der Partie durch Stadion. Einige wenige verbale Ausfälle auf der Tribüne gab es dennoch, waren aber im Großen und Ganzen deplatziert.

Natürlich kann man nur spekulieren, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn die hochbezahlten Herren nicht mitgespielt hätten. Ich wage aber zu bezweifeln, dass RWE mit dem „Ersatz“ für Kagawa ähnliche Probleme gehabt hätte, denn der Japaner gehört trotz fortgeschrittenem Alter zu den besten Technikern, die der BVB in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Auch wenn einige das nicht lesen mögen – ein Zugriff auf den wendigen Japaner war einfach nicht möglich, da er nur in wenigen Fällen mal den Ball überhaupt geführt hat. Vieles lief einfach über den direkten Pass. Besondere Brisanz bekommt die Gesamtsituation, wenn man bedenkt, dass das Spiel nur verlegt wurde, weil die Dortmunder zum eigentlichen Termin Anfang Oktober Spieler abstellen mussten. Es wäre natürlich unfair gewesen, wenn der BVB dann geschwächt hätte antreten müssen!

In meinen Augen ist der DFB hier mehr als gefordert. Schön und gut, dass man Spielern „von oben“ die Möglichkeit bieten möchte, nach Verletzungen wieder ins Spiel zu finden. Dies darf aber nicht zulasten von Vereinen gehen, die Woche für Woche um ihre sportliche oder gar wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen. Zweitvertretungen von Profimannschaften gehören nicht in den normalen Spielbetrieb oder müssen außer Konkurrenz antreten! Auch wenn das Regelwerk den gestrigen Einsatz zugelassen hat, tritt diese Möglichkeit die sportliche Fairness mit Füßen, denn wir reden hier vom Amateurbereich.

Der Gedanke liegt nahe, dass diese Aufstellung nur zustande kam, weil der BVB befürchtete, den Anschluss an die Viktoria nach zuletzt ziemlich mauer Serie zu verlieren. Wenn es noch so etwas wie eine Fanfreundschaft mit dem BVB gab, gestern Abend hat dieses Tischtuch einen ziemlichen Riss bekommen.

Der Vergleich zu unserer ehemaligen Zwoten hinkt derweil: Auch wenn RWE unter Profibedingungen (die – nochmal – mit denen des BVB nicht vergleichbar sind) trainiert, war die Schere in diesem Bereich nicht annähernd so hoch. Gleiches gilt, wenn RuWa Dellwig I Spieler an RuWa Dellwig II ausleiht.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang den sehr guten Bericht von turus.net.

Kleines Fazit zum Spiel: Man kann gegen den BVB II durchaus verlieren. Man kann vielleicht auch bemängeln, dass besagte Spieler nicht genügend angegangen wurden. Allerdings ist wegen ebenjener Spieler das Ergebnis mindestens drei Tore zu hoch ausgefallen. Was bleibt ist ein ziemlich mieser Beigeschmack angesichts der immensen Wettbewerbsverzerrung, denn es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, dass die „Gäste“ auch in den Partien gegen die restlichen Vereine zum Einsatz kommen.

Derbytime an der Hafenstraße

Erneut muss sich RWE mit einem Unentschieden zufrieden geben, erneut war man nicht das schlechtere Team. Doch der Reihe nach.

Im Vorfeld der Partie schickte RWO markige Worte an die Hafenstraße, ein Sieg sei Pflicht, man wolle die Partie zu einem Heimspiel machen etc. Diesen Worten wollte man nun Taten folgen lassen, und so bot sich gleich von Beginn an eine Partie mit offenem Visier ohne viel Geplänkel im Mittelfeld. Mit der ersten (und wie sich herausstellen sollte einzigen) echten Torchance für Oberhausen klingelte es dann auch gleich: Heber ließ nach zehn Minuten seinen Gegenspieler laufen, bemerkte seinen Fehler zu spät und musste mit ansehen, wie der Ball durch die Beine von Raeder den Weg ins Tor fand.

Der erneute Rückstand erschwerte den echten Rot-Weissen das Spiel, da die Gäste nun das taten, was die meisten Mannschaften an der Hafenstraße tun: zurückziehen, einigeln, Räume dicht machen. RWE fand keinen Weg durch das Bollwerk. RWO versuchte zu kontern, wobei heute Becker zunächst zwei, drei Mal unglücklich aussah. Erst kurz vor dem Wechsel gab es eine nennenswerte Chance für RWE, als Zeiger einen Vorstoß wagte und die spätere Flanke nochmal ablegte, in der Mitte aber zwei Essener den Ball knapp verpassten. Doch diese Szene war so etwas wie der Wendepunkt des Spiels, denn wenig später war es Becker, der mal nach vorne zog, den Ball nach außen auf Bichler spielte. Dessen Schuss aus spitzem Winkel konnte der Oberhauser Keeper jedoch parieren. Der Befreiungsschlag landete bei Scepanik, der flach aus gut 18m abzog – Ausgleich!

Zur Pause kam Marcel Platzek für Nico Lucas ins Team. Und er sollte gleich zeigen, wie wichtig er für das Spiel von RWE derzeit ist. Immer wieder war er anspielbar, legte Bälle schnell nach außen ab oder sorgte für Unruhe im Sturmzentrum. Da RWO sich nun auch nicht mehr zurückziehen konnte, wurde das Spiel auch nun wieder etwas offener, die RWE-Defensive stand aber äußerst sicher. In der Offensive konnte sich Heber immer wieder mit einschalten, sodass Pröger und Bichler immer wieder zu Flanken kamen, die aber in gleich mehreren Situationen entweder geklärt wurden oder ohne Druck aufs Tor weitergeleitet wurden. Von Oberhausen war nach der Pause eigentlich nichts mehr zu sehen. Nach ca. 70 Minuten lief ein Spieler der Gäste auf das Essener Tor zu, Philipp Zeiger klärte in letzter Not unter Einsatz seines Körpers – RWO forderte Elfmeter. Im direkten Gegenangriff hatte der gerade eben gelbverwarnte Abwehrriese der Oberhausener seinen Ellenbogen in Platzeks Gesicht – es gab Freistoß für RWE. Der Schiedsrichter zückte außerdem die gelbe Karte erneut und rot gleich hinterher, zu unserer Verwunderung aber nicht für den „Übeltäter“, sondern für Tim Hermes, der sich wohl dazu hatte hinreißen lassen, den Ball wegzuschießen.

Den folgenden Freistoß köpfte Platzek knapp über das Tor – es hätte die verdiente Belohnung für eine engagierte Teamleistung in der zweiten Halbzeit werden können. So blieb es jedoch beim Unentschieden, das keinem der Teams weiterhilft. RWE bleibt im oberen Mittelfeld „hinter der Musik“, RWO konnte die Verfolgung der Kölner Viktoria nicht fortsetzen – es scheint, als sei die Meisterschaft und das Aufstiegsrennen an dieser Stelle bereits vorentschieden.

Besonders bitter ist der Nachgeschmack, dass sich Bichler bei einer Szene im Strafraum wohl am Sprunggelenk verletzt hat (wobei kein Foul zu erkennen war) und Baier vom Schiedsrichter mit Gelb bedacht wurde, als er beim Erlaufen eines langen Balles seinen Körper einsetzte und der Gegenspieler geradezu daran abprallte. An dieser Stelle gute Besserung an „Bichi“!

Brauer wird in meinen Augen immer mehr zu einem unverzichtbaren Bestandteil im Essener Spiel. Was der heute an Metern abgerissen hat, wie er seine Mitspieler motiviert hat – das hatte echte Leaderqualität. Zeiger noch positiv zu erwähnen wird ihm fast kaum noch gerecht. Er war in der Anfangsphase derjenige, der in den entscheidenden Momenten noch die Übersicht behalten hat und Becker die Nervosität nahm (der von Minute zu Minute abgebrühter wurde).

Der Oberhausener Trainer merkte in der anschließenden PK noch an, „wenn der Schiedsrichter mehr Fingerspitzengefühl zeigt, gibt er uns einen Elfmeter“. Ich lasse die Aussage unabhängig vom Betrachtungswinkel mal so stehen und unkommentiert. Ich fand sie jedoch erwähnenswert. (Interessant, dass beide Trainer einig waren, dass sie Hermes auf dem Platz gelassen hätten. Hier bin ich noch immer gebrandmarkt vom Platzverweis von Tim Erfen in Braunschweig vor Jahren aus demselben Grund – aus einem 1:0 wurde danach noch ein 1:2.)

Zum Oberhausener „Heimspiel“: Ich gebe zu, die erste halbe Stunde ging wohl an RWO. Hier hat die „West“ mit einem eher mauen Singsang eine Chance vergeben, zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Mit zunehmendem Druck verstummte aber auch die Gäste – pardon! – „Heim“kurve, bis auf ein, zwei „nur der RWO“s war nicht mehr viel von gegenüber zu vernehmen.

RWE hat nun gleich zwei Auswärtsspiele vor der Brust. Am Wochenende geht es nach Wiedenbrück, den folgenden Dienstag in die Rote Erde nach Dortmund, bevor sich zum Abschluss der Hinrunde die zweite Mannschaft der Düsseldorfer Fortuna an der Hafenstraße vorstellt.