Punkteteilung 

Ich schreibe diese Zeilen aus dem Sonderzug auf dem Heimweg ins geliebte Essen, also noch frisch unter dem Eindruck des gerade Erlebten.

Vor dem Spiel war es endlich wieder da, dieses Gefühl eines Auswärtsspiels, hoffnungsvoll, aber auch ein wenig angespannt. Das Schlimmste heute wäre wohl gewesen, den Zoonachbarn beim Jubeln zusehen zu müssen.

Es war heute wohl eher das, was man „taktisch geprägt“ nennt. Viel Abtasten auf beiden Seiten, Nervosität vor allem in der rot-weissen Abwehr und zum Glück einer Menge Unvermögen beim Wuppertaler Sturm. Beide Teams konnten jeweils eine Halbzeit für sich entscheiden, ohne zu den ganz großen Chancen zu kommen. Lediglich einmal, in der Nachspielzeit, gelang es einem Essener, den Ball über die Linie zu drücken, doch der Schiri pfiff (objektiv vermutlich zurecht, subjektiv natürlich aus völlig unerfindlichen Gründen) Abseits. Das wäre ein schöner Abschluss geworden.

Ein wenig Leid tat mir heute unser Capo, der 90 Minuten die träge wirkemde Kurve zum Mitmachen zu bewegen. Erst als die Chancen zwingender wurden, kam so etwas wie Derbystimmung auf.

Unter dem Strich steht heute eine gerechte Punkteteilung, doch da keines der anderen Teams, die vor dem Spieltag 6 Punkte hatten, gewinnen konnte, wirkt das Unentschieden mit dem damit verbundenen punktgleichen zweiten Tabellenplatz wie eine Wund- und Heilsalbe auf diese kleine Schürfwunde in unserer noch immer niederlagenfreien Saison.

Nun also geht es nach einem langen Arbeitstag mit angehängtem Auswärtsspiel nach Hause, im Gedanken schon beim kommenden Gegner, dem FC Wunderlich Köln.

Ein guter Freund hat es derweil mit seinem konfiszierten Nasenspray ins örtliche Fußballfachblättchen geschafft und genießt ab sofort im Freundeskreis eine Art Heldenstatus. Prost, Schmidt!

Geschichte wird geschrieben…

So, wieder daheim vor dem heimischen Rechner, das Spiel gegen den Bonner SC hinter uns. Und in der Tat haben wir heute einen quasi historischen Sieg errungen: Zuletzt gelangen und 2 Siege zum Saisonstart gemäß http://www.fussballdaten.de in der Saison 2008/2009 (4:1 in Lotte, 4:0 gegen die kleinen Blauen). Damals folgte noch ein Sieg gegen Lautern II, ob es eine Saison mit vier Siegen gab, gucke ich nach, wenn es in Reichweite kommt…

Der heutige Sieg war eher einer der Sorte „schmutzig“. Zwar hatte RWE die Partie in der ersten Halbzeit absolut im Griff und auch deutlich mehr, deutlich bessere Chancen als die Ex-Hauptstädter, doch ein Moment des kollektiven Tiefschlafs nach einer eigenen Ecke (oder war es ein Freistoß?) genügten, um sich den Rückstand nach einem schnellem Konter mit sehenswerten Lupfer einzufangen. Niclas Heimann dabei den Großteil der Schuld zu geben ginge mir jedoch zu weit, schließlich durfte Bonn die komplette RWE-Abwehr (die ansonsten nichts anbrennen ließ) um- und schwindlig spielen. Ein Foul wäre vielleicht eine praktikable Lösung gewesen, zumal der Schiedsrichter offensichtlich die Karten in der Kabine vergessen zu haben schien. Die durchaus robuste Spielweise der Bonner hätte man meines Erachtens nach viel früher mit gelb bedenken dürfen.

Interessant in dieser Phase zu beobachten, wie schnell die Stimmung von euphorisch-begeistert („Bor, die können ja richtig geil spielen…“) auf genervt-aggressiv („Du Penner, du kannst ja gar nix!“) umschlug. Die tolle Vorbereitung, der erste Sieg in der Vorwoche – alles vergessen, direkt war Zynismus und Sarkasmus beinahe allerortens zu hören. Phantastisch allerdings das Verhalten der neu formierten Gemeinschaft „Westkurve“, die nach kurzer Schockstarre wieder zu Anfeuerung überging.

Bis zur Pause hätten Löning und Platzek dann noch vier oder fünf Mal netzen können, aber der Bonner Keeper hatte irgendwie etwas dagegen, und so ging es mit 0:1 in die trotzdem verdiente Pause.

In der zweiten Halbzeit bot sich dann ein ganz anderes Spiel. Wo Bonn vorher noch auf frühen Ballgewinn und eigenen Druck aus war, gab es jetzt nur noch klassischen Beton. Zehn Mann hinten rein, einer an der Mittellinie. Spätestens als Huckle wüst am Strafraumeck aus vollem Lauf weggegrätscht wurde, hätte es eigentlich gelb geben müssen, aber auch hier verzichtete der Schiri, der sich nie wirklich den Respekt der Spieler erarbeitet hat, auf das Zeigen der Pappe.

Diese sollte dann aber wenig später zum Einsatz kommen, als Platzek hochstieg, um eine Flanke per Kopf im Tor zu versenken, dabei aber von hinten umgestoßen wurde – Elfmeter und Gelb!

Historische Ereignisse, Teil 2: Wir haben mal wieder einen Elfmeter versenkt – Ausgleich. Baier oben rechts, hart geschossen, nix zu halten! Da war es wieder, das Gefühl, dass uns so schnell niemand aufhält, dass wir auf alle Situationen eine Antwort haben. Vergessen waren Schimpf und Schande der vergangenen Minuten, jetzt wollten alle mehr, jetzt wollten alle den Sieg.

Als sich Marcel Platzek schließlich kurz vor Schluss den Ball griff und sich energisch durchsetzte, das Ganze dann mit einem 15m-Knaller ins Tor vollendete, fiel wohl allen Essenern im Stadion ein dicker Felsbrocken vom Herzen. Die restlichen gut 10 Minuten inkl. Nachspielzeit wurden dann mit dem garniert, was letzte Saison von vielen noch vermisst wurde – defensive Wechsel, um Zeit von der Uhr zu nehmen und hinten abzusichern. Mit Ball in aussichtslosen Situationen lieber in die Ecke, Ball abschirmen, statt mit dem Kopf gegen (nicht durch!) die Wand zu rennen.

Ein Konter in der Nachspielzeit führte noch zu Rot gegen den Bonner Verteidiger, der in meinen Augen eher versehentlich Rabihic gefoult hatte. Aber klar, letzter Mann is‘ dann halt auch Rot…

Unter dem Strich der nächste Dreier für unser aller Lieblingsclub. Keine Glanzleistung, wohl aber ein Sieg der Moral und des Kampfes. Es lief noch nicht alles rund, vor allem im Spiel nach vorne, auch wenn das in weiten Teilen der Partie schon ansehnlich war. Mann des Spiels für mich Löning, der viele Bälle vorne weitergeleitet und ein paar dicke Chancen hatte, sowie der unermüdliche Huckle, der kleine Kilometerfresser. Malura/Platzek besonders in der zweiten Halbzeit ziemlich abgemeldet, haben in der ersten Halbzeit aber für ziemlichen Alarm gesorgt. Das hat mir auch sehr gut gefallen.

Wollen wir hoffen, dass der ausgewechselte Löning nicht ernsthaft verletzt ist, denn das würde das rot-weisse Glück dann doch trüben. Und bei dem Bonner Spieler, der vom Platz getragen wurde, das sah nicht gut aus. Ich denke, bei aller sportlichen Rivalität gehört es sich einfach, an dieser Stelle einfach eine gute Besserung zu wünschen.

Dienstag Wuppertal! Reich‘ mir mal einer das Frittenfett, ich muss mich abkühlen!

Keine Angst mehr vor Wiedenbrück

Kerl, watt bin ich heiß!

In ein paar Tagen ist es also soweit: Die neue Regionalliga-Saison 2016/17 startet. Nachdem am Freitag und Samstag die Konkurrenz das bunte Treiben eröffnen wird, haben wir also die Ehre, am Sonntag in Wiedenbrück den ersten Spieltag zu vervollständigen.

Wiedenbrück? Richtig, da war doch etwas. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung ergriff Frank Kurth, Legende unserer glorreicheren Tage und Mitglied des neu ins Leben gerufenen Beirates Sport, das Wort und erklärte, er wolle dabei helfen, der Mannschaft das Motto „keine Angst mehr vor Wiedenbrück“ zu vermitteln.

Die Ostwestfalen konnten in der Vorsaison (wie zugegebenermaßen viele Teams) den „direkten Vergleich“ für sich entscheiden, als sie – ebenfalls als erster Gegner der Saison – unserer Euphorie direkt einen dicken Klotz in die Hacken warfen und mit einem 3:0-Sieg an der Hafenstraße zeigten, dass auch sie Fußball spielen konnten. Zwei Treffer erzielte damals ein gewisser Kamil Bednarski, nachdem RWE nach einer roten Karte gegen Obst zum Ende der ersten Halbzeit das Spiel in Unterzahl bestreiten musste. Im Rückspiel Mitte Dezember führte Rot-Weiss bereits mit 2:0, bevor man auf dem Lande in der Nachspielzeit wieder durch Bednarski noch den Ausgleich kassierte.

Insgesamt gehört der SC Wiedenbrück mit dem SV Rödinghausen, dem SC Verl und RW Ahlen zu den vier Teams der Liga, die in Ostwestfalen ihre Heimat haben. Diese Teams werden bei uns in der Großstadt gerne als „Dorfverein“ belächelt, während wir mindestens in die Zweite Liga gehören. Angesichts der örtlichen Infrastruktur mit kleinem Stadion und sehr übersichtlicher Zuschauerzahl vielleicht zurecht, doch generell muss man wohl zugeben, dass auch dort auf gutem Niveau gearbeitet wird. Verl gehört schon seit langer Zeit zu den etablierten Teams der Liga, Wiedenbrück ist auf dem besten Weg dorthin. Und genau hier liegt meines Erachtens auch das Risiko: diese Teams zu unterschätzen und vielleicht nur mit 98% Einsatz ins Spiel zu gehen, während diese Teams gegen uns bereit sind, mehr als 100% zu geben.

Dennoch hat „Frankie“ recht: Wir als RWE, also Fans und Spieler, müssen dieses Gefühl, dass man in München vielleicht „mia san mia“ nennt, wieder in die Stadien der Liga bringen. Die Punkte gehören uns. Egal, ob man an der Werse, dem Niederrhein oder der Hafenstraße spielt. Denn wir sind RWE. Wir sind das Maß der Liga, der Verein, über den der Weg zum Meistertitel führt. Wir haben keine Angst vor Wiedenbrück.

Außerdem spielt Bednarski jetzt (bald, nach seiner Verletzungspause) für uns.