Auf Abwegen: Sportstadt Essen im Abseits

Ich muss heute einfach mal etwas fernab des RWE loswerden, weil ich seit Beginn der Volleyball-„Karriere“ meines Sohnes tatsächlich so etwas wie ein Fan der Sportart und lokal natürlich des VV Humann Essen geworden bin.

Nicht viele von euch verfolgen das Los dieses Vereins, daher hier kurz die Eckdaten: entstanden aus einer Art Volleyball-AG des Humann-Gymnasiums in Steele ging es für den Verein bis hoch in die Bundesliga, wo man wegen des winzigen Etats aber als Außenseiter nicht lange verweilen konnte. Allerdings ist der VVH seit vielen Jahren in der Nordstaffel der 2. Bundesliga unterwegs und hat sich dort im oberen Drittel etabliert, ohne auf externe Transfers zurückzugreifen. Stattdessen betreibt der Verein eine extrem engagierte und erfolgreiche Jugendarbeit, aus der so mancher gestandene Spieler hervorgegangen ist.

Weiterhin muss man wissen, dass der VVH seine Heimspiele in der Turnhalle des Gymnasiums an der Wolfskuhle bestreitet. Diese Halle hat jedoch leider immer wieder Probleme: mal muss das Dach geflickt oder dessen Träger erneuert werden, viel häufiger jedoch ist der Boden defekt. Allein in dieser Saison musste aus diesem Grund zunächst der Heimauftakt verlegt werden, vergangene Woche zitterte man, ob die Handwerker es schaffen würden, den Boden nach erneutem Schaden wieder herzurichten. Obwohl die entsprechende Stelle der Stadt (Ich vermute: das Sport- und Bäderamt) den Boden abnahm und freigab, entschied das Schiedsgericht, dass die Verletzungsgefahr zu hoch sei und sagte das Spiel ab.

Mich ärgert ungemein, dass von behördlicher Seite anscheinend der Verletzungsaspekt nicht ausreichend gewürdigt wurde – es muss den Verantwortlichen dort ebenfalls klar sein, dass wir hier von einem Bundesligisten reden, also einem Verein, der die Stadt bundesweit repräsentiert. Zudem – und das ärgert mich noch viel mehr – ist die Stadt anscheinend weder in der Lage, einen Handwerker zu finden, der einen Hallenboden fachgerecht instandgesetzt (wie gesagt: x-te Reparatur innerhalb der letzten passt Jahre). Ich bin außerdem der Meinung, dass für solche Fälle eine Möglichkeit geschaffen werden muss, Spiele an der Haedenkamp-, Raumer- oder Was-weiß-ich-wo-Straße auszuführen. Nochmal: Bundesweite Repräsentanz, nicht Stunden des Sportunterrichtes.

Da es sich beim Volleyball um keinen Sport in finanzieller Reichweite zu Handball oder gar Fußball handelt, wäre sicher auch der Gegner aus Lindow-Gransee (bei Berlin) dankbar gewesen, keine 1100km für nichts und wieder nichts abzureißen. Wobei: die Wertung erfolgte ja mit 0:3 / 0:75 aus Humann-Sicht…

Peinlich, liebe Heimatstadt. Einfach peinlich.

Fallhöhe

Eigentlich wollte ich einen „kompletten“ Rückblick auf die Hinrunde schreiben. Angesichts des neuesten Blogposts von Im Schatten der Tribüne möchte ich die Idee aber aufgreifen und den virtuellen Redeball an mich nehmen.

Die typische (schlimm genug) Saison der Rot-Weissen verlief in den vergangenen Jahren so: Erstes Spiel okay, dann meist eine tolle Leistung gegen einen übermächtigen Gegner im Pokal, gefolgt von zwei, drei mauen Vorstellungen in der Liga und schwupps! war man hinter der berühmten Musik. So begannen schon im September die Rechnereien, ob und wie man denn wieder nach oben kommen und den Anschluss finden könne.

Nicht so dieses Jahr. Nach einem knappen 1:2 in Rödinghausen – 14-Sekunden-KO von Freiberger inklusive – berappelte sich die Mannschaft, blühte gegen Wuppertal geradezu auf und spielte sich danach in so etwas wie einen Rausch. Als Belohnung gab es die Tabellenführung, tolle Stimmung allüberall und der gemeine Fan begann zu träumen. Wer sollte RWE noch stoppen. Die Antwort hieß Lippstadt, doch man verzieh den Ausrutscher gegen einen erstaunlich offensiven Aufsteiger, den verschossenen Elfer kurz vor Schluss. Es sollte jedoch der Auftakt zu sechs sieglosen Spielen werden. Von Platz 1 ging es bis zum Ende der Hinrunde nun auf Platz 8 hinunter – Adieu, Aufstieg.

Der Einsatz stimmte bei mindestens 14 von 17 Partien. Das Spiel beim BVB sieht so mancher Fan zwiegespalten, ich sage, dass man einen Kagawa mit den Fähigkeiten unserer Spieler auch mit gröbster Härte kaum hätte stoppen können. Das Spiel in Verl war von beiden Seiten eher mäh geführt, und Düsseldorf war der bisherige Tiefpunkt der Saison, was das Engagement auf dem Platz angeht (habe ich mir sagen lassen, war selbst verhindert). Dass man gegen einen tiefstehenden Aufsteiger (Straelen) keine Lösung findet und nur unentschieden spielt, so etwas passiert halt. Nein, der Einsatz war ein Faktor, den man den Spielern nur schwerlich absprechen kann. Selbst wenn man einen oder mehrere Spieler kritisieren möchte, so haben selbst diese Spieler für ihre Verhältnisse alles in die Waagschale geworfen. Ob das für die Regionalliga genug ist, mögen andere beurteilen, aber ich war zufrieden mit der Art und Weise, wie RWE aufgetreten ist.

Die Fans haben – wenige Störfeuer in Form von Anfeindungen gegen eigene Spieler mal ausgenommen – auch weitestgehend die Mannschaft mitgetragen. In der Phase der sieglosen Partien gab es trotzdem aufmunternde Worte und Applaus von den Tribünen, weil man sah, dass die Mannschaft will. „Wir halten zusammen, RWE, RWE!“ galt endlich wieder.

Bleibt der Faktor des „Spielglücks“. wie es ja neuerdings im Fußballjargon heißt. Machen wir den verdammten Elfer gegen Lippstadt, oder eine der drei dicken Chancen vor der Gladbacher Führung, geht die Bogenlampe des BVB-Verteidigers in deren eigenen Kasten oder treffen wir dort nicht noch zweimal Alu – wer weiß, wo wir stünden. Natürlich kann man gegen Aachen verlieren, aber wenn man sieht, dass Aachen nur diese eine echte Torchance hat und wir vergeblich gegen deren Tor angelaufen sind, dann ist das schon bitter.

Ich will nicht sagen, dass die Mannschaft keine Schuld trägt. Natürlich darf man gewisse Fehler im Spiel so nicht machen. Einige Gegentore sind zu leicht gefallen. Die rote Karte von Pröger war unnötig, aber wohl einer gewissen Emotionalität geschuldet. Mal ist ein Spieler zu eigensinnig vor dem Kasten, mal zu „blöd“ (man beachte die Anführungszeichen), einen Pass an den Mann zu bringen. So ist dort natürlich auch ein Teil der Schuld anzusetzen. Trainer Neitzel nimmt vieles davon auf seine Kappe, trotzdem hat man das Gefühl, dass er deutlich weniger kritisiert wird wie noch seine letzten drölf bis mümzehn(TM)  Vorgänger. (Auch das tatsächlich ein positiver Aspekt, wie ich finde.)

So jedenfalls stehen wir nun auf Platz 8. Durch diesen freien Fall ist aus der totalen Euphorie nun eine tiefe Enttäuschung geworden, diesmal nicht schon im September, sondern erst ab Mitte Oktober.

Als ich neulich gefragt wurde, wie man als Blogger denn nun damit umgehen solle, antwortete ich in etwa, dass wir ja keine Wahl haben. Wir können nicht aus unserer Haut. Die meisten von uns Fans werden auch gegen Rödinghausen wieder vor Ort sein.

Die Mannschaft ist nun in der Pflicht, so abgedroschen das auch klingen mag. Die Saison in irgendeiner Form abzuschenken, so etwas darf es trotz allem nicht geben. Nach unten hin wird – allen Unkenrufen zum Trotz – nichts mehr passieren, die nötigen Punkte werden wir einfahren, da mache ich mir keinerlei Sorgen. Nach ganz oben muss man sich aber auch wohl nichts mehr vormachen. Trotzdem – in meinen Augen muss sich die Mannschaft an folgenden Punkten messen lassen:

  • weiterhin 1907% Einsatz auf dem Platz
  • einen 2-Punkte-Schnitt in der Rückrunde
  • Platz 5 als Minimum
  • optimalerweise noch vor RWO landen, um denen mal (sorry für die Ausdrucksweise) das Maul zu stopfen
  • Erreichen des Pokalfinales, besser noch Gewinn des Niederrheinpokales, um über den „großen“ Pokal weitere Mittel generieren zu können

Dies meine Gedanken zum Status Quo von RWE zum Ende der Hinrunde. Noch jemand, der sich dazu äußern mag?

Ohne Profis habt ihr keine Chance

Normalerweise versuche ich, kurz nach dem Spiel meine Gedanken hier zusammenzuschreiben. Gestern war es allerdings mal wieder soweit, dass ich das gerade Gesehene erst einmal sacken lassen musste. Was war passiert?

Nicht nur, dass RWE mit 0:5 eine derbe Packung bekommen hat. Nein, unsere Dortmunder „Freunde“ fühlten sich genötigt, den Regionalliga-Kader um schlappe 18 Millionen Euro aufzuwerten. Mit Kagawa und Isak (der zugegebenermaßen regelmäßig in der II. spielen „darf“) standen aktuelle Nationalspieler ihrer Länder auf dem Platz (und wir reden nicht von Nationen wie Malta oder Andorra), mit Rode ein weiterer millionenschwerer Rekonvaleszent. Und was mich so wütend macht: Die beiden Erstgenannten waren es, die das Spiel quasi im Alleingang entschieden.

Klar, beim 0:1 stand Isak viel zu frei. Klar, beim 0:2 konnte Kagawa sich sekundenlang frei im Mittelfeld bewegen und ohnehin war RWE im ganzen Spiel körperlich nicht sonderlich präsent. Trotzdem handelt es sich bei den Profis um hochgezüchtete Sportmaschinen, die mit Methoden und finanziellen Optionen aufgebaut und trainiert werden, die einem Verein wie Rot-Weiss Essen oder den anderen „normalen“ Clubs der Liga gar nicht zur Verfügung stünden. Das 0:3 fiel noch vor der Pause über ebenjene Achse. Das Bittere daran: RWE war nicht in dieser Höhe schlechter. Immer wieder tauchte RWE gefährlich vor dem Dortmunder Kasten auf, traf Pfosten, schoss Zentimeter daneben und hatte Pech, als ein BVB-Befreiungsschlag vom eigenen Mann geblockt zur Bogenlampe wurde, jedoch nur die Latte traf. Einige Chancen konnte Oelschlägel (3. Keeper der 1. Mannschaft…) auch im letzten Moment parieren. Wer weiß, was ein 1:3 bewirkt hätte.

Es kam jedoch nach der Pause noch schlimmer. Nach nicht geahndeter Abseitsposition (kann man nicht sehen, wenn man als Linienrichter der „Musik“ 10m hinterherläuft) schoss ein Dortmunder aus gut 20m, der Ball sprang auf, versprang, Raeder flog vorbei – 0:4. Nur zwei Umdrehungen der Uhr später das 0:5 (wieder Vorbereiter Kagawa) – Drops endgültig gelutscht. Trotzdem besaß RWE eine ordentliche Portion vom Spiel – traf jedoch einfach den Kasten nicht. Aus bester Position scheiterte erst Scepanik von Pröger in Szene gesetzt, wenig später Baier (gerade noch pariert, Nachschuss-Lupfer auf der Linie geklärt) und kurz vor Schluss nochmal Zeiger völlig blank mit einem zu schwachen Kopfball. Die meisten unter den anwesenden Zuschauern wussten dies durchaus zu honorieren, es hallte „wir halten zusammen RWE“ und ähnliches nach der Partie durch Stadion. Einige wenige verbale Ausfälle auf der Tribüne gab es dennoch, waren aber im Großen und Ganzen deplatziert.

Natürlich kann man nur spekulieren, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn die hochbezahlten Herren nicht mitgespielt hätten. Ich wage aber zu bezweifeln, dass RWE mit dem „Ersatz“ für Kagawa ähnliche Probleme gehabt hätte, denn der Japaner gehört trotz fortgeschrittenem Alter zu den besten Technikern, die der BVB in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Auch wenn einige das nicht lesen mögen – ein Zugriff auf den wendigen Japaner war einfach nicht möglich, da er nur in wenigen Fällen mal den Ball überhaupt geführt hat. Vieles lief einfach über den direkten Pass. Besondere Brisanz bekommt die Gesamtsituation, wenn man bedenkt, dass das Spiel nur verlegt wurde, weil die Dortmunder zum eigentlichen Termin Anfang Oktober Spieler abstellen mussten. Es wäre natürlich unfair gewesen, wenn der BVB dann geschwächt hätte antreten müssen!

In meinen Augen ist der DFB hier mehr als gefordert. Schön und gut, dass man Spielern „von oben“ die Möglichkeit bieten möchte, nach Verletzungen wieder ins Spiel zu finden. Dies darf aber nicht zulasten von Vereinen gehen, die Woche für Woche um ihre sportliche oder gar wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen. Zweitvertretungen von Profimannschaften gehören nicht in den normalen Spielbetrieb oder müssen außer Konkurrenz antreten! Auch wenn das Regelwerk den gestrigen Einsatz zugelassen hat, tritt diese Möglichkeit die sportliche Fairness mit Füßen, denn wir reden hier vom Amateurbereich.

Der Gedanke liegt nahe, dass diese Aufstellung nur zustande kam, weil der BVB befürchtete, den Anschluss an die Viktoria nach zuletzt ziemlich mauer Serie zu verlieren. Wenn es noch so etwas wie eine Fanfreundschaft mit dem BVB gab, gestern Abend hat dieses Tischtuch einen ziemlichen Riss bekommen.

Der Vergleich zu unserer ehemaligen Zwoten hinkt derweil: Auch wenn RWE unter Profibedingungen (die – nochmal – mit denen des BVB nicht vergleichbar sind) trainiert, war die Schere in diesem Bereich nicht annähernd so hoch. Gleiches gilt, wenn RuWa Dellwig I Spieler an RuWa Dellwig II ausleiht.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang den sehr guten Bericht von turus.net.

Kleines Fazit zum Spiel: Man kann gegen den BVB II durchaus verlieren. Man kann vielleicht auch bemängeln, dass besagte Spieler nicht genügend angegangen wurden. Allerdings ist wegen ebenjener Spieler das Ergebnis mindestens drei Tore zu hoch ausgefallen. Was bleibt ist ein ziemlich mieser Beigeschmack angesichts der immensen Wettbewerbsverzerrung, denn es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, dass die „Gäste“ auch in den Partien gegen die restlichen Vereine zum Einsatz kommen.

Ein erster Blick auf die Tabelle

Die Samstagsspiele des 9. Spieltages der Regionalliga West 2018/19 sind beendet, damit ist ein Viertel der Saison vorbei. Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

Verlauf – so far

Nach der Auftaktniederlage hätten wohl nicht viele damit gerechnet, mit welch eindrucksvoller Vorstellung unsere Mannschaft unsere Freunde aus dem Tal bezwingen konnte. Es war der Auftakt einer Serie von fünf Siegen in Folge, die uns an die Spitze der Tabelle führte. Die Serie wurde jäh unterbrochen von engagierten Lippstädtern, bevor dann Unentschieden gegen Verl und gestern gegen Straelen folgen sollten. Durch die heutigen Ergebnisse bedeutet dies Platz 2 mit einem Punkt Rückstand auf die Kölner Viktoria. Fairerweise muss man dazu sagen, dass die mit uns punktgleiche Dortmunder Zweitvertretung noch ein Nachholspiel gegen Wattenscheid in der Hinterhand hat, was bei einem Sieg zu einem Essener Rückstand auf Platz 1 von drei Punkten führen würde.

Fakt ist jedoch: Der Kontakt zur Spitze ist vorhanden. Auch wenn Verl grausam anzusehen war und die gestrige Partie auch nur aufgrund einer tollen Moral noch ausgeglichen werden konnte, sind wir diesmal nicht in der Situation, dass wir den Kampf um den Thron nur aus der Ferne beobachten können. Stattdessen sind wir mittendrin, wie wir es uns alle schon seit Jahren wünschen.

Auf’m Platz

Und noch etwas ist anders: Von den zwei letzten Partien abgesehen durften wir von unserer Mannschaft einen tollen Fußball sehen. Druckvoll, torreich, begeisternd. Das Publikum – die Seele des Vereins – honoriert dies regelmäßig durch konstant hohe Zuschauerzahlen zu Hause (sowieso), aber auch auswärts, bis auf ein paar Bekloppte auch frei jeglicher Negativschlagzeilen. Und wenn es mit dem Sieg nicht klappt – der Mob spendet trotzdem den Applaus, den sich das Team mit Kampf und Leidenschaft redlich verdient.

Ausblick

Die von mir in einem der ersten Beiträge der Saison erwähnten „leichten“ Spiele sind nun vorüber. Es folgen noch Partien gegen Gladbach und Aachen, bevor es im Oktober gegen die derzeit direkten Konkurrenten Dortmund, Viktoria und Oberhausen geht. Hier muss es uns gelingen, mindestens 5 Punkte zu holen, da lege ich mich fest. Wenn es weniger werden, zieht einer davon. Holen wir alle 9, können sich die anderen unsere Rücklichter ansehen.

Jedoch: Zwischen Platz 1 und 5 liegen derzeit nur zwei Punkte – es gibt nicht diese Übermannschaft, wie der KFC Uerdingen letztes Jahr eine war. Viktoria macht ebenfalls mal wieder zu wenig aus den finanziellen Möglichkeiten und lässt rechts und links des Aufstiegs-Highways Punkte liegen.

Zusammenfassung

Wir haben es noch selbst in der Hand, unser aller großen Traum in dieser Saison zu verwirklichen. Schaut man auf die Resultate der anderen, so sollte auch dem letzten klar sein, dass es weder jemals so „einfach“ war wie diese Saison, noch dass es angemessen ist, die Mannschaft nach schlechteren Spielen wie gestern zu verfluchen. Es ist definitiv zu früh, die Köpfe hängen zu lassen.

Daher: Alle nach Gladbach, alle Sonntag ins Stadion gegen Aachen.

Die Mannschaft braucht uns! RWE braucht uns!

ER – ER – ERWIN KOEN!

Im Jahre 2000 holte Rot-Weiss Essen einen Spieler ins Team, der wohl nach Lippens der zweitwichtigste Holländer werden sollte, der je an der Hafenstraße gespielt hat: Erwin Koen.

Zwar fiel „Nummer 21“ zunächst weniger durch seine vielen Tore auf – in den ersten drei Saisons waren es lt. Transfermarkt „nur“ derer 14 – nein, in Essen liebte man die Art und Weise, wie er Fußball spielte. Schnell über links, gerne auch mal körperlich robuster, bei Freistößen gefährlich und für seine „linke Klebe“ gefürchtet.

Tore von Erwin, die mir in Erinnerung geblieben sind? Da wäre zum einen der 40m-Lupfer über Oliver Adler von RWO (https://www.youtube.com/watch?v=XtRGL51Ucvo), oder aber das 1:0 beim 5:2-Sieg gegen Wuppertal kurz vor dem Aufstieg (https://www.youtube.com/watch?v=awRO5dR2uCw) – ein seltenes, da mit rechts! Und natürlich die vielen Drölfzig-Meter-Freistöße durch die Mauer, quasi sein Markenzeichen.

Legendär eine Szene, die er selbst in einem (sehr lesenswerten!) Interview bei jawattdenn.de schildert: ‚Irgendwann habe ich mit Sascha Wolf vor dem Spiel gesprochen, er sagte zu mir: „Erwin, wenn der Ball auf die Seite der Stehtribüne kommt, machen wir zuerst ein Foul. Wir grätschen einen um und tun so, als ob nichts gewesen wäre. Dann hast Du sofort die Fans hinter Dir und Du wirst gefeiert.“ ‚

Erwin hat bei RWE so ziemlich alles miterlebt: Den Münster-Abriss 2002, Aufstieg 2004 – in dieser Saison mit 18 Treffern, Abstiegskampf in Liga zwei und einen tragischen letzten Auftritt beim 1:3 in Ahlen, bei dem er vom Platz flog und wonach der Abstieg in die damals drittklassige Regionalliga feststand. Trotzdem – oder gerade deshalb? – ist er mit der Hafenstraße noch immer tief verbunden und häufig auch bei den Spielen im Stadion, wenn seine eigene Karriere als Trainer des VV Eldenia in den Niederlanden dies zulässt. Zudem schnürt er noch immer die Schuhe für die RWE-Traditionsmannschaft.

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„Abschied mit Legenden“ – Erwin Koen mit mir und Sohnemann

Nach seiner RWE-Zeit verlief seine Karriere bei Alemannia Aachen noch bis in die Bundesliga (ich erhielt die Nachricht seines Wechsels dorthin auf einer Hochzeit, am Tag bevor RWE gegen Aachen spielte, wenn ich mich richtig erinnere…) bevor er über Paderborn und Wehen-Wiesbaden und verschiedene holländische Teams seine Karriere beendete. Die meisten Spiele seiner Karriere jedoch, die machte Erwin für Rot-Weiss Essen.

Mein Gott, beim „Drüberlesen“ stelle ich fest – das klingt ja fast wie ein Nachruf. Soll es aber gar nicht sein, im Gegenteil: Lieber Erwin, alles Gute zum 40. Geburtstag und danke für all die schönen Momente, die du uns bereitet hast!

Und jetzt alle:
ER – ER – ERWIN KOEN! ER – ER – ERWIN KOEN! 

Links: Wikipedia – Transfermarkt

Ein Blick auf den Spielplan

Anmerkung: Der folgende Text beinhaltet meine bescheidenen Wünsche. Mir ist natürlich bewusst, dass wir wohl kaum ungeschlagen durch die Hinrunde gehen, aber träumen wird ja wohl noch erlaubt sein.

So, diese unsägliche WM ist nun also endlich vorbei, Zeit, sich wieder den wirklich wichtigen Dingen im Leben zu widmen: dem RWE mit der bald startenden Regionalliga.

Und ungelogen: Ich habe heute erstmals einen richtigen Blick auf den Spielplan geworfen. Klar, ich wusste, dass wir in Rödinghausen starten und danach der WSV zu uns kommt (beide Spiele verpasse ich leider, ich werde aber Radio Hafenstraße wie immer verfolgen), aber was dann kommt, klingt beinahe nach einem Traum für ein Team mit Aufstiegsambitionen.

Denn nach dem Auftakt kommt es bereits bis Mitte September zu Aufeinandertreffen allen vier Aufsteigern Kaan-Marienborn, dem TV Herkenrath, dem SV Lippstadt und dem SV Straelen. Dazwischen warten die 2. Mannschaft des „Effzeh“ sowie der Bonner SC auf uns – auch keine Teams, die in der vergangenen Saison Bäume ausgerissen haben – sowie der SC Verl (gehörte zum Mittelfeld der Liga).

Es muss also unser Anspruch sein, einen ordentlichen Start (4 Punkte aus den beiden ersten Spielen) hinzulegen und dann eine Serie gegen die „Kleinen“ zu holen und die Konkurrenz unter Druck zu setzen. Man sieht: die erste Hälfte der Hinrunde ist immens wichtig. Hier wohnen die Pflichtpunkte, die am Ende entscheidend sein werden. Untereinander werden sich die Favoriten (hoffentlich) wieder gegenseitig Punkte abnehmen.

Nach dem Intermezzo mit der 2. aus Gladbach folgt erst Ende September mit der Alemannia der nächste selbsternannte Aufstiegsaspirant zur Hafenstraße. Und das ist dann schon der 11. Spieltag, danach folgen unmittelbar BVB II, die Viktoria, Wattenscheid und Oberhausen – fünf Kracher! Hier gilt es dann, aus diesen Partien mindestens 9 Punkte (z.B. zwei Siege, drei Unentschieden), besser mehr zu holen, um den Anschluss zu halten.

Abgerundet wird das Ganze dann gegen Wiedenbrück und – wie schon in der letzten Saison – Fortuna 2. Hoffentlich schießen wir die dann diesmal wirklich in die Oberliga.

Sollten wir am Ende der Hinrunde unter den Top 5 sein, sehe ich realistische Chancen, dass diese Saison tatsächlich was geht. Meine erste Überschlagsrechnung sieht uns zwischen 30 und 35 Punkten nach 18 Spielen – zum Aufsteigen brauchte man in den letzten Jahren immer einen Schnitt vom mehr als 2 Punkten je Spiel. Aber wer weiß: Sollten wir die erste Hälfte der Hinrunde ordentlich hinter uns bringen, kann uns ja auch mal ein Lauf gelingen und der eine oder andere nicht eingeplante Sieg gelingen. Die anderen sind auch mal dran mit schwächeln.

In diesem Sinne: Auf eine gute Saison 2018/19,

NUR DER RWE!

Make Essen Great Again!

Durchhalten! Noch knapp eine Woche müssen wir diese unsägliche, in vielerlei Hinsicht historische Fußball-WM ertragen. Während ich diese Zeilen schreibe, gammeln sich die Franzosen ins Halbfinale, wo sie entweder auf Dauer-„Geheimfavorit“ Belgien oder auf die Brasilianer rund um Schwalbenkönig Neymar, den ersten seines Namens, Zuckerpüppchen vor dem Herrn, treffen, der seit seiner schweren Verletzung (jetzt echt mal…) im Netz unter dem Hashtag #PrayForNeymar zu allerlei Spott und Häme, vor allem aber zu kreativen Ergüssen und lustigen Videoclips aller Art von sich reden macht.

Ich weiß nicht, wie es euch geht – mir geht die WM gerade nur noch auf den Sack! Die einen bejubeln irgendwelche Isländer, nur weil die bei der letzten EM ja mit ihrem ach so tollen „HU!“ (das international absolut identisch, nur mit „Hey!“-Rufen vorher schon mehr als bekannt war) begeistert haben, die nächsten freuen sich über das Aus von Deutschland (über die Umstände will ich hier nicht philosophieren, es tat aber weh!), und auch die Teams wissen nicht zu überzeugen. Russland – noch immer unter Dopingverdacht kämpft sich gegen enttäuschende Spanier ins Viertelfinale, die Schweden ermauern sich einen Sieg nach dem anderen, bei Portugal und Argentinien kommt nach Ronaldo und Messi auch nicht mehr viel, und die Engländer gewinnen sogar ein Elferschießen (gegen Kolumbien, hurra!). Griezmann kann sich zwar gegen Australien mit einem verkappten „Loser Dance“ zu Verhöhnung des Gegners herniederlassen, gegen Uruguay fängt er nach seinem Treffer beinahe an zu weinen… Über Über Brasilien habe ich mich ja oben schon ausgelassen.

Nein, dieses Mal stellte sich das „große Kribbeln“ bei mir nicht ein. Vielleicht noch am ehesten vor dem ersten Gruppenspiel unserer Mannschaft, vielleicht ein wenig nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden, aber ansonsten? Mir ist es fast Latte, wer gewinnt. am ehesten hätte ich es vielleicht den Schweizern oder (jaja…) den Belgiern gegönnt. Hauptsache nicht England, Frankreich, Brasilien oder gar Russland. (Hach, so viele Wünsche auf einmal…)

Wie gesagt: Eine Woche noch, dann richtet sich der Fokus allüberall wieder auf den nationalen Fußball, sei es Bundesliga, Oberliga oder Kreisliga. Oder, ja oder Regionalliga!

Und hier, muss ich gestehen, werde ich schon wieder ein wenig euphorisch. Die Verstärkungen, die wir bislang an Land gezogen haben, lesen sich auf dem Papier als ebensolche. Keine aussortierten Talente aus irgendwelchen Zweitteams von Bundesligisten, sondern erfahrene Leute. Leute, die der Trainer sich für sein Konzept gewünscht hat. Der Trainer, der seinem Team den ultimativen Willen dem Vernehmen nach vorlebt, der diesen Willen tagtäglich im Training fordert. Der Trainer, der in Kiel beinahe als Legende gilt, weil ein Großteil seines Kaders die Störche beinahe in die Bundesliga geführt hätte. Der Trainer, der sich trotz alldem fannah gibt. Mir gefällt das.

Die Saison wird damit enden, dass der Westmeister in jedem Falle aufsteigt. In dieses Rennen mit einzugreifen, muss nicht nur unser Ziel, sondern unser natürlicher Anspruch als Rot-Weiss Essen sein.

Damit dies gelingt, hat RWE in Person von Marcus Uhlig auf der Jahreshauptversammlung angekündigt, etwas mehr ins Risiko zu gehen und den Etat für die 1. Mannschaft etwas anzuheben. Ich hatte das Vergnügen, ihn vor Kurzem auch persönlich kennenzulernen, und ich habe das Gefühl, dass uns hier ein weiterer Glücksfall beschert ist. Er bringt zu dem Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge zusätzlich Erfahrung auf dem sportlichen Sektor mit, kann einen Sportverein im Sinne eines solchen führen und gesetzte Ziele mit entsprechenden Maßnahmen untermauern.

Damit dies gelingt, muss aber auch der oft beschworene Schulterschluss her. Wir Fans müssen wieder als der zwölfte Mann hinter dem Team stehen. Schluss mit Stimmungsboykotts, Eitelkeiten und Grabenkämpfen. „Alles für den gemeinsamen Sieg“, nur so kann das Motto auf den Rängen lauten!

In diesem Sinne: #MEGA – Make Essen Great Again!