Es wäre einfach zu schön gewesen…

Nach der kleinen Serie mit 10 Punkten aus 4 Spielen und dem Sieg im Pokal stand vergangenen Freitag für unseren neuen Trainer die Premiere unter Flutlicht gegen die „kleinen Dortmunder“ auf dem Programm. Aus persönlichen Gründen (immer dieser Wochenend-Stress…) komme ich leider erst jetzt dazu, meine Gedanken dazu niederzuschreiben. Ich bitte, Fehler in der Chronologie großzügig zu übersehen.

Mehr oder weniger parallel spielte schon beinahe traditionell die „Erste“ der Gäste, diesmal auswärts in Stuttgart, sodass sich eine ordentliche Meute auf der Gästetribüne versammelt hatte. Für etwas Atmosphäre war also gesorgt.

Leider konnte die Mannschaft den Schwung der letzten Partien zunächst nicht auf den Platz bringen. Viel zu oft war man den berühmten „Schritt zu spät“, immer wieder ließen die Dortmunder den Ball in quälend langen Ballstafetten in der Essener Hälfte laufen. Entlastungsangriffe unserer Mannschaft fanden quasi ebensowenig statt wie gefährliche Szenen für unseren Kasten, trotzdem hatte Fußballgott Platzek die einzige „echte“ Chance der ersten Hälfte: Ein abgewehrter Ball landete bei Baier, der postwendend unseren Stürmer mit einem feinen Außenrist-Pass auf die Reise schickte. Kurzer Haken nach innen – leider stellte der Distanzschuss aus gut 18m den Dortmunder Keeper vor keine größere Herausforderung. So ging es also mit 0:0 in die Pause.

Gute 10 Minuten nach Wiederanpfiff entschied der – vorsichtig gesagt nicht immer ganz glücklich entscheidende – Schiri auf Freistoß für die Borussia. Aus meinem Sichtwinkel von W3 aus möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ob da wirklich ein Foul vorlag? SICHER bin ich da nicht… Wie dem auch sei, der Freistoß landete im „Mauereck“, und nach Sichtung der Videobilder gehe ich da mit den ersten Meinungen einiger Freunde konform, dass Heller eine gewisse Teilschuld trägt. Auch wenn er den Ball spät sieht, muss er als Keeper – sorry, Robin – zumindest mal versuchen, die Hände hochzunehmen. Ich weiß natürlich nicht, inwiefern die heute bekannt gewordene Schulterverletzung da Einfluss genommen hat. Auf diesem Wege GUTE BESSERUNG an unsere Nummer 33!

Dieses unnötige Tor, es schien jedoch unser Team endlich wachzurütteln. Die Angriffsbemühungen wurden intensiver, das Spiel gleichzeitig ruppiger. Nach einem langen Ball von Baier wurde (diesmal von W3 gut zu sehen) Malura eindeutig am Arm festgehalten und kam zu Fall – der Schiri (ich wiederhole: nicht der beste Mann auf dem Platz) entschied statt auf „mindestens gelb“ auf „weiterspielen“. Hier wurde in meinen Augen mit einer Fehlentscheidung eine dicke Chance für unser Team verhindert.

Eine weitere große Möglichkeit arbeitete der erneut unermüdliche Pröger heraus, sein Querpass in  die Mitte des Strafraums von der Grundlinie wurde aber im letzten Moment geblockt. Zudem konnte noch Baier mit dem schwachen linken Fuß nach schönem Zusammenspiel mit Bednarksi einen Schuss aufs Tor ablassen, ansonsten war es das schon mit den nennenswerten Torraumszenen des Spiels.

Trotz der Niederlage hatte ich diesmal das Gefühl, als wäre das Publikum deutlich weniger enttäuscht nach Hause gegangen als beispielsweise nach dem Unentschieden gegen Wegberg. Man musste einfach anerkennen, dass die Dortmunder an diesem Abend vor allem in Hälfte eins eine Nummer zu groß waren. Über die Ansetzung eines Schiedsrichters, der sich bei den Gästen eine Mitfahrgelegenheit hätte erfragen können, möchte ich an dieser Stelle nicht großartig philosophieren. Ich gehe einfach nicht davon aus, dass er absichtlich pro BVB gepfiffen hat, zumal er in der ersten Halbzeit auch mindestens zwei Eckbälle für die Gäste nicht gegeben hat.

Ein Aufwärtstrend bleibt trotzdem deutlich erkennbar. Das Gegentor hat anders als noch zu Demandt-Zeiten in der Mannschaft keine größere Unruhe ausgelöst, stattdessen merkte man dem Team an, dass es mit allen Mitteln versuchte, die drohende Niederlage noch abzuwenden. Dass dies nicht immer klappen kann (wie noch in Aachen), sollte jeder verstehen können. Und mal ehrlich: Ein erneuter Erfolg wäre irgendwie doch auch unheimlich gewesen, oder?

Wichtig jedoch ist und bleibt, dass die Mannschaft alles dafür tut, dem Publikum zu zeigen, dass es will. Auch in den letzten Minuten der Partie, mit wahrscheinlicher werdender Niederlage, war nichts von „Aufgeben“ zu erkennen.

In der kommenden Woche findet die nächste Pokalrunde im Niederrheinpokal statt. Dieser Wettbewerb ist natürlich wieder enorm wichtig für uns, bevor wir beim Auswärtsspiel in Wuppertal dann wieder von Sport1 „beglückt“ werden. Da an diesem Wochenende wieder Wochenendstress herrschen wird (Stichwort „Nikolaus“), werde ich leider nicht vor Ort sein können.

Rot-Weisse Wohlfühl-Atmosphäre

RWE gegen die 2. Mannschaft der Fortuna, es gibt sicher prestigeträchtigere Spiele. Es gibt bestimmt aber auch Spiele, die einen spannenderen Verlauf haben. Und es gibt Spiele, bei denen es mehr zu meckern gab.

Unmittelbar nach dem Anstoß und dem damit verbundenen, ersten RWE-Angriff zeigte der Gästekeeper, welche Taktik von der Fortuna zu erwarten sein würde: schon nach 30 Sekunden brauchte er für seinen Abstoß etwa genauso lange. Und so überließen sie unserem Team weitestgehend den Ball, igelten sich wie so viele Gegner zuvor hinten ein und versuchten von Beginn an, die Zeit in der Hoffnung auf einen überraschenden eigenen Treffer herunterlaufen zu lassen. Zum Glück hielt diese Taktik nicht allzu lange den rot-weissen Angriffen stand: nach nur 15 Minuten versuchten zwei Düsseldorfer, eine Flanke zu blocken, schossen sich dabei aber so ungünstig an, dass der Ball in den Strafraum trudelte. Pröger reagierte am schnellsten, erlief den Ball und schob ihn zum 1:0 ins Netz.

Zu diesem Zeitpunkt hätte es schon ein- oder zweimal klingeln können, doch ein Verteidiger konnte jeweils vor Platzek per Kopf klären. Und auch nach der Führung lief das Spiel nur in eine einzige Richtung: auf das Tor der Düsseldorfer. So kam mit der x-ten Ecke die verdiente Belohnung. Die schon mehrmals gesehene Variante „Ecke Grund, verlängert von Zeiger“ brachte den Ball auf den Kopf von Platzek – 2:0.

Wenig später hatte Bednarski das 3:0 auf dem Fuß, als er sich in einem Laufduell durchsetzte, der Gästekeeper konnte aber gerade noch rechtzeitig abtauchen und den Ball sichern. Hier wäre vielleicht der Querpass auf Pröger die bessere Option gewesen, doch als Stürmer darf man den Egoismus in dieser Situation (zumal bei diesem Spielstand) wohl haben.

Ein Baier-Schuss führte zu einer weiteren Ecke (hat eigentlich mal einer mitgezählt, wie unfassbar viele das heute waren!?), und der heute wieder bärenstarke Pröger lief einen tollen Sololauf bis zur Grundlinie in den Strafraum hinein, konnte aber in letzter Sekunde noch am Querpass gehindert werden.

Erwähnenswert in der ersten Hälfte noch die letzten Sekunden, der Ball von Baier per Grätsche erkämpft und unter „Hey“-Rufen in den eigenen Reihen gehalten wurde. Sofort war das Publikum „da“, etwas altes Hafenstraßen-Flair lag in der Luft.

Nach dem Wechsel identisches Bild: Düsseldorf arbeitete sich am starken Essener Mittelfeld ab (Brauer und Baier überall!), scheiterte dann kläglich an der Essener Defensive (Zeiger, der „Hummels von Essen“ gewohnt mit tollem Stellungsspiel und Becker an seiner Seite vollkommen fehlerfrei) und konnte froh sein, nicht nach den diversen Chancen weitere Tore kassiert zu haben. Allein in einer einzigen Situation scheiterten Bednarski, Baier und schließlich Platzek, aber auch Pröger und Malura hatten gute Möglichkeiten, auf 3:0 zu erhöhen. Auch hier wieder Ecke um Ecke, wobei mir persönlich die von Grund geschossenen Bälle besser gefielen als die von Baier, der nach der Auswechselung (verletzungsbedingt?) diese übernahm. Vielleicht beim nächsten mal Pröger?

Ein völlig ungefährdetes 2:0, vorerst Platz 8, 10 Punkte aus den letzten vier Spielen – der rot-weissen Fanseele könnte es echt schlechter gehen. Einzig die Chancenverwertung wäre vielleicht zu bemängeln (siehe Ecken), aber man muss ja nicht immer ein Haar in der Suppe suchen. Wenn nun die Stimmung auf den Tribünen mal wieder in einen besseren Bereich käme – ich könnte glatt Fan von diesem Verein werden. 5700 Zuschauer sind ziemlich enttäuschend, aber vielleicht auch dem Herbstwetter geschuldet. Ich würde mir auch für die Mannschaft wünschen, dass es kommenden Freitag wieder deutlich mehr sind.

Trainer Giannikis scheint derzeit die richtigen Worte zu finden. Es ist ihm zu wünschen, dass dies noch sehr, sehr lange so sein wird. Die Hinrunde endet für RWE mit der heutigen Partie, dazu in einem späteren Beitrag sicher mehr.

Wir ham den Kanal noch lange nicht voll

RWE gegen die falschen rot-weißen aus dem Nachbardorf. Ein Spiel zweier ewiger Rivalen, die näher beieinander liegen als das Westfalenstadion und die Ost-Gladbecker Turnhalle.

Vor gut gefüllten Tribünen fand RWE besser ins Spiel und hatte nach wenigen Minuten die erste Chance, als Bednarski freistehend den Oberhauser Keeper zu einer Glanzparade zwang. Wenige Zeigerumdrehungen (Wortspiel!) später durfte der Großteil der Zuschauer dann aber jubeln, als Malura eine feine Flanke aus vollem Lauf präzise auf die Birne von Platzek zirkelte und dieser unwiderstehlich vollendete.

Auch danach zeigte unser Team ungewohnt deutlich, wer Herr im Hause ist. Es wurde jegliche Angriffsbemühung der Gäste im Keim erstickt, der Ball lief flüssig durch die eigenen Reihen und im Notfall wurde auch schon mal die grobe Klinge ausgepackt. So würde ich mir unser Team häufiger wünschen. Pröger gewann einige neue „Freunde“, als Oberhausen den Ball trotz Essener Reklamation wegen eines am Boden liegenden Mitspielers nicht ins Aus schoss und er deshalb den ballführenden Spieler schlicht umriss und den Ball auf die Gästebank drosch. Oberhausens einzige Chance in der ersten Hälfte bestand aus einem Freistoß aus aussichtsreicher Position, der aber zu einem laschen Schüsschen mutierte, mit dem Heller keinerlei Probleme hatte. Unter Applaus ging es in die Kabine.

Nach dem Wechsel würde Oberhausen von Minute zu Minute stärker, unsere Defensive scheint aber langsam wieder zu alter Form zurückzufinden. Kaum eine Szene endete in Torgefahr, nach vorne hin konnte das druckvolle Spiel mit dem dauerhaften Pressing leider nur noch etwa bis zur 65. Minute aufrecht gehalten werden. Besonders Platzek rieb sich immer wieder beim Anlaufen auf. Je länger die Partie dauerte, umso mehr verlagerte sich RWE aufs Kontern. Bednarski und Pröger kamen dabei noch zu sehr guten Chancen. Weitere Szenen wurden leider zu hektisch verschenkt oder scheiterten am berühmten „Haken zuviel“. Als Heller gute 10 Minuten vor Schluss einen semi-gefährlichen Kopfball festhielt, war ich mir schon sicher, dass wir das Spiel diesmal über die Zeit bringen würden.

Oh Fußballgott, ich verdamme dich! Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Ecke Oberhausen, zu kurze Abwehr, Vollspann – drin, mal wieder 90. Minute! Trotz Brechstange gelang die erneute Führung leider nicht, und so müssen wir uns auch hier wieder einmal mit einem Unentschieden begnügen.

Im Gegensatz zu früheren Remis gibt die Partie jedoch aus gleich mehreren Gründen Grund (noch ein Wortspiel!) zur Hoffnung:

Die Körpersprache stimmte endlich wieder. Es wurde sich gegenseitig gepusht, applaudiert, neu gewonnenes Selbstbewusstsein brachte den nötigen Mut, um auch mal etwas zu versuchen, beispielsweise Direktpässe in die Spitze. Die Zweikämpfe wurden wieder angenommen, statt planlos dem Ball hinterherzulaufen. Dazu ein Trainer, der von außen immer wieder auf das Team Einfluss nahm und mit selbigem kommunizierte. Der „sein“ System nach nur 3 Spielen der Mannschaft bereits soweit eingeimpft hat, dass diese es schon beinahe fehlerfrei umsetzen kann. Die Demandt’schen Lücken, die zuletzt in Mittelfeld und Abwehr (Stichwort Konter) klafften, sie scheinen geschlossen. Ein Benjamin Baier, der zu alter Stärke zurückgefunden hat, Timo Brauer, der überall auf dem Platz zu finden ist und sich nicht zu schade ist, auch mal per Trikotzupfer eine gelbe Karte einzufahren. So kann es meinetwegen weitergehen. Noch dazu hätte ich noch vor der Aachen-Partie 4 Punkten aus den beiden Spielen blind zugestimmt.

Dass die Oberhausener den Ausleich bzw. Punkt wie die Meisterschaft bejubelt haben, macht deutlich, wie schwer wir es ihnen gemacht haben (auch wenn sie uns „in Bestbesetzung natürlich weggesemmelt“ (Zitat) hätten).

Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind. Die meisten Gespräche, die ich auf dem Weg zum Auto mithören durfte, deuteten ebenfalls auf Zufriedenheit trotz des erneuten Unentschiedens hin.

In der kommenden Woche findet sich RWE in Erndtebrück wieder. Da man dort wohl eher auf ein Team trifft, das sich einigeln wird, könnte das Spiel ungleich schwerer werden. Falls die heute gezeigten Tugenden aber erneut gezeigt werden, wird es dort aber einen Sieg zu bejubeln geben.

Nachtrag: der Support war quasi nicht vorhanden. Über 90% des Spieles waren auf der Haupt nur die Gäste zu hören. Klassisches Eigentor, es von der Rahn zu versuchen.

Videoanalyse

Es fühlt sich gut an! Es fühlt sich einfach gut an! Drei Punkte, Auswärtssieg, Spiel gedreht UND nicht unverdient gewonnen. Vorab: Ich beziehe mich auf die TV-Bilder, kann also z.B. zu der Fahnenklau-Aktion, die es offensichtlich gab, nichts sagen.

Sport1 nahm das Spiel zum Anlass, uns eine Partie am Sonntag Abend zu bescheren. Um dieses Thema nur kurz anzureißen: Ich persönlich empfand es als geradezu respektlos, wie der Kommentator die erste Viertelstunde über alles mögliche philosophiert, nur nicht das Spiel, wegen dem er im Stadion war. Was interessiert es den Zuschauer in Sport 1, der zur Regionalliga einschaltet, ob Hertha einen oder zwei Elfmeter bekommt oder ob Gomez in Wolfsburg spielt? Mir scheint, die Spiele (zumindest dieses hier, aber vermutlich die kompletten Regionalliga-Übertragungen) dienen einfach nur dazu, das Programm voll zu bekommen. Auch diese unsägliche Schaltung auf die Aachener Trainerbank, wo man ja vor x Wochen schon mal gemeinsam gesessen hat… Bla bla bla. Dafür vom Spiel wegzuschalten… Oder anderes Beispiel: Einwurf RWE in aussichtsreicher Position – Sport1 zeigt die Pyro-Show im Essener Block und gibt den Leuten dort zusätzliche Bühne… Mir unbegreiflich!

Dazu passend, dass der Sender seine Werbung über den Anpfiff hinaus zeigte, sodass man den Führungstreffer der Alemannia direkt mal nicht live miterleben konnte. Ich erwarte doch, dass man das selbst bei vorheriger anderer Partie mit entsprechender Nachspielzeit die Werbung noch so timen kann, dass man zumindest beim Einlauf der Teams auf Sendung ist.

Der Treffer fiel, wenn ich die Szene richtig vor Augen habe, nach einem geblockten Ball von Becker, der in den Lauf eines Aacheners flog, sodass die aufgerückte Essener Abwehr im Rücken und damit eiskalt erwischt wurde.

Ich persönlich war der Verzweiflung in diesem Moment schon wieder sehr nahe, doch das Team ließ sich vom Rückstand nicht wirklich beeindrucken. Zwar konnte die Alemannia zunächst mehr Ballbesitz beanspruchen und spielte auch ein, zwei Chancen heraus, doch mit fortlaufender Spieldauer konnten unsere Jungs den berühmten Zugriff erlangen und kamen zu ersten, zaghaften Chancen. Pröger erlief einen zu laschen Rückpass, umspielte den Aachener Keeper auch zunächst, scheiterte dann jedoch an selbigem doch noch. Wenig später verlängerte Bednarski eine Unzola-Flanke per Kopf an den Pfosten. Spätetens zu diesem Zeitpunkt wäre der Ausgleich für RWE verdient gewesen. Doch aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben: Nach einer guten halben Stunde bediente Grund per Ecke Timo Becker, dessen Kopfball vom Aachener Torschützen des Führungstreffers ins eigene Netz geköpft wurde. Kurz vor dem Wechsel hatte erneut Bednarski die Chance zur Führung, doch er war anscheinend überrascht, dass Platzek den Ball doch noch zu ihm rüberspielte, dass nur ein harmloser Heber dabei heraussprang.

Mit diesem für Aachen glücklichen Unentschieden ging es in die Pause, aus der die Aachener zunächst entschlossener zurückkamen. Einige Eckbälle waren die Folge, die aber allesamt geklärt werden konnten. Eine gute Viertelstunde nach Wiederanpfiff gab es dann eine Menge Rauch und auch Böller aus dem Essener Block, wo einige Unverbesserliche die Grundlage dafür schufen, bei resultierenden Regressforderungen mal wieder den Präsidentenkopf zu fordern. Ist eigentlich das Geisterspiel vom Tisch oder ist aus dieser Richtung etwas zu erwarten?

Dann endlich mal gelang es RWE, die volle Wucht ihrer Offensive auszunutzen: Fehlpass Aachen und auf einmal waren Platzek, Bednarski und Pröger auf der Reise, wobei sie sich lediglich zwei Verteidigern gegenübersahen. Und über genau diese Stationen fand der Ball dann wen Weg zur überfälligen Führung ins Alemannen-Netz! 2:1, Spiel gedreht! Das hatten wir schon verdammt lange nicht mehr.

Die verbliebenen 25 Minuten waren dann zunehmends geprägt von Defensivarbeit, da die Aachener es nun noch einmal mit der Brechstange versuchten. Aber auch die Rot-Weißen kamen nochmal zu Chancen: Platzek und Baier prüften das Aachener Tor mit Distanzschüssen, scheiterten jedoch am Keeper oder an der Position des Tores (der Ball flog knapp vorbei). Besonders sehenswert der Freistoß von Baier, der aus gut 25m an die Latte knallte.

Womit wir schon bei Benni Baier angekommen sind: Er hat heute endlich nach einer langen Strecke schwächerer Spiele mal wieder gezeigt, warum er so wichtig fürs Team ist. Alle Fäden im Offensivspiel liefen bei ihm zusammen, mehrere Abschlüsse hat er sich selbst herausgearbeitet. Diese hatten zumeist das Prädikat „gefährlich“. Und auch als emotionaler Leader, als Chefaggressor war er deutlich präsenter als noch zuletzt. Ich würde mir wünschen, dass er dies auch in den restlichen Spielen der Saison mindestens auf dem heutigen Niveau halten kann.

Nach dem Abpfiff brandete nicht nur auf den rot-weissen Rängen Jubel auf, auch den Spielern war anzumerken, dass sie erleichtert waren. Timo Becker (der heute souverän wie selten in der neuen Dreierkette AGIerte (was für ein Wortspiel) legte einen spontanen Sprint über den halben Platz hin – böse Zungen behaupten, er sei vor dem Gestank der Aachener Heimtribüne geflüchtet.

Und auch in meiner Facebook-Chronik sind all diese negativen RWE-Postings verschwunden. Kein #welliggohome mehr, kein Spott, kein Zynismus. Warum nicht immer so. Ich empfehle ausdrücklich nochmals den Beitrag bei Catenaccio 07, den sich einige vielleicht schon zu Herzen genommen haben. Auf jeden Fall fühlt es sich deutlich besser an, das Ende des Tages mit einem Sieg in den Taschen einzuläuten.

Wie dem auch sei: kommenden Samstag kommen die Nager vom Rhein-Herne-Kanal rübergeschippert. Nach dem ersten Auswärtssieg dieser Saison wäre dies doch ein hervorragender Anlass, die Siegesserie auszubauen.

Wieder nix.

Da ist es also passiert: Zum ersten Mal habe ich nach einem Spiel so eine Art Schreib-Blockade. Was haben wir da gestern erlebt? War es trotz der Niederlage eine ordentliche Partie unseres Teams? Oder war es nur so ein enges Spiel, weil die Viktoria zu arrogant agierte? Die Antwort auf diese Fragen fehlt mir leider noch immer, trotzdem werde ich versuchen, das gestern Erlebte in Worte zu fassen.

Zunächst wären da diese unsagbaren Transparente auf der West zu nennen, die aus allen Rohren verbal in Richtung Michael Welling feuerte. Dem Vernehmen nach ging es dabei (ausnahmsweise einmal) nicht um die sportliche Situation des Vereins, sondern darum, dass ein „Fan“ für den Wurf von Feuerzeugen zum Regress für die von Verband verhängte Strafe herangezogen wurde. Dies zeigt einmal mehr das Selbstverständnis, das auf der „West“ zu herrschen scheint. Der Verband reagiere willkürlich und außerhalb jedweder Rechtsprechung (obwohl alle im Ligabetrieb teilnehmenden Vereine sich eben dieser Sportgerichtsbarkeit (siehe auch Vereinsautonomie im Grundgesetz!) unterworfen haben), und vor diesem Hintergrund meint man anscheinend, man könne sich solche Dinge erlauben. Das gehöre eben dazu, früher war alles noch schlimmer, und überhaupt. Parallelen zur Pyrodiskussion sind hier deutlich zu erkennen. Meiner bescheidenen Meinung nach muss man sich bewusst sein, dass man für verursachte Schäden aller Art halt haftbar ist. Da ist es auch nicht von Bedeutung, dass Vereine halt mehr Geld „parat“ haben als Otto Normalzuschauer. Wenn ich auf der Autobahn mit nem Twingo in nen Rolls Royce knalle, hafte ich auch nicht nur bis zum Wert meiner Karre. Als Ehrenrettung sei gesagt, dass auch deutliche Pfiffe gegen die Plakataktion zu hören waren. Zum Thema Michael Welling lege ich dem geneigten Leser gerne den hervorragenden Beitrag der Kollegen von jawattdenn.de nahe.

Zum Spiel: In der ersten Halbzeit war unser Team darauf bedacht, nach hinten nicht viel zuzulassen, während die Kölner von Beginn an das Heft in die Hand nahmen und RWE nicht aus der eigenen Hälfte hinaus ließen. Angriff um Angriff wurde aufgebaut, scheiterte jedoch an der im Großen und Ganzen sicher stehenden Defensive.

Als RWE dann die ersten eigenen zaghaften Aktionen aufzuziehen begann, traf Viktoria mit dem ersten echten Angriff. Ein Freistoß wurde nach schnell nach vorne gespielt, Brauer rannte seinem Gegenspieler nur hinterher, dieser spielte steil in den Strafraum, wo ein Kölner Becker abschüttelte und durch die Beine von Heller vollendete. Aus meiner Sicht muss Heller hier ein, zwei Schritte auf den Schützen zumachen, anstatt im kurzen Eck auf den Beinschuss zu warten.

Nach dem Tor versuchte die Viktoria in meinen Augen, mit einer Mischung aus Hochnäsigkeit und Arroganz über Schönspielerei vor das Essener Tor zu gelangen und vergab dadurch die Gelegenheit, weitere Treffer nachzulegen. Der Rest der ersten Halbzeit war gezeichnet von am Boden liegenden Kölnern, die Probleme mit der Schwerkraft zu haben schienen und bei jedem Kontakt direkt zu Boden gingen. Weitere Chancen gab es für beide Teams also nicht, so dass es mit dem Stand von 0:1 bei einigen wenigen Pfiffen in die Pause ging.

Eine grobe Viertelstunde nach Wiederanpfiff räumte Malura in höchster Not (Steilpass in den Rücken der aufgerückten Becker und Zeiger) einen Kölner vor dem Sechzehner per Bodycheck ab, Freistoß an der Strafraumgrenze und Platzverweis waren die Folge. Malura hatte bis dahin einen starken Eindruck auf der rechten Abwehrseite hinterlassen, wenn seine Flankenläufe auch nicht im Ansatz von Erfolg gekrönt waren. Eben dieser Offensivdrang ist das, was ich bei Urban beispielsweise in den letzten Spielen vermisst habe.

Nichtsdestotrotz steckte unser Team nicht auf und schaffte es sogar zeitweise, die Gäste zurückzudrängen. In der Phase von der 60. bis zur 80. Minute war RWE dem Ausgleich in Unterzahl näher, Viktorias Konterversuche konnten frühzeitig unterbunden werden. In zwei Situationen reagierte Heller in höchster Not glänzend und konnte eine vorzeitige Entscheidung verhindern. Allerdings fiel mir in dieser Phase zum wiederholten Male die technische Begrenztheit im Spiel von David Jansen auf, der – oft lang und hoch angespielt – kaum einen Ball festmachen konnte. Marcel Platzek wurde jedoch ausgewechselt – dies führte zu weiteren Pfiffen in Richtung Trainerbank, da für den Außenstehenden natürlich nicht zu erkennen war, dass er sichaufgrund eines Schlages gegen den Kopf vermutlich eine Gehirnerschütterung zugezogen hat – und so durfte Jansen bis zum Spielende „wirken“. Der Transfer von Jansen, zu Saisonbeginn in der Journaille als „Königstransfer“ gefeiert, ist bislang ein echter Rohrkrepierer. Der später eingewechselte Bednarski wirkte direkt engagierter und auch gefährlicher in seinen Aktionen.

Sekunden vor Spielende hatte ein Großteil der Zuschauer schon den Jubelschrei auf den Lippen. Pröger erlief einen Rückpass auf den Kölner Keeper und konnte dessen Abschlag blocken, allerdings sprang der Ball zu weit hoch und nach außen, so dass er aus spitzem Winkel am zurückeilenden Torwart scheiterte.

Dass mit der letzten Aktion dann gegen die komplett aufgerückte Defensive noch das 0:2 fiel, ist schon beinahe eine Randnotiz. Erneut verloren, Wegberg besiegt zeitgleich überraschenderweise Rödinghausen – damit ist der Abstiegskampf nun greifbar geworden, zumal bei Siegen von Bonn und Verl, die nach dem Spieltag auf jeden Fall auch noch ein Spiel weniger haben, auch auf dem Papier ein Platz auf den Abstiegsrängen droht.

Nichtsdestotrotz glaube ich noch fest daran, dass wir frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Ich kann einfach diese Bandbreite in der Qualität unserer Spiele nicht verstehen. Und überhaupt: Warum sieht es eigentlich derzeit bei unseren Gegnern immer so leicht aus, wenn diese ihre Angriffe vortragen? Zwei, drei schnelle Pässe und man steht blank vor unserer Kiste. Warum nicht umgekehrt?

Ich will doch gar nicht viel. Nur mal wieder ein paar Punkte. Vielleicht tat Baier die Denkpause mal gut, vielleicht hat auch der neue Trainer schon eine Idee, wie er mit einer Systemänderung (?) schnell wieder Erfolge erzielen kann. Generell fehlte mir auch eine gewisse Grundaggressivität, mal ’nem Ball hinterhergrätschen…

Das aktuelle Spiel des Jahres findet aber zunächst am Mittwoch am Uhlenkrug statt. In der aktuellen Lage scheint es wichtiger denn je, den Niederrheinpokal zurück an die Hafenstraße zu holen.

Beim Zeus! Wir haben einen neuen Trainer!

RWE hat einen neuen Cheftrainer. Argirios Giannikis übernimmt zunächst bis zum Saisonende unser aller Lieblingsteam. Ich persönlich habe diesen Namen zuvor nie gehört, allerdings gilt er wohl in der „Szene“ als Taktikfuchs. Wollen wir hoffen, dass es ihm gelingt, seine Spielphilosphie auf unser Team zu übertragen und ihm endlich wieder Stabilität zu verleihen. Eine faire Chance hat er auf jeden Fall verdient. Selbst die Kritiker von Lucas/Welling sollten einsehen, dass ER am wenigsten dafür kann, dass die Wahl auf ihn gefallen ist.

Alles Gute, Agi! Auf eine erfolgreiche Arbeit bei RWE; auf dass wir nachher nicht sagen, dass griechisch einfach nur für’n Arsch ist. Wie heißt eigentlich der griechische Gott des Fußballs?

„Mein Sohn bleibt Grieche!“ – Elena Sarikakis, Lindenstraße

Ratlosigkeit, wohin man sieht

Wie gerne hätte ich an dieser Stelle über eine mitreißende, erfolgreiche Partie gegen den SC Verl berichtet. Aber irgendwie soll es wohl derzeit alles nicht sein.

Das Spiel verlief in der ersten Hälfte dermaßen höhepunktlos, dass es mir schwer fällt, irgendetwas darüber zu schreiben. Ein einziger, knapp am Essener Tor vorbeistreichender Schuss – das war es. Verl beschränkte sich aufs Kontern, RWE fand auf dem nassen Rasen im Dauerregen keinerlei Mittel, die Abwehr in Gefahr zu bringen.

In der zweiten Hälfte bot sich ein ähnliches Bild. Eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff verlor Grund nach einem Foul den Ball in Höhe der Mittellinie, statt eines Freistoßes brach ein Verler rechts durch, flankte und in der Mitte konnte sein Kollege zum 0:1 aus Essener Sicht vollenden.

Das spielte Verl natürlich in die Karten, mit jeder weiteren Minute wurde der angerührte Beton fester. Und obwohl RWE nach dem Gegentreffer gefühlte 90% Ballbesitz hatte, sollten daraus im Grunde keinerlei gefährlichen Situationen mehr entstehen. Dass in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit noch der Ausgleich nach einem Freistoß per nicht mal gefährlich aussehenden Kopfball von Urban fiel, ist zwar irgendwie ein Zeichen des Wollens, trotzdem jedoch eher als glücklich einzuordnen.

Damit ist zum Spiel an sich auch schon alles gesagt. Nicht jedoch zur aktuellen sportlichen Situation in unser aller Lieblingsverein: Es ist mir ein Rätsel, wie es passieren kann, dass aus einer engagiert aufspielenden Mannschaft ein ängstlicher Haufen wird, in dem die leichtesten Dinge nicht mehr funktionieren. Ein Benni Baier lässt seit Wochen seine positive Aggressivität, seine Körpersprache und seinen Führungsanspruch vermissen. Robin Urban fällt meist durch Fehlpässe oder Foulspiele auf, Bednarski ist häufig unsichtbar. Selbst ein Philip Zeiger, in der letzten Saison noch Garant für eine sichere Abwehr, steht oft einen Schritt zu weit vom Gegenspieler entfernt.

Woran liegt es? Der Abgang von Windmüller und auch Weber scheint nicht kompensiert zu sein. Mit Becker, Meier, Urban und Tomiak durften sich gleich vier Spieler in der Innenverteidigung versuchen – Konstanz geht anders. Jansen ist auf dem besten Wege, sich in die Liste unserer Stürmerlegenden Knappmann und Behrens einzureihen. Platzek scheint hier unersetzlich, ihn nach außen zu ziehen und Jansen in die Mitte zu stellen erwies sich bisher als Luftnummer. Grund – unser bester Vorbereiter seit mehreren Jahren – dürfte nach seinem heutigen verletzungsbedingten Abgang für Wochen ausfallen – ich mag gar nicht daran denken. Ngankam scheint bei Demandt keine Chance zu haben. Und auch das Fehlen von Malura macht sich auf links durch mangelnde Offensivaktionen bemerkbar. Über allem steht zudem die Frage, ob die Mannschaft noch hinter dem Trainer steht oder ob er sie noch erreicht.

Am Ende werden wohl die berühmten Mechanismen greifen und Sven Demandt seinen Stuhl räumen müssen. Die Spatzen pfeifen schon von den Dächern, dass er zumindest nicht mehr viele Chancen bekommen dürfte. Ich persönlich finde es schade, weil er zu Beginn seiner Karriere hier durchaus den Eindruck machte, dass er zu RWE passen könnte. Jedoch steht der Verein an oberster Stelle, daher wird die Trennung wohl schon bald erfolgen. Ich hoffe, sein Nachfolger kann dann schnell Impulse setzen, um das Team wieder in die Spur zu bringen.