Weiter ungeschlagen im Pokal

Heute nur in aller Kürze, zumal ich nicht im Stadion war.

Zwar hat die Mannschaft heute in der ersten Halbzeit nach dem, was man so hörte, keine Bäume ausgerissen  (!), am Ende stand allerdings ein klarer und wohl auch verdienter 4:0-Erfolg im Pokal, so dass wir weiter im Wettbewerb bleiben.

Mag das Spiel vielleicht auch nicht sonderlich schön gewesen sein, so ist das, was unter dem Strich steht, das Wichtige. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das durfte man als geneigter Fan auch erwarten.

Pflicht erfüllt.

Lieber Hendrik Bonmann,

Anmerkung des Autors: Nach dem überregionalen und ligaübergreifendem Erfolg in der Pils-pro-Kopf-Rangliste der Deutschen Fussball-Landschaft wird der heutige Blogbeitrag präsentiert von der Trinkerszene Essen-Nord, die anscheinend heute in (Achtung, Wortspiel!) voller Mannstärke in W3 angetreten war. Der Promillepegel lag wohl oberhalb der messbaren Parameter, bei manch einem sogar oberhalb der Anzahl der verbliebenen Zähne… Nie war die Textzeile „Die paar Mark für die Karte von der Leber abgespart“ so wahr wie heute.

WARUM!? WARUM KONNTEST DU DEINE FOTTFINGER NICHT IN DER NACHSPIELZEIT MAL UNTEN LASSEN?!

So oder so ähnlich würde ich wohl einen Brief an unseren Ex-Keeper anfangen. Mannmannmann… Dazu später mehr.

Trainer Demandt war bekanntermaßen mit der Leistung in Aachen nicht zufrieden und hatte dementsprechend – mehr oder weniger überraschend – einige Veränderungen vorgenommen. Bednarski, der wieder begnadigte Ivan sowie Meier spielten für Huckle, Jesic und Löning.

Die Kollegen aus meiner Blogeinleitung hatten zugegebenermaßen Ihre Probleme, aufrecht zu stehen und ihre flüssigen Mahlzeiten in sich zu behalten. Aber: Messerscharf wurde jeder Ballkontakt analysiert und direkt eine Empfehlung ans Team ausgesprochen: „Geh drauf da!“ – „Warum spielt der nicht?“ (mit Betonung auf „spielt“), „Pressing!“ oder aber auch „Getz!“

Die Ansage „Spiel doch!“ hat direkt in der 9. Minute geklappt, als ein semi-genialer Steilpass von halb rechts in den freien Raum vor Bednarski ebenjenem erlaubte, Fahrt aufzunehmen. Und obwohl es so aussah, als hätte der Verteidiger entscheidend eingegriffen, konnte unser Messias (quod erat demonstrandum!) den Ball aus der Distanz im langen Eck versenken. 1:0, endlich wieder eine Führung. Wenig später hatte Ivan eine große Chance, kurz darauf folgte ein geblockter Schuss von Platzek. Das war alles, was die mehr als 11.000 Zuschauer (Familienspieltag) heute zu sehen bekamen. Der Rest war Mittelfeldgeplänkel und harmlose Angriffsbemühungen der kleinen Borussen.

In der zweiten Hälfte ein ähnliches Bild. RWE stand tief, lauerte auf Konter, Dortmund hatte mehr Ballbesitz und kam zu ein paar guten Chancen. Rund 10 Minuten vor Schluss, die Roten hatten bis dahin recht souverän verteidigt (ein gefährlicher Schuss wurde von Heimann pariert), dann der Pfiff. „Elfmeter! War ja klar!“ hallte es von hinter mir. Ich selbst vermag aus W3 nicht zu sagen, ob es einer war oder nicht, dafür war es halt zu weit weg. Fakt jedoch: Heimann hat ihn gehalten, war dann aber beim Nachschuss machtlos. 1:1!

In der Nachspielzeit gab es dann die Szene, die mich zu obigem Liebesbrief animieren könnte: gefährlicher RWE-Konter über die rechte Seite, bei dem (ich glaube) Meier den Ball am 16er querspielt, am langen Pfosten steht Ngankam, und Bonmann, der ehemalige Rot-Weisse (übrigens wieder mit Applaus bedacht und selbigen auch erwidert), ist mit einer unmenschlichen Parade doch noch zur Stelle und verhindert den sicher geglaubten Siegtreffer. Bei der nachfolgenden Ecke bekommt Malura am langen Pfosten den Ball, kann ihn aber nicht an den beiden auf der Linie befindlichen Dortmundern vorbeidrücken. Ähnliches Bild wie in Aachen, in den letzten Sekunden haben wir die dicksten Chancen des ganzen Spiels im Sekundentakt, die wir noch schneller aber vergeigen.

Vor zwei Wochen hätte ich gesagt, dass so ein 1:1 gegen Dortmund schon okay ist. Heute bin ich leider enttäuscht. Die Taktik war heute eher defensiv gewählt, okay. Trotzdem war die Chance in meinen Augen da, mit etwas mehr Mut nach dem 1:0 noch ein Tor nachzulegen. Die Dortmunder erwiesen sich besonders in der ersten Halbzeit als harmlos, allerdings war das Rot-Weisse Spiel über die gesamte Dauer zu passiv, zu spät dann die Bemühungen, die Scharte des Elfers auszuwetzen. Für mich war dies das erste Spiel, in dem der Einsatz nicht stimmte.

A propos Elfmeter: Wenn ich richtig gerechnet habe, hat dieser Mist uns nun mindestens drei Punkte gekostet (heute zwei, gegen Rödinghausen einen, dazu der Elfer gegen Gladbach, der uns auf die Verliererstraße brachte). Das muss man wohl nicht weiter kommentieren.

Auch heute fällt es mir wieder schwer, einen „Spieler des Tages“ zu benennen. Bednarski in der ersten Halbzeit sehr aktiv, Platzek heute mal ohne Schubser und mit ein paar guten Ballgewinnen, Meier sehr konzentriert in der Abwehrarbeit. Aus meiner Sicht unverständlich die Nichtnominierung von Huckle, der in den vorigen Partien jeden Zentimeter des jeweiligen Platzes mindestens einmal betreten und meist auch per Grätsche umgepflügt hatte. Klar, er hatte seine unglücklichen Szenen in Aachen, aber dort war er auch noch einer der Besseren. Schließlich noch die Verletzungsauswechslung von Cokkosan – ich hoffe, es ist nichts Schlimmeres. (Edit: hörte gerade, dass Huckle verletzt ist)

Leere Hände. Mal wieder.

Mit ebensolchen stehen wir nach einer durchaus durchwachsenen Partie bei der Alemannia da.

Frau nicht da, schönes Wetter – da fahr ich doch mal spontan mit dem Sohnemann zum Auswärtsspiel, zumal die jüngsten Erfolge doch Lust auf mehr gemacht haben.

Leider fing es gar nicht so gut an: Die ersten gut 15 Minuten gehörten den Hausherren, die einen ziemlichen Druck aufbauen konnten, aus dem sich unser Team erst nach und nach etwas befreien konnte. So hatte dann auch Platzek die erste Chance des Spiels, als er nach einem langen Pass den Ball annahm und aus 25m aufs Tor schoss, dabei aber wohl im Abseits stand, so dass die gute Parade des ehemaligen RWE-Ersatzkeepers Nagel auch keine Rolle mehr spielte.

Nach einer knappen halben Stunde dann der erste wirklich bange Moment. Zeiger verschätzte sich bei einem langen Ball, sein Kopfball zum Keeper zurück gelang zu kurz, so dass der Aachener Stürmer allein auf Heimann zulaufen konnte. In dieser Situation konnte Heimann aber prima den Torschuss verhindern.

Wenig später waren dann wohl schon die meisten angesichts der rar gesäten Chancen schon beim Pausentee, als dann plötzlich doch noch ein Aachener im Strafraum auftauchte und einen Flachschuss aufs Tor brachte, den Heimann nur noch per Reflex parieren konnte. Leider stand in der Mitte ein weiterer Aachener und konnte ins leere Tor einschieben. Insgesamt nach dem Verlauf der ersten Hälfte auch wohl eher verdient.

Nach dem Wechsel beschränkte sich Aachen aufs Verteidigen, was heute gegen die recht ideenlosen Angriffe unserer Mannschaft völlig ausreichte. Zu ausrechenbar, zu oft hoch gegen die großen Innenverteidiger. Der Schiri tat dazu mit einigen seltsamen Entscheidungen sein Übriges, für meinen Geschmack wurde Platzeks Körpereinsatz beispielsweise zwei-, dreimal zu oft weggepfiffen.

Nach einer knappen Stunde dann die letzte ernsthafte Aachener Szene: Langer Ball, Heimann kommt raus, aber Huckle schafft es nicht, den Aachener Spieler ordentlich zu blocken, so dass dieser den Ball an allen vorbeilegt. Sein Schuss ging aber glücklicherweise weit vorbei. In dieser Situation sehe ich leider Huckle in der Schuld, er hatte Heimann bedeutet, dass dieser sich um den Ball kümmern solle.

Als dann Bednarski zu seinem ersten Ligaeinsatz für RWE kam, hoffte ich persönlich darauf, dass nach vorne noch etwas ging. Bednarski war es auch, der die erste richtige Chance für unser Team hatte, sein Hammer aus gut 20m knallte allerdings nur an die Latte. Dieser Schuss schien dann so etwas wie ein Startsignal zu sein, ab diesem Moment war von Aachen offensiv nichts mehr zu sehen. Angriff auf Angriff rollte Richtung Aachener Tor, außer ein paar Ecken kam aber nicht viel dabei rum. In der Nachspielzeit kratzte dann noch ein Aachener einen Ball von der Linie (konnte nicht sehen, wer geschossen hatte), und Bednarski traf quasi mit dem Abpfiff erneut die Latte – 0:1 Ende.

Ein mittlerer Aufreger passierte dann noch nach Abpfiff, als die „Anzug und Hemd“-Fraktion der Aachener aus der Loge mit Mittelfinger, Onanier-Gestik und anderen Gebärden in Richtung Essener Stehblock agierte. Dieses Gehabe hätte ich von  pubertierenden Jungs oder Mitt-Zwanzigern erwartet, nicht jedoch von (vermutlich) gestandenen Unternehmern und deren Begleit-Damen. Aber dies nur am Rande.

Heute stimmte zwar erneut der (läuferische!) Einsatz, aber wie oben schon beschrieben war das alles zu simpel gespielt. In einer ganzen Reihe Situationen wurde der Pass zu spät oder zu zaghaft gespielt, zudem machten die Aachener über 90 Minuten ein ziemliches Pressing auf die Defensive und unterband jeglichen Spielaufbau im Ansatz. Daran konnten leider auch nicht die offensiven Wechsel (Bednarski für Jesic, Ngankam für Huckle, Baier für Rabihic) nichts mehr ändern.

Ich mag heute keinen Spieler hervorheben, dazu war da zu viel Schatten und zu wenig Licht auf dem Platz.

Schade, dass das zarte Pflänzchen Hoffnung, nach oben wieder ranzukommen, nun erst mal wieder eingegangen ist. Es ist nun am Trainerteam, aus dem heutigen Spiel wieder die richtigen Schlüsse zu ziehen und der Mannschaft gegen die anderen Schwarz-Gelben der Liga ein anderes Gesicht zu verpassen.