Von Enten und dicken Frauen

Ich denke, es ist mal wieder Zeit für einen Eintrag in mein kleines Tagebuch hier. Ich muss gestehen, dass es in den letzten Wochen hier etwas ruhiger war, doch wenn man rund um Spieltage mit drei Stunden Stream und etwa zwei Stunden Highlight-Video beschäftigt ist, ist der Bedarf, seine Gedanken zum Spiel auch noch ausladend niederzuschreiben, relativ gering – zumindest bei mir.

Die beeindruckenden Heim-Darbietungen unserer Mannschaft, vor allem in den letzten Wochen mit beeindruckenden 22 Treffern aus den letzten fünf Partien, haben in meiner Wahrnehmung nach dafür gesorgt, dass die negativen Stimmen deutlich leiser geworden. Stattdessen hat ein gewisses „Jetzt erst recht“ Einzug gehalten. Natürlich ist das große Ziel noch immer in weiter Ferne, aber wie mancherorts zu lesen war: Wir sind mit ziemlicher Sicherheit wieder in den Köpfen der Borussen.

Die rot-weisse Welle rollt, bereit alles zu verschlingen, was sich ihr in den Weg stellt. An der Hafenstraße gibt es (außer für Störche mit Fallsucht) in dieser Saison nix, aber auch gar nix zu holen. „Wer schießt die Tore am laufenden Band?“

Dank der Toresflut sind wir auch in puncto Tordifferenz wieder auf Tuchfühlung. Erfreulich viele Spieler trugen sich in die Torjägerliste ein, Engelmann „nur“ mit sechs Treffern aus den letzten 5 Spielen. Zudem Kefkir mit mächtig Rückenwind.

Wie war das noch in der Hinrunde, als nach wenigen Spieltagen einige die Borussia schon mit 12 Punkten Vorsprung sahen? Am Ende standen wir verdient oben. Warum nicht auch jetzt?

Ausgerechnet die blauen Nachbarn haben mit einem unverhofften Unentschieden bei Schwarz-Gelb dafür gesorgt, dass die Aufstiegshoffnungen erneut befeuert wurden. Die kleinen Bienchen haben seitdem bis zum nächsten Spiel (dank spielfreiem Wochenende) zwei Wochen Zeit, am Vergeben des nach eigenem 3:0 schon so sicher scheinenden Sieges zu knabbern, noch dazu gegen eine Mannschaft aus dem Mittelfeld der Tabelle, und zu allem Überfluss im sogenannten „kleinen Derby“. Das macht etwas mit jungen Spielern, da bin ich mir recht sicher. Kommenden Samstag dann der Vergleich mit dem SV Rödinghausen, dem ex-Team von BVB-Chefschreihals Maaßen, dem einzigen Team, das bisher einen Sieg gegen den BVB erringen konnte. Da geht noch was!

Grundlage für den möglichen Erfolg im Schlussspurt ist natürlich der Ausbau der eigenen Siegesserie, quasi kein Spiel darf mehr verloren gehen, würde eine Niederlage doch einen weiteren Patzer der Borussia nötig machen. Die dicke Frau, sie wärmt bereits die Stimmbänder auf, aber es ist eben erst vorbei, wenn sie ihre Arie geschmettert hat.

Samstag also in Wuppertal. Dort, wo Hedon Selishta letzte Saison eine 35 Jahre währende Serie siegloser Partien in der 90+6. Spielminute beendete. So ist dieser Ballast, dieser „Fluch“ also kein Thema mehr. WSV-Sportchef Küsters hat zwar vollmundig angekündigt, RWE ein Bein stellen zu wollen, doch wäre er nicht der erste, der in dieser Saison mit derartigen Vorsätzen scheitert. Dennoch: Nach Samstag darf Wuppertal gerne wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und am letzten Spieltag gerne auch hoch gewinnen.

Auch das Restprogramm von RWE hat es durchaus in sich: Aachen und Köln sind schon fast traditionell Wundertüten. Mit Lotte und Wegberg endet die Saison dann gegen vermeintlich schwache Gegner, doch die Warnung aus dem Ahlen-Spiel dürfte auch beim letzten RWE-Anhänger und -Spieler angekommen sein. Gespickt wird das Ende der Saison durch den Niederrheinpokal, der zur Unzeit mindestens das Spiel gegen RWO, bei einem Sieg noch gegen Straelen und ein eventuelles Finale beinhaltet – alles im Endspurt der Saison, wo die Kräfte nicht mehr auf dem Höhepunkt sind. Wohl dem, der über einen breiten Kader verfügt.

A propos „schwache Gegner“: Schaut man auf den Restplan unseres Konkurrenten, so scheint dies einfacher: Bergisch Gladbach, Homberg, Straelen und eben der WSV folgen dem Gastspiel in Rödinghausen. Wir selbst durften erleben, wie schwierig es sein kann, in Straelen zu gewinnen. Homberg konnte zu Hause ein 0:0 gegen die Borussen erkämpfen. Warum nicht noch einmal so ein Kraftakt? Alle Spiele beginnen bei 0:0. Also, Jungs, Ohrstöpsel rein und Vollgas!

Die berühmte Ente, sie spürt bereits den Druck auf dem Darm. Allen Leugnungen zum Trotz bin ich sicher, dass auch die Borussen ein wenig „den Köttel inne Buxe“ haben. Zu verlieren haben nur sie, nicht wir.

ImmeRWEiter!

Nur der RWE!

Tomorrow never knows.

Ja, auch bei mir saß der Stachel des leider von Davari knapp nicht gehaltenen Elfers gegen Kreyer aus dem RWO-Spiel eine Weile tief. Nicht so tief wie die Ernüchterung nach dem Ahlen-Match, aber ich war bis zum Pfiff des Schiris zuversichtlich, dass RWE diese Partie würde gewinnen können.

Aber: In meiner eigenen kleinen Tabellenprognose bis Saisonende (nach Ahlen) hatte ich zwei Unentschieden eingeplant: gegen Aachen und Wuppertal, so meine Planung, würden wir nochmal Punkte liegen lassen. Daher ist quasi nur eine dieser Punkteteilungen vorgezogen worden, wenn man so will.

Und ja, die Chancen auf den Aufstieg sind durch den sehr durchwachsenen März nicht größer geworden, ganz im Gegenteil. Allerdings – so der Tenor rund um den „Mega-März“: Auch Dortmund spielt noch gegen die Mannschaften von oben. Diese Spiele stehen nun für die Borussen an, beginnend mit dem Heimspiel gegen Fortuna Köln, dicht gefolgt vom Vergleich mit Münster und Mönchengladbach (die sicher auch etwas gut zu machen haben) und eben RWO, die ihre Stabilität in der Rückrunde wiedergefunden haben. Es darf also durchaus gehofft werden, wenn, ja wenn RWE die Hausaufgaben erfüllt und selbst eine Siegesserie hinlegt.

Wie inzwischen hinlänglich bekannt sein dürfte, bin ich den Zahlen gegenüber nicht abgeneigt, und so habe ich im Folgenden ein wenig Material zusammengetragen. Insgesamt gehe ich dabei davon aus, dass es sich zwischen uns und dem BVB entscheiden wird, auch wenn Preußen Münster in der Tabelle noch einmal herangekommen ist (aber mal ehrlich: Die haben zwei Spiele mehr als wir und sind ach so gefährlich, aber wenn wir bei einem Spiel weniger als Dortmund einen Rückstand haben, ist die Saison durch?). Mir ist bewusst, dass wichtig „aum Platz“ ist, ich will aber zeigen, dass es noch längst nicht an der Zeit ist, die Flinte ins Korn zu werfen. Wer auf sowas nicht steht, kann an dieser Stelle abschalten.

Werfen wir zunächst einen Blick auf den Ist-Zustand:

Sowohl RWE als auch Dortmund könnten noch alle verbliebenen Spiele gewinnen, alle Spiele verlieren oder irgendetwas dazwischen. Daraus ergeben sich 5148 verschiedene Kombinationen.

In 1151 Kombinationen – 22,4% – reicht es für RWE zum Aufstieg. Bei 3849 – 74,8% wird der BVB die Liga nach oben verlassen. 148 Möglichkeiten verbleiben, in denen die Tordifferenz entscheidet (2,9%). Hierzu bleibt festzuhalten: Auch in der Tordifferenz ist Dortmund nicht unerreichbar weit weg. 16 Tore besser bei 11 verbliebenen Partien – durchaus aufholbar, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir ohnehin auf Niederlagen der Konkurrenz hoffen müssen.

Womit wir beim Thema wären: Welche Bedingungen müssen denn überhaupt gegeben sein, um überhaupt noch eine Chance zu haben?

Betrachten wir die Ausgangslage, so ist bei neun Punkten Rückstand sofort klar: Drei Siege sind das absolute Minimum. Verlieren wir die anderen acht Partien, so können wir nur noch aufsteigen, wenn Dortmund alle zehn Partien abgibt und wir dabei die Tordifferenz aufholen – das wohl engstmögliche Szenario.

Das andere Extrem: Gewinnen wir alle 11 Partien, steigen wir trotzdem nur auf, wenn der BVB maximal sieben Partien gewinnt und mindestens eine weitere verliert. Als kleiner Service für alle, die bis hierher durchgehalten haben, hier die komplette Übersicht.*

* Anmerkung: Ich habe der Übersichtlichkeit halber nicht noch jede Möglichkeit aufgelistet, in der die Tordifferenz entscheiden würde. Sollte dies in den Bereich des Möglichen kommen, reiche ich sicher ein entsprechendes Update nach.

Ich schreibe diesen Beitrag am Abend vor der Partie gegen die U23 der Knappen in der Hoffnung, dass die Mannschaft die Heimstärke beibehalten kann und sich dieser Text am Sonntag Abend nicht komplett erübrigt hat. Ich bin mir absolut bewusst, dass zwischen meiner Einstellung und einigen, die die Saison schon abgehakt haben, alle verschiedenen Betrachtungsweisen im Umfeld existieren. Aber ich bleibe Optimist. Als groben Richtwert habe ich mir mal irgendwann gemerkt, dass ein Punkt je verbleibendem Spieltag noch im Bereich des Machbaren ist. Und mindestens so lange weigere ich mich, den Nichtaufstieg zu akzeptieren. Ich hoffe, nein, ich bin mir sicher, auch die Mannschaft ist nicht dazu bereit, vom vorgegebenen Ziel zurückzuweichen.

Und wer weiß – vielleicht sprechen wir ja in zwei Wochen darüber, dass die Lücke bereits geschlossen wurde?

Also: Negativ nur beim Corona-Test!

NUR DER RWE!