Jetzt ist Demut gefragt

What a ride! Nein, das Oldenburg-Match war wirklich nichts für schwache Nerven. Die Anfangsphase gehörte sicherlich den Gastgebern, der Gegentreffer schien nur eine Frage der Zeit, schlussendlich sorgte dann ein – berechtigter – Elfmeter für den Rückstand unserer Mannschaft. Der Treffer wirkte ein wenig wie ein Startsignal. RWE übernahm mehr und mehr die Kontrolle über die Partie und konnte – ebenfalls per Elfer – ausgleichen. Zwei Dinge an diesem Elfer finde ich bemerkenswert:

Zum Einen wäre da Lawrence Ennali zu nennen, der einem eigentlich zu lang geratenen Pass von Young hinterhersetzt, als sei der Leibhaftige hinter ihm her. Im allerletzten Moment kann er den Ball vor dem heraneilenden Mielitz erreichen und jaaaa, er nimmt den Kontakt natürlich auch gerne mit, aber solche Elfer werden regelmäßig gepfiffen. Trotzdem: Manch einer hätte den Ball vermutlich schon aufgegeben.

Und dann wäre da natürlich noch Felix „Eisblock“ Bastians zu nennen, der sich von Mielitz‘ unwürdigem Versuch, den Schützen mit einem Spaziergang zur Trainerbank zu verunsichern, nicht beeindrucken lässt und den Strafstoß quasi unhaltbar im rechten Eck versenkt. Im Blick zurück auf die zwei vergangenen Spielzeiten hätte ich mir da jemanden von Bastians‘ Souveränität vom Punkt gewünscht. Kerl, watt haben wir da alles vergeben?

Unmittelbar vor der Pause stand dann Berlinski schließlich da, wo ein Mittelstürmer zu stehen hat und erzielte das zu diesem Zeitpunkt hochverdiente 2:1. Dem Treffer ging ein toller, öffnender Pass von Götze auf Bastians voraus, der aus aussichtsreicher Position bereits hätte treffen können. Oldenburg war mit dem Halbzeitstand dennoch bestens bedient.

Als erneut Bastians kurz nach der Pause zum 3:1 durch die Hosenträger des Oldenburger Keepers traf, schien der Drops gelutscht. Es konnte ja niemand ahnen, dass die Achterbahn noch eine Extrarunde drehen würde. Einen Befreiungsschlag bekommt RWE am Mittelkreis nicht in den Griff und plötzlich ist Starke (ich hörte im TV ein- oder zweimal, der wurde kürzlich Vater…) frei vor Golz, Sponsels Grätsche kommt zu spät und es steht nur noch 2:3, wenig später gar trifft Starke (der kürzlich Vater wurde, wie ich im TV hörte) völlig blank im Fünfer nach einem Eckball zum Ausgleich.

Das sogenannte Momentum gehörte damit endgültig wieder den Gastgebern. Während ich noch die Worte „warum nimmt der jetzt den Götze für Kefkir runner“ in den Ohren habe: Einwurf Sponsel, Kopfball Rother, Kopfball Deichmann – Eigentor! Die erneute Führung, so wichtig. Randnotiz – Bastians stand Einschussbereit in der Flugbahn von Rothers Kopfball, Deichmann kam ihm nur knapp zuvor.

Die Chancen für Oldenburg häuften sich nun, weil die Hausherren jetzt mehr riskierten, RWE konnte aus sicherer Defensive immer wieder Impulse nach vorne setzen und so dafür sorgen, dass auch Oldenburg beschäftigt blieb.

Und was bitte war das für eine Blitzidee, die die Entscheidung herführte? Nach einem Trikotzupfen gegen Fandrich durch Zietarski in der rot-weissen Hälfte rechnen einige wohl mit einer gelben Karte, aber RWE führt schnell aus, Sponsel ist den Verteidigern enteilt und sucht im Zentrum den mitgelaufenen Ennali, erneut ist es ein Oldenburger Spieler (Appiah), der den Job selbst übernimmt und in die eigenen Maschen vollendet.

So konnten sich die vielen, vielen Mitgereisten in bester Laune auf den Heimweg machen. Drei weitere Punkte im Sack, die Hälfte der sagenumwobenen 40-Punkte-Marke im Sack nach 15 von 38 Spielen. Dazu, so war den Medien zu entnehmen, in den letzten neun Spielen zweitbestes Team der Liga nach Primus Elversberg (was spielen die bitte für eine Saison? RESPEKT!).

Der Trend zeigt nach dem Holperstart klar nach oben, und vielerorts waren gar entschuldigende Worte in Richtung Dabrowski zu vernehmen, dessen Standing im Umfeld anfangs recht angeknackst war. Inzwischen, so ist zu vernehmen, sei eine Linie im Spiel zu erkennen, auch die Entwicklung des Teams geht klar voran. Wie es Björn Rother im vereinseigenen Kanal darstellte: Anfangs hat man zu jugendlich gespielt, inzwischen geht man die Partien erwachsen an. Ja, seit Ingolstadt ist das Spiel unserer Jungs deutlich physischer geworden und auch in puncto Dynamik hat man einiges zugelegt.

Nur fünf Teams der Liga (Elversberg, 1860, Wiesbaden, Dresden und Osnabrück) haben mehr Treffer erzielt, auch hier hat man ja Böses geahnt nach den ersten paar Spielen, als nicht nur die Treffer, sondern auch die Chancen rar gesät waren. Fun-Fact am Rande: Wie mir zugetragen wurde, hat RWE erstmals seit der Saison 1979/80 drei Auswärtsspiele in Folge in einer Profi-Liga gewonnen. In jener Saison in Liga zwei gelang das gleich zweifach, die Gegner damals hießen Rot-Weiß Lüdenscheid, Union Solingen und DSC Wanne-Eickel sowie OSC Bremerhaven, OSV Hannover und Wuppertaler SV.

Berlinksi ist teamintern der aktuelle Top-Torschütze, Engelmann kann seine Verletzung also auskurieren, ohne dass wir uns allzu viele Sorgen machen müssen. Was die kassierten Tore angeht, haben wir allerdings Nachholbedarf, das geht mir persönlich oft zu einfach – siehe Zwickau, siehe die beiden Starke-Treffer (der ist übrigens, wie man im TV vernehmen konnte, kürzlich Vater geworden).

Dennoch – so auch die Überschrift – täten wir alle gut daran, weiterhin Demut zu zeigen. Die ersten rechnen schon, wie weit es noch zum Relegationsplatz ist (ja, ein gewisses Augenzwinkern erkenne ich da schon noch), andere haben die Punkte gegen Meppen schon fest verbucht.

Aber: auch gegen den SV Meppen will erst einmal gewonnen werden. Die Emsländer taumeln aktuell wie Axel Schulz zu seinen besten Zeiten, aber gerade deshalb ist es wichtig, die Konzentration oben zu halten. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Jungs genau wissen, wie sie dieses Spiel angehen müssen. Mehr als 15.000 Zuschauer auf den Rängen werden dann wieder dabei sein, um als zwölfter Mann für ein wenig Extraschwung zu sorgen. Auch das gewohnt großartig.

Wenn ihr bis zu diesem Punkt durchgehalten habt, dann sollt ihr dafür auch noch mit einem kleinen Bonus belohnt werden: Die Literaturfreunde unter euch sollten sich den Abend des 25.11. mal vorsichtig freihalten. Ich bin da watt am Planen dran. Zwinkersmiley!

Vorher heißt es aber erst einmal: Fokussieren auf Meppen und 1860!

NUR DER RWE!

2 Kommentare zu „Jetzt ist Demut gefragt

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