27. Spieltag – RWE – SV Lippstadt

RWE hält den Anschluss zur Spitze. Mit einem hochverdienten 3:1 nach einer schwachen ersten Hälfte geht es in die englische Woche.

Nachdem bereits Mittwoch bekannt war, dass Dennis Grote und Kevin Grund verletzt würden passen müssen, gesellte sich kurz vor dem Anpfiff der bislang in allen Spielen quasi gesetzte Daniel Heber zu den Spielern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mit auflaufen konnten. Laut PK nach dem Spiel klagte er schon am Treffpunkt über Schwindelgefühle, die sich beim Warmmachen intensivierten, sodass für ihn Dorow in die Startelf rückte und Hildebrandt zusammen mit dem wieder spielberechtigten Hahn die Innenverteidigung bildete. Matuwila rückte auf links, Endres durfte wieder von Beginn an ran.

Die Bedingungen waren alles andere als einladend: Kalter, teils heftiger Wind, dazu eine ordentliche Portion Regen. Dass trotzdem mehr als 8.600 Zuschauer den Weg an die Hafenstraße fanden, zeigt einmal mehr das beeindruckende Fanpotential unseres Vereins!

Von Anfang an spielte sich das Geschehen weitestgehend in der Lippstädter Hälfte ab, wobei sich die Gäste bei jeder Gelegenheit viel Zeit ließen, um Abstöße und Einwürfe auszuführen. Eine Taktik, mit der schon der VfB Homberg und auch der SV Rödinghausen Erfolg an der Hafenstraße hatte, zumal ihnen in beiden Partien auch noch frühe Treffer gelungen waren.

Diesmal tat RWE eigentlich alles dafür, dass der Spielverlauf ein anderer sein würde. Nach gut fünf Minuten setzte Kefkir einen sehenswerten Fallrückzieher aus 16m knapp neben das Tor, bevor eine Reihe von Eckbällen in den Lippstädter Strafraum segelte – leider ohne wirkliche Torgefahr, lediglich ein Eckball wurde vermeintlich per Hand geklärt – ich möchte mich da nicht festlegen.

Dann jedoch der erste Angriff für den Gast: Nach einem Fehlpass von Matuwila kommt der Ball schnell auf die andere Seite, wo Sauerland das Laufduell nicht gewinnt. Querpass – 0:1 in der 14. Minute, ein Treffer, der den Spielverlauf auf den Kopf stellte.

RWE verlor jedoch nicht die Ruhe, schaffte es allerdings auch nicht, wirkliche Torgefahr zu entwickeln. Mal entschied man sich für den falschen Pass, oft kamen Flanken nicht hoch genug – vor allem aber die vielen Eckbälle waren vollkommen harmlos. So sehr sich Kefkir bei deren Ausführung auch bemühte, ich hatte den Eindruck, dass der Ball „zu schwer“ war, sodass er meist viel zu früh wieder herunterfiel.

Nachdem Lippstadt bei einem Konter das 0:2 auf dem Fuß hatte (Hahn konnte gerade noch blocken), hatte Dorow nach einer präzisen Flanke den Ausgleich auf dem Kopf, der Ball strich aber knapp am Pfosten vorbei.

Der Rest der ersten Hälfte war geprägt von vielen Fehlpässen auf beiden Seiten. In dieser Phase hätte ich mir von unserem Team etwas mehr Pressing gewünscht, viel zu lang durfte sich Lippstadt hinten den Ball in aller Seelenruhe zuschieben. Kehl-Gomez, Hahn und Sauerland waren in dieser Phase die einzigen Spieler, die den Weg nach vorne deutlich suchten. Kurz nachdem Platzek kurz vor der Halbzeit eine große Chance zum übers Tor setzte, pfiff der weitestgehend angenehm unauffällige Schiedsrichter zur Halbzeit, die Mannschaft wurde mit vereinzelten Pfiffen in die Pause verabschiedet – ich kann das nicht nachvollziehen, sorry.

In der Pause entschied sich Christian Titz zu einem Doppelwechsel: für den gegen Oberhausen so starken Matuwila, der heute eher träge und reaktionsschwach wirkte kam Jan Neuwirt, Adetula ersetzte Kefkir.

Ich weiß nicht, was Titz in der Pause mit der Mannschaft veranstaltet hat, die auch schon deutlich früher wieder auf dem Platz stand als der SV Lippstadt, aber die zweite Hälfte war. Es sollte jedoch seinen Effekt nicht verfehlen.

Adetula brachte über außen deutlich mehr Schwung in die Partie (wobei ich Kefkir sein Engagement nicht absprechen will), immer wieder konnten er und auf der anderen Seite Endres nun Räume nutzen, die Flanken blieben aber zunächst ähnlich harmlos wie in Hälfte eins. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass der Gast unter der Dauerbelastung langsam Kräfte ließ, nach vorne ging von Lippstadt nun erst mal nichts mehr. Entweder wurden lange Befreiungsschläge gespielt oder unpräzise Pässe landeten spätestens bei Hahn und Hildebrandt.

Condé hatte eine gute Einschusschance aus gut 18m, versuchte es aber mit einem Schlenzer, der kein Problem für den Lippstädter Torhüter darstellte. Wenig später war es Dorow, der im Strafraum zum Schuss ansetzte, den Ball aber nicht richtig traf und eine weitere Chance vergab.

Für Condé kam nun Pronichev ins Spiel, der auf mich einen ziemlich guten Eindruck gemacht hat. Er ist einer dieser Spieler, die mit dem Rücken zum Tor auch mal angespielt werden können, um den Ball abzulegen, die aber auch im Vorwärtsgang das Auge für den besser postierten Mitspieler haben.

Ein langer Ball von Hahn in den Sechzehner konnte von Dorow angenommen werden, dabei wurde er aber vom Keeper – meines Erachtens nach fair – abgeräumt. Die Proteste blieben auch im Rahmen, doch aus der Situation resultierte eine weitere Ecke für RWE. Neuwirt brachte den Ball herein, die Gäste schienen noch nicht so richtig sortiert, und Marcel Platzek konnte endlich mal wieder einen Treffer erzielen. Der hochverdiente Ausgleich!

Platzo wurde unmittelbar danach zur Überraschung vieler Zuschauer gegen Dahmani ausgewechselt. Dahmani, vielversprechender Transfer mit Drittliga-Erfahrung, der bislang allen Erwartungen hinterher gelaufen ist. Wie sollte er diesem Spiel zu einem glücklichen Ende verhelfen?

Die Unkenrufe schienen nach nur wenigen Sekunden bestätigt, als er aus 20m etwas übermotiviert den Ball etwa 5m neben das Tor setzte, anstatt auf die besser postierten Dorow oder Pronichev durchzustecken. Zwei Minuten später dann aber ein langer Ball, der von der Lippstädter Abwehr scheinbar problemlos geklärt werden konnte. Dahmani, Brust, Volley – drin das Ding! 2:1, eine dicke Jubeltraube samt Reservespielern auf dem Platz. Man gönnt Dahmani dieses Tor offenbar sehr. Eine Tatsache, die viel über die Chemie in der Mannschaft aussagt – es stimmt einfach!

Die Gäste mussten nun natürlich wieder aktiver werden, wenn sie noch Punkte mit nach Hause nehmen wollten. Zwar konnte die Abwehr die schnellen Pass-Stafetten immer wieder abfangen, RWE schaffte es aber seltsamerweise kaum noch, selbst über eine längere Phase nochmal Druck auszuüben. Dass sich Sauerland bei einer Grätsche einen Muskelfaser- oder vielleicht einen Muskelbündelriss (Titz auf der PK) zuzog, sorgte natürlich nicht für Entlastung. Da RWE schon vier Wechsel vollzogen hatte, biss er auf die Zähne, wurde aber in die Nähe der Mittellinie beordert. Seine zwei verbleibenden Aktionen – ein „Sprint“ zum Zustellen eines Passwegs sowie ein Doppelpass mit Pronichev – wurden durch eine Portion Extra-Applaus von den Tribünen honoriert. Einsatzwille bis zum Schluss – das will man an der Hafenstraße sehen. Gute Besserung, David!

Zum Matchwinner wurde für mich jedoch Jakob Golz. Die Nachspielzeit war gerade angezeigt worden, als die Gäste noch einmal über den Flügel durchbrechen konnten, erneut ein Querpass, der Stürmer steht einschussbereit am langen Pfosten, doch Golz – keine Ahnung, wie – bekommt eine Hand an den Ball und lenkt ihn an die Latte. Sein Jubelschrei danach spricht Bände.

Den Schlusspunkt setzte jedoch dann nochmal Pronichev: RWE befreit sich aus einer weiteren, kritischen Situation, Pronichev setzt gegen den „letzten Mann“ nach und erobert den Ball. Im Gleichschritt mit Dahmani, aber nicht mehr verfolgt von einem Gegenspieler geht es im lockeren Trab (immer schön mit Schulterblick) in Richtung Kasten, der Keeper entscheidet sich spekuliert auf den Querpass, Pronichev nicht, stattdessen schiebt er nach einem kurzen Schlenker nach außen zum 3:1-Endstand ein.

Was kann man nun aus dieser Partie mitnehmen? Klar, die erste Halbzeit war nicht berauschend, in Halbzeit zwei war über weite Strecken eine klare Dominanz zu erkennen. Zudem macht sich bezahlt, dass man beim Aufbau des Kaders auf eine hohe Flexibilität geachtet hat. Die Mentalität des Teams ist beeindruckend. Es ist zwar müßig, darüber zu sinnieren, aber ich glaube nicht, dass wir mit einem der Kader der letzten Jahre dieses Spiel gedreht hätten.

Man of the Match? Golz. Der hat das Ding heute festgehalten, ganz klar. Ansonsten: Kehl-Gomez, der immer wieder das Spiel in der zweiten Hälfte angekurbelt und koordiniert hat.

Zudem war dieser Erfolg auch psychologisch nicht unwichtig: der SC Verl hat mit Gladbach sicher keine einfache Aufgabe vor der Brust, RWO muss gar pausieren, da in Wuppertal mal wieder Winter ist. Ein Sieg am Mittwoch gegen Haltern, und die Oberhauser sind schon wieder fünf Punkte zurück und damit mächtig unter Druck. Und wer weiß, ob in Ostwestfalen am Montag nicht noch der zweite Lizenzverzicht bekanntgemacht wird. Die Gerüchteküche brodelt jedenfalls heftig.

Das alles soll uns jedoch nicht davon abhalten, das Wochenende zu genießen. Wie viele Jahre mussten wir Ende Februar nun schon den anderen dabei zugucken, wie sie sich um den Platz an der Spitze streiten – diesmal sind wir mittendrin!

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